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Sonntag, 26. Oktober 2025

Daß die Kunst zu vernutzen sei, und wozu sie zu dienen habe – eine Kritik

 

Daß die Kunst zu vernutzen sei, und wozu sie zu dienen habe – eine Kritik


Thomas Mann läßt in seinem Roman: Doktor Faustus den Theologen Kumpf auftreten, im XII.Kapitel, der als „ein Vertreter jenes Vermittlungs-Konservatismus mit kritisch- liberalen Einschlägen“ charakterisiert wird. Dessen Bildungsvita ist nun mehr als bedenkenswert: Er sei ein von Schiller und Goethes Werken begeisterter Student gewesen, dann aber habe er sich radical von diesem „ästhetischen Humnismus“ abgewandt, als er sich der „Paulinischen Botschaft von Sünde und Rechtfertigung“ zugewandt hatte, er hatte den Glauben an die sittliche Bildungskraft der Ästetheik verloren. Einen gediegenen Einblick in einen solchen „ästhetischen Humanismus“ gewähren die Ästethikvorlesungen des Professors Finkelde SJ: „Schiller:Die schöne Seele“ 11. und: Schiller: Pathetische Kunst 12. Vorlesung.In der 13. Vorlesung findet sich eine sehr überzeugende Kritik einer linksmoralistischen Kunst als eine Kritik der "Boros"-Ausstellung.

Ich möchte aber hier nun auf eine leider wenig bekannte Passage aus dem Roman Flauberts: Erziehung des Herzens über den Zweck der Kunst verweisen1, in dem über den Zweck der Kunst es einen interessanten Dialog gibt. So wird dieser Charakter,Senecal in den Roman eingeführt: Er mifiel dem Protagonisten des Romanes auf den ersten Blick: „Seine Stirn trat durch die ganz kurz geschorenen Haare noch mehr hervor,und aus seinen grauen Augen stach etwas hart und kalt.Sein lnger schwarzer Rock wie sein ganzer Anzug hatte etwas von einem Pädagogen und Prediger an sich.“ So wird hier ein Vertreter des „ästhetischen Humanismus“skizziert. Senecal sagt: „Die Kunst müsse ausschließlich auf die moralische Hebung der Massen gerichtet sein! Konsequent verlangt er deshalb eine Zensur für die Kunstwerke: „Es dürften nur Werke mit solchen Gegensänden verbreitet werden,die zu tugendhaften Handlungen anreizten,die anderen seien schädlich.“ Dem fügt er dann hinzu: „Was brauchen wir alle die mühsamen Nichtigkeiten,aus denen man keinen Nutzen ziehen kann,all diese Venusbilder zum Beispiel mitsamt euren gnzen Landschaften?“ Die Venusbilder stehen hier als ein Beispiel der Kunst um der Kunst willen, des Genießen des Schönen. Aber das ist ihm nur eine nichtige Kunst, denn: „Ich sehe darin keinerlei Belehrung für das Volk!“

Darauf zeigt er die Prinzipien einer sozialpolitisch engagierten Kunst als die Alternative auf: „Zeigt uns lieber sein Elend,begeistert uns für seine Opfer!“ Moliere bewundert er dann als „den Vorläufer der Französischen Revolution.“ Die Wahrheit seiner Kunst sei eben ihr die Revolution vorbereitender Charakter. Ein anwesender Künstler wendet da nun ein: „Ach die Revolution! Und die Kunst damals! Niemals hat es ein erbärmlicheres Zeitalter gegeben.“ Die hier gemeinte Erbärmlichkeit ist die der damaligen Kunst! Und man dürfte wohl im Sinne dieses Künstlers hinzufügen, daß doch auch die Romantik, die postaufklärerische erst wieder bedeutsame Kunstwerke hervorbrachte, die mit dieser ästhetischen Aufklärungspädagogik brach!

Der Theologe Kumpf fand erst zum christlichen Glauben, als er den Glauben an eine ästhetische Erziehbarkeit des Menschen zum Guten aufgab, Carl Schmitt verweist ja in seiner „Politischen Theologie“ im gleichen Sinne auf die Grunddifferenz zwischen der Theologie, in derem Zentrum die Begrifflichkeit des un- und des erlösten Menschen, die des Erwählten und des Nichterählten stünde im Kontrast zum Moralismus, in dem der Mensch als auch sich selbst heraus zum Guten Fähiger stünde.

Aber ein anderer noch prinzipiellerer Einwand gegen eine solche pädagogisch vernutzte Ästhetik drängt sich auf, daß hier die Ästhetik ihres Eigentlichen beraubt wird, indem sie in einen Dienst für die Sittlichkeit angestellt wird. So hat sie keinen Eigenwert mehr! Drei metaphysische Grundordnungen sind, die der Differenz von wahr und unwahr, die der Differenz von gut und böse und die von schön und unschön, wobei keine dieser drei auf eine andere zurückführbar wäre. Es gibt nur den Menschen entweder als Mann oder als Frau, nur die Idee des Menschen gibt es, aber sie ist a priori so konzipiert, daß diese Idee immer nur als eine männliche oder eine weibliche individuiert existiert. So existieren diese drei Grundordnungen auch immer nur als individuierte Realisation der einen Vernunft, wie auch die Idee des Menschseins. Der Herrschaftsanspruch der Moralordnung über die Ästhetik muß die Kunst selbst notwendig korrumpieren, indem er sie zu einer Dienstmagd degradiert.Das Schöne ist eben einfach nur um des Schönseins willen und kann so auch nur genossen werden als Schönes, denn hätte es seinen Zweck außer sich, würde nicht sie sondern dieser Zweck genossen, wenn dieser dann um seiner selbst willen erstrebt wird. 

Corollarium

Die Werbung ist als eine zeitgenössische Gestalt der Laudatio, der Kunst des Schönredens selbst eine nicht enem anderen Zwecken subordinierte und somit korrimpierte Kunst, da ihr Zweck das Schönreden ist und nicht direkt eine Verführung oder eine Manipulation zum käuflichen Erwerb des so schön Dargestellten. Wer die Ludatiokunst kritisiert, da sie das Dargestellte nicht darstellt, wie es ist, verwechselt die ästhetische Vernunft mit der theoretischen. Anders ist eine politisch engagierte Kunst zu beurteilen, die ihre Kunstwerke in den Dienst einer politischen Propaganda stellt. Aber selbst in solcher Kunst kann dann das Ästhetische so sehr ein Übergewicht bekommen, daß die politische Verzweckung in den Hintergrund gedrängt wird. Es wäre erwägenswert, ob das nicht im Falle des Leni Riefenstahl Films: "Triumph des Willens" sich ereignet hat.Das könnte evtl auch für Kunstwerke des Stalinismus gelten. 





1Ich verwende hier die Übersetzung von E.A.Reinhardt,1,Teil, Kapitel 5. Auf eine Seitenzahlangabe verzichte ich ob der vielen Ausgaben dieses Romanes.

Mittwoch, 6. November 2024

Alle wollen Pluralität, Diversität, Vielfalt aber die Wahrheit diskriminiert!

 

Alle wollen Pluralität, Diversität, Vielfalt aber die Wahrheit diskriminiert!


Man könnte geneigt sein, von einem Ressentiment gegen die Wahrheit zu schreiben, aber das wäre wohl ein übereiltes Urteil. Beginnen wir einfach: Auf die Rechenlehrerfrage: „Was ist 5+7? gibt es nur eine richtige Antwort:12. In vielen Bereichen des Lebens existieren auf Fragen nur eine wahre Antwort sodaß die anderen als falsch diskriminiert werden. Es gibt auf die Frage: „Wer ist der Autor des Romanes: Der Zauberberg?, eben auch nur eine wahre Antwort und die Antwort: Kafka, Goethe werden als eindeutig falsch dysqualifiziert.

Aber auf die Frage: „Was ist die Wurzel von 9?, existieren 2 wahre Antworten:plus 3 und minus 3.Aber auch in diesem Falle werden alle anderen Antworten als falsch diskriminiert. Wenden wir uns einem anderen Bereich zu, dem Kriminalfilm. Ein Mord hat sich ereignet und ein Kommissar ermittelt den Fall. Diverse Theorien entwickelt er, wer wie aus welchen Gründen den Morgen begangen haben könnte, aber am Schluß erweist sich nur eine als die wahre und alle anderen als falsche. Nur, es ist im Regelfall nicht von Anfang an klar, wer der Mörder gewesen ist, sodaß die Vielzahl der Theorien über den Täter eine notwendige Zwischenstufe darstellt, um aus der Vielzahl dann den wahren Täter zu erfassen. Für den wissenschaftlichen Diskurs wird dies der Regelfall sein, daß es eine Vielzahl von Theorien über etwas gibt, weil die wahre noch nicht erkannt worden ist. Das Ziel ist die eine wahre Theorie,aber auf den Weg zu ihr werden viele Theorien entworfen, bis sich im Idealfall eine als die wahre durchsetzt. Bis das geschieht ist die Diversität der Theorien notwendig, weil noch nicht zwischen der wahren und den falschen unterschieden werden kann.

Gibt es nun aber auch Bereiche, in denen die Vielfalt als Vielfalt etwas Positives ist? Denken wir an den Deutschunterricht, etwa an die Lehrerfrage: „Was wollte Kafka uns durch den Roman: „Der Prozeß“ sagen?“ Mit den Antworten auf diese Frage könnte man wahrscheinlich eine ganze Bibliotek anfüllen, würden alle gettätigten und möglichen Antworten da archiviert werden. Läge man nun das simple Kommunikationsmodell des Senders, der Botschaft und des Empfängers zugrunde, daß der Autor seine Botschaft in den Roman verschlüsselt dargestellt hätte und der Empfänger nun den Roman entschlüsseln müsse, um die Botschaft daraus heraus-zukristallisieren, hieße das Resultat, daß es Kafka wohl nicht gelungen sei, seine Botschaft zu vermitteln, da fast jeder Leser in dem Roman eine andere herausliest. Näher liegt aber die These, daß diese Polyinterpretablität das Eigentümliche literarischer Texte sei, eben ihre ihnen innewohnende Potentialität diverser Deutungen. Hier wäre dann die Pluralität etwas Gesolltes, das das Leben dieser Texte ausmacht.

Generalisierend könnte also die These vertreten werden, daß in den theoretischen Wissenschaften das Ideal die Hervobringung der einen wahren Erkenntnis ist, daß aber auf dem Weg dahin viele Theorien hervorgebracht werden,damit dann die wahre sich durchsetzt. Im Bereich der Ästhetik dagegen gälte die Pluralität als etwas Positives im Bereich der Kunstinterpretation und selbst im Bereich der Kunstproduktion. Es kann eben nicht das eine wahre Kunstwerk geben.

Wie sieht es nun aber im Bereich der Morallehre aus? Hier widerstreiten offenkundig verschiedene sich oft widersprechende Morallehren, welche nun die wahre sei, aber bis heute existiert keine allgemein anerkannte. Das Ziel ist dabei zwar die eine wahre, und so verstehen sich die Morallehren auch in ihrem Geltungsanspruch, aber keine konnte sich bisher als die eine wahre verifizieren. Hier ist also die Pluralität das Eingeständnis des Nichterkennens der einen wahren Morallehre.

So drängt sich doch der Eindruck auf, daß die Pluralität, die Diversität eher ein Resultat des Nichterkennens der Wahrheit ist als daß das etwas Positives sei.

Nun könnte erwidert werden, daß es doch um etwas ganz anderes ginge, nämlich um die Lebendigkeit des Lebens, die eben seine Diversität sei. Hier wird aber ein einfaches Faktum vergessen, daß jedes Einzeletwasse stets eine Individuation eines Allgemeineren ist, eben ein Fall, ein Exemplar von einem Allgemeineren: Jeder Mensch ist so eine Individuation der Idee des Menschen und diese Idee zu begreifen verlangt eine wahre Theorie dieser Idee. Wie die Idee nur eine ist, so muß auch der Begriff des Menschen einer sein, wenn es der wahre Begriff des Menschen ist. Ein bloßer Pluralismus, das Ideal der Diversität entsubstantialisiert so das Einzelseiende, da es nicht mehr als eine Individuation begriffen wird.

Für das Erkennen ist somit die Pluralität eher nur ein Moment auf dem Wege zur wahren Erkenntnis, die in der Erkenntnis dann aufgehoben wird.

Im politischen Diskurs spiegelt sich das wider in der Strategie, die vorherschende Politik durch die Propagierung von einer Diversität von politischen Optionen zu delegitimieren, um dann die eigene als die einzig legitime durchsetzen zu können, nachdem die bisherig dominierende desavouiert ist.Die politische Praxis, im Namen der Diversität die nichtgenehmen Positionen als antipluralistisch auszuschließen, zeigt, wie sehr die geforderte Pluralisierung nur ein Mittel ist, selbst zur Macht zu kommen, um dann nur noch die eigenen Positionen gelten zu lassen.

Papst Franziskus krönte nun den Diversitätsglauben mit der Behauptung, Gott selbst wolle die Vielzahl der Religionen als sich gleich wahr anerkennende. Das ist eine Lehre, die nun wirklich unvereinbar ist mit dem Glauben an Jesus Christus, der sich nicht als eine von ganz vielen Wahrheiten offenbart hat. Außerdem, wenn es war wäre, daß alle Religionen gleich war wären, warum ist dann Gott noch Mensch geworden, hat die Kirche gegründet, wenn da schon vor dem alle vorhandenen Religionen Wege zu dem einen Gott waren und sind?