Donnerstag, 1. Oktober 2026

Ein grobes Mißverständnis über die Kinder, die es gilt aufzunehmen?

 

Ein grobes Mißverständnis über die Kinder, die es gilt aufzunehmen?



Was meint in dem Text Matthäus 18, 1-5 die Vokabel „Kind“? Die in der „Einheitsübersetzung“ diesem Text vorangestellt Überschrift: „Der Rangstreit der Jünger“ ist dabei zu beachten, trifft diese Betitelung doch die Materie, um die es hier geht. Wir lesen dort:

„1 In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist denn im Himmelreich der Größte? 2 Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte 3 und sagte: Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen. 4 Wer sich so klein macht wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. 5 Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.“

Meint hier „ein solches Kind“ jedes Kind als Kind? Dann würde „in meinem Namen“ wohl eine Kindesaufnahme motiviert durch das Gebot der Nächstenliebe unter der besonderen Berücksichtigung des Schutzbedürfnisses jedes Kindes meinen, oder von besonders in eine Notlage geratener Kinder. Die Errichtung von Waisenhäusern wäre dann die angemessendste Praxtizierung dieses Bibeltextes.

Nur, dann hätte dieser Text überhaupt nichts mit der Überschrift zu tuen und das in den Versen 1 bis 4 Ausgesagte wäre völlig bedeutungslos.

Die Jünger Jesu, besser übersetzt die Schüler streiten darüber, wer (von ihnen) wohl der Größte, der Angesehnendste im Himmel sein wird. Jesus bestreitet nun nicht, daß es auch im Himmel Rangstufen gibt bzw geben wird. Der Sohn Gottes ist kein Anhänger der Französischen Revolutionsparole der „Gleichheit“!

Es lehrt nun aber die Kriterien,die jemand erfüllen muß, um überhaupt in den Himmel kommen zu dürfen. „Bevor Ihr über den zukünftigen Rang im Himmelreich Euch streitet, erfüllt erst mal die Bedingungen für den Eintritt in das Himmelreich.“

Hier lehrt Jesus Christus uns, daß wir werden müssen wie das Kind,das er in die Mitte der Schüler gestellt hatte. Das verlangt eine Umkehr. Was macht nun die Qualität der Kinder aus, sodaß gilt: Wer so ist, wird eingehen in das Himmelreich? Es muß eine Qualität sein, die Erwachsene nicht schon ob ihres Erwachsenseins besitzen, die sie aber erwerben können durch ihr Umkehren. Für die Kinder dagegen ist damit eine Qualität gemeint, die ihnen wegen ihres Kindseins zukommt. Aber diese natürliche Kindeigenschaft muß nun für einen Erwachsenen eine erwerbbare Eigenschaft, wohl eine Tugend sein und kann so keine natürliche Eigenschaft mehr sein.

Ob der Schüleranfrage, wer den der Größte im Himmel von ihnen sein wird, liegt es nahe, die hier gemeinte jedem Kinde ob seines Kindseins innewohnende Eigenschaft als die ihres Kleinseins anzunehmen.

„Wer groß, gar der Größte sein will im Himmel, der muß hier klein sein wollen, der Kleinste unter Euch sein wollen!“Das kann sich natürlich nicht auf die körperliche Größe beziehen sondern auf ein „Sich als klein einschätzen und wahrnehmen.“ KEigenschaft jedes Kindes1, klein zu sein, zu einer Tugenind, zu der Erwachsene umkehren können.

Der 4.Vers bewahrheitet dann diese Deutung. Das Sichkleinmachen meint die Tugend der Demut.

„ein solches Kind“ meint also einen Erwachsenen, der sich so klein, wie jedes Kind ist, gemacht hat, der also ein demütiger Mensch geworden ist.Wer einen so Demütigen aufnimmt der wird in das Himmelreich eingehen, wenn er einen Demütigen in Jesu Christi Namen aufnimmt.

Damit ist eine weitere Condition als eine Einlaßberechtigung in das Reich Gottes gemeint. Damit ist zuvörderst der christliche Glaube gemeint, aber vielleicht ein spezifizierter, der Glaube, daß die Demut eine von Gott besonders geliebte Tugend ist.

„ein solches Kind“ meint somit nicht ein „natürliches“ Kind, sondern einen sich zur Demut bekehrt habenden Erwachsenen.

Matthäus 10, 40 -42 erklärt das im 18 Kapitel Ausgesagte: »Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen gering Geachteten auch nur einen Becher kaltes Wasser zu trinken gibt, einfach weil er ´mein` Jünger ist, der wird – das versichere ich euch – nicht ohne Lohn bleiben.«

Wer also einen Demütigen aufnimmt im christlichen Glauben, der wird den Lohn eines Demütigen empfangen, daß er in den Himmel aufgenommen werden wird.“euch“ meint damit die Schüler Jesu Christi und damit jeden Christen, dann aber besondere Christen, die Propheten, die Gerechten, aber auch die Geringgeachteten unter den Christen.

So sehr nun auch die Liebe zu Kindern ein wesentlicher Bestandteil der Praxis der Nächstenliebe ist, hier geht es Jesus nicht um die Liebe zu Kindern, sondern darum: Wie muß ich leben, um in das ewige Leben eingehen zu dürfen? Wer nun einen Christen um des Glaubens willen aufnimmt, der wird dafür belohnt mit dem ewigen Leben. Besonders gilt das für die Aufnahme von Gerechten, Propheten und für Demütige und für unter Christen selbst als „klein“ Erachtete. Mit einem universalistischen Humanitarismus hat diese „Kinderliebe“ aber nichts gemein!





1Kindern zugeschriebene Eigenschaften wie, ihren Eltern vertrauen, oder Gehorsam sein, kindlich glauben= vertrauend haben den Nachteil, daß so nicht alle Kinder sind, hier Jesus aber keine Näherqualifizierung vornimmt.

Wird die christliche Religion abgeschafft in der Kirche von ihr selbst?

 

Wird die christliche Religion abgeschafft in der Kirche von ihr selbst?



Das muß als eine maßlos übertriebene Polemik wider die heutige Kirche erscheinen, aber könnte dieser Verdacht der Selbstabschaffung der christlichen Religion nicht doch begründet sein? Zu Zeiten Jesu war die Frage, ob es denn auch ein Heil für Nichtjuden geben könnte, virulent und man darf sich sicher sein, daß es darauf in der jüdischen Theologie keine einheitliche Meinung gegeben hat.

Aber es wurde die Position vertreten, daß es einen Heilsweg für einen im ethnischen Sinne Nichtjuden gäbe, ohne daß er durch die Beschneidung zu einem jüdischen Volksgenossen werden müßte. Das war der Weg der Prosyliten bzw Gottesfürchtigen, die sich vom heidnischen Polytheismus hin zu dem Glauben an den einen wahren lebendigen Gott bekannten und versprachen, moralisch anständig zu leben, die so dann vom ganzen Gesetz Mose befreit waren.

Jesus von Nazareth soll ja nach den „Erkenntnissen“ des jüdisch- christlichen Dialoges ein jüdischer Reformer gewesen sein, der aber nichts lehrte, was damals nicht auch schon inherhalb der jüdischen Religion vertreten worden sei. Daß dann aus der Jesusbewegung die christliche Religion mit ihrer Kirche entstanden sei, muß so als eine Fehlentwickelung beurteilt werden. Die Apostel seien keine Christen gewesen, sondern jüdisch Gläubige.

Für die Heilsmöglichkeit für Nichtjuden reiche der Ordo salutis der Gottesfürchtigen aus, alles, was Jesus gelehrt und vorgelebt habe, sei so für die Heiden irrelevant, das seien doch nur Lehrmeinungen des Jesus von Nazareth gewesen für jüdische Ohren bestimmt.

An Gott glauben und anständig leben, auf mehr käme es doch nicht an! Damit ist die christliche Religion vollständig aufgelöst zugunsten eines simplen humanistisch ausgelegten Monotheismus.

Ist nicht eine Tendenz in der Kirche zu erkennen, so die christliche Religion auf einen simplen Humanitarismus, fundiert in dem Glauben an einen jeden Menschen bejahenden Gott, zu reduzieren? Sagt etwa das Sakrament der Taufe noch etwas anderes aus als daß die Taufe zeige, daß Gott zu dem Getauftwerdenden sein Ja gesagt hatte, und dieser Taufritus nun dies Ja symbolisch darstelle. Begegnet in der Eucharistie nur noch die Liebe zu uns, die allen Menschen gilt, unabhängig vom Empfang des Sakramentes? Gilt die Menschenwürde und die Menschenrechte nicht jedem, egal wie er es mit der Religion hält?

Die Verkündigung der Menschenwürde substituiert so die Evangeliumsverkündigung. Ein schlichter Monotheismus in der Tradition der „Gottesfürchtigen“ bzw der Prosyliten ersetzt so den christlichen Glauben. Eine Tendenz dahin ist m.E nicht mehr übersehbar.

Ein Quellgrund dieser Auflösungstendenz der christlichen Religion ist nun der jüdisch – christliche Dialog, in dem es vor allem darum geht, die Gleichgültigkeit der christlichen Religion für jeden Juden zu bekennen und damit dann auch für jeden Menschen: Ein schlichter Monotheismus reiche doch, zumal wenn er humanitaristisch ausbuchstabiert wird, daß der Glaube an die Menschenwürde das Zentrum jeder monotheistischen Religion sei!