Posts mit dem Label Kalter Krieg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kalter Krieg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 10. Juli 2026

Die Theologie und die Kirche im Dienste der Regierungspolitik oder: „Wir sind systemrelevant!“

 

Die Theologie und die Kirche im Dienste der Regierungspolitik oder: „Wir sind systemrelevant!“



Wo anders als im Kampfe gegen alles Nichtkonformistische, also Rechte kann die Theologie und die Kirche ihre heutige Relevanz beweisen? Der Communioartikel: "Marine Le Pen – Retterin der Grande Nation?: Wider die rechtspopulistische Vereinnahmung des Kreuzes“ des 7.9. 2026 demonstriert das auf das Eindrücklichste. Heißt es da doch: „Marine Le Pen inszeniert sich nach ihrem politischen Comeback als Retterin Frankreichs – und nutzt dabei bewusst christliche Symbolik. Warum ihre rechtspopulistische Vereinnahmung des Kreuzes dem christlichen Universalismus widerspricht. Von Jan-Heiner Tück“.

Selbstverständlich wäre es im Sinne des Konzeptes der wehrhaften Demokratie gewesen, dieser Politikerin jede weitere Kandidatur zu verbieten, da eben wie auch in Deutschland zu viele Bürger ihr Wahlrecht mißbrauchend der Parteienoligarchen nicht akzeptable Parteien wählen. Nun sieht es die Theologie als eine ihrer dringlichsten Aufgaben, für diese Oligarchie den Kampf gegen die politischen Feinde zu führen, um sich als die Univeritätstheologie als politisch relevant zu legitimieren, da die Kirchen selbst an Relevanz verlieren.

Der christliche Universalismus widerspräche dem politischen Willen, Frankreich zu retten. Das ist so absurd, als verträte ich die These, daß die Ehe dem christlichen Universalismus widerstreite, da die Eheordnung der Liebe zu allen Menschen widerspreche oder die Liebe der Mutter zu ihren Kindern der von ihr geforderten Liebe zu allen Kindern der Welt.

Der Politikerin wird einfach vorgeworfen,für das französische Volk Politik machen zu wollen, es also gut regieren zu wollen. Nicht wirft dieser Theologe nun der Politikerin vor, daß sie das, was sie so verspricht, nicht erfüllen kann oder will, sondern daß sie überhaupt das Beste für ihr Volk wolle. Es muß hier an das Faktum erinnert werden, daß die Parole „Alles für Deutschland!“ bestraft wird, die „Deutschland verrecke“ dagegen da politisch korrekt erlaubt ist.

Innerhalb der katholischen Theologie gilt das Prinzip,daß die Gnade die Natur nicht zerstört sondern vollendet. Wenn der Begriff der Gnade oppositionell zu dem der Natur verwendet wird, wird die Natur nicht biologistisch naturwissenschaftlich gebraucht sondern als die Summe aller menschlichen Hervorbringungen, die er ohne die Gnade Gottes erwirkt, etwa die natürliche Gotteserkenntnis in ihrer Opposition zur offenbarten. Die offenbarte Gotteserkenntnis negiert nun nicht die natürliche sondern bestätigt sie und vollendet sie, denn sie ist selbst der Vollendung bedürftig. Zu den natürlichen Ordnungen in diesem Sinne gehört die Ordnung der Familie und der Ehe, wie die des Volkes und des Nationalstaates.

Dieser Antirechtstheologe fordert so die Liquidierung der natürlichen Ordnung des Volkes und des Nationalstaates im Namen eines christlichen Universalismus. Die Ordnung der Liebe (Thomas von Aquin) fußend auf der Distinktion der Nächsten- und der Fernstenliebe wird dabei ebenso negiert. Die Politik dürfe sich nicht für das Gemeinwohl des eigenen Volkes einsetzen, sondern habe eine für die Menschheit zu sein, und darum keine für das französische Volk.

Faktisch paßt das zur politischen Praxis der Eurokraten,denen das Ergehen der Völker Europas gleichgültig ist. Zu dieser Art von Theologie paßt es dann auch, wenn die quasi offizielle Internetsauftrittsseite der Deutschen Bischöfe vermelden kann: „Militärbischof äußert Verständnis für steigende Verteidigungsausgaben“ (7.7.2026) um so die Rückkehr in die Zeiten des „Kalten Krieges“ zu begrüßen. Die „Entspannungspolitik“ war eben ein Irrtum. Die Politik: „Kanonen statt Butter“ läßt zudem eine Politik zum Wohlergehen des eigenen Volkes nicht zu.

Die neue Kriegsbefürwortungstheologie schimmert dann auch in dem Communioartikel   „Allein den Betern kann es noch gelingen: Gebet um Frieden oder Krieg gegen Gewalt?“ vom 9.7.2026 durch: Gegen Diktatoren müsse doch das Mittel des Krieges erlaubt sein, da reiche das Beten eben nicht.Als die aktuellen anzugreifenden Diktaturen sind wohl der Iran, Rußland und China, aber auch Kuba anzusehen: Um der Menschenrechte willen dürfe man doch wohl völkerrechtswidrige Angriffskriege führen wie jetzt gegen den Iran.Damit erleben wir eine Renaiscance der politischen Theologie.



Dienstag, 17. Juni 2025

Daß es die Bösen und die Guten in der Politik gibt...oder über die religiöse Aufladung politischer Konflikte zur Unvermeidlichkeit von Kriegen

 

Daß es die Bösen und die Guten in der Politik gibt...oder über die religiöse Aufladung politischer Konflikte zur Unvermeidlichkeit von Kriegen.



Als Christen wissen wir, daß der dreieinige Gott allein gut und der Teufel allein böse ist und daß deswegen uns Menschen es weder gegeben ist, so gut zu sein, wie Gott oder so böse wie der Teufel, wir können eben nur Abbilder des jeweiligen Urbildes des Guten bzw des Bösen sein oder um es farblich zu visualisieren: Wenn Gott nur weiß und der Teufel nur schwarz ist, dann können wir nur Grauwesen sein, aber hellere oder dunklere.

Der politische Diskurs lebt nun von der Verteufelung des Feindes. En passant sei hier an die Bedeutung des Feindes für das Politische nach Carl Schmitt erinnert. Seit 1945 ist nun in der Westpropagnda die Sowjetunion, bzw nach dessen Zerfall Rußland zum Reich des Bösen aufgestiegen, wobei m.E an die Feindschaft der Anhänger der Französischen Revolution wider das ultrareaktionäre zaristische Rußland nahtlos angeknüpft wird. Für uns Deutsche muß nun der Staat Israel als der Hort des Guten gelten ob des Holocaustes, sozusagen als eine Wiedergutmachung dieser deutschen Untat.

Aber welche abstruse Folgen zeitigt diese moderne Version eines manichäischen Dualismus, der im Raume der Politik nur noch die Guten im Kampfe wider die Bösen sehen kann, daß der politische Feind nun propagndistisch zum moralisch Bösen verwandelt wird. Der mehr als lesenswerte Artikel: „Ich will nie wieder das Wort >Völkerrecht< hören1 zeigt das auf in einem Vergleich der Kommentierung des Angriffes der Sowjetunuion auf Afghanistan und der Reaktion auf den jetzigen Angriffskrieg Israels gegen den Iran. Da heißt es: „Als russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sprachen deutsche Medien und die deutsche Regierung sofort von einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Man müsse sich mit dem Überfallenen solidarisieren, der Aggressor dürfe für den Völkerrechtsbruch nicht belohnt werden.“

Tatsächlich wurde in den westlichen Medien einhellig von einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Rußlandes wider Afghanistan gesprochen und Sanktionen wider die Sowjetunion eingefordert. Daß die sozialistische Regierung Afghanistans die russische Regierung um eine militärische Untersützung gegen die islamistischen Kämpfer baten, da sie selbst die damaligen Talibans nicht mehr militärisch besiegen konnte, verschwiegen die Westmedien tunlichst. Denn damals galten die Islamisten als Freiheitskämpfer, die als solche auch vom Westen massiv in ihrem Befreiungskrieg gegen die sozialistische Regierung in Kabul unterstützt wurden bis zu ihrem Sieg über diese Regierung. Völkerrechtswidrig war natürlich die Unterstützung der islamischen Revolutionstruppen wider die Regierung. Es ist aber das gute Recht jeder Regierung, zur Terrorismusbekämpfung ausländische Hilfe zu erbitten. Als die USA später mit ihren Verbündeten in dem besiegten Afghanistan eine prowestliche Regierung installierten und die sich islamistischen Angriffen ausgesetzt sah, unterstützten die Westmächte die neue Regierung tatkräftig gegen die nun zu islamistischen Terroristen mutierten Freiheitskämpfern von vorgestern.

Aber jeder Krieg Rußlands seit 1945 gilt als ein Verbrechen wider die Menschlichkeit, weil es ein russischer Krieg ist. Nun führt Israel einen Angriffskrieg gegen den Iran. Was lesen wir nun dazu in den Westmedien? „Seit Freitag bombardiert Israel den Iran – ein glasklarer Verstoß gegen das Gewaltverbot der UN-Charta, ein Völkerrechtsbruch, ein Angriffskrieg, der jedoch weder von den deutschen Medien noch von der deutschen Regierung so benannt wird. Nun fordern sie, Deutschland müsse sich nicht mit dem Überfallenen, sondern mit dem Aggressor solidarisieren.“

Nun wird dieser Angriffskrieg zu einem Präventivkrieg umgedeutet mit der Behauptung, der Iran beabsichtige Atombomben herzustellen. Aber für diese Behauptung existieren keine Beweise, es wird nur behauptet, daß die Atombomenherstellung beabsichtigt sei.Es ist wahrscheinlich, daß es dies Atombombenentwickelungsprogramm so wenig gibt wie die Massen-vernichtungswaffen des Iraks, die zur Legitimierung des amerikanischen Angriffskrieges gegen den Irak erphantasiert wurden.

Die „Junge Freiheit“ offeriert nun seiner Leserschaft ein anderes Legitimationsnarrativ für den jetzigen Angriffskrieg Israels: „Wie Netanjahu mit dem Regime Change im Iran spielt. Setzt Israel mit seinem Krieg auf einen Sturz der Regierung in Teheran? Die Rhetorik von Premierminister Benjamin Netanjahu läßt diesen Schluß zu.“ (!6.7.2025) Einen anderen Staat anzugreifen, um dadurch einen Regierungssturz zu erwirken, ist auf jeden Fall völkerrechtswidrig. Aber da die Regierung des Iran in den westlichen Medien einen sehr schlechten Ruf genießt, kann sich Israel der Solidarität des Westens gewiß sein: Zu gerne sähe man einen Umsturz im Iran und die Etablierung einer prowestlichen Regierung, wie es man ja schon, aber letztlich erfolgos gegen Afghanistan praktiziert hatte, als man die islamische Regierung einer Unterstützung des Terrorismus vorwarf, für die es bis heute keinen einzigen Beweis gibt, und dann das Land okkupierte, um eine prowestliche Regierung zu installieren, die sich aber nicht gegen den Widerstand der Talibans halten konnte trotz massivster militärischer Unterstützung durch den Westen.

Länder werden so einfach zu Feindstaaten erklärt und gegen die darf man dann auch Kriege führen, und es gibt die guten Staaten und die dürfen Kriege führen, so viel sie wollen, denn die ihrigen werden alle gut geheißen.Mit dem Völkerrecht hat all das nichts zu tuen und diese Praxis widerspricht auch eindeutig der von der Kirche anerkannten Lehre vom Kriege. Das Kriegsziel, eine nichtgenehme Regierung zu stürzen, ist kein legitimer Kriegsgrund. Ein Präventivkrieg ist nur dann legitim, wenn es auch real eine direkte Bedrohung gibt, daß also ein Angriffskrieg des Iran unmittelbar zu erwarten gewesen wäre, aber dafür existieren keinerlei Indizien.Diskussionswürdig ist dagegen die Frage, ob Deutschland nicht 1941 einen Präventivkrieg gegen die Sowjetuinion führte, da da die reale Bedrohung eines sowjetischen Angriffskrieges bestand2. Aber auch hier gilt: Da wir Deutschen die Bösen waren, war alles, was wir in dieser Zeit taten, nur böse und die Anderen waren da eben die nur Nurguten!

Diese manichäische Vermoralisierung der Politik macht es nun faktisch kaum noch möglich, diplomatische Lösungen für die Konflikte zu finden, da man eben das Böse nur bekämpfen und besiegen kann, aber keine Kompromisse mit ihm eingehen könne3. 

(Fußnoten nach unten verrutscht)























1„NachDenkseiten“ am 16.7.2025.

2Vgl dazu etwa: Helmut Schröcke, Der Jahrhundertkrieg 1939-1945. Ursachen – Kriegsschuld- Folgen.“

3So polemisiert ja auch die „Tagespost“ gegen das Friedensmanifest Oppositoneller in der SPD, statt einseitig auf eine militärische Lösung des Ukrainekonfliktes zu setzen, diplomatische Lösungen zu suchen in dem Kommentarartikel: „Die SPD und ihre außenpolitischen Retro-Opas“. Die Entspannungsolitik der SPD unter Brandt war eben der Sündenfall der SPD, beendete sie doch zu die Epoche des „Kalten Kriegess“ gegen das Reich des Bösen, den „Osten“.

„


Dienstag, 22. März 2022

Conservative Christen – die 5. Kolonne Moskaus

Conservative Christen – die 5. Kolonne Moskaus


Jawohl, die Rückkehr in den „Kalten Krieg“ wird nun massenmedial inszeniert. Da will natürlich das quasi offizielle Internetportal: kath de wie aber auch die sonst eher conservativ ausgerichtete „Tagespost“ nicht im Abseits stehen. Die neue Generallinie dazu formulierte die „Zeit“ auf ihrer Internetseite so:


„Einige Politiker scheinen weit davon entfernt, ihre Haltung zu Russland aufzuarbeiten. Es ist zu befürchten, dass die Putin-Versteher bald wieder den Dialog beschwören.“ 18.3.2022, 6:43.


Putin zu verstehen ist also etwas moralisch Verwerfliches, aber noch schlimmer, daß es immer noch Politiker gibt, die mit ihm einen „Dialog“ führen wollen. Merke: Feinde hat man nicht zu verstehen und man spricht auch nicht mit ihnen! Aber der äußere Feind verfügt eben auch über eine 5.Kolonne mitten unter uns, die es nun auch zu bekämpfen gilt. Kath de demaskiert sie:

„Insbesondere Putins Vorgehen gegen sogenannte 'Homosexuellen-Propaganda' löste unter rechten Christen große Begeisterung aus. Denn nach wie vor zählen Homosexualität und die 'Ehe für alle' zu ihren Kernfeindbildern.“ Zitat: Publizistin Liane Bednarz am 22.3.2022 in:Putin ist unter rechten Christen zu einer Art Idealfigur avanciert.

Also, wer daran festhält, daß die praktizierte Homosexualität eine Sünde ist, und daß die Ehe der Verbindung einer Frau mit einem Mann vorbehalten ist, und es so keine Homosexehe geben könne, ist nicht nur ein rechter Christ sondern steht nun auch unter dem Verdacht, ein „Putin-Versteher“, ja gar ein Einflußagent dieses „Diktators“ zu sein. Rechte Christen verfügten gar über Kernfeindbilder ganz im Gegensatz zu den politisch korrekten Medien, die natürlich rein sachlich und ausgewogen nun zu eine Neuauflage des „Kalten Krieges“ aufmarschieren. Selbstverständlich würde in politisch korrekten Medien niemals die Angriffskriege gegen Jugoslawien und Afghanistan kritisiert werden, denn da führte der gute Westen ja Krieg und unsere Soldaten waren dabei. Nur „Putin-Versteher“ erinnern an diese Kriege mit der Frage, warum Rußland Krieg in der Ukraine etwas Verwerfliches sei, diese 2 Angriffskriege dagegen ordentliche und gerechtfertigte waren.

Aber Kath de hat anderes im Visier: das Haßobjekt Frau Kuby. So wird sie zitiert mit ihrer Erklärung, warum sie an einem Kongreß zum Thema: „Familie“ in Rußland teilnahm: "Selbst wenn alle Schuld für den Ukraine-Konflikt auf Seiten Putins läge – was gewichtige Stimmen bezweifeln –, dürfte man dann nicht an einem Kongress teilnehmen, der eine positive Weichenstellung Russlands in der Familienpolitik signalisiert?"

Das hätte diese Frau doch wissen müssen: Jeder Dialog mit dem „Feind“ist verwerflich! Im Lande Putins darf kein Mensch, wenn er fernerhin als ein anständiger Bürger gelten will, mit Russen reden. Wenn dann sogar noch über so politisch Inkorrektes wie die Familie geredet wird, dann verbietet sich jede Teilnahme von selbst. Wenn das Tagungsthema wenigstens gehießen hätte: „Die Homoehe- ein Segen für Rußland und die ganze Welt“, wäre vielleicht eine Teilnahme noch akzeptabel gewesen, aber auf keinen Fall bei so einer Rechtslastigkeit.

Rechte Christen fungieren so, wie es in den Zeiten des „Kalten Krieges“ so trefflich hieß als 5.Kolonne Moskaus und müssen so bekämpft werden. Die wichtigste Frage des Gutmenschentums: Mit wem darf ich reden und mit wem nicht, wen darf ich nicht mehr grüßen?, findet so eine klare Antwort. Aus der „Neuen Synodalkirche“, kreiert in deutschen Landen sind rechte (=conservative) Christen als „Putin-Versteher“ vom Dialog auszuschließen.


Darum ruft dann Kath de diese rechten-conservativen Christen zur Umkehr auf: „Von einer selbstkritischen Analyse der eigenen Rolle in den vergangenen Jahren als "fünfte Kolonne Moskaus" ist von den "selektiven christlichen Wertebewahrern" (Andreas Püttmann) bislang allerdings auch nichts zu hören.“ Christliche Wertebewahrer sind also eine 5.Kolonne Moskaus! Darf daraus gefolgert werden, daß der „freie Westen“ eine Kultur der Zerstörung der christlichen Werte ist, für die sich Kath de und der „Synodale Weg“ engagieren?

 

Donnerstag, 3. März 2022

Zurück in den „Kalten Krieg“ – oder wenn das politische Denken auch bei Christen aufhört

Zurück in den „Kalten Krieg“ – oder wenn das politische Denken auch bei Christen aufhört



In einem Leitartikel von Herrn Ahrens: „Verratende Konservative“ in der Tagespost vom 1.3.2022 lesen wir diese Charakterisierung des russischen Staatschefes Putin: Putin sei ein „Gewaltherrscher, ein „Auftragsmörder“ und ein „Kleptokrat“. Wo es nun die Aufgabe eines Kommentares wäre, die Ereignisse zu begreifen, wird nur polemisiert. Deutschland hat sich unter einer Rot-Grünen Regierung an 2 Angriffskriegen beteiligt, den gegen Jugoslawien und den gegen Afghanistan. Warum werden die dafür politisch Verantwortlichen nicht ähnlich charakterisiert?

„Denn der selbsternannte Hüter von Familie, Heimat und orthodoxem Christentum hat mit dem rücksichtlosen Überfall auf sein Nachbarland und der Absicht, dieses „Brudervolk“ von der Landkarte zu tilgen, eindrücklich bewiesen, dass ihn eben solche Werte, die mit obengenannten Begriffen normalerweise verbunden sind, überhaupt nicht interessieren.“

Es gibt keine einzige Äußerung russischer Politiker, die auch nur im entferntesten diese „Interpretation“ der Ziele dieser jetzigen Militäraktion als das der Austilgung der Ukraine zuließe. Nötig wäre es stattdessen gewesen, die genannten Kriegsziele zu diskutieren, sicher kritisch, statt so wüste Behauptungen über die Kriegsziele aufzustellen. Es ist doch befremdlich, daß der Angriffskrieg gegen Jugoslawien völkerrechtlich und moralisch legitim gewesen sein soll, weil hier die westlichen Militärmächte zum Schutz der Albaner gegen die sie bedrängenden Serben intervenierten und so den Vielvölkerstaat Jugoslawien zerschlugen, weil in ihm die Serben die albanische Minderheit diskriminiere , während nun die Intervention Rußlands zugunsten der russischen Minderheit in der Ukraine unmoralisch sei. Daß die zwei russischen Volksrepubliken als von der Ukraine miltärisch bedrängte, Rußland um eine militärische Hilfe baten, soll nun unmoralisch und völkerrechtswidrig sein. Es sei nun an die prominente ukrainische Politikerin Timanschenko erinnert, die sagte: Ukraine2014 – das Timoschenko-Video, deutsche Übersetzung. ”Scheiße, wir müssen die Waffen in die Hände nehmen und diese verdammten Russen abschlachten zusammen mit ihrem Anführer.” Daß sie die Russen mit Atombomben ausrotten wolle, dementiere sie dann aber als eine Falschmeldung. Ist es wirklich völlig unmoralisch, angesichts solcher Ausrottungsdrohungen, daß Putin den zwei russischen Republiken zur Hilfe kam? Völkerrechtlich ist diese Militärhilfe wohl nicht akzeptabel, denn diese 2 Volksrepubliken werden weltweit nur von Rußland und m.W.Serbien anerkannt. Nur ist aus russischer Sicht sie von zwei von ihr anerkannten Staaten um eine Militärintervention gebeten worden zum Schutze der in ihr lebenden Russen vor ukrainischen Übergriffen.

Einen vergleichbaren Fall stellt die ebenso vom Westen verurteilte russische Intervention in Afghanistan dar, als die dortige Linksregierung Rußland um eine Militärhilfe gegen die sie bekämpfenden islamistischen Talibankämpfer anforderte. Die USA unterstützen damals noch die Talibankämpfer als antikommunistische Kraft. Aber diese amerikanische Unterstützung war natürlich für die westliche Presse moralisch legitim und so wurde auch die Niederlage der „Roten Armee“ gegen die Talibans als Sieg der Freiheit gefeiert. Daß diese Talibankämpfer nun aber die westlichen Besatzungsmächte aus ihrem Land vertrieben haben, das war nun aber ein „Sieg“ schlimmster Fundamentalisten.

Genauso gravierend ist es, daß die ganze Vorgeschichte dieser russischen Militäraktion mit keinem Wort erwähnt wird, daß die Nato Rußland 1990 versprach, daß die Ausdehnung der Nato nach Osten mit der Eingliederung der DDR ihr Ende fände, näher wolle man die Nato nicht an Rußland heranführen um der Sicherheitsinteressen Rußlands willen. Aber an diese Zusage hielt sich die Nato selbst nicht sondern nahm ein Ostblockland nach dem anderen auf, sodaß die Nato immer näher an Rußland kam. Der einstige Sicherheitspuffer Rußlands gegen einen direkten Angriff des Westens auf ihn ward so aufgelöst. Jetzt drohte aus russischer Sicht die Aufnahme der Ukraine in die Nato. Man schaue mal in ein Geschichtsbuch, wie oft sein Napoleon Rußland vom Westen her angegriffen worden ist! Daß die Nato nicht nur ein Verteidigungsbündnis sondern auch ein potentielles Angriffsbündnis war und ist, daß jetzt Rußland zu ihren Hauptfeind erklärt, ist offenkundig. Der jetzige US-Präsident verurteilte ja schon in seinem Wahlkampf die zu lasche Haltung Trumps gegen Rußland, und erstrebe so einen konfrontativen Kurs.

Wenn der SPD-Kanzler Brandt als ein Architekt der Entspannungspolitik in die Geschichtsbücher eingegangen ist, so wird der jetzige SPD-Kanzler als der Rückführer in den „Kalten Krieg“ zu stehen kommen, der mit dem Exkanzler Schröder den letzten Anhänger der deutschen Entspannungspolitik perhorresziert. Ganz in dem Tonfall des „Kalten Krieges“ ist nun auch dieser Leitartikel verfaßt.

Nur ein Problem sieht der Leitartikel noch: Putin genoß und genießt immer noch in christlich – conservativen Kreisen Sympathien. Galt er doch als „Hüter von Familie, Heimat und orthodoxem Christentum“. Das soll er nun also nicht mehr sein. 2 Gründe führt er dazu an: Angeblich lasse sich Putin vom Philosophen Dugin inspirieren, und der sei ganz antichristlich. Nur gibt es keinen einzigen Beleg dafür, daß die russische Regierung sich von diesem Philosophen beraten läßt. Der erste Grund soll nun aber der sein, daß diese Militäraktion nicht vereinbar sein sollen mit den Werten der Familie, der Heimat und des orthodoxen Christentumes. Warum protestiert dann die Russisch Orthodoxe Kirche nicht gegen Putins Politik? Dafür gibt es nun eine ganz einfache Erklärung: Sie bejaht die Intervention als Schutzmaßnahme für die russischen Republiken und isb der dortigen russisch orthodoxen Christen. Daß Putin in dieser Causa möglicherweise gegen das Völkerrecht verstoßen hat, ist wohl anzunehmen, da diese 2 Volksrepubliken völkerrechtlich nicht berechtigt gewesen waren, Rußland um einen militärischen Beistand zu bitten, aber daß er patriotisch agiert, kann nicht bestritten werden, denn a) geht es um die gefährdete russische Bevölkerung in der Ukraine und b) wohl darum,eine Gefährdung der Sicherheit Rußlands durch einen Beitritt der Ukraine in die Nato zu verhindern.

Wenn man nach Politikern suchen möchte, deren Politik nicht mit „Patriotismus, frommen Christentum, noch dem Schutz des Lebens und der Familie“ vereinbar ist, dann braucht man aber nicht ins ferne Rußland zu reisen, denn von solchen Politikern wird Deutschland schon lange regiert. Der Kanzler Adenauer erwiß sich ja schon als Antipatriot, als er Stalins Offerte im Jahre 1953, Deutschland könne sich reunionieren , wenn es sich außenpolitisch als neutral erkläre, ablehnte. Diesem Kanzler war die Westintegration und die Subordination unter die USA wichtiger als die Freiheit und Einheit Deutschlands.

Prinzipieller muß aber auch gesagt werden, daß das Handeln von Staatsmännern moralisch anders zu beurteilen ist als das von Privatpersonen. Zur Veranschaulichung: Wenn ein Vater den Mord an seinem Kind rächt, indem er den Mörder erschießt, ist das ein Blutracheakt und moralisch zu verurteilen. Wenn dagegen der Mörder in einem Gerichtsverfahren zum Tode durch Erschießen verurteilt wird, und er dann exekutiert wird, ist der Hinrichter moralisch nicht zu verurteilen. Es muß eben konstatiert werden, daß ein Staat prinzipiell ein Recht auf eine Kriegsführung hat, wenn es für diesen Krieg legitime Gründe gibt. Ob in diesem Falle solche vorliegen, das wäre genauestens zu überprüfen gewesen. Nicht ist schon ein Krieg an sich ein Verbrechen. So werden ja in der Regel die Militäraktionen des Staates Israel zum Schutz gegen seine vielen Feinde nicht in den Westmedien pauschal verurteilt, auch wenn in ihnen das israelische Militär hart zuschlägt.

Israels wie auch Rußlands Politik ist so gesehen conservativ, weil es frei von allen Friedensutopismen realistisch auch den Krieg als ultima ratio der Politik bejaht. Ob nun in diesem Falle eine nichtmilitärische Lösung besser gewesen wäre, dafür spricht allerdings Vieles. Patriotisch gesinnte Politiker können eben auch falsche Entscheidungen treffen, ohne daß sie deshalb zu unmoralischen Monstern mutieren.