Ein befremdliches Gespräch über die Bergpredigt zu Zeiten der Friedensbewegung
„Die Bergpredigt, das ist das Zentrum unseres christlichen Glaubens, Nie sei dieser Text so aktuell wie jetzt, Bisher, gerade in den Zeiten des „Thron-und Altar Bündnisses“ sei er von der Kirche völlig entstellt worden, ja die Kirche habe gar Waffen gesegnet, aber jetzt ist unsere Stunde des Pazifismus gekommen!“
Der erste Einwand: „Was hat den: „Selig, die Frieden schaffen (pacem facere) mit einem Pazifismus zu tuen? Das „pacem facere“ ist resultativ gemeint und besagt nichts über das Wie des Friedensschaffens aus, wohingegen der Pazifismus eine Gesinnung meint.“
„Gottes Gebot heißt: >Du sollst nicht töten!< Das verlange einen Pazifismus!“
„Wenn diese Übersetzung zuträfe, warum wird dann in der Bibel nie einer der vielen Kriege, die Israel zur Eroberung des ihnen von Gott verheißenden Landes geführt hat, als Sünde, als ein Handeln wider Gottes Willen qualifiziert?“
„Ach, das Alte Testament! Jesus hat alles ganz neu gemacht und uns von so dem kriegslüsternen AT-Gott befreit! Jesus habe nie Gewalt angewandt, zu Zeiten des Alten Testaments hatten die Juden diesbezüglich noch recht unklare Vorstellungen über Gott!“
„Könnte diese Differenz nicht etwas mit dem Unterschied von privatem und staatlichem Handeln zu tuen haben. Es muß doch das Gewaltmonopol des Staates bedacht werden.“
„Ah, Du willst auf das Votum des Bundeskanzlers Schmitt hinaus: Man könne die Welt nicht mit dem Evangelium, der Bergpredigt regieren, Die sei nur was für Weltfremde, die keine Verantwortung für ihre Nächsten trügen!“
„Lasse uns doch mal zum Text der Bergpredigt zurückgehen! Eine simple Eingangsfrage hätte ich dazu: Wenn ich einen Kinofilm sehen möchte, erkundige ich mich nach den Eintrittsbedingungen, daß es da etwa heißt: Mindestalter 16 und 8 Euro Eintritt. Dann weiß ich, daß ich beide Conditionen erfüllen muß, um den Kinofilm sehen zu dürfen. Es reicht also weder aus, zwar 17 Jahre alt zu sein, wenn ich keine 8 Euro bezahlen kann noch reichen die 8 Euro, wenn ich erst 15 Jahre alt bin. Die Bergpredigt bennennt nun die Eintrittsbedingungen in das Reich Gottes. Habe ich nun alle zu erfüllen oder reicht mir eine von den da aufgezeigten?“
(Auf diese Frage konnte mir kein theologischer Dialogpartner eine Antwort geben! Kopfschüttelnd hieß es nur: „Das sei Sophistik!“ Aber der Dialog zeigte dann, daß es dem Bergpredigtchristen auch nicht in erster Linie um das „ewige Leben“ und das „jenseitige Reich Gottes“ ginge, sondern darum, wie wir Christen eine bessere, humane Welt erschüfen könnten!)
„Also, die Bergprdigt Jesu ist eine Programmskizze zur Humaniserung der Welt ohne Krieg und ohne Ungerechtigleit?- Dann hätte ich dazu eine simple Frage. Wenn mein Dialogpartner eine Theologin war, friug ich so: Stelle Dir bitte diese Situation vor. Du hast eine 12 jährige Tochter, ein bildhübsches junges Madel. Du kommst vom Einkaufen retour, während Deine Tochter fleißig Daheim ihre Schulaufgaben erledigt. Als Du nun die Wohnungstüre aufschließt, siehst Du Deine Tochter, am Boden liegend, völlig entkleidet und über ihr einen fremden Mann, der ihr gerade ein Brotmesser in die Brust rammen will, nachdem er Deine Tochter offensichtlich vergewaltigt hat.Was tust Du dann als eine überzeugte Pazifistin? (Bei Männerm wandelte ich die Situation etwas um: Da lag dann seine Freundin, wie beschrieben am Boden!)
„Sagst Du da zu dem Vergewaltiger: „Das darfst Du nicht“ und siehst dann zu, wie Deine Tochter ermordet wird?“ Du liebst Deine Tochter! Wäre es da nicht christlicher, den Mann mit Gewalt daran zu hindern, Deine Tochter zu morden, als pazifistisch gesonnen: -Keine Gewaltanwendung- den Mord hinzunehmen?“
Hier kapitulierte jede Pazifistin und gestand,daß in diesem Falle Gewalt gegen den Vergewaltiger erlaubt sei.
Ich resümierte: Wie immer auch die Bergpredigt auszulegen sei, die Auslegung dieses Textes ist sehr schwer, muß in kriteriologischer Hinsicht gesagt werden: Die Bergpredigt darf nicht so interpretiert werden, daß der Christ dann gegen das Gebot der Nächstenliebe verstoßen muß. Es gibt Situationen, in denen um der Nächstenliebe willen Gewalt gegen Angreifer erlaubt, vielleicht sogar geboten ist. Jesus hätte nie von einer Mutter verlangt, auf eine Gewaltanwendung zu verzichten, um somit ansehen zu müssen, wie ihr eigenes Kind dann ermordet wird.Das hat auch im politischen Raum zu gelten: Jeder Staat hat das Recht, wird er militärisch angegriffen, sich kriegerisch zu verteidigen!
In unserer postlapsarischen Welt der Gewalt und der Kriege wäre ein konsequenter Pazifismus die Einladung an alle Gewalttäter, im privaten wie im politischen Raume, die Nichtgewaltbereiten unermeßlich zu maltraitieren und letztendlich zu töten! Das kann und darf keine christliche Praxis sein!
"Pacem facere" mit "Pacifismus" gleichzusetzen, ist schon arg peinlich.
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