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Dienstag, 7. Oktober 2025

Wir werden aufgeklärt: Womit steht und fällt die Theologie und Kirche!

 

Wir werden aufgeklärt: Womit steht und fällt die Theologie und Kirche!



Theologiegeschichtlich Visierte werden an die lutherische Position erinnert, daß die Kirche stehe und falle mit ihrer Rechtfertigungslehre, daß sie recht Gesetz und Evangelium zu unterscheiden wüsse, aber was sagt heute ein katholischer Pastoraltheologe zum Stehen und Fallen der Theologie und der Kirche? Die Internetseite „Feinschwarz“ offenbart es uns am 3.10.2025 mit dem Artikel; „Nur als kritisches Projekt hat die Theologie Zukunft“, wobei der Leserschaft dann auch die einzige Zukunftsperspektive der Kirche erklärt wird. Dieser Artikel enthusiasmierte Kath de sosehr, daß sie ihn in dem Artikel: „Theologe: Kirche muss sich mit moderner Welt auseinandersetzen“  am 06.10.2025  besprach!

Die Theologie habe also eine kritische Wissenschaft zu sein! Das evoziert nun ein paar Klärungsfragen: Wer soll da anhand welcher Kriteriologie wie kritisiert werden? Schon ein flüchtiges Überlesen beantwortet uns, wer zu kritisieren sei, nämlich die jetzige Theologie und die Kirche. Als die Quellen, von wo aus die Theologie und die Kirche zu kritisieren ist, gelten in der Katholischen Kirchen die hl. Schrift, die Tradition und das Lehramt und selbstversändlich als ein immanentes Kriterium das der Prüfung der Konsistenz der zu untersuchenden Theologie, ob sie etwa sich selbst widersprechende Aussagen enthält.

Es dürfte keinen Leser dieser zwei Artikel irritieren, daß diese Kritikinstanzen nicht angeführt werden, sondern ganz andere. In dem Kath de Artikel liest sich das so: „Der emeritierte Grazer Pastoraltheologe Rainer Bucher fordert von Kirche und Theologie eine Auseinandersetzung mit der sich ändernden Welt. "Ohne die nachholende Entwicklung in Sachen Gewaltenteilung, Sexualmoral, Klerikalismus und Geschlechtergerechtigkeit wird es keine relevante Zukunft der katholischen Kirche geben und der katholischen Theologie auch nicht", schreibt er in einem Beitrag für das Portal "Feinschwarz" am Freitag.“

Wer nun aufmerksam geworden, die zwei Artikel liest, wird feststellen, daß der Begriff der „Auseinandersetzung“ den Modus des Umgehens mit den Grundlagen der modernen Welt nicht trifft. Diese Grundlagen werden einfach als normativ für die Theologie und Kirche gesetzt.Nun muß die Reihe des die Moderne konstituierenden Elemente irritieren, denn was haben die „Gewaltenteilung“, „Sexualmoral“ ,“der Klerikalismus“ und die „Geschlechtergerechtigkeit“ miteinander zu tuen, außer daß diese Punkte seit dem sog. „Kirchenvolksbegehren“ der antikatholischen Organisation: „Wir sind Kirche“ die Deformagenda des linksliberalen Katholizimus bilden? Es wird dabei suggeriert, daß diese Deformanliegen Derrivate der Grundlagen der modernen Gesellschaft seien, aber was sind dann diese selbst?

Der Feinschwarzartikel klärt uns darüber auf: „Nicht ausweichen kann die Theologie auch der Frage nach der sachlichen und nicht nur histo­rischen Akzeptanz gesell­schaftlicher Demo­kra­tisie­rung und Plura­lisierung. Sicher: Es bedeutet etwas, wenn das II. Vatikanische Konzil ad extra die Menschenrechte normativ anerkannte.“ Also die Grundlage der modernen Gesellschaft seien die Menschenrechte und die davon abgeleitete Bejahung der Demokrtie und des Pluralismus. Nur wenn die Kirche und die Theologie dieses als ihre eigene Grundlage anerkennt und sich daraufhin kritisch prüft, wird die Kirche und auch die Theologie diesem gerecht, ist die Kirche zukunftsfähig.

Der Pastoraltheologie präzisiert das nun noch so. Zu bejahen sei die liberale Demokratie, ihre Freiheitsprinzipien und Menschen--rechtsnorm, ihre post­traditionale Lebensform. Damit konzipiert dieser Pastoraltheologie eine politische Theologie ganz im Geiste Eusebius von Caesarea, dem ja vorgeworfen wird, das Römische Kaiserreich theologisch zu beweihräuchern, es als die beste aller denkbaren Ordnungen zu bejubeln. Von diesem Modus der politischen Theologie wollte sich die politisch engagierte Theologie im Gieiste der 68er gänzlich emanzipieren, indem sie nun politische Theologien konzipierte, nicht nur die marxitische Befreiungstheologie, die so unterschiedlich sie auch konzipiert waren, eine Gemeinsamkeit aufwiesen: Sie waren gesellschaftskritisch und lehnten meist die Vorstellung einer sukzessiven Optimierung der Gesellschaft durch eine permanente Reformierungsse ab, denn die gesellschaftlichen Verhältnisse verlangten eine Veränderung von ihren Wurzeln her, eine Revolutionierung der Gesellschaft.

Seit des Endes des Real existierenden Sozialismus 1989f versteht sich die kapitalistische Gesellschaft mit ihrer Ideologie des Liberalismus als alternativlos, und die politische Theologie begann, sich neu zu erfinden. Sie wurde wieder zur rein affirmativen, das ist, sie erklärte die moderne Welt zur besten aller denkbaren Welten, um dann die doch noch vorhandenden Probleme als eine Folge einer defizitären Modernisierung zu erfassen. Hierbei rückt dann isb die Katholische Kirche in das Fadenkreuz der Kritiik, weil in ihr nicht, oder nur unvollständig die Moderne anerkannt und zu dem Fundament der Kirche erkoren worden sei!

Aber diese gute Welt ist nun auf das ärgste bedroht durch obskurantistische Dunkelmännervereinigungen: daß „in den USA in rechtskonservativen Intellektuellenkreisen ein neo-integralistisches Denken Boden gewinnt, das mehr oder weniger unverblümt die Unterordnung der „weltlichen Gewalt“ , also des Staates, unter die „geistliche Gewalt“ fordert, da das weltliche Ziel des Menschen dem geistlichen Ziel nachgeordnet sei.“ Diese genuin katholische Verhältnisbestimmung von Natur und Gnade, Vernunft und Offenbrung und den endlichen zu den ewigen Zielen, wird nun im Namen der Ideale der modernen Gesellschaft der Kampf erklärt. Die Kirche habe sich stattdessen dem Staate zu subordinieren und seine liberal-demokratische Ordnung gegen alle Kritiker zu verteidigen.

Das Projekt der Moderne wird so verstanden als das der Emanzipation von der (christlichen) Religion zugunsten einer rein vernünftig konstruierten Gesellschaft. Das habe die Kirche und die Theologie anzuerkennen und so selbst endlich rein vernünftig zu werden. Die Welt, so wie sie ist, avanciert somit zur höchsten Norm für die Kirche und für die Theologie!

Dies Anliegen dieser politischen Theologie ließe sich auch simpler auf den Punkt bringen: „Der Kunde ist König“ und deswegen habe die Kirche sich auf die Konsumwünsche ihrer potentiellen Kunden auszurichten, wenn es nicht reaktionäre Konsumwünsche gäbe, die der Kirche nicht nachgeben dürfe. Sie darf nicht popularistisch sich geben, sondern dürfe nur die Konsumwünsche bejahen, die den Idealen der bürgerlichen Aufklärung kompatibel sind.

Eines dürfe die Kirche aber auf keinen Falle: „wenn die Kirche menschenrechtlich massiv problematische Identitätsmarker wie die Abwertung von Frauen oder Homosexuellen oder ihren eigenen innerkirchlichen Absolutismus geradezu demonstrativ weiterführt, ja ausstellt". Die Kirche müsse sich also vollständig der modernen Gesellschaft einpassen, sich so verweltlichen, daß sie als ein eingepaßtes Subsystem der Gesellschaft fiunktionieren kann. Auf alle religiösen bzw theologischen Gehalte könne sie dabei verzichten, es sei denn sie dienten als Dekorationsmaterial zur Beweihraucherung unser so wunderbaren Welt, die so wunderbar wäre, gäbe es nicht ihre Gefährdung durch conservative, rechte Kräfte in der Politik und der Kirche. Diese politische Theologie soll so die Kirche als eine systemrelevante Kraft legitimieren, seit dem Traumata ihrer Infragestellung ihrer gesellschaftlichen Relevanz in der Coronazeit! 

Zusätze:

Daß wir nicht mehr in der Moderne leben, ist diesem Pastoraltheologen entgangen, und das obschon die Pastoraltheologie als eine Marketingwissenschaft ihre Haupttätigkeit in der Erforschung der aktuellen Kundenwünsche hat und so die Gegenwart zu erfassen hat.

Ihr eigentlicher Gehalt, Gott und alles in seiner Relation von, in und zu Gott verliert dabei die Theologie und Kirche aus den Augen, es sei denn, daß diese Gehalte unstrumentalisierbar sind für die Apologetik der modernen Gesellschaft.wenn die liberale Ideologie als nicht ausreichend sich erweist..

Als aktuelle Aufgaben der politischen Theologie ergibt das für jetzt: Stärkung des Kampfes gegen Rechts, Steigerung der Kriegsbereitschaft gegen Rußland und andere Feinde und die Forderung, daß das gemeine Volk den Gürtel enger schnallen muß für die Politik: Kannomen statt Butter!  



Mittwoch, 23. Juli 2025

Drei gefährliche Verwechselungen des modernistischen Denkens – eine Kritik der Negation der Ordnungen Gottes

 

Drei gefährliche Verwechselungen des modernistischen Denkens – eine Kritik der Negation der Ordnungen Gottes



Ernst Jüngers „Das Abenteuerliche Herz“ verdanken wir diese beinahe en passant getätigte Bemerkung: „Diese völlige Neutralität, diese totale Farbenblindheit der Zivilisation, die sich unter anderem in der Verwechslung des Verbrechens mit der Krankheit, der Werte mit den Zahlen,des Fortschrittes mit der Erlösung offenbart ist dennoch die letzte Konsequenz des Bösen“.1 Es soll sich nun auf diese drei hier angezeigten Verwechselungen kapriziert werden in einer zeitdiagnostischen Absicht.

Was ist unter der ersten Verwechselung, der des Verbrechens mit der Krankheit zu verstehen? Der Kontext dieser Verwechselungsthese ist die Anthropologie: Was ist der Mensch? Aus der moralphilosophischen bzw moraltheologischen Bestimmung des Menschen als eines zum Bösen Geneigten oder zumindest Befähigten wird die Konstruktion, daß ein gesunder Mensch ein das Gute Wollender und Tuender sei, von seiner Naturanlage her, sodaß sein Böseswollen und Bösestuen nur als eine Folge eines Mangels an seiner Gesundheit anzusehen ist. Der Täter bedürfe so keiner Strafe sondern einer Therapie. Eine Vielzahl von soziologischen und psychologischen Theorien erklärt uns nun, warum im Prinzip es keine für ihr Böses verantwortlich zu machende Täter geben kann sondern nur Kranke, die zu heilen sind. Um es grobianisch zu veranschaulichen: Der Verbrecher ist einem kaputten Kaffeebecher zu vergleichen, aus dem der eingeschenkte Kaffee herausfließt, weil er ein Loch im Boden hat. Er bedarf nur einer Reparatur, und er wird wieder funktionieren.

Das zeitigt die Folge das Konzept eines humanitären Strafvollzuges und für die Kirche, daß jede Rede von einem die Sünde strafenden Gott obsolet wird. Das verunmöglicht aber auch jede Rede von einem Vergeben Gottes, denn das heißt ja, daß Gott auf sein Strafen verzichtet. Besonders großer Beliebtheit erfreut sich diese Verwechselung in der Medienwelt, daß Muslime stets, wenn sie Verbrechen begehen, psychisch Kranke und Einzeltäter seien, die so zu therapieren seien. (Im Kampf gegen Rechts wird diese Verwechselung aber punktuell zurückgenommen, denn der politisch Rechtsstehende, aber auch nur er, gilt als wirklich Böser, das Böse Wollender!) Im Prinzip gilt aber, daß jeder Mensch von seinem Innersten her gut sei und daß nur Störungen seiner Natur ihn zu Bösem verleiten.

Die zweite Verwechselung ist die der Werte mit den Zahlen. Aus der Sicht des Konsumenten meint dies, daß der Wert eines Produktes der Preis sei, der zu bezahlen ist, wenn dies Produkt erworben werden soll. So gelten vielen Konsumenten Bioprodukte als besser und gesünder als die normalen, weil sie teurer sind. Für den Verkäufer gilt nun, daß die Höhe des zu erzielenden Gewinnes den Wert einer Ware ausmacht. Aber nicht nur im Raume der Ökonomie hat sich diese Verwechselung vollzogen, auch im Bereich der Politik, der Wissenschaften und der Ästhetik: Was von Mehrheiten als gut anerkannt wird, gilt deswegen auch als gut. In der verdemokratisierten Kirche sollen somit die Mehrheiten, die Zahl der für eine Meinung abgegebenen Stimmen für etwas die Wahrheit von dem bewirken. Wenn die Mehrheit der Aussage, es gäbe weder den Teufel noch die Hölle,zustimmt, dann verschwindet damit die Realität dieser zwei Größen. Werte stehen bei dieser antithetischen Gegenüberstelllung für die Qualität von etwas, während die Zahl zum Ausdruck bringt, daß es nur quantitative Differenzen gäbe.

Die dritte Verwechselung ist nun die, wo der Glaube an eine Erlösung durch den Glauben an den Fortschritt substituiert wird. Wenn der Mensch als zum Guten geneigt konzipiert wird, dann ergibt sich daraus die Möglichkeit, die ganze Menschheitsgeschichte als einen Entwickelungsprozeß des Menschen zum Guten hin zu interpretieren. Unter dem Fortschritt wird somit der Prozeß der Selbstoptimierung des Menschen verstanden.Dieser Geschichtsoptimismus macht selbstredend jede Erlösungsvorstellung überflüssig.

Was könnten nun diese drei Verwechslungen mit dem Bösen zu tuen haben? Ernst Jünger spricht dann einer moralischen Kastration, dem Ende des moralischen Bewußtseins2. Vielleicht könnte man die hier getätigten kryptischen Bemerkungen Jüngers so deuten, daß das Verständnis von der Qualität verschwunden ist zugunsten einer nur noch aus lauter Quantifizierbarem bestehenden Welt. Die Grunddifferenzen, die zwischen Wahr und Unwahr, Gut und Böse, Schön und Häßlich verschwinden in einem Einerlei, das nur noch Mehr oder Weniger kennt. So reduziert sich ja die Fortschrittsutopie auf die Hoffnung auf eine Welt, in der jeder,wenig arbeiten müssend alle möglichen Konsumgüter in fast unbegrenzter Zahl genießen kann und daß alle gleichermaßen wenig arbeitend sehr viel konsumieren können werden.

Eingedenk Heraklits Votum, daß der Krieg der Vater aller Dinge sei,könnte dies Votum hier so ausgelegt werden: Der Kampf zwischen dem Wahren und dem Unwahren, dem Guten mit dem Bösen und der zwischen dem Schönen und Erhabenen wider das Häßliche ist die Grundordnung des Lebens. Wenn nun diese Differenzen beseitigt werden in einem Einerlei, in dem es keine Qualitätsunterschiede mehr gibt, dann ist das die Negation der Lebensordnung und das wäre dann der Sieg des Bösen.Sich indifferent zum Unterschied von Gut und Böse, von wahr und unwahr, von schön, erhaben zu unschön zu verhalten, wäre so der Sieg über diese Grundordnung Gottes.  





1Ernst Jünger, Das Abenteuerliche Herz, erste Fassung, Klett-Cotta,2004,S.58.

2A.a.O. S.59.

Sonntag, 13. Juli 2025

Wozu brauchen wir noch die Religion bzw die Religionen oder die Aufhebung der Religionen!

 

Wozu brauchen wir noch die Religion bzw die Religionen oder die Aufhebung der Religionen!

Der „Feinschwarz“-Artikel: Religion und sozialkulturelle Transfor-mation:Europäische Perspektiven“ versucht auf diese Frage eine Antwort zu geben auf der Basis einer Tagung zu dieser Thematik. Der Fundamentaltheologe Kurt Appel stellt in diesem Artikel die grundlegende Position des interdisziplinären Forschungszentrums „Religion and Transformation in Contemporary Society“ (RaT) der Universität Wien dar.

„Eines der Hauptprobleme unserer gegenwärtigen Gesellschaften besteht darin, dass ihr immer mehr eine gemeinsame Vision oder ein einigendes Band abhanden kommt, wie es früher noch durch Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und einer geteilten Kultur vorhanden war – ohne dass man dies glorifizieren muss, denn natürlich führte dies auch leicht zum Ausschluss des >Anderen<“.

Eine Gesellschaft würde also zusammengehalten werden durch das Band einer gemeinsamen Vision. Die Gesellschaft wird hiermit als ein gemeinschaftliches Projekt der Realisierung eines Zieles verstanden. Aber die gegenwärtigen Gesellschaften verfügten nicht (mehr) über eine solche sie vereinende Zielvorstellung. Verständlich wird diese Vorstellung durch die These des Philosophen Lyotard, daß die „großen Erzählungen“ in der Postmoderne ihre Glaubwürdigkeit verloren haben: Als Subtext ist also vorauszusetzen: Erstens, daß die Modere als eine durch die Säkularisation der Erlösungserzählung der christlichen Religion zu begreifen sei.Die Erlösung wird zu der Aufgabe des Menschen,wobei das erhaltende Moment das des Festhaltens an der Erlösungsbedürftigkeit und der Erlösbarkeit des Menschen ist und das negierende, daß der Mensch sich nun selber zu erlösen habe.Beides zusammen ist die Aufhebung der Religion in säkularisierte Erlösungserzählungen der Emanzipation und Befreiung des Menschen.Diese haben nun ihre Glaubwürdigkeit verloren. Das sei das Fundament der Postmoderne.

Das meint die Aussage des Verlustes der gemeinsamen Visionen. Gemeinsam ist hier auch als die Antithese zu individuell, persönlich zu lesen.Politische Visionen sind hier vor allem gemeint.J.Habermas nennt das das unvollendete Projekt der Moderne, das nun im Namen der Postmoderne als unvollendbar verurteilt wird. Dies Projekt müsse nun gegen seine Kritiker verteidigt werden.

Aber noch ein weiterer Subtext liegt dieser Bestimmung der Hauptprobleme zugrunde: Ernst Blochs Texte zur Utopie.Seine Frage lautete: Warum hat nicht die marxistische Linke sondern in Deutschland der Faschismus gesiegt? Seine Hauptthese war die, daß der marxistische Sozialismus in seinem Eigenverständnis als der wissenschaftliche Sozialismus die Bedeutung der Utopie für den politischen Kampf unterschätzt habe, seine mobilisierende Kraft. Selbst in der Bibel forschte er so nach Hoffnungstexten, die als Utopien eine mobilisierende Kraft innewohne. Damit legte er das Fundament für eine“materialistische Bibellektüre“ als ein wesentliches Element der marxistischen Befreiungstheologie. Visionen, Utopien treiben die Menschen zu Revolutionen, keine wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Man kann deshalb von einem Zurück zu den Quellen des Utopisch-Visionären sprechen, da die säkularisierten Derivate nicht mehr recht überzeugten.

Aber wie sollen die Texte der Religionen nun wieder gelesen werden? „Religionen sind voll von Geschichten, in denen sich die unterschiedlichsten Hoffnungen und Verletzungen des Menschen spiegeln.“ Sie sollen als Inspirationsquellen für ein neues utopisches Denken und Handeln gelesen werden. Das ist, man will die Texte so lesen, wie es die modernistische Bewegung nach dem Urteil Papst Pius X verlangt:„Die Begriffe von Seligkeit und Erlösung werden in weltliche oder politische Ziele uminterpretiert.Dies reduziert die Geistlichen zu politischen Aktivisten und der Papst wird zum bloßen Förderer von Belangen der säkularen Welt degradiert.“ 1

Wie sieht dann die Vision, die (auch) aus den religiösen Quellen revitalisiert werden sollen? „Die Grundvision von RaT besteht darin, einen kleinen Beitrag für die Entwicklung eines gemeinsamen Bandes in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft zu leisten. Ein solches muss auf der Anerkennung des Anderen und der Bejahung von Pluralität und Menschenwürde gründen und dabei die Religionen mit einbeziehen. Die universitäre und damit kritische Reflexion religiöser Überzeugungen und Traditionen ist dabei notwendig und auf Grund der religiösen Vielfalt wichtiger denn je.“

Die Vision ist also die einer universalistischen Weltrepublik auf dem Fundament der Menschenrechte und der Bejahung der Pluralität.Dabei seien die Religionen auf diese Vision hin Beförderndes und Infragestellendes zu überprüfen. Wo Utopien proklamiert werden, da gibt es auch Feinde, das sind die,die sich der Realisierung der Vision Entgegenstellenden. Jetzt tritt der Feind auf: „Wohin angesichts dieser Herausforderung die römisch-katholische Kirche geht, ist nicht ganz abzusehen: Einerseits gibt es Strömungen, die sektenähnlich neue massive Grenzen und dabei künstliche, d.h. auf keine wirklich geschichtlichen Erfahrungen beruhende Identitäten aufbauen wollen, die sehr stark über Ausschluss funktionieren. Ein typischer Satz dieser Strömung könnte sein: „Wir sind diejenigen, wo ein Mann noch ein Mann und eine Frau noch eine Frau ist und grenzen uns ab gegen Gender-Ideologie (auch wenn wir nicht genau wissen, was das ist, aber es ist die letzte moralische Überlegenheit, die uns bleibt, gegen diese Ideologie Widerstand zu leisten…), Transpersonen, Homosexuelle, liberale Relativisten etc.“

Der Feind ist also jeder Kritiker der LGBTQ- Bewegung und das Heerlager der Kritiker ist nun in der Katholischen Kirche beheimatet, aber wohl nicht nur da! Die Texte der Religionen seien also so zu lesen, daß sie siich als förderlich für die Anliegen der Menschenrechte und der LGBTQ- Bewegung erweisen.Für die Religionen verbleibt so nur noch die Aufgabe, Unterstützendes für die Menschenrechtsideologie und die Anliegen der LGBTQler hervorzubringen.Das ist die völlige Instrumentalisierung der Religionen für politische Zwecke und ihrer Beraubung von allen religiösen Gehalten.

Völlig unreflektiert bleibt dabei aber auch, ob denn die Menschenrechte und gar die Anliegen der LGBTQ universalisierbar sind. Immerhin scheiterte der Versuch, Afghanistan gewaltsam zu verwestlichen kläglich , und die Regierung des Iran widersetzt sich bis jetzt der Anerkennung der Menschenrechte und der LGBTQ. Muß man nun gegen den Iran einen Krieg führen, um da diese Ideologien durchzusetzen, wie es vordem schon mit Afghanistan versucht worden war? 









1Taylor R. Marshall, Infiltriert,2020,.S.67.

Montag, 27. Januar 2025

Wie ein antidomikanischer Domikanerpater die Polarisierungstendenzen in der Katholischen Kirche bekämpfen will – oder: Vorwärts im Kirchenkampf

 

Wie ein antidomikanischer Domikanerpater die Polarisierungstendenzen in der Katholischen Kirche bekämpfen will – oder: Vorwärts im Kirchenkampf

Dieser Standpunktkommentar (Kath de am 27.Jänner 2027) offenbart uns diese raffinierte Strategie: „Die Kirche wird sich nur treu bleiben, wenn sie Polarisierung bekämpft“.Da heißt es nun: „In den USA haben neokonservative Kreise auch in der katholischen Kirche starken Zulauf, liberale Überzeugungen seien dagegen auf dem absteigenden Ast, so Pater Max Cappabianca. Er warnt die Kirche vor negativen Konsequenzen dieser Entwicklung.“

Ganz im Geiste von Kath de wird der innerkirchliche Feind klar markiert: Es sind „neokonservative Kreise“, wobei „Kreise“ leicht verschwörungstheoretisch konnotiert ist als in Hinterzimmer sich conspirativ Treffende. Dagegen verlieren die Liberalen an Gewicht, isb die Jesuiten als sagen wir mal die Avantgardetruppe der Linksliberalismus. Die Conservativen polarisieren, wohingegen die Liberalen ausgleichen. Nun präzisiert dieser Dominikaner sein Feindbild und zur Verblüffung jedes Lesers zählt er selbst den Dominikaner Orden in den USA zu dem Feind, dem er den liberalen Jesuitenorden und Papst Franziskus gegenüberstellt. So polemisert er nun gegen seinen eigenen Orden: „während die US-amerikanischen Dominikaner im Aufwind sind. Diese vertreten dort mit Berufung auf Thomas von Aquin teilweise faktisch fundamentalistische Positionen – die ganz im Einklang mit dem vatikanischen Lehramt der Kirche stehen!“

Das muß man sich vor Augen halten: Ein Dominikaner beschimpft den Dominikanerorden in den USA, weil dieser in Einklang mit dem bedeutendsten Dominikaner und Kirchenlehrer Positionen vertreten, die „teilweise funda-mentalistisch“ seien. Das Schlimmste an diesen „fundamentalistischen Positionen“ sei es nun, daß die gar im Einklang stünden mit dem Lehramt der Kirche. Fundamentalistische Lehren, die sich im Einklang mit der Lehre der Kirche befinden und die sich auf den größten Kirchenlehrer Thomas von Aquin berufen können, das ist einfach das Allerschlimmste für diesen Pseudominikaner. Nicht nur die conservativen Kreise sondern auch das Lehramt müsse eben bekämpft werden, wenn es nichtliberale also fundamentalistische Lehren vertritt.

Bitter konsterniert nun dieser Dominikaner: Tendenz ist: „Konservative Begegnungen und Gemeinschaften mit klaren Abgrenzungen gegen die Zumutungen der Moderne verzeichnen einen höheren Zulauf als liberalere, die sich mit einer hohen Ambiguitätstoleranz um differenzierte Sichtweisen auf die Gegenwart bemühen.“

Was hat das nun aber mit der Überwindung der Polarisierungtendenzen in der Katholischen Kirche zu tuen? Erstmal fordert dieser Artikel zum Kampf gegen die conservativen und fundamentalistischen Kreise in der Kirche auf, es soll also mehr als bisher gegen diesen innerkirchlichen Feind polemisiert werden. Dazu gehört dann auch die Theologie des Thomas von Aquin und die fundamentalistischen Lehren der Kirche. Politisch soll die Kirche nicht nur in den USA gegen Trump und Gleichgesinnte den Kampf aufnehmen, so wird in diesem Artikel die Polemik einer evangelischen „Bischöfin“ gegen den neu gewählten amerikanischen Präsidenten als vorbildlich bejubelt. Es gälte stattdessen, den Schulterschluß mit allen liberal Gesonnenen zu suchen, um formulieren wir es mal etwas anspruchsvoll, das Projekt der Moderne im Sinne Jürgen Habermas gegen ihre vielen Kritiker zu verteidigen und für dessen Realisierung sich zu engagieren.Dazu müsse nun der Kampf gegen alle Fortschrittsfeinde geführt werden.

Wenn üblicherweise gegen conservative und gar traditionalistisch Ausgerichtete das Narrativ bemüht wird, so Gesartete könnten die Zeitgenossen nicht erreichen, verwandelten so notwendigerweise die Kirche in eine Sekte, lesen wir hier nun, daß diese Ewiggestrigen besser ankommen als die um eine Modernisierung der Kirche Beflissenen.Trotzdem müsse die Kirche aber an dem Moderniesierungskonzept festhalten und alle Nichtliberalen bekämpfen, auch wenn dies Konzept nicht dazu führt, daß die so umworbenen Zeitgenossen den Weg zur Kirche fänden. Der linksliberale Katholizismus habe eben, um es etwas pathetisch zu formulieren bis zur letzten Pistolenkugel Seit an Seit mit allen Progessiven gegen die fortschruittsfeindlichen antiliberalen Heerscharen zu streiten: Vorwärts gegen Thomas von Aqiun, die fundamentalistischen Lehren der Kirche und gegen alles Conservative und Neoconservative und im politischen Raume 1:Vorwärts gegen Trunp und die AfD!

1 Das Zentralorgan der Fortschrittspartei SPD hieß bis zu ihrer Einstellung: „Vorwärts“. Der große Gegenspieler des reaktionären Donald Trump, Herr Biden ist jetzt kurz nach seinem Amtsende offiziell Mitglied einer Freimaurerloge geworden,. Fortschrittlicher geht es halt nicht mehr! Vgl Kat net vom 27.Jänner 2025 zu dieser Causa!

 

Zusätze:

1.Zusatz

Selbstredend stellt dieser Artikel auch einen Kde Beitrag für die heiße Phase des Wahlkampfes dar zur Unterstützung der Rot-Grünen Regierung. Dabei wird die Parole der Polarisierung stets gegen jede Opposition gewendet, daß sie spalte, indem sie die Regierungspolitik kritisiere. Es ist bezrichnend für diese Internetseite, daß für sie die Wahlhilfe für die Regierungsparteien abzüglich der FDP viel wichtiger ist als etwa die Verkündigung des Evangeliunes.

2.Zusatz:

Es verwundert so auch nicht, daß dieser "Dominikaner" die heutige Kindertötungspraxis der Abtreibung, der jährlich über 100.000 Kinder im Mutterleibe zum Opfer fallen, als einen guten Kompromiß begrüßt: "So Gesehen - Abtreibung.Pater Max Cappabianca spricht über das strittige Thema Abtreibung." ein Video auf Kath de. 

3Zusatz

Wie die Worte ihren Sinn verlieren:Wer Toleranz und Vielfalt fordert,verlangt Ausgrenzung und eine Monokultur! Wer entpolarisieren will, der will den Rauswurf der ihm Nichtgenehmen.

Sonntag, 3. November 2024

Anmerkungen zu den drei großen Katastrophen der Moderne - hat sie sich erledigt?

 

Anmerkungen zu den drei großen Katastrophen der Moderne


Der Soziologieprofessor Eßbach entfaltet in seiner Vorlesung über die Postmoderne diese drei Katastrophen, den Achipel Gulag, Auschwitz und den Abwurf der Atombombe über Japan als die radicale Infragestellung des Pojektes der Moderne.Die Postmoderne sei dabei eine Haltung, die die Moderne als als ob sie zuende oder besser wohl als zugrunde gegangen wäre,betrachtet, um sie so zu begreifen zu versuchen. Der Philosoph Habermas dagegen polemisiere gegen dies postmoderne Denken, um die Moderne als ein noch unvollendetes Projekt anzusehen, das auf seine Realisierung noch warte. Dann können diese drei Großkatastrophen nur an uns appellieren, daß so etwas nie wieder sich ereignen dürfe und daß gerade die Moderne selbst das Potential in sich trüge, eine Wiederholung socher Katastrophen zu verhindern. Einfacher gesagt: Die drei Katastrophen sind nicht als Elemente des Projektes der Moderne zu begreifen sondern eher als katastrophale Entgleisungen des Fortschrittszuges.

Abweichend von der Interpretation Eßbachs möchte ich hier eine andere skizzieren. Ich möchte vorschlagen, diese drei Katastrophen vom Begriff des Feindes her zu verstehen zu versuchen. Der Feind ist nämlich eine Kategorie, ohne die das Projekt der Moderne nicht zu begreifen ist. Carl Schmitts Verstehensbemühungen um das Wesen des Politischen verdanken wir den Verweis auf die Bedeutsamkeit des Feindverständnisses. Die drei Katastrophen stellen in diesem Lichte betrachtet nämlich drei Versionen der Vernichtung des Feindes dar.

Meine Ausgangsthese dazu lautet, daß die Moderne ein politisches Konzept war, daß also das Projekt des christlichen Abendlandes, das der Verchristlichung der Welt ersetzt wurde durch das der Humanisierung der Welt als der Aufgabe der Politik.Damit verändert sich notwendigerweise das Verständnis der Politik. Es soll darunter nicht mehr die Kunst des Regierens verstanden werden, sondern als der Wille zur Humanisierung der Welt. Dazu erstrebt dieser Wille, den Staat für diese Aufgabe zu instrumentalisieren und deswegen ist dieser Wille immer auch ein Wille zur Macht. Die erstrebte Macht soll dann aber keine despotische sein, sondern ein Geburtshelfer zur Errichtung der humanisierten Welt.

Dem politischen Diskurs, Politik im emphatischen Sinne und nicht im Sinne des Regierenkönnens liegt also die christliche Erlösungserzählung vom Fall und von der Errettung des Menschen zugrunde, die nun „säkularisiert“ wird, wenn unter der Säkularisierung nicht eine einfache Negation der christlichen Religion verstanden wird sonderen deren Aufhebung im heglschen Sinne, daß nun die von Gott erhoffte Erlösung zu einer, nein der menschlichen Aufgabe schlechthin mutiert.In der religiösen Erzählung erfüllt nun der Feind als der Satan benannt die Funktion, zu erklären, warum der Mensch erlösungsbedürftig ist und auch durch die endgültige Besiegung dieses Feindes auch erlösbar ist.Alles Elend und Leid wird auf eine Erstursache zurückgeführt, deren Besiegbarkeit die Allmacht Gottes garantiert. Wird diese Erlösungserzählung nun aufgehoben im Sinne Hegels muß sowohl das Subjekt, das die Erlösung bewirken kann und soll wie auch der Feind, der der Grund allen Elendes und der Erlösungsbedürftigkeit neu bestimmt werden. Daraus resultiert eine Pluralität von Emanzipationserzählungen mit ihren differenten Bestimmungen des Subjektes der Erlösung und des zu vernichtenden Feindes, denn die endgültige Besiegung des Feindes ist die denknotwendige Voraussetzung jeder Art von Erlösung.

Im Archipel Gulag bekämpfte der Stalinismus so den letzten Feind des Aufbaues des Sozialismus bzw Kommunismus. Die dabei applizierte Moral ist die des: Das Ziel heiligt die Mittel. Der Nationalsozialismus sah nun im Judentum den Feind schlechthin, den es zu vernichten galt. Die Genese seines Antisemitismus ist aber komplexer, denn ursprünglich ist er antikommunistisch ausgerichtet und dann sekundär antisemtisch, da er in den Juden die Hintergrundsmacht der kommunistischen Bewegung erblickte. Für A. Rosenberg ist so die bolschewistische Revolution die faktische Machtübernahme jüdischer Kreise über das russische Volk, das nun von diesen ausgebeutet wird.In der Schrift: „Wofür kämpfen wir“ 1944 trägt der Antisemtismus geradezu paranoide Züge: Die ganze Welt habe sich unter der Führung von Juden gegen Deutschland verschworen, um es zu vernichten.

Der Wille zur Endlösung des Feindes stammt so aus der religiösen Erlösungserzählung, die dann politisch aufgehoben wurde. Somit gehören der Archipel Gulag wie auch Auschwitz konstitutiv zum Projekt der Moderne, des Glaubens an die Notwendigkeit der Beseitigung des einen Feindes.

Zum Projekt der Moderne gehört konstitutiv der Herrschaftsaftrag des Menschen über die Natur. Wenn ursprünglich Gott den Menschen dazu berufen hatte, so verandelt die Moderne diese Berufung zu einer Bestimmung des Menschseins. Die Atombombe zeigt nun auf, daß die Technik als das Mittel der Naturbeherrschung sich transformierte in ein Mittel, daß die Natur völlig zerstören kann und dem Menschen ein Weiterleben auf der Erde verunmöglichen kann. Das Mittel zur Beherschung der Natur mutiert so zu einer Selbstvernichtungstechnologie. Aber noch in dieser Perversion der Technik ist sie ein Kind des ursprünglichen Beherrschungsauftrages, daß der Mensch die Natur zu beherrschen habe, daß das seine Bestimmung sei.Nur daß die Atombombe als die radicalste technische Möglichkeit der Vernichtung des Feindes, seit dem der Feind sie auch besitzt, zur Konsequenz die eigene Vernichtung hat und dadurch die Intention der Beherrschung der Natur durch die Technik selbt negiert. 

Mit dem Scheitern des letzten Großversuches der Welthumanisierung durch die kommunistische Revolution 1989f, endete das Projekt der Moderne. Lyotard bezeichnet das als das Unglaublichgewordensein aller großen Emanzi-pationserzählungen. Der Glaube an die eine Menschheitsgeschichte, die ein unaufhaltsames Fortschreiten der Humanisierung der Welt ist, hat sich aufgelöst. Deshalb gibt es auch kein Subjekt mehr, daß diesen Prozeß voranbringen und vollenden kann. Jede Geschichtsphilosophie aber auch jede Subjektsphilosophie verliert so ihre Geltungsansprüche. Gern wird so Rene Descartes: „Cogito, ergo sum“ als der Anfang aller Subjekt-Weltbeherrschungskonzeptionen verworfen. Der Mensch sei weder der Herr im eigen Hause noch weltbeherrschungsfähig, außer in destruktiver Weise und es gibt kein Subjekt, das die Welt humaniseren könne. Daß es eine Erkenntnis der Wahrheit gäbe, wobei dann darunter jede Theorie verstanden wird, die die Erlösbarkeit des Menschen begründe, wird dann als ein Herrschaftswissen, das nur wieder einer Unterdrückung der vielen im Namen der wahrhaft Erkennenden ist, reprobiert. Galt für das ganze Abendland und mit ihr für die Moderne, daß die Wahrheit, die zu erkennende und somit die erkannte den Menschen frei machen werde, so gilt nun, daß eine erkannte Wahrheit bzw der Besitz der Wahrheit nur zu einer Unfreiheit der vielen führe, die von den Priestern der Wahrheit unterdrückt würden. Hierbei vermengeln sich die Tradition der Priesterfeindschaft, das Narrativ vom Priesterbetrug mit dem Antiintellektualismus, der Abneigung gegen die Intellektuellen, daß der gesunde Menschenverstand lebensförderlicher ist als alles intellektualistische Denken.

Damit sind jetzt ein paar tragende Elemente der postmodernen Weltsicht skizziert, aber das Wesen der Postmoderne ist noch nicht auf den Begriff zu bringen, weil sei Wesen sein Gewesensein voraussetzt. (Hegel). Die Postmoderne ermöglicht so ein Begreifen des Projektes der Moderne, die als unvollendbare gescheitert ist, endgültig aber erst mit dem Zusammenbruch des Real existierenden Sozialismus, aber sie kann sich selbst noch nicht begreifen, weil sie noch lebendig ist.

Alexander Dugin bestimmt die Postmoderne als den Sieg des Liberalismus, der nun zur einzigen Ideologie der Welt avanciert sei, die aber doch neue Feinde hervorbringt. In Anlehung an der Historiker Ernst Nolte könnte man den Islamismus als die Widerstandsbewegung gegen den Globalismus charakterisieren, dem Versuch die liberalistische Ideolgie mit mit ihrer Marktwirtschaft als ihren realen Kern zu globalisieren. Aber es gilt, daß mit der Postmoderne die Politik im emphatischen Sinne aufgehört hat, sie ist wieder zur Regierungskunst sich zurückverwandelnd. Sie aber kennt auch den Feind, aber im Sinne der Regierungskunst. Es gälte nun, Teile des Volkes zum Feind zu erklären, um so eine Homogenität im Staatsvolke zu erwirken, die auf dem Ausschluß des verfehmten Feindes beruht. Dies politsche Konzept des Feindes ist die Antwort auf den Verlust der religiös-kulturellen oder ethnischen Homogeniät postmoderner Gesellschaften. „Spalte und herrsche“ diese alte römische Regierungsweisheit aktualisiert sich eben in der postmodernen Kampagne des Kampfes gegen Rechts.Machiavellis "Der Fürst" wird wieder aktuell.  Die Politik wird wieder zu einer Herrschaftstecchnik.

Dienstag, 27. August 2024

Verwirrendes: „Wo Lenin,da Jerusalem“- Irrwege der Religion? Verdrängte Traditionen?

 

Verwirrendes: „Wo Lenin,da Jerusalem“- Irrwege der Religion?

In der mehr als hörenswerten Vorlesung: „Radikale Krieger und Propheten: Ernst Jünger und Ernst Bloch“, der 10. zum Thema der Moderne von Professor W.Eßbach, wird der jüdische Philosoph Bloch so zitiert: „Wo Lenin, da Jerusalem!“. Mit Jerusalem ist das neue verheißende Jerusalem gemeint, wie es uns die Apokalypse der Johannesoffenbarung verheißt. Aber es wird auch an das Täuferreich Thomas Münzers erinnert, der mit den aufständischen Bauern nun das neue Jerusalem errichten wollte. Lenin galt Bloch als der neue Thomas Münzer. Der Philosoph Bloch radicalisiere jüdische und christliche Traditionen zu einer Revolutionsphilosophie, in der linke, marxistische und religiöse Reich-Gottesvorstellungen sich vermengeln. Die bürgerliche moderne Gesellschaft soll so überwunden werden. Während sein Antipode. Max Weber die Verbürgerlichung der christlichen Religion rekonstruiert, bis sie dann im Geiste des Kapitalismus untergegangen sei, versuche Bloch eine Entbürgerlichung der Religion, um sie als eine Motivationsquelle für eine Überwindung der bürgerlichen Gesellschaft neu zu formieren. Dabei schöpfe Bloch dann primär aus von der Kirche als häretisch verurteilte Traditionen, um daraus einen Utopiecocktail zu ermixen.

Der Professor stellt aber fest, daß uns heute jeder Geschmack am Utopischen verlorengegangen sei,sodaß auch dieser Philosoph uns so fremd unverständlich geworden ist. In der jüdischen wie auch in der christlichen Tradition existieren zwei verschiedende Erlösungsvorstellungen, die auf der Zeit- und die auf der Raumachse. Gott wird erlösend eingreifen und auf der Erde eine vollkommen gute Herrschaft errichten. Wie sehr diese Vorstellung auch in der urchristlichen Gemeinde beheimatet war, demonstriert uns die Apostelgeschichte: „Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ (Apg 1,7)Jesus Christus sagt dagegen: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ (Joh 18,36). Aber diese Spannung lebte in der christlichen Religion weiter: Wird es ein 1000 jähriges Reich auf Erden geben, daß wir Christen dann auch mit Gottes Hilfe zum von Gott bestimmten Zeitpunkt errichten werden können. Die Reich Gottes Vorstellung kann nun aber auch in die Raumachse eingezeichnet werden: das Reich ist im Himmel und wir leben auf Erden. Paulus expliziert das in dem 5.Kapitel des 2.Korintherbriefes: Solange wir auf Erden in unserem Leibe leben, leben wir fern von unserm Gott im Himmel. Sterben wir, dann werden wir von Gott heimgeholt. Wird die Erlösungshoffnung auf der Zeitachse verortet, dominieren kollektive Erlösungshoffnungen, wird sie dagegen auf der Raumachse verortet, dominieren individualistische Errlösungshoffnungen.

Beiden ist nun aber gemein, daß sie ein Jenseits der jetzigen Welt in ihrem jetzigen Zustand erhoffen, und daß beide das nicht als eine sehr ferne Zukunft erwarten: „Stellst du in dieser Zeit“ wiederher oder: jedem ist sein eigener Tod nie völlig fern. In der Krisenerfahrung der Moderne, als das der erste Weltkrieg empfunden wurde, revitalisierten sich solche utopischen Hoffnungen. In einem sich säkularisierenden Jahrhundert waren dann chiliastische Utopien eines Heilsreiches auf Erden attraktiver als ein Hoffen auf ein jenseitiges Erlösungsreich. Man wollte nach Nietzsche der Erde treu bleiben. Was passiert dann aber, wenn beide Hoffnungskonzeptionen, sowohl die jenseitige als auch die irdisch-zukünftige ihre Anziehungskraft und ihre Glaubwürdigkeit gar verloren haben, wenn eben nichts Neues mehr weder im jenseitigen Himmel noch in der zukünftigen Welt erwartet wird? Dann sind wir endgültig in der Postmoderne angelangt. Der Gott der Postmoderne ist so weder einer, der uns ein Reich Gottes auf Erden verheißt, ein neues Jeruslem noch der uns ein Jenseits verheißt, denn er ist reduziert auf sein Jasagen zu uns, so wie wir sind.Diese Punktualität ersetzt die Vorstellung eines Jenseits, in das Gott uns heimholt und die eines endzeitlichen Errichtens eines Gottesreiches auf Erden.

Dem entspricht es auch, daß Gott als der Schöpfer und Bejaher des Menschen in den Vordergrund gestellt wird, wohingegen das Erlösungswerk Jesu Christi auf ein Bestätigen des Jawortes Gottes zu seinen Geschöpfen reduziert wird. Er klärt uns über Gottes Liebe zu allen Menschen auf und daß wir jeden wie einen von Gott Bejahten auch zu bejahen haben. Alles Utopische verschwindet und die bürgerliche Gesellschaft transformiert sich dadurch zur letzten alternativlosen Gesellschaft, die nichts anderes zuläßt, nichts Utopische weder im Himmel noch auf Erden. Pointiert gesagt: Im Tode schlafen wir atheistisch ewig im Grabe und theistisch im ewigen Frieden Gottes, ohne ein Leben danach. Und für die Menschheit als ganzes gibt es nur ein Ewig-so- Weiter, bis das Leben auf der Erde ganz verlöschen wird. Das „Prinzip Hoffnung“, der „Geist der Utopie“ (Ernst Bloch) hat sich scheinbar völlig aufgelöst.

So wären nicht nur die Utopiegehalte der Religionssurrogate verschwunden sondern auch die christliche Religion als eine Erlösungsreligion. Das Scheitern der säkularisierten Versuche, neue Jerusalems zu schaffen, führt so zu einem Verlöschen des Hoffens auf jegliche Erlösungshoffnungen. Manifestiert das sich nicht in Nietzsches Gedanken der ewigen Wiederkehr des Gleichen als einem Kontrast des Hoffens auf den Übermenschen? 

Zusatz:

So existiert auch ein Traditionsstrang von dem Freiheitskampf der Makkabäer über die nationalrevolutionären Zeloten zur Zeit Jesu über das Täuferreich Thomas Münzer bis hin zu der marxistischen Befreiungstheologie, die sich alle durch eine hohe Gewaltbereitschaft auszeichneten im Kampf wider die Feinde.

 











Montag, 12. August 2024

Ein Fallbeispiel über den kirchlichen Opportunismus – oder die Furcht vor der Welt

 

Ein Fallbeispiel über den kirchlichen Opportunismus – oder die Furcht vor der Welt



Aus dem Geschick des Täufers Johannes ist viel zu lernen, etwa: „Widerspräche nicht den Mächtigen, es könnte Dir den Kopf kosten.“ Die kirchliche Morallehre müsse eben flexibel gehändelt werden, einem König dürfe man einfach nicht einen Verstoß gegen die Ehelehre der Kirche vorwerfen. Aber jetzt soll sich auf ein weit bedeutsameres Ereignis kapriziert werden, auf das der Französischen Revolution und wie sich die Kirche dazu verhielt und verhält.

In dem Kath de Artikel: „Kirchenhistoriker: Schwächere Päpste kann man sich nicht mehr leisten“ vom 12.8.2024 findet sich zu dieser Causa Aufschlußreiches:“Bei den Päpsten bis zum Zweiten Vatikanum lässt sich natürlich ein Abarbeiten an der Französischen Revolution feststellen. Man verurteilt immer wieder die Idee der Menschenrechte, von Gregor XVI. über Pius IX. mit seinem "Syllabus errorum", Pius X. mit dem "Antimodernisteneid" bis hin zu Pius XII., der noch 1953 in seiner berüchtigten "Toleranzrede" ausdrücklich die Religionsfreiheit ablehnt. Das war ein langer, schmerzlicher Prozess, bis sich die Kirche zu den Prinzipen der Grundrechte bekannt und schließlich auch die Demokratie als Regierungsform bejaht hat.“

Eine Selbstverständlichkeit ist für den da interviewten Kirchenhistoriker, daß die Kirche sich in ihrer Ablehnung der Französischen Revolution geirrt hatte und daß es deshalb zu begrüßen sei, daß dieser Irrtum nun korrigiert worden ist. Liegt nicht der Gedanke, daß hier die Kirche bis zum 2.Vaticnum sich nicht geirrt hatte und nun aber die faktischen Machtverhältnisse anerkannte, nahe? Erstens:Die Französische Revolution war eine Revolution, in der die legitime Herrschaft des französischen Königs gestürzt worden ist. Eine Revolution gegen eine legitime Herrschaft zu bejahen, ist nun der Kirche ob ihrer Lehre vom Staat unmöglich. Zweitens: Für die Kirche gelten als die oberste Norm die 10 Gebote Gottes und ihre kirchliche Entfaltungen. Wie könnte sie da die in der Französischen Revolution proklamierte Alternative der Menschenrechte bejahen? Die Freimaurer bekennen ganz offenherzig in einem ihrer eigenen Lexika: „Die Freimaurer haben zu dem Ausbruch der französischen Revolution vieles beigetragen, nicht zuletzt die Devise: Freiheit,Gleichheit und Brüderlichkeit, und die Deklaration der Menschenrechte“. (Zitiert nach: Hans Tranced, Freimaurer, Reprint 2022, S.13). Allein aus dieser Urheberschaft ergibt sich hinreichend der antichristliche Charakter sowohl dieser Revolution als auch der Menschenrechte. Die Menschenrechte sollten ja die Bürger Frankreichs aus der Herrschaft der Kirche befreien, indem nun das Leben rein vernünftig gestaltet werden sollte und die Menschenrechte dazu das Fundament bilden sollten.Dem 1.Gebot setzen die Menschenrechte eben das Recht, so viele Götter, wie es einem gefällt verehren zu dürfen oder auch gar keine!

Es gibt keine theologisch zwingende Gründe, die Demokratie als eine legitime Regierungsform zu reprobieren, aber auch keine, sie als einzig legitime zu glorifizieren. Faktisch lehrt heute aber die Kirche in erster Linie die Menschenrechte und die westliche Demokrtie als das Beste, was es auf Erden gibt. Die Funktion Gottes reduziert sich dabei auf die einer Letztbegründung der Menschenrechte als die Konsequenz der Liebe Gottes zu allen Menschen.

Mehr als sinnvoll wäre es nun, da die Epoche der Moderne zu Ende gegangen ist, das ganze Projekt der Moderne zu analysieren. Man könnte das auch mit einem kleinen Wortspiel rechtfertigen: Das Wesen von etwas ist sein Gewesensein. Meine These lautet: Die Moderne stellt den Versuch der Aufhebung der christlichen Religion dar, indem das in der Religion Erhoffte zu der Aufgabe der Politik, des menschlichen Wirkens umgeformt wurde. Das ist nicht einfach eine pure Negation der Religion, sondern sein Gehalt, der einer Erlösungsreligion sollte dabei bewahrt werden, aber das Subjekt der Erlösung sollte nicht mehr Gott sein, sondern der Mensch als das revolutionäre Subjekt. Die Ausdifferenzierung der Moderne resultierte nun aus der verschiedenen Näherbestimmung des revolutionären Subjektes, ob es der humanistisch gebildete Weltbürger, der revolutionäre Arbeiter oder eine als eine Geheimorganisation auftrende Avantagarde ist. Der Tod der Hoffnung auf ein solches Subjekt ist dann der Tod der Moderne. Die dazu passende Geschichtsphilosophie, die die Geschichte als einen einzigen Menschheitsfortschritt konstruierte, wobei immer das Jetzt der Kairos des Durchbruches des Endzieles der Geschichte gedeutet wurde, löste sich damit auch endgültig auf. Der Marxismus-Leninismus darf dabei als die letzte große Konstruktion einer so gearteten Geschichtsphilosophie angesehen werden.

So gesehen ist die Moderne vergleichbar einem unehelichen Kind der Kirche, die so das Projekt der Moderne von Anfang an als etwas Inkzeptables verurteilt hat. Aber die Kirche beugte sich dann der Macht des Faktischen, daß die Moderne alles Vormoderne delegitimierte, um sich als das allein Wahre zu inszenieren. 

Merke:

Die Geschichte der Moderne ist vor allem eine in Blut geschriebene, von dem Terror der Französischen Revolution über den stalinitischen Terror bis zum "Menschenrecht" der Kindestötung im Mutterleibe. Der Nationalsozialismus ist hierbei auszunehmen, da er kein modernes Projekt der Welterlösung war und sich auch nicht so verstand.Von seinem Wesen her ist er antimodern.  

Zusatz:

Wer über Macht verfügt,bestimmt,was als wahr gilt.  













Sonntag, 11. August 2024

Korrumpiert die Caritas die Kirche? Oder die für die Ökonomie abgeschobenen Kinder!

 

Korrumpiert die Caritas die Kirche? Oder die für die Ökonomie abgeschobenen Kinder!


In der“ Tagespost“ am 11.8.2024 konnte man lesen: „Zweifel am KiTa-Glück sind berechtigt.Die Politik streitet über die Finanzierung von KiTa-Plätzen. Aber ist die KiTa für Unter-Dreijährige der richtige Ort? Skepsis ist hier angebracht.“

Am Anfang der Kindertagesstätten, der Kindergärten und der Vorliebe zu den Ganztagsschulen stand nicht die Liebe zu den Kindern, die Sorge um ihr Wohlergehen sondern der Wille der Wirtschaft und der Politik, daß auch die Frauen dem Arbeitsmarkt als Arbeitskräfte zur freien Verfügung stehen. Solange noch die allermeisten Frauen verheiratet waren und so nur zum Gehalt des Mannes etwas dazuverdienen wollten oder mußten, da das Gehalt des Ehemannes für das Familienleben nicht ganz ausreichte, erfreuten sie sich auch als billigere Arbeitskräfte großer Beliebtheit. Sie waren ja nur Dazuverdiener.

Aber die Vorliebe der Frauen für ein familiäres Leben mit einem Ehemann und eigenen Kindern setzte ihre Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt Grenzen. Karl Marx und anfänglich auch die Katholische Kirche urteilten dann noch so, daß der Mindestlohn bzw der Lohn gerecht, angemessen sei, wenn der Mann so viel verdiene, daß er davon eine Familie unterhalten könne, daß also die Ehefrau sich ganz dem Familienleben widmen könne. Wenn nun aber die Ehefrauen selbst berufstätig werden, dann kann das Gehalt der Männer gesenkt werden, denn dann gilt, daß beide zusammen den Familienunterhalt bestreiten.

Der bürgerliche Feminismus mit dem von ihr propagierten Ideal der Berufstätigkeit der Frau war so für die Wirtschaft ein Geschenk des Himmels, wohingegen der linke Feminismus das Elend auch der Frauenarbeit in den Fabriken vor Augen habend, stärker für eine Humanisierung der Arbeitswelt eintraten, aber auch ob der Hochschätzung der Berufsarbeit durch Marx die berufstätige Frau als das Ideal der modernen Frau propagerten. Nach Marx wurde der Mensch ja erst durch das Arbeiten zum Menschen in seiner Absetzung von der traditionellen Anthropologie, daß er ob seines Denkvermögens sich als Mensch den Tieren gegenüber auszeichne.

Einst hieß es: „Der Mann geht hinaus ins feindliche Leben, die Frau dagegen wirkt in den 3 Ks: Kinder, Küche und Kirche. Von dem wahren Leben, dem der Arbeit, der Politik und des Vereinslebens sei sie so ausgeschlossen und in das Reservat dieser 3 Ks eingespert. Die Frauenemanzipation wollte dem nun ein Ende setzen, das heißt, daß sie so wie der Mann leben solle. In der Geschichte der Frauenemanzipation muß deshalb der kommunistische Revolutionär Lenin an erster Stelle genannt werden, denn die Oktoberrevolution sollte die Frau aus diesen 3 Ks emanzipieren:Die Befreiung von dem Kind: Einerseits bescherte diese Revolution der Frau das Recht auf die Kindestötung im Mutterleibe und die Erziehung der Kinder sollte in Gänze von dem Staat übernommen werden. Ja, es wird sogar berichtet, daß Wohnungen ohne eine eigene Küche konzipiert worden seien, da alle Menschen sich nur noch in Betriebskantinen ernähren sollten, um die Frau von der Küchenarbeit zu befreien. Nur mußte Trotzki konzedieren, daß der sowjetische Staat der Aufgabe, die Familie ganz zu ersetzen nicht gewachsen war, sodaß sein Widerpart, Stalin die reaktionäre Konzeption der Familie, in der die Frau unterdrückt würde, repristinierte. (Aus der feministischen Sicht war der Stalinismus ein ultrareaktionärer Rückfall, da da von der Berufung der Frau zur Mutterschaft und zur Erzieherin ihrer Kinder gesprochen wurde.)

Die Frau sei ganz von der Trias von Kinder,Küche und eigentlich auch der Kirche zu befreien, damit sie wie der Mann uneingeschränkt der Wirtschaft zur Verfügung stehe. Das verlangt aber notwendigerweise, daß ihr ihre Kinder genommen werden, daß sie außerhalb der Familie aufwachsen und erzogen werden. Deshalb und nur deshalb wurde das Konzept der Kita, des Kindergartens und die Ganztagsschule erfunden. An das Wohlergehen des Kindes hat dabei niemand gedacht außer man sagte, daß eine berufstätige Mutter dann ihren Kindern mehr zu Weihnachten und zum Geburtstage schenken könne. Da nun der Zuverdienst der Ehefrauen für die Familie fast schon zum Regelfall geworden ist, konnte nun das Gehalt des Mannes auch deutlich gesenkt werden, da es nicht mehr allein zum Unterhalt der Familie auszureichen braucht. So verwandelte sich das eingeforderte Recht der Frau auf eine Erwerbstätigkeit zum Zwang, arbeiten zu müssen. Aber die Emanzipationsideologie verkauft diesen Zwang zur Arbeit nun als einen Sieg der Gleichberechtigung der Frau.

Der moderne Staat unterscheidet sich nun von dem totalitäten Staat Lenins durch sein Subsidaritätsprinzip, daß er Aufgaben des Staates an nicht staatliche Organisationen überträgt, die die dann in dem vom Staate vorgezeichnetem Rahmen an seiner statt diese Aufgaben ausführen. Davon profitiert nun gerade auch die Katholische Kirche, denn die Caritas ist in Deutschland eine der größten Träger solcher vom Staat anderen übergebender Aufgaben.

Aber welche Folgen zeitigen nun die Kitas und Kindergärten in katholischer Trägerschaft? Dem katholischen Verständnis der Familie und des Berufungsverständnises der Frau zur Mutter widerspricht das, aber wenn heute die Katholische Kirche noch auf Akzeptanz stößt,dann eigentlich nur noch als die Caritas. Außerdem hat sie im 2.Vaticanum die moderne Gesellschaft bejaht, ihre Skepsis dem Primat der Ökonomie gegenüber faktisch so auch aufgegeben und bejaht somit auch die Konsequenz, daß auch die Frau in erster Linie für die Wirtschaft da zu sein hat. Ein Familienleben darf auch sie nur noch führen, sofern das sie in ihrer Berufstätigkeit nicht zu sehr limitiert. Das „Recht auf die Abtreibung“ resultiert so aus diesem Primat der Ökonomie, daß sie um ihrer Erwerbstätigkeit willen, ihr Kind im Mutterleibe töten lassen darf und daß sie, wenn sie doch noch eigene Kinder bekommt, die an die Kitas und Kindergärten und später dann an die Ganztagsschulen abzugeben hat.

Die völlige Emanzipation der Frau vom Kinde läßt sich nun auch schon erahnen, wenn die Kinder künstlich erzeugt in Kunstbrutkästen aufgewachsen dann in Kitas,Kindergärten und Ganztagsschulen ausgebildet werden. 

Die Kirche nun hat durch ihre kritiklose Bejahung der modernen Gesellschaft mit ihrem Primat der Ökonomie, daß der Mensch für die Wirtschaft ist, ihre eigenen Grundlagen verraten. Aber dieser Verrat fällt ihr leicht, da sie nun im Gefolge des staatlichen Subsidaritätprinzipes in der Caritas  ihre Existenzlegitimierung findet, da sie als Religionsinstitution für die postmoderne Gesellschaft funktionslos und damit überflüssig geworden ist.So bestimmt die Caritas den Kurs der Kirche und die lebt eben auch davon, daß viele Mütter ihre Kinder abgeben müssen, da sie Geld verdienen müssen.

















Montag, 20. Mai 2024

Neue Priester braucht das Land! Einen ganz alternativen Priestertyp! Kath de offenbart es uns!

 

Neue Priester braucht das Land! Einen ganz alternativen Priestertyp!



„Junge Priester haben ein Selbstverständnis, das mit der modernen Gesellschaft fremdelt: Das sagt eine neue Untersuchung. Studienleiter Matthias Sellmann erklärt im katholisch.de-Interview, warum ihn das beunruhigt – und welche neuen Ansätze in der Ausbildung und beim Priesterbild nötig seien.“ So wird die Ergebnisse einer Studie über das Selbstverständnis der jetzigen Priesteramtskandidaten resümiert auf Kath de am 20.5.2024: Sellmann zu Studie: Den Priesterberuf nicht "musealisieren".

Mehr als besorgniserregend ist, es daß der Priesternachwuchs der Reformagenda des Synodalen Irrweges kritisch skeptisch gegenübersteht. Aber es kommt noch schlimmer: Sie nähmen auch eine kritische Stellung zur modernen Gesellschaft ein! Das müßte jeden aufmerksamen Leser mehr als irritieren, gilt doch unter Akademikern und isb den Studenten seit den 68er Jahren eine gesellschaftskritische Haltung als allein moralisch akzeptable Haltung. Alle in dieser Zeit aufkommenden politischen Theologien, isb die Befreiungstheologie, die feministische, um nur die allerbekanntesten zu nennen, verstanden sich als gesellschaftskritisch, verpflichtet, di die bürgerliche Gesellschaft (revolutionär) zu überwinden. In sog. „Exodusgemeinden“ sollten dann gar avantgardistisch Lebensformen jenseits des bürgerlichen Lebens erprobt werden.

Die Zeiten haben sich halt geändert und jetzt wirft man aus linksliberaler Perspektive dem Priesternachwuchs seine kritische Distanz zur bürgerlich-modernen Gesellschaft vor. Sie sollten die Moderne bejahen und in ihr, statt sie zu kritisieren, helfen, sich weiterzuentwickeln! Dazu gehöre nun auch, ein zeit(geist)gemäßes Priesteramtsverständnis zu entwickeln: „Wir brauchen neue mediale, überraschende Bilder vom Priester. Wenn man sich die vergangene Berufungskampagnen in Deutschland ansieht, wird dort meistens der Priester am Altar gezeigt, der Eucharistie feiert, oft sogar ohne Gemeinde im Bild. Wo sind die anderen Bilder: Der Priester als Streetworker?“

Das musealisierte Priesteramtsverständnis manifestiert sich in dem die Eucharistie zelebrierenden Priester. Die Zukunft gehört der Kirche, die sich ganz auf die Diakonie kapriziert. Die Kirche solle so der modernen Gesellschaft helfen, sich zu humanisieren. Das wird in diesem Kath de Artikel so ausbuchstabiert:

„Ich habe ein bestimmtes Kirchen- , ein bestimmtes Priester- und ein bestimmtes Gesellschaftsbild. Aus diesen Überzeugungen heraus sage ich: Wir brauchen in Deutschland eine geistlich reiche Kirche, die sich als kulturelle Ressource für freies, selbstbestimmtes, kreatives und gemeinwohlorientiertes Leben anbietet. Und das kann sie! Solch eine Kirche aber braucht vor allem in ihrer Führung Personen, die diese Gesellschaft bewusst mitgestalten wollen. Die allianzfähig sind, kommunikationsfähig, veränderungsfähig. Katholische Treue zur Tradition würde sich nach meinem Verständnis heute gerade darin zeigen, dass man die Welt voranbringen will, dass man Gott zeigen will, und zwar als konkrete Ressource für ein zukunftsfähiges Zusammenleben aller. Unsere Gesellschaft hat eine Kirche verdient, die Avantgarde sein will – zusammen mit den anderen gemeinwohlorientierten Kräften.“

Gott sei also eine „Ressource für ein zukunftsfähiges Zusammenleben aller“. Einfacher gesagt: Gott erlaubt uns, Utopien gelingenden Lebens auszuformulieren und umzusetzen. Das Ziel soll dabei ein Mehr an freiem, selbstbestimmten, kreativen und gemeinwohlorientierten Leben sein. Die moderne Gesellschaft wird dabei einerseits als der Ermöglichungsgrund solch eines Lebensstiles verstanden, die andererseits ihre ganzen positiven Möglichkeiten noch nicht realisiert habe. In der modernen Gesellschaft vergestrigt jedes Morgen das heute noch als modern Geltende und somit erheischt die moderne Gesellschaft eine permanente Modernisierung ihrer Moderne. (Man könnte geneigt sein,hier an Leo Trotzkis Konzept der permanenten Revolution zu denken, wo es nie zu einer Verstetigung und Verkrustung eines bestehenden Zustandes kommen soll, da jede Gegenwart stets avantgardistisch überholt werden müsse.) Die Moderne kann sich so nur erhalten,indem sie sich permanent avantgardistisch modernisiert. Dazu der Gesellschaft zu verhelfen, sei die Aufgabe der Kirche.

Mit allen anderen linkspolitisch Orientierten solle sie dafür sich engagieren. Daraus ergibt sich, daß nun conservativ eingestellte Priester unzumutbar für eine so sich ausrichtende Kirche sind.Ja, sie seien ja noch schlimmer als conservativ, da sie ja als der Moderne kritisch gegenüber Eingestellte eher als reaktionär abqualifiziert werden müssen. Das Befremdliche ist nun, daß der Linksliberalismus sich von jeder der Kritik an der modernen Gesellschaft völlig verabschiedet hat, ihr nur noch rein affirmativ gegenüber verhält, um dann nur noch die Vollendung des Projektes der Moderne verlangt. Das ist der radicale Bruch mit der Tradition der 68-Tradition. Man ist links-liberal geworden und bejaht nun die bestehende Gesellschaft, um sie nur noch gemäß des Konzeptes der Moderne stetig zu modernisieren. Deshalb wird nun eine gesellschaftskritische Haltung als ein Fremdeln mit der Moderne verurteilt.

Die Kirche soll dazu in ein Subsystem der Gesellschaft umstrukturiert werden, damit sie als Modernisierungskraft in der Gesellschaft fungieren kann. Religiöse Traditionen könnten dabei dann als motivationssteigernd, Kraft zu einem utopischen Denken verleihend eingebracht werden. Mit der christlichen Religion hat das natürlich nichts mehr gemein, sie wird ganz aufgelöst in eine diakonisch-gesellschaftspolitische Praxis.

Aber dafür ist der jetzige Priesternachwuchs völlig ungeeignet. So wird als erstes die Abschaffung des Zölibates und die Einführung des Frauenpriestertumes gefordert, damit mehr fortschrittlich Eingestellte Priester werden wollen, die ihre Aufgabe im sozialdiakonisch-politischem Engagement sehen.













Dienstag, 24. Oktober 2023

„Mit Joseph Ratzinger Synodenzukunft schreiben“

"Mit Joseph Ratzinger Synodenzukunft schreiben“- Ratzinger: ein Modernist?



Das linksliberale Reformlager der jetzt tagenden Synode zu Rom wird sicher höchst erfreut gewesen sein, als in einem Referat der Theologe Joseph Ratzinger als Kronzeuge für die Notwendigkeit der Kirche an den modernen Zeitgeist instrumentalisiert wurde:

"Die eigentliche Frage hinter der Diskussion könnte man so formulieren: Sollte die intellektuelle Position des 'Antimodernismus' - die alte Politik der Ausgrenzung, Verurteilung und Verteidigung, die zu einer fast neurotischen Verleugnung alles Neuen führte - fortgesetzt werden? Oder würde die Kirche, nachdem sie alle notwendigen Vorkehrungen zum Schutz des Glaubens getroffen hatte, ein neues Kapitel aufschlagen und zu einer neuen und positiven Begegnung mit ihren eigenen Ursprüngen, mit ihren [Mitmenschen] und mit der Welt von heute übergehen?"

Tatsächlich votierte auch der Theologe Ratzinger zur Zeit des 2.Vaticanumes für eine Versöhnung mit der Moderne. So kraftvoll die Päpste vordem auch die Parolen der Französischen Revolution und ihre Gestaltwerdung in der Moderne als etwas Widerchristliches verwarfen, so sehr war es das Anliegen dieses Reformkonziles, sich mit der Moderne zu versöhnen. Dies Ja zur Moderne und die klare Absetzung von der Kritik des Projektes der Moderne, nun die ganze Welt vom Prinzip des vernünftigen Denkens aus neu zu erbauen, ist nur verstehbar, wenn man die Prämisse dieser Bejahung versteht, daß die aufklärerische Geschichtsphilosophie bejaht wurde, daß die Geschichte ein Entwickelungspozeß sei, in der die jeweils gestrige Wahrheit durch die heutige überwunden wird. Einen kleinen Rest ewig gültiger Wahrheiten wollte Ratzinger noch bewahrt sehen, sonst aber müsse wohl die ganze Lehre der Kirche der Moderne eingepaßt werden.

Die Moderne ist nun das Ergebnis der Aufarbeitung der innerchristlichen Religionskrige des 17. Jahrhundertes, daß die Religion so zu pazifizieren ist, daß die kontroversen confessionellen Auffassungen der Wahrheit der christlichen Religion vergleichgültigt werden sollten, damit sie ihres Konfliktpotentiales beraubt werden. Die rein vernünftige Religion sollte da die Konfessionskirchen ersetzen, indem alle confessionellen Differenzen als gleichgültig entwertet wurden. Die Welt sollte so dann nur noch von der allein genügsamen Vernunft her gestaltet werden. Der religiöse Glaube sollte dann nur noch privat Daheim zu leben sein. Das Ende der Konstntinischen Epoche mit dem Ende des 1.Weltkrieges erbrachte dann den endgültigen Sieg der Moderne als das Ende des christlichen Abendlandes.

Mit der Verurteilung des Antimodernismus stellte sich somit die Kirche auf ein Fundment, das einer Schräge glich, auf der die Kirche notwendig sich immer weiter von ihrer eigenen Wahrheit entfernte, bis sie nur noch das Gerede der Welt sich zu eigen gemacht wiederholt. Auch der Theologe Ratzinger hatte damals die Macht der Moderne als das tatkräftige Nein zur Kultur des christlichen Abendlandes nicht erkannt, ganz eingenommen von dem allgemeinen damaligen Fortschrittsglaubens, für den es keine ewigen Wahrheiten geben kann, sondern nur den ewig strömenden Fluß des Progresses, dem sich auch die Kirche zu subordinieren habe. 

Merke: Die Maxime der Zeitgemäßheit ersetzt so die der Sachgemäßheit. Das Ewige transformiert sich dabei in einen Prozeß der permanenten Annäherung an die Wahrheit, die aber nie erreicht wird. So wird aus der Kirche als dem Ort der präsenten geoffenbarten Wahrheit eine Suchbewegung, die nie ans Ziel kommen kann, weil ihr Leben dies Suchen nach Gott ist.

Die Kirche muß sich ändern!“ Aber warum? Und wer hat das beschlossen? frägt Kath info am 24.10.2023. Der Modernismus respondiert: Weil der Gott Chronos, die Zeit alles sich unterwirft und seine Veränderung fordert.

Zusatz: Es ist schwer vorstellbar, daß Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation sich so noch wider den Antimodernismus geäußert hat, kämpfte hier die Kirche doch um ihre Freiheit, sich nicht der Welt unterzuordnen.


 

Die Kirche muß sich ändern!“ Aber warum? Und wer hat das beschlossen?
Die Kirche muß sich ändern!“ Aber warum? Und wer hat das beschlossen?

 

„Die Kirche muß sich ändern!“ Aber warum? Und wer hat das beschlossen?

 

„Die Kirche muß sich ändern!“ Aber warum? Und wer hat das beschlossen?

„Die Kirche muß sich ändern!“ Aber warum? Und wer hat das beschlossen?





 

Sonntag, 5. März 2023

Zur Papst Benedikts Kritik der Moderne

Zur Papst Benedikts Kritik der Moderne „Das menschliche Denken, das immer ein Denken des Seins gewesen sei, habe einen Paradigmenwechsel vollzogen. An die Stelle des Seins sei das Faktum getreten, die Gleichsetzung von Wahrheit und Sein wurde abgelöst von der Gleichsetzung von Wahrheit und Tatsache (!). Die Herrschaft des Faktums bewirkte die radikale Zuwendung des Menschen zu dem von ihm Gemachten als der einzigen Gewissheit. Dieses Credo wurde noch einmal gesteigert im Marxismus: aus dem Faktum wurde ein Faciendum. Das Reich Gottes – der Zentralbegriff des Christentums – wurde nun zum Reich des Menschen, es ging um die bessere Welt von morgen.“ Diese gediegene Zusammenfassung der Kritik der Moderne durch diesen „Mozart der Theologie“ findet sich in dem Essay: „Der Synodale Weg und die Kritik aus Rom“. (Internetblogg: feinschwarz, 2.März 2023). Die Intention dieses Essays ist klar, daß diese inakzeptable Kritik der Moderne durch diesen Papst die jetzige Kritik aus Rom fundiere. Die Moderne wird also verstanden als Aufhebungsprojekt des christlichen Glaubens an das Reich Gottes, indem nun das von Gott verheißende als das von ihm gewirkte Reich als die Aufgabe des Menschen umgedeutet wird. Die Reich Gottes Hoffnung wird also nicht einfach negiert sondern transsubstantioniert in die Aufgabe des modernen Menschen. Nun ist es zwar sinnvoll, den Marxismus als die gesteigerte Form dieser Umformung zu bezeichnen, aber der Marxismus ist nicht der einzige Vertreter dieser Umformung. Die ganze aufklärerische Philosophie praktizierte diese Umformung, sicher auf verschiedenster Weise, aber das war ihr Kerngeschäft. Wenn etwa der Philosoph Habermas von dem unvollendeten Projekt der Moderne schreibt, dann meint er damit, daß die positiven Potentiale, die in der Moderne präsent sind,nicht, oder noch nicht realisiert worden seien. Das Ziel sei eine humanistisch vernünftig gestaltete Welt. Wenn Gerard Raulet in seinem Buch: „Gehemmte Zukunft.Zur gegenwärtigen Krise der Emanzipation“ 1986 von der „Krise des linear fortschrittlichen Geschichtskonzeptes“, von der „Infragestellung des emphatischen Vernunftbegriffes“, (S.7), von der Krise des Glaubens an das revolutionäre Subjekt der radicalen Weltveränderung schreibt, dann benennt er damit die Krise der Moderne, die Kritik der Moderne vom Standpunkt der Postmoderne her. Ironisch könnte dann der Synodale Weg und die dazugehörige Zeitgeisttheologie als Versuch deuten, die Kirche mit diesem Konzept der Moderne auszusöhnen, während die Moderne selbst als gescheitert längst von der Epoche der Postmoderne abgelöst wurde. Papst Benedikts conservative Kritik der Moderne wird dadurch zu einer der Postmoderne kompatiblen Kritik einer dem Denken der Moderne ganz und gar verhafteten Modernisierungstheologie! Das entscheidende Motiv der Reformtheologie ist ja, daß die Kirche dem allgemeinen gesellschaftlichen moralischen, kulturellen Fortschritt hinterherhinke, die Emanzpationsentwickelung verschlafen habe. Die Kirche gliche zu auf dem Bahnhof abgestellten Waggons, während die Lokomotive des Fortschrittes auf den Gleisen des Fortschrittes ohne sie davonfährt, dem Morgenrot der besseren Welt entgegen. Die Vorstellung, daß unter dem Begriff der Reform ein Zurück zum Ursprünglichen verstanden wird, muß ja aus der Perspektive eines linear fortschrittlichen Geschichtskonzeptes als reaktionär verurteilt werden. Die Tradition ist von ihrem Wesen her nur das Veraltete, das nur wahr gewesen war, als es neu auftrat, um dann durch den progressierenden Strom der Zeit zu veralten. Wahr ist nicht mehr das ewig wahr Seiende, sondern der Fluß, der alles einstig Wahre entwertet, um stets neue Wahrheiten hervorzubringen. Darum müsse die Kirche sich permanent modernisieren, alles Alte als Veraltetes hinter sich lassend. Dann kann selbstverständlich auch Jesus Christus nicht mehr die ewige Wahrheit sein. Peinlich ist aber nun, daß die Bischöfe Deutschlands dank intensivster Nachhilfe durch die modernistische Universitätstheologie ihre Liebe zu dem Projekt der Moderne findet, wo dieses nun schon untergegangen ist, auch wenn nicht nur der Philosoph Raulet als Ernst Bloch Schüler von der Hoffnung der Moderne retten versucht, was irgendwie noch als rettbar erscheint, ganz conservativ der Moderne, der großen Emanzipationserzählung (vgl Lyotard, Das postmoderne Wissen) verhaftet. Corollarium Es muß aber auch festgehalten werden,daß die Moderne als Projekt nur möglich war als Aufhebung der christlichen Religion und somit diese Religion voraussetzt.