„Die Krise der liberalen Demokratie – auf welcher Seite steht der Katholizismus?“
So frägt der gleichnamige Artikel der Internetseite „feinschwarz“ am 29.Jänner 2026. Die Frage, „auf welcher Seite stehst Du?“ ist eine inquisitorische, denn sie impliziert, daß es eine richtige und eine falsche Seite gibt, und daß man nur vom richtigen Standpunkt aus richtig etwas beurteilen könne. Parteipolitisch gewendet heißt das, daß es die eine Partei gibt, die immer recht hat und andere können nur recht haben, insoweit sie mit dieser Partei übereinstimmen.
So ließ die SED einst über sich singen: „Die Partei, die Partei, die hat immer Recht Und, Genossen, es bleibe dabei.Denn wer kämpft für das Recht.Der hat immer Recht.Gegen Lüge und Ausbeuterei.Der das Leben beleidigt.ist dumm oder schlecht.Wer die Menschheit verteidigt Hat immer recht So, aus Leninschem Geist Wächst, von Stalin geschweißt.Die Partei – die Partei – die Partei“
So einfach ist das in den Zeiten der Postmoderne nicht mehr, aber auch jetzt noch wird so dualistisch die Welt gedeutet: Wer rechts steht, ist stets im Unrecht und nur wer linksliberal ist, steht richtig. Die Guten bejahen also die liberale Demokratie, wer sie kritisiert hat a priori Unrecht. Die Französische Revolution wird nun in diesem „feinscwarz“ Artikel als die Mutter der liberalen Demokratie angesehen mit ihren Revolutionsideen, die der Menschenrechte. Deshalb müsse die Kirche auf der Seite der liberalen Demokratie stehen und jetzt praktisch die etablierten Parteien gegen die rechtspopulistische Kritik verteidigen. Es werden dann im Katholizismus finstere Hintermänner entlarvt, die sich gegen die liberale Demokratie verschworen haben, die Rechtskatholiken und wie immer man dann dies feindliche Lager beschimpft.
Eines könnte nun einen aufmerksamen Zeitgenossen zu denken geben: War nicht einst die Passion aller Linksintellektuellen die Gesellschaftskritik? Selbst Kunstwerke galten nur, wenn sie gesellschaftskritisch intendiert waren.(So erinnere ich mich, daß im Deutschunterricht Goethes „Leiden des jungen Werter“ ob seiner Gesellschaftskritik uns anempfohlen wurde!) Der Geist ist eben ein kritischer, sonst ist er keiner. Wenn man daraufhin heute sich frägt, wo denn nun die Tugend der Gesellschaftskritik noch praktiziert wird, kann irritiert konstatieren, daß jetzt die Apologie der politischen Verhältnisse zur Hauptaufgabe der Intellektuellen und der Medien avanciert ist. Kritisiert werden nur noch die Kritiker der bestehenden Verhältnisse. Die liberale Demokratie und ihre Marktwirtschaft gilt seit dem Ende des „Real existierenden Sozialismus“ als alternativlos. Ja sie muß ob ihres fortschrittlichen Charakters mit allen Mitteln verteidigt werden.
Und die Kirche soll nun als ein systemrelevanter Faktor ihre Aufgabe der Apologetik des politischen Systemes übernehmen. Alle utopistisch- eschatologischen Elemente der christlichen Religion werden so eingemottet,um sich ganz auf die Herleitung der Menschenrechte und der Würde des Menschen aus dem Schöpfergott zu deduzieren. In dem Menschenrechtsglauben habe sich so die Mission der christlichen Religion erfüllt. Die liberale Demokratie und ihre Marktwirtschaft sei sozusagen die Fleischwerdung der christlichen Religion.
Deswegen müsse diese Errungenschaft verteidigt werden wie alle reaktionären Kräfte, die sich gegen den Universalismus der Menschenrechte stellen,außenpolitisch Rußland, China, der Iran und jetzt gar die USA und innenpolitisch alles, was rechts von der Politik der Bundeskanzlerin Merkel verortbar ist, denn die stehen alle auf der falschen Seite. Der kritische Geist dankt so ab indem er jetzt zum Apologeten der bestehenden Verhältnisse sich transformiert hat. Nur noch conservative Restbestände der bürgerlichen Kultur, die Ordnungen der Ehe und der Familie, des Volkes mit seinem Nationalstaat und selbst die Geschlechterdifferenz sollen wegreformiert werden, damit der Liberalismus zur einzig legitimen Ordnungsvorstellung inthronisiert wird.Deswegen habe sich auch die Kirche von Grund auf, also radical zu liberalisieren!
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