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Dienstag, 1. September 2026

Ist der Teufel aus exegetisch - biblischen Gründen aus der Theologie zu entfernen – oder wer versucht den Menschen?

 

Ist der Teufel aus exegetisch - biblischen Gründen aus der Theologie zu entfernen – oder wer versucht den Menschen?



In 1.Chronic 21,1 heißt es: „Satan aber erhob sich gegen Israel und reizte David an,Israel zu zählen.“ Diese Volkszählung wurde ihm als eine Sünde von Gott angerechnet.

In 2.Könige 24,1 der Vulgata bzw 2.Samuel 24,1 heißt es: „Der Zorn des Herrn aber entbrannte abermals gegen Israel,und er reizte David gegen sie,indem er sprach: Auf zähle Israel und Juda!“

Wer verführte nun den König David zu dieser Sünde der Volkszählung, Gott oder der Satan? Warum nun diese Volkszählung im Urteile Gottes eine Sünde war, soll hier nicht erörtert werden, vielleicht, weil der König auf die Stärke seines Volkes sein Vertrauen setzen wollte, daß wir so viele sind, und somit nicht auf Gottes Stärke.

Die Chronik ist später als die Königs- bzw Samuelbücher verfaßt worden.So könnte man dann urteilen: Ursprünglich war es Gott selbst, der erzürnt über die Sünden seines Volkes oder isb der des Königs David versuchte. David ließ sich dann verführen. Nachträglich fand man, daß diese Aussage Gott nicht gerecht würde und schrieb nun, daß der Satan ihn zu dieser Sünde verführt hätte. Die nachträgliche Umdeutung, daß der Satan der Versuchende gewesen sei, sei als sekundär abzulehnen, da das Ursprüngliche zähle.Ursprünglich käme diese Geschichte des Falles und der Bestrafung und Buße des Königs David ohne die Figur des Satans aus, der leider nachträglich eingeführt, dies Ereignis vermythologisierend verklärt habe. Ja, man könne diese Geschichte in ihren zwei Versionen zum Anlaß nehmen, prinzipiell den Verdacht zu hegen, daß die Figur des Satans nur nachträglich eingeführt worden sei, aber eigentlich wieder ausstreichbar sei als eine unnötige Vermythologisierung.

Aber aus der theologischen Perspektive ist dieser literakritische Umgang mit diesen zwei Versionen nicht akzeptabel: In der hl.Schrift sind keine unwahren Aussagen über Gott enthalten, schon gar nicht diverse Gottesbilder, so daß wir uns das uns genehmste als das für uns wahre uns dann erwählen dürften.

Wie können nun diese zwei Versionen gleich wahr sein? Das ist eine wahrhaft theologische Aufgabe, die uns andemonstriert, warum die Theologie nicht einfach biblizistisch verfahren kann. Zwei Subjekte, Gott und der Teufel sind so für die eine Tat des Versuchens des Königs David verantwortlich. Wie ist das zu denken? Die mögliche Interpretation, Gott ließe es zu, daß der Teufel den König versuche, wird der Aktivität Gottes nicht gerecht: Ein Zulassen ist kein aktives Verführen. Daß der Satan nur ein Instrument gewesen sei, durch das Gott sein Vorhaben des Verführens realisierte, wird aber dem Satan als dem eigenmächtig Verführenden nicht gerecht.

In diesem Falle wollten also Gott und der Satan das Gleiche, den König David zu versuchen. Gott war erzürnt über den König. In diesem Zorn wollte Gott das, was auch der Satan wollte, den König zu Fall zu bringen. Der Unterschied Gottes zum Satan ist nun der, daß Gott angesichts des reumütigen Schuldbekenntnisses dem König vergibt, er nimmt seinen Zorn von ihm fort, obgleich Gott doch noch eine Strafe für des Königs Sünde einfordert. (Hier wird der Gedanke des Fegefeuers präfiguriert, daß Gott einem Sünder seine Sünden vergibt und doch noch ein Abstrafen der Sünde im Fegefeuer verlangt.)

Aber es bleibt das Schockierende: Hier wollte der erzürnte Gott und der Satan das Gleiche, den König David zu einer Sünde verführen. Gott erweist sich hier ganz im Sinne Rudolf Ottos als die Einheit des tremendum und faszinosum, des zu fürchtenden und des faszinierenden Gottes ! Die hl. Schrift macht es sich mit dem Gott nicht so einfach, wie wir es gerne hätten, denn sie kennt und bekennt den lebendigen Gott, nicht ein blutleeres Abziehbild Gottes!



Donnerstag, 14. August 2025

Der Stolz der modernen Theologie: daß sie wissenschaftlich sei! Ein paar Anmerkungen dazu

 

Der Stolz der modernen Theologie: daß sie wissenschaftlich sei! Ein paar Anmerkungen dazu



Eine Kritik dieses Stolzes kann ich hier noch nicht liefern, ich begnüge mich so auf ein paar Anmerkungen zu dieser Causa.

Erstens: Wissenschaftlich untersucht werden kann alles, etwa die Vorstellungswelt der Magie wie die Umsatzentwickelung der E-Autos der letzten Jahre. Unter der Wissenschaft würde dann die Hervorbringung wahrer Aussagen verstanden werden, wobei das Kriterium des Wahrseins die Übereinstimmung der Aussge mit den Gegenständen ihrer Aussage wäre. Das hieße konkret, um es an einem Beispiel zu veranschaulichen: Gibt die Abhandlung über die Gotteslehre des hl. Augustin die Gotteslehre des hl. Augustin richtig wieder? Die angewandte wissenschaftliche Methodik soll dabei wahre Aussagen über diesen Gegenstand, hier die Gotteslehre dieses Autoren sichern. Das heißt, daß die Frage, ob der untersuchte Gegenstand selbst wahr sei, also in diesem Falle die Gotteslehre, wahr sei, außerhalb der Wissenschaft sich befindet.

Man könnte hier somit diese Distinktion einführen: Eine Aussage ist dann richtig, wenn sie mit ihrem Gegenstand übereinstimmt, aber nicht wird gefragt, ob der Gegenstand selbst wahr sei, ob die Gotteslehre des hl. Augustin den wirklich wahr sei, also mit dem Gott, wie er ist, übereinstimmt. Man könnte sagen, daß diese Ausklammerung der Wahrheitsfrage das postmetaphysische Denken, isb dann die Wissenshaft bestimme. Wenn es nur noch in diesem Sinne richtige Aussagen durch die Wissenschaften hervorgebracht werden, dann lebten wir in der Epoche des endgültigen Endes der Metaphysik.



Zweitens:

Die Aussage, daß Thomas Mann der Autor des Romanes: „Der Zauberberg“ ist, gilt nicht nur unter Literaturwissenschaftlern sondern als allgemein wahr; „Diese Person hat diesen Roman geschrieben.“ Die Aussage, Thomas Mann habe literarische Werke höchster Qualität verfaßt, dagegen Hedwig Courths Mahler nur triviale Unterhaltungsromane, wird dagegen auch im literaturwussenschaftlichen Diskurs allgemein bejaht, aber wird nach einer wissenschaftlichen Begründung dieses Urteiles nachgefragt, wird nach längerem Hin und Her eingeräumt, daß dieses Urteil ein ästhettisches Werturteil sei, das nicht wissenschaftlich begründet werden könne. Tatsachenurteile könnten richtig sein, aber Werturteie seien rein subjektiv, auch dann noch, wenn ein solches Werturteil von der überwältigenden Mehrheit bejaht wird.

Existiert also ein Reich der Tatsachenaussagen, die daraufhin geprüft werden können, ob sie wahr oder falsch sind und ein Reich der Werturteile, die nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfbar sind? Limitieren sich so die Wissenschaften auf falsi- bzw verifizierbare Tatsachenaussagen, wogegen alle Werturteile nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfbar sind? Hier könne nur von Konsensen gesprochen werden, daß es eben auch nur eine Konvention sei, bestimmte literarische Werke der Hochkultur, andere der Triviallitertur zuzurechnen. 1

Sind also nur Tatsachen Gegenstände, über die Aussagen möglich sind, die wissenschftich bewahrheitet werden können? Die Katholische Kirche lehrt die Aussage, daß in der Eucharistie Brot in den Leib Christ, Wein in das Blut Christi gewandelt wird, als eine wahre Tatsache. Aber diese Aussage gilt im wissenschaftlichen Diskurs nur als eine Glaubensaussage, deren Wahrheitsgehalt weder falsifuvierbar noch als verifizierbar gilt. Über welche Aussagen sind dann noch wahre Aussagen hervrbringbar?



Drittens

In den Wissenschaften gelten (seit der Aufklärung) bestimmte Prämissen als die Voraussetzungen der Wissenschaftlichkeit, so etwa die Prämisse, daß Gott, bzw die Götter, bzw alles „Übernatürliche“ nicht als ein Handlungssubjekt in den Wissenschaften vorkommen darf. So darf in einer wissenschaftlichen Arbeit über Kaiser Konstantin nicht ausgesagt werden, daß Gott selbst dessen Hinwendung zur christlichen Religion mitbewirkt habe, noch darf in den Naturwissenschaften Gott als die Erstursache alles Seienden ausgesagt werden. In der Geschichtswissenschaft dürfen nur religiös motiviert agierende Menschen als Subjekte auftreten. Aber diese Prämisse ist selbst nicht wissenschaftlich beweisbar, sie konstituiert erst die Wisrasenschaften als Wissenschaften durch den Ausschluß alles „Übernatürlichen“ als Subjekte in ihr.

Viertens:

Wenn über Gott keine Aussagen mehr getätigt werden können, die als wahr gelten können, wie ist dann noch die Theologie als eine Wissenschaft möglich? Die erste Möglichkeit ist die, die sich darauf zu limitieren, Texte mit theologischen Aussagen zu erforschen: Wer hat sie in welcher Absicht in welchem Kontext hervorgebracht in der Meinung, daß sie aus wahren Aussagen bestünden.Die Aussagen als solche können dann nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden, es kann nur geprüft werden, ob die getätigten Aussagen angemesen wiedergegeben und gedeutet worden sind in der Secudärliteratur. Nur in der Secundärluteratur können so Aussagen bewahrheitet werden, der Wahrheitsgehalt der Primärliteratur entzieht sich einer Verifizierbarkeit. Daß die Bibel wahr sei, ist eine unüberprüfbare Aussage, nur secundäre Aussagen über den Primärtext sind bewahrheitbar, daß die Bibel verschiedene Autoren hat.

Die zweite Möglichkeit ist die, daß nach einem der Theologie externen Kriterium gesucht wird, sodaß gilt, daß eine Aussage der Bibel oder der Theologie nur als wahr gelten kann, wenn sie diesem Kriterium gerecht wird. So fordert mit Erfolg die Homosexlobby, daß alle Aussagen, die die praktizierte Homosexualität als eine Sünde aussagen, als unwahr zu dysualifizieren sei. Jetzt übernimmt die Politische Korrektnes diese Richterfunktion gerade auch in der Theologie, aber selbst in den Naturwissenschaften, daß man nicht mehr sagen darf, daß es nur zwei Geschlechter gäbe. Die Aufklärung stellte sich so die Aufgabe, alle Aussagen über Gott so umzuformen, daß die differenten Aussagen über Gott kein Grund mehr sein dürfen für Konflikte oder gar für Kriege. In der Aufklärung wurde Gott nicht besser erkannt als vorher und das gilt ebenso für die der Aufklärung folgenden Theologie, sondern alle theologischen Aussagen wurden so domestiziert, daß sie nicht mehr ein Grund für Konflikte sein können. Die Verdommestizierung der christlichen Religion wäre so die Aufgabe der wissenschaftlichen Theologie: Was darf die Kirche nur noch sagen, damit sie Konflickte nicht verursacht. 

Dieses Verständnis der Wissenschaftlichkeit der Theologie entzieht dieser Wissenschaft den Vorwurf, Wissen von etwas sein zu wollen, was es gar nicht gibt, Gott, oder von dem nicht wißbar ist, daß es ihn gibt, da  nun die Theologie sich als die Wissenschaft von der christlichen Religion bezeichnet, die unbestreibar existiert. Als weitere legitimierbare Aufgabe kann dann die angegeben werden, diese Religion so normativ zu gestalten, daß sie einen Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft leistet und so systemrelevnt sei. 

Fortsetzungen werden folgen!



1Man lese daraufhin einmal Adornos: „Ästhetische Theorie“, ob es ihm da gelingt, seine ästhetischen Werturrteile irgendwie wissenschaftlich zu beurteilen.

Dienstag, 12. August 2025

Ein Mensch kann doch die Zukunft nicht vorauswissen - nur Vermutungen: Oder wie wissenschaftlich ist die Wissenschaft der Bibelkritik? Ein Zusatz!

 Ein Mensch kann doch die Zukunft nicht vorauswissen - nur Vermutungen: Ist das ein Irrtum?

Wer sich mit dem wisseschaftlich fundierten Umgang mit der Bibel beschätigt,stößt regel-mäßig auf dies Phänomen, daß Texte, die zukünftige Ereignisse prophetisch voraussagen als unechte abqualifziert werden. Das heißt, daß geurteilt wird, daß solche prophetischen Zukünf-tiges voraussagende Texte erst verfaßt worden sein können,nachdem das als zuküntig geschehen Vorausgesagte schon sich ereignet hatte. Nun könnte eingewandt werden, daß es doch ein alltägliche Praxis sei, daß wenn jemand mit dem Zug von A mach B fahren will,er davon aus-geht, daß der  Zug dann auch morgen zur angegebenen Zeit von A abfahren werden wird und daß, wenn überlegt wird, ob am Wochenende ein Ausflug unternommen werden soll, im Internet geschaut wird, wie das Wetter sein wird, ob es für den geplanten Ausflug günstig sein werden wird.In einem limiierten Maße ist es uns eine Selbstverständlickeit, Zukünftiges vor-auszuwissen. 

Was unterscheidet dann prophetische Texte von der Möglichkeit,Zukünftiges vorauswissen zu können? In der Apostelgeschichte wird uns diese randständige Begegebenheit aus dem Leben des Apostelfürsten Paulus berichtet:  "Nachdem wir die Jünger ausfindig gemacht hatten,blieben wir sieben Tage bei ihnen.Auf eine Eingebung des Geistes hin warnten sie Paulus davor, nach Jerusalem zu gehen." (21,4) Mit dem "Geist" ist hier eindeutig der Hl. Geist gemeint, vgl Apg 20,22f) Dort heißt es nämlich: "Nun ziehe ich gebunden durch den Geist, nach Jerusalem,und ich weiß nicht,was dort mir geschehen wird.Nur das bezeugt mir der Heilige Geist,von Stadt zu Stadt, daß Fesseln und Drangsale da auf mich warten." 

Nun könnte man auf die Idee kommen, dieses Vorauswissen des Paulus zu rekonstruieren aus seiner Kenntnis des Konflktes zwischen den Juden und ihm: Er mußte halt mit Kon-flickten und Anfeindungen rechnen. Aber der Text sagt hier etwas ganz anderes aus, daß eben der Heihge Geist ihm dies vorausgesagt hatte. Ein mit der historisch-kritischen Metho-de des Umganges mit der Bibel Geschulter könnte nun urteilen, daß diese Erzählung vom   Wirken des "Heiligen Geistes"  eine Gemeindelegede sei, die nach der Hinrichtung des Apostels Paulus in Rom entstanden sei: Der Apostel hätte vorausgewußt,daß ihm Arges widerfahren werden wird durch die Juden, er aber trotzdem an seiner Reise nach Jesusalem festgehalten hätte. 

Nur, warum hätte diese Geschichte von diesem Wirken des Heiligen Geistes nachträglich er-zählt worden sein sollen als wenn sie real sich ereignet gehabt hätte?Wieso sollte dabei der Geist Gottes so unbestimmt das Zukünftige dem Apostel mittgeteilt haben? Wäre diese Be-gebenheit frei erfunden worden, damit sie dann zu einer Legende wird,hätten dann nicht die Legendenerzähler klarer formuliert, was dem Paulus da geschehen werden wird, da sie es ja wußten, denn das  zukünftig sich ereignet Werdende war ja für die Legendenerzähler schon ein Ereignis der ihnen bekannten Vergangenheit geworden? 

Das Problem ist der Dogmatismus der historisch- kritischen Methode, daß erstens keinem Menschen es möglich sei,kontingent sich zukünftig Ereignendes vorauswissen zu können und daß zweitens es ausgeschlossen wird,daß der Heilge Geist ein in der Geschichte wirken  könnender ist, daß er also Menschen zuküntiges Geschehen voraussagen kann. Daß Gott alles Zukünftige vorausweiß, das bestreitet keine monotheistische Gotteslehre,es kann so nur gemeint werden,daß Gott keinem Menschen an seinem Vorauswissen partizipieren lassen will. Das hieße einfach, daß Gott keine Propheten wolle.Aber die hl. Schrift bestrei-tet das, denn das dürfte  es in der Bibel keine Prophetenbücher und auch nicht die Johannes-Offenbarung geben.

Man wird eher fragen müssen, ob es eine Religion gibt, in der es als ausgeschlossen gilt,daß Gott bzw die Götter Menschen wie auch immer mitteilen, was zukünftig geschehen werden  wird. Erst wenn die Religionen nur noch als ein Produkt rein menschlicher Tätigkeit ver-standen wird,kann die Unmöglichkeit jeder Art von Prophetie proklamiert werden.Aber die Substanz der praktizierten Religion besteht in einer realen  Interaktion zwischen Gott und Menschen. Dies wird auch dann noch verkannt, wenn die Religion nur als das Antworten des Menschen auf ein Offenbaren Gottes vorgestellt wird, denn Gott ist auch in dem menschlichen Antworten aktiv tätig,er  selbst ist der Religion nicht bloß äußerlich.

Zusatz

Daß Gott nicht als ein Subjekt ausgesagt werden dürfe, das als solches auch in der Geschichte wirke, sondern daß es nur Menschen gäbe, denen ihr Glfteaube an einen Gott sie zu bestimmten Handlungen motiviere, ist selbst kein Ergebnis der Wissenschaft sondern gilt den modernen Wissenschaften als eine Prämisse der Wissenschaftlichkeit der Wissenschaft. 

          

Mittwoch, 11. Juni 2025

Ein Beispiel der Selbstdestruktion der Theologie und der Kirche

 

Ein Beispiel der Selbstdestruktion der Theologie und der Kirche



Nikodemus wollte sich von Jesus belehren lassen, darum suchte er ihn nächtlich auf. Er suchte „Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist;denn niemand kann die Zeichen tun,die du tust,wenn nicht Gott mit ihm ist.“ (Joh, 3,2)Die Autorität Jesu erweist sich also an den Wundern, die er vollbringt.Denn solche Wunder, das Johannesevangelium verwendet dafür den Terminus des „Zeichens“,um damit zu sagen, daß die Aufgabe der gewirkten Wunder die es ist, auf Jesus zu zeigen als den von Gott Ausgegangen, auf den, mit dem Gott ist, weil die Wunder Taten sind, die nur einer vollbringen kann, mit dem Gott ist.Moses verfuhr schon so: Gegenüber seinem Volke und dem Pharao sollte er sich durch ein Wunder als wirklich von Gott Gesandter legitimieren. Nicht die Botschaft legitimiert den Überbringer als wahrhaft von Gott Gesandten, weder die Botschaft, daß Gott sein Volk aus Ägypten befreien wolle, noch Jesu Christi Tauflehre, in die er dann Nikodemus unterwies, sondern beide wiesen sich als von Gott Gesandte durch ein Wunder aus.

Nun fallen diese Wundererzählungstexte unter die Messer der historisch-kritischen Methode.Eines der wichtigsten Axiome dieser Methode ist nun die Prämisse, daß weder Gott noch ein Mensch mit der Hilfe Gottes ein Wunder wirken könne und daß deshalb alle Wundererzählungen als pure Phantasieprodukte abzuqualifizieren seien. Wissenschaftlich wohlklingender werden diese Phantasieerzählungen dann gern als „Legenden“ bezeichnet.Zur üblichen Praxis der Entmyhologisierung der Heiligen gehört ja so die antithetische Gegenüberstellung von dem, was wir historisch zuverlässig über den Heiligen wissen und dem, was die „Legenden“ über ihn erzählen, wobei alle Wunderberichte als legendarisch dysqualifiziert werden.

Ergo: Alle Wundererzählungen sind so als nachösterliche Legenden zu rekonstruieren. Aus dem Verkünder und Lehrer Jesus von Nazareth wurde der verkündigte Jesus Christus. Diesem habe man dann nachösterlich, beeindruckt durch seine Erscheinungen nach seinem Kreuzestod all diese Wundererzählungen beigefügt, um das Außerordentliche dieses Jesus zu veranschaulichen. Die Taten, die ursprünglich die Autorität Jesu Christi verifizieren sollten, setzen nun seine Autorität als schon anerkannte voraus. Die Wundererzählungen drücken so nur den Glauben an Jesus aus und begründen so ihn nicht.

Wie kamen denn dann nur Menschen dazu, Jesus als von Gott Gesandten zu glauben, in ihm gar den Sohn Gottes zu erkennen? Diese Methode schaufelt so einen unüberbrückbaren Graben zwischen dem vorösterlichen Jesus von Nazareth und dem nachösterlichen Jesus Christus. Als einziger Steg, von Jesus von Nazareth zu dem Sohn Gottes zu gelangen, bleiben dann die nachösterlichen Erscheinungen Jesu übrig.Dieser Steg ist nun aber genau betrachtet ein sehr instabiler Steg. Mose und Elia erscheinen auf dem Berge der Verklärung, werden sie deshalb als Söhne Gottes angesehen? Lazarus wird von den Toten auferweckt, gilt er nun als ein von Gott Gesandter? In der abendländischen Kultur gibt es viele Erzählungen von Toten, die Lebenden erschienen sind, auch um ihnen Gewichtiges zu offenbaren, es sei nur an die Erscheinung Hamlets erinnert, der seinem Sohne offenbart, daß er ermordet worden sei und daß nun sein Mörder auf seinem Throne säße.

Wenn Jesus nicht schon vorösterlich als der Messias und als der Sohn Gottes erkannt worden wäre, dann wäre er auch nach seinen österlichen Erscheinungen nicht als Sohn Gottes erkannt worden.Die Parole von der „christologischen Abrüstung“, ein Produkt des christlich-jüdischen Dialoges, daß wir Jesus zu entgöttlichen hätten, um von der Synagoge als Dialogpartner akzeptabel zu werden, fiel dann ob dieses Grabens zwischen dem Jesus von Nazareth und dem Jesus als wundertätiger Sohn Gottes auf einen fruchtbaren Boden. Verstärkt wird das durch die Tendenz, nachzuweisen, daß alles, was Jesus selbst gelehrt habe, nur Lehren seien, die damals auch von Juden gelehrt worden seien, er also nichts aus dem Judentum nicht Ableitbares gelehrt habe. Wie aus so einem Jesus dann der Sohn Gottes werden konnte, wird so völlig unbegreiflich und gerät unter den Verdacht, eine große Täuschung zu sein!

Ist denn nun das Axiom der historisch- kritischen Methode, daß Gott keine Wunder wirke und auch nicht Menschen in seiner Kraft, selbst wissenschaftlich begründet? Mitnichten, es wurde als eine Prämisse dieser wissenschaftlichen Methode eingeführt, die selbst wiederum nicht wissenschaftlich begründet worden ist, denn sie ist die Prämisse des modernen wissenschaftlichen Denkens. Das ist vergleichbar mit einem Rechenlehrer, der den Schülern das Subtrahieren beibringt und die Tafelklässerfrage: „Was ist denn 2 weniger 3?“ mit „Das geht nicht!“ beantwortet, weil er seiner Schüler nicht mit dem Gebrauch der Negativzahlen überfordern will. Man könnte sagen, daß sich die negativen Zahlen, etwa -2 zu den positiven, der 2 so verhalten, wie die Wunder zu den natürlichen Ereignissen. Die negativen negieren die positiven wie die Wunder die natürliche positive (ponere= setzen,stellen,legen) Ordnung der Natur. Aber so wenig der Ausschluß der Negativzahlen aus der Mathematik legitimierbar ist, so wenig legitimierbar ist der Ausschluß der Wunder als ein Element der ganzen Wirklichkeit.

Aber erst durch dieses Axiom entsteht der tiefe Graben zwischen dem Jesus von Nazareth und dem kirchlichen Jesus Christus, der die ganze Christologie delegitimiert.



Samstag, 29. März 2025

Was nicht in der hl.Schrift stehen dürfte und darum wegexegetisiert werden muß

 

Was nicht in der hl.Schrift stehen dürfte und darum wegexegetisiert werden muß

Auch nur der oberflächlichste Bibelleser kann es nicht vermeiden, auf Bibeltexte zu stoßen,die er nicht lesen und schon gar nicht als wahr akzeptieren möchte. Wer behauptet, die christliche Religion wäre ein Produkt unseres Wunschdenkens, der dürfte wohl nie in seinem Leben die Bibel wirklich gelesen haben. Die hl.Schrift mutet uns allerhand zu, tritt sie uns doch mit dem Anspruch entgegen, wahr zu sein und nicht nur ein Angebotssortiment zu sein, aus dem wir Leser uns das uns Wohlgefällige aussuchen dürfen, um daraus dann wie in einem Verbrauchermarkt wir unseren Einkaufswagen füllen, unseren Privatglauben zusammenmixen.

Es steht geschrieben: Gott spricht zu den Leviten, dem Priesterstamm Israels: „So spricht der Herr,der Gott Israels:Jeder gürte sein Schwert an seine Lenden, und gehet hin und her,von Thor zu Thor mitten durch das Lager,und ein jeder tödte seinen Bruder,Freund, und Nöchsten.Das thaten die Söhne Levis nach dem Worte Mosis, und es fielen an diesem Tage bei dreiundzwangitausend Mann.“ 1(2.Mose 32,27f)

Mose weilte auf dem Berge Sinai, um da von Gott die Gebote Gottes zu empfangen und das Volk wurde unruhig: Was ist mit Mose, daß er nicht mehr zurückkommt zu uns? Und was ist mit dem Gott, der uns aus dem Sklavenhaus Ägyptens herausführte, den wir doch verehren möchten? Das Volk fand eine Lösung: Lasset uns ein Götzenbild erschaffen für die Götter, die uns aus Ägypten befreit haben. Sie hatten Mose vergessen, der ihnen den Gott, der sie befreien wolle, bekannt gemacht hatte, den Gott, wie er sich im brennenden Dornbusch bekannt gemacht hatte. Sie erfanden sich selbst Götter, denen sie meinten, ihre Befreiung zu verdanken haben. Sie erschufen das „Goldene Kalb“.Ihm opferten sie und feierten dann ein Befreiungsfest. (2.Mose 32,4-6)

Und wie reagiert der Gott, der wirklich sein Volk aus Ägypten befreit hat: Er beauftragt Mose, den Leviten den Auftrag zu geben, diese Sünde zu bestrafen: Mit dem Schwert ziehen sie los und töten – nach der Vulgata- 23.000 des jüdischen Volkes. Das ist Gottes Strafgericht über diese Sünde.

Die rabiateste Lösung für diesen Text und aller sonstigen so arg anstößigen des Alten Testamentes offeriert uns Marcion mit seiner These, daß der Gott Jesu Christi nicht der Gott des Alten Testamentes sei. Für uns Christen existiere nur der Gott Jesu, der Gott des Alten Testamentes sei in Wahrheit ein Daimon2. Es geht auch gemäßigter: Im Alten Testament läge noch ein verworrenes Gottesverständnis vor, erst Jesus habe uns ein eindeutiges vermittelt, daß Gott nur der uns alle liebende Gott sei, der der Humanität. Nur vermittelt das AT nicht von Menschen produzierte Gottesbilder, dem wir dann das durch Jesu offenbarte gegenüberstellen dürften! Außerdem ist die naive Blauäugigkeit dieses Umganges mit der hl.Schrift zu offensichtlich: Wahr ist nur das, was mir gefällt!

Wer nun aber trotzdem auf diese Unterscheidung insistiert, der Gott des Alten Bundes als ein zürnender und rächender und der Gott Jesu, der nur der liebende sei, der muß sich durch die Johannesoffenbarung eines besseren belehren lassen, denn da müssen wir lesen: „Ein Drittel der Menschen wurde durch diese drei Plagen getötet, durch Feuer,Rauch und Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorkamen.“ (9,18). Die Rachengel Gottes werden dies Gericht über die Menschheit vollziehen, prophezeit uns dieser Bibeltext. Angesichts solcher Aussagen verwundert es nicht, daß die Johannesoffenbarung das mißachteste Buch der ganzen Bibel ist3: So einen Gott wollen wir nicht. Er hat sich nach unseren Wünschen zu richten, sonst wollen wir ihn nicht.

Wie viel theologischen Aufwand betreibt nun die wissenschaftliche Theologie, um all dies so Anstößige und Inakzeptable zu beseitigen! Aber das Anliegen dieser Art von Wissenschaft ist nicht das Suchen nach Wahrheit sondern die Umformung der christlichen Religion in eine für uns angenehme Süßspeise, eine konsumentenfreudige als wäre die Theologie eine Unterabteilung des Marketings, der Kunst des kundenzentrierten Verkaufens. 

1.Zusatz:

Ohne eine Lehre von Gottes Zorn und Gericht über die Sünde ist der Kreuzestod Jesu Christi aber unbegreifbar, Vgl hierzu: Anselm von Canterbury 

2.Zusatz

Völlig abwegig ist nun die Behauptung, Gottes Wille widerspräche die Todesstrafe. Er selbst ordnet sie hier an. Leider versteigt sich Papst Franziskus zu dieser Meinung, die aber klar der hl.Schrift und der Lehre der Kirche widerspricht.



1Der Jesuit A.Arndt kommentiert in seiner Vulgataausgabe die Zahl 23.000 wie folgt:Im hebräischen Text hieße es 3000 Mann, die Vulgata habe sich hier wohl verschrieben. Wenigstens nicht 23.000 sondern „nur“ 3000. Der Jesuit verdrängt dabei aber, daß für uns Katholiken der Vulgatatext maßgebend ist, zumal exegetisch gar nicht sicher ist, ob der hebräische Text, so wie er jetzt rekonstruiert vorliegt, wirklich der ursprüngliche ist.

2Nach meiner Erfahrung erfreut sich diese These auch heute noch einiger Beliebtheit etwa in dem Narrativ, daß die „Amtskirche“die Gläubigen betrüge, indem sie lehre, der Gott des Alten Testamentes sei der Jesu! Der Gott des AT sei aber so „schrecklich“, er könne nicht identisch sein mit dem Gott Jesu .

3Die beliebteste Version der Entwertung der Johannesoffenbarung ist, den Text nicht zu lesen als einen, der den Anspruch erhebt, uns das Zukünftige zu offenbaren und zwar das Endgeschehen, sondern als einen, der wohl im 2.Jahrhundert produziert, uns nur einen Einblick in die zeitgeschichtlich bedingten Zukunftsvorstellungen der damaligen Christen gewährt.

Mittwoch, 28. August 2024

„Was tun?“ (Lenin), wenn die Bibel sich als widerborstig der Reformagenda des Synodalen Irrweges gegenüber erweist.

 

Was tun?“ (Lenin), wenn die Bibel sich als widerborstig der Reformagenda des Synodalen Irrweges gegenüber erweist.


Die Bibelwerk-Direktorin weist uns den Ausweg: „Man muss Bibel manchmal wider-sprechen.“ So resümiert Kath de am 28.6. 2024 das Anliegen dieser Bibelerforscherin. Das Ziel wird klar benannt:„Momentan sei allerdings zu beobachten, dass antisemitische, frauen- und queerfeindliche sowie antidemokratische Äußerungen mit Bibelzitaten begründet würden. Dies dürfe man nicht tolerieren.“ Es existieren also Bibelstellen, mit denen antisemitsche,frauenfeindliche, queerfeindliche und antidemokratische Positionen legitimiert werden können. Das sei intolerabel. Deshalb muß da diesen Bibelaussagen widersprochen werden oder sie so umgedeutet werden, daß sie politisch korrekt werden. Werden sonst große Lobeshymnen auf die Möglichkeit vielfältigster Auslegungen von den Bibeltexten abgesungen, so werden hier klar rote Linien markiert.

(Von einem Arbeitskreis des christlich-jüdischen Dialoges der Reformierten „Kirche“ ist mir mal eine Liste der Bibelstellen zugesandt worden, die man nicht mehr in einem Gottesdienst verwenden dürfe, da diese antisemitisch wären und dies dann auch durch eine Predigt wider den Bibeltext nicht mehr ausgebügelt werden könne. Leider ist mir diese Liste abhandengekommen, aber meiner Erinnerung nach wurden da hauptsächlich Texte des Johannesevangeliumes so verurteilt.)

Der Kampf gegen Frauenfeindliches in der Bibel sieht dann so aus: In dem Kath de Artikel „Wegen Frauenfeindlichkeit“ am 23.8.2024 heißt es:

Am kommenden Sonntag werde aus dem fünften Kapitel des Paulusbriefs an die Gemeinde in Ephesus gelesen, in dem Frauen aufgefordert würden, sich ihren Männern unterzuordnen. "Dieser Abschnitt aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus, geschrieben zu einer Zeit, in der die patriarchale Gesellschaftsordnung schon tief in die Gemeinden eingedrungen war, eignet sich nicht mehr als Schriftlesung im Gottesdienst", schreibt Jantzen in einem Beitrag Ihres Blogs "Gotteswort weiblich" auf der Internetseite des Bistums Aachen (Mittwoch). "Der angemessene Umgang mit diesem Text wäre, ihn nicht mehr vorzutragen", so die Theologin.“

In Zeiten, wo allerorten der Ruf nach mehr Zensur in dem hl.Kampf gegen Rechts erschallt, paßt diese Zensurforderung bestens, aber diese Feministin versucht nun noch gar, daß diese Zensurmaßnahme als eine Nichtzensur der Leserschaft zu verkaufen: „Dies sei keine Zensur der Bibel. "Es sind wir selbst, die dem Buch der Bücher Bedeutung geben oder auch nicht." Die Bibel besitze also keine Bedeutung an sich, sondern sie habe nur eine, insofern wir ihr bzw Teilen von ihr eine Bedeutung zubilligen. Es gälte also nur, dieser Bibelstelle die bisher ihr zugebilligte Bedeutung zu revozieren und sie so bedeutungslos zu machen. Das sei sie ja auch von sich aus, wenn nicht, reden wir Klartext, Frauenfeinde ihr eine zugeschrieben hätten. Diese Pseudotheologin ruft dann die Lektorin zum Leseboykott auf, denn als Frauen hätten sie das Recht, Frauenfeindliches zu lesen zu verweigern.

Am 25.4.2023 wurde auf Kath de schon eine „Queere Exegese“ gefordert: „Schwule Erotik und Macht: Queere Exegese in der christlichen Tradition.“ Queerfeindliche Bibeltexte könnte man ja auch einfach wegzensieren, statt sie mühsam umzuinterpretieren. Man könnte es aber auch so praktizieren: Die Bibeltexte haben gar keinen Sinn in sich sondern nur den, den wir ihn eingeben. Dann könne man ja aus der Bibel herauslesen, was man halt wolle.

Bischof Bätzing nun ganz im Wahlkampfmodus kämpft wie nicht anders zu erwarten gegen die AfD und überraschend auch gegen das „Bündnis Sarah Wagenknecht“, die ja für eine diplomatische Lösung des Ukrainekrieges sich einsetzt. Das sei völlig inakzeptabel,sagt dieser Unterstützer des Kriegskurses der Nato gegen Rußland. Aber dann sagt er auch: „ Gewalt im Namen Gottes ist Perversion der Religion“. (Kath de am 28.8.2024). Also Gewalt im Namen Gottes sei eine Perversion, aber Gewalt im Kampf gegen Rußland sei in Ordnung und gar eine diplomatischen Lösung, wie sie Frau Wagenknecht vorsieht, vorzuziehen. Wie kommt dieser Bischof nun aber auf die Idee, daß eine Gewaltanwendung im Namen Gottes eine Perversion sei? Papst Franziskus sagt das auch. Es ist aber nun sehr ärgerlich, daß der Prophet Elija auf dem Berg Karmel davon nichts wußte. Nachdem nämlich Jahwe sich als der wahre Gott und der Gott Baal als ein falscher sich erwiesen hatte. (1.Könige 18) befahl er: „Ergreifet die Propheten des Baal! Keiner von ihnen entkommen.Man ergriff sie,und Elija ließ sie zum Bach Kirschon hinabführen und dort töten.“ (18,40) Die Aussage ist leider sehr eindeutig, aber es werden sich sicher „wissenschaftliche“ Möglichkeiten finden, auch diesen Text zum Verschwinden zu bringen, daß in Wirklichkeit der Pophet hier zu einem multireligiösen Fest eingeladen habe.

Reden wir Klartext: Die Bibel ist einfach unzumutbar, auch wenn nun die Bibelwerksdirektorin und ein Heer von Bibelumdeutern den Kampf gegen sie aufnehmen.

Wäre es da nicht einfacher, die Bibel durch ein Rot-Grünes Parteiprogramm mit Unvereinbarkeitserklärungen mit allem, was nicht linksliberal ist, zu substituieren?

1.Zusatz:

Als ein Beleg einer Spitzenleistung moderner Bibelexegese sei hier auf den Artikel: "Wie Jesus zum „Arier“ gemacht wurde"  des Deutschlandfunkes am 11.6.2011 verwiesen. Da wird man sicher auch beweisen können, daß Jesus kein Mann gewesen war, sondern ein bisexueller Geschlechtsumwandelnder. Ein erster Ansatz offeriert dazu der Kath de Artikel vom 21.8.2024:  "Kirchenhistoriker: Geschlechtlichkeit Jesu ist immer zeitabhängig."

2.Zusatz

Damit die hl.Schrift so willkürlich ausgelegt werden kann, muß zuvörderst aber die traditionelle Auslegung durch die Kirche als für uns nicht mehr bindend reprobiert werden.Die Tradition sei eben nur eine Ansammlung zeit(geist)bedinger Meinungen über Gott und die Welt.



 



Sonntag, 31. März 2024

Eine fast schon skandalöse Aussage über die Auferstehung Jesu! Oder: Daß die Kirche das Alte Testament nicht mehr versteht!

 

Eine fast schon skandalöse Aussage über die Auferstehung Jesu!

Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse.“ So steht es im Johannesevangelium geschrieben (20,9): Mancher Theologe würde den 2 Satz gern streichen, überfordert er doch die heutige Theologie maßos.

Aber schon die erste Aussage verstößt gegen das theologische Axiom, daß der Ursprung des Auferstehungsglauben die Begegnung mit dem Auferstanden nach seiner Kreuzigung gewesen sei. Das leere Grab habe und könne den Glauben, daß Jesus lebt, obschon er am Kreuze gestorben ist, nicht fundieren, ja ganz Kritische meinen gar, daß das leere Grab eine Erfindung der nachösterlichen Kirche sei, um so nachträglich noch den Glauben an den leiblich Auferstanden zu stützen, daß er eben nicht als ein Totengeist den Seinigen erschienen sei wie etwa der ermordete Hamlet seinem Sohn erschien. Das leere Grab sei ja für sich genommen polyinterpretabel: Es könnte ja auch Jesu Leichnam einfach von wem auch immer entwendet worden sein.

Nur, es widersteht nun die Aussage: Der Lieblings „sah und glaubte“.Ob man vielleicht hier so argumentieren könnte: Dieser Schüler liebte Jesus und seine liebenden Augen sahen eben mehr als das Auge eines historisch-kritischen Forschers?Auch wer der zur Phrase verkommenden These: „Nur mit dem Herzen sieht man gut“, kritisch gegenübersteht, in diesem Falle könnte diese These doch zutreffen.

Aber der 2. Satz muß jeden Leser aus den gewohnten Denkbahnen herausreißen. Denn der Lieblingsjünger wird da kritisiert, daß er nur glaubt. Dem Glauben wird nämlich das Verstehen gegenübergestellt: Nicht sollte er glauben, sondern er sollte verstehen, daß Jesus Christus von den Toten auferstehen mußte! Wenn es verstehbar ist, daß die Auferstehung geschehen mußte, kann sie nicht mehr geglaubt werden. Man kann etwa nicht sagen: Ich glaube, daß ein Geköpfter nach seiner Köpfung sterben wird, weil jeder weiß, daß eine Enthauptung zum Tode des Geköpften führt, da dies eine notwendige Folge der Köpfung ist.

Es gibt Menschen, die bezeugen: Mir ist Jesus Christus nach dem Karfreitag als lebender erschienen und nicht als ein bloßer Totengeist: Er lebt wahrhaftig! Wenn die Begegnung mit dem Auferstandenden der Grund für den Glauben, daß Jesus wirklich lebt, ist, wie sollen dann die, denen Jesus nach Ostern nicht als Lebender erschienen ist, zu dem Glauben kommen: Er lebt? Sie müßten dem Bericht der Erfahrung der Begegnung anderer mit dem Auferstandenen Glauben schenken: Ich glaube, daß ihr aufrichtig berichtet habt über eure Begegnungserfahrung. Darin steckt ein Problem, daß nun dieser Glaube auf einem Vertrauen auf andere Menschen sich aufauen muß. Dem Johannesevangelium ist das nun eine zu schwache Fundierung dieses Glaubens. So sagt es nun zu uns: Wenn ihr das Alte Testament richtig verstehen würden, würdet ihr erkennen, daß Jesus Christus von den Toten auferstehen mußte. Denn diese hl.Schrift hat das vorausgesagt und da sie es voraussgte, mußte es auch geschehen, denn die Bibel irrt sich nicht in seinen prophetischen Voraussagen. Jesus selbst sagt nämlich zu den Juden: „Wenn ihr Mose glauben würdet, müßtet ihr auch mir glauben, denn über mich hat er geschrieben.“ (5,44) Das heißt nun: Wenn ihr das glaubt, was Moses und die Propheten gschrieben haben, dann müßt ihr da erkennen, daß sie meine Auferstehung vorausangekündigt haben und daß sie deshalb auch geschehen mußte. Das Fundament des Glaubens an Jesu Auferstehung soll somit nicht mehr eine Begegnungserfahrung mit dem lebenden Jesus nach dem Karfreitag sein, sondern das Studium des Alten Testamentes, das dies Ereignis vorausangekündigt hatte. Damit verwandelt sich aber der Glaube an Jesu Auferstehung in die Erkenntnis seines Auferstehenmüssens und der Glaube wird dadurch als eine defizitäre Erkenntnis qualifiziert.

Wer heutzutage aber das Alte Testament mit der Methodik der historischen Kritik liest, kann unmöglich in ihm eine solche Voraussage erkennen. Das gründet sich aber auch in dem Interesse, die jüdische Weise des Lesens des Alten Testamentes, daß es nicht Jesus Christus verheißen hat, daß somit Jesus nicht der erhoffte Messias war, zu rechtfertigen. Jesus hätte sich geirrt, als wenn nur der, der ihn als den Messias glaubt, auch Moses glaubt. Mitnichten: Man könne Moses glauben und nicht an Jesus glauben und glaubt doch wahrhaftig Mose. Die Weise, wie die Kirche früher das Alte Testament las und verstand, ist dem modernen Umgang mit ihr verloren gegangen und so wurde das Alte Testament der Kirche zu einem nicht mehr begreifbaren Buch, da sie ihm seine Mitte, daß es über Jesus Christus schreibt, raubt.

Samstag, 30. März 2024

Eine Skandalgeschichte: Was,wenn das Grab Jesu nicht leer gewesen wäre oder die wissenschaftliche Liebe zu einer Verschwörungstheorie!

 

Eine Skandalgeschichte: Was,wenn das Grab Jesu nicht leer gewesen wäre oder die wissenschaftliche Liebe zu einer Verschwörungstheorie!


Die Geschichte der Kirche war und ist auch immer eine ihrer intelligenten Kritiker,die ihr intellektuelles Vermögen in den Kampf wider die Kirche und die Wahrheit einsetzten und einsetzen. Seit Ostern verkündet die Kirche: Jesus Christus ist wahrhaft auferstanden. Wir gingen zu seinem Grabe und fanden es leer vor, denn unser Herr ist aus ihm entstanden, er erschien uns,um uns zu sagen: „Ich lebe!“

Was, wenn nun wer,skeptisch eingestellt,gefragt hätte: „Zeigt mir doch das leere Grab!“ Was hätten die Christen da antworten können?

Die 1.Möglichkeit:„Wir wissen nicht mehr, wo das Grab gelegen ist!“-Nein, diese Antwort wäre unmöglich gewesen, denn von zu vielen Christen wird erzählt, daß sie zu Jesu Grab gegangen waren, die so gewußt haben müssen, wo er beerdigt worden war.

Die 2.Möglichkeit: „Im Grab liegt zwar sein Leichnam,aber er ist doch auferstanden.“ Diese Behauptung wäre unvereinbar mit den urchristlichen Erzählungen von seinen österlichen Erscheinungen und zudem unvereinbar mit dem Begriff der Auferstehung bzw Auferweckung. Denn dann existierte Jesus nur als eine Art Geist nach seinem Kreuzestod weiter, aber das ist nicht nur in der Antike eine weitverbreitete Vorstellung über eine postmortale Weiterexistenz von Verstorbenen. Er wäre also tot und wäre dann nur als ein Totengeist erschienen.

Wenn das Grab nicht leer gewesen wäre, hätte die Kirche schon sehr bald auf das Osterevangelium verzichten müssen. Die Ausrede,es sei in Vergessenheit geraten, wo den Jesus begraben worden sei, wäre als zu simple Ausflucht schnell durchschaut geworden.

Was unternahmen nun die Kritiker der Kirche? Sie waren klug,sodaß sie nicht das Leersein des Grabes Jesu bestritten,sondern diese Verschwörungstheorie konzipierten: Anhänger von diesem Jesus hätten seinen Leichnam aus dem Grabe entfernt, um dann die Mär von seiner Auferstehung in die Welt zu setzen. Diese Polemik setzt nun aber die Leerheit des Grabes voraus, daß die Kritiker außer Stande sich sahen,zu sagen:“Nein,das Grab ist voll, der Herr Jesus liegt noch in seinem Grabe!“, und zu beweisen, daß es leer war.

So wie die ersten Kritiker der Kirche nicht die Wunder Jesu bestritten, sondern ihr Geschehensein akzeptierten, um dann sie aber anders zu interpretieren,Jesus habe sie in der Kraft des Teufels gewirkt, um Juden zu einem Irrglauben zu verführen, so akzeptierten sie auch das Leersein des Grabes, um dann dies Faktum nur anders zu interpretieren mit dem Verschwörungsnarrativ des Leichnamraubes.

Beide Kritiken waren nun wirklich intelligenter als die Vulgärthese modernistischer Theologie, daß die Christen sowohl das leere Grab wie auch alle Wunder Jesu Christi nur erfunden hätten als eine für die damalige Zeit wohl recht effektive Werbekampagne für den christlichen Glauben.Denn wie hätte die Kirche die Erzählungen von den Wundertaten Jesu verbreiten können, wenn jeder Kritiker die benannten Orte der Wundertaten aufgesucht haben könnte um dann melden zu können: „Da hat niemand je etwas von so gearteten Wundern gehört!“ Da aber Jesu Wundertaten, so berichten es die Evangelien so bekannt wurden, daß, wenn Jesus sich irgendwo sehen ließ,Menschen hinströmten, um sich oder andere heilen zu lassen, wie hätte dann die Kirche ihren Kritikern erklären sollen, daß sie nun schon alle vergessen worden wären,obzwar Jesus so gewaltige gewirkt hatte.

Ein wenig Recherche und die Evangeliumsverkündigung wäre erledigt gewesen: Die Wunder haben nie stattgefunden, sie haben die Christen frei erfunden,nur um ihren Jesus populär zu machen.Was den ersten Kritikern der Kirche so eine zu plumpe Kritik gewesen war, einfach zu behaupten, daß alle Wunder Jesu reine Phantasieprodukte der Kirche gewesen seien, weil die Erinnerung an sie noch lebendig war, das gilt nun im Namen der Wissenschaft, der historisch-kritischen Methode als die Erkenntnis aufklärerischen Denkens, daß wie das leere Grab so auch alle Wunder Jesu nur phantastische Erzählungen seien, erfunden,um Jesus marketingmäßig besser verkaufen zu können.

So fundiert eine so simpel gestrickte Verschwörungstheorie die heutige sich als wissenschaftlich verstehende Kritik der Kirche, sie habe schon von ihren ersten Anfängen an es nicht so genau genommen mit der Wahrheit, schließlich galt es doch, einen am Ende seines Lebens recht Unpopulären, wie viele riefen doch: „Kreuzige,kreuzige ihn!“,den selbst seine Anhänger in Stich gelassen hatten, nicht nur Petrus, als den Messias des jüdischen Volkes und der ganzen Welt zu propagieren!

Da ist doch die jüdische Kritik, Christen hätten Jesu Leichnam entwendet und er habe all die von ihm berichteten Wunder wirklich vollbracht, nur eben in der Kraft des Satans, viel kreativer als die modernistische Verschwörungstheorie der bloßen Phantasietätigkeit der ersten Christen. 

Merksatz:

Vernünftiges, wissenschaftliches Denken kann nicht darin bestehen, zu  behaupten, daß Gott nicht existiere oder wenn er existiert, er nichts wirken könne, sodaß alle Ereignisse in der Welt immer nur weltimmanent zu erklären seien und daß ein Ereignis, was nicht weltimmanent erklärbar sei, kein reales Ereignis sein könne. Das ist ein naiver Dogmatismus, der selbst nicht ein Produkt wissenschaftlichen Denkens ist sondern im präzisen Sinne ein pures Vorurteil!



Sonntag, 10. März 2024

Das Zukünftige wird geschehen,weil es geschehen muß – Irritierendes aus prophetischem Munde Jesu Christi

 

Es wird geschehen,was geschehen muß – Irritierendes aus prophetischem Munde



Jesus Christus hat uns durch Johannes offenbart, „was geschehen muß“am Ende der Menschheitsgeschichte. (Joh.Offenbarung,1,1) Die Johannesoffenbarung ist eben nicht nur das letzte Buch der Bibel, sein Inhalt ist eben auch eine Belehrung über die letzten Dinge.s Als Sohn Gottes weiß er die Zukunft voraus ob seiner Allwissenheit. Aber die Providentia Dei weiß das, was zukünftig zufällig geschehen wird als zufällig geschehen Werdendes voraus, sodaß dies Zukünftige nicht durch dies Vorauswissen determiniert wird. So kann jeder, der nur einen Hauch an Ahnung von dem Bundesligafußball hat, prophezeien, daß der FC-Bayern München, wenn er denn gegen den FC-Krähwinkel anträte, dies Spiel hoch gewinnen wird, ohne daß dabei dies Vorauswissen den Spielverlauf determinieren würde.

Weil Jesu Christi Vorauswissen aber unfehlbar ist, wird das, was er voraussieht, so auch geschehen, aber es ist damit kein determiniertes Geschehen. Das „muß“ in dieser Aussage ist also nicht ableitbar aus dem unfehlbaren Vorauswissen des Gottessohnes. Das „muß“ könnte dann verstanden werden als ein durch weltimmanente Ursachen bedingtes Ereignis, das so eintreten muß. Ein Mensch, der enthauptet wird, muß notwendig sterben. Die Enthauptung ist dann zwar ein kontingentes Ereignis, aber der Tod ist dann die notwendige Folge der Enthauptung. Aber es lassen sich keine Gründe ausfindig machen, daß das in der Johannes-apokalypse Vorausgesagte durch geschichtsimmanente Gründe als notwendige Folgen determiniert sei, zumal Gottes zukünftiges Handeln durch nichts außer durch seinen Willen determiniert sein kann: Gott will etwas und das wird dann auch notwendig sich so ereignen. r

Damit liegt die These nahe, daß Gott selbst das zukünftig geschehen Werdende so beschlossen hat, daß es sich wie beschlossen ereignen wird. Das hieße aber, daß die Menschen, so wie sie auch immer dann am Ende der Geschichte handeln werden,so handeln werden, wie Gott es beschlossen hat. Die Menschheitsgeschichte gliche dann einem Theaterstück, in dem der göttliche Regisseur seinen Schauspielern das Ende des Theaterstückes offenbart und der das kann, weil das Stück von ihm selbst geschrieben nun aufgeführt wird. Nur verstieße ein solcher Determinismus dem Schöpfungswillen Gottes selbst, der den Menschen als ein zur Freiheit, zur Selbstbestimmungsfähigkeit Bestimmter erschaffen hat.

Somit bereitet diese erste Aussage der Theologie schon beachtliche Probleme.Ein Ausweg könnte darin bestehen, etwas stoizistisch zu unterscheiden von der Rolle, die Gott jeweils uns zu spielen aufgibt, die wir uns also nicht frei erwählen und der Frage, wie wir sie spielen. Das läge dann in unserer Freiheit, sie gut oder weniger gut oder gar schlecht zu spielen. Nur wenn man diese These auf ihre Akzeptabilität hin überprüft, indem man einen Mörder denkt, sodaß dann gälte: Die Rolle des Mörders habe Gott jemandem auferlegt und ihm dazu die Freiheit gegeben, sie gut oder schlecht zu spielen, dann muß diese These doch revidiert werden. Deterministisch denkende Theologen wie Luther, Zwingli und Calvin haben so Gottes Regieren der Welt gedacht und gar noch die Freiheit, die verhängte Rolle gut oder schlecht zu spielen, negiert. Zwingli und Calvin verneinen nun die Freiheit des Menschen vollsändig in ihrer jeweiligen Vorsehungslehre Gottes: Gott wüsse alles unfehlbar voraus, weil er selbst alles determiniert hat von Ewigkeit her. Die katholische Theologie hat solch einen theozentrischen Determinismus stets abgelehnt, da der Mensch als ein freies Wesen erschaffen wurde und zwar ausgestattet mit der Willensfreiheit. Eine Handlugsfreiheit wäre mit einem Determinismus kompatibel, denn diese Freiheit besagt ja nur, daß ein Mensch, das was er will, gleichgültig ob er es freiwillig will oder durch etwas determiniert, auch realisieren kann.

Als Ausweg böte sich dann doch an, das „muß“ auf das Vorauswissen Gottes zu beziehen: Weil Gottes Vorauswissen unfehlbar ist, wird alles so geschehen, wie es Gott vorausweiß, das zukünftig kontingent sich Ereignende muß sich dann zukünftig kontingent ereignen. Denn ein Vorauswissen determiniert nicht das vorausgewußte Geschehen sondern erkennt es so, wie es sich zukünftig zufällig oder auch notwendig sich ereignen wird. Das schlösse dann nicht aus, daß Gott Menschen Rollen im Welttheater zu spielen vorgibt, sie dazu beruft, aber es müßte dann distinguiert werden zwischen Rollen, die Gott zuteilt und Rollen, etwa die eines Mörders, die Gott zuläßt für das Gelingen des Gesamttheaterstückes. Hier gilt dann wirklich: Das Ganze ist die Wahrheit und alles Einzelne ist nur, weil es auf das Ganze bezogen ist.



Am einfachsten ist es aber, mittels der historisch-kritischen Methode das ganze Buch als ein Phantasieprodukt eines Visionärs anzusehen, der für die Kirche in schwerer Bedrängnis ein Trostbuch verfaßte: Am Ende wird alles gut! Die „wissenschaftliche“ Fundierung bildet dabei das Dogma, daß kein Mensch vorauswissen könne, was zukünftig geschehen wird und daß Gott, wenn es den denn überhaupt gibt, Menschen nichts offenbare, schon gar nicht die Zukunft. Es könne also keine Prophetie geben und auch Jesus von Nazareth könnte nicht die Zukunft voraussagen, da ja auch er nur ein Mensch gewesen war, dem Gott nichts offenbart hatte.

Samstag, 23. September 2023

Aus den Giftquellen modernistischer Theologie: Wie der Niedergang der christlichen Religion herbeigeführt wurde.

Aus den Giftquellen modernistischer Theologie: Wie der Niedergang der christlichen Religion herbeigeführt wurde. Ein anschauliches Beispiel



Wer sich den Niedergang der Theologie vor Augen führen möchte, der dann auch der Kirche ihrer Fundamente beraubte,kann an dem liberalen Theologen Ernst Troeltsch nicht vorbeisehen. Nicht umsonst widmet Georg May ihm ein ausführliches Kapitel in seinem mehr als lesenswerten Opus: „300 Jahre gläubige &ungläubige Theologie,2017, S.478-484. Wer diesen Beitrag liest, kann nicht verkennen, daß Troeltsch auch in die katholische Theologie verhängnisvoll hineinwirkt. „Troeltsch zielt auf die Verabschiedung dogmatischer Einheitschristologien zugunsten eines Pluralismus der Jesusbilder“ resümiert dieser Troeltschbeitrag. Wie sein Mitkämpfer Adolf von Harnack plädiert er für einen „dogmenlosen Glauben“. (S.471)


Wie gelingt nun die radicale Entdogmatisierung der christlichen Religion? Wenn die reformatorische Theologie die Lehre der Kirche desavouierte durch die Behauptung, sie stimme nicht mit der einzig legitimen Quelle der Theologie, der Bibel überein, verschärft die liberale Theologie diese Kirchenkritik,indem nun schon die Qualität des Zeugnisses des Neuen Testamentes, auf dem sich die Kirche aufbaut, in Frage gestellt wird. Was von dem,was im Neuen Testament von Jesus erzählt wird, kann als wahr gelten? So frägt dieser Theologe. Ein Ereignis, das in der Geschichte sich ereignet haben soll, kann nur dann als wahr gelten, wenn es den „Gesetzen der Kausalität,der Analogie und der Immanenz entsprechen.“ (S.479) Alle Aussagen, die dem widersprechen, sind als unwahre, reine Phantasiegebilde der Urgemeinde zu entlarven.Auch könnte unser Bewußtsein kein Ereignis wahrnehmen, das nicht diesen Gesetzmäßigkeiten gemäß wäre. Die Welt als Summe aller möglichen und realen Ereignissen schließt so ob der Immanenz der Welt die Möglichkeit eines Wunders, eines Einwirkens übernatürlicher Größen aus und wir Menschen könnten solche Ereignisse, wenn sie doch sich ereignen sollten, gar nicht erkennen.


So fallen dann die Ergebnisse dieser Bibelkritik aus und man muß  hinzufügen, daß heutzutage wohl die meisten Exegeten dem zustimmen werden, vielleicht, daß nicht alle das dann so offenherzig bekunden würden:


Lehren wie die von der Gottheit Christi und von der Erbsünde sind seiner Meinung nach unhaltbar.“(S.481) Jesus war nicht Gott, alle Aussagen über die Präexistenz Jesu Christi seien unsinnig, er sei nicht für unsere Sünden gestorben, er habe auch keine Wunder gewirkt, Jesus war eben nur ein ganz und gar in seiner Zeit bedingter Mensch. Allein seine „psychologische Wirkung“ zähle, nicht die zu verwerfenden dogmatischen Lehren über ihn.(S.481) Jesus ist für Troeltsch nur „in dem Sinne Erlöser, daß sein Bild das Modell und der Ursprung des erlösenden christlichen Gottesbewußtseins ist.“ (S.481f) Einfacher moderner formuliert: Jesus lebte so, wie der lebt, der sich ganz und gar als von Gott Bejahter glaubt. Wie für Harnack ist so auch für ihn die Entwickelung des christologischen Dogmas eine „schaurige Geschichte“. (S.471).


Nach dieser Destruktion des Fundamentes des christlichen Glaubens bleibt nur noch eine Trümmerwüste übrig, aus der sich dann die Zeitgeisttheologen ihren Wunschjesus und einer dazu passenden Wohlfühlreligion zusamenbasteln können.Da alles Objektive aufgelöst ist, kann nun da die reine Phantasie ihre Tätigkeit beginnen,marktkonforme „Jesusbilder“ zu produzieren. 

 Für die Destruktion der evangelischen wie der katholischen Theologie leistete Troeltsch aber weit darüber Hinausgehendes: Durch seine geschichtsphilosophische Fundierung der historisch-kritischen Methhode, daß ein Ereignis in der Geschichte nur als ein wirklich sich ereignenes gelten dürfe, wenn es den Gesetzen der Kausalität,der Analogie und der Immanenz entspreche, hat er das Fundament der christlichen Religion völlig zerstört, denn dieser methodische Atheismus, es kann in der Welt nichts Übernatürliches sich ereignen, läßt keinen Gott, der in der Welt wirkt, mehr zu! 

 

 


 

Samstag, 8. April 2023

Wider ein beliebtes Narrativ: Das leere Grab sei eine nachösterliche Erfindung, eine Legende

Wider ein beliebtes Narrativ: Das leere Grab sei eine nachösterliche Erfindung, eine Legende Der Kirche und ihren Mitarbeitern traut man,historisch kritisch verbildet doch einen recht laxen Umgang mit der Wahrheit zu. So gehört es zum guten Ton, fast alle Heiligenwundergeschichten als „Legenden“ abzutuen, habe doch Jesus von Nazareth auch kein einziges Wunder gewirkt, es sei denn, es wäre rein weltimmanent erklärbar. Aber die damaligen Adressaten der christlichen Verkündigung seien eben wundersüchtig gewesen, die begehrten, von Wundertaten zu hören und da haben halt die Marketingabteilungen der Kirche das Erwünschte geliefert. Der modern-aufgeklärte Christ weiß dagegen: Gott wirkt keine Wunder! "Die Vorstellung, dass Gott außerhalb der Naturgesetze wirkt, ist überholt" "Es bleiben Fragen": Jesuit und Psychiater über "Resl von Konnersreuth" tönte es in einem Entlarvungsartikel von Kath de über Therese Neumann am 18.9.2022. Fraglich ist nun aber, ob Gott, solange die Vorstellung, dass Gott außerhalb der Naturgesetze wirke,noch nicht überholt war, so Wunder wirkte, dann das aber sein ließ, um die aufgeklärten Christen nicht in Verlegenheit zu bringen. Oder meint dieser Jesuit, daß Gott nie ein Wunder gewirkt habe, da es auch ihm nicht möglich sei, Naturgesetze auch nur punktuell außer Kraft zu setzen. Was aber so in der Macht jedes Staates liegt, gegebene Gesetze außer Kraft zu setzen, ja im Ausnahmezustand gar die ganze Verfassung, es sei hier an Carl Schmitts Definition des Ausnahmezustandes erinnert, daß darin sich die Souveränität des Staates erweise, das soll dem Allmächtigen nicht möglich sein? Das ist wahrlich ein sehr seltsamer Gott! Erst hätten die Urchristen an die Auferstehung Jesu geglaubt und dann aus apologetischen Gründen das leere Grab erfunden: Wenn Jesus wirklich leiblich auferstanden sei und nicht nur als Geist erschienen wäre wie etwa Hamlet seinem Sohn, um ihm seinen gewaltsamen Tod zu offenbaren, dann muß das Grab eben leer sein. Die Kreativabteilungen erfanden dann die Geschichten von der Auffindung des leeren Grabes. Moralische Skrupel kannten die Christen so von Anfang an nicht. Diese Erfindung muß nun schon recht früh von statten gegangen sein, da sie das Markusevangelium schon kennt. Daß Paulus das leere Grab in seinen Briefen nicht erwähnt, schließt die historische Kritik, daß zur Zeit seiner Briefe die Legende vom leeren Grab noch nicht erfunden worden war. Da dieser Apostel weder Maria, die Mutter Jesu noch seinen Stiefvater Joseph erwähnt, ist dann zu folgern, daß diese Eltern auch eine Kreativprodukt der Urgemeinden ist. Mit dem Protoevangelium des Jakobus, das uns so viel Bedeutsames über die Mutter Jesu mitteilt, geht die historische Kritik so um: alles frei erphantasiert, auch der Name der Mutter von Maria, der hl. Anna. Also zwischen 50 bis 70 n.Chr erfand man diese Legende. „Das Grab ist leer -denn Jesus ist leiblich von den Toten auferstanden!“ Es bedarf keiner Überanstrengung unserer Phantasie, um sich die Reaktion der Schriftgelehrten und Pharisäer vorzustellen: „Zeigt uns das leere Grab!“ 2 Reaktionsmöglichkeiten gab es darauf: Christen gingen mit ihren Kritikern zum „leeren Grab“ und dort fand man den Leichnam Jesu, bzw das, was noch von ihm vorhanden war. Die Osterbotschaft wäre als eine einzige Betrugsgeschichte entlarvt. Die zweite Option: „Wir wissen nicht mehr, wo das Grab ist!“ Wie konnten aber die Zeugen des leeren Grabes zu diesem Grabe gehen, wenn der Ort seines Grabes unbekannt war? Wenn der Grabort aber bekannt war, wie ist es dann möglich, daß dieser Ort so schnell in Vergessenheit geriet? Auch diese Option hätte das Osterevangelium ad acta gelegt: Alles nur Betrug! Wie reagierte die Synagoge aber wirklich auf die österliche Verkündigung: Jesus ist leiblich auferstanden – sein Grab ist leer. Wir lesen es im Matthäusevangelium: „Das Grab Jesu war leer, weil seine Anhänger seinen Leichnam entwendet haben.“ Damit wird das leere Grab bestätigt von den Gegnern der christlichen Religion: Ja, es war leer! Aber diese Tatsache wird anders interpretiert mit der Leichnamsraubthese. Wie viel leichter fiele die Kritik des Osterevangeliumes, hätten die Juden auf das nichtleere Grab Jesu verweisen können oder wenn sie schreiben gekonnt hätten: Das Grab Jesu, das die Christen leer fanden, können sie jetzt nicht mehr wiederfinden! Es sei verschwunden! So wie die Gegner Jesu nicht seine Wunder bestritten, er hat sie gewirkt, aber in der Kraft Satans, um uns Juden zu verführen, so bestritten sie auch nicht die Leerheit des Grabes. Tatsachen waren das, nur ihre Interpretation war strittig zwischen den Christen und der Synagoge. Jetzt bestreiten gar modernistische Christen die einst unstrittigen Tatsachen, weil sie Gott die Allmacht absprechen, Wunder wirken zu können. Corollarium Die eiinzige Möglichkeit, das Osterevangelium zu retten, wenn das Grab Jesu voll gewesen wäre: Die Urchristen wären den gnostischen Kritikern des Paulus gefolgt, (1. und 2. Korintherbrief), daß Jesus nur als Seele auferstanden sei, mit einem Scheinleib ausstaffiert.

Montag, 5. September 2022

"Wie man mit irritierenden Bibelstellen umgehen kann" - oder wie man die Bibel entsorgt!

Wie man mit irritierenden Bibelstellen umgehen kann“ oder wie man die Bibel entsorgt!


Man kann nicht umhin, feststellen zu müssen, daß vieles in der hl.Schrift Geschriebenes dem heutigen Geschmack mißfällt. Auch großen Reformvorhaben widersteitet so manche Bibelstelle, es sei nur an die eindeutige Verurteilung praktizierter Homosexualität gedacht, die nun aber als inakzeptabel verurteilt wird. Aber noch gravierender wird der Bibelleser mit Aussagen über Gott konfrontiert, die einfach nicht harmonisierbar sind mit dem modernen Gottesbild, daß Gott eben nur noch lieb ist. Kath de stellt nun unter obigen Titel ein Buch vor, von zwei Exegeten verfaßt, wie man das uns Inakzeptable eskamotieren kann.

Dabei begnügt man sich nicht einfach mit einer Kritik an dieser oder jener politisch inkorrekten Bibelaussage, sondern dekonstruiert gleich die ganze Bibel:


Hieke: Tatsächlich begegnen uns in der Bibel sehr vielfältige Gottesvorstellungen. Die Menschen haben ganz unterschiedliche Erfahrungen mit diesem Gott gemacht, an den sie glauben. Eben auch, dass dieser Gott fern, abwesend, dunkel und undurchschaubar ist. Wie Gott wirklich ist, wissen wir nicht. In der Bibel steht nur, aber immerhin, wie Menschen diesen Gott erfahren haben.“


Wenn naive Bibelleser und dogmatisch Verbildete noch immer meinen, daß Gott sich uns offenbart habe und so er sich uns zu erkennen gab, weist dies Buch das entschieden zurück: Wir wissen nicht und können nicht wissen, wie Gott ist! Die Bibel ist eben nur ein Kompendium verschiedenster Gotteserfahrungen. Diese Erfahrungen sagen uns nun aber nicht, wie Gott wirklich ist. Die Bibel sei ein Reservoir menschlicher Antwortversuche auf Notlagen des Lebens. Damit wird indirekt der Begriff der Erfahrung problematisiert. Eine Erfahrung ist nichts Unmittelbares sondern immer schon ein Produkt menschlicher Deutung von Ereignissen. Die Autoren der Bibel erschufen sich ihre eigenen Gottesbilder anläßlich von bestimmten Ereignissen.


Warum sollten dann diese Gottesvorstellungen noch für uns verbindlich sein? Und so erstaunt es uns auch nicht, zu lesen zu bekommen:

Manches dürfen wir aus heutiger Sicht mit Recht kritisieren, weil wir im ethischen Bereich weitergekommen sind.“

Wir haben uns im Bereich der Ethik weiterentwickelt und können so getrost mancherlei Veraltetes der Bibel ad acta legen. Vor allem ist da wohl an den Bereich der Sexualität zu denken und dem Lieblingsthema aller Reformer: die Notwendigkeit, die Homosexualität zu begrüßen.

Aber es wird nun auch empfohlen, manch Anstößiges nicht zu schnell zu verwerfen. Vielleicht könnten ja auch uns noch die dortigen Antwortversuche auf bedrängende Probleme weiterhelfen,mit den jetzigen Problemen besser fertig zu werden.


Summa summarum: Wir wissen und können nicht wissen, wie Gott wirklich ist.Die Bibel präsentiert uns eine große Anzahl an Gottesvorstellungen, die Menschen in bestimmten Situationen hilfreich waren und so könnten sie auch für uns brauchbar sein. Aber was uns Modernen inakzeptabel ist, weil es nicht mit der fortschrittlich-modernen Welt kompatibel ist, kann ruhig exkommuniziert werden als uns Heutigen nicht mehr Zumutbares. Die historische Kritik ermöglicht dabei das Eskamotieren von allem Unzeitgemäßen. Fundiert wird dies Vorgehen durch die Beseitigung der Vorstellung, daß Gott sich oder etwas offenbart habe zugunsten der Vorstellung der Erfahrung, daß die Bibel eben nur ein Reservoir menschlicher Gotteserfahrungen sei, die ganz durch die Subjektivität der Autoren der Bibel bestimmt sei. 

Corollarium 1

Wie ist unter  diesen Conditionen eine Theologie noch möglich? Einfach, indem die Nützlichkeit einer Gottesvorstellung die jeweilige Wahrheit für den Nutzer sein soll. Wie ist Gott zu denken, damit er für das Problem  x,y...nützlich ist?  

 

Samstag, 3. September 2022

Die Versuchung der Kirche: "Der Kosmos wird Euch hassen!" + 2 Zusätze

Die Versuchung der Kirche: „Der Kosmos wird Euch hassen“


Dies verheißt der Sohn Gottes seiner Kirche (Joh, 15,19). „Das darf doch nicht wahr sein!“, dürfte wohl die Spontanreaktion manchen Lesers sein. „Man muß sich diese bittere Wahrheit doch vom Halse schaffen können!“ Als erstes und vorzügliches Instrumentarium bietet sich da die historisch-kritische Methode zur Entsorgung unerquicklicher Wahrheiten an. Diese Aussage müsse in ihrem spezifischen Kontext gelesen werden. Die so schreibende christliche Gemeinde erleide just Verfolgungen. Von daher habe sie dann dies Wort Jesus in den Mund gelegt. Selbstverständlich sei das kein echtes historisches Jesuswort, denn der konnte als Mensch ja nicht die zukünftig sich ereignen werdenden Verfolgungen vorauswissen. Durch dieses Pseudozitat wird nun das kontingente Ereignis der Verfolgung der christlichen Gemeinden in den Status eines: So muß es ja sein!, erhoben. Realiter spiegelt sich hier aber die Konfliktsituation einer christlichen Gemeinde mit der Synagoge wider. Der „Kosmos“ stünde hier für die „Juden“, die Synagoge.

Bischof Bätzing (siehe Herz Jesu Apostolat, Videos zur kommenden Synodalversammlung des Synodalen Weges) predigte hierzu auf dem letzten katholischen Kirchentag wegweisend: Der Evangelist Lukas schöbe einseitig die Schuld an der Steinigung des hl. Stephanus den Juden zu! In derWirklichkeit verhielte sich das wohl anders. Politisch korrekt: Die Christen waren eben selbst schuld daran, daß der Konflikt mit der Synagoge so eskalierte, daß ein Christ gesteinigt wurde und daß Urchristen meinen konnten: Der Kosmos, die Welt hasse sie und meinten damit die Juden.

So kann man historisch-kritisch geschult leicht das Ärgernis dieser Aussage beseitigen. Also,genaugenommen waren die Christen isb der johaneischen Gemeinden selbst schuld daran, daß sie verfolgt wurden. Daraus ist zu lernen: Die Welt wird uns lieben, wenn wir sie nicht durch uns so verärgern, daß sie uns nicht mögen. Nun gibt es viel Weltmenschen Anstoß und Ärgernis Bereitendes in der Katholischen Kirche. Nichts Nebensächliches, sondern schon der Kern, daß es nur eine Wahrheit geben soll, daß Jesus Christus da als die eine allein freimachende Wahrheit verkündet wird. Aber auch da hilft die Allzweckwaffe der historisch-kritischen Methode weiter. Leicht kann da die These aufgestellt werden, daß das Johnnesevangelium von Jesus schreibe wie ein frisch Verliebter von seiner Geliebten: „Nur Dich gibt es! Du bist die Einzige!“ Selbstverständlich gäbe es aber realiter unendlich viele andere Frauen und nicht nur diese eine und so existierten auch viele wahre Wege zu Gott. So kann man dann eine unerquickliche Wahrheit nach der anderen beseitigen, bis nur noch ein der Welt wohlgefälliges Christentum dabei herauskommt. Die meisterliche angewendete historisch-kritische Methode leistet dazu Vortreffliches, wenn oft auch nur in ihrer vulgärsten Version, daß alles in der Kirche historisch bedingt und so auch beliebig veränderbar sei. Ist erst die Kirche demokratisch, kann sie eben endlich alles Unerquickliche aus ihr entfernen. Dann kann sie eine von dem Kosmos respektierte Kirche werden, eine aus der Welt, in ihr und für sie seiende. 

1.Zusatz

Diese Aussage Jesu Christi muß einem zeitgenössischen Christen doch völlig unverständlich sein, wenn das Evangelium Jesu doch nur die Verkündigung des jeden Menschen liebenden Gottes ist. Hat Jesus etwa etwas anderes verkündigt?  

 

2.Zusatz

Die Konstantinische Epoche war der große Versuch, diesen Haß der Welt durch die Christianisierung der Welt zu überwinden. Jetzt stellt sich die Welt wieder gegen die Kirche. 

 

Dienstag, 21. Juni 2022

Unzitierbare Worte der Bibel - oder was man alles in der Kirche nicht mehr sagen darf

Unzitierbare Worte der Bibel– oder was man alles in der Kirche nicht mehr sagen darf


Das Gut der Meinungsfreiheit, einst das Prestigeobjekt des „Freien Westens“ steht nicht mehr in hohem Kurs. Um die Freiheit vor ihrem Mißbrauch zu schützen im Namen der „wehrhaften Demokratie“ wird nun faktisch die Freiheit eingeschränkt- der letzte große Triumph: Ein österreichischer Musiker wurde zu 10 Jahren Gefängnis veruteilt, weil er rechtsradical musizierte. Da verwundert es nicht, daß auch im Raum der Kirche so manches nicht mehr gesagt werden darf.

Pontius Pilatus, nachdem er mit seinem Versuch, Jesus Christus vor der Todesstrafe zu retten gescheitert war, erklärte: Mit diesem Todesurteil habe er nichts zu schaffen. Er wüsche seine Hände in Unschuld. „Innocens ego sum a sanguine justi hujus“. (= Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten.“ (Mt 27,24) Beachte: Pilatus beurteilt hier Jesus nicht nur als nicht schuldig sondern gar als gerecht. Aber Pilatus hat doch selbst Barabbas und Jesus als 2 zum Tode Verurteilte vor das Volk gestellt, damit es entscheide, wie es Brauch war, wen Pilatus ihnen freilassen solle.Damit ermöglichte er ja erst, daß das Volk, indem es die Freilassung des Barabbas forderte, Jesus zum Tode verurteilte. Die klar erkennbare Tendenz des matthäischen Passionsnberichtes stellt Pilatus aber uns als einen wenig souveränen sich von der jüdischen Volksstimmung treiben Lassenden vor Augen. Er ist eher ein passiv Erleidender als der Akteur der Kreuzigung.

Pilatus sagt somit: Es ist allein eure Sache, daß dieser Jesus jetzt gekreuzigt werden wird, denn ich erachte ihn für nicht nur unschuldig sondern gar für einen Gerechten. An seinem Blut, das so nun vergossen wird, bin ich unschuldig, lautet so das Resümee.

Wer trägt dann die Schuld an dem vergossen werdenen Blut des Gerechten? Darauf erfolgt eine klare Antwort: Das ganze Volk (universus populus)sagte:“Sanguis ejus super eos, et super filios nostris.“ (V 26).Das heißt: Wir und unsere Kinder nehmen die Schuld des vergossenen Blutes auf uns. Damit wird Pilatus zugesichert: Du bist wahrhaft unschuldig an dem jetzt vergossenen Blut, wenn es denn eine Schuld ist, weil wir sie, wenn es denn eine ist, auf uns nehmen. Damit ist Pontius Pilatus realiter exculpiert. Andere nahmen seine Mitverantwortung und somit seine Schuld auf sich, machten sie zu der ihrigen. Selbstredend waren hier das jüdische Volk sicher, daß die Hinrichtung Jesu eine angemessene Strafe für Jesus war, aber sie erklärten doch oder auch gerade deshalb, daß sie die gesamte Verantwortung auf sich nehmen werden, damit Pilatus unbesorgt die Kreuzigung Jesu anordnen kann.

universus populus“ steht geschrieben. Leicht fällt es der historischen Bibelkritik, diese Aussage, daß es das ganze jüdische Volk sei, daß da die Kreuzigung Jesu fordere, zu dekonstruieren. Das seien nur Wenige gewesen, aufgehetzt von ein paar machtgierigen Klerikern und überhaupt sei Pontius Pilatus der wahre Betreiber dieser widergesetzlichen Hinrichtung gewesen.Es muß aber a) festgehalten werden, daß dies nur Wahrscheinlichkeitsurteile der historischen Forschung sind, die nicht von sich behaupten können: So war es wirklich und b) daß für den christlichen Glauben das Matthäusevangelium verbindlich ist und nicht das, was Historiker für wahrscheinlich halten. Das Matthäusevangelium beurteilt also die da so die Kreuzigung Jesu Fordernden nicht als eine Teilmenge des Volkes, sondern als das universus populus. Die da so Agierenden repräsentieren so das ganze Volk.

In der Vulgataausgabe von Augustin Arndt SJ, 2.Auflage 1903 wird deshalb der Vers 25 so kommentiert: „Dies hatte Christus gedroht, 23,35,36. Einst hieß Israel das Volk des Segens,jetzt ist es ein Volk des Fluches geworden. - Die Juden wollen Pilatus Muth machen, damit er das ungerechte Urteil fälle.“

Jesus Christus hatte nach Kapitel 23, 35 dem jüdischen Volke angedroht: damit alles gerechte Blut, welches auf Erden vergossen ward, über euch komme.“ So wird diese Aussage dann kommentiert: „Gott läßt die Sünde des Menschen zu,weil er ihm einen freien Willen gegeben hat, aber was aus der Sünde nothwendig folgt, die Strafe,will Gott, nachdem der Mensch seinen freien Willen gemißbraucht hat und nicht in sich gegangen ist.“ Das „nothwendig“ ist nicht akzeptabel, denn Gott ist nicht einer Notwendigkeit des Sünden Strafenmüssens Unterworfener: Er straft, weil und nur weil er als Gerechter das will. „Das Blut kommt über...“ bedeutet hier aber wirklich, daß das unschuldige vergossene Blut Gottes Strafe auf die herabzieht, an denen nun dies Blut klebt.

Hiermit wird nun der moderne Leser mit einer Vorstellung konfrontiert, die ihm unzumutbar ist, denn er kennt in seiner liberalen Weltanschauung nur für eine Tat den Täter als den dafür Verantwortlichen. Hier wird aber das Volk begriffen als ein Subjekt, das als soches die Gesamtverantwortung für diese Tat der Kreuzigung trägt. Zur Veranschaulichung: Ein Mörder kann nicht sagen: Meine Hand hat das Opfer erwürgt, aber nicht ich! Für ein kollektivistisches Denken ist das Volk für bestimmte Taten so verantwortlich wie der Mörder für die Erwürgung und nicht etwa blos die erwürgt habende Hand. In diesem Falle überträgt aber die Menge, die Jesu Christi Kreuzigung fordert, die Verantwortung dafür auf das ganze jüdische Volk: Diese Tat soll als die Tat des ganzen jüdischen Volkes gelten- sein Blut soll über das ganze Volk, auch auf die nach uns kommen.

Es wird kolportiert, daß in dem geradezu genialen Film: „Die Passion“ von Mel Gibsen auf Interventionen philosemitischer Kreise diese Selbstverfluchung des jüdischen Volkes nicht zitiert wurde: Diese Aussage sei eben antisemitisch.

Es wäre eine mehr als verdienstvolle Aufgabe, die vielen Versuche zu rekonstruieren, mit denen diese Aussage des Mt-Evangeliumes weg-exegetisiert werden. Moralisch legitimiert werden solche Uminterpretationen durch das Narrativ einer Mitschuld der christlichen Religion an dem Holocaust. Aussagen, die antijüdisch, antisemitisch wirken könnten, dürfen nicht mehr unbeanstandet weiter verbreitet werden. Die liberalistische Ideologie, die keine Kollektivsubjekte kennt, ist dabei sehr hilfreich: Es gibt nur Einzeltäter. Aber in der Geschichte agieren nicht nur Einzelsubjekte sondern auch Völker, Parteien, Kirchen, Staaten als Subjekte; das muß dann diese Weltanschauung ausblenden. Interessant ist dann aber, daß dann doch wieder von einer Kollektivschuld der Kirche an dem Antisemitismus die Rede sein kann oder von einer Kollektivschuld der Deutschen.


Die hl. Schrift enthält eben nicht nur angenehme, komode Wahrheiten sondern auch Ärgernis provozierende. Wir leben aber in Zeiten, wo so harte Worte nicht mehr vertragen werden und so werden sie uminterpretiert versüßt. Das gleicht einem Arzt, der einem an Leberzerose Erkrankten das weitere Alkoholtrinken nicht verbieten mag, weil der Erkrankte so gern seinen Wein trinkt. „Wir dürfen doch nichts sagen, was Anstoß erregen könnte!“