Sonntag, 30. November 2025

Was nicht in der Bibel stehen dürfte: daß wir von Natur aus Kinder des Zornes seien!

 

Was nicht in der Bibel stehen dürfte: daß wir von Natur aus Kinder des Zornes seien!



Geben wir dem Apstelfürsten Paulus in dieser Causa das Wort, der nun so Ungeheuerliches aussagt: „Ihr wart tot infolge eurer WVerfehlungen und Sünden.Ihr wart einst darin gefangen,wie es der Art dieser Welt entspricht, unter der Herrschaft jenes Geistes,der im Bereich der Lüfte regiert und jetzt noch in den Ungehorsamen wirksam ist.Zu ihnen gehörten auch wir alle einmal,als wir noch von den Begierden unseres Fleisches beherrscht wurden.Wir folgten dem.was Fleisch und der böse Sinn uns eingaben und waren von Natur aus Kinder des Zornes wie die anderen.“ (Epheserbrief, 2,1-3)

Was bedeutet nun „Kinder des Zornes“ zu sein? Meint das, daß wir zum zornigsein geneigt sind, ja von unserer Natur aus gar wirklich zornig sind und nicht nur dazu geneigt? Nein. Und das ist der Skandalon dieser Aussage des Apostels Paulus: Gott zürnt uns ob unserer Sünden. Der Apostel nimmt Gott so ernst, daß er nicht beschwichtigend sagt, daß wir wohl „alle kleine Sünderlein“ sein mögen, so wie es der Schausieler Millowitsch sang, aber Gott uns alle liebe und so in seinen Himmel aufnehmen werden.

Aber es wird noch skandalöser: „von Natur aus“ schreibt er. Man könnte den Text ja nun auch so interpretieren: Weil wir den Begierden des Fleisches gehorchen sind wir kinder des Zornes. Wenn wir aber diesen Begierden nicht mehr gehorchen, dann hören wir auf, Kinder des Zornes Gottes zu sein.Unsere Natur wäre dann eine an sich indifferente, die sowohl zum Negativen wie auch zum Guten fähig wäre. Es käme nun nur darauf an, daß wie unserern fleischlichen Begierden die „Rote Karte“ zeigten und Gott würde wieder sein „Ja“ zu uns sagen.

Dann müßte auch die Herrschaft des Geistes, der in und aus den Lüften uns beherrscht eine sein, von der wir uns beherrschen lassen können oder auch nicht. Unsere Gefangenschaft wäre so eine selbstverschuldete, aus der sich der Mensch auch selbst befreien könnte.

Aber wie paßt dazu die Aussage, daß wir in unserern Sünden tot waren? Es könnte dann doch nur heißen, daß unsere Lebendigkeit beeinträchtigt wäre, wir aber auch zur Umkehr fähig wären. Da nun spontan wohl jeder Bibelleser die Begieden des Fleisches mit der Sexualität assoziiert, dann ist es doch keine Überforderung, sie nur in der Ehe zu leben um so diese Sündenmacht zu entmachten. Aber nun wird unsere Irritation noch ärger: Lebte den Paulus vor seiner Bekehrung zum christlichen Glauben als ein Pharisäer als Saulus ein Leben der fleischlichen Begierden? Das kann man nun wirklich den Pharisäern nicht vorwerfen: „Wein, Weib und Gesang“ war wirklich nicht ihre Lebensmaxime! Auch der Behauptung, daß alle Nichtchristen ein Leben der sexuellen Begierden führten, kann ernsthaft niemand vertreten. Das Begehren des Fleisches muß also etwas ganz anderes aussagen als sexuelle Begierlichkeiten.

Paulus schreibt: von unserer Natur aus um zu sagen, daß wir nicht anders können als so begierlich zu leben! Das kann aber nur eine wahre Aussage sein, wenn Paulus hier von dem erbsündlich bestimmten Menschen schreibt: Seine Natur ist so! Paulus will damit sagen, daß eine Selbsterlösung des Menschen ihm nicht möglich ist. Paulus erarbeitet sich so die Antithese von der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz Gottes stammt und der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben an Jesus Christus stammt. Stammte die Gerechtigkeit aus dem Gesetz, bräuchte der Mensch es ja nur zu halten und Gott spräche ihn gerecht. Wenn dann die Morallehre noch auf den Bereich des Sexualität fokussiert wird,dürfte man ja meinen, daß ein enthaltsames Leben schon ausreiche, um von Gott dann gerecht gesprochen zu werden.da

Das muß aber als eine Fehlinterpretation abgelehnt werden. Der Apostel lehrt hier keinen Moralismus der Selbsterlösungsfähigkeit des Menschen. Die Erbsündenlehre gehört konstututiv zur christlichen Religion, weil sie eine Erlösungsreligion ist und keine theozentrische Morallehre, daß wir Menschen nur moralisch korrekt zu leben hätten und wir wären gerecht vor Gott. Aber diese Lehre gehört auch zu den schwierigsten, weil sie zu ergründen hat, warum der Mensch nicht durch sein Tuen des Guten vor Gott gerecht werden kann, da sein Tuen notwendig nicht gut ist, aber er doch für sein Sündigen selbst verantwortlich ist.

In der modernistischen Theologie hat man dieses Thema einfach abgeschafft: Gott liebe jeden Menschen, weil jeder ein Mensch, ein Geschöpf Gottes sei: Wir sind von Natur aus Kinder der Liebe Gottes. Es bedürfe dann nur noch einer Aufklärung, daß das so sich verhielte.Damit kann die christliche Religion sich mit einem Humanitarismus verbinden, aber nur um den Preis, sich als Erlösungsreligion aufzugeben.





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