Samstag, 12. August 2023
Inklusion an Schulen- oder Schulbildung: Nein Danke
Mittwoch, 17. Mai 2023
Anmerkungen zu einem fast vergessenen Feiertag: Christi Himmelfahrt
Freitag, 8. Oktober 2021
Der Glaube an den Menschen- Illusionen
Eigentlich ist das doch ganz einfach: Weil Gott jeden Menschen liebt, wird jeder durch die Erfahrung und den Glauben an sein Geliebtwerden zu einem guten Menschen, der dann auch seine Nächsten liebt. So ist der Humanismus fundiert in dem Glauben an das Geliebtwerden jedes Menschen. Der Mensch wird dabei so sehr von Gott geliebt, daß selbst noch der Nichtgottgläubige sich als Geliebter erfährt und so ein guter Mensch wird. Nur in Folge einer traumatisierenden Kindheit könnten so Menschen zu nichtguten werden.
Aber, wird der Gedanke vom Gutsein jedes Menschen so grob skizziert uns vor Augen gestellt, ein kräftiges Unbehagen meldet sich da doch zu Worte: Jeder Blick in eine beliebige Tageszeitung oder in irgendein Geschichtsbuch zeigt uns unwiderlegbar, daß so der Mensch nicht ist.
Ein Dialog aus einem Zukunftsroman: „>Habe ich recht gehört: LOVELY LUCIFER?<fragte Waringer.Promax lächelte matt. >Sie haben, Professor.Wer die Menschen kennt, muß den Teufel für ein liebliches Wesen halten.<“Das ist nun nicht nur eine maßlose pessimistische Übertreibung sondern noch mehr eine völlige Verharmlosung des Teufels, die uns hier H.G.Ewers in dem Roman: „Rückkehr ins Jahr 2000“, Perry Rhodan Nr. 550 zumutet. Aber vielleicht hat diese maßlose Übertreibung doch etwas für sich, daß uns hier diese maßlose Übertreibung auf eine richtige Spur bringt in der Frage, wie denn der Mensch nun wirklich sei. Moralische Vorstellungen vom Menschen, wie er sein zu hat und Wunschvorstellungen, oh wäre der Mensch doch!, so verdunkeln oft die Sicht auf den Menschen, wie er nun mal wirklich ist. Vielleicht ist für die Lebenspraxis auch ganz nützlich, seine Mitmenschen optimistisch verzeichnet wahrzunehmen, um so besser mit ihnen zusammenleben zu können.
Promax gibt aber den illusionslosen Zyniker, sozialisiert mit dem Glauben an das Gute in jedem Menschen nun völlig desillusioniert den Menschen nur noch in seiner reinen Negativität sieht. Ein Argument hat dieser Desillusionierter für sich: Er kann im Namen der unendlich viel gelitten habenden Menschen sich jedes Gerede vom natürlichen Gutsein des Menschen verbieten. Daß die Geschichte der Menschheit eine große Leidensgeschichte mit ein paar wenig eingestreuten Sonnentagen ist, welcher Kenner der Geschichte könnte dem guten Gewissens widersprechen. So spricht es eben für den biblischen Realismus, daß die erste Tat, die sie von dem in der Geschichte wirkenden Menschen für erzählenswert hielt, ein Brudermord war: Kain mordete seinen Bruder Abel.Das ist dann der Anfang einer großen Blutvergißgeschichte, die jetzt in 2 Weltkriegen und danach im millionenfachen Töten von Kindern im Mutterleibe ihre konsequente Fortsetzung fand und findet.
Nur in Liebesfilmen wird uns eine andere, eine wirklich schöne Welt gezeigt, die nicht zu kritisieren ist weil die wirkliche so ganz anders geartet ist. Hans Sedlmayr zitiert Dostojewski so: „Warum liebt der Mensch bis zur Leidenschaft gleichfalls die Zerstörung und das Chaos.“ (Verlust der Mitte, 1973, S.106) Hier muß aufmerksam gelesen werden: Nicht ist hier gemeint, daß der Mensch die Zerstörung und das Chaos verursacht, um ein Ziel zu erreichen, das er so sehr liebt, daß er dafür dies Beides in Kauf nimmt, sondern daß die Zerstörung und das Chaos um ihrer selbst willen geliebt werden. Solch einen Menschen darf und kann es in den huma-nistischen Illusionen über den Menschen nicht geben. Auf zweierlei Weise kann nun die humanistische Illusion diese inakzeptable Realität außer Kraft setzen: a) in der konservativen Konzeption, daß doch früher der Mensch so nicht gewesen sei, er erst jetzt so entartet sei oder b) in der progressiven Konzeption, daß er zwar jetzt so sei, aber zukünftig ein ganz anderer sein wird, nämlich ein richtig guter Mensch.
In diesen beiden Zitaten gibt es für diese zwei Ausweichmanöver keinen Spielraum: So ist der Mensch, so war er und so wird er auch immer sein. Theologisch ist dann zu fragen, ob dieser Pessimismus nicht im Recht ist, solange von den menschlichen Möglichkeiten zum Gutwerden ausgegangen wird. Es soll nun nicht gleich die Zuflucht in den Diskurs, was vermag der Mensch an Gutem, wenn er dazu von Gott begnadet wird, genommen werden, um einfach ein mal zu konstatieren, wie es um den Menschen nach seinem Sündenfall steht, wenn er nicht durch Gottes Gnade zum Guten befähigt wird. Es könnte doch sein, daß uns das Verständnis von der Bedeutung der göttlichen Gnade abhanden gekommen ist, weil ganz verdrängt worden ist, wie der postlapsarische Mensch außerhalb der Gnade Gottes ist, die ihn auch effektiv zum Guten befähigt: der Mensch eben ohne die Gnade Gottes.
Komplifikationen
Ein Trugschluß: Indem jedes Tuen ein Streben nach einem Gut sei, sei es auch ein moralisches Streben nach etwas Guten, das Gut ist ob seiner Partizipation an dem Guten, der Idee des Guten. Es kann auch etwas Böses erstrebt werden, etwa der Lustmord aus der Lust am Quälen und Morden. So gilt dann auch nicht, daß nur durch eine Wahl unmoralischer Mittel ein Streben nach einem Gut etwas Unmoralisches, Böses wird- etwa der Nahrung stillt, um sich zu sättigen.
Ein Irrtum: Alles Sündige wäre auch etwas Unmoralisches. So gilt heutzutage der Nichtglaube an Gott nicht als etwas Unmoralisches, im Urteile Gottes ist es aber eine Sünde.
Ein weiterer Irrtum: Alles Unmoralische ist auch eine Sünde vor Gott. Dann hätte Abraham vor Gott gesündigt, denn nur allein sein Tötungsversuch, seinen Sohn zu opfern, ist eine unmoralischer und zu bestrafender Versuch, Gott aber rechnet ihm diesen Gehorsam zur Gerechtigkeit an.
Was ist dann das Böse, zu dem der Mensch neigt und es auch so oft realisiert? Und doch stimmen wir- nach einer spontanen Abwehr den beiden obigen Zitaten mehr zu als dem Glauben an das Gutsein jedes Menschen.
Dieser Glaube an den guten Menschen ist ursprünglich ein Fragment aus der christlichen Religion, daß der Mensch vor seinem Sündenfall gut geschaffen war, der aber in der Geschichte Auftretende es dann nicht mehr ist, denn in ihr wirkt nur noch der Mensch nach seinem Sündenfall. Die modernistisch-psychologistische Variante ist dann die, daß der Mensch durch Gottes Relation zu ihm, daß ER ihn liebt, zu einem guten Mensch wird- aber durch Relationen ändert sich der Mensch nicht- sondern nur durch eine Eingießung göttlicher Gnaden in ihn. Aber diese Gnade kennt die postkonziliare Theologie nicht mehr.
Montag, 30. August 2021
Irritationen: Gehört zum Menschen sein Sterbenmüssen als Moment seiner Endlichkeit?
Neuere Theologen, so steht es in dem „Grundriss der Dogmatik“ von Ludwig Ott, 11. Auflage, 2005, lehren, „daß der schuldlose Mensch bei längerer Dauer des Urzustandes zwar gestorben wäre, daß er aber den Tod nicht so schmerzlich erfahren hätte, wie der schuldig gewordene Mensch.“ (S. 165)Nun steht auf der selben Seite aber auch: „Die Hl. Schrift berichtet, daß Gott den Tod als Strafe für die Übertretung seines Prüfungsgebotes angedrohte und verhängte.“
So müßte es zweierlei Arten des Todes geben: A) den natürlichen, den auch Adam und Eva gestorben wären, hätten sie nicht gesündigt und B) den Tod als das Gericht Gottes über den Sünder, daß wir alle in Adam gesündigt haben und so dem Todesschicksal unterworfen sind, wie es die Erbsündenlehre expliziert. Als Argument führten die neueren Theologen an, daß die Sünde die Natur des Menschen nicht verändere, sodaß wenn der Mensch von Natur aus unsterblich wäre, er durch die Sünde nicht zu einem Sterbenmüssenden verwandelt werden könne. Da es aber zur Natur des Menschen gehört, sterben zu können, aber nicht sterben zu müssen, ist dieses Argument leicht widerlegbar. Gehörte nämlich das Sterbenmüssen zur Natur des Menschen, könnte er nie ewig leben, weil das dann seiner Natur widerspräche. Da der Mensch ein Zusammengesetztes aus einer Seele und einem Körper ist (den die Seele dann zu seinen Leib formt), ist die Trennbarkeit von Seele und Leib als Möglichkeit mitgesetzt, aber warum sollte daraus eine Notwendigkeit einer solchen Trennung zu konsekutieren sein?
Zudem gibt es Menschen, die ohne gestorben zu sein, in das ewige Leben eingegangen sind, Henoch und Elischa und wird es Menschen geben, die ohne zu sterben, in das ewige Leben eingehen werden, die, die am Tage der Wiederkunft Jesu Christi, zu richten die Lebenden und die Toten, leben werden und von dem göttlichen Richter mit dem ewigen Leben belohnt werden.
Problematisch wird die Lehre der Kirche, daß es keinen natürlichen Tod gibt, daß so auch Adam und Eva nicht gestorben wären, hätten sie nicht gesündigt nur durch die Vorstellung, daß im Tierreich schon der Tod herrschte, bevor der Mensch sich aus diesem Tierreich evolutionär herausentwickelt hätte, er aber so von Anfang an dem Schicksal des Sterbenmüssens unterworfen gewesen sei, da es zur Natur alles Lebenden gehöre, sterben zu müssen.
Diese Vorstellung verkennt aber, daß dem naturwissenschaftlichem Denken die Natur, so wie sie in Folge des Sündenfalles geworden ist, nur bekannt sein kann, nicht aber die prälapsarische. Der in der Evolution der Natur auftretende Mensch ist ja nur der in die postlapsarische Welt hineingefallene, der exilierte Mensch, wie es so wunderbar treffend das „Salve Maria“ zum Ausdruck bringt. Daß die Geschichte des Sündenfalles wie der Engelfall in der Form eines Mythos erzählt wird, verdeutlicht ja signifikant, daß das hier Erzählte nicht ein Ereignis in der Geschichte ist, sondern eines vor der Geschichte, durch das erst die Geschichte, so wie sie für die Geschichtswissenschaft zugänglich ist, konstituiert wurde.
Was hat aber diese Konstruktion eines natürlichen Todes für die Theologie und die christliche Religion für Folgen? Wenn es zur Natur des Menschen gehört, als endliches Wesen zu sterben und dann tot zu sein, wie kann dann noch sinnvoll die Vorstellung eines ewigen Lebens (in der Gemeinschaft mit Gott) als etwas für uns Menschen Angemessenes gedacht werden, erschiene ein ewiges Leben nicht dann folgerichtig als etwas Widernatürliches, zu uns Menschen nicht recht Passendes? Die Vorstellung der Natürlichkeit des Todes versöhnte so den Menschen mit seinem Todesschicksal, da der Tod ihm so zu etwas als zu seinem Leben natürlich, also selbstverständlich Dazugehörigem wird. Wozu bedürfte er da dann noch eine Erlösung vom Tod, wenn der Tod konstitutiv zum menschlichen Leben dazugehört?
Der Tod wird aber auch deshalb so vernaturalisiert, weil er nicht mehr als Gottes Strafe über die Sünde expliziert werden kann, wenn Gott einfach nur noch als die Liebe vorgestellt wird, daß Gott eben nur lieb sei und so niemals den Menschen als Strafender gedacht werden dürfe. So wird nicht nur das Todesschicksal des Menschen verharmlost sondern auch Gott verniedlicht zu einem bloß immer Liebenden, einem der nicht anders kann, als immer nur zu beteuern: Ich hab euch alle lieb!
Freitag, 20. November 2020
Daß der Mensch das Produkt seiner Lebensverhältnisse sei!
(Was ist der Mensch?-Der anthropologische Kampf)
„Daß der Mensch von Natur aus gut sei,diese merkwürdige Idee hat in der Sozialarbeit ihr letztes Reservat.“
„Solche Vormünder nehmen in ihrer grenzenlosen Gutmütigkeit den Verirrten jede Verantwortung für ihr Handeln ab. Schuld ist nie der Täter,immer die Umgebung:das Elternhaus,die Gesellschaft,der Konsum,die Medien,die schlechten Vorbilder.“Hans Magnus Enzensberger, Aussichten auf den Bürgerkrieg, 1996,S.37.
Diese Vorstellung vom an sich guten Menschen, der nur durch äußere Umstände dann zu einem bösen Tuen verleitet wird, setzt die Gesellschaft auf die Anklagebank, um das Individuum von der Verantwortung für sein negatives Tuen zu entlasten: Ich bin nicht schuld, sondern meine Lebenswelt.Wie könnte auch anders die Neigung zum Bösen in einen Menschen sich einnisten, wenn er doch von Natur aus gut ist.
Empirisch kann diese Vorstellung vom natürlichen Gutsein des Menschen weder verifiziert noch falsifiziert werden, da wir nie auf einen natürlichen Menschen stoßen sondern immer nur auf schon irgendwie Sozialisierte, wobei die Sozialisation ja schon pränatal beginnt. So kann diese These auch nicht, wie Chesterton es versucht, widerlegt werden mit dem Hinweis auf die Lust von Tiere quälenden Menschen (Orthodoxie), denn ein Apologet dieser These früge dann ja einfach nur, was solche Tierquäler für eine traurige Kindheit erlebt haben müssen, wenn sie zu Tierquälern wurden.
Prinzipieller formuliert: Eine Ideologie ist nur dann dauerhaft lebensfähig, wenn es kein Ereignis geben kann, durch die sie widerlegt werden kann. Wissenschaften definieren sich dagegen als wahrheitsfähige Aussagensysteme, wenn sie die Bedingungen der Falsifizierbarkeit von ihren Aussagen bestimmen können. Die Theorie A ist genau dann unwahr, wenn -A (ein nicht mit der Theorie verein-babares Ereignis) geschähe. Damit stoßen wir auf eine Grenze kommunikativer Verständigungsmöglichkeiten, wenn das Axiom des ursprünglichen Gutseins des Menschen erörtert werden soll.
Es könnte aber auf die Negativfolgen dieser merkwürdigen Idee verwiesen werden, daß der Täter jetzt böse handeln kann im Vertrauen darauf, daß dies ihm nicht selbst als Negatives zugeschrieben wird.Der Verbrecher ist nicht mehr ein Täter sondern immer nur noch ein Opfer, das es zu therapieren gilt.
In der Moraltheologie ist diese merkwürdige Idee auch heimisch geworden in der Causa des Freitodes.Hier lautet das Axiom nun, daß jeder Mensch leben wolle (das Gute also will), wenn er aber doch das Gute nicht wolle, indem er seinen Tod ersehne, das eigentlich gar nicht wolle, weil er immer nur das Gute wolle,sondern immer nur äußere Umstände ihn zu diesem verqueren Wollen verleiteten,das so nicht ernst zu nehmen ist und nicht dem seinen Freitod Wollenden verantwortlich zuschreibbar sei.
Der Mensch wird so seiner Würde, der Täter seiner Tat zu sein, beraubt, er soll nur noch ein durch Äußerliches Fremdbestimmter sein.So ist aber der Glaube an das Urspungsgutsein des Menschen aufrecht haltbar- aber nur um den Preis seiner faktischen Entmündigung. Aber jede Morallehre verlangt die Vorstellung von der Verantwortlichkeit des Subjektes für sein Tuen und Unterlassen.Dies zu ergründen, ist dann die Aufgabe der Lehre vom freien Willen des Menschen, dem Zentrum der Anthropologie in moralischer Hinsicht.