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Samstag, 3. Januar 2026

Wie Gott zensiert wird und eine Falschübersetzung aus dem Neuen Testament

 

Wie Gott zensiert wird und eine Falschübersetzung aus dem Neuen Testament



Da übersetzt uns die ölumenische Einheitsübersetzung aus dem 2.Brief des Apostelfürsten Pauli: „Darum läßt Gott sie der Macht des Irrtumes verfallen,,sodß sie der Sünde glauben.“ (2,11). Davor berichtet Paulus vom endzeitlichen Auftreten des Antichristen, der die Menschen durch Wundertaten zu verführen versucht. Nun spezifiziert Paulus das Geschick der Ungläubigen, derer die sich „der Liebe zur Wahrheit verschlossen haben, durch die sie gerettet werden sollten.“ (2.10). Gott lasse sie der Macht des Irrtumes verfallen.

Aber was steht nun in der hl. Schrift? „Und deswegensandte ihnen Gott den Irrtumsgeist, damit sie der Lüge glauben.“ Die Vulgata übersetzt so trefflich: „Ideo mittet illis Deus operratiomem erroris ut credant mendacio= deshalb schickt er ihnen den Wirker des Irrtums,damit sie der Lüge glauben.“ Die Differenz ist die zwischen: „Gott bewirkt etwas“ und „Gott läßt etwas wirken“. Vom Griecischen wie vom Lateinischen ist hier unzweideutig eindeutig ein aktives Wirken Gottes ausgeagt: Gott selbst wirkt, daß der Geist, der zum Irren führen soll, so wirkt. Der Jesuit Arndt überetzt nun in seiner Vulgataausgabe 1903 den lateinischen Text so: „Deshalb wird Gott den Trug auf sie wirken lassen,daß sie der Lüge glauben.“

Das, was Gott als von ihm Gewirktes und so auch Gewolltes wird so umgewandelt als ein von Gott nur Zugelassenes. Ein drastisches Beispiel möge diese Differenz veranschaulichen: Peter hat einen Menschen erschossen und das heißt nicht, daß er es zugelasen hat, daß ein Mensch erschossen wurde. Ein Vorurteil, was Gott an Wirken zukommen könne und was nicht, wird hier als die Norm des Übersetzens verwendet:Wenn eine Aussage der hl. Schrift über Gott dieser Norm nicht entspricht, wird der Bibeltext so „übersetzt“, das ist verändert, daß er der Norm gemäß wird.

Es dürfe nicht wahr sein, daß Gott einen Geist aussendet, damit Menschen durch ihn verführt, der Lüge statt der Wahrheit Glauben schenken. Dieser Dogmatismus ist nun ein sehr bekannter: Ein Autofahrer auf der Autobahn. Sein Radio meldet: „Achtung, ein Geisterfahrer kommt ihnen entgegen- Vorsicht!“ Aber unser Autofahrer weiß: Auf Autobahnen darf es keine ihm entgegen kommenden Fahrzeuge geben, also fährt er getrost weiter: „Immer diese Falschmeldungen!“ Er fährt und fährt und dann kommt der Frontalzusammenstoß. Unser Fahrer steht nun vor der Himmelspforte und er beschwert sich bei Petrus: Dieser angelich für mich tödlich ausgehende Unfall hat sich gar nicht ereignen können, da es laut der Straßenverkehrsordnung keine Geisterfahrer geben darf und kann und so habe ihn Petrus retour in sein Auto zu schicken,denn er könne nicht gestorben sein in Folge eines Unfalles, der sich nicht ereignen konnte und somit nicht ereignet hat.

Gott richtet sich nun leider so wenig nach unseren Wünschen wie es eben auch Geisterfahrer auf Autobahnen gibt.

Leider ist das nun nicht ein Einzelfall falschen Übersetzens. Meiner Vermutung nach steht überall, wo deutschen Bibeln von einem: Gott läßt es zu übersetzt im Original ein : Gott wirkt es steht.

Ganz arg treibt es in dieser Causa der jetzt gültige Katechismus in der Auslegung der Vaterunserbitte: „Und führe uns nicht in Versuchung“. (2846) Dort heißt es wirklich: „Wir bitten unseren Vater, uns nicht in Versuchung zu >führen<. Es ist nicht einfach,den griechischen Ausdruck, der so viel bedeutet, wie >laß uns nicht in Versuchung geraten“ oder >laß uns ihr nicht erliegen< in einem Wort wiederzugeben.“ Das ist eine glatte Lüge!. Das hier verwendete griechische Verb ist eindeutig: „Trage uns nicht in Versuchung!“ Die Vulgata übersetzt dies Verb dann mit einer Form von inducere= hineinführen, woher die uns geläufige deutsche Übersetzung stammt. Aber weder der griechische noch der lateinische Text erlaubt eine Übersetzung im Sinne von: „lasse nicht zu“.

So wird entweder ein Bibeltext falsch übersetzt oder gar völlig falsch verdeutscht, als wenn das „Führe uns nicht“ ein „Lasse nicht zu!“ bedeuten. Die Intention ist dabei offensichtlich: So harte Wahrheiten will man einem Bibelleser oder auch Leser des Katechismus nicht zumuten. Es würde ja auch kein Lungenarzt einem Kettenraucher zumuten, daß er aufhören müsse mit dem Rauchen! Eine ordentliche marktwirtschaftliche Kundenorientierung verbietet einfach das Äußern von so unappetitlichen Wahrheiten. 

 


 

Sonntag, 30. November 2025

Was nicht in der Bibel stehen dürfte: daß wir von Natur aus Kinder des Zornes seien!

 

Was nicht in der Bibel stehen dürfte: daß wir von Natur aus Kinder des Zornes seien!



Geben wir dem Apstelfürsten Paulus in dieser Causa das Wort, der nun so Ungeheuerliches aussagt: „Ihr wart tot infolge eurer WVerfehlungen und Sünden.Ihr wart einst darin gefangen,wie es der Art dieser Welt entspricht, unter der Herrschaft jenes Geistes,der im Bereich der Lüfte regiert und jetzt noch in den Ungehorsamen wirksam ist.Zu ihnen gehörten auch wir alle einmal,als wir noch von den Begierden unseres Fleisches beherrscht wurden.Wir folgten dem.was Fleisch und der böse Sinn uns eingaben und waren von Natur aus Kinder des Zornes wie die anderen.“ (Epheserbrief, 2,1-3)

Was bedeutet nun „Kinder des Zornes“ zu sein? Meint das, daß wir zum zornigsein geneigt sind, ja von unserer Natur aus gar wirklich zornig sind und nicht nur dazu geneigt? Nein. Und das ist der Skandalon dieser Aussage des Apostels Paulus: Gott zürnt uns ob unserer Sünden. Der Apostel nimmt Gott so ernst, daß er nicht beschwichtigend sagt, daß wir wohl „alle kleine Sünderlein“ sein mögen, so wie es der Schausieler Millowitsch sang, aber Gott uns alle liebe und so in seinen Himmel aufnehmen werden.

Aber es wird noch skandalöser: „von Natur aus“ schreibt er. Man könnte den Text ja nun auch so interpretieren: Weil wir den Begierden des Fleisches gehorchen sind wir kinder des Zornes. Wenn wir aber diesen Begierden nicht mehr gehorchen, dann hören wir auf, Kinder des Zornes Gottes zu sein.Unsere Natur wäre dann eine an sich indifferente, die sowohl zum Negativen wie auch zum Guten fähig wäre. Es käme nun nur darauf an, daß wie unserern fleischlichen Begierden die „Rote Karte“ zeigten und Gott würde wieder sein „Ja“ zu uns sagen.

Dann müßte auch die Herrschaft des Geistes, der in und aus den Lüften uns beherrscht eine sein, von der wir uns beherrschen lassen können oder auch nicht. Unsere Gefangenschaft wäre so eine selbstverschuldete, aus der sich der Mensch auch selbst befreien könnte.

Aber wie paßt dazu die Aussage, daß wir in unserern Sünden tot waren? Es könnte dann doch nur heißen, daß unsere Lebendigkeit beeinträchtigt wäre, wir aber auch zur Umkehr fähig wären. Da nun spontan wohl jeder Bibelleser die Begieden des Fleisches mit der Sexualität assoziiert, dann ist es doch keine Überforderung, sie nur in der Ehe zu leben um so diese Sündenmacht zu entmachten. Aber nun wird unsere Irritation noch ärger: Lebte den Paulus vor seiner Bekehrung zum christlichen Glauben als ein Pharisäer als Saulus ein Leben der fleischlichen Begierden? Das kann man nun wirklich den Pharisäern nicht vorwerfen: „Wein, Weib und Gesang“ war wirklich nicht ihre Lebensmaxime! Auch der Behauptung, daß alle Nichtchristen ein Leben der sexuellen Begierden führten, kann ernsthaft niemand vertreten. Das Begehren des Fleisches muß also etwas ganz anderes aussagen als sexuelle Begierlichkeiten.

Paulus schreibt: von unserer Natur aus um zu sagen, daß wir nicht anders können als so begierlich zu leben! Das kann aber nur eine wahre Aussage sein, wenn Paulus hier von dem erbsündlich bestimmten Menschen schreibt: Seine Natur ist so! Paulus will damit sagen, daß eine Selbsterlösung des Menschen ihm nicht möglich ist. Paulus erarbeitet sich so die Antithese von der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz Gottes stammt und der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben an Jesus Christus stammt. Stammte die Gerechtigkeit aus dem Gesetz, bräuchte der Mensch es ja nur zu halten und Gott spräche ihn gerecht. Wenn dann die Morallehre noch auf den Bereich des Sexualität fokussiert wird,dürfte man ja meinen, daß ein enthaltsames Leben schon ausreiche, um von Gott dann gerecht gesprochen zu werden.da

Das muß aber als eine Fehlinterpretation abgelehnt werden. Der Apostel lehrt hier keinen Moralismus der Selbsterlösungsfähigkeit des Menschen. Die Erbsündenlehre gehört konstututiv zur christlichen Religion, weil sie eine Erlösungsreligion ist und keine theozentrische Morallehre, daß wir Menschen nur moralisch korrekt zu leben hätten und wir wären gerecht vor Gott. Aber diese Lehre gehört auch zu den schwierigsten, weil sie zu ergründen hat, warum der Mensch nicht durch sein Tuen des Guten vor Gott gerecht werden kann, da sein Tuen notwendig nicht gut ist, aber er doch für sein Sündigen selbst verantwortlich ist.

In der modernistischen Theologie hat man dieses Thema einfach abgeschafft: Gott liebe jeden Menschen, weil jeder ein Mensch, ein Geschöpf Gottes sei: Wir sind von Natur aus Kinder der Liebe Gottes. Es bedürfe dann nur noch einer Aufklärung, daß das so sich verhielte.Damit kann die christliche Religion sich mit einem Humanitarismus verbinden, aber nur um den Preis, sich als Erlösungsreligion aufzugeben.





Dienstag, 21. Oktober 2025

Wenn eine Aussage des Neuen Testamentes theologisch nicht akzeptabel ist!

 

Wenn eine Aussage des Neuen Testamentes theologisch nicht akzeptabel ist!



Man könnte sich die Lage der Theologie und Kirche ja so zurechtlegen: Bis zum 2.Vaticanum galt die hl.Schrift und die Tradition und das Lehramt als die drei normativen Quellen der Orthodoxie und Orthopraxie der Katholischen Kirche, dann begann aber der Sündenfall, als die Kirchentore weit geöffnet wurde für den hineinbrausenden Zeitgeist, der nun nicht nur alles in der Kirche durcheinanderwirbelt, sondern selbst zu der obersten Norm innerhalb der Kirche avanciert ist.Vor dem ordnete sich die Theologie der hl.Schrift und der Tradition unter.

Diese Vorstellung soll nun einmal überprüft werden. Im 1.Petrusbrief, der der Tradition nach von dem 1.Papst verfaßt wurde, steht geschrieben: „Denn auch Toten ist das Evangelium dazu verkündigt worden,daß sie wie Menschen gerichtet werden im Fleische, aber wie Gott das Leben haben im Geiste.“ (4,6). Den Menschen im Fleische werden hier die Toten gegenübergestellt. Das bestimmt den Unterschied zwischen den auf der Erde lebenden Menschen und den Verstorbenen in der Unterwelt.Es wird die Universalität des Gerichtes Gottes hier gelehrt, daß die Verstorbenen nicht dem Gericht Gottes entgehen, da sie schon verstorben sind. (Im Hintergrund könnte eine Naherwartung des kommenden Endgerichtes stehen, daß dies Gericht nur die dann Lebenden beträfe.) Den Toten wird nun in der Unterwelt, im Hades das Evangelium gepredigt. Das impliziert, daß die Toten in der Unterwelt hörfähig sind und gar in der Lage, das gehörte Evangelium im Glauben anzunehmen oder auch nicht.Das ist eine Vorstellung, die mit den Aussagen des Alten Testamentes wie mit der griechischen Vorstellung vom Hades kompatibel ist. Daß der Tod die schlichte Nichtung des Lebens sei,lehrte zwar der Philosoph Epikur, aber erst in der heutigen Zeit findet er damit viele Anhänger.

Aber wann und wie ist denn nun den Toten in der Unterwelt das Evangelium gepredigt worden? Darüber belehrt uns ebenso der 1.Petrusbrief: Jesus ist „auch zu den Geistern gegangen,die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt.Diese waren einst ungehorsam, als Gott in den Tagen Noachs geduldig wartete,während die Arche gebaut wurde;in ihr wurden nur wenige,nämlich acht Menschen,durch die Taufe gerettet.“ (3,19f) Wird dieser Aussagenkomplex anthropologisch durchdacht, setzt das eine dualistische Antroplogie voraus, daß der Leib des Menschen in seinem Grabe liegt und seine Seele in der Unterwelt weiterexistiert.Da Jesus Christus wirklich und nicht nur zum Scheine am Kreuze gestorben ist, ist auch er als Seele in die Unterwelt versetzt worden.Hier predigte er den Seelen das Evangelium, damit auch sie gerettet werden, wenn sie die Predigt gläubig annehmen.Er predigt gar den einst Ungehorsamen, die deswegen als Geister in der Unterwelt gefangen waren, damit es selbst für diese noch eine Rettunsmöglichkeit gibt. Damit erteilt der erste Petrusbrief eine tiefgründige Antwort auf die Anfrage,ob denn dieser Jesus wirklich der Erlöser aller Menschen sei oder nur der zu seiner Zeit und der danach Lebenden oder ob vielleicht das Gericht Gottes nur den jetzt Lebenden und denen droht, die noch bevor Jesus Christus wiederkommen wird, gälte. Nein,Jesus Christus wird wiederkommen in seiner Herrlichkeit,um alle Menschen zu richten, die bis dahin Verstorbenen wie auch die dann Lebenden.

Dieser Aussagenkomplex gehört nicht zu den einfachsten der Bibel, aber ihr Gehalt läßt sich rekonstruieren, wenn man eine dualistische Anthropologie voraussetzt und ein angemessenes Verständnis vom Totsein, als einem Weiterexistieren der unsterblichen Seele in der Unterwelt, wobei das Totsein dann das endgültige Getrenntsein der Seele von Gott bedeutet. Aber Jesus wendet sich nun in seinem Totsein diesen von Gott Abgetrennten zu, damit sie aus ihrem Getrenntsein von Gott erlöst werden.

Was lehrt nun aber der jetzt gültige Katechismus zu dieser Causa? Er lehrt:“Die Seelen der Gerechten,die in Abrahms Schoß den Heiland erwarteten,hat Christus bei seinem Abstieg in die Hölle befreit“ Catech R,1,6,3).Jesus ist nicht in die Unterwelt hinabgestiegen, um die Verdammten daraus zu befreien, und auch nicht,um die Hölle,den Ort der Verdammten ,aufzuheben, sondern um die Gerechten zu befreien,die vor ihm gelebt hatten.“ (Katechismus Nr.633.) Die Seelen,denen Jesus das Evangelium in der Unterwelt gepredigt hatte,können nun aber unmöglich Gerechte gewesen sein,denn die Gerechten, es waren 8 Menschen, wurden in der Arche gerettet,die vielen anderen aber als Ungehorsame qualifiziert, sie waren also Ungerechte! Die Gerechten in Abrahms Schoß können nun auch unmöglich die gefangenen Seelen in der Unterwelt sein. Mose wie auch der Prophet Elia konnten Jesus auf dem Berge der Verklärung erscheinen, weil sie nicht in einem Unterweltsgefängnis eingesperrt waren und auch der schon verstorbene Prophet Samuel konnte dem König Saul erscheinen,und ihm sein Schicksal offenbaren, da auch er kein Gefangener in der Unterwelt war!

Nur die Sünder, die Ungerechten waren in diesem Unterweltsgefängnis und diesen predigte Jesus das Evangelium!

Nr 635 widerspricht nun aber dem in 634 Ausgesagtem: „Christus ist somit in die Tiefe des Todes hinabgestiegen;damit >die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören...und alle, die sie hören,....leben.<“ Dies erweckt doch den Eindruck,daß Jesus nicht hinabgestiegen ist,um die Gerechten in der Unterwelt zu befreien,sondern gerade die Sünder. Aber das verwirft nun die Nr 633.

In Ludwig Otts: „Grundriss der Dogmatik“ steht im Dritten Kapitel § 12:“Die Höllenfahrt Christi“. „Nach dem Tode stieg Christus mit der vom Leib getrennten Seele in die Unterwelt hinab.“ 1 Dort heißt es dann: „Der Zweck der Höllenfahrt war nach allgemeiner Lehre der Theologen,die Gerechten in der Vorhölle zu befreien durch Zuwendung der Früchte der Erlösung.d.h.durch Mitteilung der beseligenden Gottanschauung.“ 2 Erstens vermittelt die Verkündigung nicht selbst diese Gottesschau und Jesus predigt nun gerade nicht Gerechten sondern Ungehorsamen!

Wenn Ott mit seiner Behauptung recht hat, dann irrte in diesem Punkte die allgemeine Lehre der Theologen,und im jetzigen Katechismus wird in Nr.633 dieser allgemeinen Theologenlehre zugestimmt, um dann in Nr. 634 und 635 dem zu widersprechen! Der Katechismus will somit dem 1.Petrusbrief und der Lehre der Theologen zugleich recht geben und das geht nicht ineins!

Ähnlich große Probleme bereitet der Theologie die klare Aussage des 1.Korintherbriefes Pauli:“Wie kämen sonst einige dazu,sich für die Toten taufen zu lassen.“ (15,29). Für den Apostelfürsten Paulus ist es eine erlaubte und gültige Praxis,sich zugunsten von schon Verstorbenen taufen zu lassen.Der jetzige Katechismus erwähnt diese so bedeutsame Stelle für die Lehre vom Taufsakrament einfach nicht,weil sie nicht zur jetzigen Tauflehre paßt!



1Ott, Grundriss der Dogmatik,11.Auflage 2005, S.281.

2A.a.O. S.283.

Freitag, 19. September 2025

Irritationen: Eine populäre Klagelitanei: Die Jugend (und viele andere) verbrächten zu viel Zeit im Internet - oder das vergessene Abendland

 

Eine populäre Klagelitanei: Die Jugend (und viele andere) verbrächten zu viel Zeit im Internet - oder das vergessene Abendland


Statt sich dem wirklichen Leben zu stellen,lebte die Jugend zu viel in Kunst-welten, sie sollten doch lieber Osterspazieränge unternehmen, wie es schon Goethes „Faust“ tat. Wäre es nicht erstrebenswert, die Kinder und Jugend-lichen vor dieser Medienwelt zu schützen!

Aber man könnte nun angesichts dieses Klageliedes auch auf einen ganz anderen Gedanken kommen: Gehört nicht zu den Kontitutiva des Abendlandes, daß diese Kultur eine des Buches ist? Die christliche Religion ist eine Buchreligion, die aus einem heiligen Text und einem Meer von Sekundärliteratur besteht, die diesem heiligen Text subordiniert sind als Hilfsmittel zum Verstehen des Primärtextes.(Selbst die Natur konnte dabei als ein Text gedeutet werden, der nur schwerlich eindeutig lesbar war, sodaß das Eigentliche und Wahre in und nur in dem heiligen Text, der Bibel, dem Buch auffindbar sei. Ein Gebildeter war also ein Schriftgelehrter und so trat auch Jesus Christus auf, gerade in seinen Kontroversen mit den Gesetzeslehrern seiner Zeit.

Wer abendländisch kultiviert forschte, was denn die Welt im Innersten zusammenhält und was das in ihr alles ist,der las diesen Basistext und die dazugehörge Sekundärliteratur.Das Bildungsideal der Aufklärung brach nicht mit diesem Buchglauben, nur wurde hier nun die gute Literatur an die Stelle des einen heiligen Textes gesetzt.Die Musik und die Malerei wurden zwar auch geschätzt, aber der Primat wurde dem geschriebenen Wort zugesprochen als eine Folge der christlichen Buchreligion. Selbst der Antipode, der Marxismus in seiner russischen bolschewistischen Praxis blieb diesem Primat verhaftet, denn nun galt als „gebildet“ nur der, der die marxistischen Klassiker gelesen hatte:Marx, Engels und Lenin. Das, was wirklich ist, daß erschließt sich dem, der halt die richtigen Bücher liest, nur wurde nun seit der Aufklärung kontrovers diskutiert, welche Bücher die uns die Wahrheit erschließenden seien.Nietzsche hat mit Absicht seinen „Zarathustra“ als ein Antieevangelium konzipiert, das die vier Evangelien ersetzen sollte.

Daß ein gebildeter Mensch einer sei, der die Welt bereiste, um seine empirischen Erkundungen dann als eine Welterkenntnis zu qualifizieren, ist für die abendländische Kultur eine absurde Vorstellung. Dem Buchgelehrten erschließt sich stattdessen die Welt.

Daß das Empirische, daß von uns Zähl- und Meßbare das Wahre sei, markiert einen Buch mit der abendländischen Kultur. Noch der Museumsbesucher, der die Gemälde Caspar Friederichs bewundert, statt nach Draußen in die Natur zu gehen, partizipiert an dieser abendländischen Kultur, wird auch hier noch ein künstlerisches Werk höher geschätzt als die Natur selbst.

Die Epoche des Buches scheint nun durch die Epoche des Internets abgelöst zu werden. Aber auch das ist nicht einfach ein Bruch mit der abendländischen Kultur, denn immer noch stehen Texte im Mittelpunkt. Der über sein ans Internet angeschlossene technische Gerät gebeugte Textleser, der dabei seiner Umwelt kaum eine Beachtung schenkt, ist nicht Lichtjahre von dem Bücherleser in seinem Studienzimmer entfernt. Die Verachtung des Intellektuellen, dessen Wissen nur aus seinem Bücherwissen besteht, das ist erst der Bruch mit dem Abendland.

Daß die Bücher, die Texte,gar das Denken überhaupt nur ein Zweitrangiges wären, weil das Wahre einfach das Seiende sei, so wie wir es sinnlich wahrnehmen, signalisiert wohl die Abkehr vom Abendland schlechthin. Den Hintergrund bildete dabei eine metaphysische Tradition, daß alles Wirkliche ein Erscheinen der Idee von dem Erscheinenden ist,und daß die Idee als Idee ante rem die Wahrheit des Erscheinenden ist, die dann post rem recogniziert wird.In Texten,besonders qualifizierten erscheint uns das Wirkliche so transparent für das sie Grundlegende,das in der Natur eben auch sich im Erscheinenden verbirgt. Gott ist uns in seiner Selbstoffenbarung klarer erkennbar als in dem Buch der Natur.Auch das Buch der Natur verlangt nach einem Lesekundigen, der in dem Erscheinenden das, was darin erscheint, zu erkennen weiß, wohingegen dem Empiristen der Naturtext ungelesen bleibt, er beschreibt sozusagen nur die gesichteten Buchtstaben, kann aber den Text nicht lesen. Aber das sollen nun die ernstzunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnisse sein, wohingegen das, was im Abendland als Wahrheit galt nur noch unzulässige Spekulationen sein sollen!

Unsere Zeit unterscheidet sich somit von der abendländischen Kultur durch den Verlust des Glaubens an den einen heiligen Text, , in dem sich uns alles erschließt, aber solange noch primär Texte gelesen werden,jetzt verlangen viele, daß sie als die Wahrheit gelesen werden, und kreieren so einen postmodernen Polytheismus, ist das eben eine polytheistische Variante der abendländischen Kultur. Erst der völlige Sieg des Empirismus mit seinem nominalistischen Hintergrund, daß es nur die Einzeletwasse gibt, die eben keine Erscheinungen, Abbilder von etwas ursprünglich Ideelen sind,wäre die abendländische Kultur zu Ende gegangen.

1.Zusatz:

In der Gegenwart erheben nun so viele Texte den Anspruch, wahr zu sein, ohne den würde kein Text als Text gelesen, daß die vielen Geltungsansprüche sich gegenseitig relatiieren, wenn nicht gar entwerten.Aber jetzt noch lebt die Lesekultur von ihrem Ursprung her,dem Glauben an den einen heiligen Text, der seinem Leser alles erschließt. Wendete nun man ein, es ginge doch in der christlichen Religion um die Person Jesu, dann muß konzediert werden, daß er uns zuvörderst in den Texten der heiligen Schrift bgegegnet, und von da von uns Lesern bekannt werden will.  

2.Zusatz:

Es kann so vorkommen, als wenn fiktive Protagonisten in der Literatur und in dem Film uns lebendiger und realer vorkommen als die Menschen des wirklichen Lebens. Die Protagonisten der Erfolgsserie: "Sturm der Liebe" wirken so tatsächlich lebendiger und realer als die wirklichen Menschen,als wenn das Leben unwirklich geworden wäre.

Mittwoch, 23. April 2025

Was in der Bibel nicht stehen dürfte – oder kann dem Bibellesenden Zuwideres wahr sein?

 

Was in der Bibel nicht stehen dürfte – oder kann dem Bibellesenden Zuwideres wahr sein?



„denn ich weiß,daß gesegnet ist,wen du segnest, und verflucht,wen du verfluchest“. So steht es geschrieben im 4.Buch Mose, 22,6. A.Arndt kommentiert in seiner Vulgatausgabe diese Aussage wie folgt: „Die Wirksamkeit des Segens und Fluches war Glaube des gesamten Alterthumes“. Dies könnte als eine reservatio mentalis gelesen werden, daß man füher das wohl so geglaubt hätte, aber jetzt sähen wir das – als Aufgeklärte?- anders, aber es heißt dann weiter: „denn er beruhte auf Thatsachen.“ Die Geschichte des Baleam, wie er beauftragt wurde, das jüdische Volk zu verfluchen und wie das dann mißlang, setze ich als bekannt voraus und möchte sie deshalb hier nicht rekapitulieren. Es soll sich auf das theologische Problem focussiert werden, daß des Glaubens an die Wirksamkeit des Segnens und des (Ver)Fluchens. Baleams Äußerung: „so könnte ich doch den Ausspruch des Herrn, meines Gottes, nicht ändern“ (22,18) beinhaltet auch eine selbstkritische Limitierung des verfluchen Könnenden, daß er nicht wirksam das Volk Israel verfluchen könne, wenn Gott es gesegnet habe.

Aber der Skandalon bleibt bestehen: Hier wird einem Menschen die Fähigkeit zugesprochen, segnen und verfluchen zu können. Die Geschichte zeigt dann auf, wie Gott es bewirkt, daß sein Volk, statt verflucht gesegnet wird. Aber gerade das bedeutet, daß so das jüdische Volk verflucht hätte werden können, sofern man nicht den selbstkritischen Einwand Baleams stark macht, daß er nicht effektiv verfluchen könne, was Gott selbst gesegnet habe. Nun dürfte es als sehr wahrscheinlich angesehen werden, befrüge man heutige Christen, daß auch unter ihnen eine überwältigende Mehrheit den Glauben an eine Wirksamkeit einer Verfluchung für etwas Abergläubisches ablehnen würden. Wenn nun aber der Glaube, daß durch ein Verfluchen wirklich etwas verflucht wird, purer Aberglaube ist, muß dann nicht der Glaube, daß das Segnen den Gesegneten effektiv segne auch als etwas Abergläubisches reprobiert werden?

Das Internetlexikon: Wikipedia definiert den Fluch in dem dazugehörigen Artikel so: Ein Fluch oder eine Verfluchung ist ein Spruch (gelegentlich auch mit einer zugehörigen Gestik verbunden), der ursprünglich auf ritualisierte (magische)1 Weise einer Person oder einem Ort Unheil bringen oder zur Sühne bewegen bzw. zwingen soll. Zorn oder der Wunsch zu strafen oder sich zu rächen können ihn begründen. Wer wirksam verflucht wird, muss dabei weder anwesend sein noch von dem Fluch wissen. Sein Gegenteil ist der Segen.“ Besser kann es nicht formuliert werden. Bemerkenswert ist nun, daß im 3.Buch Mose, 19,14 das Verfluchen eines Tauben ausdrücklich verboten wird; der Grund ist einsichtig, daß der nicht hören kann, wenn er verflucht wird.Aber ein prinzipielles Fluchverbot findet sich nicht. Nur muß wohl geurteilt werden, daß die Verfluchung eines Menschen dem Gebot der Nächstenliebe widerspricht.

Wenn also das Fluchen uns Aufgeklärten als eine abergläubische Praxis erscheinen muß, kann dann das Segnen der Kritik gegenüber, auch eine abergläubische Praxis zu sein, immunisiert werden?Slavoj Zizek verdanken wir den brillanten Gedanken, daß die Kultur als das sei, was wir praktizierten, ohne noch daran zu glauben. Meine Verdachtsthese lautet nun, daß wenn gesegnet wird, dies nur noch als eine Äußerung einer Gutwilligkeit den Gesegnetwerdenden gegenüber vollzogen wird, und wenn noch geflucht werden würde, dies als ein Ausdruck der Widerwilligkeit gegenüber den so Verfluchten vollzogen wird. Deshalb darf noch gesegnet werden, aber nicht verflucht werden, da ein so offensichtliches Zeigen von Widerwilligkeit nicht tolerierbar ist.

So verlangt die Homosexlobby ja auch den Segen für homosexuelle Paare als einen Akt der öffentlichen Anerkennung der praktizierten Homosexualität, denn ginge es nur um eine Segnung, kann diese ja jeder Homosexuelle wie jeder andere auch empfangen. Den Ehesegen dagegen kann nur das sich verheiratende Paar für ihre Ehe empfangen, aber kein Paar, das nicht verheiratet ist.

Es ist nicht inkonsequent, um die Praxis des Verfluchens als abergläubisches Tuen zu verwerfen, auch das Segnen zu entmythologisieren, um aus daraus nur eine Äußerung der Gutgewilltheit dem Gesegnetwerdenden zu machen, aber damit verliert die christliche Religion an ihrer eigenen Substantialität, daß sie eine Religion mit religiösen Praktiken ist, wozu nunmal auch das Segnen und Verfluchen gehört.

Das Zeugnis der Bibel ist dagegen eindeutig: Das Segnen und das Verfluchen gehört zur religiösen Praxis und wird als eine effektive Praxis verstanden. Damit gehört aber beides zu dem zu Eliminierenden, wenn die Kirche nach einer Aufklärungskompatibilität strebt. 

Corollarium

Es muß zwischen dem vernüntigem und dem aufklärerischen Denken distinguiert werden. So widerspricht es dem vernüntigem Denken nicht, alles Gute auf die Erstursache Gott und alles Böse auf die Erstursache Teufel zurückzuführen, wohl aber dem aufklärerischen Denken, das alles für rein weltimmanent erklärbar posuliert. Schon die der Aufklärung folgende Romantik widersetzte sich diesem Reduktionismus, ohne deswegen antivernünftig zu werden. Daß es aber das Irrationale auch gibt, ist etwas ganz anderes, denn das ist das von Gott Nichtgewollte, das durch den Logos Ausgeschlossene, das aber so doch auch ist als das Negierte.Hier verweise ich auf die bedenkenswerte Konzeption des Theologen Karl Barth über das "Nichige" in seiner "Kirchlichen Dogmatik".



1Es ist en passent daran zu erinnern, daß die religiöse Praxis sich aus der magischen herausentwickelt hat, aber mit ihr gemein hat, das Übernatürliches durch ritualisierte Praktiken erwirkt werden kann, so wenn der Priester Wein in das Blut Christi und Brot in den Leib Christi verwandelt. Der aufklärerische Protestantismus lehnt deshalb diese katholische Lehre ab!

Mittwoch, 19. Februar 2025

„Raus aus der Komfortzone“, diese Parole des Papstes mal ganz anders verstanden!

 

„Raus aus der Komfortzone“, diese Parole des Papstes mal ganz anders verstanden!


In Deutschland und wohl nicht nur hier wird diese Papstparole als ein Aufruf zum Engagement für die Anliegen der LGBTQ und für die Politik der offenen Grenzen im Ungeiste der Bundeskanzlerin Merkel interpretiert, jeden „Flüchtling“ reinzulassen um ihm eine Rundumvollversorgung zu gewähren zu Lasten der Einheimischen.

Aber diese Parole könnte doch auch ganz anders verstanden werden und das ist auch möglich, da sie, einmal geäußert, als entäußerte auch unabhängig von der Sprecherintention verstanden werden kann, daß sie wie eine ins Meer hineingeworfene Flaschenpost sich von der Autorenintention emanzipiert, sich verobjetiviert.

Im Umgang mit der hl. Schrift gibt es Bibeltexte, die man als Elemente einer Komfortzone bezeichnen könnte: Sie sind so bekannt, daß sie gar nicht mehr gelesen werden brauchen, da ihre Standardinterpretation sofort präsent ist. In ihnen hört man nur das, was man sowieso schon immer wußte, daß das Christsein in erster Linie der Aufruf zur Nächstenliebe ist, da Gott einen jeden vorbehaltlos Liebender und Bejahender ist. Alle anderen Textaussagen werden dadurch an den Rand gedrängt, wenn sie nicht so interpretierbar sind. Darüber hinaus bietet die Bibel viele Texte, die so sehr in ein vormodernes Weltbild eingeschrieben sind, daß sie für einen modernen Christen sowieso nur noch mythologisch erscheinen, für uns also ohne jegliche Bedeutung sind. Wir verlassen so die Komfortzone nicht, um uns nicht in den Abgründen solcher Randtexte zu verirren!

Die Geschichte des Exodus, der Befreiung des Volkes Israels aus der ägyptischen Sklaverei avancierte in der sog.“Befreiungstheologie“ zu dem Zentraltext der Bibel, denn im Zentrum stünde ja die Geschichte der (Selbst-)Befreiung der Unterdrückten aus ihrer Ausbeutung, aber auch damals konnte man mit den Randaussagen dieser Befreiungserzählung wenig, ja gar nichts anfangen, war dieser Rand doch zu dunkel und nicht durch das Licht der Aufklärung erhellbar.

Also soll nun auf den Randtext geschaut werden! Gott beauftragt Mose, daß er zu dem Pharao zu gehen habe, um von ihm die Freilassung des jüdischen Volkes zu fordern. Mose äußert Bedenken: „Wie soll ich mich denn dem eigenen Volke gegenüber als auch dem Pharao gegenüber legitimieren, daß ich im Auftrage Gottes stehe, wenn ich das vom Pharao einfordere?“ Damit stehen wir vor dem Zentralproblem jeder Rede von Gott: Redet der Sprecher da eigenmächtig von Gott oder ist seine Rede wahr, weil er das ihm von Gott Beauftragte und Offenbarte verkündet?

Wie kann sich Mose dem Pharao gegenüber als von Gott Gesandter legitimieren und damit auch vor seinem eigenen Volke? Das 2.Buch Mose, 3 bis 11 berichtet es uns. Daß Gott Mose seinen Namen offenbart, gehört theologisch zu der wichtigsten Aussage dieser Kapitel, aber bloß der Name bedeutet ja nur, daß er nun unter diesem Namen für sein Volk anrufbar ist. Daß Gott einen Namen hat, ist nur etwas Sinnvolles unter der Voraussetzung des Polytheismus, daß es viele Götter gibt und daß man mit dem Namen aussagt, wen der Götter man ansprechen möchte: Der Name ist sozusagen die Telephonnummer Gottes: Unter dieser Nummer bin ich anrufbar!

Nur durch diese Namenskenntnis legitimiert Mose sich ja noch nicht als von Gott selbst Beauftragter!


Deshalb sprach Mose zu Gott: „Was aber,wenn sie mir nicht glauben und nicht auf mich hören,sondern sagen:Jahwe ist dir nicht erschienen?“ 2.Mose 4,1. Gott erwidert darauf, daß er sich durch ein Wunderzeichen zu legitimieren habe: „Was hast du da in der Hand?Er antwortete:Einen Stab.Da sagte der Herr: Wirf ihn auf die Erde! Mose warf ihn auf die Erde.Da wurde der Stab zu einer Schlange, und Mose wich zurück.“ 4,2f. Gott forderte nun Mose auf, die Schlange am Schwanz anzufassen und da verwandelte sie sich zurück in einen Stab. Die Geschichte ist so eindeutig, daß sie gar nicht nichtverstanden werden kann, es sei denn, der Leser ist ein Modernist, der dogmatisch an dem Vorurteil festhält, daß es keine Wunder geben könne. Nur, warum sollte Gott, den wir als Allmächtigen glauben1, keine Wunder wirken können? So legitimiert sich Mose vor seinem eigenen Volke und so wird sich auch Jesus vor seinem Volke als der Messias legitimieren.Aus der Botschaft dieser zwei allein konnte weder erkannt werden, daß Mose von Gott gesandt worden ist noch das Jesus der Messias ist.

Nun stand Mose vor dem Pharao und wieder legitimierte er sich durch ein Wunder: Wieder verwandelte Mose und Aaron einen Stab in eine Schlange. Wie reagiert darauf der Pharao? „Da rief auch der Pharao Weise und Beschwörpriester,und sie,die Wahrsager der Ägypter, taten mit Hilfe ihrer Zauberkunst das gleiche.“ 7,11. Die Textaussage ist auch hier eindeutig: Das Wunder, das Mose und Aaron vollbracht hatten, das vollbrachten diese ägyptischen Zauberer ebenso. Wer immer auch der Erzähler dieser Geschichte war, er war fest davon überzeugt, daß diese Ägypter das Wunder, das Mose im Auftrage Gottes vollbracht hatte, auch vollbringen konnten.

„Verstehst Du, was Du da liest?“, das ist nun auch hier die Zentralfrage. Wenn einer Wunder vollbringen kann, dann kann das doch nur Gott, oder Menschen, mit denen Gott dann zusammen ein Wunder wirkt. Wenn Gott als die Erstursache etwas wirkt und als die Zweitursache Menschen mitwirken, dann ist dies Mitwirken wirklich ein Mitwirken und nicht wie die Reformatoren lehrten, daß Gott allein durch Menschen wirke. Aber wie konnten dann diese „Beschwörpriester“ dies Wunder wirken?

Gott hat das Herz des Pharaos verhärtet, damit dieser das Volk nicht ziehen läßt.2.Mose 4,21. Könnte daraus geschlußfolgert werden, daß Gott auch mit diesen ägyptischen Priestern dies Wunder der Verwandelung eines Stockes in eine Schlange gewirkt hätte, um zu verhindern, daß der Pharao auf Mose hört? Aber der Pharao geht doch davon aus, daß die ägptischen Priester auch Wunder wirken können, sonst hätte er sie ja erst gar nicht herbeigerufen. Das Wunderwirken dieser Priester kann so nicht als ein singuläres Ereignis gedeutet werden.Zudem war ja durch das Verhärten des Herzens des Pharaos, wobei ein Sichverhärtenlassen seitens des Pharaos mitzudenken ist, hinreichend gesichert, daß der Pharao nicht auf Mose hören wird, wenn auch vor seinen Augen dies Verwandelungswunder sich ereignet werden wird.

Die simpelste Lösung ist nun die, die ganze Geschichte als eine fiktive Erzählung abzuqualifizieren, die nicht wahrer aber auch nicht unwahrer ist als die Großerzählung: „Der Herr der Ringe“, denn auch aus der lassen sich ja moralisch Bedeutsames herausdistellieren! Wenn nun aber diese Lösung nicht akzeptabel ist, da so die hl.Schrift nicht mehr ernst genommen wird, indem sie versäkularisiert wird,dann muß gefragt werden: Wie konnten diese ägyptischen Priester dies Verwandelungswunder wirken?

Als Lösung biete ich an: Gott hat eine Welt geschaffen, in der auch Menschen Wunder wirken können. Dies Wirkenkönnen verleiht Gott besonders von ihm dazu Auserwählten, also hier dem Mose. Dies Wunderwirkenkönnen kann aber auch von anderen sich angeeignet werden, die dann dies Vermögen in ihrem Sinne aktualisieren können. Vergleichbar wäre das mit der Aussage, daß alle Staatsgewalt von Gott stammt, aber Regierende diese Macht auch für sich mißbrauchen können. Die in der hl. Schrift verurteilte Zauberei wäre dann die Verurteilung des Mißbrauches dieses Vermögens. Erst die geschlossene Ehe ermöglicht den Ehebruch gegen diese Ehe. Dadurch daß Gott die Ordnung der Ehe gesetzt hat, hat er somit auch erst die Möglichkeit des Ehebruches gegeben.Könnte das nicht auf das Wunderwirkenkönnen übertragen werden: Da Gott in der von ihm gesetzten Weltordnung die Möglichkeit des Wunderwirkens als einer teilweisen Aufhebung der Weltordnung gesetzt hat, kann auch diese Möglichkeit mißbraucht werden. Priester, die eigentlich im Sinne Gottes Wunder wirken sollten, könnten so dies Vermögen auch mißbrauchen, wie diese ägyptischen Priester es zeigen!

Eine andere Möglichkeit wäre es aber, wenn man dieses Wunderwirken der ägyptischen Priester auf das Wirken von gefallenen Engeln zurückführte, aber dann reproduziert sich das anfängliche Problem wieder: Wie können Engel, obzwar sie zu Daimonen geworden sind, noch Wunder wirken, da dies Vermögen doch allein von Gott her stammen kann?

Hier befinden wir uns nun wirklich außerhalb der Komfortzone der allzubekannten Bibeltexte. Und für wie gravierende Probleme stellt uns dann erst Sauls Gang zur Totenbeschwörerin, die den toten Propheten Samuel herbeiführt, der dann Saul sein Schicksal offenbart. 1.Samuel 28,3-25.



1In der Wachturmausgabe: „Wer ist Gott“ der „Zeugen Jehovas“ wird Gott als „mächtig“, aber nicht als allmächtig bezeichnet, S.6. Diese sind wohl nicht die einzigen, denen Gottes Allmächtigkeit Probleme bereitet.

Samstag, 16. November 2024

„Lies dies nicht,junger Leser“ - so wird vor dem Lesen der Bibel, einer bestimmten Bibelstelle gewarnt!

 

„Lies dies nicht,junger Leser“ - so wird vor dem Lesen der Bibel, einer bestimmten Bibelstelle gewarnt!

Niemand anders als der Herausgeber der Vulgata der Jesuit Augustin Arndt warnt da vor dem Lesen eines Bibeltextes: 1.Mose 19, 30-38, dem die Einheitsübersetzung die den Skandal dieses Textes überdeckenden Titel: „Die Stammväter der Moabiter und Ammoniter“gibt. „Lies dies nicht, junger Leser;denn hier trifft es zu,daß der Buchstabe tödtet“.So wird vor diese Passage heftigst in der kommentierenden Fußnote gewarnt. Das Lesen dieses Textes könnte gar tödliche Folgen zumindest für junge Leser haben. Es sei hier schon angemerkt, daß über diesen Bibeltext nie gepredigt wird und er gewiß auch in keiner Religionsunterrichtsstunde auch in den Zeiten größter Freizügigkeit behandelt wird. Es geht nämlich um eine „blutschänderische That“, wie dieser Jesuit nicht untreffend die da geschilderte Tat qualifziert.

Die Geschichte ist kurz erzählbar: Lot hatte sich mit seinen 2 Töchtern in eine Einöde zurückgezogen, in einer Höhle. Kein Mann kam hierher, „der zu uns eingehen könnte nach aller Welt Brauch“ resümierte die ältere Schwester ihrer beider Lage. Aber diese 2 Frauen wollten eben eigene Kinder. Sie sagte: „ut servare possimus ex patre nostro semen.“ Arndt übersetzt: „daß wir von unserem Vater Nachkommenschaft erhalten.“ Da sie davon ausgehen, daß ihr leiblicher Vater nicht freiwillig bereit ist, mit ihnen zu schlafen, um so sie zu ihren Kindern zu verhelfen, machen sie ihn betrunken, legen sich zu ihm und werden schwanger. Ausdrücklich wird gesagt, daß Lot so betrunken war, daß er es nicht merkte, was er da mit seinen 2 Töchtern tat. Arndt kommentiert ganz die Intention dieser Aussage erfassend: „Diese blutschänderische That ist von seiner Seite ganz zu entschuldigen.“ Lot war so volltrunken, daß er nicht mehr verantwortlich machbar sei für diese schwere Sünde.

Bis jetzt ist diese Geschichte noch kein Skandal und es wäre auch keine Skandalgeschichte, wenn nun weitererzählt werden würde: „Und da entbrannte der Zorn Gottes über diese 2 Töchter“ und es würde nicht irritieren, hieße es darauf: „Und Gott tötete sie!“ Denn Onan hatte Gott ja auch getötet wegen eines Verstoßes gegen die Sexualmorallehre des Alten Testamentes. Er hatte sich ja durch eine Selbstbefriedigung zeitlich befristet unfähig zum Geschlechtsakt gemach, obzwar er dazu verpflichtet war, zu der Witwe seines Bruders zu gehen, um seinem kinderlos verstorbenem Bruder einen Nachkommen zu erzeugen. Das wollte er nicht und Gott bestrafte ihn dafür mit dem Tode.Vgl: 1.Mose 38,8-10)

Aber statt des zu erwartenden Strafgerichtes Gottes über diese 2 Töchter Lots wird uns mitgeteilt, daß beide Söhne gebärten, die die Stammväter der Moabiter und Ammoniter wurden. Das klingt nun überhaupt nicht nach einem göttlichen Strfgericht, eher nach einem Segen Gottes, daß er diese 2 Frauen zu den Müttern dieser 2 Völker machte. Daß Gott diese „blutschänderische That“ nicht bestrafte, macht das völlig Inakzeptable dieser Geschichte nicht nur für den Jesuiten Arndt aus. Sonst straft Gott doch alle Sünden sofort, gerade die Bücher Mose zeigen uns das doch auf!

Kann es dafür eine Erklärung geben, daß der Gott, der Onan tötete, die Lottöchter nicht bestrafte und sie stattdessen gar zu den Müttern zweier großer Völker werden ließ? M.E kann dafür nur eine Erklärung gefunden werden, nämlich Gottes 1.Gebot: „Seid fruchtbar und mehret Euch!“ Die Töchter Evas konnten dies Gebot Gottes nur erfüllen, indem sie ihre leiblichen Brüder zu den Vätern ihrer Kinder machten. Es gab für sie keinen Mann, der nicht ihr leiblicher Bruder gewesen war.Das gilt nun auch für die Töchter Lots. Sie machten nun gar ihren Vater volltrunken, damit er an dieser Tat unschuldig wäre, und sie nahmen sie so allein auf sich.So aber erfüllten sie Gottes 1.Gebot, weil anders konnten sie es nicht erfüllen.

Onan dagegen verstieß gegen dies 1.Gebot Gottes, indem er sich weigerte, seinem Briuder zu einem Nachwuchs zu verhelfen, wie es das Gebot Moses forderte. Wegen dieses Verstoßes strafte ihn Gott mit dem Tode, die Töchter Lots beschenkte Gott mit 2 Völkern, deren Stammmutter sie wurden.

Das ist selbstverständlich für jeden Moralisten völlig inakzeptabel. Aber es zeigt uns auf, in welcher Radicalität Gott der Gott des Lebens ist: Er will, daß der Mensch lebt, indem er sich fortpflanzt. Für diesen Zweck hat Gott die Ordnung der Zweigeschlechtigkeit und der Ehe eingesetzt.Die Ordnung der Ehe ist aber dieser Zwecksetzung subordiniert und das inkludiert, daß wenn es Menschen nicht möglich ist, daß sie gemäß dieser Ordnung sich fortpflanzen können, daß sie dann auch wider diese Ordnung sich fortpflanzen dürfen. Das praktizierten so die Kinder Evas und Adams und in diesem Falle die Töchter Lots.

Das ist das so Anstößige dieser Geschichte, daß die Morallehre der Ehe hier so drastisch herabgestuft wird, indem sie so dem 1.Gebot Gottes untergeordnet wird.





























Mittwoch, 28. August 2024

„Was tun?“ (Lenin), wenn die Bibel sich als widerborstig der Reformagenda des Synodalen Irrweges gegenüber erweist.

 

„Was tun?“ (Lenin), wenn die Bibel sich als widerborstig der Reformagenda des Synodalen Irrweges gegenüber erweist.


Die Bibelwerk-Direktorin weist uns den Ausweg: „Man muss Bibel manchmal wider-sprechen.“ So resümiert Kath de am 28.6. 2024 das Anliegen dieser Bibelerforscherin. Das Ziel wird klar benannt:„Momentan sei allerdings zu beobachten, dass antisemitische, frauen- und queerfeindliche sowie antidemokratische Äußerungen mit Bibelzitaten begründet würden. Dies dürfe man nicht tolerieren.“ Es existieren also Bibelstellen, mit denen antisemitsche,frauenfeindliche, queerfeindliche und antidemokratische Positionen legitimiert werden können. Das sei intolerabel. Deshalb muß da diesen Bibelaussagen widersprochen werden oder sie so umgedeutet werden, daß sie politisch korrekt werden. Werden sonst große Lobeshymnen auf die Möglichkeit vielfältigster Auslegungen von den Bibeltexten abgesungen, so werden hier klar rote Linien markiert.

(Von einem Arbeitskreis des christlich-jüdischen Dialoges der Reformierten „Kirche“ ist mir mal eine Liste der Bibelstellen zugesandt worden, die man nicht mehr in einem Gottesdienst verwenden dürfe, da diese antisemitisch wären und dies dann auch durch eine Predigt wider den Bibeltext nicht mehr ausgebügelt werden könne. Leider ist mir diese Liste abhandengekommen, aber meiner Erinnerung nach wurden da hauptsächlich Texte des Johannesevangeliumes so verurteilt.)

Der Kampf gegen Frauenfeindliches in der Bibel sieht dann so aus: In dem Kath de Artikel „Wegen Frauenfeindlichkeit“ am 23.8.2024 heißt es:

„Am kommenden Sonntag werde aus dem fünften Kapitel des Paulusbriefs an die Gemeinde in Ephesus gelesen, in dem Frauen aufgefordert würden, sich ihren Männern unterzuordnen. "Dieser Abschnitt aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus, geschrieben zu einer Zeit, in der die patriarchale Gesellschaftsordnung schon tief in die Gemeinden eingedrungen war, eignet sich nicht mehr als Schriftlesung im Gottesdienst", schreibt Jantzen in einem Beitrag Ihres Blogs "Gotteswort weiblich" auf der Internetseite des Bistums Aachen (Mittwoch). "Der angemessene Umgang mit diesem Text wäre, ihn nicht mehr vorzutragen", so die Theologin.“

In Zeiten, wo allerorten der Ruf nach mehr Zensur in dem hl.Kampf gegen Rechts erschallt, paßt diese Zensurforderung bestens, aber diese Feministin versucht nun noch gar, daß diese Zensurmaßnahme als eine Nichtzensur der Leserschaft zu verkaufen: „Dies sei keine Zensur der Bibel. "Es sind wir selbst, die dem Buch der Bücher Bedeutung geben oder auch nicht." Die Bibel besitze also keine Bedeutung an sich, sondern sie habe nur eine, insofern wir ihr bzw Teilen von ihr eine Bedeutung zubilligen. Es gälte also nur, dieser Bibelstelle die bisher ihr zugebilligte Bedeutung zu revozieren und sie so bedeutungslos zu machen. Das sei sie ja auch von sich aus, wenn nicht, reden wir Klartext, Frauenfeinde ihr eine zugeschrieben hätten. Diese Pseudotheologin ruft dann die Lektorin zum Leseboykott auf, denn als Frauen hätten sie das Recht, Frauenfeindliches zu lesen zu verweigern.

Am 25.4.2023 wurde auf Kath de schon eine „Queere Exegese“ gefordert: „Schwule Erotik und Macht: Queere Exegese in der christlichen Tradition.“ Queerfeindliche Bibeltexte könnte man ja auch einfach wegzensieren, statt sie mühsam umzuinterpretieren. Man könnte es aber auch so praktizieren: Die Bibeltexte haben gar keinen Sinn in sich sondern nur den, den wir ihn eingeben. Dann könne man ja aus der Bibel herauslesen, was man halt wolle.

Bischof Bätzing nun ganz im Wahlkampfmodus kämpft wie nicht anders zu erwarten gegen die AfD und überraschend auch gegen das „Bündnis Sarah Wagenknecht“, die ja für eine diplomatische Lösung des Ukrainekrieges sich einsetzt. Das sei völlig inakzeptabel,sagt dieser Unterstützer des Kriegskurses der Nato gegen Rußland. Aber dann sagt er auch: „ Gewalt im Namen Gottes ist Perversion der Religion“. (Kath de am 28.8.2024). Also Gewalt im Namen Gottes sei eine Perversion, aber Gewalt im Kampf gegen Rußland sei in Ordnung und gar eine diplomatischen Lösung, wie sie Frau Wagenknecht vorsieht, vorzuziehen. Wie kommt dieser Bischof nun aber auf die Idee, daß eine Gewaltanwendung im Namen Gottes eine Perversion sei? Papst Franziskus sagt das auch. Es ist aber nun sehr ärgerlich, daß der Prophet Elija auf dem Berg Karmel davon nichts wußte. Nachdem nämlich Jahwe sich als der wahre Gott und der Gott Baal als ein falscher sich erwiesen hatte. (1.Könige 18) befahl er: „Ergreifet die Propheten des Baal! Keiner von ihnen entkommen.Man ergriff sie,und Elija ließ sie zum Bach Kirschon hinabführen und dort töten.“ (18,40) Die Aussage ist leider sehr eindeutig, aber es werden sich sicher „wissenschaftliche“ Möglichkeiten finden, auch diesen Text zum Verschwinden zu bringen, daß in Wirklichkeit der Pophet hier zu einem multireligiösen Fest eingeladen habe.

Reden wir Klartext: Die Bibel ist einfach unzumutbar, auch wenn nun die Bibelwerksdirektorin und ein Heer von Bibelumdeutern den Kampf gegen sie aufnehmen.

Wäre es da nicht einfacher, die Bibel durch ein Rot-Grünes Parteiprogramm mit Unvereinbarkeitserklärungen mit allem, was nicht linksliberal ist, zu substituieren?

1.Zusatz:

Als ein Beleg einer Spitzenleistung moderner Bibelexegese sei hier auf den Artikel: "Wie Jesus zum „Arier“ gemacht wurde"  des Deutschlandfunkes am 11.6.2011 verwiesen. Da wird man sicher auch beweisen können, daß Jesus kein Mann gewesen war, sondern ein bisexueller Geschlechtsumwandelnder. Ein erster Ansatz offeriert dazu der Kath de Artikel vom 21.8.2024:  "Kirchenhistoriker: Geschlechtlichkeit Jesu ist immer zeitabhängig."

2.Zusatz

Damit die hl.Schrift so willkürlich ausgelegt werden kann, muß zuvörderst aber die traditionelle Auslegung durch die Kirche als für uns nicht mehr bindend reprobiert werden.Die Tradition sei eben nur eine Ansammlung zeit(geist)bedinger Meinungen über Gott und die Welt.



 



Montag, 11. Dezember 2023

Was nicht in der Bibel stehen dürfte....skandalöse Aussagen

Was nicht in der Bibel stehen dürfte....skandalöse Aussagen


Gerade dem Reformator Luther bereitete der Jakobusbrief ein unerträgliches Kopf-weh, hatte er doch gerade seine neue Rechtfertigungslehre des „allein aus Glauben“ Gerechtfertigtwerdens allein aus der hl.Schrift konstruiert, da mußte er im Jakobusbrief schwarz auf weiß lesen: „Ihr seht,daß der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird,nicht durch den Glauben allein.“ (2,24) In einer Fußnote kommentiert die Einheitsübersetzung diese Aussage so:“Jakobus wendet sich in diesem ganzen Abschnitt gegen eine mögliche Mißdeutung der paulinischen Lehre.“ Man hätte auch stattdessen kommentieren können, daß der Text sich prophetisch gegen die Lehre Luthers wendet, dem der Jakobusbrief so eine nichtschriftgemäße Lehre präsentiert.

Aber auch katholischen Lesern offeriert dieser Brief Schwerstverdauliches, wenn da zu lesen ist: „Ihr Ehebrecher, wißt ihr nicht,daß Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, wird zum Feinde Gottes.“ (4,4) Mit dem Terminus „Ehebrecher“ist hier, wie schon in den Texten des Alten Testamentes der Übertreter des Bundes mit Gott gemeint, der Gott untreu Werdende. Mit wem betrügt hier der Untreue Gott? Nicht wie im Alten Testament ist damit ein Fremdgehen mit anderen Göttern gemeint, dies Verständnis präsumiert nämlich den Glauben an die Existenz von vielen Göttern, sodaß eine Verehrung eines anderen Gottes tatsächlich als ein Untreueakt dem Gott Israels gegenüber angesehen werden konnte, sondern die Freundschaft zu dieser Welt ist ein Untreueakt.

Der Jesuit A. Arndt kommentiert in seiner Vulgataausgabe 1903 diese Aussage so:Mit der Freundschaft sei eine „falsche Begierlichkeit nach irdischen Gütern und Genüssen“ gemeint. Daß hier aber unter der Freundschaft eine „falsche Begierlichkeit“gemeint sein soll, dafür gibt es kein Anzeichen in dem Text, zumal dann doch wohl die „Freundschaft“ irgendwie negativ qualifiziert worden wäre, etwa als eine „falsche“. Auch hilft der dortige Verweis auf die Alternative von Gott oder dem Mammon dienen (Mt 6,24) nicht viel weiter, denn warum sollte die „Freundschaft mit der Welt“ ein Leben im Mammondienst meinen?

Die Welt, die hat doch Gott geschaffen, wie kann da die Liebe zu dem von Gott Erschaffenem eine Feinschaft wider Gott bedeuten? Sollten wir dann doch nicht mit Luther diesen Brief als un- wenn nicht gar antievangelisch abqualifizieren?Vielleicht hilft uns aber die Vulgataübersetzung: „dieser Welt“ weiter, die vom griechischen Text möglich wäre. „Diese Welt“, das wäre dann die Welt, so wie sie nach dem Sündenfall geworden ist, und die Gott beseitigen will, weil er eine neue Erde und einen neuen Himmel uns verheißt. Das, was Gott zum Untergang bestimmt hat, sollte dann der Christ nicht lieben sondern die zukünftige neue Welt mit ihrer neuen Erde und ihrem neuen Himmel.

Skandalös bleibt diese Aussage trotzdem, aber vielleicht ist er gerade deshalb auch eine wahre Aussage dieses Briefes, daß so der Gläubige aus seiner Verhaftung in diese Welt hinausgerufen werden soll, daß ihm diese jetzige Welt nicht seine Heimat ist. J. Gaarder erfaßt in seinem Roman: „Sofies Welt“ das platonische Anliegen so: „Auf den Fittichen der Liebe möchte die Seele >heim< in die Ideenwelt fliegen. Sie möchte aus dem >Kerker< des Körpers befreit werden“. (Kapitel: Birkely). Wenn nun statt des „Körpers“ „diese Welt“ gelesen würde und statt der „Ideenwelt“ die neue Erde und der neue Himmel, dann könnte verstehbar werden, warum die Freundschaft zu dieser Welt den Aufstieg zu dieser jenseitigen Welt verhindert und so eine Feindschaft wider Gott ist. Statt zu fliegen klebte der Freund dieser Welt an ihr und kann so nicht zu seiner wahren Heimat streben.

Aber trotzdem: Der Jakobusbrief ist nicht nur für Lutheraner eine schwere Kost, der gern gemieden wird, auch und gerade auch weil er die Heilsnotwendigkeit der guten Werke lehrt und nichts weiß von einer bedingungslosen Liebe Gottes allen Menschen gegenüber.

Corollarium

Seit der Parole: Vom Mythos zum Logos produziert der philosophische Diskurs Gottesvorstellungen, die Gott entmythologiesieren sollen, aber den Verdacht evozieren, Gott zum Produkt unseres Wunschdenkens zu machen: Wie hätten wir den gern UNSEREN gott!  

 

Dienstag, 8. August 2023

Wird die Bibel, einst Wort Gottes genannt, verfälscht? Trau keiner Übersetzung?

Wird die Bibel, einst Wort Gottes genannt, verfälscht? Trau keiner Übersetzung? So pauschal formuliert, stimmt das gewiß nicht, aber wenn man eben zumindest über Lateinkenntnisse verfügt und so den Vulgatatext, den für uns Katholiken verbindlichen konsultieren kann, ist man doch besser dran, als wenn man auf die üblichen Übersetzungen angewiesen ist. Ein extremes Anschauungsbeispiel einer verfälschten Bibelübersetzung wird in: J.Rothkranz, Die kommende >Diktatur der Humamität< Band 3, 2001, S.165-167 dokumentiert. Die Vulgata (Text: A.Arndt, 1903, erster Band) liest: „Die Bevölkerung derselben führte er ((König David)) gleichfalls herbei,und ließ sie zersägen,mit Eisen beschlagene Wagen über sie herfahren,sie mit Messern zerhacken, und sie durch Ziegelöfen ziehen. So that er mit allen Städten Ammons;und David und das ganze Heer kehrten nach Jerusalem zurück.“ Dies ist wirklich kein Auszug aus einem Stephen King Horrorroman, sondern so steht es in der Vulgata 2.Samuel, 12,31 geschrieben. „Wehe den Besiegten!“, diese bittere Wahrheit wird uns hier auf das Entsetzlichtes vor Augen geführt. Aber was lesen wir nun in der Einheitsübersetzung? „Auch ihre Einwohner führte er fort und stellte sie an die Steinsägen,an die eisernen Spitzhacken und an die eisernen Äxte und ließ sie in den Ziegeleien arbeiten.“ König David massakrierte also die Kriegsgefangenen nicht, sondern ließ sie zwangsarbeiten! Diese Übersetzung ginge auf den Pater Eugen Henne zurück. Er kommentiert diese seine Übersetzung nun selbst so: „Die Übersetzung der Stelle in der obigen Form ist unsicher und würde im Vergleich zu den damaligen Kriegsbräuchen und Davids andersweitigen Vorgehen (vgl 8,1f) eine verhältnismäßig große Milde bezeugen. Nach manchen Auslegern und nach der Übersetzung der Vulgata hätte David die Bevölkerung zersägen und eisenbeschlagenen Wagen (eiserne Dreschschlitten) über sie hinwegfahrenm sie zerschneiden und in Ziegelöfen werfen lassen.“ (S.166) Diese von ihrem Erfinder selbst als zweifelhaft qualifizierte ist nun zur Standartübersetzung geworden, ohne einen Verweis auf ihrer bezweifelbare Qualität. Es bedarf keinerlei Theologiekenntnisse,um zu erkennen, warum die ursprüngliche Übersetzung aus unseren Bibeln verschwunden ist. Millionen lesen zwar Horrorromane aber das ist einfach unzumutbar für die heutigen Bibelleser. Heute muß eben kundenfreundlich „übersetzt“ werden! Was ist schon Wahrheit, die Kirche versteht sich eben als Dienstleistungsunternehmen im Sektor des Religiösen. Da kann sie ihren Kunden nichts ihnen Mißfallendes anbieten.

Samstag, 8. Oktober 2022

Leihmutterschaft-das sei ferne!, lautet einmütig das Urteil der Kirche und der jetzigen Moraltheologen + 2 Zusätze

Leihmutterschaft- das sei ferne!, lautet einmütig das Urteil der Kirche und der jetzigen Moraltheologen


Auch wenn wir heute in (post)modernen Zeiten leben, in der alles, was einst als unmoralisch galt jetzt als moralisch erlaubt, wenn nicht gar als vorbildlich deklariert wird, boshafte Zungen behaupten ja gar, daß einige zeitgenössische Theologen sich mehr für die Vorzüge des homosexuellen Analverkehres interessieren als für Fragen der Gotteslehre, so existieren doch noch lagerübergreifend ein paar wenige Konsense, wie etwa das entschiedene „Nein“ zur Leihmutterschaft. Das sollte für den moraltheologischen Diskurs doch eine Selbstverständlichkeit sein und muß es doch wohl auch sein.

Nur eines stört dabei: die hl. Schrift. Was soll ein verheiratetes Paar machen, wenn ihre Ehe kinderlos bleibt? Die Antwort auf diese moraltheologisch höchst relevante Frage gibt die Bibel, wie auch sonst oft, durch eine Musterfallerzählung. Einerseits wird eine real so sich ereignet habende Geschichte erzählt, andererseits wird sie als Vorbildgeschichte erzählt: So ist mit diesem Problem umzugehen. Gesetze zu geben fällt leicht: Du mußt...Du darfst nicht....aber wie die dann im Leben praktisch umzusetzen sind, kann problematischer sein und wird es auch, wenn man in die Situation gerät, in der, egal wie man handelt, gegen ein Gebot verstößt, wenn man ein anderes halten will. Zur Veranschaulichung: Eine Frau ersehnt eigene Kinder, aber sie findet keinen Mann, den sie oder der sie ehelichen möchte. Unverheiratet darf sie keine Kinder bekommen nach der Ehelehre der Kirche, aber es gilt für sie auch das 1.Gebot: Vermehret Euch, seid fruchtbar! Wenn sie sich nun an die kirchliche Ehelehre hält, kann sie nicht das 1.Gebot befolgen und wenn sie das 1.Gebot befolgen will in ihrem Kinderwunsch, muß sie gegen die kirchliche Ehelehre verstoßen unter der Prämisse, daß eine Ehe mit einem Mann, den sie nicht liebt und den sie nur um der Kinder willen ehelicht, nicht gemäß der Ehelehre der Kirche ist.


Für solche Konfliktfälle präsentiert uns nun die Bibel Antworten in der Form von Erzählugen: So ist dies Problem zu lösen. Die uns in dieser Intention erzählte Geschichte hat es nun in sich: (1. Mose 16) Eine Ehe bleibt kinderlos. Die Ehefrau wendet sich dann an ihren Mann: Verkehre Du mit einer anderen Frau, bis sie von Dir schwanger wird. Das so erzeugte Kind soll dann als unser eheliches, erbberehtigtes gelten! Die daraus entstehenden Probleme verschweigt die weitere Erzählung dann nicht, sie ist eben sehr realistisch, aber es wird konstatiert: Trotzdem ist so in diesem Falle einer kinderlosen Ehe vorzugehen. Im Hintergrund steht dabei die religiöse Vorstellung, daß Kinder ein Segen Gottes sind, so daß eine Kinderlosigkeit durch Gottes Verschließen der Frau entsteht. Weil durch Gott der Ehefrau der Mutterschoß verschlossen ist, muß der Ehemann eine andere Frau aufsuchen, um von ihr sein Kind zu bekommen.

Nicht eindeutig ist nun, ob somit mit der anderen Frau eine Zweitehe geschlossen wird oder ob es ein außereheliches Verhältnis ist mit dem Zweck der Erzeugung von Kindern. Da das so erzeugte Kind nun aber als eheliches und erbberechtigtes gelten soll von der Erstfrau, ist es wahrscheinlicher, daß keine Zeitehe geschlossen wird.

Das muß nun die Anfrage evozieren: Ist das dann nicht eine Art von Leihmutterschaft? Der Ehemann geht zu einer Frau, nur damit so ein Kind entsteht,das dann als ein legitimes Kind der Ehe gelten soll! Moraltheologisch reflektiert heißt dies: Das 1. Gebot ist so wichtig, daß gegen die Ordnung der Ehe vertoßen werden darf, wenn anders kein gemeinsames eheliche Kind entstehen kann.


Es wird im 1. Buch Mose eine noch viel entsetzlichere Geschichte erzählt: 1.Mose 19:Lot und seine Töchter. Da die Töchter keine Chance sahen, in der Ödnis, in der sie lebten, einen Mann zum Heiraten zu finden, machten sie ihren Vater betrunken und schliefen dann mit ihm und wurden schwanger. Unmoralischer geht es wohl nicht mehr. Onan wird für sein Fehlverhalten, daß er sich durch sein Selbstbefriedigen um sich unfähig machte zu dem von ihm verlangten Geschlechtsverkehr zur Erzeugung eines Nachkommens für seinen kinderlos verstorbenen Bruder, von Gott mit dem Tode bestraft, aber nicht die Töchter Lots. Als nur noch die Kinder Evas und Adams beieinander saßen und wahrscheinlich die jungen Frauen sich nach eigenen Kindern sehnten, da standen ihnen als potentielle Väter nur leibliche Brüder zur Verfügung. Hätten sie sich an das Inzestverbot gehalten, wäre die Menschheit mit ihrem Absterben ausgestorben. Gott aber hatte ihnen das Gebot: Vermehret Euch“ gegeben- das konnten sie aber nur inzestiös befolgen.


Ist so etwa die hl. Schrift selbst eine Quelle unmoralischer Texte, die wir so als völlig inakzeptabel verwerfen müssen oder als veraltet nicht mehr bejahen können? Wie nun aber, wenn Gott uns selbst durch so antößige Geschichten belehren möchte, daß eben das 1. Gebot wichtiger ist als die Ehe- und Sexualmorallehre als Ausführungsbestimmungen des 1.Gebotes, daß also, wenn es nicht möglich ist,in der Ordnung der Ehe eigene Kinder zu bekommen, auch ein Verstoß gegen die Eheordnung erlaubt sein kann, daß vielleicht eine Frau, die keinen Mann zum Ehelichen findet, auch unverheiratet Mutter werden darf. 

1.Zusatz:

Ob eventuell uns Heutigen diese Erzälungen so inakzeptabel erscheinen, weil uns der sich darin manifestierende  Lebenswille verloren gegangen ist, daß zum Ja zum Leben notwendigerweise das Ja zur Nachkommenschaft gehört? Die Lebensverneinung in der Gestalt der Homosexualität dagegen erfreut sich ja unter liberalen Theologen größter Beliebtheit! 

2. Zusatz

Daß der Zweck der Ehe die Nachkommenschaft ist, ist so sehr in Vergessenheit geraten,daß selbst die Moraltheologie das Problem kinderlos bleibender Ehen verkennt und so künstliche Befruchtungen ablehnt.