Posts mit dem Label Bergpredigt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bergpredigt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 28. Februar 2026

Ein befremdliches Gespräch über die Bergpredigt zu Zeiten der Friedensbewegung

 

Ein befremdliches Gespräch über die Bergpredigt zu Zeiten der Friedensbewegung



Die Bergpredigt, das ist das Zentrum unseres christlichen Glaubens, Nie sei dieser Text so aktuell wie jetzt, Bisher, gerade in den Zeiten des „Thron-und Altar Bündnisses“ sei er von der Kirche völlig entstellt worden, ja die Kirche habe gar Waffen gesegnet, aber jetzt ist unsere Stunde des Pazifismus gekommen!“

Der erste Einwand: „Was hat den: „Selig, die Frieden schaffen (pacem facere) mit einem Pazifismus zu tuen? Das „pacem facere“ ist resultativ gemeint und besagt nichts über das Wie des Friedensschaffens aus, wohingegen der Pazifismus eine Gesinnung meint.“

Gottes Gebot heißt: >Du sollst nicht töten!< Das verlange einen Pazifismus!“

Wenn diese Übersetzung zuträfe, warum wird dann in der Bibel nie einer der vielen Kriege, die Israel zur Eroberung des ihnen von Gott verheißenden Landes geführt hat, als Sünde, als ein Handeln wider Gottes Willen qualifiziert?“

Ach, das Alte Testament! Jesus hat alles ganz neu gemacht und uns von so dem kriegslüsternen AT-Gott befreit! Jesus habe nie Gewalt angewandt, zu Zeiten des Alten Testaments hatten die Juden diesbezüglich noch recht unklare Vorstellungen über Gott!“

Könnte diese Differenz nicht etwas mit dem Unterschied von privatem und staatlichem Handeln zu tuen haben. Es muß doch das Gewaltmonopol des Staates bedacht werden.“

Ah, Du willst auf das Votum des Bundeskanzlers Schmitt hinaus: Man könne die Welt nicht mit dem Evangelium, der Bergpredigt regieren, Die sei nur was für Weltfremde, die keine Verantwortung für ihre Nächsten trügen!“

Lasse uns doch mal zum Text der Bergpredigt zurückgehen! Eine simple Eingangsfrage hätte ich dazu: Wenn ich einen Kinofilm sehen möchte, erkundige ich mich nach den Eintrittsbedingungen, daß es da etwa heißt: Mindestalter 16 und 8 Euro Eintritt. Dann weiß ich, daß ich beide Conditionen erfüllen muß, um den Kinofilm sehen zu dürfen. Es reicht also weder aus, zwar 17 Jahre alt zu sein, wenn ich keine 8 Euro bezahlen kann noch reichen die 8 Euro, wenn ich erst 15 Jahre alt bin. Die Bergpredigt bennennt nun die Eintrittsbedingungen in das Reich Gottes. Habe ich nun alle zu erfüllen oder reicht mir eine von den da aufgezeigten?“

(Auf diese Frage konnte mir kein theologischer Dialogpartner eine Antwort geben! Kopfschüttelnd hieß es nur: „Das sei Sophistik!“ Aber der Dialog zeigte dann, daß es dem Bergpredigtchristen auch nicht in erster Linie um das „ewige Leben“ und das „jenseitige Reich Gottes“ ginge, sondern darum, wie wir Christen eine bessere, humane Welt erschüfen könnten!)

Also, die Bergprdigt Jesu ist eine Programmskizze zur Humaniserung der Welt ohne Krieg und ohne Ungerechtigleit?- Dann hätte ich dazu eine simple Frage. Wenn mein Dialogpartner eine Theologin war, friug ich so: Stelle Dir bitte diese Situation vor. Du hast eine 12 jährige Tochter, ein bildhübsches junges Madel. Du kommst vom Einkaufen retour, während Deine Tochter fleißig Daheim ihre Schulaufgaben erledigt. Als Du nun die Wohnungstüre aufschließt, siehst Du Deine Tochter, am Boden liegend, völlig entkleidet und über ihr einen fremden Mann, der ihr gerade ein Brotmesser in die Brust rammen will, nachdem er Deine Tochter offensichtlich vergewaltigt hat.Was tust Du dann als eine überzeugte Pazifistin? (Bei Männerm wandelte ich die Situation etwas um: Da lag dann seine Freundin, wie beschrieben am Boden!)

Sagst Du da zu dem Vergewaltiger: „Das darfst Du nicht“ und siehst dann zu, wie Deine Tochter ermordet wird?“ Du liebst Deine Tochter! Wäre es da nicht christlicher, den Mann mit Gewalt daran zu hindern, Deine Tochter zu morden, als pazifistisch gesonnen: -Keine Gewaltanwendung- den Mord hinzunehmen?“

Hier kapitulierte jede Pazifistin und gestand,daß in diesem Falle Gewalt gegen den Vergewaltiger erlaubt sei.

Ich resümierte: Wie immer auch die Bergpredigt auszulegen sei, die Auslegung dieses Textes ist sehr schwer, muß in kriteriologischer Hinsicht gesagt werden: Die Bergpredigt darf nicht so interpretiert werden, daß der Christ dann gegen das Gebot der Nächstenliebe verstoßen muß. Es gibt Situationen, in denen um der Nächstenliebe willen Gewalt gegen Angreifer erlaubt, vielleicht sogar geboten ist. Jesus hätte nie von einer Mutter verlangt, auf eine Gewaltanwendung zu verzichten, um somit ansehen zu müssen, wie ihr eigenes Kind dann ermordet wird.Das hat auch im politischen Raum zu gelten: Jeder Staat hat das Recht, wird er militärisch angegriffen, sich kriegerisch zu verteidigen!

In unserer postlapsarischen Welt der Gewalt und der Kriege wäre ein konsequenter Pazifismus die Einladung an alle Gewalttäter, im privaten wie im politischen Raume, die Nichtgewaltbereiten unermeßlich zu maltraitieren und letztendlich zu töten! Das kann und darf keine christliche Praxis sein! 

 

"Pacem facere" mit "Pacifismus" gleichzusetzen, ist schon arg peinlich. 





Mittwoch, 9. April 2025

Ein verhängnisvoller Irrtum: Wollte Jesus durch seinen Gewaltverzicht ein Vorbild des Deeskalisierens sein? Ein Beitrag zum Karfreitag

 

Ein verhängnisvoller Irrtum: Wollte Jesus durch seinen Gewaltverzicht ein Vorbild des Deeskalisierens sein?



Der Karfreitag kommt näher auf uns zu und damit steht die liberale Theologie Jahr für Jahr wieder vor der Aufgabe, dieses Skandalon der christlichen Religion irgendwie zu bewältigen, für die Zeitgenossen zu etwas Hinnehmbaren zu transormieren.

Eine besondere Strategie dieser Umformung soll hier skizziert werden.Aber nicht in medias res, sondern über einen scheinbaren Umweg möchte ich hier diese Strategie rekonstruieren. In den „Beherzigungen für jeden Tag des Monates“ aus den Schriften des heiligen Bonaventura zitiert M. Sintzel1.In dem der Tugend der Sanftmut gewidmeten „Neunten Tag“ heißt es: Friede und Eintracht erhält der Sanftmütige mit dem Nächsten.Denn wie ein Federkissen die Gewalt eines geschleuderten Steines bricht,so bricht auch ein sanftmütiger Mensch die Gewalt des Zornes und Unwillens,wenn er ein sanftes und friedliches Wort zurückgibt.Deshalb lesen wir auch im Buch der Sprichwörter: >Eine weiche Antwort bricht den Zorn>.Spr 15,1.“

Damit versucht diese Betrachtung der Tugend der Sanftmut die Seligpreisug Jesu: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen!“Mt 5,4 zu deuten und verkennt damit das Eigentliche dieser Verheißung. Das Positive an dieser Tugend ist, daß Gott den diese Tugend Praktizierenden mit dem ewigen Leben belohnen will, Jesu Morallehre ist eindeutig eine Lohnlehre, aber nicht meint er, daß diese Tugend,praktiziert weltimmanent positiv sich auf das zwischenmenschliche Leben auswirke und daß das dann das Positive dieser Tugend sei.Jesus Christus glaubt Gott als einen belohnenden und bestrafenden Gott, wobei der Schwerpunkt dann auf das eschatologische Endgericht gelegt wird. Nicht sind die Tugenden etwas, das unser Leben gut werden läßt oder schlecht im Sinne von, daß es mir gut oder nicht gut ergeht, je nachdem ob ich tugendhaft lebe oder nicht.

Der Glaube, daß die praktizierte Sanftmut andere Gewaltbereite davon abhält, gegen den Sanftmütigen aggressiv zu agieren, ist nun leider eine fromme Illusion. Gerade die Sanftmütigen, die die nicht zurückbeißen, sind das Vorzugsopfer des Mobbings, sind geradezu dazu prädestiniert,Opfer sexuellen Mißbrauches zu werden:“Mit denen kann man es ja machen, denn die wehren sich nicht und lassen sich alles gefallen!“ Menschen lächeln sich gerne wechselseitig an, besonders wenn ihnen gesagt wird: „Jetzt photographiere ich Sie!“ Auf welchem so gestellten Bild lächelt der Photographierte nicht in die Kamera! Er lächelt und zeigt dabei gleichzeitig die Zähne. Die Zähne sind ursprünglich eine Angriffswaffe des Menschen, ihr Zeigen signalisiert: „Ich kann Dich beißen“ und das demonstrierte Lächeln: „Ich kann auch friedlich mit Dir umgehen!“ Diese zweifache Geste stellt den so Angesprochene vor eine Frage: „Wie willst Du unser Miteinander gestalten: friedlich oder aggressiv? Beides kann ich!“ Die Wahl eines friedlichen Miteinanders ist so oft nur das Ergebnis der Einschätzung der Kraft des Anderen, daß der im Konfliktfall sich als der Beißkräftigere erweisen könnte. Im politischen Raum heißt das, daß nur der zum Krieg Fähige und dazu auch Bereite im Frieden leben kann. Dagegen reißt die gelebte Sanftmut den Aggressiven zum Angreifen und gar zum Quälen des Opfers.

Wenn es eine systemische Ursache für die Mißbräuchsfälle in der Kirche gibt, dann wäre das eine pazifistisch ausgelegte Bergpredigt: „Du darfst dem Vergewaltiger, dem der Dir Böses antuen will, keinen Widerstand entgegensetzen und mußt dann Deinem Bruder, dem Christen 77mal vergeben und ihn dann noch, da er Dein Feind ist, lieben!“

Warum starb Jesus Christus den so qualvollen Tod am Kreuze? Eine Selbstverständlichkeit ist es geworden, die traditionelle Auslegung, wie sie am eindrucksvollsten Anselm von Canterbury vorgelegt hat in seinem nicht genug zu bewundernden Werk: „Warum Gott Mensch wurde“ als nicht mehr zeit(geist)gemäß zu reprobieren: Er starb nicht für uns einen Sühnetod.Aber warum dann? Weil er als der Sanftmütigste den Kreislauf der Gewalt unterbinden wollte: Er hätte als Allmächtiger auf die Gewalt, die ihm angetan wird, mit einer Gegengewalt reagieren können, die wiederum ein Mehr an Gewalt seitens der Gewalttätiger evoziert hätte, sodaß eine Gewaltspirale daraus erwüchse, daß mit immer mehr Gewalt reagiert würde. Diese Eskalation der Gewaltanwendung wollte Jesus verhindern, indem er auf jede Gegengewalt verzichtete und so sanftmütig die Gewalttäter besänftigte, so wie es der Traktat über die Sanftmut sich es vorstellt.

Aber Jesus wurde doch auf das Grausamste von den Soldaten gequält, ja sein Erdulden provozierte geradezu die Gewalttäter, ihn umso mehr zu mißhandeln. Warum: Jesus sollte den Kreuzestod erleiden als die Sühne für unsere Sünden und deswegen reagierte er nicht mit Gewalt gegen die ihm angetan werdende Gewalt. Nicht meinte er, durch sein freiwilliges Erleiden würde er die Welt gewaltfreier machen, daß ob seiner praktizierten Sanftmut die Gewalttätigen abließen von ihrer Gewalt. Nein, er hatte so den Zorn Gottes über uns Sünder zu besänftigen aber er legte uns damit kein Programm zur Befriedigung der Welt vor. Für das praktische Leben gilt weiter die bittere Wahrheit: Die Sanftmütigen sind das Lieblingsopfer aller Aggressiven, und nur wer kriegsbereit ist, kann in Frieden leben. 

Zu Zeiten Jesu war die Gewaltfrage höchst virulent als die Frage der Option eines gewaltsamen Befreiungskampfes wider die römische Fremdherrschaft. Hier positionierte sich Jesus und das Urchristentum eindeutig: Statt auf eine politische Befreiung Israels setzte es auf die Erlösung durch die Wiederkunft Jesu Christi, der dann das Reich Gottes bringen werden wird. 







1Michael Sintzel, Maria,meine Zuflucht und mein Trost“, neue verbesserte Auflage,1019,S.177f. Dieses Werk kann man gar nicht angemessen würdigen wegen seiner überragenden Qualität! Selbst Superlative reichen da nicht aus.

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Amerikanischer Pragmatismus- Kurz und bündig

Selig sind, die Frieden schaffen, wohl für die meisten die Zentralaussage der Bergpredigt Jesu. Im Lateinischen heißt das: pacem facere. In den Hochzeiten der Friedensbewegung wurde dann aus dem pacem facere ein Pazifist: Selig sind die Pazifisten! Aber Pazifismus ist eine Gesinnung, das pacem facere ist aber resultativ gemeint: Wer den Frieden erwirkt!
Im Amerikanischen heißt das dann Peacemaker (Friedensmacher). Was versteht nun ein Amerikaner unter einem Peacemaker? Einen Revolver! Und wie schafft nun ein Amerikaner Frieden? Ganz einfach, indem er all seine Feinde erschießt. So einfach geht Friede pragmatisch. Und wie verträgt sich das mit dem jesuanischen Gebote der Feindesliebe? Ganz einfach pragmatisch. Erst erschießt man seinen Feind und dann liebt man ihn, denn tote Feinde zu lieben, geht ganz einfach.

Zusatz:
Den Amerikaner wird ein Kontinentaleuropäer nie begreifen, wenn er die amerikanische Kinderstube vergißt, den "Wilden Westen", als es nur einen sehr schwachen Staat gab und jeder, mit seinem Revolver in der Hand selbst sein Recht durchsetzte. Der Staat erschien da nur als Gefährdung der individuellen Freiheit, die jeder sich nahm kraft seines Revolvers.   

Mittwoch, 27. Februar 2019

Irritationen: Feindesliebe

"Liebet eure Feinde", das ist nach der Meinung vieler die Substanz christlicher Ethik, ja das Spezificum unserer Religion. Nur, daß dann bedauernd hinzugefügt wird, daß dies Ideal uns eben oft überfordere, sodaß Gott schon mit uns zufrieden wäre, bemühten wir uns um eine Feindesliebe. Das klingt gut, auch wenn moderne philosemtische Kreise darauf wert legen, daß die hebräische Bibel das so auch schon gelehrt habe, denn der Reformrabbi Jesus habe doch nie etwas gelehrt, was über die hebräische Bibel hinausginge.
Augenfällig ist nun, daß die Klärung, wer denn unser Feind sei, eigentümlich unbestimmt bleibt. Der erste Feind des Menschen ist unbestreitbar der Satan (sofern nicht modernistisch seine Existenz verneint wird- Papst Franziskus redet erfreulicherweise angemessen oft von diesem wahren Feind jedes Menschen!) Eines ist somit klar: Wenn Jesus von der Feindesliebe spricht, kann er auf keinen Fall damit den Teufel, den wahren Feind mit seinen abgefallenen Engeln meinen. Also sagt hier Jesus nicht, daß jeder Feind zu lieben ist, sondern nur bestimmte. Welche dann? 
Alle menschlichen? Carl Schmitt verdanken wir  hierzu eine wirklich überzeugende Klärung, wenn er in seinem Essay: "Der Begriff des Politischen" feststellt:"Die deutsche Sprache unterscheidet nicht zwichen dem  privaten und dem politischen "Feind". (1963, S.29).Das Gebot: Liebet eure Feinde (Matth 5,44) meint den privaten Feind, inimicos und nicht hostes. Als Erläuterung fügt er hinzu, was bei unseren Gutmenschristen das pure Entsetzen hervorrufen muß: "Auch ist in dem tausendjährigen Kampf zwischen Christentum und Islam niemals ein Christ auf den Gedanken gekommen, man müsse aus Liebe zu den Sarazenen oder den Türken Europa, statt zu verteidigen, dem Islam ausliefern." (S.29) Das schrieb Carl Schmitt im Jahre 1932, heute fast 100 Jahre danach ist das die Doktrin der liberalen Katholizismus geworden, dem der Papst zustimmt.Jesus wolle damit auch nicht lehren, "daß man die Feinde seines Volkses zu lieben und gegen sein eigenes Volk unterstützen soll." (S.30)  So so: Wilhelm Stapel, Der christliche Staatsmann, 1932, S.40ff.
Nur für die Sphäre des Privaten soll dieses Gebot gelten. Würde diese Limtierung nicht beachtet, zeitigte das die schlimmsten Folgen: Die Kirche würde vor ihren öffentlichen Feinden kapitulieren und durch sie zu Grunde gerichtet werden. So hatte die Katholische Kirche Spaniens recht, als sie den militärischen Kampf Francos unerstützte, um Spanien und die Kirche vor dem Bolschewismus zu retten.
Auf Wikipedia lesen wir, wen wunderst, zum Thema: Feindesliebe völlig anderes: "Als Feindesliebe wird ein individuelles und soziales Verhalten bezeichnet, das Feindschaft und Hass durch Wohltaten für Feinde und den Verzicht auf Rache und Gewalt an ihnen zu überwinden sucht. Ziel dieses Handelns ist je nach Tradition die Versöhnung, das beiderseitige Glück oder dauerhafter Frieden miteinander."  Ginge es in der realen Welt so zu, wie in den Liebsomanen von Rosamunde Pilcher oder der talentierteren Hedwig Courths-Mahler, könnte dem zugestimmt werden, aber in der Realwelt hätte solch eine Feindesliebe nur eine Folge: Die Bösen würden immer böser und die Guten rotteten sie aus. Hätte Jesus diese Illusion gelehrt, tuet den Bösen Gutes, damit sie so auch gut werden, müßte Jesus als gemeingefährlicher Utopist beurteilt werden, der nämlich das Reich des Teufels auf Erden durch seine Feindesliebe den Weg bereitet.
Aber, und das ist die Pointe von Jesu Bergpredigt: Sie ist kein Programm zur Weltverbesserung, zur Befriedigung der Welt sondern eine große Explikation der Frage des Psalms 15: Wie muß der Mensch sein, damit er eintreten darf in Gottes Heiligtum- also in das Reich Gottes, in das ewige Leben! Nicht ist also der noch näher zu bestimmende Feind zu leben, weil es die berechtigte Hoffnung gäbe, daß er durch die praktizierte Feindesliebe zum Freund wird, sondern nur deshalb, weil seine Freunde zu lieben nicht verdienstvoll sei, das täten auch die Heiden, sondern weil nur das Außergewöhnliche der Feindesliebe verdienstvoll ist. Es geht also um das Seelenheil, um dessentwillen der Feind zu lieben ist. Jesu Christi Lehre vom Verdienst, vom himmlischen wäre hier also einzuzeichnen, um dieser Aussage: Liebet eure Feinde gerecht zu werden.
Nur, daß ist eine Lehre, die nachkonziliar völlig verdrängt worden ist durch die modernistische Lehre von der bedingungslosen Liebe Gottes zu allen Menschen mit ihrer Tendenz zur Allversöhnung. Erst ob dieses modernistischen Hintergrundes konnte dann die Lehre von den Einlaßbedingungen in das Reich Gottes, in das ewige Leben umgeformt werden zu einer Weltbeglückungslehre, wie unser Leben, privat wie im Politischen friedlicher und humaner werden könnte: Sei lieb zu den Feinden und auch sie werden lieb werden. Realistischer ist dagegen Folgendes: Ein Mann versucht eine Frau zu vergewaltigen. Die sagt zu ihm: Ich liebe Dich, weil Jesus mir die Feindesliebe gebietet. Der darauf: Wunderbar, dann werde ich dich jetzt vergewaltigen und du wirst mich nicht anzeigen, weil du mich liebst. Ach, wenn alle Frauen doch die Bergpredigt so ernst nähmen- es wäre paradisisch für mich. Der Teufel- er würde nur noch triumphieren, denn so siegte sein Reich! 
Nun wird es leider noch vewirrender: Was heißt denn, den Feind zu lieben?Heißt das, daß wenn er Böses tuen will, ihn nicht daran zu hindern? Oder heißt das, ihn aus Liebe zu ihm, am Bösestuen zu hindern? Hat ein Terrorist schon  ein paar Geiseln erschossen und will nun eine weitere töten, könnte dann die Liebe zu diesem Feinde darin bestehen, daß ein Polizist ihn erschießt, um ihm am weiteren Töten zu hindern, wenn nicht anders das Leben der anderen Geiseln zu retten ist? Aber ist das nicht absurd, daß dann das Töten ein Akt der Feindesliebe wäre?
Die Feindesliebe ist wirklich ein äußerst  schwieriges Gebiet und so bleibt es leider bei diesem sehr Frsgmentarischen.   

Samstag, 5. September 2015

Fragen zur Auslegung der Bergpredigt

Kein Text des Neuen Testamentes ist wohl so bekannt wie der der Bergpredigt, aber er gehört doch zu den schwierigsten der Bibel. Als Präludium der Bergpredigt ist Psalm 15 anzusehen, betitelt in der Einheitsübersetzung mit: "Die Einlaßbedingungen für den Eintritt ins Heiligtum". Jesus lehrt in seiner Bergpredigt die Einlaßbedingungen in das Reich Gottes, anknüpfend an diesen Psalm. Der Psalm frägt, wie muß der leben, der Eintritt bekommen will in das Heiligtum Gottes.
Als Bedingungen werden gelehrt:
makellos leben , das Rechte tuen, die Wahrheit sagen, und nicht verleugnen      (V2)
seinem Freunde nichts Böses tuen, seinen Nächsten nicht schmähen                  (V3)
den Verworfenen verachten und die Gott fürchten, ehren                                    (V4)     
sein Versprechen nicht ändern                                                                              (V5)
Geld nicht auf Wucher ausleihen und keine Bestechung zum Nachteil von
                                       Schuldlosen annehmen                                                    (V6)

Eine Frage erhebt sich uns da sofort: müssen alle Bedingungen erfüllt werden, oder reicht es, eine der vielen zu erfüllen? Aber man könnte auch fragen, ob nicht das "makellos Leben" die anderen Bedingungen inkludiert, sodaß wer eben Böses tut, Bestechungsgelder nimmt eben nicht makellos lebt. Dann wäre das "makellos Leben" der Oberbegriff und die weiteren Bestimmungen wären Explikationen dessen, was es heißt, makellos zu leben. Es fällt auf, daß rein moralisches Verhalten verlangt wird, daß dagegen spezifisch religiöses Verhalten nicht erwähnt wird. Oder weist dies Fehlen daraufhin, daß hier keine Vollständigkeit erreicht ist? "Gott fürchten" könnte aber auch so gedeutet werden, daß die Grundvoraussetzung des Lebens, so wie es hier der Psalm veranschaulicht, die Gottesfurcht ist. 
Eines präsumiert dieser Psalm als Selbstverständlichkeit: daß es für den Menschen erstrebenswert ist, das Ziel des Eintrittes in Gottes Heiligtum zu erreichen und daß darum der Mensch sich bemühen will, die Einlaßbedingungen zu erfüllen. Nicht sind also diese Weisen des Lebens, makellos zu leben, das Rechte zu tuen an sich etwas Positives, so daß der Mensch so lebt, weil es für ihn gut ist, so zu leben. Es ist eine auf ein Ziel hin ausgerichtete Ethik, die ihr Ziel nicht in der Immanenz des rechten Verhaltens hat, sondern in der Transzendenz des Zieles. 

Was lehrt Jesus Christus nun in der Bergpredigt?  "Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen." Mt 5.20. Er lehrt die Einlaßbedingungen in das Reich Gottes und betont, daß es möglich ist, daß Menschen, weil sie nicht den Einlaßconditionen Genüge tuen, nicht eingelassen werden. Und Jesus sagt auch hier eindeutig, daß die Pharisäer und Schriftgelehrten nicht eingehen können in das Reich Gottes. Der Grund verblüfft aufs erste: daß ihre Gerechtigkeit nicht groß genug ist. Jesus setzt hier einen quantitativen Gerechtigkeitsbegriff voraus, daß ein Mensch mehr oder weniger gerecht sein kann und keinen absoluten, daß man entweder gerecht oder nicht gerecht ist. Das ist so, als wenn ich beim Eintrittsticketkauf statt des ganzen Preises nur die Hälfte der geforderten Geldsumme bezahlen könnte. "Euer Lohn im Himmel wird groß sein", verheißt Jesus (V12) 
Auch bei Jesus gilt. daß das geforderte Tun seinen Sinn nicht in sich selbst hat, sondern daß der Mensch so zu leben hat, damit er eingehen darf in das Reich Gottes. Unklar ist nun, ob nun der Lohn noch einmal verschieden ist von dem Sein im Reich Gottes und somit eine Gratifikatation über das Eintretendürfen in das Reich Gottes hinaus meint. 
Eines wird man jetzt wohl nicht meinen dürfen, daß Jesus als Lehrer der Gerechtigkeit die Einlaßconditionen des Psalmes 15 einfach außer Kraft gesetzt  und sie durch neue ersetzt hätte. Es muß wohl eher an eine Explikation der Einlaßconditionen gedacht werden. Oder sollte hier Jesus die Bestimmungen des Psalmes wirklich für nicht hinreichend erklären? Dann würde er urteilen, daß die Conditionen des Psalmes 15 wohl ausreichen, um in das Heiligtum Gottes einzutreten (den Tempel), aber sie reichten nicht aus für den Eintritt in das Reich Gottes. Dann ergäbe auch das Urteil über die Pharisäer und Schriftgelehrten einen klaren Sinn: ihre Gerechtigkeit reicht aus für den Einlaß in den Tempel, nicht aber für den Eintritt in das Reich Gottes als dem ewigen Leben.
Was sind nun die Einlaßconditinen?
arm sein vor Gott                                                        (V3)
trauern                                                                         (V4)
keine Gewalt anwenden
      nach der neuen Einheitsübersetzung, traditionell: 
sanftmütig sein                                                              (V5)
hungern und dürsten nach Gerechtigkeit                     (V6)
barmherzig sein                                                             (V7)
ein reines Herz haben                                                    (V8)
Frieden stiften                                                                (V9)
um Gottes Gerechtigkeit verfolgt werden                      (V10)
beschimpft und verfolgt werden um Christi willen         (V11)

Offenkundig ist die Übersetzung keine Gewalt anwenden dem pazifistischen Zeitgeist geschuldet. Sanftmütig ist die traditionelle, dem griechischen Text entsprechende  Übersetzung!  Von Mose sagt die hl. Schrift, daß er der sanftmütigste aller Menschen war und von ihm wird gesagt, daß er einen ägyptischen Aufseher tötete, er also sehr wohl Gewalt ausgeübt hatte. Zudem widerspräche diese Übersetzung dem Geiste des AT in Gänze, denn in ihm werden Israels Könige nie verurteilt, bloß weil sie Kriege führten und das ist eindeutig eine Gewaltanwendung.  
Wenn nun ein Mensch nun nur dann in das Reich Gottes eingehen kann, wenn er all diese Conditionen erfüllt, was, wenn er, obwohl ein Christ nicht verfolgt und beschimpft wird? Oder sollte Jesus hier meinen, daß wer ein wahrer Schüler von ihm ist, daß der immer verfolgt werden wird, weil er sein Schüler ist?
Es sind also Tugenden, die Jesus hier von seinen Schülern einfordert, daß sie sie erlernen sollen. Aber wie erlernt man es, zu trauern? Wie, nach der Gerechtigkeit zu dürsten? etc...Der Lehrer der Gerechtigkeit hält dies wohl für etwas Erlernbares! Aber kann man sich des Eindruckes erwehren, daß dann nur sehr wenige in das Reich Gottes eingehen werden können? 

Gehört jetzt das Verbot der Ehescheidung (5,31f) auch so den Konkretionen der Einlaßbedingungen?
Wie verhält sich diese Lehre von den Einlaßconditionen zu der paulinischen Lehre vom Glauben, durch den wir vor Gott gerecht werden? Wie zu Jakobus, daß nur der in guten Werken tätige Glaube uns vor Gott gerecht macht? Eines ist aber unüberlesbar: Jesus Christus kennt keine bedingungslose Liebe Gottes, wenn darunter verstanden wird, daß, weil Gott bedingungslos liebe, jeder auch als so Geliebtwerdender in das Reich Gottes eingehen wird!        
              

    

Montag, 15. Juni 2015

Bergpredigt und amerikanischer Pragmatismus



Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden- so lehrt es uns Jesus Christus als Lehrer der Gerechtigkeit in seiner Bergpredigt. Der Psalm 15, überschrieben in der Einheitsübersetzung mit: "Die Bedingungen für den Eintritt ins Heiligtum" bildet den alttestamentlichen Hintergrund der Bergpredigt. "Herr, wer darf Gast sein in deinem heiligen Zelt, wer darf weilen auf deinem heiligen Berge ?"  (Psalm 15,1)Der Psalm antwortet, daß es auf die moralische Qualität ankommt. Eintreten darf, wer makellos lebt, das Rechte tut, die Wahrheit sagt, nicht verleumdet, seinem Freunde nichts Böses antut, seinen Nächsten nicht schmäht, der sein Versprechen hält, der keinen Wucher betreibt, wer sich nicht bestechen läßt (V1-5). Aus dem Rahmen fällt dann aber: "der den Verworfenen verachtet, doch alle, die den Herrn fürchten, in Ehren hält" (V.4). Mit den "Verworfenen" sind natürlich die von Gott Verworfenen gemeint-und nicht etwa die, die einem Menschen irgendwie zuwider sind. 
Jesus entfaltet nun als der Lehrer der Eintrittsbedingungen in das Reich Gottes, wie wir Menschen beschaffen sein müssen, wenn wir in das ewige Leben eingehen wollen. Selig, die Frieden schaffen, wörtlicher übersetzt, heißt so: wer Frieden schafft, der darf eingehen in das Reich Gottes. Pacem facere hieße das im Lateinischen. Und so manch friedensbewegter Christ interpretierte dann in den Blütenzeiten der Deutschen Friedensbewegung  : wer Pazifist ist, geht ein ins Reich Gottes! Nur Pazifist meint eine Gesinnung, das pacem facere meint aber etwas Resultatives. Nicht wer friedlich gesonnen ist, sondern wer effektiv den Frieden schafft, ist ein Kind Gottes.
Gegenüber uns Deutschen zeichnet sich der Amerikaner durch schlichten Pragmatismus aus. und so übersetzt er Pasem facere mit "Peacemaker," Friedensmacher, und was versteht er dadrunter? Wikopedia gibt uns da die passende Antwort(unter dem Stichwort: Colt Single Action Army):     "Der Colt Single Action Army, auch bekannt als Peacemaker, Colt 1873, SAA und Colt 45, ist der erste von der Colt’s Patent Firearms Manufacturing Company hergestellte großkalibrige Patronenrevolver mit geschlossenem Rahmen. Die sechsschüssige Trommel wird wie bei allen Single-Action-Revolvern durch das Spannen des Hahns weitergedreht."
Der sechsschüssige Trommelrevolver ist dem Amerikaner der Friedensstifter der Bergpredigt. Wie das? Wenn ich all meine Feinde erschossen habe, und der letzte erschossen daniederliegt, dann ist Friede.Irgendwie empfindet ein Deutscher bei so viel Pragmatik mehr als ein Unbehagen! Wenn man dann noch gut amerikanisch die Feinde des Friedens, die man zu erschießen gedenkt, identifizieren kann mit den von Gott "Verworfenen", die uns der Psalm 15 zu verachten lehrt (V 4), dann ist man wohl ein wahrer amerikanischer Pragmatiker. Und jeder Blick in ein Geschichtsbuch konfirmiert uns dies  so geht amerikanische Friedenspolitik. 
Aber wie die "Verworfenen" erkennen? Dazu muß man sich eines erinnern. Amerika ist calvinistisch geprägt. Die Ursprungsfrage Calvins hieß: wie erkenne ich, ob ich ein von Gott Erwählter und nicht ein Verworfener bin! Zu beachten ist dabei das Verb: erkennen! Nicht lautet die Frage, was muß ich tuen, um ein Erwählter zu werden! Gott erwählt und verwirft vor aller Zeit, er erwählt den Einen zum ewigen Leben und den Anderen zum ewigen Unheil. (Die Katholische Kirche verwarf diese doppelte Erwählungslehre Calvins.) Der Mensch steht nun nur vor der Aufgabe, zu erkennen, ob er ein Erwählter oder ein Verworfener ist. Zu glauben, erwählt zu sein, gilt dem Calvinismus nicht als sicheres Zeichen des Erwähltseins- der Glaube kann trügen! Im Angelsächsischen Kulturraum setzte sich als modifizierter Calvinismus die Lehre durch, daß weil Gott mit seinen Erwählten ist, die Erwählten Erfolg im Leben haben Nicht, weil sie erfolgreich sind, sind sie Erwählte, sondern weil sie Erwählte sind, sind sie erfolgreich. So und nur so gilt: Gott ist mit den Erfolgreichen. Die Engländer beziehen das dann, da sie eine Nation der Händler sind, mehr auf den ökonomischen Erfolg, die Amerikaner, da in jedem von ihnen doch ein Cowboy steckt mehr auf die militärischen Erfolge. Im amerikanischen Revolverduell siegt so immer der Richtige, denn der Sieger ist immer der Richtige, weil Gott mit den Siegern ist. 
Daß es in Amerika so wenig an Sozialstaat gibt, ist so gesehen auch eine Folge dieser angelsächsischen Prädestinantionslehre: mit wem Gott ist, der hat Erfolg und mit wem Gott nicht ist, mit dem ist Gott eben nicht. Und warum sich um die von Gott Verworfenen kümmern? Und im kriegerischen Konflikt gilt das auch: wer siegt, zeigt damit, daß Gott mit ihm ist, daß er von Gott erwählt ist und die Verlierer?- mit denen ist Gott eben nicht! Und darum kann man getrost mit dem Revolver in der Hand den Frieden schaffen- der Peacemaker ist so völlig legitimiert für den amerikanischen Pragmatismus! 
Wem das zu oberflächlich ist, ist eben ein zur Metaphysischem neigender Deutscher, darin den Griechen geistesverwandt, während der Amerikaner immer im Römer sein Vorbild sieht, jetzt wo diese Nation mit ihrer pax americana die ganzen Welt per Peacemaker  beglücken will. Das nennt man "Globalisierung"!