Sonntag, 11. Oktober 2026

Eine Sichtweise der Kirche, „die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht“

 

Eine Sichtweise der Kirche, „die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht“1


Ein tschechischer Bischof stellt tatsächlich fest, daß die tridentinische Sichtweise der Kirche den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht. So heißt es in dem Kath net Artikel:

„Der Novus Ordo ermöglicht es, die Synodalität im Bereich der Liturgie umzusetzen“, schreibt Holub wörtlich. Den Alte Ritus lehnt er daher ab. Wörtlich schreibt er: „Andernfalls wäre dies sehr schwierig, da der Vetus Ordo Ausdruck einer tridentinischen und modernen Sichtweise der Kirche ist, die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht.“

„und modernen Sichtweise“ - hier muß ein Verschreibungsfehler vorliegen, denn die tridentinische Messe wird ja gerade als eine vormoderne, nicht moderne verurteilt. Die „heutigen Bedürfnisse“ paßten aber gerade zu einer modernen Sicht der Kirche.

Also, die Lehre von der Kirche müsse also den Bedürfnissen der Menschen genügen. Nicht hat also der Herr der Kirche sie gestiftet und ihr einen Auftrag und eine dazu passende Ordnung gegeben, sondern die Kirche müsse sich stets an den Bedürfnissen ihrer potentiellen Kunden orientieren. Da die nun einem Wandel unterworfen seien, habe sich die Kirche stets auf das Neue auf diese sich wandelnden Bedürfnisse zu kalibrieren.2

Ein Gottesdienst ist eine Dienst-Veranstaltung, in der in erster Linie Gott kultisch verehrt wird. Was hielte man von einer Dienstordnung, die nun in erster Linie den Bedürfnissen der Dienenden gemäß ausgerichtet wäre und nicht gemäß dem Willen dessen, dem hier gedient werden soll. Was hielte man von einem Butler, der seinem Dienstherren gegenüber erklärte: Das Wichtigste seines Dienstes sei es, daß der Dienst ihm, dem Diener zusage?

Nun soll also das Kirchenverständnis, das sich in der Tridentinischen Messe manifestiere nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entsprechen und darum produzierte das 2.Vaticanum ein neues modernes Kirchenverständnis, das sich nun auch in der neuen Liturgie manifestiere. Das synodalistische Kirchenverständnis widerstreite somit dem vorkonziliaren und deswegen dürfe auch die Tridentinische Messe nicht mehr in der modernen Kirche zelebriert werden.

Die Kirche hat sich also im 2.Vaticanum neu erfunden, da ihr bisheriges Selbstverständnis nicht mehr den Bedürfnissen des modernen Menschen entspräche. Deswegen mußte sie auch eine neue Liturgie sich erschaffen, die ganz auf die Bedürfnisse des modernen Menschen zugeschnitten sei.

Wenn dem so wäre, warum sind dann nun die Kirchen fast leer, obschon doch die Reformliturgie ganz auf den modernen Menschen zugeschnitten ist und warum waren sie fast noch voll, als die nichtmoderne Messe zelebriert worden ist?

Was macht denn nun überhaupt das synodalistische Kirchenverständnis aus? Darauf gibt der Kath net Text eine klare Antwort: Die Kirche habe sich in ihrem Tuen ganz auf die Bedürfnisse= die Konsumentenwünsche ihrer potentiellen Kunden auszurichten!

Der „Klerikalismus“ steht für die Vorstellung eines objektiv vorgegebenen Auftrages der Kirche und einer ihr dazu vorgegebenen Ordnung, den es nun zu überwinden gälte: Ganz demokratisch marktwirtschaftlich ausgerichtet soll die Kirche ihr Leben gestalten: „Wie hätten Sie es denn gerne?“Nur, irgendwie klappt diese Konsumentenorientierung nicht, zumal noch so viele Ewiggestrige die „Alte Messe“ lieber ist als die moderne, gerade unter jüngeren Priestern und Gläubigen ist sie beliebt!

Sollte aber Jan Loffeld die Lage richtig beurteilen, siehe die Fußnote hier, dann existiert fast keine Konsumentennachfrage an religiösen Angeboten. 

Corollarium

Dieser Bischof zeigt damit aber auch sein völliges Unverständnis über das Wesen der Religion auf, als wäre eine Religion ein rein menschliches Unternehmen,die dann ganz nach unseren Bedürfnissen zu gestalten sei. Und was soll die Kirche unternehmen, wenn es kein Bedürfnis nach einer Gottesverehrung gibt oder kaum noch gibt?



1 Kath net 7.10.2026: Tschechischer Bischof Holub meint: Neuer Ritus ist 'wesentlich' für Synodalität.

2Der Theologiemarketingforscher Jan Loffeld konstatiert in seinem Buch: „Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt“, 2024: „Mittlerweise lässt sich allerdings bei Vielen empirisch nicht nur kein Gottes- Transzendenz- oder Spiritualitätsbedürfnis feststellen,; es ist auch zunehmend fraglich,ob auch jeder Mensch in seinem Leben nach umfassendem Sinn sucht.“ S.66. Wenn es schon keine direkten religiösen Bedürfnisse mehr gäbe, könnte ja wenigstens die nichtreligiöse Sinnfrage religiös beantwortet werden- aber auch diese Markettingstrategie funktioniere nicht.

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