Posts mit dem Label Glaube werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Glaube werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 3. Juni 2023

Fundamentales: Kann ein beweisbarer Gott geglaubt werden?

Grundlegendes: Kann ein beweisbarer Gott geglaubt werden? Kath net offeriert mit dem Artikel „Die Schöpfung – ein Gottesbeweis“ einen schönen Beitrag zur Gotteslehre, der aber in die Irre führt. Eine Ehefrau, sie mißtraut ihrem Eheman und läßt ihn so die ganze Zeit der Kur von einem Detektivbureau observieren. Das rapportiert ihr dann: „Ihr Mann hat sie auf der Kur nicht betrogen!“ Der Ehemann, heimgekommen sagt zu seiner Frau: „Ich habe Dich auf der Kur nicht betrogen!“ Kann sie ihm nun das glauben? Nein, weil sie weiß, daß er sie nicht hintergangen hat, kann sie nicht mehr glauben, daß er ihr treu gewesen ist. Von den drei Tugenden des Glaubens, des Hoffens und des Liebens bleibt im ewigen Leben nur die der Liebe, weil wir Gott dann so erkennen werden, wie er ist und so glauben wir ihn nicht mehr. Der Glaube an Gott impliziert nämlich einen defizitären Modus des Erkennens. Wenn die Vernunft: „Gott ist“ beweisen könnte, könnten wir nicht mehr sagen: „Ich glaube an Gott.“ Gerade wenn der Glaube als ein Fürwahrhalten (cognitiv) und als ein Vertrauen auf (affektiv) verstanden wird, würde ein Beweis des Seins Gottes den Glauben an ihn verunmöglichen. Die Möglichkeit der Gotteserkenntnis, daß das Sein Gottes beweisbar wäre, muß also begrenzt werden, um den Glauben an ihn zu ermöglichen. Die These, A ist größer als C ist bewiesen, wenn gilt: A ist größer als B und C kleiner als B. Man kann nun nicht mehr glauben, daß A größer ist als B, weil es bewiesen ist. Man kann aber sehr wohl sagen: Ich glaube, daß Thomas Mann ein bedeutender Schriftsteller ist als Heinrich Böll. Dafür könnte nun ein Literaturwissenschaftler auch gute Gründe anführen aber keinen Beweis. Ein Nichtliteraturwissenschaftler kann nun diesem Urteil des Experten Glauben schenken, weil er ihn für kompetent in dieser Causa hält, aber wenn ihm bewiesen werden könnte, daß dies Urteil wahr ist, könnte er auch dem Literaturexperten nicht mehr glauben. Gott kann und darf so nur soweit in und durch die Natur erkannt werden, daß sein Sein glaubwürdig ist, aber das heißt notwendigerweise, daß sein Sein nicht bewiesen werden können darf, da das einen Glauben an ihn verunmöglichte. Wer etwa die Wohlgeordnetheit des Kosmos als Beweis des Geschaffenseins des Kosmos durch Gott anführt, daß etwa unsere Sonne unser Leben auf der Erde ermöglicht, darf nicht vergessen, daß die selbe Sonne alles Leben auf der Erde vernichten wird, spätestens wenn sie völlig ausgebrannt sein wird. Gerade weil es auch Gründe für die Annahme, daß es keinen guten Schöpfergott gibt, sondern eher ein Demiurg, ist der Glaube an einen guten Schöpfergott nur möglich. Es sei daran erinnert, daß selbst der hl Augustin, solange er dem Manichäismus anhing, nicht an einen guten Schöpfergott glauben konnte und wollte, weil er es als unmöglich ansah, einen Monotheismus mit dem Bösen in der Natur und der Welt zu vereinbaren. Erst durch sein Studium platonischer Philosophen fand er seinen Weg zum christlichen Monotheismus. Wenn die Erkenntnis Gottes als Beweis seiner Existenz aus der Natur so möglich wäre, warum gelang dann diesem großen Gottsucher dieser Beweis nicht? Hätte es ihn gegeben, wäre Augustin aber nie ein gläubiger Katholik geworden!

Dienstag, 17. Mai 2022

Phraselogie in der Kirche: Gottes Nähe erfahren...in der Eucharistie

Phraselogie in der Kirche: Gottes Nähe erfahren...in der Eucharistie


Wie häufig ist gerade am Festtage der Erstkommunion dies zu hören: „Wir erfahren in der Eucharistie Gottes Gegenwart“. Meist wird dabei dann noch zitiert:“Wo zwei oder drei in meinem Namen beiander sind, da bin ich mitten unter ihnen“, in diversesten Variationen. Es geht also irgendwie um die Gegenwart Jesu, manchmal wird aber auch nur von der Präsenz Gottes gesprochen. Formelhaft und irgendwie dogmatisch gut klingend ist aber auch zu hören, daß Gott uns im Wort und im Sakrament begegne.

Nur, wer käme, wenn erstmal die Eucharistie als eine bestimmte Ausgestaltung der religiösen Praxis eines heiligen Essens verstanden wird, das Essen und Trinken als ein Begegnungsgeschehen? Wer würde nach einem Besuch in einer Restauration sagen, daß ihm da eine Currywurst mit Pommes Frites begegnet sei, wenn er die da verspeist hat? 2 verschiedene Arten des heiligen Essen werden in den Religionen praktiziert, a) daß mit den Göttern oder dem einen Gott zusammen etwas gegessen wird, und b) daß Heiliges, Göttliches selbst verzehrt wird. In beiden Fällen ist das Wesentliche die Vergemeinschaftung mit den Göttern oder mit Gott. Es geht eben nicht einfach um eine Präsenz sondern um eine gemeinschaftsstiftende Handlung.

Diese Vergemeinschaftung wirkt sich dann auch heilend, lebensstärkend für die Teilnehmer aus. Aber was bleibt davon übrig, wenn es nur noch um Jesu oder um Gottes Präsenz geht?

Ein drastisches Beispiel möge das so angezeigte Problem veranschaulichen. Einem Blinden begegnet Jesus. Jesus sagt zu ihm: „Ich bin bei Dir!“ und dann geht er fort. Der Blinde resümiert: „Jesus habe ich erfahren, er war bei mir...und das war es dann.“ Die Evangelien berichten uns stattdessen ein ganz anderes Geschehen: Den Blinden heilt Jesus und wenn er fortgeht ist der Blinde ein Sehender geworden. Jesus Christus beschränkt sich nicht darauf, da zu sein und dann wieder zu gehen und dem ihm Begegneten unverändert dann sich selbst wieder zu überlassen. Die empfangene Eucharistie verändert so auch den Empfangenden. Nur davon hört man am Festtage der Erstkommunion fast nie etwas.

Theologisch ist dann noch zu fragen, ob denn Jesu Christi Präsenz eine geglaubte oder eine erfahrene ist. Das Pathos, mit dem dann da von der Erfahrung gesprochen wird, erweckt zumindest den Eindruck, als wenn hier eine Erfahrung das Fundament für den Glauben an Jesu Realpräsenz legt.Unbestritten ereignen sich eucharistische Wunder, es sei an das zu Fatima erinnert, als die drei Kinder eine blutende Hostie sahen, aber im Regelfall wird doch „nur“ geglaubt, daß die empfangende Hostie der Leib und das Blut Christi ist und nicht wird dies schon erlebt und erfahren.

Ist so die Rede von der Erfahrung der Gegenwart Jesu nicht doch nur eine Phrase, die verdeckt, daß sie zu glauben ist, gerade weil sie noch nicht erfahren wird. Zur Probe: Wenn jemand in einem finsteren Raum neben mir steht, ich ihn aber ob der Dunkelheit nicht sehen kann, der aber zu mir spricht: „Neben Dir stehe ich!“, kann ich dann noch an seine Gegenwart glauben? Er hat mich doch direkt angesprochen, sodaß ich erkannt habe, daß er bei mir ist. Wenn Jesus sagt: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut“, dann vertrauten die Apostel ihm, daß er die Wahrheit zu ihnen sagt und deshalb glaubten sie, daß sie nun seinen Leib und sein Blut am Gründonnerstag empfingen. Sie erlebten aber doch nicht, daß sie seinen Leib aßen und sein Blut tranken.

Will man hier erlebnispädagogisch motiviert mehr erleben lassen als im Empfang der hl.Kommunion real möglich ist? Präfiguriert dies dann nicht notwendigerweise die Enttäuschung, wenn die hl.Kommunion dann zum 2., zum x.mal empfangen keine solchen Erlebnisse evoziert? Ist es dann nicht nachvollziehbar, daß die Erstkommunikanten später dann einen Abend in einer Diskothek oder gar den ersten Kuß als erlebnisintensiver dem Empfang der hl. Kommunion vorziehen, wenn es hauptsächlich um das subjektive Erleben geht?

Im Hebräerbrief heißt glauben, auf das, was man nicht sieht, zu vertrauen. Stellt das Gerede vom Erleben und Erfahren in der Eucharistiefeier nicht den Versuch da, dieser Wahrheit aus dem Wege gehen zu wollen? Darüberhinaus wird dann, das, was von der Eucharistie zu glauben ist, rabiat verkürzt, der Reichtum dieses Sakramentes bleibt so völlig den Erstkommunikanten verborgen, daß die Eucharistie ein heiliges Opfer ist, Gott dargebracht, ihm zur Ehre, uns zum Heile, daß es uns eine Medizin zur Unsterblichkeit ist. Wie dürftig macht sich dagegen das Gerede von einer bloßen Gegenwart Jesu aus!

 

Sonntag, 22. August 2021

Ein theologisch (fast)unlösbares Problem: Wer kommt zum Glauben?



In dem heutigen Evangelium hörten wir:

Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn ausliefern würde. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn ausliefern würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm umher. (Das Tagesevangelium Joh6,60-69)

Die Spitzenaussage: Niemand kann an Jesus als den Sohn Gottes, außer dem, dem es Gott, der Vater gibt, wird im Regelfall in der Predigtauslegung weggelassen, würde er doch die Predigthörer zu sehr irritieren. Die Exegese macht es sich im Regelfall einfach, indem sie dies als Reflexionseinschub betrachtet: Jesus habe einfach das Evangelium verkündet, hoffend und vertrauend darauf, daß seine Hörer es annehmen, auch wenn er (oft?) dann enttäuscht wurde. Die theologische Reflexion forschte nun nach den möglichen Gründen, daß seine Verkündigung nicht überall auf fruchtbaren Boden fiel. Eine mögliche theologische Antwort war nun die, daß nur die zum Glauben kommen, denen das durch Gott gegeben war, sodaß die anderen nicht Gläubige werden konnten, weil Gott sie nicht zur Annahme des Glaubens befähigte.

In der Regel wird das dann als ein Zuviel an theologischer Spekulation, bedauerlicherweise schon in der Bibel vorfindlich bei Seite geschoben, um wieder zum Ursprünglichen zu gelangen: Jesus verkündet und jeder hat die Freiheit, das Verkündigte glaubend anzunehmen oder es auch abzulehnen. Für diese Deutung spricht ja dann auch, daß die Nichtannahme des Glaubens als etwas Verfehltes beurteilt wird: Du hättest den Glauben doch annehmen sollen und können.

Erasmus von Rotterdam in seiner großen Kontroverse mit Luther betonte dabei ja diesen Zentralgedanken: Wie niemand einem Blinden nicht vorwerfen kann und darf, er könne das vor ihm stehende Gemälde nicht beschreiben, so könne Gott Ungläubigen ihren Unglauben zum Vorwurf machen, wenn nur die zum Glauben kommen, die Gott dazu eigens befähigt habe. Luther vertrat stattdessen eine deterministische Erwählungslehre, daß nur der, den Gott dazu bestimmt habe, ein Gläubiger wird und der dazu Erwählte wird es auch, weil Gott effektiv erwählt, wohingegen ein Nichterwählter nicht zum Glauben kommen kann. Er ist eben blind für die Verkündigung Jesu, er hört sie nur, kann sie aber nicht als wahr annehmen.

Der urkatholische Einwand gegen eine so deterministische Erwählungslehre Luthers lautet, daß dann der Unglaube dem Nichtgläubigen nicht als Schuld und der Glaube nicht als etwas Verdienstliches anzurechnen wäre. Nur wenn der Mensch qua freiem Willen selbst verantwortlich sei für das Nein- wie für das Jasagen zur Verkündigung, könne dies Ja oder Nein dem Menschen verantwortlich zugeschrieben werden.

Wie kann dann diese schwierige Aussage des Johannesevangeliumes ausgedeutet werden? Nur wenn Gott es einem Menschen gibt, den Glauben anzunehmen, kann er ihn annehmen, aber ob er diese Potentialität auch realisiert, das läge nun an ihm, ob er kraft seines freien Willens Ja oder Nein sagt zu dem von der Kirche ihm zum Zuglaubenden dargelegten.

Gibt es aber nun Menschen, denen dies Vermögen zum Jasagen fehlt, weil es Gott ihnen nicht gab. Man kann nicht umhin, einzuräumen, daß so es das Johannesevangelium lehrt, nicht nur an dieser Stelle. Weil der Mensch ein durch die Erbsünde Bestimmter ist, kann er die Wahrheit nicht mehr annehmen. So muß Gott ihn erst dazu befähigen, den erbsündlichen Widerstand gegen die Wahrheit aufzugeben, damit er dann frei sein Ja oder sein Nein zur Wahrheit sprechen kann. Ohne eine göttliche Befreiung zur Freiheit des Bejahen- oder Verneinenkönnens verharrt der sündige Mensch ob seines Verhaftetseins in dieser Ursünde in ihr, Nein zur Wahrheit sagend.

Aber damit steht das theologische Denken vor einem noch größeren Problem: Wie kann die Ursünde Adams und Evas so zu der jedes Menschen werden, daß sie wirklich die ihm eigene ist, auf Grund der er wirklich als Sünder vor Gott steht? Eine Antwort auf diese Frage scheint fast unmöglich. (Vgl aber dazu mein Buch: „Der zensierte Gott“)

Diese Wahrheit wird in der nachkonziliaren Kirche einfach weggebürstet durch die simple Vorstellung, daß Gott als der Schöpfer aller Menschen auch jeden Menschen liebe, sodaß Jesu Verkündigung eigentlich nur das eines Aufklärers war: Bisher habt ihr euch ganz falsche Vorstellungen von Gott gemacht, daß er dem Sünder zürne, mit ewigen Strafen bedrohe- mitnichten: Jeden liebt Gott, so wie er ist. Deswegen ist es auch für das objektive Heil des Menschen gleichgültig, ob er Jesus Christus glaubt oder nicht, denn dieser Glaube habe nur eine Bedeutung für die subjektive Befindlichkeit. Gläubige fühlten sich eben besser, weil sie sich ja als von Gott Bejahte wissen. Objektiv geurteilt ist aber jeder ein von Gott Bejahter, nur daß das nicht alle wissen.

Somit wird aber die Unterscheidung von Gläubigen und Ungläubigen, die hier im Johannesevangelium gemacht wird, entwertet, weil es objektiv gesehen gleichgültig ist, ob wer glaubt oder nicht glaubt. Wenn nun ein Ungläubiger sich auch ohne diesen Glauben wohlfühlt, wozu sollte er dann auch noch gläubig werden? Damit haben wir den Stand der Katholischen Kirche, zumindest wie sie im westeuropäischen Raume existiert, als vor sich hin dämmernd völlig devitalisiert, weil von der Gleichgültigkeit des Glaubens überzeugt ist, erfaßt.



 

Donnerstag, 26. November 2020

Irritierendes: Warum lehrte Jesus Christus überhaupt?

(kommt es nicht nur auf die Person Jesu und mein persönliches Verhältnis zu ihm an?)


Lehre, Doktrin, Dogmen, all das hat keinen guten Ruf in den zeitge-nössischen Ohren, und daß die Jünger Jesu Christi Schüler und er ihr Lehrer war, das tönt doch auch viel zu intellektualistisch, ist nicht ganzheitlich. Aber es kommt noch schlimmer, wenn Jesus uns belehrt:

Mir ist vom Vater alles übergeben worden;niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß,wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.“ (Lk 10,22)

Wenn niemand den Vater kennt außer denen, denen es der Sohn offenbart, dann hat das Folgen für die Möglichkeiten der natürlichen Gotteserkenntnis und der Gotteserkenntnis in den anderen Religionen. Es müßten nun die Fragen zu diesem Komplex der Gotteserkenntnis sortiert und geordnet werden. In dieser kleinen Erörterung soll sich nun aber auf die Frage der Heilsnotwendigkeit limitiert werden, wobei unter dem Heil hier jetzt ausschließlich das ewige Leben gemeint sein soll.

Früge ich etwa nur nach der Möglichkeit eines guten Lebens, einem, mit dem ein Mensch subjektiv zufrieden ist, dann wäre es gut möglich, daß Menschen, wahrscheinlich sehr viele respondieren würden, daß sie ganz gut leben könnten ohne jegliche Gotteserkenntnis, ja mancher würde wohl gar meinen, daß es ohne einen Gott sich besser leben ließe als mit einem erkannten; ein unerkennbare wäre ja für den Menschen bedeutungslos.

Ist die Gotteserkenntnis für das Heil des Menschen notwendig und welche Bedeutung hat dabei die allein durch Jesus Christus gewinn- und vermittelbare Gotteserkenntnis.Ob der obigen Belehrung durch Jesus selbst könnten folgende Distinktionen getroffen werden:

Es gibt eine Gotteserkenntnis, die nur dem Sohne zu eigen ist und andere Gotteserkenntnisse, denen aber nicht die Qualität dieser Gotteserkenntnis zu eigen ist. A) Nur die dem Sohne eigene Gotteserkenntnis ist hinreichend für das Ziel der Erlangung des ewigen Lebens oder B) Jesu Gotteserkenntnis ist zwar die vollkommene Gotteserkenntnis, aber die anderen, etwa die der natürlichen Gotteserkenntnis oder die der anderen Religionen reichten aus zur Erlangung des Heiles. C) Ein Sonderfall bildet dabei die Gotteserkenntnis, so wie sie das Alte Testament vermittelt: Reichte diese Gotteserkenntnis aus, so daß Jesu Gotteserkenntnisvermittelung zumindest für die, die die Schriften des Mose und der Propheten kennen, überflüssig zu ihrem Heile war und ist?

Hat also Jesus Christus eine Gotteserkenntnis vermittelt, die zum Heile der Menschen gar nicht von Nöten war? Oder sollte es ganz und gar anders verhalten: Daß Jesus gelehrt hätte, daß es gar keiner Gotteserkenntnis bedürfe, weil jeder ein von Gott Bejahter ist unabhängig davon, ob und was er glaubt und wie er lebt, (so tendenziell Karl Barth), sodaß diese Gotteserkenntnis die Gotteserkenntnis als etwas Heilsnotwendigem ausschließe. Lehrte Jesu also, um alle Gotteserkenntnis so überflüssig zu machen? Diese Fragen müßten nun nochmals verkomplexitiert werden durch die einer Heilsmöglichkeit für Menschen, die so früh verstarben, daß nicht davon ausgegangen werden kann, daß sie zu einer Annahme einer Gotteserkenntnis in der Lage waren, geschweige den zur Hervorbringung einer selbstständigen.

So schwer auch das Respondieren dieser Fragen jedem Theologen fallen muß, die Antwort unseres ersten Lehrers Jesu Christi fällt eindeutig aus: Nur die Gotteserkenntnis, die ihm eigen ist und die nur er (durch seine Kirche vermitteln) kann, ist die, die zum Heile ausreicht. Alle anderen reichten nur aus, um den Menschen als für sein Tuen und Unterlassen als schuldig zu qualifizieren. (Vgl dazu Paulus Römerbrief, 1-7.)

Aber diese Antwort ist nicht nur erst der nachkonziliaren Kirche als inakzeptabel erschienen: Es müsse auch für Menschen, die keine Möglichkeit hatten, Gott durch Jesus Christus zu erkennen, eine Möglichkeit zum Heile gegeben haben, etwa einem Platon, der schon so wahrhaftig von Gott lehrte. Nachkonziliar ist diese Relativierung dann zur Außerkraftsetzung der Lehre von der Heilsnotwendigkeit der christlichen Gotteserkenntnis geworden: Die Gotteserkenntnis in jeder Religion reiche zum Heil aus und lebt ein Atheist auch nur seinem Gewissen nach, so reichte das auch aus. Die Gotteserkenntnis, die dem göttlichen Sohne zu eigen ist und nur durch ihn (durch seine Kirche) vermittelbar ist, ist so zu einem überflüssigem Appendix entwertet.

Besonders der christlich-jüdische Dialog fundiert sich durch das Axiom der Überflüssigkeit der allein Jesu Christi eigenen Gotteserkenntnis. Jesus selbst sagt über seine Lehre: „Mea doctrina non est mea, sed ejus, qui misit me“. (Joh 7,16= Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt hat.) Meine Doktrin, die der Sohn allein von seinem Vater hat, die soll nun für das Heil der Menschen überflüssig sein!


Corollarium 1

Eine einfache fast schon als vulgär zu qualifizierende Entwertung der Doktrin Jesu besteht darin, daß Jesu eigentlich nichts gelehrt außer daß er die Liebe Gottes zu allen Menschen praktiziert habe. Diese Praxis und sonst nichts sei das Christentum. Dem heutig vorherrschendem Antiintellektualismus ist ja überhaupt die Vorstellung eines lehrenden Jesu unerträglich. Dogmen und Doktrinen sind doch nur kirchliche Entstellungen des eigentlichen Anliegens Jesu: Habet alle lieb (und auch alle Tiere)!


 

Mittwoch, 11. November 2020

Irritierendes: Verlangen moderne Gesellschaften von dem Bürger ein Zuviel an „Glauben“?

Irritierendes: Verlangen moderne Gesellschaften von dem Bürger ein Zuviel an „Glauben“?

Spontan wird dieser These widersprochen werden, ist es doch eines der Zentralanliegen der Aufklärung, den „Glauben“ durch Wissen zu ersetzen. Einst konnten sich die Menschen das Phänomen des Blitzes nicht erklären und so glaubten sie, daß der Blitz mit den Göttern oder mit dem Gott zu tuen hatte, sodaß gebetet wurde, wenn es gewitterte, jetzt, da wir wissen, was ein Blitz ist, montieren wir einen Blitzschutz aufs Dach und unterlassen so das Beten. Wie vielen geschichtsphilosophischen Konzeptionen liegt diese simple Antithese von Glauben und Religion zu Grunde,daß da, wo ein Mangel an Wissen ist, der Raum des Glaubens diese Wissenslücken auszufüllen hatte, bis daß das Wachstum des Wissens diese Lücken schließt. Vom Mythos zum Logos, von der Religion über die Metaphysik zur Wissenschaft, so klingen diese Narrative der Überwindung des Glaubens.

Unter Zu-Glauben sei hier (vgl Kant) verstanden eine defizitäre Form des Wissens zwischen dem Meinen und dem Wissen verortet. Das Meinen drückt sich am klarsten im Gebrauch des Konjunktives des Zweifels aus: „Ich würde meinen“, das ist ein weder subjektiv noch objektiv hinreichendes Wissen: Ich meine, daß es so ist, es könnte aber auch nicht so sein. Glauben heißt: für mich ist das gewiß aber es ist kein Wissen, daß von jedem andern auch als wahr anzuerkennen ist. Es ist nur ein subjektives Wissen: für mich ist es wahr, aber es ist kein Wissen, daß für jeden als wahr anzuerkennen ist, es ist nicht objektivierbar, als Wissen für alle. Erst das Wissen ist so wahr, daß es den Anspruch auf allgemeine Anerkennung erheben kann.

Moderne Gesellschaften verfügen über sehr viel mehr als mittelalterliche und Steinzeitgesellschaften wäre das Wissen moderner Gesellschaften etwas Unnachvollziehbares. Diese Wissensvermehrung verdankt sich die Gesellschaft dem Prozeß der Ausdifferenzierung. Wo es einst nur einfache Differenzierungen gegeben hat, die des Jägers von dem Sammler, des Priesters von der Kultgemeinde mit dem jeweiligen Spezialwissen, zeichnen sich (post)moderne Gesellschaften durch eine fast unbegrenzte Vielzahl von Expertensystemen aus, in der das dortige spezifische Wissen weitervermittelt und permanent erweitert wird. Das gesamtgesellschaftliche Wissen ist so groß geworden, daß es keine universalgebildeten Menschen mehr geben kann, es kann nur noch Expertensysteme geben, wobei ihre Teilhaber, sobald sie außerhalb ihres Systemes zu agieren haben, auch nur noch Laien sind. Nie war das Individuum im Vergleich zum vorhandenen Wissen des Gesellschaft so unwissend wie jetzt. Wissender ist der moderne Mensch im Vergleich zum mittelalterlichen, aber die Differenz an Wissen zwischen dem gesamtgesellschaftlichen Wissen und dem der Individuen war damals geringer.

Fährt das Auto nicht mehr richtig, vertrauen wir es zur Reparatur einer KFZ-Werkstatt an, denn da wird das auf dem Fundament von Wissen gekonnt, was der durchschnittliche Autonutzer nicht kann: das Auto reparieren. Die Gesundheit wird Ärzten als Teil des Gesundheitssystemes anvertraut, besondere Probleme dem Facharzt usw. Überall agiert der moderne Mensch als Laie, der sich Expertensystemen anzuvertrauen hat, weil sein Wissen nicht ausreicht; er muß nur wissen, welche Institution für was zuständig ist oder er informiert sich über die Zuständigkeiten. Mit welcher Haltung hat so der Bürger sich den Expertensystemen gegenüber zu verhalten, damit moderne Gesellschaften in ihrer vielfältigsten Ausdifferenzierung noch funktionieren können? Er muß den Expertensystemen vertrauen, ihnen Glauben schenken. Ich kann nicht erkennen und wissen, ob die vom Arzt mir angeratene Therapie die richtige für mich ist, oder ob die staatlichen Anordnungen zum Schutze vor der Coronaseuche angemessen oder nicht angemessen sind. Das Ideal des mündigen Staatsbürgers vor Augen muß konzediert werden, daß seine Rolle in modernen Wissensgesellschaften nur noch die eines Gläubigen sein kann, daß er auf das Wissen der Expertensysteme zu vertrauen hat. Frank Lisson bringt es so auf den Punkt: „Erst seit gut hundert Jahren sieht sich der Mensch mit einer technisch erzeugten Wirklichkeit konfrontiert, die kein einzelner mehr verstehen kann und folglich auch nicht selber herstellen könnte.“ Lisson, Weltverlorenheit. Über das Wahre im Wirklichen, 2016, S.13.

Stand in einfach strukturierten Gesellschaften der Einzelne als Laie nur dem Priesterstand der Wissenden gegenüber, in allen anderen Bereichen konnte auch er ein Experte sein, das gesammtgesellschaftliche Wissen konnte noch von einem Einzelnen sich angeeignet werden, so ist das in modernen Gesellschaften nicht einmal mehr einem Genie möglich und auch keiner Elite mehr. Nur Höchstleistungscomputer mit künstlicher Intelligenz könnten das, wenn überhaupt.

Die Priesterherrschaft evozierte den Generalverdacht des Priesterbetruges, die Aufklärung wollte so diese Herrschaft überwinden, indem sie die religiöse Bildung mit dem Konzept der natürlichen Religion als für jeden hinreichend zugängliches Wissen konstruierte. Aber statt eine egalitären Wissensgesellschaft entstand in der Moderne ein so ausdifferenziertes Expertenwissenssystem, daß der Bürger der Moderne nur noch die Rolle eines Laien den Subsystemen gegenüber einnehmen kann. Es wird von ihm so nur noch: Glaub und Vertrau!, gefordert, denn er fungiert fast nur noch als Unwissender. Es liegt nahe, daß diese Konstellation von dem Bürger als ein Zuviel an gefordertem Glauben empfunden wird, sodaß, wo die Subsysteme Glauben von ihm einfordern, er mit Mißtrauen reagiert. „Den da oben, den glauben wir (nicht mehr).“

In der Geschichte der BRD kann man so bestimmte Phänomene, wie die Anti-AKW- Bewegung, die Friedensbewegung und jetzt die Proteste gegen die Regierungspolitik bezüglich der Coronaseuche so begreifen: Sie leben aus dem Mißtrauen der Laien gegen Expertenwissenssystemen. Verstärkt wird diese Verdachts- und Mißtrauenskultur noch durch die Erkenntnis, daß die politisch verantwortlichen Entscheider selbst den jeweiligen Expertensystemen gegenüber sich wie Laien verhalten: Sie können selbst nicht den Wahrheitsgehalt der Expertenurteile beurteilen; auch sie müssen glauben, aber nur wem, wenn selbst die Experten sich untereinander uneinig sind? Der politische Diskurs ist eben selbst nur ein Expertendiskurs neben vielen andern, sodaß die Teilnehmer dieses Diskurses, unter Diskurs sei hier das Innenleben eines Expertensysytemes verstanden, anderen Diskursen gegenüber auch nur Laien sind.

So ist es auch kein Zufall, daß angesichts dieser Lage zwischen den Expertensystemen und der Rolle des Bürgers als Laie Verschwörungstheorien so viel Anklang finden. Das Mißtrauen gegen die Expertenherrschhaft und die Einsicht, daß politische Entscheidungen nicht mehr sachkundig von den Entscheidern getroffen werden können, läßt die Nachfrage an alles erklärenden Theorien entstehen, die der erfahren und erlitten werdenden Ohnmacht der Bürger moderner Gesellschaften gerecht wird.