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Mittwoch, 27. November 2024

Ist die Welt vernünftig, geht es in ihr vernünftig zu, da Jesus Christus als ihr König sie doch auch regiert und nicht erst am Ende der Zeiten regiert?

 

Ist die Welt vernünftig, geht es in ihr vernünftig zu, da Jesus Christus als ihr König sie doch regiert?



Jesus Christus wird im Johannesevangelium als der Logos, gleich die Vernunft bezeichnet und als solcher regiert er mit dem Vater und dem Heiligen Geist die Welt.Das feiert die Kirche am Christkönigsfest. Sagt das nicht auch einer der bedeutendsten Philosophen, wenn er in seiner „Vorrede“ der „Grundlinien der Philosophie des Rechtes“ schreibt:

„Was vernünftig ist, das ist wirklich und was wirklich ist, das ist vernünftig.“ Alles, was ist, ist also vernünftig und das erklärt sich daraus, daß alles aus Gott auf Gott hin ist. Aber wer diese Aussage Hegels so interpretiert, hat den ersten Teil dieser Aussage überlesen: Was vernünftig ist und nur das, was vernünftig ist, ist wirklich. Das, was demzufolge unvernünftig ist, das ist auch nicht wirklich. Wer hier genau liest, findet die Lösung: Es gibt Etwasse, die es gibt, die aber nicht wirklich sind. Deswegen lesen wir als Hegels Eigendeutung dieser Aussage dies: „so gewährt hingegen die Philosophie die Einsicht,daß nichts wirklich ist als die Idee.Darauf kommt es dann an,in dem Scheine des Zeitlichen und Vorübergehenden die Substanz,die immanent,und das Ewige,das gegenwärtig ist, zu erkennen.“

Hier knüpft Hegel an die traditionelle Ontologie an, daß Gott nur das Sein zukommt und allem anderen Seienden nur ein Sein, da es an dem Sein Gottes partizipiert, ansonsten wäre es nichtig. Zur Veranschaulichung möge ein simpler Gedanke der Mathematik dienen: Eins ist die eine Zahl, an der alle anderen partizipieren als ein Vielfaches der Eins, so ist 3 das Dreifache der 1 und so sind sie wirklich. Ihr Wirklichsein wäre also ihre Teilhabe an der Eins.

Nur was vernünftig sei, sei so wirklich und das Nichtvernünftige wäre zwar, aber nicht wirklich. Übertrüge man diesen Gedanken auf die Anfangsfrage, dann käme dies Ergebnis heraus: Nur das Vernünftige ist als von Gott gewollt, wirklich und das Nichtvernünftige ist, aber ist nicht wirklich. Nur, hilft dieser Gedanke weiter, um das vernünftige Regieren Gottes mit der dem vielen Unvernünftigen in der Welt in Einklang zu bringen. Hegel qualifiziert das so nicht Wirkliche als „vorübergehendes Dasein, äußerliche Zufälligkeit,Meinung,wesenlose Erscheinung,Unwahrheit, Täuschung usf.“ im 1. Paragrahpen der Rechtsphilosophie.

Im theologischen Diskurs würde all dies unter den Begriff des Bösen subsumiert und das provoziert die Kritik, ob so dem Negativen Hegels Philosophie gerecht werden kann und wie überhaupt dem Negativen die Theologie gerecht werden kann, wenn sie Gottes Regieren der Welt als die Grundlage ihres Denkens vorauszusetzen hat.

Einen ungewohnten Weg zur Lösung dieser Frage möchte ich hier versuchen zu begehen. Heraklit lehrt bekanntermaßen: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge, aller Dinge König; die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien.“ Wenn diese philosophische Einsicht auf das Thema der Vernunft appliziert wird, dann hieße das: Erst durch die Differenz, den „Krieg“ zwischen der Vernunft und der Unvernunft wird die Vernunft zur Vernunft. Durch den Ausschluß des Anderen der Vernunft wird die Vernunft zur Vernunft. „Omnes determinatio est negatio“ und deshalb ist die Vernunft auch nur durch ihre Differenz zum Nichtvernünftigen.

Damit das Vernünftige als Wirkliches in der Welt sein kann, muß es das Andere von sich ausschließen und ihm so dies Sein, das kein wirkliches ist,erwirken. Wie sollte den Hiob sich als wahrhaft Frommer erweisen, wenn er nicht durch das Bestehen in den Versuchungen er zu dem wahrhaft Gläubigen sich entwickelte? Ja, es drängt sich der Verdacht auf, daß das Vernünftige nur ist in seiner Differenz zum Unvernünftigen, das selbst sein muß, damit das Vernünftige wirklich sein kann.

Das Johannesevangelium bezeichnet den göttlichen Logos,Jesus Christus als das Licht, das den finsteren Kosmos erhellen sollte. Nur ein Narr zündet ein Licht an, um am helligen Tage sehen zu können. Jesus Christus konnte ja nur das Licht für die Welt sein, weil sie ganz in der Finsternis eingehüllt war.Wenn dem Menschen schon alles klar und einsichtig gewesen wäre, wenn die damals schon existierenden Religionen für das Heil der Menschen ausgereicht hätten, wozu hätte dann das Licht in der Welt erscheinen sollen, wenn sie schon völlig aufgeklärt gewesen wäre?

Damit das Positive sein kann, muß so das Negative sein und als Nichtiges, von der Vernunft Verneintes ist es doch, aber nur um des Positiven willen.Der „Krieg“, die Differenz macht so erst das Vernünftige zum Vernünftigen denn ohne diese Differenz versinkte alles in einem grauen Einerlei,ohne daß dann noch etwas Bestimmtes sein könnte.

Deshalb könnte geurteilt werden, daß es vernünftig ist, daß das Nichtvernünftige ist, aber es ist nur um des Anderen willen und ist deshalb nicht ein wirklich Seiendes. Das ist nur das, was um seiner selbst willen ist.Kein Mensch könnte eine moralische Handlung vollziehen, wenn es nicht die Möglichkeit zu einem nichtmoralischen Handeln gäbe. Hätte Gott eine Welt geschaffen, in der es keine Möglichkeit zum Bösen gäbe, hätte er eine ohne die Möglichkeit der Moralität erschaffen. Dabei ergibt sich diese Paradoxie: Das Nichtmoralische mußte in der Welt sein, damit es als eine Möglichkeit auch realiserbar ist und es mußte freiwillig entstehen, denn nur freiwillig gewollt und gewirkt ist es ein moralisch qualifizierbar Böses. Ansonst wäre es nur eine Fehlfunktion in einer dann nicht ganz perfekt erschaffenen Welt. Genau das erzählt uns der Mythos vom Sündenfall Adams und Evas. In der Welt nach dem Sündenfall war das Unmoralische ja notwendig da, wie es die Erbsündenlehre expliziert. Aber die Sünde ist nur, damit der Erlöser uns von ihr befreit, damit wir wieder zu wirklichen Menschen werden. In dem Urteil Jesu ist der Mensch der Sünde ja kein wirklicher Mensch mehr, denn er sagt ja: „Lasse die Toten die Toten begraben!“

Zusatz:

Die Königsherrschaft Christi kann nicht reduziert werden auf die Differenz zwischen wie wir leben sollten und wie wir faktisch leben, als könne die Herrschaft Gottes sich nur durch unser moralisches Handeln realisieren als hätte Jesus nur unsere Hände, durch die er seine Königsherrschaft realisieren könnte. 

Dienstag, 30. Juli 2024

Wurde das Christentum und die westliche Kultur durch die Abendmahlspersiflage der Olympischen Spiele 2014 verhöhnt?

 

Wurde das Christentum und die westliche Kultur durch die Abendmahlspersiflage der Olympischen Spiele 2014 verhöhnt?


Sebastian Lukomski, CitizenGO <petitionen@citizengo.org> urteilte am 30.7.2024 so: „Auf der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2024 in Paris am vergangenen Freitag, den 26. Juli, wurden das Christentum und die westliche Kultur auf die denkbar anstößigste Weise verhöhnt.“ Daß die quasi offiziöse Internetsauftrittsseite der Deutschen Bischofskonferenz Kath de hier keine Verhöhnung und keinen Angriff auf das Zentrum des christlichen Glaubens erkennt, wird keinen irritieren, fühlt man sich doch da der LGBT- Ideologie so stark verbunden,daß man halt eine antikatholische Aktion dieser Gesinnungsfreunde nicht kritisieren mag.

Aber hinter dem „und die westliche Kultur“ möchte ich doch ein kleines Fragezeichen setzen. Das Problem steckt verborgen in dem Begriff der „westlichen Kultur“.denn was ist damit präzise gemeint? Offenkundig ist damit nicht das christliche Abendland gemeint, denn zu dem gehörte stets auch Osteuropa und Rußland. Wie könnte man verkennen, daß das zaristische Rußland ein christlich geprägtes Land war, aber wer von der „westlichen Kultur“schreibt, meint ja Westeuropa unter der Vorherrschaft Amerikas im Kontrast zu Osteuropa. Als die Substanz dieser Westkultur ist somit die Marktwirtschaft, der liberal-dmokratische Rechtsstaat und als das dies alle tragende Fundament: die Menschenrechte anzusehen.

Daß die Intention dieser Persiflage auf die erste Eucharistiefeier Jesu Christi die Verhöhnung der christlichen Religion ist, ist unübersehbar. Diejenigen, die das bestreiten, sie würden mehr als empört reagieren,wenn in vergleichsweiser deftigen Art der Gründer der islamischen Religion attackiert worden wäre. Da spräche dann keiner mehr von der Freiheit der Kunst und der Pflicht zur Toleranz gegenüber einer einem anstößig erscheinenden Kunst. Aber steht diese Verhöhnung der christlichen Religion in einem Widerspruch zur „westlichen Kultur“? Könnte der Eindruck, daß die „westliche Kultur“ eine zumindest christlich fundierte sei, daß so ihr Mutterboden das christliche Abendland sei, sich der Konfrontation mit dem kommunistischen Atheismus der Ostblockstaaten verdanke, wobei dann aber die Auflösung des christlichen Fundamentes des einstigen Abendlandes übersehen wurde und wird?

Was an der Marktwirtschaft, dem liberal-demokratischen Rechtsstaat und den Menschenrechten sollte denn nun christlich sein oder als ein Derivat der christlichen Religion rekonstruierbar sein? Konkreter wäre nachzufragen, inwiefern denn dieser polemische Angriff wider die christliche Religion der „westlichen Kultur“ widerspricht. Es könnte ja die These vertreten werden, daß die Aufklärung als der Versuch der Domestikation der christlichen Religion nach dem 30 Jährigen innnerchristlichen Religionskrieg den Anfang der Abwendung vom Konzept des christlichen Abendlandes bildete, daß darauf die Entchristianisierung voranschritt mit dem Ende des 1.Weltkrieges, als die drei großen christlichen Monarchien Österreiches, Deutschlandes und Rußlands zerstört wurden. Begann damit nicht die westliche Kultur, die sich so von der christlichen Religion emanzipierte?

Wer nun 100 Jahre retour schaut, dem muß die so erblickte Zeit noch recht christlich geprägt vorkommen, aber war sie da nicht schon im Prozeß des Sichauflösens begriffen? Man stelle sich eine einfache Frage: Welcher bedeutende Künstler, Kulturschaffender nach dem 1.Weltkrieg war noch dezidiert christlich und schuf noch von der christlichen Religion geprägte Werke? Gab es noch eine Philosophie, die sich für die christliche Religion interessierte, die ihr noch wichtig war? Die Wirtschaft und die Wissenschaften emanzipierten sich zusehens von der Religion. Eine christlich geprägte Staatspolitik, wo wäre sie noch wahrnehmbar?

Wenn die Aufklärung als die Geburtsstunde der „westlichen Kultur“ angesehen werden dürfte, dann kann ihre vorwiegend christentumskritische Tendenz nicht überlesen werden, auch wenn die deutschen Aufklärer weniger radical religionskritisch sich verstanden als die französischen und eringländischen, ja wohl neben Kant der bedeutendste deutsche Philosoph Hegel noch eine Synthese der Vernunft mit der christlichen Religion in seiner Philosophie konzipierte. Nur, setzten sich nicht Feuerbach, Marx, Nietzsche und Freund durch und nicht der der christlichen Religion zugeneigter deutscher Idealismus? Die Volksfrömmigkeit nicht nur in Bayern lebte noch weiter, als die Hochkultur sich schon von der christlichen Religion verabschiedete, aber was ist denn nun noch heute davon hier in Westeuropa übriggeblieben und wird noch gelebt?

Es spricht Manches dafür, die „westliche Kultur“ selbst schon als eine Emanzipationsbewegung weg von den christlichen Fundamenten des Abendlandes zu begreifen ist, die nun in dieser offenen Verhöhnung der christlichen Religion ihren vulgärsten Ausdruck fand. Und man darf doch auch mal sehr kritisch fragen, ob das Christentum in Westeuropa zumindest auch nichts anderes mehr ist als der Glaube an die Menschenrechte und an die liberal-demokratische Ordnung als die allerbeste und wunderbarste. Das christliche Abendland als verteidigungswürdig zu erachten, gilt doch inzwischen der Kirche als eine rechtsradicale Parole, und man stattdessen lieber die Islamisierung Europas fördern will!

Zusatz:

Kann man wirklich noch die Augen davor verschließen, daß die Homosexparaden des "CSD" authentischer die "westliche Kultur" widerspiegeln als die noch stattfindenden Fronleichnamsprozessionen?  Die LGBT wird hoferiert, wer hoferiert noch die Katholische Kirche! Ist es wirklich nicht symptomatisch, daß der Präsidentschaftskandidat Donald Trump: Trump über die Eröffnungsfeier in Paris: Eine Schande! (Kath net am 30..7.2024) als eine Gefahr für die Demokratie und für die westliche Kultur bezeichnet wird?












Freitag, 29. März 2024

Ostern:der Sieg des Lebens über den Tod? Eine nicht mehr verstehbare und somit verdrängte Botschaft?

 

Ostern:der Sieg des Lebens über den Tod? Eine nicht mehr verstehbare und somit verdrängte Botschaft?


Wer nie in seinem Leben ernsthaft erkrankte, wie soll der die Botschaft: „Du wirst wieder gesunden!“verstehen können? Wie soll sich ihm der Wert der Gesundheit erschließen? Es ist zwar ein Allgemeinplatz,daß erst der Verlust von etwas uns den Wert davon erschließt, aber das ist wahr. Wem das als eine maßlose Übertreibung vorkommt, dem rate ich zu diesem Selbstexperiment: Ich wache am frühen Morgen auf, dunkel ist alles um mich, ich schalte meine ertastete Nachttischlampe an: Es bleibt dunkel....es braucht eine Zeit, bis mir das Entsetzliche vor meinen Augen steht. Über Nacht bin ich erblindet. Nur noch ein Wunsch beherrscht mich: O könnte ich doch wieder sehen, das wäre mein größtes Glück! Jeden Tag wachen wir des Morgens auf: Danken wir unserem Schöpfer, daß wir nicht blind sondern sehend erwachten?

Wer über das Leben, gar das ewige wahrhaftig sprechen will, kann das so nur, wenn er wahrhaftig über den Tod eine Auskunft geben kann. Wüßten wir nichts vom Tod, blieb uns die Botschaft von dem verheißenden ewigen Leben etwas unbegreiflich Mirakulöses.

Meine These lautet nun, daß der moderne/postmoderne Mensch zu gut über den Tod Bescheid weiß, als daß ihn die Verkündigung eines ewigen Lebens als die Osterbotschaft noch erreichen könnte.Auch wenn wohl nur noch philosophisch Gebildete den Philosophen Epikur namentlich kennen oder gar irgendetwas von seiner Lehre wissen, hat sein Verständnis des Todes sich in der Welt durchgesetzt. Sein Anliegen ist ein wahrhaft therapeutisches, denn er wollte die Menschen vor ihrer Furcht vor dem Tode befreien,womit er objektiv zu dem Antipoden zur christlichen Überwindung der Furcht vor dem Tode durch das Osterevangelium wurde, wohl zu dem erfolgreichsten. Er stellte sich der Frage: Wie muß das Todsein gedacht werden, damit unsere Erwartung unseres Todseins nicht zu einer Angst vor unserem Todsein wird? Diese Konstruktion des Todseins fand er, um diese Furcht zu überwinden und den Menschen mit seinem Geschick des Sterbenmüssens und seines Todseins zu versöhnen: „Solange ich lebe,ist der Tod nicht und wenn der Tod ist, bin nicht Ich, also kann es meinen Tod gar nicht geben. „Meinen Tod“ gibt es nur für die Anderen.Unser menschliches Lebensziel, gut zu leben, bedeutet, alle möglichen Leiderfahrungen zu minimieren und alle möglichen Lusterfahrungen zu erleben. Das Todsein ist somit ein ewig währender Zustand, in dem es für mich zwar keine Lusterfahrungen mehr geben kann aber genauso wenig Leiderfahrungen, denn das Ich, durch das etwas Erfahrenes zu meiner Erfahrung erst werden kann, nichtet der Tod und verunmöglicht so irgendein Erleben für mich.

Wie wenn ein Geschäftsmann sein Geschäft auflöst,wenn er statt Gewinne zu erwirtschaften nur noch Verluste schreibt und keine Hoffnung mehr auf „schwarze Zahlen“ hegt,so könne der Mensch auch sein Leben beenden, wenn er nur noch Negativerfahrungen für sein weiteres Leben erwartet. Stirbt er, freiwilllig oder ungewollt, dann kann er sich damit trösten,nie mehr Leid erfahren zu müssen,obschon er dann auch nichts Positives mehr erfahren werden kann. Die ewige „Ruhe“ des Todes tröstet dann gar. (Ursprünglich meint die „Ruhe“ in der Bibel etwas völlig anderes, daß nämlich Gott sein Volk Israel vor seinen Feinden so schützt, daß sie eine Zeitlang im Frieden leben konnten, das ist ohne mit Kriegen überzogen zu werden.)Wer daraufhin die Todesanzeigen in den Zeitungen aber auch in Beerdigungsansprachen kritisch mithört, kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß das „ewige Ruhen in Gott“ sich kaum noch von der Verheißung Epikurs, nie mehr leiden zu müssen, wenn man verstorben ist, unterscheidet.Statt ewig zu leben, schlafe man ewig traum-und alptraumlos.

Die Vorherrschaft eines biologistisch-naturalistischen Menschenverständnisses erleichtert dann die Akzeptanz eines so gearteten epikureischen Todesverständnisses: „Nie mehr wirst Du leiden, bist Du erst tot!“ Eine Epoche der Dekadenz, des geschwächten Lebenswillens, also gerade auch die unserige ist dann noch besonders anfällig für dies Todesverständnis. So denkt sich jeder, der den Freitod erwählt, sein Todsein im Sinne Epikurs, daß er dann zwar nichts Positives mehr erleben können wird aber auch und gerade nichts Negatives mehr!

Die christliche Religion versteht nun aber das Todsein völlig anders und findet in Platon ihre philosophische Fundierung: Der Tod ist die Trennung der unsterblichen Seele von ihrem Leibe, der zwar zerfällt, aber nicht löst sich die Seele ebenso auf. Mein Ich erfährt und erleidet so sein eigenes Todsein. Jesu Christi Hinabstieg in das Reich des Todes, früher sagte die Kirche noch klarer in das Reich der Hölle, ist das Geschick jeder Seele nach ihrem Auszug aus seinem Körper. Die Weiterexistenz in der „Unterwelt“, griechisch der „Hades“, hebräisch: die „Sheol“ ist so unser aller Geschick. Dieser Zustand wird erlitten, denn das Subjekt, das Ich, durch das etwas zu meiner Erfahrung erst werden kann, wird nicht durch den Tod ausgelöscht und nur deshalb gibt es meinen Tod. Die Unsterblichkeit meiner Seele ist so die denknotwendige Voraussetzung dafür, daß es meinen Tod auch wirklich geben kann.Darum erfreut sich eben auch ein rein materialistisches Menschenverständnis so großer Beliebtheit, denn nur dann kann das Todsein als ein einfaches Nichtmehrsein vorgestellt werden.

Theologisch wird die Weiterexistenz der Seele, des Iches in der „Unterwelt“ als das radicale Getrenntsein von Gott begriffen, ein Sein in der völligen Gottverlassenheit.Gottes Liebe hat den Verstorbenen verlassen, wie Gott seinen Sohn am Kreuze verließ. Darum kann die Bibel auch von den Sündern sprechen wie von Toten, es gibt also schon ein Todsein vor dem Sterben, wenn der Sünder sich ganz von Gott abgewendet hat. Ostern rettete Gott seinen Sohn aus der Unterwelt, aus seiner Gottverlassenheit, indem er ihn zum ewigen Leben auferweckte.

Das Osterevangelium sagt eben nicht, daß Jesus nie von Gott verlassen gestorben ist, sondern daß der wahrhaft tot Gewesenen von Gott in ein neues Leben gerufen worden ist. Ist das Todsein so das ewige Getrenntsein der Seele von Gott in seinem Dasein in der „Unterwelt“, der Welt außerhalb der Liebe Gottes so ist das ewige Leben das ewige Sein in Gottes Liebe zu uns, die wir selbst auch als diese erfahren.Nur dies Osterevangelium steht heute im Widerstreit zu dem „Evangelium“ Epikurs, daß es den meinigen Tod für mich gar nicht gibt, daß der Tod zum Leben natürlich dazugehört und das Positive, nie mehr leiden zu müssen, als seine Verheißung in sich birgt. 

Merksätze:

Ostern ist nicht die Widerlegung Jesu Schmerzensausruf: "Mein Gott, warum hast Du mich verlassen", das war das schlimmste Kreuzesleiden des Sohnes Gottes, als hätte er sich da halt geirrt, nein: Ostern ist Gottes  Rettungstat aus dem Tode, der Gottverlassenheit Jesu Christi.

Eine Theologie, die auf jegliche philoophische Fundierung zu verzichten meint zu können, also eine biblizistische destruiert sich selbst. Aber nicht jede Philosophie ist gleich gut geeignet für die Theologie- der Platonismus ist gewiß die nützlichste Philosophie für das theologische Denken.   


Freitag, 2. Februar 2024

Eine katholische Morallehre ohne die Gebote Gottes und ohne Gott?

 

Eine katholische Morallehre ohne die Gebote Gottes und ohne Gott?  Oder es lebe die "Autonomie"!


Kant folgend wird in der Moraltheologie die These vertreten, daß das jedem Menschen zueigene Vermögen, zu erkennen, was gut und gerecht sei, ein Offenbaren göttlicher Gebote völlig überflüssig mache, ja daß so offenbarte Gesetze auch der Autonomie des Menschen widersprächen und wenn doch Gott Gesetze offenbart hätte, die doch nur das beinhalten könnten, was die menschliche Vernunft nun aus sich heraus schon als das Gesollte erkennen könne. Ihren Sitz im Leben hat diese Moralvorstellung in dem Willen der Aufklärung, den Menschen von der Kirche zu emanzipieren,indem gelehrt wurde, daß die Vernunft allein ausreiche für das richtige moralische Leben und auch für die Religion.

Das Ziel einer vernünftigen Morallehre kann nun aber nur das gute Leben des Einzelnen oder das einer sozialen Gemeinschaft sein. Dabei kann unter dem guten Leben, daß es einem gut geht oder daß man moralisch gut lebt, gemeint sein. Ein reductionistischer Ansatz wäre nun der, daß die Moral das Miteinander der Menschen so zu regulieren habe, daß dann jeder nach seinem Belieben leben kann, wenn dabei die Lebensweise der Anderen nicht gestört würde. Diese Regulierung wäre dann nicht schon für sich das gute Leben, sondern nur der Ermöglichungsgrund für das Gutleben jedes Bürgers nach seinem Geschmack.

Wenn all das im Vermögen der natürlichen Vernunft läge, wie kann sie dann aber erkennen, was Gott von uns will, was dann ein gottgefälliges Leben wäre? Das Ziel der Moraltheologie ist ja die Beantwortung der Frage: Wie habe ich zu leben,um Gott so zu gefallen, daß ich in das ewige Leben eingehen werde? Wer diese Frage anfängt zu durchdenken, wird einräumen müssen, daß sie die Vernunft nicht respondieren kann.Den Ordo Salutis hat Gott selbst festgesetzt und wenn er ihn uns nicht offenbarte, könnten wir den nicht aus uns selbst erkennen. Der Vernunft ist etwa die Heilsnotwendigkeit der Taufe oder des Glaubens an Gott nicht zugänglich. Sie könnte nur sagen, daß Gott wohl nicht mehr als das von uns vernünftig Erkennbare und somit Leistbare verlange, um das ewige Leben zu erlangen, aber sie kann nicht mehr ihre Hoffnung, daß Gott nur dies von uns verlange, begründen! Es ist nur eine rein optativische Aussage. Gott ist als Souverän völlig frei darin, wie er und ob er überhaupt einen Ordo Salutis bestimmt. Das festzuhalten, ist der große Verdienst Wilhelm Ockhams.

Nur wenn die Moraltheologie sich transformierte zu der Frage nach den Möglichkeiten eines guten Lebens auf Erden, könnte sie sich auf das der Vernunft Erkennbare limitieren, aber sie wäre damit keine theologische Disziplin mehr.

Unter Physikern wird kolportiert, daß Gott jeden Tag die neuesten Erkenntnisse der Physik studiere, um seine Schöpfung täglich auf diese neuesten Erkenntnisse hin zu  kalibrieren. Moraltheologen glauben so an den ihre Bücher lesenden Gott:Schreiben wir nur oft genug, daß die  praktizierte Homosexualtät keine Sünde sei, wird er es auch anfangen zu glauben. 


Donnerstag, 18. Januar 2024

Ein Versuch zur „Diktatur des Relativismus“ Papst Benedikt XVI.

 

Ein Versuch zur „Diktatur des Relativismus“


Papst Benedikts Kritik einer „Diktatur des Relativismus“ blieb unerhört, die einen verwarfen diese Kritik, die anderen mißachteten sie.Nicht nur diesem Papst gilt nun das vernünftige Denken,die Philosophie als das Heilmittel wider einen solchen Relativismus, und fundiert die Philosophie mit ihrer Metaphysik auch die Theologie, wenn die Gotteserkenntnis der Theologie sich fundiert in der natürlichen Gotteserkenntnis der Philosophie. „In seiner Bonner Antrittsvorlesung Zum Problem der theologia naturalis bezeichnet Ratzinger das Philosophische als „geradezu die missionarische Dimension des Gottesbegriffs“, nämlich als „jenes Moment, womit er sich – sc. in der allgemeinen Sprache der menschlichen Vernunft– verständlich macht nach außen hin.“ Die Philosophie ist demzufolge die historische Erscheinungsgestalt, die den transzendentalen Gottesglaubenin allgemein er Verständlichkeit extra muros zum Ausdruck bringt.“ Christoph Böhr,Religion und Politik, Portal zur katholischen Geisteswelt, 17.Jänner 2024.

Aber die nachmetaphysische Philosophie der Neuzeit scheint das nicht mehr zu leisten, was nicht nur Papst Benedikt und nicht nur er von ihr erwartet.Die Vernunft gliedert sich im Sinne Kants in die theoretische, als die der Unterscheidung von wahr und falsch, in die praktische,als die der Unterscheidung von gut und böse und die der ästhetischen als die der Unterscheidung von dem Schönen, bzw dem Erhabenen und dem Häßlichen auf.

Im Bereich der Kunst ist die Formel: „Über Geschmack läßt sich nicht streiten“ zum Allgemeingut geworden. Die Qualität eines Kunstwerkes sei eben nur das Produkt eines rein subjektiven Geschmacksurteiles und wenn dann vielen ein Kunstwerk gefalle, werde das zu einem allgemein anerkannten Werk. So bedeutet die Aussage: „Dieser Roman ist ein guter Roman“ nichts anderes als daß er dem dies Aussagende gefalle. Nur besagt die sprachliche Aussage etwas ganz anderes, indem sie hier eine objektive Qualität des Romanes tätigt. Aus relativistischer Perspektive ist aber dies objektivistische Urteil eine Anmaßung, das eigene Geschmacksurteil verabsolutierend. Daß das der Ausgang des philosophischen Diskurses über die Ästhetik sein soll, kann kein Kunstliebhaber befriedigen.

Soziologische Analysen könnten dann noch ästhetische Werturteile auf ihre Bedeutung für das Dazugehören zu bestimmten sozialen Millieus erklären. Etwa wird man als Akademiker nicht die deutsche Volksmusik oder gar deutsche Schlager schätzen dürfen, will man in einem solchen Millieu anerkannt werden und nicht Fontane und Thomas Mann als größte deutsche Schriftsteller bewundern, wenn man nicht als ewig Gestriger, als ein Conservativer gelten möchte.

Wenn nun die ästhetische Vernunft so vollständig kapituliert, wird sich dann diese Destruktion nicht auch auf die zwei anderen Vernünfte globalisieren?Daß das, was wir gestern als moralisch gut beurteilten, morgen als nicht mehr gut uns erscheint und daß Wahrheiten der theoretischen Vernunft permanent durch neue Erkenntnisse entwertet werden?

Im aktuellen theologischen Diskurs ist das fast schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden, daß jedes Dogma als etwas zeit-geschichtlich Bedingtes seines Wahrheitsgehaltes beraubt wird. Noch ärger tritt dies im moraltheologischen Diskurs in Erscheinung: Alles, fast alles soll hier als nicht mehr zeitgemäß entwertet werden.

Als wahr soll nur noch gelten, was Mehrheiten als wahr anerkennen, bis sich die Meinung dazu halt ändert. Es könnte von einer konsequenten Verdemokratisierung der Wahrheit gesprochen werden. Jesus hätte so seine Schüler fragen müssen: „Was denken die Menschen so über mich?, erzählt es mir, damit ich erkennen kann, wer ich bin!“ Wahr ist eben, was die Mehrheit für wahr hält.

Wie kann nun aber ein Ausweg aus dieser Krise der Vernunft gefunden werden, wenn die Gegenwartsphilosophie selbst diesen Relativismus fördert? Wenn aber die Philosophie die Theologie als Metaphysik nicht mehr stützen kann, dann läuft die Theologie Gefahr, nur noch eine historische Wissenschaft zu werden, was wer wann geglaubt hat und was jetzt geglaubt wird als aktualistischen Beitrag. „Alles fließt“, dies Votum Heraklits scheint nun alle Wahrheitserkenntnis sowohl der Philosophie als auch der Theologie aufzulösen. So bliebe einerseits nur ein völliger Relativismus übrig, dem dann andererseits eine Willkürherrschaft einiger verabsolutisierter Meinungen korrespondiert, die Herrschaft der Politischen Korrektheit.

Dienstag, 12. Dezember 2023

Was es alles angeblich nicht gibt- von Engeln, Gebetserhörungn, bis zum Ich...

Was es alles angeblich nicht gibt- von Engeln, Gebetserhörungn, bis zum Ich...


Fangen wir mal ganz obskurantistisch an, um in diesem Meer der Unklarheiten wenigstens noch etwas Gewisses auf dem Papier stehen zu haben! Ein Leserbriefschreiber frägt den Autoren der Romanserie:“Tony Ballard“: „Kann man mit Weihrauch Dämonen vernichten?“ (A.F.Morland, In den Klauen der Knochenmänner, Tony Ballard, Bd 42, S.35). Der Frager erwartet nun wirklich eine wahre, eine richtige Antwort, die er dann auch bekommt: „Mit Weihrauch lassen sich Dämonen nur vertreiben, aber nicht vernichten.“ Ist diese Antwort nun völlig sinnwidrig unsinnig? Aber der so Gefragte gibt doch diese Antwort, die er gar auf der Leserseite dieses Romanes publiziert in der Erwartung, so diesem und wohl nicht nur diesem eine zufrieden stellende Antwort gegeben zu haben. Wie ist das aber möglich?


Spontan könnte man meinen, daß wahre Aussagen nur über Etwasse gemacht werden können, die wirklich existieren.Man müsse ja an der Wirklichkeit überprüfen können,ob die Aussage wahr sei, Die Aussage:“Das Buch ist rot“, gilt als eine wahre Aussage, wenn ich auf das Buch zeige, das ich damit bezeichne, und jeder dann zustimmte:“Ja, das ist rot!“ Dann könnte es außer der Aussage, das existiert nicht, keine wahre Aussage geben über etwas, das nicht existiert.

Die Aussage: „Vampire ernähren sich von Blut“ ist wahr und wird nicht durch die wahre Aussage: „Vampire gibt es nicht“ unwahr. Wie ist das möglich, daß diese zwei Aussagen wahr sein können?

Suchen wir Hilfe aus dem Vorstellungsraum der Mathematik: Zwischen 0 bis 1 existieren unendlich viele Dezimalzahlen, etwa 0,1, oder 0,99.Aber Eindrittel, obzwar zwischen 0 und 1 als Zahl existierend, existiert nicht als eine Dezimalzahl zwischen 0 und 1. Es existiert eine Zahlenmenge, zu der Eindrittel nicht gehört und doch existiert diese Zahl. Existieren bedeutet also zu einer bestimmten Menge von Elementen zu gehören. Es existieren aber sehr viele verschiedene Mengen von Elementen. So existiert die Vorstellungswelt der Horrorromane mit ihren Elementen, zu deren Elemente die Existenz von Daimonen gehört und zu der die Frage gehört: „Wie können Daimonen vernichtet werden?“ In dieser Vorstellungswelt mit ihren Elementen paßt die Aussage, daß Daimonen durch Weihwasser vertrieben werden können.

In die Vorstellungswelt der zeitgenössischen Theologie paßt diese Aussage nicht, denn in ihr existiert weder das Element „Daimon“ noch die Frage ihrer Vernichtbarkeit. Die Zahl Eindrittel existiert ja auch nicht in der Menge aller Dezimalzahlen. Ob etwas existiert,hängt also ab von der gewählten Vorstellungswelt mit ihren darunter zähligen Elementen. So existieren von Weihwasser verscheuchbare Daimonen und sie existieren auch nicht.

So „beweist“ der Philosoph Hume, daß Engel nicht existieren, „Zu Humes Zeiten war die Vorstellung verbreitet, daß es Engel gibt.“ (J.Garder, Sofies Welt, Kapitel Hume). „Unter einem Engel verstehen wir eine Männergestalt mit Flügeln.“ Es wird dann die rhetorische Frage erhoben:Sahst Du je so ein Wesen? Im Hintergrund steht die schlichte These: Als wahrhaft existierend gelten nur sinnliche wahrnehmbare Etwasse. Die Vorstellung eines Engels sei also das Produkt einer Zusammenfügung von 2 sehbaren Etwassen, von einem Mann und von Flügeln.Dies so Zusammengefügte existiere nicht, nur die 2 sehbaren Größen, die zu etwas Nichtexistierenden zusamenkomponiert wurden. Wenn als existierend nur die Menge alles sinnlich Wahrnehmbaren gilt, kann ein Engel nicht als existierend ausgesagt werden, da Engel nicht von allen Menschen sehbar sind.Würde es ausreichen, daß Engel von bestimmten Menschen gesehen worden sind, dann müßten sie als existierend gelten. Aber hier würde dann eingewandt werden: Was nicht von jedem Menschen gesehen werden kann, der sehen kann, kann auch nicht von einzelnen gesehen worden sein.

Hume beweist dann so auch, daß es kein Ich gäbe, das etwas tut oder erleidet, sondern nur Tätigkeiten und Empfindungen, die einem Ich zugeschrieben werden. Auch hier würde illegitim etwas zusammengesetzt: Zu einer Empfindung würde ein Ich dazuphantasiert als Träger dieser Empfindungen.

„Also ist das Gefühl, einen unveränderlichen Persönlichkeitskern zu haben, eine falsche Vorstellung. Unsere Ich-Vorstellung besteht in Wirklichkeit aus einer langen Kette aus Einzeleindrücken, die du noch nie gleichzeitig erlebt hast.“ Wie dann aber aus einem Einzeleindruck, dem der Angst ein: Ich ängstige mich, bzw ich nehme mich als mich ängstigend wahr, wird, bleibt ungeklärt. Das soll es einfach nicht geben, weil das Ich kein Element der Menge des sinnlich Wahrnehmbares ist.

Modernistische Theologen urteilen nun, da alle Ereignisse der Welt nur weltimmament erklärbare Ereignisse sind, daß kein von Gott gewirktes Ereignis ein Element der möglichen Ereignisse der Welt sein kann, sodaß es solche Ereignisse nicht geben kann. Also kann es auch keine Gebetserhörungen geben, denn das wäre ja ein von Gott gewirktes Ereignis, und ein solches ist kein Element der Menge aller möglichen Weltereignisse. Weil Gott nicht in der Welt handeln könne, kann er auch keine Bittgebete erhören. (Vgl dazu Prof Böttigheimer, Die Krise des Bittgebetes)

Es wird also eine bestimmte Menge von Elementen festgelegt und nur was dann ein Element dieser Menge ist, gilt dann als existierend. So kann dann auch die Welt als eine Menge von Elementen definiert werden, in der jedes Element hinreichend aus der Welt selbst als bestimmbar gilt. In einer so definierten Welt kann es dann tatsächlich keine Gebetserhörungen geben, wie es im Raume der Dezimalzahlen nicht das Element Eindrittel gibt.

Realiter existieren wir Menschen in vielen verschiedenen Vorstellungswelten: Wer etwa wissen will, wie Bayern München 1:5 gegen Frankfurt verlieren konnte, wird zur Lösung dieser Frage in einer anderen Vorstellungswelt mit ihren Elementen dafür eine Antwort suchen, als wenn man frägt: Warum hat Gott das Gebet des Königs David: „Verschone mein Kind“ nicht erhört und das anderer doch? 

Es gibt so in der Totalität aller wirklichen und möglichen Ereignisse in der Welt die Menge der allein weltimmanent erklärbaren Ereignisse, die Menge der durch ein Zusammenwirken von Gott als der Erst und Weltlichem als der Zweitursache erklärbaren Ereignisse und die Menge der allein durch Gott erklärbaren Ereignisse, Wunder genannt. 




 

Freitag, 1. Dezember 2023

Zum Niedergang der christlichen Religion – ein überraschender Fund

Zum Niedergang der christlichen Religion – ein überraschender Fund


Wer hätte wohl gedacht, daß in dem so erfolgreichen,inzwischen in über 40 Sprachen übersetzenden Roman:“Sofies Welt“ von Jostein Gaarder sich für diesen Niedergang verantwortlich zu machende Elemente auffinden lassen.Der Autor habe Philosophie,Theologie und Literaturwissenschaft studiert und doziere nun als Philosophieprofessor. Nichts Extravagantes oder Originelles sondern die Vulgärität zeichnet dabei diese Elemente aus. Nicht wird hier nun der Roman besprochen, dem nicht abgesprochen werden kann, eine gut geschriebene Einführung in die Geschichte des philosophischen Denkens zu sein, sondern es soll sich auf wenige simple Phrasen kapriziert werden, die wohl gerade deshalb auch so wirkmächtig sind.

In dem Kapitel: „Eine göttliche Stimme“,in dem auch Sokrates mit Jesus verglichen wird, ist zu lesen: Sokrates und Jesus „forderten die Machthaber in der Gesellschaft heraus,weil sie alle Formen von Ungerechtigkeit und Machtmißbrauch kritisierten. Und nicht zuletzt: Diese Tätigkeit kostete beide das Leben.“ Jemand, der Theologie studiert hatte, schreibt über Jesu Christi Kreuzestod, daß er gekreuzigt worden sei ob seiner Kritik an den Mächtigen seiner Zeit. Kann man noch vulgärer über das Kreuz Christi denken? Diese völlige Verständnislosigkeit über das Heilsereignis Jesu Christi ist nicht nur symptomatisch für das Verlöschen der Lebenskraft der christlichen Religion sondern auch ursächlich dafür, denn diese rabiate Reduktion Jesu auf einen Gesellschaftskritiker tötet die christliche Religion.

Zusatz:

Dies Buch schrieb ein Theologe! Was hat der nur an der theologischen Fakultät gelernt?

Sofie lernt und als eine ihrer ersten Einsichten formuliert sie: „Sie begriff,daß die Menschen immer ein Bedürfnis nach Erklärungen für die Naturprozesse gehabt hatten.Vielleicht konnten die Menschen ohne solche Erklärungen nicht leben.Und deshalb hatten sie damals, als es noch keine Wissenschaft gab, die Mythen ersonnen.“ So sei „Das mythische Weltbild“ entstanden, deren Auflösung wir der Wissenschaft zu verdanken haben. Ob aber der Gehalt von Mythen sich darin erschöpft, daß er vollständig von den Naturwissenschaften ersetzbar ist, bleibt in diesem Buchkapitel ungefragt.

Eng verbunden mit den Mythen sei nun aber auch der Aberglaube. Götter bewirkten Gesundheit und Krankheit,wirkten auch in der Geschichte: „Die Griechen der frühen Zeit hatten auch für Krankheiten die Götter verantwortlich gemacht.So wurden ansteckende Krankheiten oft als Strafe der Götter bezeichnet.“, heißt es so in dem Kapitel: „Geschichtswissenschaft und Medizin“.Noch abergläubischer: „Andererseits konnten die Götter Menschen gesund machen, wenn ihnen nur die richtigen Opfer dargebracht wurden.“Aber die Medizin und die Geschichts-wissenschaft beseitigte dann solch mythologisch abergläubische Vorstellungen.So löste sich dann auch die mythologische Vorstellung einer göttlichen Vorsehung und des Schicksales auf: All das verschwand dank der Wissenschaft.

Und so kann dann Jesus auch nur noch ein Gesellschaftskritiker gewesen sein, denn dann die Mächtigen töteten. Alle Mythologie und alle Religion ist so vollständig durch die Wissenschaft ersetzbar, sie konnten es ja auch nur geben in wissenschaftslosen Zeiten.

Darum wird am Schluß die Frage: „Aber an irgend etwas Übernatürliches glaubst du nicht?“so beantwortet: „Allein der Ausdruck >übernatürlich< kommt mir immer ein bißchen komisch vor.Nein,ich glaube wohl,daß es nur eine Natur gibt. Aber die ist zum Ausgleich höchst erstaunlich.“ Zur Klarstellung wird dann diese Nachfrage bejaht: „Das Übernatürliche gibt es also nur in den Büchern,die du mir gezeigt hast?“,aber undogmatisch: man könnte sich offen halten für die rein theoretische Möglichkeit, daß da noch was sein könnte. (Kapitel: Unsere eigene Zeit...der Mensch ist zur Freiheit verurteilt) Alle Mythologie, alle Religion endet so im rein wissenschaftlichen Denken, das als undogmatisches nicht das Nichtsein alles Übernatürlichen behaupten will, aber es als überholt ad acta legt. 

 

 

Montag, 25. September 2023

Von was man nicht mehr in der Kirche redet? Wird so die Kirche vernünftiger?

Von was man nicht mehr in der Kirche redet? Wird so die Kirche vernünftiger? Ist Offenbartes unvernünftig?


Einst erhoben Philosophen, also professionelle Denker gegen den Wahrheitsgehalt der Bibel gewichtige Einwände: Diese neue Religion bezeichne die Bibel als das Fundament ihrer Religion. Wenn diese nun offenkundige Unwahrheiten enthielte und zwar falsche Aussagen über Gott, dann könne die auf diesem Buche sich aufbauende Religion nicht wahr sein.


Damit wird behauptet, daß es eine rein vernünftige Gotteserkenntnis gäbe, die auch normativ für offenbarte Erkenntnisse über Gott seien, daß also nur solche Gottesaussagen einer Offenbarungsreligion als wahr gelten könnten, die mit der natürlichen Gotteserkenntnis kompatibel seien.(Vgl hierzu sehr gediegen: Norbert Fischer, Die philosophische Frage nach Gott.) Das leuchtet ein, denn wie sollte eine offenbarte Wahrheit einer Vernunfterkenntnis widersprechen, ist Gott doch selbst einerseits der Hervorbringer der Vernunft und andererseits der, der die übernatürlichen Wahrheiten offenbart.Wenn dann noch mitgedacht wird, daß alles Seiende, auf das sich das vernünftige Denken bezieht, durch den Logos selbst erschaffen wurde, ergibt das doch ein recht harmonisches Gesamtgefüge:Die Welt und alles Seiende ist von Gott gut und somit auch vernünftig erschaffen und die Vernunft, die sich denkend auf all dies bezieht,ist ja nun auch von Gott erschaffen.


Aber jeder Blick in ein Lehrbuch der Philosophie widerspricht dem: Scheinbar führt die Philosophie einen permanenten Aufklärungskampf wider die Religion. Ja, schon die große griechische Philosophie, es sei an Platon und Aristoteles erinnert,stritt wider die Göttererzählungen der griechischen Religion: Wie hier die Götter dargestellt werde, sei völlig inakzeptabel, weil es widervernünftig sei.Wer genauer nachliest, findet als Hauptanklagepunkt, daß die Götter sich in diesen mythologischen Erzählungen recht unsittlich verhielten. Wie sollten den die Menschen zu einem moralisch guten Leben geführt werden, wenn schon die Götter selbst gegen die Moral verstießen? Dies moralpädagogische Anliegen motivierte so zur Götterkritik.Es ist dann auch nur konsequent, daß Gott als das vollkommen Gute zu denken sei, denn nur so sei er moralpädagogisch gut gedacht.


Das impliziert aber eine allgemeine Kenntnis vom Guten und Bösen, der selbst die Götter oder der eine Gott sich unterzuordnen hätte, wenn er von der Vernunft als Gott anerkannt werden will: Wie hat ein Gott zu sein, damit er für uns ein Gott sein kann?


Zu Zeiten des großen Apologeten Lactantius bildete die biblische Aussage vom Zorne Gottes den Stein des Anstoßes: Die Aussage, Gott könne zürnen,ja er zürne, sei vernunftwidrig und deshalb sei das Fundament der christlichen Religion schon widerlegt, da sie falsch von Gott lehre: Sie lehre mythologisch statt vernünftig. Es gälte nun aber, den Mythos hinter sich zu lassen, um zu einem logozentristischen Denken voranzuschreiten, um es in der modernen Sprache zu formulieren.


Lactantius nahm nun die Aufgabe auf sich, zu beweisen, daß die Rede vom Zorne Gotte nicht unvernünftig sei, denn er präsumierte, daß die Bibel wahr von Gott rede und daß deshalb es in ihr auch keine widervernünftigen Aussagen über Gott geben könnten. Er bestreitet so die Vernünftigkeit der philosophischen Kritik der christlichen Gotteslehre, statt auf sie hörend eine Revision der biblischen Aussagen über Gott zu fordern. In den nachkonziliaren Zeiten ist die Theologie von dieser Praxis des Apologeten abweichend dazu übergegangen, Reformen der Gotteslehre zu fordern, da die katholische Gotteslehre dem vernünftigen Denken widerspräche! Man unterläßt es dabei aber, zu prüfen, ob denn das, was an Vernünftigkeit in der Gotteslehre gefordert wird, auch wirklich vernünftig ist!


Wenn nun gefragt wird, wie denn heute noch angeblich vernünftig über Gott in der Kirche geredet wird, dann fällt auf, daß der Gott der Bibel und der kirchlichen Lehre kaum noch präsent ist, es scheint viel mehr so,daß er ersetzt wird durch den Gott der politischen Korrektheit, der nur noch zu einem universalistischen Humanitarismus aufruft und alle verdammt, die inkorrekt denken. Daß ein solcher universalistischer Humanitarismus aber vernünftig sei, daß ist ernsthaft bezweifelbar! A.Gehlen bietet dazu immer noch in seinem Buch:“Moral und Hypermoral“ gediegenste Kritiken.


Eines muß aber theologisch eingewandt werden: Die Abkehr von den offenbarten Wahrheiten kann auf keinen Fall zu einem Mehr an der Vernünftigkeit der Kirche führen. Auch wird man spätestens seit der "Dialektiv der Aufklärung" Adornos und Horkheimers nicht mehr einfach den Mythos als das rein Unvernünftige abqualifizieren können.  Offensichtlich ist dabei doch, daß die vernünftige Kritik an der Rede von Gottes Zorn selbst keine vernünftige ist, sondern ihre Quelle in der Meinung hat: Wenn es schon einen Gott gibt, dann darf der wenigstens nicht zu fürchten sein, das müßte man aber, wenn Gott auch ein Gott des Zornes wäre. Pures Wunschdenken vernebelt hier die Vernunft.




 

Sonntag, 13. August 2023

Selbst die rohesten Völker glauben an ein jenseitiges Leben - oder: Wie tief sind wir gesunken!

Selbst die rohesten Völker glaubten an ein jenseitiges Leben Traute man dem aktuellen theologischen Diskurs, müßte man sagen, daß eines der Hauptprobleme der jetzigen Kirche und der Theologie die defizitäre Kantrezeption wäre. Ja, die nötige Modernisierung der Kirche und ihrer Theologie verlange zuvörderst, den Philosophen der Aufklärung Asyl zu gewähren, diesen als den Protestantenphilosophen verklärten Denker. Untersuchten nun Theologen Kants Denken zu der zentralen Kontroverse zwischen katholischer und reformatorischer Theologie, der Frage des Verhältnisses von der Natur zur Gnade und der Frage des freien Willens, fiele das Urteil irritierend klar aus: Kants Position ist in diesen Zentralfragen inkompatibel zur reformatorischen Theologie, ja man müßte seine Position eigentlich als pelagianistisch beurteilen, daß der Mensch, das was er soll,von seiner Natur aus auch könne ohne eine gnadenhafte Beihilfe. Nur Kants Verurteilung der Kirche als einer Institution der kultischen Gottesverehrung paßt zur liberalen Tradition des Protestantismus. Dieser Aufklärungsphilosoph urteilt nun, daß selbst „die rohesten Völker“ „einen Glauben an ein künftiges Leben,mithin ihren Himmel und ihre Hölle sollen gehabt haben;denn dieser Glaube dringt sich,kraft der allgemeinen moralischen Anlage in der menschlichen Natur,jedermann von selbst auf.“ (Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, 3.Stück,2.Abteilung: Historische Vorstellung der allmählichen Gründung, Reclamausgabe,1974,S.167) Heute würde kein Philosoph und kein Vertreter einer „vernünftigen“, aufklärungskompatiblen Religion das noch vertreten, ja die Hölle und genau genommen auch der Himmel sind doch rein mythologische widervernünftige Vorstellungen. Etwas anderes müßte Theologen irritieren: Nicht fundiert sich hier die Moral aus dem Glauben an den Himmel oder die Hölle:Wie muß ich leben, damit ich in den Himmel und nicht in die Hölle komme?,wobei die zu erfüllenden Bedingungen für den Eingang in das ewige Leben des Himmels Gott selbst offenbaren müßte, denn wie könnte die menschliche Vernunft denn erkennen, welche Bedingungen Gott bestimmt hat. (Zur Veranschaulichung: Versuche einmal, die Einlaßbedingungen in das Reich Gottes, wie sie in der Bergpredigt als Entfaltung des 15.Psalms lehrt, rein vernünftig zu rekonstruieren!) Kant setzt die Moral voraus, expliziert in seiner praktischen Vernunft, um aus ihr nicht nur die Existenz Gottes sondern auch das ewige Leben oder die Hölle als denknotwendig zu postulieren. Der Kerngedanken läßt sich so formulieren: Die Moral, die vom Menschen sittliches Leben verlangt, also ein gerechtes Leben setzt aus sich den Gedanken, daß der gut gelebt Habende (im sittlichen Sinne) auch ein gutes Leben (im Sinne des einem Gutgehens) erwarten darf. Im irdischen Leben fällt das gute Leben im Sinne der Moral und das gute Leben im Sinne des: Es geht einem gut, auseinander. Das widerspricht aber der Gerechtigkeit. Gerecht geht es nur zu, wenn es dem gut Lebenden auch gut geht und dem nicht gut lebenden auch nicht gut ergeht. Das so es am Ende sich ereignen wird, garantiert allein der allmächtige Gott, der so den Guten den Himmel, den Bösen die Hölle beschert. Also impliziert die jedem Menschen eingeschriebene Anlage zur Moralität den Glauben an ein ewiges Leben oder an die Hölle. Die Motivation zum moralischen Handeln darf nun nach Kant nicht in dem Streben nach dem ewigen Leben sein,sondern das Gute ist aus reiner Pflichterfüllung zu tuen. Das Was des Guten ist dabei durch die praktische Vernunft hinreichend erkennbar. Aber da es unrecht wäre, würde der gut Lebende im moralischen Sinne dann nicht auch ein gutes Leben hätte,garantiert Gott das gute Leben im ewigen Leben. Die Gerechtigkeit fordert aber auch die Hölle für den amoralisch gelebt Habenden. Da nun allen Menschen diese moralische Anlage zu eigen ist, müßten zumindest jedem Menschen, der über seine Bestimmung zu einem moralischen Leben nachdenkt, ein Glaube an ein ewiges Leben zu eigen sein. Dem Menschen als Vernunftwesen wäre so aufbauend auf seine Anlage zur Moralität eine natürliche vernünftige Religion zu eigen, in der an Gott und das ewige Leben und gar an die Hölle geglaubt wird. „Die Gerechten aber leben in Ewigkeit,der Herr beohnt sie,der Höchste sorgt für sie“, so heißt es in der Weisheit 5,15. Für das weisheitliche Denken der Bibel ist der gerade skizzierte Gedankengang Kants nicht völlig fremd: Es wäre ungerecht, wenn der gerecht gelebt habende nicht von Gott mit dem ewigen Leben belohnt würde. Gott ist aber gerecht. Aus dem Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit entwickelte sich so der Vertrauensglaube auf das ewige Leben. Gott verläßt die Gerechten nicht, wenn sie gestorben sind, er läßt sie nicht tot sein. So glaubte der Apostelfürst Paulus ja auch nicht an die Auferstehung der Toten, weil ihm Jesus vor Damaskus erschienen war, sondern weil er an sie als Pharisäer an sie glaubte. Das Abstruse der jetzigen Debatte um eine vernünftige aufklärungskompatible Theologie ist nun, daß das, was Kant als vernünftig zu glauben explizierte, jetzt als unvernünftig gilt. Ja, der Glaube an die Hölle sei gar vernünftig!

Mittwoch, 7. Juni 2023

Ein schleichender fast unbemerkter Wandel in der Theologie und der Kirche

Ein schleichender fast unbemerkter Wandel in der Theologie und der Kirche Augenfällige Ereignisse ziehen die Aufmerksamkeit der Medien und so auch der Medienkonsumenten auf sich, sodaß die subkutanen Veränderungen wenig Beachtung finden. Wenn man sich die traditionelle Theologie, isb die Gotteslehre vor Augen führt, fällt eines auf: wie eng sie verknüpft war mit der platonischen und seit Thomas von Aquin aristotelischen Philosophie. Dem vernünftigen Denken traute auch die Theologie zu, Erkenntnisse hervorzubringen, die als wahr gelten konnten und die dann mit den offenbarten Wahrheiten in eine sinnvolle Beziehung zu bringen waren. Kann eine offenbarte Wahrheit einer vernünftig erkannten widersprechen, vollenden die offenbarten Wahrheiten die durch das Denken erkannten vernünftigen, reichen die Erkenntnisse des vernünftigen Denkens aus? Ein großer Frageraum spannte sich so auf, in dem dann der theologische Diskurs stattfand. Was ändert sich nun, wenn soziologische Fragestellungen den Boden der Kritik der theologischen Diskurse bilden und nicht mehr das philosophische Denken. In den Vordergrund rückt dann die Frage: Wann wer wo wie das gesagt hat?Die theologischen Äußerungen, bis hin zu ihren Fixierungen zu Dogmen werden so zum Material der historischen Kritik. Es gilt nun, eine Biographie der Autoren der theologischen Texte zu erstellen, um dann aus ihr diese Texte zu verstehen. Der Kontext des Autors avanciert dabei zu der Größe, ohne die dessen Texte nicht verstehbar seien. Es gälte, die Autorenintention, die hinter den Texten sich verberge, herauszuarbeiten. Am Ende dieser Kritik kann es dann gelingen, den zu untersuchenden Text erfolgreich in die Biographie des Autoren zu verorten und von daher dann auch zu verstehen. Das Was des Ausgesagten wird so zu einer biographisch historisch rekonstruierbaren Aussage, die so dem Interpreten manches erkennen läßt über das damalige theologische Denken. Jetzt leben wir in eine anderen Zeit und somit müsse das einst so Ausgesagte in unsere heutige Zeit „übersetzt“ werden, wenn es denn noch eine Bedeutung für uns haben kann. Das philosophische Denken ist dagegen ausgerichtet auf die Invarianten, auf das, was immer so ist und immer so bleibt, das biographisch historisch soziologische kennt eigentlich nur den Wandel: Nichts bleibt, wie es einmal war. Nur vorgestrige Metaphysiker kennen noch ewige Wahrheiten. Die "Erkenntnisse" der vergangenen Theologie sagen so eigentlich mehr über die Autoren aus als über den Gegenstand. Das Denken verbleibt sozusagen in der Immanenz des Denkens und erreicht nie seine Objekte. Wenn aber alles fließt, dann kann es auch im theologischen Denken keine bleibenden Wahrheiten geben. Was gestern noch als wahr galt, ist heute schon veraltet. Die kritische Aufgabe der Theologie besteht so dann in der Dekonstruktion aller Wahrheitsansprüchen aller vorherigen theologischen Aussagen, um dann ganz für den Augenblicksgeschmack neue „Wahrheiten“ zu konstruieren, die nur so lange wahr sind, wie der Geschmack sich nicht ändert. Denn alle bisherigen theologischen Aussagen seien ja auch so produziert worden, immer seien sie nur Denkprodukte für den damaligen Geschmack gewesen.

Freitag, 17. Februar 2023

Verdrängte Wahrheiten – was ein moderner Christ als „unvernünftig“ ablehnt

Verdrängte Wahrheiten – was ein moderner Christ als „unvernünftig“ ablehnt Naiv aufgeklärt könnte man sich das so vorstellen: Vormoderne Menschen glaubten, die Erde sei eine Scheibe, über die die Sonne auf- und unterginge, die noch keine Waschmaschienen besaßen und in Ermangelung des elektrischen Lichtes noch an dunkle Geister und das Böse glaubten. Leider ist auch die Bibel überfüllt mit so vormodernen voraufklärerischen Vorstellungen, daß die nun weggeleuchtet werden müssen durch das Licht der Aufklärung. Aber auch der Apostelfürst Paulus spricht von dem Licht als dem Medium,in dem wir etwas erkennen können, nur ganz anders: „Wenn unser Evangelium dennoch verhüllt ist, ist es nur denen verhüllt, die verlorengehen; denn der Gott dieser Welt hat das Denken der Ungläubigen verblendet.So strahlt ihnen der Glanz der Heilsbotschaft nicht auf,der Botschaft von der Herrlichkeit Christi, der Gottes Ebenbild ist.Wir verkünden nämlich nicht uns selbst,sondern Jesus Christus als den Herrn, uns aber als eure Knechte um Jesu willen.Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten, er ist es, der unsere Herzen erleuchtet hat ((hier übersetzt die Einheitsübersetzung nicht richtig:“er ist in unserem Herzen aufgeleuchtet),damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.“(2.Kor 4,3-6) Erkennen wird hier im Vorstellungsraum des Sehens erörtert. Nur im Licht ist für unsere Augen etwas sehbar. Unser Erkenntnisvermögen muß also erleuchtet werden, damit wir, kürzen wir es jetzt ab, das Evangelium als Wahrheit erkennen können.Sonst gleicht unser Denken dem Versuch, in völligster Finsternis etwas sehen und erkennen zu wollen. Unsere Herzen erleuchtet, das ist hier ernst zu nehmen: Das erleuchtende Licht ist kein äußerliches in uns hineinwirkendes sondern ein innerlich erleuchtendes. Damit wird das Wirken des Heiligen Geistes in uns in der Lichtmetaphorik expliziert. Das Evangelium als ein äußeres Wort kann so nur als die Wahrheit erkannt werden, wenn der Hörer oder Leser innerlich erleuchtet wird, sodaß er in diesem übernatürlichem Lichte das Evangelium als wahr sieht. Was ist aber nun mit den Ungläubigen. Der Gott dieser Welt habe das Denken von ihnen verblendet. Dies Verblenden bedeutet auf der Bildebene ein Zuviel an Licht, sodaß der Geblendete nichts mehr erkennen kann. Der Satan erweist sich hier wahrhaftig als Lucifer= der Lichtbringer, der nun mit seinem Licht verblendet. Dies evoziert nun die Frage: Ist der Unglaube eine Folge dieser Verblendung oder hält diese Verblendung den Menschen im Unglauben fest? Diese Frage ist nun sehr schwer beantwortbar.Wenn der Unglaube das Ergebnis dieser Verblendung wäre, präsumierte dies nicht, daß der Ungläubige eigentlich die Wahrheit hätte sehen können, wenn er nicht verblendet worden wäre? Aber Paulus schreibt hier doch, daß nur Erleuchtete die Wahrheit des Evangeliumes erkennen könnten. Die Dunkelheit unseres Denkens verhindere ja die Erkenntnis. Nur,woher stammt dann diese Dunkelheit?Zudem: Wozu bräuchte der Teufel unser Erkenntnisvermögen noch zu blenden, wenn es sowieso schon verdunkelt ist? Wer blendete schon einen Blinden, damit der nicht sehen kann? Vorbehaltlich einer besseren Einsicht schlage ich diese Deutung vor: Luzifer blendet so sehr, daß Menschen blind werden, also im Dunklen sitzend, völlig verblendet sind. Der Mensch soll die Wahrheit erkennen. Äußerlich steht sie ihm als Evangelium gegenüber. Aber wie kann er das als die Wahrheit erkennen? Paulus erweitert nun diese Vorstellung von dem einen Objekt, dem Evangelium und dem zur Erkenntnis bestimmten Subjekt, indem er den Teufel als auch Gott als weitere Akteure einführt.Der Satan verhindert durch sein verblendendes Licht die Erkenntnis, Gott ermöglicht die Erkenntnis durch sein erhellendes Licht. Der Mensch existiert so im Widerstreit zweier Lichtquellen. Damit stehen wir mitten in der Vorstellungswelt der Aufklärung, daß durch das vernünftige Denken der Moderne, durch das Licht der Vernunft die Dunkelheit des Mittelalters zu überwinden sei. Zu dieser aufzuhellenden Dunkelheit gehört dann in erster Linie die christliche Religion. Der große Revolutionsführer Robespierre wollte ja die christliche Religion durch die Verehrung der Göttin Vernunft subsistuieren. Ist dieses Aufklärungslicht nicht klar zu distinguieren von dem Licht, durch das uns Gott zur Erkenntnis der Wahrheit erleuchten will? Ob es gar mehr mit Luzifer gemein hat, als mit dem Licht des Heiligen Geistes? Oder anders gefragt: Warum soll der Glaube, daß die Welt ein Kampfplatz zwischen Gott und dem Teufel ist, widervernünftig sein? Wenn schon ein Philosoph erkannte, daß der Krieg der Vater aller Dinge sei, liegt es da so fern, in dem Widerstreit zwischen Gott und dem Teufel den Urgrund aller Kriege zu sehen? Zusatz:: Absurd ist doch die Vorstetellung,daß vor der Aufklärung noch nicht vernünnftig gedacht worden sei! Wie dachten denn dann Platon, Plotin, Aristoteles und die scholastosche Theologie, wenn sie nicht vernünftig dachten?

Samstag, 23. Juli 2022

Wahrheit macht unfrei! Ein postmodernes antichristliches Credo

Wahrheit macht unfrei! Ein postmodernes antichristliches Credo


Den „Nihilismus als Errungenschaft“zu feiern, das fordert Stefan Lorenz-Sorgner, ein Vordenker des Transhumanismus. (Übermensch,Plädoyer für einen Nietzeanischen Transhumanismus, 2019,S.91-99). Diese sehr klug geschriebene Studie zum Thema des Transhumanismus kritisiert nun auch Nietzsches Anliegen der Überwindung des Nihilismus,ist für diesen Philosophen gerade doch das Projekt des Übermenschen die der den Nihilismus überwindenden Kreativität. Mitnichten, der prophezeite Nihilismus soll nun eine positive Entwickelungsstufe sein, in der es um der Pluralität des Lebens willen zu verharren gälte. „Bei den verschiedenen Facetten des Nihilismus handelt es sich um Errungenschaften,die die Wahrheit fördern, die Vielfalt des Lebens zum Florieren zu bringen.“ (S.91) Dabei wird dann zwischen dem alethischen und dem ethischen Nihilismus unterschieden. Es gäbe weder Wahrheit noch Moralität (S.92).Die Antithese zu allen totalitären und paternalistischen Strömungen sei der Nihilismus,denn er ermöglichte allein eine Pluralität von „Wahrheiten“ und „Moralen“. Darin verbirgt sich ein typisches postmodernes Axiom, das, daß eine erkannte Wahrheit oder eine zu erkennende sowohl der theoretischen und der praktischen Vernunft eine Legitimität der Pluralität beseitigen würde. Die Wahrheit, daß 5 plus 7 12 ist, verunmöglicht alle anderen Zahlen als 12 als legitime Antworten auf die Frage, was sei 5 plus 7 zu qualifizieren. Für den Bereich der Ästhetik: Wie könnte es noch eine Manigfaltigkeit von Kunstwerken geben, wenn es das wahre Kunstwerk gäbe?

Die totalitären Staaten seien so charakterisiert durch ihre Behauptung, im Besitz der Wahrheit zu sein, der gemäß dann in diesen Staaten alles bestimmt worden sei. Als Musterknaben solch eines Wahrheitstotalitarismus zählen dann Hitler und Stalin. Hitler sei eben keinesfalls ein Nihilist gewesen, der an nichts glaubte als an seinen Willen zur Macht und Stalin kein Despot, der den Marxismus-Leninismus nur dazu vernutzte, seine Willkürherrschaft zu rechtfertigen. Ganz von einer Wahrheitserkenntnis Erfüllte liquidierten diese jede Pluralität in ihrem Willen zur unbedingten Uniformität. Damit es eine legitime Pluralität geben könne und diese ihre Legitimität nur dem Faktum verdanken könnte, wenn etwas noch nicht begriffen worden ist, sodaß es nur noch eine Wahrheit über das Zubegrifende gibt, dürfe es keine erkannte Wahrheit geben.

Der Paternalismus fundiert sich dabei aus der Erkenntnisdifferenz, daß die einen Erkennende sind und die anderen Nochnichterkennende, sodaß die Erkennenden den Nichterkennenden zu führen haben, sie so zu entmündigen. Theologisch gewendet: Die Notwendigkeit des Hirtenamtes resultiert aus dem Nichtvermögen der Schafe, sich selbst hüten, das heißt regieren zu können. Cognitivistisch gewendet heißt das, daß sie die Wahrheit nicht erkennen können. Solange es aber doch noch erkennbare Wahrheiten gibt, verleiht jede erkannte dem Erkennenden das legitime Recht, die anderen zu führen. Das sei dann das Ende jeder legitimen Pluralität. Alles Nichtwahre wird eben zur Häresie.

Soweit das dieser Betrachtung Innewohnende. Aber ist das in sich konsistent? Die Kritik muß ich zuerst kaprizieren auf das Phänomen, daß in diesem nihilistischen Gedankengang ein höchster Wert auftritt, der der Pluralität. Wie kann dieser Wert aber ein Element eines nihilistischen Denkens sein? Darüberhinaus dürfte der so propagierte Wert des Pluralismus nicht selbst wieder etwas aus sich ausschließen. Aber hier wird ja der Totalitarismus wie auch der Paternalismus ausgeschlossen. Damit begrenzt sich der Pluralismus selbst, indem er sagt, daß im Pluralismus nur pluralistische Ansätze erlaubt sind. (Das hieße für die internationale Politik, daß es dem afghanischen Volke nicht erlaubt werden dürfe, sich talibanisch regieren zu lassen, weil deren Regierungskonzept totalitär sei.)

Der Wert des Pluralismus wird also so hoch geschätzt, daß in seinem Namen alles nicht im Pluralismus das Höchste Ansehende aus dem legitimen Diskurs auszuschließen sei. Das hat nun viel mit Nietzsches Willen zur Macht gemein, mißbraucht aber das Theorem der Pluralität nur dazu, alles dazu sich oppositionell zu Verhaltendes zu delegitimieren. Schon ganz außerhalb seiner Begründungsmöglichkeiten ist nun aber dieser höchste Wert der Pluralität. Denn orientierte sich dies Denken an der Natur oder pathetischer am Leben, so müßte eingeräumt werden, daß nicht die Pluralität sondern das Prinzip des Sichdurchsetzens des Stäkeren das Leben ausmacht, denn das Gesetz des Lebens ist das des Kampfes und der ist pluralitätsvernichtend.

Prinzipieller formuliert: Warum soll denn überhaupt die Pluralität etwas Gutes sein? Wenn es zur Lösung eines politischen zwischenstatlichen Konfliktes militärische und nichtmilitärische Lösungen gibt, warum soll es dann etwas Gutes sein, beide Optionen als gleichwerige anzusehen, statt moralisch begründet nichtgewaltsame gewaltsamen als vorzuziehen zu beurteilen.

Dieser hier skizzierte „Nihilismus“ dekonstruiert sich selbst, weil er auf einem Werturteil sich aufbaut, der erstens nicht mit dem Nihilismus vereinbar ist und weil der oberste Wert des Pluralismus sich dann auch noch selbst destuiert, indem er nur dazu dient, sich selbst zu negieren, indem aus dem Pluralismus alles Nichtpluralitische exkommuniziert werden soll. Aber trotz dieser inneren Widersprüche ist dieses Denken das unsere Epoche bestimmende, das so aber auch zutiefst antitheologisch und somit antichristlich ist. Denn das Basiscredo der christlichen Religion wie der ganzen Philosophie war und ist: Die Wahrheit macht frei. Es darf sogar geurteilt werden, daß selbst noch Nietzsches Übermensch an dieser Wahrheitskonzeption verhaftet blieb. 

Zusatz:

Es gibt das Ereignis des Nationalsozialismus und des Stalinismus, aber die Interpretationen dieser Ereignisse sind für die darauf folgende Zeit relevanter als das Ereignis selbst. Nicht das Realereignis sondern seine Interpretation wirkt in der Geschichte. Der naivste Standpunkt ist nun der, die je meinige Interpretation für die einzig wahre zu erachten und die anderen dann als ideologisierte zu verurteilen. Die Potmoderne könnte nun als die Anerkennung der Unhintergehbarkeit der Pluralität der Interpretationen der Ereignisse der Geschichte verstanden werden, würde sie nicht selbst auf einer bestimmten Interpretation dieser beiden Ereignisse sich fundieren, die daß der Totalitarismus beider Systeme auf dem Glauben an die bessene Wahrheit sich gründet.  Konträr dazu steht Rauschning,der den Nationalsozialismus als "die Revolution des Nihilismus" qualifizierte. Für postmoderne Denker erscheint dagegen der Nihilismus als Schutz vor solchen totalitaristischen Ideologien.


 

Sonntag, 17. Oktober 2021

So viele Worte, wie da wahre erkennen! Probleme beim Lesen der Bibel- eine Einführung


„Qui non est expertus, pauca recognoscit“ Jesus Sirach, 34,10. A.Arndt (Die heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes .Mit dem Urtexte der Vulgata, zweiter Band 1903 übersetzt so: Wer nichts erfahren hat, weiß auch wenig. Auch hier wird wohl zu frei übersetzt, das ist nun leider ein Problem aller Übersetzungen, aber durch diese Übersetzung wird eben auch eine sehr bedeutsame Wahrheit diese Aussage zum Verschwinden gebracht, denn das Verb: „recognoscit“ wird hier völlig falsch übersetzt: „Er wiedererkennt“ wäre richtig. Und „est expertus“ =ist erfahren.

Die Pointe dieser Aussage ist also, daß das Erkennen als ein Wiedererkennen begriffen wird. Es bedarf so eines Vorwissens von dem Zuerkennenden, um das Etwas dann erkennen zu können. Zur Veranschaulichung: Stelle ich jemanden ein Tablett mit 10 Gläsern hin und fordere ihn auf, aus den 10 das eine Bierglas herauszuheben,bereitet es kaum einen ein Problem, das eine unter den 10 Gläsern als das gesuchte Bierglas zu identifizieren. Damit diese Identifikation aber durchgeführt werden kann, muß ein Wissen, eine Vorstellung von dem, was ein Bierglas ist, vorhanden sein, damit dann das eine als ein Bierglas erkannt werden kann. Würde nun nachgefragt, was denn da für eine Vorstellung von dem Glas Bier vorhanden gewesen war, sodaß dies eine Glas richtig als Bierglas identifiziert werden konnte, wer könnte diese Frage destinkt beantworten? Ist an ein Weißbierglas, ein 0,2 Liter Glas, ein 0,5 Liter Glas oder oder gedacht worden? Nein so klar darf diese Vorstellung vom Glas Bier nicht sein, weil alle möglichen Biergläser ja durch diese eine Vorstellung zu identifizieren sind. Die Vorstellung müßte also das Wesen des Bierglases erfassen, damit jedes mögliche Einzelbierglas durch diese Vorstellung als ein Bierglas erkannt werden kann. Also verfügt der, der dies eine Bierglas erkennen konnte, über den Begriff des Glases, unter den jedes mögliche Glas Bier als eines subsumierbar ist.

Ein Bierglas wird so begriffen als ein Exemplar des Begriffes des Bierglases als individuierte Realisation des Begriffes. Aber genau dieser Begriff des Bierglases, den wir so einfach und unkompliziert applizieren können, wenn wir ein Glas als ein Bierglas erkennen,ist uns selbst, werden wir danach gefragt, ihn darzulegen, so unklar, daß wir spontan nicht diesen Begriff explizieren können. Versuche einmal, das Bierglas zu definieren! Streng genommen darf in der Definition das zu Definierende nicht selbst vorkommen, so daß auch „Bier“ und „Glas“ zu definieren wären. Wollte man sich aber mit der Definition: Ein zum Biertrinken geeignetes Glas zufriedengeben, bereitet das „geeignet“ größte Probleme, denn ich kann ja auch aus einem Wein- oder Schnapsglas Bier trinken- also muß das „geeignet“ noch näher bestimmt werden, aber wie?

Der „expertus est“, kann ein Bierglas erkennen, weil er es von seinem Vorwissen her wiedererkennen kann. Das zeigt nun an, was für ein komplexes etwas dies „expertus“ ist. Aber dies nur ermöglicht ein Erkennen, das in Wirklichkeit ein Wiedererkennen ist.

„Man sieht nur,was man kennt“- diese Spruchweisheit las ich einmal auf einem Reiseführer als Ankaufsmotivierung. Was nützte es auch, irgendwohin zu reisen, da vieles zu sehen, und dann doch nicht zu sehen, weil das Gesehene nicht erkannt wird. So bestätigt diese Reiseführerweisheit diese Erkenntnis des Jesus Sirach.

Wer kein expertus ist, erkennt nichts. Ob damit unsere Talkshowkultur erklärbar wird, daß da über alles und jedes geredet wird von Nichterkennenden? Was nützte auch ein Meer an Informationen, wenn diese dann nicht erkannt werden können?

In der Theologie hat diese Einsicht Jesus Sirachs zu einer bedenkens-werten Distinktion geführt, der Ausdifferenzierung des Wortes (Gottes) in das äußere und das innere Wort. Damit sollte die Frage beantwortbar werden, wie denn in dem Meer der Worte das Wort Gottes erkennbar sein kann? Ist jedes Erkennen ein Recognizieren, so muß im äußeren Wort Gottes, das mir in der Bibel gegenübersteht in einem Meer von anderen Büchern, das schon vorausgewußte Wort Gottes wiedererkannt werden. Das ist dann das „innere Wort“ im Menschen, daß ihn dazu befähigt, das äußere Wort Gottes als Wort Gottes wiederzuerkennen. Fehlt dies, so bleibt das äußere Wort nur eines, das mit dem Anspruch versehen ist, daß es das Wort Gottes sei, das aber so nicht vom Leser erkannt werden kann.

So führte der Reformator Zwingli dies Konzept des Wortes Gottes aus, auch in kirchenkritischer Intention, da nun es nicht mehr der Autorität der Kirche bedurfte, um die Bibel als das Wort Gottes zu qualifizieren, sondern das innere Wort befähigt dazu den Bibelleser. Dies innere Wort könnte dann auch als ein Produkt des Einwirkens des Heiligen Geistes begriffen werden. Eines verdeutlicht dabei aber auch das simple Anschauungsbeispiel des zuerkennenden Bierglases. Das innere Wort wird erst im Akt des Wiedererkennens zu einer bestimmten Erkenntnis- fehlte das äußere Wort, wäre das innere so eigentümlich unklar wie die Vorstellung vom Bierglas, aber in der Begegnung mit dem äußeren Wort führt es dann zu einem Erkennen als einem Recognizieren.

 

Sonntag, 3. Oktober 2021

Geht unsere Kultur unter?- Fragmente zum Untergang des Abendlandes


„Gewalt reicht nicht, um eine Zivilisation zu zerstören.Jede Zivilistion stirbt an der Gleichgültigkeit gegenüber den ihr eigentümlichen Werten, die sie begründen.“ Nikolas Gomez Davila, Es genügt, dass die Schönheit unseren Überdruss...Aphorismen, 2017, S.73.

Da es sich hier um eine Übersetzung ins Deutsche handelt, ist zu mutmaßen, daß „Kultur“ eine bessere Übersetzung des von diesem Aphorismenmeisters Gemeinten ist. Es könnte dann wie folgt differenziert werden: Die westliche Zivilisation ist die der technischen Beherrschung der Natur und die Optimierung der Ökonomie in ihrer Produktivität. Der instrumentellen Vernunft, das Vermögen, vorgegebene Ziel effektiv zu erreichen, steht dann die Einsicht gegenüber, daß diese Vernunft nicht mehr begründen kann, warum es vernunftwidrig sei, seinen Mitmenschen zu töten, aber sie kann effektive Wege aufzeigen, wie dies Ziel realisierbar sei. (vgl Horkheimers Kritik der instrumentellen Vernunft) Dies Fehlende, das zu erbringen, ist dann die Aufgabe der Kultur. Also, ich schlage vor, die Zivilisation und die Kultur als zwei Räume menschlicher Existenz zu verstehen, die Zivilisation als die Weise der Naturbeherrschung und die Kultur als das geistige Leben. So ist die Seßwerdung des Menschen, daß er statt Tiere zu jagen, anfing sie zu züchten und statt zu sammeln, zu säen und zu ernten, sicher eine der größten Revolutionen der Zivilisation, der Monotheismus und der jetzige sich verbreitende Atheismus sind dagegen Revolutionen der Kultur.

So lebt die Zivilisation nicht von Werten, sondern hier darf ruhig mal marxistisch formuliert werden, sondern ist bestimmt durch die Entwickelung der Produktivkräfte und der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit, der Produktion und der Konsumtion. Nur darf nun nicht die Kultur als etwas durch diese Zivilisation Determiniertes vorgestellt werden; es ist eher an eine Wechselwirkung zwischen diesen Sphären zu denken. Wenn die Frage, wie habe ich zu leben, um jenseitig ewig leben zu dürfen, die Zentralfrage der Kultur ist, dann wird die sich auch auf die Sphäre der Zivilisation auswirken: Was muß hier vermieden werden, (Sünde), um nicht das ewige Jenseitsleben zu gefährden? Wenn aber die Ideologie des Konsumismus die Kultur erfüllt, daß alles als Ware kaufbar ist, sodaß das menschliche Glück sich im Konsumieren ereignet, dann wirkt sich auch dies auf die Zivilisation aus, denn nun muß die Produktivität so gesteigert werden, daß alle ausreichend konsumieren können.

Wenn wir das Ende des christlichen Abendlandes voraussetzen, was bildet dann den Kern der westlichen Welt, der Kultur Westeuropas und Amerikas, die nun verglobalisiert werden soll? Die Zivilisation der westlichen Welt ist eindeutig die des weit entwickelten Kapitalismus. Was ist dann aber die Kultur des „freien Westens“? Meine These: Die spezifische Kultur ist die der Aufhebung der christlichen Religion der Verheißung des jenseitigen Reich Gottes in eine politische Aufgabe, die der vernünftigen Gestaltung der Welt. Die christliche Religion wird dabei nicht einfach negiert, sondern zu einer Aufgabe des Menschen transformiert: Jetzt soll der vernünftige Mensch seine Welt vernünftig gestalten. So verschieden dann auch die Konzeptionen ausgestaltet werden können, es sind alles nur Variationen dieses einen Grundgedankens. Philosophisch könnte von einem säkularisierten Logozentrismus gesprochen werden. Im Zentrum steht die Differenz von der Vernunft und der Natur und die Aufgabe, das Natürliche vernünftig zu gestalten, sowohl die äußere Natur wie auch die eigene des Menschen. Der „homo faber“ (Max Frisch) ist so eine säkularisierte Gestalt des allmächtigen Schöpfergottes.

Nur, wer glaubt noch an die Vernunft als dem Medium, durch das Alles zum Guten hin gestaltet werden kann? Der Zerfall dieses Glaubens an die Vernunft löst so die Kultur des „freien Westens“ auf, sie hört selbst auf, an ihre eigene Vernünftigkeit zu glauben. Damit bleibt nur noch die kapitalistische Zivilisation übrig- das könnte Oswald Spengler mit der Zivilisation nach dem Absterben der Kultur gemeint haben.

Die Werte und Normen des westlichen Kultur sind so selbst schon Zerfallsprodukte des christlichen Abendlandes, die nun aber selbst auch zu Grunde gehen. Was nach ihr kommt, das deutet uns der unbestimmte Begriff der Postmoderne an, der so unbestimmt ist, weil unsere Gegenwart noch nicht sich auf den Begriff gebracht hat.

 

Donnerstag, 23. September 2021

Die Philosophie als Nachlaßverwalter der christlichen Religion und ihr Ende?


„Philosophie,die einmal überholt schien, erhält sich am Leben, weil der Augenblick ihrer Verwirklichung versäumt ward.“ Mit diesem Satz präludiert Theodor Adorno sein großes Opus: „Negative Dialektik. Es soll nun nicht weiter gelesen werden, sondern dieser erste Gedanke der „negativen Dialektik“ durchdacht werden, denn er ist so gehaltvoll, daß sein Durchdenken viel verheißt.

Der Singular fällt auf: Gibt es nicht viele Philosophien, was meint dann (die)Philosophie? „Einmal“ soll sie überholt gewesen sein, aber der Schein trügte. Sie hätte verwirklicht werden sollen und weil das mißlang, lebt sie noch... als untote?, möchte man fast hinzufügen.

Die wissenschaftliche Philosophie, sofern darunter die Rekonstruktion oder einfacher das Nachdenken des von großen Philosophen Gedachten verstanden wird, ist zeitlos, kennt keinen Augenblick seiner Verwirklichung noch kann sie überholt sein. Faktisch garantiert die Polyinterpretabilität gerade philosophischer Texte einen ewigen Diskurs des: Was wollte der Philosoph mit diesem Text sagen? Jede neue Interpretation kritisiert dann ältere und wird wiederum von anderen kritisiert. Der sekundäre Diskurs, die wissenschaftliche Erforschung der Interpretationen der Basistexte der großen Philosophen produziert dann endgültig einen nie versiegenden philosophischen Diskurs.

Aber genau eine solche ideengeschichtliche, oft biographisch orientierte Rekonstruktionsarbeit: Was lehrten die großen Philosophen?, ist nicht mit der Philosophie gemeint, von der Adorno hier spricht. Benennen wir das hier Gemeinte dann einfach die systematische Philosophie: Sie eruiert nicht, was ein Philosoph gedacht hat und will das wahrhaftig erkennen sondern fragt nach der Wahrheit (jetzt etwas ungeschützt formuliert) und rezipiert dazu Gedanken von Philosophen, um eine Antwort auf diese Frage zu konstruieren.

Dann könnte unter der Verwirklichung der Philosophie die Vorstellung verstanden werden, daß nun die Realität gemäß der philosophisch erkannten Wahrheit gestaltet wird, sodaß die Philosophie als Theorie für ein praktisches Handeln überflüssig würde, wenn die Theorie verwirklicht worden wäre. (In der Theologie gibt es einen ähnlichen Gedanken: Der Glaube als das Fürwahrhalten von und dem Vertrauen auf findet sein Ende in dem postmortalen Leben, wenn die Wahrheit, Gott geschaut wird- eine geschaute Wahrheit kann nicht mehr für wahr gehalten werden noch kann auf sie vertraut werden, weil dann die Wahrheit in Gänze uns offenbar ist.)

So darf wohl die Vermutung geäußert werden, daß hier die Philosophie für das vernünftige Denken steht primär als praktische Vernunft akzentuiert: Die Welt, oder wohl besser gesagt, die Gesellschaft hätte zu einem bestimmten Zeitpunkt rein vernünftig gestaltet bzw umgestaltet werden können. Diese Umgestaltung aller gesellschaftlichen Verhältnisse wäre das Praktischwerden der Philosophie und somit ihre Negation als Theorie. Sie hebte sich in der Praxis auf, in der Realisierung der Konstruktion einer vernünftigen Weltgesellschaft. Damit befinden wir uns wohl in der bürgerlichen Philosophie, die in den politischen Revolutionen die Ankunft der vernünftigen Welt erblickte, aber zugleich entsetzt über den Terror der Vernunft war: die Schrecken der Guillotine. Die Partikularität der Französischen Revolution, daß sie eine bürgerliche war und so auch die Arbeiterklasse aus der Emanzipation ausschloß erweckte die Vorstellung einer zu folgen habenden Revolution, die dann erst die ganze Gesellschaft vernünftig gestalten ließe. Das Ausbleiben dieser endgültigen Revolution oder aber ihr Scheitern in der Gestalt des Stalinismus evozierte so ein Zurück zur Theorie angesichts dieses Scheiterns der revolutionären Praxis.

In dem „versäumt“ klingt so eine Trauer über dies Mißlingen an, der nun zu ein neues: „Von Anfang an denken Müssen“ evozierte. Das ist der Emergenzpunkt dieser „Negativen Dialektik“.

Theologisch gesehen ist so die Philosophie, die die Theorie der Vernunftgestaltung der Gesellschaft sein wollte, die Aufhebung der christlichen Hoffnung auf die Erlösung im und durch das Reich Gottes zu dem Postulat der praktischen Philosophie, aufzuhören die Welt immer neu zu interpretieren, sondern sie vernünftig zu gestalten. So der Kerngedanke von Karl Marx über die Aufgabe der Philosophie. Zur Aufgabe der Philosophie gehört dann aber auch ihr Aufgeben in der vernünftig-revolutionären Praxis. Vernunft will Praxis werden.

Die „Negative Dialektik“ wendet sich so wieder der Interpretation der Wirklichkeit zu, weil ihr der Glaube an eine Verwirklichbarkeit der Philosophie abhanden gekommen ist.

Wir erleben nun aber nicht nach dem Scheitern der utopischen Hoffnung auf eine vernünftig gestaltete Welt durch die Vernunftphilosophie eine Rückkehr zu der christlichen Hoffnung auf die Erlösung im Reich Gottes, sondern auch das Verblassen diese Erlösungshoffnung. Vielleicht ist das Wesentliche der postmodernen Epoche der gänzliche Utopieverlust, daß die Geschichte eben kein auf ein „gutes Ende“ hin festgelegter Prozeß ist, daß es so gar nicht mehr die Geschichte geben kann sondern nur noch einzelne Kurzerzählungen fragmentarischer Art, da sie sich nicht mehr zu einem Ganzen, in sich Vollständigen synthetisieren lassen. So stürbe in der Postmoderne nicht nur die Hoffnung auf die Realisierbarkeit einer vernünftigen Welt sondern auch damit das Hoffen auf das Reich Gottes als der christlichen Verheißung. Stattdessen dominiert der Punktualismus des Gottes, der einfach nur noch die Bejahung jedes Einzelmenschen ist, so wie er ist. So wird Gott und der Mensch geschichtslos in dieser einfachen statischen Relation der reinen Affirmation.