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Mittwoch, 12. November 2025

Kath de offenbart: Was macht das Theologiestudium aus und warum qualifiziert dies Studium für den Arbeitsmarkt?

 

Kath de offenbart: Was macht das Theologiestudium aus und warum qualifiziert dies Studium für den Arbeitsmarkt?


Kath de treibt die große Sorge um, was denn aus den katholischen und wohl auch aus den evangelischen Fakultäten werden soll, wenn immer weniger Theologie studieren wollen, gälten diese Fakultäten doch auch als Hochburgen der politischen Korrektheit,in denen sich eine wagemutige Professorenschaft samt ihrem Gefolge den braunen Fluten entgegenstemmen. Der Standpunktkommentar vom 12.11.2025 gibt uns nun die wohl etwas irritierende Antwort, daß dieser Studiengang optimal seine Absolventen für den Arbeitsmarkt qualifiziere! Damit meint der Kommentar aber nicht, daß einem ausgebildeten Theologen ein Arbeitsplatz in der Kirche sicher wäre, würde er Pfarrer werden wollen, sondern daß seine Marktchancen in vielfältigsten Hinsichten sehr gut wären, gerade außerhalb der Kirche eine Anstellung zu finden.

„Studierende der Theologie lernen, philosophisch, historisch, ethisch, juristisch, sozialwissenschaftlich, ästhetisch, pädagogisch und sprachwissenschaftlich zu denken – und mit den Unterschieden dieser Zugänge zur Wirklichkeit zurechtzukommen. Vielleicht ist das alte Studienfach Theologie das modernste der Welt: weil es nicht für den Trend der nächsten fünf Jahre ausbildet, sondern die Kompetenzen schult, mit den Trends der nächsten fünfzig Jahre umzugehen.“

Damit soll das Theologiestudium beworben werden! Wozu befähigt dies Studium also? Mit der Wirklichkeit zurechtzukommen? So ist das hier nicht gemeint, sondern mit den Unterschieden der Zugänge zur Wirklichkeit zurechtzukommen! Weniger klausuliert formuliert hieße das: Was die Wirklichkeit ausmache, dazu existieren verschiedene Theorien, die sich auch aus der Vielzahl der wissenschaftlichen Perspektiven ergäben. Das Theologiestudium befähige also zu einem Umgang mit diesem multiperspektivischen Pluralismus. Dem liegt eine Krisendiagnose der Gegenwart zugrunde, daß uns die Wirklichkeit, so wie sie an sich ist, nicht (mehr)zugänglich ist, daß wir stattdessen eine schwer überschaubare Pluralität von Wirklichkeitsdeutungen vor uns haben, sodaß das die Frage aufwirft: Wie damit umgehen? Das Theologiestudium befähige so zu dem Umgang mit dieser Pluralität!

Der Gegenstand der Theologie: Gott, bzw alles in seiner Relation von,in und zu Gott, wird hier völlig aufgegeben. Es existieren für dies Studium nur noch Weltdeutungen, die (auch) aus den Differenzen der verschiedenen Wissenschaften resultierten und es nun gälte,mit diesem Pluralismus angemessen umgehen zu lernen. Die vulgärste Umgangsweise ist wohl die, zu deklarieren, daß niemand sich anmaßen dürfe,über die allein wahre Wirklichkeitserkenntnis zu verfügen und daß deswegen die Pluralität der Wirklichkeitsdeutungen eine unhintergehbares Faktum der Gegenwart sei, der Postmoderne eben.

Lernen,mit dieser unhintergehbaren Pluralität umzugehen,heißt dann, daß a) der Konsument frei sich die ihm gefallendste Deutung zu eigen macht, aber respektiert, daß die anderen andere sich erwählen oder daß b) der Konsument keine der angebotenen Weltdeutungen sich erwählt und in einer ironischen Distanz allen gegenüber verharrt. Warum soll nun ein Theologiestudium in besonderer Weise pluralitätsfähig machen? Weil die Theologie durch den ökumenischen und interreligiösen Dialog gelernt hat,auf jegliche Wahrheitsansprüche verzichtend alle Religionen und Confessionen als gleich-gültig zu verstehen.Das ist nun nicht ein Resultat vertiefter Gotteserkenntnis sondern nur ein Postulat des interreligiösen Dialoges:Erachte alle als gleich wahr und gleichgültig, damit es in diesem Dialog zu keinen Konflikten kommt. Eingeforderte Wahrheitsansprüche gefährden halt den Frieden.

Zu beachten ist dabei, daß die Wirklichkeit, die doch eigentlich durch ihre Deutung begriffen werden solle als unerkennbar präsumiert wird, daß stattdessen es nur noch die Wirklichkeit der Mannigfaltigkeit der Weltdeutungen gibt und daß es deshalb nur noch darauf ankommt,diese Pluralität zu bejahen und sozialverträglich das Neben- und auch Miteinander der Deutungen zu gestalten.

Die Zugänge zur Wirklichkeit sind so genaugenommen gar keine Wege, die den auf ihnen Wandernden in die Wirklichkeit ankommen lassen sondern eher Kreisbewegungen,wobei die Mitte des Kreises nie erreicht werden kann, da jeder einnehmbare Standpunkt des Kreises von der zu erkennenden Wirklichkeit gleich nah und gleich fern ist.

Warum soll das nun aber Theologiestudenten besonders für den Arbeitsmarkt qualifizieren? Nun ja, da alle westeuropäischen Länder multiethnisch und multikulturell sich formierende Gesellschaften sind, sind für diesen Pluralismus Ausgebildete überall in der Arbeitswelt gesuchte Arbeitskräfte.


1.Corollarium


Die Gegenstandsbestimmung der Wissenschaften als die Wirklichkeit ist nun selbst auch schon eine defizitäre, denn das Ganze, die Totalität beinhaltet auch das Nichtrealisierte aber Mögliche, das sich im konjunktivischen Denken erschließt,und auch das, was sein soll und das sind nicht deskriptive Aussagen über moralische und sittliche Vorstellungen, die es in der Wirklichkeit gibt, sondern präskriptive: Was sein soll. Das Ganze, wird es auf die Wirklichkeit reduziert wäre eine ohne moralische Aussagen, was denn sein soll, und ohne Freiheit und Kontingenz,da die konjunktivischen Aussagen keiner Wirklichkeit in der Wirklichkeit entsprechen. 

2.Corollarium

Das Land Niedersachsen hat den traditionellen Religionsunterricht an den Schulen 2025 abgeschafft und durch ein neues Konzept ersetzt. Die "TAZ" jubelte darüber am 17.8.2025:"Religiöse Bildung für alle". Da heißt es dann: "Das ist ein gelungener Neustart, bei dem nicht mehr die Systematik katholischer und evangelischer Theologie im Mittelpunkt steht. Die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lebenswelt in Form einer multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft sind konsequent ins Zentrum gerückt. Die fünf Bereiche, für die erwartete Kompetenzen formuliert wurden, sind nunmehr Identität, Gemeinschaft, Sinn und Glaube, Handeln sowie Freiheit und Zukunft. Die „anderen“ Religionen und Weltanschauungen, explizit auch säkulare, sind nicht nur Appendix, sondern durchgehende Bezugsgrößen. Sie machen das neue Fach attraktiv für all jene, die keiner oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehören". 

Das Ziel dieses Religionsunterrichtes ist also wie in dem Kath de Artikel die Befähigung zum Zurechtkommen in einer pluralistischen Gesellschaft mit einem großen Angebot an religiösen und säkularen Weltdeutungsangeboten, also eine Konsumentenschulung. Daß eine Religion wahr sein könnte und daß gar Glaubensinhalte vermittelt werden sollten, das sind Vorstellungen,die hier nichts mehr zu suchen haben.Dem hat die Katholische Kirche Niedersachsens zugestimmt. Das Konzept stammt von einer Grünenpolitikerin!

 



Dienstag, 26. August 2025

„Die biblische Religion ist diesseitsorientiert,auf das konkrete Leben des Menschen bezogen““.

 

„Die biblische Religion ist diesseitsorientiert,auf das konkrete Leben des Menschen bezogen““1.



Hier kann jeder Bibelkundiger nur noch stauen und auch der Nachsatz macht diese Behauptung nicht wahrer: „und dies bleibt selbst dann noch selbstverständlich so, als Jenseitsvorstellungen entwickelt wurden.“2

„Das konkrete Leben des Menschen“: Dann muß man aber das schlichte Faktum, daß es im Alten Testament in erster Linie um das von Gott für sich erwählte Volk Israel geht, und daß so die Differenz und die Konfliktgeschichte dieses Volkes mit den anderen Völkern das bestimmende Thema dieses Buches ist, überlesen. Zudem sollte auch nicht überlesen werden, daß im Neuen Testament der neue Bund Gottes mit der Kirche im Mittelpunkt steht. Daß dann auch der Mensch als Einzelner thematisert wird, ist ebenso unüberlesbar, aber in welcher Hinsicht, ist dann konkretisierend zu fragen. Die Alltagssorgen im Familien- und Berufsleben, dies konkrete Leben findet in der Bibel kaum statt, außer dem Problem der kinderlosen Frau. Von den zur Zeit Jesu höchst aktuellen politischen Fragen, kann sich das jüdische Volk aus der Beherrschung durch Rom befreien, finden sich kaum Niederschläge im Neuen Testament außer dem propagierten Gewaltverzicht gerichtet gegen die zeitgenössischen revolutionären Befreiungstheologen, isb den Zeloten.

Stattdessen dominiert die Frage: Wie kann ein Mensch in das Reich Gottes eingehen. Jesu Christi erste große programmatische Rede, die Bergpredigt, hat nur dies eine Thema, in der er sich auch sehr energisch von der pharisäischen Lehre absetzt, wenn er urteilt: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer,werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 5,20)

Die Bibel sei „diesseitsorientiert“ kann man nur vertreten, wenn entweder die ganze Verkündigung Jesu vom Kommen des Reich Gottes als eine Marginalie herabgestuft wird oder, wie es nicht nur die „Zeugen Jehovas“ praktizieren rabiat verdiesseitigen. Für den einzelnen Menschen rückt dabei die Frage, was wird mit mir sein, nachdem ich gestorben bin, in den Vordergrund, wohingegen das angekündigte zukünftige Reich Gottes am Ende der Zeiten mehr die Zukunftsperspektive der Kirche als Ganzer und der Menschheit als Ganzer betont. Zwei Betrachtungsebenen sind dabei zu beachten: Auf der Raumachse gilt der Dualismus von dem Dieseits und dem Jenseits, auf der Zeitachse der Dualismus des alten und des neuen Äöns. Sowohl der neue Äon wie auch die Verheißung des postmortalen ewigen Lebens sind bezogen auf unser jetziges Erdenleben Jenseitsvorstellungen, Vorstellungen von einem Jenseits des jetzigen Lebens.

Die Bibel entwickele Jenseitsvorstellungen: Diese Aussage verkennt völlig den Offenbarungscharakter der Gehalte der Jenseitsvorstellungen, indem sie so den bloßen Status von rein menschlich produzierten Ideen vom Jenseitigen zugeschrieben bekommen. Alles in der hl. Schrift dazu Gesagte ist also nur das Ergebnis menschlicher Imaginationskraft und man sie so für wahr halten aber auch für unwahr oder für wahrscheinlich oder unwahrscheinlich. So lautet auch der wichtigste Satz dieses Buches über das Reich Gottes und alle Jenseitsaussagen: „Ob es eine Auferstehung geben wird,weiß niemand zu sagen,Es gibt und kann in dieser Frage keine Gewissheit geben.“3 Eigentlich wäre es erstrebenswert, daß „Ich bzw Wir glauben“ zu ersetzen durch den Optativ: „O möge es doch so sein, daß...“

Aber nun soll sich auf den Terminus der Diessitigkeit kapriziert werden, den dieser Nietzscheleser so enthusiastisch feiert eingedenk der populären Parole der Treue zur Erde, In der Metaphysik gilt es, die drei Grundordnungen des Wahren, Guten und Schönen, der theoretischen, der praktischen und der ästhetischen Vernunft zu explizieren und erstmal auch zu unterscheiden. Das Wahre, das Gute und das Schöne sind nun ja selbst Ideen, deren Erscheinungen bzw Realisierungen wohl im Diesseitigen erkannt werden können, aber doch immer nur als ein Recognizieren dieser jenseitigen Ideen in dem, was als wahr, gut und schön erscheint. Das heißt, daß wir es hier mit dem jedem philosphischen Denken konstitutiven Dualismus von der Welt der Ideen und der Welt ihrer Erscheinungen zu tuen. Dieser dem metaphysischen Denken eigener Dualismus schließt so aber eine Fokussierung auf das bloß Diesseitige aus, denn das Wesentliche in der Welt, der diesseitigen ist das Erscheinen des Jenseitigen in ihr in diesen drei metaphysischen Ordnungen.

Wer nur die diesseitge Welt kennt, sie so verdiesseitigt konstruiert, erschafft eine wertlose Welt, denn Werte kann es in ihr nur durch diese drei metaphysischen Ordnungen geben, die ihren Grund in der jenseitigen Welt der Ideen Gottes haben, wobei diese Ideen von Gott als ihrem Hervorbringer noch zu distinguieren sind.

1Magnus Striet,Alte Formeln – lebendiger Glaube, S.109.

2Striet, a,a,O, S.109.

3Striet, a,a.O. S.134.

Mittwoch, 6. August 2025

Ein orthodoxes Plädoyer für eine demokratisch sich verstehende Kirche -ein irritierend kluger Gedanke!

 

Ein orthodoxes Plädoyer für eine demokratisch sich verstehende Kirche -ein irritierend kluger Gedanke!



Wer noch ganz unzeitgeitgemäß die Mahnung des Apostels Paulus im Ohr hat: „Habet Acht auf euch und auf die gesammte Herde,in welcher euch der heilige Geist zu Bischöfen gesetzt hat, die Kirche Gottes zu regieren, welche er mit seinem Blute erworben“, (Apg 20,28), wobei hier der Vulgatatext das griechische „weiden“ mit „regere“= regieren angemessen übersetzt im Gegensatz zur Einheitsübersetzung, die mit „sorgen“ das Gemeinte nicht ganz trifft, dem muß die Vorstellung einer demokratischen Kirche ad hoc sehr dubios vorkommen: nicht durch die Gläubigen sondern durch den Heiligen Geist eingesetzte Bischöfe, die die Kirche zu regieren haben! Die Demokratie bedeutet im Kontrast dazu doch die Selbstregierung der Kirche, in der sich Kirchenvorsteher doch nur durch ihr demokratisches Gewähltseinworden legitimieren könnten.

Aber für so manchem Leser der „Orthodoxie“ von G.K.Chesterton irritierend plädiert gerade dieser für ein demokratisches Kirchenverständnis! Das macht eben auch das Charakteristische dieses genialen Denkers aus, daß er immer wieder seine Leser durch ganz und gar unorthoddoxe Gedankengänge irritiert, denen der Leser trotzdem spontan zustimmt, so überzeugend werden sie vorgebracht. Es soll so Chesterton das Wort in dieser Causa erteilt werden:

„Wenn wir bei den Alltagsgeschäften der einhelligen Meinung gewöhnlicher Menschen große Bedeutung beimessen1, dann ist nicht einzusehen, warum wir diese Meinung geringschätzen sollten, wenn es sich um Geschichte oder Volksüberlieferung handelt. Tradition bedeutet, daß man der am meisten im Schatten stehenden Klasse2, unseren Vorfahren,Stimmrecht verleiht.Tra- dition ist die Demokratie für die Toten.Sie ist die Weigerung,der kleinen,anmaßenden Oligarchie3 derer,die zufällig gerade auf der Erde wandeln,das Feld zu überlassen.“ 4

Die Lehre der Kirche, das sei die Tradition, dtas, was all die vor uns Warenden geglaubt haben und was wir nicht gegen sie nun abschaffen dürfen, wenn wir uns als Demokraten verstehen. Wir Heutigen müßten eben den Glauben der vielen vor uns als auch für uns verbindlichen respektieren, da wir uns nicht anmaßen dürften, willkürlich sich dagegen zu stellen wie eine Oligarchie, die den Willen der Mehrheit einfach mißachtend regiert. Die Bejahung der Tradition gehöre so konstitutiv zu einer sich demokratisch verstehenden Kirche. Nichtdemokratisch wäre es, wenn wir Jetzigen einfach die Tradition für nicht mehr maßgeblich verwerfen würden, auch wenn dies unter dem Gewand einer Modernisierung bzw Weiterentwickelung der Tradition unternommen wird.

Chesterton führt diesen Gedanken nun weiter aus: „Bei unseren Beratungen sind die Toten zugegen.Die alten Griechen stimmten mit Steinen ab; jene stimmen mit Grabsteinen ab.All das ist ganz in Ordnung und vorschriftsgemäß,da die meisten Grabsteine wie die meisten Wahlzettel mit einem Kreuz markiert sind.“5

Dies evoziert aber eine gewichtige Anfrage: Kann in der Kirche das als wahr gelten, wofür die meisten, die allermeisten gestimmt haben? Wird Jesus als der Christus rechtens geglaubt, weil die Mehrheit oder alle Christen am Anfang ihn als den Messias geglaubt haben, sodaß wir Jetzigen nun diesem Entscheid unsererseits zuzustimmen hätten, da bis jetzt die Mehrheit aller vor uns auf Erden gewesenen Christen diesem Glauben zugestimmt haben? Als Jesus seine Schüler frug: „Und für wen haltet ihr mich?“ und Petrus antwortete: „Für den Christus“, war da dieses Bekenntnis wahr, weil alle oder die Mehrheit seiner Schüler dieser Aussage zustimmten?

Die Aussage, der 30 Jährige Krieg begann 1618 ist doch auch nicht deshalb wahr, weil jeder Historiker dieser Aussage zustimmt. Man könnte so meinen, daß nur bei Fragen, wo nicht erkannt werden kann, ob eine Antwort wahr oder falsch sei, die Antwort dann als wahr gilt, die die meiste Zustimmung erhält. Bei dem europäischen Singwettbewerb gilt das Lied als das beste, das am meisten Punkte auf sich versammeln kann aber als Musikkenner dürfte man wohl ein großes Fragezeichen in dieser Entscheidung setzen, daß die Quantität der Jastimmen zu einem Lied die Qualität des Liedes bestimmt.

Aus der orthodox katholischen Perspektive gilt, daß die Tradition wahr ist, weil Jesus Christus das lebendige Haupt seiner Kirche ist,sdaß er dafür sorgt, daß die Kirche nie in Gänze irren kann, sondern nur einzelne Glieder von ihr. Das, was die Kirche so zu allen Zeiten und allen Orten geglaubt hat, ist so wahr, weil die Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes ihre Tradition herausgebildet hat. Deswegen sagt ja auch Jesus zu Petrus, daß sein Bekenntnis, daß Jesus der Christus ist, ihm durch Gott selbst offenbart worden ist (Mt 16,17)und daß so dies Bekenntnis nicht das Ergebnis seiner Interpretation der Person Jesu sei. 

Corollarium:

Es fehlt dem demokratischen Verständnis der Kirche der Begriff der Offenbarung Gottes, die sich selbst in der Kirche expliziert. Das verlangt nämlich eine Dezentrierung des Menschen in der Kirche.

1Ein ironischer Unterton ist hier aber nicht überhörbar, denn in der Demokratie wählt ja der gewöhnliche Mensch die Regierung.

2Das ist eine feine Anspielung an das marxistische Theorem von der unterdrückten Arbeiterklasse.

3Die Oligarchie wird hier als die Antithese zur Demokrtie verwendet, daß Wenige und nicht alle herrschen.


4Chesterton, Orthodoxie, 2015, S.99.

5A.a.O. S.100.

Samstag, 26. Juli 2025

Ein theologisches Eigentor – oder wie ein bekannter Theologe die Kirche und die Theologie ruiniert

 

Ein theologisches Eigentor – oder wie ein bekannter Theologe die Kirche und die Theologie ruiniert



Pater Recktenwald gehört heutzutage zu den wenigen Lichtblicken innerhalb der Kirche, seine Auseinandersetzung mit dem Startheologen M.Striet ist ein Glanzlich in unseren ach so trüben Tagen. Um so mehr muß es nun irrtieren, daß dieser in dem „Tagespost“ Artikel: „Was liegt jenseits des Sagbaren?“, in seiner Auseinandersetzung mit dem Philophen Wittgenstein ein Eigentor schießt, ihm ein Fehler unterläuft, der die Kirche ruinieren müßte, hörte sie hier auf hin. (Es sei an den einen kapitalen Fehler unserer Frauen-mannschaftstorwartin erinnert, der den Spanierin den Sieg bescherte und uns aus dem Rennen warf!)

Was lesen wir also in diesem „Tagespost“ Artikel vom 26.7.2025? „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ schreibt Ludwig Wittgenstein. Und „was jenseits der Grenze liegt, wird einfach Unsinn sein.“ Um diese Aussage verstehen zu können, ist es nötig,zu präsumieren, daß hier das Denken als ein nur sprachlich mögliches vorgestellt wird, sodaß diese Aussage übersetzbar ist in die: „Was nicht denkbar ist, ist einfach Unsinn.“ Denn es gilt auch die Umkehrung: „Alles, was nicht Unsinn ist, ist denkbar.“ Selbstverständlich müßte nun, sollte die Auseinandersetzung mit diesem Philophen ernsthaft geführt werden, die Zentralaussage des Johannesevangeliumsprologes erörtert werden, daß alles, was ist, durch den Logos ist, und daß deswegen alles, was ist, auch in Denken, im sprachlichen Denken ausgesagt werden kann. Das gilt auch für den Logos, denn sonst wäre er nicht der Logos.

Zu welcher Behauptung läßt sich hier nun aber dieser Wittgensteinkritiker hinreißen? „Erst jenseits der Grenze des Sagbaren beginnt eine sinnerfüllende Welt.Das Gegenteil ist der Fall. Erst jenseits der Grenze des Sagbaren beginnt jene Welt, die meinem Leben Sinn zu geben vermag.“ Eine „sinnerfüllende Welt“, die nicht denk- und aussagbar wäre, kann keine so geartete sein. Die Ordnung der von Gott geschaffenen Welt, die der Ordnung des Wahren, des Guten und des Schönen ist gerade eine denkbare und aussgbare Welt, denn sonst existierten diese drei Ordnungen gar nicht. Daß der Welt Gottes Ideen, die des Wahren, Guten und Schönen zugrunde liegen, garantiert ja erst die Erkennbarkeit der Welt. Aber genau diese drei Ordnungen ermöglichen auch erst uns Menschen ein sinnerfülltes Leben.

Aber nun darf Gott nicht selbst mit seinen Ideen, die er ja als Souverän hervorgebracht hat, ineins gsetzt werden. Gott hätte auch eine andere Ordnung als diese dreifache setzen und nach ihr dann das Universum erschaffen können. Nichts nötigt Gott, die Welt überhaupt zu erschaffen noch sie so zu erschaffen mit dieser dreifachen Ordnung, wie er sie erschuf. Wenn nichts wäre, dann könnte das nicht gedacht und ausgesagt werden, denn denk- und aussagbar ist nur etwas Bestimmtes. Erst durch das Sein wird das Nichts als das Nichtsein aussagbar eingedenk der Wahrheit: omnia determinatio est negatio. Wenn Gott aber ist und somit nicht nichts ist, ist das schon eine Bestimmung, die Gott denk- und aussagbar macht.

Um das Anliegen der rein negativen Theologie zu bewahren, daß über Gott nichts ausgesagt werden könne außer was er nicht ist, müßte Gott als völlige Unbestimmtheit gedacht werden, das versucht Plotin mit der Aussage, daß Gott das Eine sei, das noch jenseits der Differenz von Sein und Nichtsein zu denken sei, denn sonst würde Gott als Sein durch das Nichts begrenzt, das, was er nicht ist. Man könnte hier den sehr spekulativen Gedanken wagen, Gott als causa sui zu denken, daß Gott sich selbst zu seinem Gottsein bestimmt und so zu einem Bestimmten und Erkennbarem wird. Anders formuliert: Da Gott sich selbst denkt, ist dieses Denken das, was Gott objektiviert und so erkennbar macht. Wenn Gott sich selbst nicht objektiv wäre, sich selbst erkennend, dann könnte er sich auch nicht anderen offenbaren, anderen an seiner eigenen Selbsterkenntnis einen Anteil geben.

Wäre Gott nicht als sich selbst denkend und erkennen zu denken, könnte nie es eine menschliche Gotteserkenntnis geben und somit auch keine wahre Religion, denn es könnten nur menschlich- allzumenschliche Meinungen über Gott existieren. Aber als sich selbst objektivierender kann Gott seine Selbsterkenntnis uns Menschen vermitteln, sodaß die wahre Religion so entstehen kann. Die Ordnung des Wahren, die den Raum des Konflktes des Wahren mit dem Unwahren eröffnet, wie die Ordnung des Guten den Raum des Konfliktes zwischen dem Guten und dem Bösen und wie die Ordnung des Schönen den Raum des Konfliktes zwischen dem Schönen und dem Nichtschönen eröffnet, ermöglichen so dem Menschen erst ein sinnvolles Leben, das gerade in diesen Räumen möglich ist. In einer bloßen Alleseinerleiwelt könnte es gar kein sinnvolles Leben geben. Die Möglichkeit des sinnvollen Lebens setzt nämlich denknotwendig die Möglichkeit eines sinnlosen Lebens voraus. Es kann ja auch ein Ehemann nur treu sein, wenn es für ihn eine Möglichkeit zur Untreue gibt.

Nein, jenseits der Ordnungen, die sich sprachlich ausdrücken können, kann es überhaupt nichts Sinnvolles geben und das Sinnlose kann es auch nur in der Ordnung als eine Opposition zu dieser Ordnung geben! Der Revolutionär ist nämlich nur möglich als ein Element in der Ordnung, das nun selbst gegen diese Ordnung rebelliert. So existiert der Teufel ja auch nur in der von Gott geschaffenen Welt als zugelassener Revolutionär wider die Schöpfung Gottes.

Wäre Gott, Gottes Ideen vom Guten, Wahren und Schönen nicht denk- und aussagbar, dann könnte es keine wahre Gotteserkenntnis und somit keine wahre Religion geben. Wittgenstein sollte man so zustimmen, um damit zu begründen, warum die Theologie wahre Aussagen über Gott und seine von ihm gesetzte Ordnung enthalten kann!

Corollarium 1

Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI zeigt in dem Kapitel: "Der Primat des Logos" in seinem Buch: "Einführung in das Christentum" auf, daß, da alles, was ist, von seiner Substanz her eine Realisierung von Gottes Idenn davon ist: "All unser Denken ist in der Tat nur ein Nachdenken des in Wirklichkeit schon Vorgedachtem."  Die Idee ante rem, in der Sache realisiert, wird in ihr post rem erkannt.  

Corollarium 2

In dem Regelsystem des Schaches ermöglicht das Regelsystem erst, sinnvolle von sinnwidrigen, sinnlosen Spielzügen zu unterscheiden: Die sinnwidrigen, das sind solche, die dazu führen, daß man eine Partie verliert, existieren nur ob des Schachregelsystemes. Das gilt so auch für das Regelsystem des Wahren,Guten und Schönen. 

 







Montag, 30. September 2024

Sind Sie katholisch?" frug Papst Franziskus- eine wohlberechtigte Frage oder über das Wesen der Frau

 

"Sind Sie katholisch?" frug Papst Franziskus- eine wohlberechtigte Frage



Kath net berichtet über diesen Vorfall am 30.9.2024. Angefragt wurde so ein deutscher Reformbischof, der aber wie es zu erwarten war, nicht ehrlich respondierte: „Ich sehe meine Berufung darin, das Katholische zu überwinden!“ Der Papst hätte diese Frage aber genauso berechtigt der „katholischen“ Universität Louvain stellen können. Kath net berichtet darüber ebenfalls am 30.9.2024: Die katholische Universität distanziere sich von den Papstäußerungen zur Geschlechtsdifferenz zwischen Mann und Frau: „Peinlich“.

Was an Schrecklichem hat nun der Papst gesagt?„Papst Franziskus hatte am Samstagnachmittag vor Studierenden und Lehrenden der Hochschule gesagt: "Was für die Frau charakteristisch ist, was weiblich ist, wird nicht durch Konsens oder Ideologien festgelegt.“ Da enthüllt die Gender-“Wissenschaft“ nun Tag für Tag, daß alle Aussagen über die Frau, das Wesen der Frau nichts anderes seien als Produkte ideologischen Denkens, von denen die Frau zu befreien sei und dem widerspricht der Papst so vehement. Wenn alles über die Frau Ausgesagte nur Ideologisches ist, wie könnte es dann noch wahre Aussagen über sie geben? In einem demokratisch geführten Diskurs könnte dann nur das als wahr gelten, was als ein Konsens über sie sich herausgeschält hätte unter dem notwendigen Vorbehalt, daß jede so als wahr geltende Aussage dann immer auch als revidierbar zu gelten habe. Oder der Diskurs erklärt die Frage nach dem Wesen der Frau für unklärbar, um dann jedem das Recht zuzubilligen, Beliebiges über sie aussagen zu dürfen, wenn auf jeden Wahrheitsaspruch dabei verzichtet würde.

Aber wie charakterisierte der Papst nun das Wesen der Frau: "Frau ist fruchtbares Empfangen, Sorge, lebendige Hingabe - deshalb ist die Frau wichtiger als der Mann." Diese Wahrheit über das Wesen der Frau rief natürlich unter allen Feminstin und all ihrer Sympathisanten purstes Entsetzen hervor. „Dazu erklärte die Hochschule "ihr Unverständnis und ihre Nichtzustimmung zu der von Papst Franziskus vorgebrachten Position über die Rolle von Frauen in Kirche und Gesellschaft." Die Worte des Papstes über das Wesen der Frau seien eine "deterministische und reduktionistische Position", von der sich die Universität distanziere.“

Als universitär Gebildete sollten die Hervorbringer dieser Polemik doch wissen, daß jede Bestimmung von etwas eine Determination ist und daß jede Bestimmung des Wesens von etwas immer auch eine Reduktion sein muß, indem das Substantielle von etwas erfaßt wird im Kontrast zu seinen akzidentiellen Eigenschaften. Der große Philosoph Schopenhauer hat das einmal so veranschaulicht: Das alltägliche Denken sieht 2 Menschen und interessiert sich für die Unterschiede zwischen ihnen, die sie zu besonderen Menschen macht, wohingegen das philosophische Denken danach frägt, was diesen 2 Menschen gemein ist mit allen anderen Menschen,sodaß sie unter dem Begriff des Menschen subsumierbar sind. Das Gesuchte ist also das Wesen des Menschen, also eine Reduktion der Mannigfaltigkeit der Menschen auf ihr Wesen. Aber nachgedacht wird man bei der Hervorbringung dieser Protestnote nicht, man setzt eben auf wohlvertraute Phrasen, die gut ankommen. Daß es kein wissenschaftliches Denken ohne Bestimmungen und Reduktionen geben kann, wird dann einfach verdrängt. Es sei hier deshalb an diesen Grundsatz jedes wissenschaftlichen Denkens erinnert: „Omnes determinatio est negatio.“

Statt über das Wesen des wissenschaftlichen Denkens als eine Bestimmungsaufgabe nachzudenken anläßlich dieser päpstlichen Aussage, deklariert sich diese „katholische“ Universität als eine „feste Burg“ nicht des Glaubens sondern der politischen Korrektheit, der linken Ideologieproduktion: "Die katholische Universität Louvain ist eine inklusive Hochschule und dem Kampf gegen sexistische und sexuelle Gewalt verpflichtet. Sie unterstreicht ihren Wunsch, dass jeder Mensch in ihr und in der Gesellschaft sich entwickeln und Erfolg haben kann, unabhängig von Herkunft, geschlechtlicher Identität oder sexueller Orientierung. Sie ruft die Kirche auf, demselben Weg zu folgen, ohne jegliche Form der Diskriminierung".

So verabschiedet sich die Universität nicht nur von dem wissenschaftlichen Denken sondern auch von jeder Moral. Nähme man nämlich dies ernst, hieße das, daß auch ein Pädophiler als Erzieher in einem Kindergarten arbeiten dürfte, da er nicht ob seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden dürfte. Mit dem katholischen Glauben hat diese Universität sicher nichts im Sinne, sofern man nicht einfach den allgemeinen Zeitgeist mit dem katholischen Glauben in einssetzt.Das ist aber nun wohl auch die vorherrschende Meinung der deutschen Bischöfe. Nicht mehr hört man auf das „Wort Gottes“ sondern auf den Geist, aber nicht den Hl.Geist sondern auf den Zeitgeist. Hier paßt auf das Wunderbarste der von Papst Franziskus angefragte Bischof: „Sind Sie katholisch?“ mit dieser Universität zusammen. 

Corollarium 

Das Begreifen von etwas ist die Erfassung der Wahrheit von etwas, wie es als Idee ist, sein soll. Da ist klar zu unterscheiden, ob eine Aussage wahr ist: Ist es wahr, daß es jetzt regnet oder ob etwas wahr ist: Ist er ein wahrer Freund? Das eine mal wird der Wahrheitsgehalt überprüft, ob er der Realität entspricht, das andere mal, ob er der Idealität entspricht. So wäre es doch abstrus, Schüler im Rechenunterricht freihändig Kreise in ihr Heft zeichnen zu lassen, um dann aus den gezeichneten Kreisen irgendwie zu bestimmen, was der Kreis sei,obgleich faktisch keiner der so gezeichneten Kreise ein Kreis ist.







Mittwoch, 12. Juni 2024

"Anerkennen, dass es sich auch ohne Gott gut leben lässt" Oder die Kapitulation vor der Gegenwart als etwas Unveränderlichem

 

"Anerkennen, dass es sich auch ohne Gott gut leben lässt" Oder die Kapitulation vor der Gegenwart als etwas Unveränderlichem


Nun müßte natürlich nachgefragt werden, was denn in dieser Aussage unter gut leben verstanden wird und wer beurteilt, ob ein Leben ein gutes sei, ob das ein rein subjektives oder ein objektives Urteil ist. Klar ist nun, daß diese Aussage in dem Kath de Artikel: „Situation wie Reformation – Nostalgie sei fehl am Platz. Theologe Tiefensee: Kirche muss radikal umdenken.“ geschrieben steht und das könnte dazu verleiten, dies so zu interpretieren: Gut lebt, wer politisch korrekt lebt und das kann jeder Atheist genauso gut wie ein Christ. Nur, dieser Text gibt keinen Anlaß für eine solche Ausdeutung.

Lebt jeder gut, wenn er sein Leben als gut beurteilt? Wäre das wahr, wäre die Vorstellung von dem guten Leben völlig befreit von der Vorstellung, daß das gute Leben ein moralisches wäre. Ein erfolgreicher Mafiosi könnte also sein Leben als ein gutes beurteilen, weil er mit ihm zufrieden ist: „Alles, was ich möchte, kann ich mir leisten!“ Aber von einem moralischen Standpunkt aus beurteilt,kann dies Leben nicht als ein gutes qualifiziert werden. Jetzt könnte die Aussage so präzisiert werden, daß eben ein Leben nur als ein gutes beurteilt werden könne, wenn es nicht prinzipiell unmoralisch ist, aber moralisch könnten Atheisten genauso gut leben wie an einen Gott Glaubenden.

Wie nun,wenn man das Gutsein des Lebens verbindet mit der Vorstellung von einem sinnvollen Leben, daß mein Leben von mir als ein sinnvolles erachtet wird, macht es mir zu einem guten. Zwei divergierende Sinnverständnisse können dabei appliziert werden: Der Sinn des Lebens als eine objektive Qualität des Lebens wird erkannt oder es wird dem Leben, das an sich ohne einen Sinn ist, ein Sinn gegeben. Im zweiten Falle ist die Nichtsinnhaftigkeit der Ermöglichungsgrund dafür, daß ihm subjektiv ein Sinn eingegeben wird. Das könnte dann als die Autonomie des Menschen ausgedeutet werden, daß er sein Leben frei gestalten kann und ihm dabei so einen Sinn verleiht. Die Alternative ist das Vorgegebensein des Sinnes des Lebens,der dann erkannt und anerkannt werden soll.Dies Anerkennen wäre dann das gute, weil sinnerfüllte Leben.

In der postmodernen Gesellschaft ist wohl davon auszugehen, daß es keinen objektiv vorgegebenen Sinn des Lebens mehr gibt,sodaß es zur Lebensaufgabe wird, dem eigenen Leben einen Sinn zu geben. Realistisch reduziert sich das dann auf die Konsumentenfreiheit, sich auf dem Markt der Sinnanbieter das einem Gefallende zu erwerben. Objektiv fungiert dabei der Konsument als eine Funktion der Marktwirtschaft, subjektiv als ein Komponist seines Lebens, seiner Lebensentwürfe. Die Objektivität eines guten Lebens wäre dann seine Funktionalität für die Gesammtgesellschaft, und die subjektive Seite wäre die des Zufriedenseins mit dem eigenen Konsum an materiellen wie auch ideelen Gütern.

Und was empfiehlt nun dieser Theologe? Daß es so ist,sei einfach von der Theologie und der Kirche anzuerkennen.Daß es einmal anders war, daß hat für die Jetztzeit keine Bedeutung mehr, die Wirklichkeit ist, so wie sie ist alternativlos unveränderbar.

Dabei dachte man doch einst ganz anders über diese Angelegenheit:

„In der christlichen Religion hat Gott sich geoffenbart,d.h er hat den Menschen zu erkennen gegeben,was er ist,so daß er nicht mehr ein Verschlossenes, Geheimnis sei. Es ist mit dieser Möglichkeit, Gott zu erkennen,uns die Pflicht dazu auferlegt“. So lehrte es noch einer der bedeutendsten Philosophen, Hegel in der Vorlesung: „Die Vernunft in der Geschichte“ (zitiert nach der Hofmeisterausgabe 1966, S.45)Der Sinn des Lebens und damit das gute Leben wäre so gerade das des Erkennens Gottes als die Wahrheit. Aber von diesem Philosophen will kein zeitgenössischer Theologe sich noch belehren lassen,daß das einzige Objekt unseres Denkens Gott sein muß, da aus Gott alles ist, alles in ihm ist und alles auf ihn hin ist. Das entfaltet Hegel nun in seiner Philosophie, die sicher nicht leicht zugänglich ist,aber in der noch das gedacht wird,was zu denken ist.

Für das postmoderne Denken soll Gott nur noch eine mögliche Größe sein, auf die auch gut zu verzichten sei, ja ohne die es sich auch gut leben läßt. Da könne dann die Kirche auch auf ihre Rede von Gott ganz verzichten,um sich ganz als sozialcaritative Organisation in dieser Nützlichkeit für die Gesellschaft zu legitimieren. So sieht es auch ein auf Kath de zitierte Religionsoziologe:

Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack rät den Kirchen, sich nicht auf aussichtslosen Feldern zu verkämpfen. "Überfordern Sie sich nicht. Die Säkularisierungstendenzen sind einfach sehr dominant, und die Kirche ist nicht mehr Vermittlerin eines umfassenden Weltbildes", Gefragt seien die Kirchen indes, wenn es darum gehe, Menschen zu begleiten, ihnen Halt zu geben und sie karitativ zu unterstützen. Auch seien sie wichtig, wenn es darum gehe, einen respektvollen Umgang miteinander einzuüben, der die Würde des Menschen achten.(zitiert nach Kath de am 12.6.2024:"Überfordern Sie sich nicht".Religionssoziologe Pollack: Kirchen sollten sich nicht verkämpfen")

Es muß aber prinzipieller nachgefragt werden, wie es denn um das Denken steht, wenn die Vernunft auf das Denken Gottes meint verzichten zu können. Für Kant und dem auf ihn aufbauenden Idealismus wäre ein solches Denken ein seine Aufgabe verfehlendes Denken.

Montag, 22. April 2024

Papst Benedikt XVI. - Ein kühner und problematischer Gedanke

 

Papst Benedikt XVI. - Ein kühner und problematischer Gedanke


In seinem Buch: „Einführung in das Christentum“ gibt der Autor in dem Kapitel: „Der Primat des Logos“ uns etwas zum Mit-und Nachdenken Würdiges, einen Satz, der m.W.,keine Beachtung fand und findet, da er so ganz und gar aus dem Zeitüblichen herausfällt und sich dem auch widersetzt.

„Der Glaube bedeutet eine Entscheidung dafür,dass Gedanke und Sinn nicht nur ein zufälliges Nebenprodukt des Seins bilden, sondern dass alles Sein Produkt des Gedankens,ja selbst in seiner innersten Struktur Gedanke ist.“ (Auf eine Seitenangabe wird verzichtet, da dies Buch in sehr vielen Ausgaben erschienen ist, dieser Satz aber im 1.Absatz dieses Kapitels in allen Ausgaben leicht auffindbar ist.)

Der Satz soll nun von hinten anfangend aufgeschlüsselt werden.Alles, was ist, ist ein Produkt des Denkens. Setzen wir nun das Denken als das Denken des Menschen, dann stünden wir mitten im deutschen Idealismus irgendwo zwischen Fichte, Schelling und Hegel, setzen wir das Denken als das Gottes, stehen wir mitten in einem Realismus, das alles, wie es gedacht ist durch Gott, auch ist und so vom menschlichen Denken auch begriffen werden kann.Das Innere von allem Seienden ist seine Idee, wie sie Gott denkt.

Damit wird eine Antithese zu der Vorstellung formuliert, daß es wohl die Welt der Tatsachen gäbe, die empiristisch erforscht werden kann, aber der Sinn der Tatsachen sei dann nur eine rein subjektivistische Interpretation der allein objektiv vorhandenen Tatsachen.

Das wäre so, als sähe ich vor mir eine gespielte Schachpartie und ich beschriebe exakt, welche wie aussehende Spielfiguren wo auf dem Spielfeld stünden, erklärte dann aber, daß die Interpretation dieses Gesehenen als eines gerade gespielt werdenden Schachspieles bloß eine subjektive Deutung des Gesehenen wäre.Dem Gesehenen läge kein innere Sinn, keine Bedeutung inne, der würde allein durch mein Interpretieren in das Geschaute hineinexegetisiert. Alles Seiende seien so sinnlose Einzeltatsachen, deren Mangel der Mensch durch sein Interpretieren aufheben möchte, nur daß es eben so viele Möglichkeiten des Intepretierens gäbe, wie es interpretierende Menschen gäbe.

Der Sinn des Gesehenen wäre damit nur eine kontingente Deutung des Seienden, das eben an sich sinnlos sei. Aber genau diese Vorstellung wird hier verworfen! Denn das Ganze ist selbst eben eine Realisierung von Gottes Ideen.

Kardinal Ratzinger entwickelt daraus diese These über das Denken des Menschen in dem Kapitel:“Der Primat des Logos“: „All unser Denken ist in der Tat nur ein Nachdenken des in Wirklichkeit schon Vorgedachten.“ Unter dem „Vorgedachten“ ist somit die Idealität alles Seienden gemeint und der Realismus des menschlichen Denkens ist das Widerspiegeln der Idealität von allem im Denken des Menschen. Dem Denken des Menschen korreliert das Zudenkende, weil es selbst in seiner Substanz etwas Gedachtes ist.


Das ist eine klare Absage an die Philosophie Kants, für den das Sein an sich unerkennbar ist und alles Seiende nur das für uns ist, als was wir es denkend hervorbringen.

Nun stehen wir vor dem Problematischten dieser Aussage, daß der Glaube eine „Entscheidung“ sei, so zu denken.Damit wird der Glaube zu einem dezisionistischen Akt und so heißt es auch in dem ersten Kapitel dieses Buches: „Der Sprung des Glaubens“ und das ist ein Sprung in den Glauben. Dies könnte in seiner Differenz zur Fichtes Wissenschaftslehrekonzeption so verstanden werden. Fichte sucht einen in sich selbst evidenten Grundsatz, aus dem heraus dann die ganze Wirklichkeit herausdeduziert werden kann, sodaß es dann ein System der Wissenschaftslehre gibt, die wahr ist, weil ihrem Grundsatz ob seiner inneren Evidenz kein vernünftig Denkender widersprechen könne.

Für den Dezisionismus existiert solch ein in sich evidenter Grundsatz nicht, es existieren eben viele mögliche Letzt-begründungen für mögliche Wissenssysteme und es müsse sich für einen Grundsatz entschieden werden. Nur es kann keine Begründung für diese Entscheidung geben, denn jedes Begründen setzt schon eine Wissenschaftslehre, um es mit Fichte zu sagen, voraus, in und mit der dann erst Begründungen möglich sind.

Zur Veranschaulichung des etwas kompliziert geratenden Gedankenganges: Wenn ich wissen möchte, ob ein Spielzug ein guter, ein legitimer ist, muß ich die Spielregeln des gespielten Spieles kennen und das heißt: Erst muß entschieden worden sein,ob etwa Fußball oder Handball gespielt wird, um beurteilen zu können,ob ein 11-Meter Strafstoß ein legitimer Spielzug ist oder nicht. Es kann keinen richtigen Umgang mit dem Spielgerät des Balles geben, wenn nicht entschieden ist, welche Art von Ballspiel gespielt werden soll. Erst die Festlegung,was gespielt werden soll, erlaubt,zu begründen, warum etwa ein 11 Meter Strafstoß legitim sei. Diese Festlegung ist nun hinsichtlich des Balles angesichts der vielen Möglichkeiten des Ballspielens eine dezionistische Entscheidung, denn sie kann nicht aus der Erkenntnis des Begriffes des Spielgerätes des Balles begründet werden.

Damit positioniert sich dies Buch in das nachmetaphysische Denken, denn es wird nun die rein subjektivistische Entscheidung als das Fundament einer scheinbar sich sehr metaphysischen gebenden Konzeption gesetzt. Die Vernunft als ein Fundament der übernatürlichen Erkenntnisse der Offenbarungsreligion verschwinden so und wird durch den Appell: „Spring in den Glauben!“ ersetzt. Das ist das Problematische dieser postmetaphysischen Konzeption.















Dienstag, 12. März 2024

Unzeit(geist)gemäße Anmerkugen zu Gotteserfahrung statt Gotteserkenntnis

 

Unzeit(geist)gemäße Anmerkugen zu Gotteserfahrung statt Gotteserkenntnis



Wer in die ökumenische Einheitsübersetzung der Bibel liest und Griechisch gelernt hat, wird immer wieder auf Erstaunliches und Befremdliches stoßen: Wie kam nur ein Übersetzer oder eine Guppe von Übersetzern auf die Idee, statt richtig: „Du wirst sein Volk mit der Erkenntnis des Heiles beschenken“ zu übersetzen diese Übersetzung zu offerieren: „Erfahrung des Heiles“? (Lk, 1,77) Irgendwie klingt der Begriff der Erfahrung besser als der der Erkenntnis. Aber warum? Erkenntnis, das ist ein Produkt der Denktätigkeit und somit etwas Intellektualistisches, Erfahrung dagegen verbindet sich mit der Vorstellung einer sinnlichen Wahrnehmung, eines Sinneseindruckes.

1.These:„So habe ich das erfahren!“, das ist mir unmittelbar gewiß. Diese unmittelbare Gewißheit ist nun ganz die meinige und nicht anderen vermittelbar, wenn die eben diese Erfahrung nicht gemacht haben. Eine Erkenntnis dagegen ist universal vermittelbar, weil sie als wahr von jedem, der vernünftig zu denken weiß, nachvollziehbar ist. In dem die zentralen Gehalte einer Religion so versubjektiviert werden: „Ich habe das Heil so erfahren!“, stellen die Gehalte nicht mehr den Anspruch, von allen als wahr anerkannt zu werden, denn das könnte nur von einer Erkenntnis gefordert werden.

2.These: Der Begriff der Erfahrung suggeriert eine Unmittelbarkeit: „So wie es mir ist, ist es für mich!“ Wird das so Erfahrene durchdacht,durch die Denktätigkeit bearbeitet, verliert sie nicht nur diese Unmittelbarkeit sondern gerät auch in den Verdacht, daß das Erfahrene so ver-dacht wird- wie eine Speise ver-kocht werden kann. Durch das Denken würde das Erfahrene unter einen Begriff subsumiert, in eine Schublade eingeordnet und so seiner Einzigartigkeit, wie sie unmittelbar empfunden wurde, beraubt, das Erfahrene würde zu etwas Abstrakten umverformt.Aber das Unmittelbare sei nur das Wahre, nicht das durch unsere Kultur und Denkgewohnheiten Produzierte, was dann als Erkenntnis bezeichnet würde, aber mehr ein Verkennen und Verzeichnen des Unmittelbaren sei.

3.These: Der Begriff der Erfahrung suggeriert, evoziert den Anschein einer Unmittelbarkeit, aber verdeckt dabei völlig, daß etwas Erfahrenes ein komplexes Produkt unseres Wahrnehmens und intellektuellen Erfassens ist. Für Brillenträger gibt es dafür ein einfaches nachvollzuehbares Experiment: Er setze seine Brille auf und sehe ich einen beliebigen Gegenstand an, dann setze er die Brille ab und schaue wieder auf den Gegenstand. Ohne die Brille sieht er das Objekt anderes als mit der Brille. Hat sich etwa nun das Objekt geändert? Mitnichten, es ist sich gleich bleibend, aber wie es gesehen wird, hat sich geändert. Unser Sehapparat hat so mit der Brille ein anderes Bild von dem Objekt produziert als das, was er ohne die Nutzung der Brille produzierte. Wir verfügen so über zwei verschiedene Bilder von dem einen Objekt. Wenn ich sage, daß ich ein Objekt sehe, dann sehe ich ein Bild dieses Objektes, produziert durch meinen Sehapparat. Daß dies Objekt ein bestimmtes Objekt ist, etwa ein Baum oder ein Buch, ist keine unmittelbare Erfahrung, denn wenn ich urteile, das ist ein Baum oder ein Buch, habe ich etwas Gesehenes unter dem Begriff des Baumes bzw Buches subsumiert. Diese Subsumierung ist aber nun eine zwar spontane aber doch intellektuelle Tätigkeit. Durch sie erst wird das Gesehene als ein Exemplar eines Allgemeinen begriffen, als einen Fall des Baumseins oder des Buchseins. Jetzt löst sich die Vorstellung einer Unmittelbarkeit völlig auf. Der Begriff der Erfahrung bezeichnet dann somit nur eine für das Subjekt hinreichende Erkenntnis, die aber nicht verallgemeinert werden kann: „So ist mir das.“ Wenn dagegen die so produzierte Erfahrung durchdacht und als eine allgemeine Erkenntnis sich bewahrheitet, als für jeden vernünftig Denkenden nachvollziehbare, dann ist es zu einer Erkenntnis geworden, die den Anspruch auf Wahrheit rechtens erhebt.

4.These: Zu einer Erfahrung kann mir nur etwas werden, wenn ich das, was ich da erfahren, so bearbeiten können, daß es kompatibel mit meiner Vorstellung von der Welt, meiner Weltsicht geformt werden kann. Es existiert sozusagen ein mir eigener Verstehenshorizont, in das das Erfahrende eingezeichnet wird, damit es zu meiner Erfahrung wird.

Zur Gotteserkenntnis: Die wahre Gotteserkenntnis ist nur die, die Gott von sich selber hat, verbunden mit der Möglichkeit, daß andere als Gott selbst einen Anteil an dieser Gotteserkenntnis bekommen können, wenn Gott so seine Selbsterkenntnis vermittelt.Gott ist sich selbst objektiv und so kann er sich vermitteln. Aber die Postmoderne präferiert den Begriff der Erfahrung, um den Anspruch allgemeingültiger Wahrheiten als illegitime Machtansprüche zu demaskieren: Wissen, Erkennen sei eben nur ein Wille zur Macht.


Zusätze: „Du siehst nur, was Du kennst!“ Auch wenn ich diese Aussage einmal auf einem Reiseführer aufgedruckt fand zwecks der Animation zum Kauf dieses Reiseführers, muß der Aussage zugestimmt werden. Etwas kann nur erfahren werden,wenn in dem Erfahrenen Bekanntes recogniziert werden kann. So kann selbst ein rein fiktives Wesen wie ein Einhorn nur erfahren werden, indem wir ihm Erfahrenen das uns Bekannte, die Vorstellung vom Pferd und die von einem Horn widererkennen können. Existierte diese Recognizerbarkeit nicht, wäre ein Einhorn nicht erfahrbar.

„Du siehst -in der Regel- nur das, was Du sehen möchtest.“ Auch diese Einsicht demonstriert, wie wenig unmittelbar uns die Erfahrung wirklich ist, geht ihm doch ein Selektionspozeß voraus, der das Nichtgesehensollende ausblendet.


Erst durch das Durchdenken von eigenen Erfahrungen können die zu Erkenntnissen sich entwickeln, wobei die Erkenntnis so stets etwa Vermitteltes und Produziertes ist.Zu erörtern wäre dabei dann aber auch noch, ob sich das, was erfahren wird, so etwa auch selbst verändert wird, indem es zu einem Begriffenem wurde. Wird es so doch zu einem Fall eines Allgemeinen und somit findet das Einzelne dann erst zu seiner Wahrheit, ein individuiertes Allgemeines zu sein, daß es in seiner Unmittelbarkeit noch nicht ist.

Freitag, 1. März 2024

„Verkünde,was der gesunden Lehre entspricht“: Wo ist diese Lehre geblieben?

 

„Verkünde,was der gesunden Lehre entspricht“: Wo ist diese Lehre geblieben?



Wer sich dieser Frage stellt, kann und darf nicht einfach dabei stehenbleiben, das weitestgehende Verschwinden der „gesunden Lehre“ in der Kirchenpraxis zu konstatieren und zu beklagen, denn eine Ursachenerforschung steht auf der Tagesordnung des jetzt zu Tuenden. Eine umfassende Erklärung ist sicher zur Zeit von niemanden leistbar, zu komplex ist dieser Gegenstand und vielleicht ist uns das Problem auch noch zu nahe, als daß es schon begriffen werden könnte. Deshalb limitiere ich mich hier auf vorläufige fragmentarische Vorüberlegungen zur Beantwortung dieser Frage.

Ein wesentlicher Aspekt ist dabei das erkenntnistheoretische Problem, wie denn die Wahrheit der „gesunden Lehre“ verifiziert werden kann, daß sie denn auch wirklich war ist. Denn wenn diese Lehre nicht wahr wäre, warum sollte sie dann noch verbindlich für uns sein. Daß sie faktisch aus dem kirchlichen Leben verschwunden ist, hat ja auch und vor allem den Grund, daß sie nicht meshr als wahr anerkannt wird: Die Lehre von ...sei das eine, aber das Wirkliche von... doch etwas anderes. Diese behauptete Differenz stellt theoretisch die Wahrheit jeder Lehre in Frage und somit isb die, deren Gehalt man nicht gelten lassen möchte. Merke: Was für wahr gehalten wird, sagt oft mehr über die Wünsche der Anhänger einer Wahrheit aus als über den Sachverhalt selbst. Prinzipieller gewendet: Kann der Mensch erkennen,was wahr ist? Ein allgemeiner Skeptizismus destruiert ja die Glaubwürdigkeit jeder Lehre und somit auch die der „gesunden Lehre“.Ein solcher genereller Skeptizismus prägt aber nun das postmoderne Denken, in dem wir nun einmal existieren, auch wenn wir uns davon distanzieren möchten.

Manchmal findet man ganz unerwartet Antworten auf Fragen, wo man sie gar nicht erwartet hätte. Über einen solchen Fund soll nun hier etwas geschrieben werden. In Hegel kritischer Intention schreibt Adorno: „Das bestimmte Einzelne war ihm vom Geist bestimmbar,weil seine immanente Bestimmung nichts anderes als Geist sein sollte.“ (Negative Dialektik, Einleitung, in der stw-Ausgabe: S.19). Adorno vertieft diese Hegelkritik durch die Anfrage, ob nicht für das Erkennen nach Hegel gälte, daß das erkennende Subjekt nur das zu erkennende Objekt erkennen könne, weil letztendlich es eine Identität des Denkenden und des zu Erkennenden gibt. Das Erkennen bilde Begriffe von etwas, aber da das zu Erkennende kein Begriff sei sondern etwas vom Denken Verschiedendes, könne es keine Identität des Begriffes mit dem Zubegreifenden geben, immer bliebe diese Differenz. „Die Utopie der Erkenntnis wäre,das Begriffslose mit Begriffen aufzutun,ohne es ihnen gleichzumachen.“ (S. 21). Das zu Erkennende sei also etwas Begriffsloses und entzöge sich so seiner Erkennbarkeit, weil sein Begriff nie das erfasse, was kein Begriff sei.So frägt Adorno in seiner "Einführung in die Dialektik, in der 20.Vorlesung am Schluß,"ob eigentlich auf eine solche Annahme einer Identität überhaupt verzichtet werden kann",wenn "etwas wie Erkenntnis überhaupt eigentlich möglich ist".

Es soll nun versucht werden, diesen erkenntnistheoretisch kritischen Gedanken für das theologische Denken fruchtbar zu machen. Den Ansatzpunkt bildet dabei die Vorstellung von etwas Begriffslosem. Der Prolog des Johannesevangeliumes, der aber inhaltlich nicht einfach nur ein Vorwort des folgenden Evangelumes , sondern seine Quintessenz ist, besagt, daß alles, was ist, aus dem Logos ist. Das könnte auch so formuliert werden im Sinne des Evangelisten, wie es auch schon der hl. Augustin in seinen „Confessionen“ unternahm: Alles, was ist, ist durch seine Anteilhabe an der Idee von ihm im Denken Gottes. Einen Logozentrismus ergibt sich daraus notwendigerweise. Die Substanz von allem ist damit die Idee von allem, so wie es in Gott erdacht worden ist und als seine Idee ist. Das heißt dann auch, daß es nichts Begriffsloses gibt, wenn man unter dem Begriff nun die Idee versteht, die allen Exemplifikationen als den Abbildern dieser Urbilder ihre Existenz verleiht. Gottes Schöpfen heißt ja, seinen Ideen eine Existenz in Erscheinungen zu verleihen. Damit existierte eine Identität des Denkens mit dem Zuerkennenden, denn im Begreifen des Zuerkennenden wird dann die da realisierte Idee erkannt, besser recogniziert.

Der eine Logos, durch und in dem alles ist, da alles nur ist als seine Partizipation an seiner Idee von ihm korreliert das vernünftige Denken, das das Vernünftige in allem begreift. Die Differenz von dem zu Erkennenden und dem Begriff von dem Zuerkennenden präsumiert ja, daß das Zuerkennende etwas Begriffsloses, etwas also vom Denken Verschiedenes sei, aber genau diese behauptete Differenz wird ja im Prolog des Johannesevangeliumes negiert durch die Erkenntnis, daß alles durch den Logos ist und seine Existenz in der Teilhabe an dem Logos. Die Verdunkelung, die der Prolog so stark hervorhebt, ist dann das Produkt der Verkennung alles Seienden, daß es sich nicht mehr vom Logos her begreift und somit verkennt.

Dies ist nun nur ein Versuch, für das erkenntnistheoretische Problem eine Lösung zu finden durch diese Darlegung des Vermögens des vernünftigen Denkens, zu erkennen. Sich der Mühe der Kritik des Erkenntnisvermögens zu entziehen, um einfach auf das Offenbaren Gottes zu rekurrieren, daß so uns alles erkennbar würde, verkennte aber, daß dann völlig unreflektiert bleibt, wie den unser Denken das uns Offenbarte als Wahrheit erkennen kann. Es muß auch dann eine Erkennbarkeit der Wahrheit des Geoffenbarten gedacht werden können und die könnte rekonstruiert werden durch die Identität des vernünftigen Denkens mit dem Zuerkennenden, da auch das das Produkt des Logos, der Vernunft ist. Ein Panlogismus strukturierte so die Relation vom erkennen wollenden Subjekt zu den erkannt werden sollenden Objekten. Aber das ist jetzt nur sehr fragmentarisch dargelegt und verlangt dringend nach Vertiefungen! 

Zusatz:

Versteht man die philosophische Gotteserkenntnis und Wahrheitsfähigkeit als ein Fundament, auf dem dann die übernatürlichen Wahrheiten aufbauen, die aber selbst wiederum nicht widervernünftig sind, dann gliche eine Theologie ohne eine solche Fundierung dem Appell: Statt über eine Treppe das erste Geschoß, die übernatürlichen Wahrheiten zu erreichen, einfach vom Erdboden her in den ersten Stock emporzuspringen. Nur, wer versichert den so Springenden, daß sie sich nicht verspringen?   



Donnerstag, 29. Februar 2024

Verdrängte Wahrheiten: Es gab einmal eine „gesunde Lehre“ (Titus,2,1)

 

Verdrängte Wahrheiten: Es gab einmal eine „gesunde Lehre“ (Titus,2,1)



„Am folgenden Sabbat ging Jesus in die Synagoge und lehrte“, so steht es geschrieben über Jesu Tätigkeit, daß er in erster Linie lehrte. Paulus ermahnt dann den Bischof Titus: „Du aber verkünde, was der gesunden Lehre entspricht!“,(2,1). Der Begriff der „gesunden Lehre“ ist nun ein komplexer,bedeutet er doch einerseits, daß die Lehre „gesund“ ist im Sinne von heil und vollständig, es mangelt ihr nichts und bedeutet er, daß die Lehre gesund machend ist. „Lehre“, das meint mehr als nur eine Reihe von wahren Aussagen, das bedeutet vielmehr ein System von Aussagen, die ein Ganzes bilden, die in sich kohärent und sich nicht untereinander widersprechend sind.Diese Lehre, von der hier der Apostelfürst Paulus schreibt,ist eine wahre Lehre, ja sie expliziert die Wahrheit, von der der Sohn Gottes sagt,daß er die Wahrheit sei.

Wer nun in den Anhang: „Ausgewählte Namen und Begriffe“ der „Einheitsübersetzung“ nachschlägt, findet dort aber den Begriff: “Lehre“ nicht aufgeführt und das trotz des beachtlichen Umfanges dieses Appendix.Aber Jesu Berufstätigkeit war doch die des Lehrens und demzufolge lehrte er seine Lehre. Seine Schüler unterrichtete er, auch wenn in den Übersetzungen ins Deutsche leider verunklarend mit „Jüngern“ über- ich würde lieber ver-setzt wird, schreiben. Im Markusevangelium heißt es dann ausdrücklich: Die Hörer waren erstaunt „über doctrina ejus“. Die Vulgata übersetzt angemessen mit:“doctrina“. Paulus kann gar in seinem Römerbrief schreiben:“Gott aber sei Dank; denn ihr wart Sklaven der Sünde,seid jedoch von Herzen der Lehre gehorsam geworden,an die ihr übergeben wurdet.“ (Röm 6,17)

Wo ist denn nun diese „gesunde Lehre“ geblieben? Sie scheint der Kirche abhandengekommen zu sein! Als Surrogate wird uns stattdessen ein Jesus in der Begrifflichkeit der Philosophie des Personalismus offeriert: Es käme allein auf die „Begegnung“ mit Jesus an, einer „persönlichen“, in der ich mich als so wie ich bin angenommen, bejaht „erfahre“. Von einer Erkenntnis, von Wahrheit, von Wahrheiten, die dann gar in Aussagesätzen ausformulierbar wären, zu einer Lehre gar systematisierbar, ist dann keine Rede mehr. Jesus war einfach ein für „personale Begegnungen“ Offener, der dann nicht lehrte, noch belehrte sondern unmittelbar die Liebe Gottes zu uns erlebbar, erfahrbar machte. So solle dann auch die Nachfolge Jesu sich gestalten:In der Aufgeschlossenheit zu jedermann,in den Begegnungen Gottes Ja erfahrbar machend, nur ja nicht wen lehren oder gar belehren wollen! „Lehre“,da assoziiert man doch ein System von Aussagen, die Wahrheit für sich beanspruchen, ein zusammenhängendes Ganzes, in dem doch das Einzige, was zählt, die Person Jesus,die Begegnung mit ihm nicht mehr ist.

Eigentlich dürfte es gar keine Lehre geben und Jesus hätte wirklich nicht lehren sollen sondern nur gut zu allen sein zu haben.

Im Zentrum der christlichen Religion steht aber nicht einfach die Persönlichkeit Jesu, sondern die Aussage:Jesus ist der Christus, der Sohn Gottes. Diese Aussage will nun auch verstanden werden, damit sie dann auch bekannt werden kann.Die Explikation dieser Aussage bildet dann das Zentrum der Lehre, der „gesunden Lehre“, die so etwas qualitativ Verschiedenes sein von einer bloßen Ansammlung von religiösen Vorstellungen. Die Wahrheit wird für uns nämlich erst zur Wahrheit, wenn sie als eine Lehre systematisch entfaltet wird, die das Ganze umfaßt. Auf die „gesunde Lehre“ zu verzichten,heißt so,auf Jesus Christus zu verzichten,ihn zu ersetzen durch ein Phantasmata namens Jesus, der dann einfach nur mal lieb zu jedem war- wenn er nicht politisch „rechts“ war! Jesus wird dann zu einer bloßen Projektionsfläche, in der die jeweiligen Idealvorstellungen hineinprojiziert werden können, nachdem man ihn entdogmatisiert hat,das ist aus der „gesunden Lehre“ herausabstrahiert hat, isb durch das Denken in der personalistischen Begrifflichkeit.

Corollarium 1:

Seit dem Ende der idealistischen Phillosophie  mit der Auflösung der Philosophie Hegels gilt das "System" als etwas Negatives, die Philosophie will das Ganze nicht mehr in der Form eines Systemes explizieren, das fragmentarische Denken käme der Wirklichkeit näher. Aber das signalisiert auch die Aufgabe, das, was Wahrheit ist, darzulegen.  

Corollarium 2

Keine Negligität ist so die Bevorzugung von "Erfahrung", der Erkenntnis gegenüber.So bietet die Einheitsübersetzung statt "die Erkenntnis des Heiles" die "Erfahrung des Heils" (LK 1,77)als Übersetzung. Der  Begriff der "Erfahrung" setzt aus sich heraus die Option der Relativierung des Erfahrenen: So erfuhr ich das, du aber eben anders. Der Begriff der Erkenntnis insistiert dagegen auf das objektive Wahrsein des Erkannten. In Zeiten des Relativismuses in allen religiösen Dingen paßt so der Begriff der Erfahrung besser als der der Erkenntis.



Donnerstag, 18. Januar 2024

Ein Versuch zur „Diktatur des Relativismus“ Papst Benedikt XVI.

 

Ein Versuch zur „Diktatur des Relativismus“


Papst Benedikts Kritik einer „Diktatur des Relativismus“ blieb unerhört, die einen verwarfen diese Kritik, die anderen mißachteten sie.Nicht nur diesem Papst gilt nun das vernünftige Denken,die Philosophie als das Heilmittel wider einen solchen Relativismus, und fundiert die Philosophie mit ihrer Metaphysik auch die Theologie, wenn die Gotteserkenntnis der Theologie sich fundiert in der natürlichen Gotteserkenntnis der Philosophie. „In seiner Bonner Antrittsvorlesung Zum Problem der theologia naturalis bezeichnet Ratzinger das Philosophische als „geradezu die missionarische Dimension des Gottesbegriffs“, nämlich als „jenes Moment, womit er sich – sc. in der allgemeinen Sprache der menschlichen Vernunft– verständlich macht nach außen hin.“ Die Philosophie ist demzufolge die historische Erscheinungsgestalt, die den transzendentalen Gottesglaubenin allgemein er Verständlichkeit extra muros zum Ausdruck bringt.“ Christoph Böhr,Religion und Politik, Portal zur katholischen Geisteswelt, 17.Jänner 2024.

Aber die nachmetaphysische Philosophie der Neuzeit scheint das nicht mehr zu leisten, was nicht nur Papst Benedikt und nicht nur er von ihr erwartet.Die Vernunft gliedert sich im Sinne Kants in die theoretische, als die der Unterscheidung von wahr und falsch, in die praktische,als die der Unterscheidung von gut und böse und die der ästhetischen als die der Unterscheidung von dem Schönen, bzw dem Erhabenen und dem Häßlichen auf.

Im Bereich der Kunst ist die Formel: „Über Geschmack läßt sich nicht streiten“ zum Allgemeingut geworden. Die Qualität eines Kunstwerkes sei eben nur das Produkt eines rein subjektiven Geschmacksurteiles und wenn dann vielen ein Kunstwerk gefalle, werde das zu einem allgemein anerkannten Werk. So bedeutet die Aussage: „Dieser Roman ist ein guter Roman“ nichts anderes als daß er dem dies Aussagende gefalle. Nur besagt die sprachliche Aussage etwas ganz anderes, indem sie hier eine objektive Qualität des Romanes tätigt. Aus relativistischer Perspektive ist aber dies objektivistische Urteil eine Anmaßung, das eigene Geschmacksurteil verabsolutierend. Daß das der Ausgang des philosophischen Diskurses über die Ästhetik sein soll, kann kein Kunstliebhaber befriedigen.

Soziologische Analysen könnten dann noch ästhetische Werturteile auf ihre Bedeutung für das Dazugehören zu bestimmten sozialen Millieus erklären. Etwa wird man als Akademiker nicht die deutsche Volksmusik oder gar deutsche Schlager schätzen dürfen, will man in einem solchen Millieu anerkannt werden und nicht Fontane und Thomas Mann als größte deutsche Schriftsteller bewundern, wenn man nicht als ewig Gestriger, als ein Conservativer gelten möchte.

Wenn nun die ästhetische Vernunft so vollständig kapituliert, wird sich dann diese Destruktion nicht auch auf die zwei anderen Vernünfte globalisieren?Daß das, was wir gestern als moralisch gut beurteilten, morgen als nicht mehr gut uns erscheint und daß Wahrheiten der theoretischen Vernunft permanent durch neue Erkenntnisse entwertet werden?

Im aktuellen theologischen Diskurs ist das fast schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden, daß jedes Dogma als etwas zeit-geschichtlich Bedingtes seines Wahrheitsgehaltes beraubt wird. Noch ärger tritt dies im moraltheologischen Diskurs in Erscheinung: Alles, fast alles soll hier als nicht mehr zeitgemäß entwertet werden.

Als wahr soll nur noch gelten, was Mehrheiten als wahr anerkennen, bis sich die Meinung dazu halt ändert. Es könnte von einer konsequenten Verdemokratisierung der Wahrheit gesprochen werden. Jesus hätte so seine Schüler fragen müssen: „Was denken die Menschen so über mich?, erzählt es mir, damit ich erkennen kann, wer ich bin!“ Wahr ist eben, was die Mehrheit für wahr hält.

Wie kann nun aber ein Ausweg aus dieser Krise der Vernunft gefunden werden, wenn die Gegenwartsphilosophie selbst diesen Relativismus fördert? Wenn aber die Philosophie die Theologie als Metaphysik nicht mehr stützen kann, dann läuft die Theologie Gefahr, nur noch eine historische Wissenschaft zu werden, was wer wann geglaubt hat und was jetzt geglaubt wird als aktualistischen Beitrag. „Alles fließt“, dies Votum Heraklits scheint nun alle Wahrheitserkenntnis sowohl der Philosophie als auch der Theologie aufzulösen. So bliebe einerseits nur ein völliger Relativismus übrig, dem dann andererseits eine Willkürherrschaft einiger verabsolutisierter Meinungen korrespondiert, die Herrschaft der Politischen Korrektheit.