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Montag, 3. August 2026

„War der Kreuzestod Jesu ein heilswirksames Opfer?:Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“

 

War der Kreuzestod Jesu ein heilswirksames Opfer?:Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“



In diesem „Communio“ Artikel vom 31.7.2026 wird das Buch des Neutestamentlers Trummer:“Jesus ohne Opfer“ rezensiert. Dessen Kernthese lautet, daß Gott keine Opfer bräuchte. „ >Sündenböcke seien "eine eklatante Fehlleistung menschlicher Projektionen" (ebd.) – "Ein solch blutrünstiges Monster hätte Jesu niemals Abba nennen können"<(78).“ Eine solche Vorstellung vergifte das „Gottesbild“. Das Kritikniveau dieses Buches ist an blauäugiger Naivität kaum noch unterbietbar: Gott ist so, wie ich ihn mir wünsche, das ist mein Gottesbild und ein Gottesbild, was dem widerspricht, muß somit unwahr sein. Dabei identifiziert dann der Exeget sein Idealgottesbild mit dem von Jesus, denn Jesus könne doch nicht etwas diesem „Exegeten“ Anstößiges und Inakzeptables vertreten haben.

Unter der Überschrift: „Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“ wird nun eine äußerst konfuse Kreuzestheologie skizziert:

Jedoch sein Zeugnis von der Grenzen überschreitenden Liebe Gottes nicht durch deren für ihn tödlichen Zurückweisung begrenzen, sondern betet sogar für seine Peiniger (vgl. Lk 23,34). Insofern er auf diese Weise sein Zeugnis göttlicher Barmherzigkeit sogar über die Grenze hinausträgt, die deren Zurückweisung errichtet, wird diese Barmherzigkeit auch in einer von der Sünde durchwirkten Welt lebendig. Sie gewinnt so die Qualität einer religiösen Opfergabe ("sacrifice"), denn Jesus ist in einem Akt der Solidarisierung mit denjenigen Sündern gestorben, die ihn in den Tod getrieben haben. Damit ist er auch für diese Sünder und um ihrer Sünde willen gestorben. Und der Gott, den er seinen Vater nannte, "brauchte" dieses Opfer, weil ihm auch dort am Menschen liegt, wo dieser sich in den Mechanismen der Sünde verfangen hat.“

Jesu Barmherzigkeit erstrecke sich somit sogar auf die, die seinen Tod gewollt haben und ihn kreuzigen ließen. Er habe sich so mit diesen Sündern solidarisiert.1 Aber was hat das mit dem Opfer im kultischen Sinne zu tuen? Nichts: Im Kult wird Gott das Opfer dargebracht mit einem Zweck, ihn günstig zu stimmen, um somit etwas von ihm zu erbitten. Wie bei der Frage: „Was ist ein Trabi?“ zuerst gewußt werden muß, was ein Automobil ist, um dann das Spezifische dieser Automarke zu begreifen, so verlangt das Begreifen des Opfers Jesu Christi zuvörderst einen Allgemeinbegriff von dem Opfer, um dann sein Spezificum zu begreifen.Die Opfer des Alten Testamentes, isb das alljährlich vom Hohenpriester dargebrachte Versöhnungsopfer sind sozusagen Vorabbildungen des wahren Kreuzaltaropfers Jesu Christi und somit legen diese Opfer sich wechselseitig aus.

Das Kreuz Christi besitzt so gar keine Heilsbedeutung, es besagt nämlich nur, daß Gott allen Sündern barmherzig eingestellt sei. Diese Verkündigung wäre auch wahr, wenn Jesus nicht gekreuzigt worden wäre.

Das Kreuz Christi ist eben nicht nur den Heiden eine Torheit, den Juden ein Skandal sondern unseren modernistischen Theologen etwas Unzumutbares. Um sich des Kreuzes Christi zu entledigen wird dabei gerne die Kultopferpraxis des Alten Bundes als ein Irrtum, etwas Primitives abgetan, obzwar Gott selbst diesen Opferkult eingesetzt hat. Letztendlich muß so auf einer Nichtidentität des Gottes, der Opfer wollte, mit dem Nurliebesgott Jesu insistiert werden: Marcion grüßt!








1Ob der Begriff der Solidarität ein guter Ersatz für den der Liebe bzw Nächstenliebe ist, läßt sich bestreiten, gehört er doch ursprünglich in das Vokabular der Arbeiterklasse und meint: „Setze Du Dich jetzt für die von einer Entlassung bedrohten Kollegen ein, damit die dann sich für Dich einsetzen.“ Es ist somit ein Begriff einer utilitarisrstischen Ethik, wohingegen die Nächstenliebe nicht auf einen irdischen Lohn hofft sondern auf ihn verzichtend auf den himmlischen.

Samstag, 21. März 2026

Eine kritische Anmerkung zum Kreuzweg des „Gotteslobes“

 

Eine kritische Anmerkung zum Kreuzweg des „Gotteslobes“



In der 2.Station des Kreuzweges: „Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern“ („Gotteslob“, 9.Auflage 1988, 775) heißt es: „Herr Jesus, du hast willig das Kreuz getragen,das die Sünde der Menschen dir auferlegt hat.“ Daß er „willig“ sein Kreuz auf sich genommen hat, gründet sich in dem Philipperhymnus, daß er „gehorsam bis zum Tode am Kreuze“ (Philipper 3,8) gewesen war- aber wem war Jesus denn nun so gehorsam? Hat die Sünde ihm das Kreuz auferlegt,sodaß er ihr gehorchend nun sein Kreuz trug? Nein, Gott, sein Vater legte ihm das Kreuz auf seine Schultern, damit er so die Sünde aller Menschen büße.

Nun heißt es aber auch in der 2.Station: „Er will den Kelch trinken,den der Vater reicht,“ Um Gottes Gerechtigkeit willen vergibt Gott nicht einfach in einer Generalamnestie allen Menschen ihre Sünden, sondern seine Gereechtigkeit fordert eine der von uns Menschen begangenen und begangen werdenden Sünde gemäße Strafe, die nun der Sohn Gottes auf sich selbst nahm, um uns von der Strafe Gottes zu befreien. Das Maß seines Kreuzesleidens ermaß sich aus dem Maß der Sünde aller Menschen, aber das Kreuz selbst legte der Vater ihm auf.

Nun steht in der 4.Station: Jesus begegnet seiner Mutter“: Noch immer leidet Christus in unserer Welt, in den Gliedern seines Leibes, in seinen Brüdern und Schwestern. Mit ihnen leidet Maria, seine und unsere Mutter.“ Leiden also Maria und diese Geschwister wie Jesus Christus, weil Gott es will, daß diese so für die Sünde der Menschen zu leiden haben um der Versöhnung der Gerechtigkeit Gottes willen?

Liest man den Text der 4.Station des Krezweges, suggeriert er doch eher, daß diese, weder Maria noch die Brüder und Schwestern leiden sollten, daß der Text so an seinen Leser appelliert, daß dieses Leiden nicht sein sollte. Nur, Jesu Leiden am Kreuze war ein von Gott gewolltes, das der Sohn Gottes gehorsam auf sich nahm. Soll das nun so auch für die Gläubigen gelten, daß auch sie so gehorchend ihr Kreuz zur Genugtuung der Gerechtigkeit Gottes zu tragen haben? Von dem Kreuz Christi wird nun eindeutig in der 9.Station: „Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz“ gesagt: „Doch er will das Werk vollebden,das der Vater ihm aufgetragen hat.“

Soll nun diese Aussage des Aufgetragenseins des Kreuzes für jedes Kreuz gelten, das ein Christ in der Nachfolge Christi zu tragen hat? Das Gebot der Nächstenliebe legte es doch näher, die Not leidender Christen abzuwenden zu helfen, als in ihrem Leid einen Beitrag zur Versöhnung mit Gottes Gerechtigkeit wahrzunehmen. Wenn aber in Predigten es heißt, in den leidenden Mitmenschen den leidenden Christus zu recognizieren, dann bedeutete das, nähme man das ernst, daß dies Leiden auch eines uns zum Heile wäre.

Der Apostelfürst Paulus schreibt in seinem Kolosserbrief: „Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleische, was an den Leiden Christi noch fehlt,für seinen Leib, das ist die Kirche.“ (1,24). Soll das nun für jedes Leiden gelten, das einem Christen in seinem Leben widerfährt? Oder wird es nur ein solches Ergänzungsleiden, wenn es ein Christ so als ein Ergänzungsleiden annnimmt und Gott so aufopfert?

Kein Mensch will leiden und kein Mensch soll leiden, das könnte als wohl von allen Menschen anerkannte Position zum Leiden angesehen werden. Nun sagt aber die christliche Religion über das Leiden Christi etwas völlig anderes, wie es auch wder Kreuzweg des „Gotteslobes“ ausdrückt. Verwirrend wird es nun aber, wenn von dem Leiden der Christen in ihrer Kreuzesnachfolge geschrieben wird: Leiden wir Christen dann auch so, daß Gott uns diesen Kelch des Leidens uns zu trinken aufgibt, oder ist das Leiden eher ein Appell an uns, dem leidenden Mitchristen in seiner Not zu helfen?

Diese Unklarheit läßt sich aus dem Kreuzweg des Gotteslobes nicht wegexegetisieren, denn er ist selbst in der Theologie des Kreuzes grundgelegt in der Spannung von dem, der ein Mal für unsere Sünden gestorben ist und der Kreuzesnachfolge, wenn isb in jedem Leidenden Christus als der Leidende recogniziert werden soll.Es scheint so, als wenn einmal das  Kreuz Christi allein heilgenügsam, dann, daß es ergänzungsbedürtig wäre.

Dienstag, 2. September 2025

Für Liebhaber von Abstrusitäten: „Wie offenbart sich Gott im Gekreuzigten?:“

 

Für Liebhaber von Abstrusitäten: „Wie offenbart sich Gott im Gekreuzigten?:“



Dieser so betitelte Podcast der Internetseite „Communio“ am 1.9.2025 ist kein verspäteter Aprilscherz und auch kein Satirebeitrag sondern ein Kompendium abstrusester Phantasmen, denen die Kreuzestheologie Urs von Balthasar zugrunde liegen soll. So wird dieser Hörbeitrag präludiert: Für COMMUNIO-Gründer Hans Urs von Balthasar ist das Kreuz der Höhepunkt einer Bewegung der göttlichen Selbstentäußerung. Balthasar ist überzeugt: Der allmächtige Gott offenbart sich in der Ohnmacht des Kreuzes als die reine Liebe.“

Es soll sich nun zuerst auf das Phantasmata der „Ohnmacht des Kreuzes“ kapriziert werden, Der Sohn Gottes soll also ohnmächtig das Kreuz erlitten haben! Es bedarf nun weder einer durchreflektierten Trinitätslehre noch eines in diesem Beitrag so polemisch diffamierten philosophischen Begriffes der Allmacht Gottes, um festzustellen, daß die Aussage des Philiperhymnus, daß Jesus Christus „gehorsam bis zum Tode, bis zum Tode am Kreuze“ (Philipper, 1,8) unvereinbar ist mit der Vorstellung eines ohnmächtigen Jesu Christi am Kreuze. Ein grobianisches Beispiel veranschailicht das ad hoc: Wenn ein Mann einer Frau KO-Trophen eingibt, und wenn sie dann ohnmächtig geworden ist, vergewaltigt, dann kann diese Vergewaltigung nicht als ein Gehorsam der Frau dem Vergewaltiger gegenüber interpretiert werden. Das Gehorchenkönnen setzt nämlich denknotwendig den freien Willen des Gehorchenden voraus, sich entscheiden zu können, gehorchen zu wollen oder nicht gehorchen zu wollen. Jesus gehorchte, indem er sich freiwillig dafür entschied, seinem Vater zu gehorchen, das Kreuz auf sich zu nehmen!

Jesus war keineswegs ohnmächtig und hilflos der römischen Besatzungsmacht ausgeliefert. Denn er sagte zu seinen Schülern, als die seine Verhftung durch den Einsatz des Schwertes zu verhindern versuchte: „Oder glaubst du nicht, mein Vater würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken, wenn ich ihn darim bäte?“ (Mt 26.53) Urprünglich wird im Hebräischen Gott als der Heer der Heerscharen bezeichnet. Das ist ein militärischer Begriff und besagt, daß Gottes Heerr unzählig groß und aus Soldaten besteht, nämlich Engeln, die sich durch ihre übernatürliche Kriegskraft aussetzen, sodaß man bei der Übersetzung ins Griechische (Pantokrator) oder ins Lateinische (omnipotent) die ursprüngliche militärische Bedeutung nicht wegdiskutieren darf. Diese zwölf Engelslegionen besitzen also so viel Macht, daß die gesamte römische Militärmacht nicht ihr sich entgegenstellen könnte, denn sie wäre wahrlich diesen Legionen gegenüber ohnmächtig.

Jesus zweifelt keine Sekunde, daß Gott, wenn er es wollte, ihm den Kreuzestod ersparen könnte, ihn davor bewahren, denn Gott ist allmächtig und das inkludiert nicht nur, daß er alles, was er will, vollbringen kann, sondern auch, daß er alles hätte wollen können,was er nicht realisiert hat. Er hat die Welt geschaffen, er hätte sie auch nicht erschaffen wollen. So betet er: „Vater,wenn du willst,nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein,sondern dein Wille soll geschehen.“ (Lk 22,42). Der Gehorsam Jesu besteht darin, daß er Gott bittet, das der Wille des Vaters geschehen solle und er dann, wenn es Gottes Wille ist, sein Kreuz ertragen will. Mit der Vorstellung einer Ohnmacht Jesu oder Gottes hat das überhaupt nichts zu tuen. Gott ist so allmächtig, daß in der Kreuzigung Jesu genau da sich Gottes Wille realisierte und Jesus, obzwar er jederzeit die Macht hätte, sich dem Kreuzestod zu entziehen, sich kreuzigen ließ.

Aber woher hatte den der Römische Staat die Macht, die Vollmacht, den Sohn Gottes zu kreuzigen? Auch diese Frage respondiert Jesus eindeutig, indem er zu Pilatus sagt: „Du hättest keine Macht über mich,wenn es dir nicht von oben gegeben wäre“. (Joh 19,11) Die Römische Staatsmacht maßt sich hier also kein Recht an, daß ihr nicht zusteht, sondern sie übt hier die Schwertgewalt aus, die ihr eigens von „oben“ von Gott also übergeben worden ist. Diese Schwertgewalt steht, wie es Paulus Metaphysik des Staates darlegt, im Dienste der Gerechtigkeit Gottes. (Röm 13,1-7)

Wäre Jesus wie der Märtyrer Stephanus gesteinigt worden, dann wäre er nur ein Opfer einer Lynchjustiz geworden, aber da ihn der Römische Staat zu Tode verurteilte als von Gott eingesetztes Schwert im Dienste der Gerechtigkeit, wird er um der göttlichen Gerechtigkeit willen gekreuzigt.1

Auch wenn aus katholischer Perspektive Luthers Theologie als häretisch beurteilt werden muß, kann man schwerlich bestreiten, daß seine Auslegung von: „uns zum Fluche geworden“ wohl die beste ist, deshalb wird sie hier zitiert:

Von Martin Luther

Gal 3,13 Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns, denn es steht geschrieben (5.Mose 21,23): „Verflucht ist jedermann, der am Holz hanget“, auf daß der Segen Abrahams unter die Heiden käme etc.

Der ganze Nachdruck liChristus hat alle unsere Sünde auf sich genommen …“ Eine Auslegung von Galater 3,13egt auf dem Wörtchen „für uns“. Christus ist, was seine Person angeht, unschuldig. Folglich mußte er nicht am Holze hangen, aber, weil jeder Räuber nach dem Gesetz ans Holz gehörte, darum mußte Christus nach dem Gesetz des Mose ans Holz gehängt werden, weil er die Person des Sünders und Räubers, nicht eines Einzelnen, sondern aller Sünder und Räuber vertreten hat. Wir sind ja Sünder und Räuber, darum sind wir des Todes und der ewigen Verdammnis schuldig. Aber Christus hat alle unsere Sünde auf sich genommen und ist dafür am Kreuz gestorben. Darum mußte er, wie Jes. 53,12 sagt, unter die Räuber gerechnet werden.

Das haben alle Propheten gesehen, daß der zukünftige Christus der größte Räuber, Mörder, Ehebrecher, Dieb, Tempelschänder, Lästerer etc. sein würde, der durch keinen Verbrecher in der Welt je übertroffen wird.“

Das Kreuz Christi offenbart uns so zuvörderst Gottes Gerechtigkeit, Paulus spricht gar vom Zorn Gottes(Röm 1,18), der so offenbar wird.Nun wird aber in dem Podcast behauptet, daß Gott seine reine Liebe offenbare. Das kann aber schon dewegen nicht stimmen, da zu erst Gott seine Gerechtigkeit hier offenbart, daß er die Sünde straft. In am Kreuze sterbenden Jesus straft Gott die Sünden aller Menschen. Die Liebe zeigt sich dabei daran, daß er statt die Menschheit zu strafen, seinen Sohn stellvertretend straft. Daß Jesus nun die Strafe Gottes auf sich nahm, hat überhaupt nichts mit einer Ohnmacht Gottes zu tuen.

Wie wenig der Sohn Gottes ohnmächtig gewesen ist zwischen dem Karfreitag und Ostern, zeit uns:“So ist er auch zu den Geistern gegangen,die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt.“ (1.Petr. 3,19) Die christliche Religion kennt nicht die moderne, auf Epikur zurückführbare Vorstellung von dem Ganztod des Menschen, seiner Nichtung, sondern daß die Seele nach ihrer Trennung von ihrem Leibe alttestamentlich in die Unterwelt eingeht, wo Jesus ihnen nun am Karsamstag das Evangelium predigte.Der Tod ist das Getrenntsein der Seele von Gott, („Warum hast Du mich verlassen, mein Gott?“ ) in dem Hades, in den Jesus zum Heil der Seelen hinanstieg und dort selbst auch dies Getrenntsein von Gott erlittt in dieser Unterwelt.

Die These, daß Gottes Allmacht seine Liebe wäre, ist nun der Gipfel der Abstrusitäten dieses Podcastes! Gottes Allmacht, ursprünglich als realpolitisch als eine Militärmacht gedacht, ist sein Vermögen, alles realisieren zu können, was er will und daß er auch alles realisieren konnte, was er nicht realisieren wollte. Daß er ein liebender Gott ist, muß dabei als eine Selbstbestimmung Gottes gedacht werden, daß es ein Akt der Gnade ist, wenn Gott anderes als sich selbst liebt. Daß Gott sich dazu frei selbst bestimmen konnte und er nicht heteronom zur Liebe zu anderen bestimmt ist, setzt seine Allmacht als sein alles Bestimmenkönnen voraus. Gottes Sein darf ja nicht univok mit dem kreatürlichen Sein verstanden werden, daß seiner Existenz seine Essenz vorausliegte, zu der er sich dann noch kontingent verhalten könnte.2 Alle Bestimmungen Gottes können nur als wahre angesehen werden, wenn es durch einen Akt der Selbstbestimmug gesetzte Bestimmungen sind. Da der Grundsatz gilt: „Omnes determinatio est negatio“ kann eine Selbstlimitierung Gottes nur als eine durch ihn selbst gesetzte gedacht werden. Gott bestimmt sich dazu, Gott zu sein und somit nicht ein Nichtgott zu sein. Das exkludiert alles, was nicht Gott ist. Daß Gott ein den Menschen Liebender sein will, ist somit eine Setzung seiner Allmacht als potentia absoluta und deshalb kann seine Allmacht nicht seine Liebe sein, denn zu Gottes Allmacht gehört konstitutiv auch die Möglichkeit, ein den Menschen Verneinder sein zu können.

Völlig unsinnig ist nun die Behauptung, Gott erweise seine Liebe, indem er den Tod Jesu zugelassen hätte. Es ist sowohl mit der menschlichen wie der göttlichen Liebe unvereinbar, den Tod seines eigenen Kindes zuzulassen, wenn dieser vermieden werden könnte. Zu behaupten, Gott hätte den Kreuzestod nicht verhindern können, widerspricht nun eindeutig dem Gottsein Gottes und dem klaren Zeugnis der hl. Schrift! Mit 12 Engelslegionen hätte Gott seinen Sohn vom Kreuzestod bewahren können, aber er wollte diesen Kreuzestod um der göttlichen Gerechtigkeit willen.











1Am Rande ist zu ereähnen, daß durch die Beteiligung des Hohenpriesters am Kreuztod Chriisti dieser Tod als ein kultisches Sühnopfer zu stehen kommt, das darzubringen die vorhmehmste Aufgabe ja des Hohepriesrters ist.

2Weiterführend hierzu sei auf J.P. Sartres Freiheitsreflexionen verwiesen.

Donnerstag, 26. Juni 2025

Ein Klassiker: Zum Kampf gegen die Eucharistie – oder wie schwer ist es, das lutherische Narrativ vom Abendmahl zu verteidigen!

 

Ein Klassiker: Zum Kampf gegen die Eucharistie – oder wie schwer ist es, das lutherische Narrativ vom Abendmahl zu verteidigen!


Das lutherisch-reformatorische Narrativ zur Lehre vom Abendmahl ist sattsam bekannt und bräuchte keinen Katholiken zu beunruhigen, gäbe es nicht in der katholischen Theologie die Tendenz zur Verprotestantisierung. Dem liegt die Selbstdeutung des Protestantismus als der der Moderne gemäßen Ausgestaltung der christlichen Religion zugrunde, wohingegen der Katholizismus im mittelalterlichen Denken verhaftet, nie in der Moderne heimisch geworden sei, weil er nicht in sie hineinpasse. Katholisch sein könne man halt nur noch in den tiefsten bayrischen Waldgegenden, die noch nicht an die moderne Zivilisation angeschlossen seien, wie Protestanten sich das zurechtlegen, wenn kein katholisches Ohr mithört. So verwundert es nicht, daß dann im Katholizismus eine Modernistenbewegung entstand, die die Verprotestantisierung der Kirche erstrebte, dessen Neuauflage der Synodale Weg ist.


Nach Luther und die ihm Nachfolgenden hat Jesu Christi Sühnopfertod am Kreuze nicht nur jedes weitere Opfer überflüssig gemacht sondern gar verboten, denn jedes danach dargebrachte Opfer der Kirche könnte ja nur die Mißachtung des Opfers Christi ausdrücken. Deshalb sei das Abendmahl von Jesus selbst nur als ein heiliges Essen konzipiert worden, in dem Jesus uns einen Anteil an seinem Heilswerk gibt, indem er uns sein Fleisch und Blut da zum Essen und Trinken gibt. Deshalb dürfe es in der Kirche kein Opfer und keine Priester geben, sondern nur noch einen Predigtgottesdienst, an dem sich eine Abendmahlsfeier anschließen kann, bei den Lutheranern ein Mal im Monat, bei den Reformierten 3 bis 5 Mal im Jahr,denn das Zentrum des Gottesdienstes sei die Predigt, nicht schon allein das Verlesenwerden von Texten der hl.Schrift.

Den Abfall vom christlichen Glauben markiert also, daß die Abendmahlsfeier ein Opfer genannt wird und daß von Priestern gesprochen wird, die dann noch gar dem eigentlichen heiligen Essen voranstünden als wäre es ein kultisches Opfer.

Rudolf Bultmann diskutiert nun in seiner immer noch sehr lesenswerten „Theologie des Neues Testaments“ in dem Paragraphen 13: „Die Sakramente“1 auch das Abendmahl in genuin lutherischer Tradition, stößt dabei aber auf gravierende Probleme.

So heißt es da: „Im Laufe der Entwicklung ist die Eucharistie als Opfer aufgefaßt worden.“ Hier meint Entwickelung natürlich eine Fehlentwickelung, weg vom Ursprünglichen. Dann heißt es: „Wenn sie freilich Did2 14,1 Opfer3 genannt wird, so ist das noch bildlich gemeint, bzw die Eucharistie wird dadurch nur als kultische Handlung bezeichnet, die in der christlichen Gemeinde an die Stelle eigentlicher Opfer getreten ist.“

Die Eucharistie solle somit nur ein Bild eines Opfers und nicht selbst ein Opfer sein! Daß das Bild eines Apfels nicht selbst ein Apfel sei, stellt ein modernes Bildverständnis dar, das so in der Antike und in der Alten Kirche nicht vorausgesetzt werden darf. Im platonischen Denken partizipiert das Bild am Urbild, das es abbildet, und nur so ist es ein Bild. Wenn gar die Eucharistie eine kultische Handlung sein soll, wie könnte sie das, wenn sie keine Opferhandlung wäre. Die Taufe, das andere kirchliche Sakrament, ist ja selbst keine kultische Handlung sondern befähigt erst zur Teilnahme an einer Kultfeier. Wenn nun dann noch geschrieben wird, daß die Eucharistie an die Stelle der eigentlichen Opfer getreten sei, muß das die Frage aufwerfen: Kann denn etwas das Opfer, das im Tempel dargebracht worden ist, durch eine Kulthandlung substituiert werden, die nicht selbst wiederum ein Opfer ist?

Offensichtlich paßt schon diese erste uns bekannte Kirchenordnung nach dem Neuen Testament nicht in das lutherische Narrativ von dem später erst erfolgtem Abfall von dem ursprünglich opferlosen Kult der Urgemeinde.

Leider muß dieser lutherische Exeget einräumen, daß dann schon Ignatius für die Eucharistie „die Opferterminologie“ benutzte, ja Ignatius spricht gar schon von einem „Altar“, bzw von einem „Altarraum“, in dem die Eucharistie gefeiert wurde. Der 1.Klenensbrief versteht dann die Kultdiener in einer Analogie zu den Priestern des Alten Bundes als Priester.

Den Anfang dieser Fehlentwickelung verortet Bultmann dann aber schon in der ´Absonderung der Eucharistie von einer wirklichen Mahlzeit, wie es Paulus initiiert hätte. Ursprünglich sei nämlich das Herrenmahl eine wirkliche Mahlzeit gewesen, „die zur Sättigung der Teilnehmer diente.“4 Unter Berücksichtigung des zunehmenden Einflusses der hellinistischen Christen stellt Bultmann dann die jeden Lutheraner beängstigende Frage: „ob sich in der christlichen Gemeinde wieder ein Opferkult und ein Priestertum entwickeln werden“?Nur steht dieser Exeget vor dem Problem, daß faktisch schon die Didache die Eucharistie als Opfer verstand und auch wenn es Bultmann nicht zugestehen will, daß in der Antike und somit auch im Urchristentum eine kultische Opferhandlung ohne Priester nicht denkbar war. Es ist so auch nicht überraschend, daß die Aussage des Hebräerbriefes 13,10: „Wir haben einen Altar, von dem die nicht essen dürfen“, nicht in der „Theologie des Neuen Testaments zitiert wird, da das Vorhandensein eines Altares für die Eucharistiefeier nun überhaupt nicht in das lutherische Narrativ paßt. Ein Altar, auf dem nicht geopfert wird, ist kein Altar!

Mt 5,23f: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen, geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder,dann komm und opfere deine Gabe.“ bringt nun das lutherische Narrativ in arge Bedrängnis: Wie kann der, der jeden Opferkult zu überwinden kam durch sein allein genügsames Sühnopfer am Kreuze hier die Christen belehren, wie sie zu opfern haben. Bultmann schreibt dazu nur, daß hier „die Beteiligung am Tempelkult als selbstverständlicher Brauch vorausgesetzt“5 wird, ohne zu klären, wie das in der Urgemeinde möglich gewesen sein soll, galt in ihr doch das Ende jedes Opferkultes, wie es Luther uns lehrt. Der Exeget muß gar konstatieren, daß die Urgemeinde „am Tempel und seinem Kult“ festhält.6 Also hat das Urchristentum von Anfang an die Bedeutung des Kreuztodes Jesu Christi mißverstanden, denn sonst hätten sie sich nicht an dem jerusalemer Tempelkult beteiligen dürfen.

Ob allerdings hier wirklich der Opferkult des jerusalemischen Tempels gemeint sein kann, ist fraglich, denn als Mt sein Evangelium schrieb, war der Tempel schon zerstört, sodaß auch ein Christ da nicht mehr opfern konnte, also diese Aussage für den Evangelisten und seine Leser völlig sinnlos sein müßte, wenn es in der Urgemeinde nicht schon eine Möglichkeit des kultischen Opferns gegeben hätte, auf die dann diese Aussage zu beziehen wäre, daß also die Christen ihre Opfergabe zur Eucharistiefeier brachten, daß Brot und Wein dafür vorhanden waren.


Liebe Leser, wir müssen ungeschminkt nun den Tatsachen ins Auge sehen: Erst Luther und vor ihm keiner hat begriffen, daß Jesus den Opferkult abschaffen wollte und nach ihm dann die Aufklärung, etwa Kant!





1Auf die Angabe von Seitenzahlen verzichte ich, da dieses Werk so vielfältig publiziert worden ist.

2Did= Didache, die älteste uns bekannte nachneutestamentliche Kirchenordnung, deren Datierung umstritten ist.

3Im Text: griechisch.

4Alle Zitate aus Paragraph 13.

5Paragraph 2 : Die Auslegung der Forderung Gottes.

6Paragraph 8: Ansätze zur Ausbildung kirchlicher Formen.

Donnerstag, 17. April 2025

Was wäre, wenn Jesus Christus wie der hl.Stephanus einfach gelyncht worden wäre und wenn Gott ihn dann nach 3 Tagen von den Toten auferweckt gehabt hätte?

 

Was wäre, wenn Jesus Christus wie der hl.Stephanus einfach gelyncht worden wäre und wenn Gott ihn dann nach 3 Tagen von den Toten auferweckt gehabt hätte?



Diese recht spekulativ anmutende Frage ist nun aber ein sicherer Weg, das Kreuzererignis zu verstehen, daß und warum da Pontius Pilatus und Kaiaphas mitgewirkt haben. Die Bedeutung ihres Mitwirkens erkennen wir am besten dann, wenn wir sie aus dem Ereignis herausstreichen, um zu fragen, wie sich dies Ereignis verändern würde, strichen wir diese 2 Personen und selbst das Kreuz und reduzierten dann alles auf das Schema;Der gute Jesus wird von aufgebrachten Juden gesteinigt, aber Gott erweckt ihn dann von den Toten nach den drei Tagen.Merke: Wenn wer erkennen möchte, wie wichtig ihm etwas oder eine Person ist, ist der leichteste Weg, sich vorzustellen: Wie würde sich mein Leben ändern, wemn die Person oder ein bestimmter Gegenstand nicht mehr da wären und zwar für immer?

Pontius Pilatus wie auch Kaiaphas agieren in diesem Ereignis nicht als Privatpersonen sondern als Amtspersonen, Durch die Beteiligung der Amtsperson Pilatus rückt das Ereignis in die Sphäre des Staates, des Raumes der Gerechtgkeit präziser formuliert, da hier dieser Staatsdiener als staatlicher Richter fungiert, Durch die Beteiligung des Hohepriesters Kaiaphas rückt das Ereignis in die Sphäre des Kultischen, denn er wirkt hier amtlich als ein besonders ausgezeichnete Priester. Das Amt des Priesters ist wesentlich das der Vermittelung zwischen Gott und den Menschen, daß, sagen wir es mal ganz formal, eine Beziehungsstörung durch die Darbringung von Opfern, so wie Gott sie vorgeschrieben hat, wieder in Ordnung gebracht wird, oder daß Gott so motiviert werden soll, Gnade den Menschen zu erweisen, etwa in der Form von guten Ernten.

Wäre nun weder die Insitution des Staates noch die des Priestertumes des Alten Bundes an dem Karfreitagsereignis beteiligt, wäre Jesus einfach nur einem Lynchmord zum Opfer gefallen, dann wäre dies ein reines privates Unglück Jesu gewesen ohne eine seine Person transzendendierende Bedeutung. Nur seine Auferstehung hätte dann eine, aber welche? Nur die, daß Gott einen Gelynchten zu einem neuen Leben erweckt hätte.

Durch den Staatsdiener Pilatus bekommt Jesu Tod nun aber eine besondere Bedeutung: Im Namen des Staates, der für die Gerechtigkeit zuständig ist, so lehrt es uns der Apostelfürst Paulus, daß er für die Bestrafung der Sünder zuständig ist, wird die verhängte Todesstrafe zu einer Frage, die in dem Vorstellungsraum des Rechtes,der Gerechtigkeit zu stellen und zu respondieren ist. Die theologische Antwort ist nun paradox; Einerseits hat hier der römische Staatsdiener einen, ja den einzig völlig Schuldlosen zu Tode verurteilt und das obzwar Pilatus selbst dessen Unschuld erkannt hatte und andererseits hat er hier den zu Tode verurteilt, der alle Schuld aller Menschen auf sich genommen hatte, sodaß keiner ein so großer Sünder war wie er. Der Staatsdiener verurteilte so genau den, der dies verdient hatte.

Der römische Staat maßte sich nun hier nicht etwas an, was ihm nicht zukäme, nein Jesus Christus sagt ausdrücklich zu Pilatus: Du als Staatsdiener hättest keine Vollmacht über mich, mich zu Tode zu verurteilen oder mich freizusprechen, wenn du diese Vollmacht nicht von Gott selbst erhalten hättest. Die (römische)Staatsgewalt ist also allein dadurch legitimiert, daß der alleinige Herr über alle Menschen dem Staat das Recht zugeteilt hat, Gericht zu halten und so auch Menschen zu Tode verurteilen zu dürfen. In der Amtsperson des Pilatus tat so der römische Staat das, wozu er nach Gottes eigenem Willen da ist. Jesus wurde so um der Gerechtigkeit willen zu Tode verurteilt, er, der alle Schuld von uns Menschen auf sich selbst genommen hatte.



Der Hohepriester ist nun im Besonderen für die Darbringung des Sühnopfers für das Volk zuständig. Durch seine Beteiligung wird die Tötung Jesu zu einem kultischen Opfer, durch das eine Versöhnung Gottes mit den Menschen erwirkt werden soll. Ein nur gesteiniger Jesus wäre nur ein Opfer eines Lynchjustizaktes, aber da nun der Priester des Alten Bundes hier mitwirkte, er veranlaßte die Auslieferung dieses einen, um einen großen Schaden von dem jüdischen Volke abzuwehren und wirkte so ganz im Sinne seines Amtes. Durch ihn erst wird der zu Tode Verurteilte zu dem Sühnopfer, dargebracht Gott für die vielen Sünden der Menschen. In diesem Opferakt erfüllte sich so die Bestimmung des Priestertumes des Alten Bundes. Jesus ist ja nicht gekommen, um den Alten Bund zu nichten, sondern um ihn zu erfüllen. Darum mußte auch der Amtspriester dieses Bundes an der Hinrichtung Jesu teilnehmen, damit sein Tod auch wirklich ein Sühnopfer wurde. Jesus war eben nicht einfach das Opfer eines Justizirrtumes, nicht das Opfer einer aufgehetzten Menschenmenge , sondern das von dem Hohepriester dargebrachte Sühnopfer!

Erst wenn die Tötung Jesu Christi in diesen zwei Sphären des Staates und des Priestertumes des Alten Bundes eingezeichnet und von daher gedeutet wird, kann es in seiner wahren Bedeutung begriffen werden,



Sonntag, 25. August 2024

Hoffnung für alle oder Gottes Gericht mit einem doppelten Ausgang: Himmel oder Hölle?

 

Hoffnung für alle oder Gottes Gericht mit einem doppelten Ausgang: Himmel oder Hölle?


Dieser sehr schwierigen Frage widmet sich der Essay: „Solidarität mit den Verdammten?:Charles Péguy gegen Sibylle Lewitscharoff – ein eschatologischer Schlagabtausch“ der Internetseite: „Communio“ am 25.8.2024, den ich den Lesern auf das eindrücklichste empfehlen möchte. Hier soll sich nun auf eine der Zentralaussagen dieses Essays kapriziert werden, sodaß so aber leider dem ganzen Text nicht genüge getan wird. „Dem flammenden Votum der Berliner Schriftstellerin, die den Zutritt in den Himmel verweigern will, wenn die Schurken der Geschichte darin Einlass finden, wäre die Haltung Karl Rahners entgegenzuhalten, der einmal geäußert, er würde an der Pforte des Himmels innehalten und für die verlorenen Brüder und Schwestern beim Richter eintreten wollen, damit auch sie eingelassen werden.“

Wird diese Textpassage nun für sich aus dem Kontext abstrahierend bedacht, stellen sich zuvörderst einige Fragen: Wer sind denn die „verlorenen Brüder und Schwestern“? Wäre die Aussage theologisch ernst gemeint, könnten diese „Brüder und Schwestern“ nur Christen sein, denn Jesus Christus bezeichnet niemals alle Menschen als seine Geschwister. Es darf aber gemutmaßt werden, daß der Theologe Rahner hier im (Un)Geiste der Französischen Revolution alle Menschen meint. Theologisch ließe sich so eine Universalisierung der Geschwisterschaft wohl nur rechtfertigen, indem auf Gottes universalistischen Heilswillen rekurriert würde, daß Gott das Heil aller wollend niemanden endgültig vom Heil ausschließen wollen wird.Wer nun ein Verlorener ist oder es nicht ist, wird erst das göttliche Endgericht offenbaren, nur von den durch die Kirche heilig Gesprochenen wissen wir, daß sie Nichtverlorene sind, aber wissen außer vom Teufel selbst von niemanden, daß er gewiß verloren ist, denn das können wir gewiß erst nach Gottes Endgericht wissen. Wie kann dann dieser Theologe für die Verlorenen beten wollen, wenn er gar nicht, wer denn wirklich verloren ist? Als Theologe kann man vielleicht Mutmaßungen anstellen darüber, wer von Gott zur ewigen Verdammnis verurteilt werden wird, aber über eine Gewißheit verfügt kein Christ und auch kein Theologe.

Herr Rahner könnte so erst nach dem ergangenen Endgericht Gottes, in der die Verlorenen offenbar geworden sein werden, für diese dann beten. Er würde dann Gott beten, daß Gott sein schon ergangenes Urteil revidieren möge. Dieser Gedanke stellt die Gotteslehre nun vor größte Probleme: Kann Gott ein eigenes Urteil selbst widerrufen und einen Verdammten wieder in Gnaden aufnehmen? Für die traditionelle Gotteslehre mit ihrem Axiom der Unveränderlichkeit Gottes ist das einfach undenkbar, aber mit dem Argument der Allmacht Gottes, es gibt nichts, was er nicht wollen und dann auch verwirklichen kann, ließe sich dieser Einwand der Unveränderlichkeit Gottes aushebeln. Das Entscheidende ist dann aber, daß Gott in seiner Souveränität auch dies Gebet erhören aber auch nicht erhören kann. So flehentlich der König David auch seinen Gott bat: „Verschone mein Kind!“, Gott erhörte David nicht und er tötete es als die Strafe für des Königs Sünde.

Schurken der Geschichte dürfe Gott nicht in den Himmel aufnehmen. Nur, hier überschreitet nun ein Mensch auf das maßloseste seine Kompetenz: A) entscheidet Gott letztendlich, wer ein Schurke und wer keiner ist und wir Menschen nicht und b) entscheidet Gott allein, aber unter der Berücksichtigung unserer Gebete und der für Verstorbene dargebrachten Sühnopfer, wer in den Himmel wirklich eingehen wird und wer nicht.

Wir Menschen können nur für Verstorbene hl. Messen lesen lassen und für sie beten, aber Gott ist der Souverän, der letztendlich entscheidet. Das gehört konstitutiv zum Gottsein Gottes. Es ist wohl eine Anmaßung, wenn wir urteilen: Weil der eine so gelebt habe, müsse er in das ewige Leben eingehen und der andere müsse verworfen werden von Gott, weil er so gelebt habe. Das Gebot: „Richte nicht, damit Du nicht gerichtet wirst!“ der Bergpredigt Jesu untersagt ja nicht den Staatsrichtern, Verbrecher zu verurteilen und auch nicht, jemanden so zu Tode zu verurteilen, aber es sagt: Ob jemand in den Himmel eingehen wird oder in die Hölle, das entscheidet Gott in letzter Instanz selbst. Wir kennen zwar das Gesetzbuch, nach dem Gott urteilen wird, die Kriterien seines Urteilens, aber daraus ist nicht deduzierbar, wie Gott den konkreten Einzelfall beurteilen wird. Nur von den heilig Gesprochenen kennen wir Gottes Urteil über sie. Das beste, was wir also tuen können, ist, hl. Messen als Sühnopfer für Verstorbene lesen zu lassen im Wissen darum, daß Gott entscheidet und nicht wir, daß er aber auch Opfer und Gebete erhören kann und will, er muß es aber nicht. 

1.Zusatz

Verhängnisvoll ist es, wenn die Kirche im Vertrauen darauf, daß alle in den Himmel kommen werden außer denen, die da nicht reinkommen wollen, auf jegliche Mission verzichten.

2.Zusatz:

Die Geschichte schreiben die Sieger (Bertold Brecht), sie bestimmen deshalb auch, wer ein Schurke war und wer nicht. Aber diese Urteile  sind nicht Gottes Urteile! 

 




Donnerstag, 28. März 2024

Über Karfreitagsphraselogien- oder tausendmal gehört und nichts dabei gedacht

 

Über Karfreitagsphraselogien- oder tausendmal gehört und nichts dabei gedacht


Phrasen werden für wahr erachtet, weil sie so oft gehört und so ganz vertraut geworden als wahr angenommen werden. So photographieren Zigtausende Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, befrägt man aber die Photo-graphierbegeisterten, was denn die Sonne wohl getan hätte, bevor sie aufging und wo sie denn wohl gewesen wäre,bevor sie gedachte, aufzugehen,wird man nur völlig irritiert angeschaut:So reden doch alle, gedacht habe man sich dabei halt gar nichts.

So wird es auch in den Karfreitagsprdigten praktiziert und niemand, fast niemand nimmt daran dann einen Anstoß: Sollte ich als ein Predgtkonsument gar da mitdenken und das Gehörte bedenken?

Eine der häufigsten Karfreitagsphrasen: Gott erweist seine Liebe am Kreuze Jesu. Nun soll diese Aussage durchdacht werden, statt sie einfach als etwasWohlvertrautes zu akzeptieren.

Erweist Gott seinem Sohn seine Liebe, indem er ihn am Kreuze sterben läßt? Hier kann die Antwort nur „Nein!“ lauten, denn es kann keinen größeren Verstoß der Liebe des Vaters zu seinem Kinde geben, als es getötet werden zu lassen,obschon der Vater sein Kind leicht hätte retten können. Was sollten dann aber wir Christen von diesem Vater halten, der seinen eigenen Sohn ermordet werden läßt, obzwar er ihn hätte retten können? Niemand käme auf den Gedanken, darin eine Tat der väterlichen Liebe zu seinem Sohn zu sehen.

Oder erweist Gott uns seine Liebe zu uns, indem er seinen Sohn so getötet werden läßt? Solch abwegige Theorien kann man dazu dann vernehmen: Aus Solidarität mit uns Menschen erlitt Jesus diesen schrecklichen Tod: Er wollte wie wir Menschen auf Erden leben und sterben, um unser Schicksal zu teilen. Man imaginiere sich diese Szene: Ein armer blinder Bettler sitzt am Straßenrande, ein junger Mann setzt sich neben ihn und sagt: „Aus Solidarität mit Dir bin ich so arm wie Du geworden, habe mich geblendet, um blind zu werden wie Du und nun bettele ich wie Du!“ Was wird der Arme darauf antworten, wird er sagen: „Dankbar bin ich für Deine Solidarität mit mir!“? Würde er nicht ehrlicher sagen: „Lieber wäre es mir, Du wärest reich und schenktest mir ein reichliches Almosen“? Was hätte den dieser arme blinde Bettler von dieser so praktizierten Solidarität? „Nichts“ muß geantwortet werden.

Oder soll dem Armen gar geantwortet werden: „Du darfst Dich über Dein Schicksal nicht beschweren und darüber klagen, weil es dem neben Dir Sitzenden genauso ergeht“? Wer also im Sinne der Theodizeefrage: „Warum läßt Du, Gott es zu, daß wir Menschen auf Erden so viel leiden müssen, obzwar Du allmächtig bist und uns Menschen liebend, sodaß Du alles Leiden beenden könntest, frägt, bekäme die Antwort: „Ich habe meinen einzigen Sohn all das auch erleiden lassen, was Du auf Erden zu erleiden hast“? Nur die Anfrage an Gott bliebe unbeantwortet bestehen : „Du hättest doch ob Deiner Allmacht es verhindern können, daß auch nur ein einziger Mensch leiden muß!“ Gottes Liebe zu uns Menschen kann doch nicht daran bestehen, statt uns von unserem Leiden zu erlösen, seinen eigenen Sohn nun auch so leiden zu lassen!

Aber Gott ist doch die Liebe und alles was er tut, tut er aus seiner Liebe, ergo müsse auch der Kreuzestod Jesu,die Zulassung dieses Todes eine Tat der Liebe Gottes sein. Wem nun aber die hl. Schrift keine Ansammlung menschlich – allzumenschlicher Meinungen über Gott und alles mit ihm Zugehörige ist, der muß nun auch in diesen Punkten widersprechen: Erstens ließ Gott das Kreuz Jesu Christi nicht zu, sondern er wollte, daß sein Sohn gekreuzigt wurde. Zweitens ist Gott die Liebe aber nicht ausschließlich, denn er ist genauso auch die Gerechtigkeit, die Wahrheit. Die Bibel spricht viel häufiger vom Zorn Gottes über uns Menschen als von seiner Liebe zu uns! So schreibt der Apostelfürst Paulus etwa in seinem Römerbrief: „Weil du aber starrsinnig bist und dein Herz nicht umkehrt,sammelst du den Zorn gegen dich für den Tag des Zornes,den Tag der Offenbarung von Gottes gerechtem Gericht.“ (2,5) Paulus schreibt hier von dem Zorn Gottes wider den Sünder in seinem Endgericht!


Wo man aber von diesem Zorn Gottes, dem gerechten über uns Sünder nichts mehr wissen will, da kann das Kreuz Christi nicht mehr begriffen werden, weil es monokausal aus der Liebe Gottes zu uns nicht verstanden werden kann! Ohne ein Mitbedenken des göttlichen Zornes endet jeder Versuch eines Verstehens des Kreuzes Jesu Christi in Absurditäten. Daß faktisch aus dem theologischen Diskurs der Begriff des Zornes Gottes eskamotiert worden ist, hat nichts mit einem Fortschritt in der Gotteserkenntnis zu tuen, sondern ist allein ein Ergebnis unreflektierten naiven Wunschdenkens, das das Wirkliche einfach mit dem Wünschenswerten vertauscht: Wahr ist und kann nur das mir Gefallende sein. Also: „Unheilbar krank kann ich nicht sein, weil ich es nicht sein will!“

Zusatz:

Ein sehr effektives Kriterium der Prüfung der Richtigkeit einer Karfeitagspredigt ist die Frage: Wenn Jesus Christus nicht am  Kreuze gestorben wäre, würde sich dadurch die Beziehung Gottes zu uns Menschen im Vergleich zu der, wie sie jetzt ist, nicht verändern, wenn die jetzt gehörte Predigt wahr wäre. Einfacher gesagt: Zeigt uns das Kreuz nur die Liebe Gottes zu uns Menschen an, die uns genauso gälten würde, wäre Jesus nicht am Kreuze für uns gestorben? Das Kreuz Jesu bewirkte also nicht zu unser Erlösung und informiert uns nur darüber, daß wir alle von Gott Geliebte sind und somit auch Erlöste.