Posts mit dem Label Kirche und Welt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kirche und Welt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 2. April 2025

Über den Bedeutungsverlust des Christentumes – auch Soziologen debattieren hier mit

 

Über den Bedeutungsverlust des Christentumes – auch Soziologen debattieren hier mit


In dem 1.Aprilartikel „Soziologe Pollack wirft Theologe Zulehner Realitätsverweigerung vor“ auf einem der Flaggschiffe der politischen Korrektheit.Kath de werden nun Dinge geäußert, die eigentlich die Stammleserschaft dieser Internetseiten irritieren müßte, daß nämlich nicht vorrangig der Demokratiemangel, das nichtexistente Frauenpriestertum und die nichtzeitgemäße Sexualmorallehre der Katholischen Kirche die Schuld an der Misere der christlichen Religion trügen.Es wird eben über den Bedeutungsverlust der christlichen Religion, das ist das Christentum nachgedacht und somit nicht einfach sich auf eine Kritik der Kirche kapriziert, als wäre ihre Krise eins mit der Krise der christlichen Religion.

Lassen wir hier die Kritik an dem Startheologen des Zeitgeistsurfens, Professor Zulehner auf sich beruhen und wenden uns der Analyse der Krise der christlichen Religion zu, die in diesem Artikel so skizziert wird:

„Stattdessen plädierte Pollack dafür, die Ursachen des Bedeutungsverlusts– wie Individualisierung, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Differenzierung– wissenschaftlich zu erforschen, um Gegenstrategien zu entwickeln.“ Das Christentum würde eben dem Säkularisierungstrend unterworfen, an Relevanz verlieren.

Das tönt gut soziologisch gedacht, aber es muß erlaubt sein, diese Diagnose in Frage zu stellen. Die Individualisierung steht so auf der Anklagebank – rechtens? Wer Schach spielen möchte, kann das nur, wenn er das Regelsystem des Schaches kennt und dann spielt, aber dies Spielen ist immer ein indiviuelles. Weder kann das System des Schachspieles selbst eine Schachpartie spielen noch kann ein Spieler individuell spielen ohne die Kenntnis des Regelsystemes des Schachspieles. Das gilt ebenso für den persönlichen, den individuierten Glauben, daß er den Glauben der Kirche voraussetzt, den er sich individuierend aneignet. Das „Ich glaube“ ist so notwendigerweise immer ein individualisiertes, so wie jeder Mensch ein individualisiertes Exemplar des Menschseins, der Idee des Menschen ist.

Auf der anderen Seite leben wir in einer Massengesellschaft, in der sich die Einzelmenschen gerade nicht durch eine einzigartige Individualität auszeichnen.Ein allseits bekanntes Phänomen veranschaulicht dies: Umfrageinstitute befragen repräsentativ Ausgewählte: „Wen würden Sie wählen, fände am kommenden Sonntag die Bundestagswahl statt, sie befragen circa 1000 bis 2000 Bürger und ihre Prognosen über den Wahlausgang werden bei jeder Wahl regelmäßig mit geringsten Abweichungen bestätigt. Im Sinne Heideggers könnte geurteilt werden, daß der heutige Mensch lebt, wie man lebt, er wird mehr durch dies Man gelebt, als daß er eigentlich individuell lebt. Heute verfügt die Religionssoziologie über eine große Datenfülle darüber, was wer wie glaubt im religiösen Bereich. Täuscht uns das nicht eine große Pluralität vor, weil der Religionssoziologie für die anderen Zeiten auch nicht entfernt so viel empirisch erhobene Daten über den Glauben, was wer wie glaubte, zur Verfügung stehen.

Der Begriff der Selbstbestimmung ist wohl ein ähnliches Phantasmata: Einerseits lebten zu allen Zeiten die Menschen selbstbestimmt,da die Freiheit konstitutiv zum Menschsein dazugehört und andererseits leben die Menschen immer als ein Teil einer Sozialität, die sie bestimmt. Was für jede gespielte Schachpartie gilt, daß sie einerseits das Regelsystem des Schaches voraussetzt und daß jeder Spieler andererseits immer nur individualisiert spielt, das gilt so auch für das selbstbestimmte Leben jedes Menschen.

Es bleibt so nur der Begriff der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung übrig. Sollte der wirklich auf der Höhe der Sozialwissenschaften diskutiert werden,müßte die Systemtheorie Luhmanns zu Grunde gelegt werden als dem bedeutsamsten soziologischen Versuch des Verstehens, was denn überhaupt die Gesellschaft ist und was dann die These der Ausdifferenzierung aussagt. Für unser Anliegen reicht es wohl, zu sagen, daß die Gesellschaft in eine Vielzahl von Subsystemen sich ausdifferenziert hat und sich weiter ausdifferenziert und daß jedes Subsystem in sich selbst durch ihr ihr eigenes Diskursregelsystem bestimmt ist. Es besteht so in ihnen kein Bedarf an einer wie auch immer religiös fundierten Regulierung, da sie schon durch sich hinreichend bestimmt sind. Ein atheistischer Schachspieler spielt eben nicht anders als ein christlicher, als gäbe es eine spezifisch christliche Weise des Schachspielens.

Es werden mit diesen Begriffen also Gründe für die Krise der christlichen Religion benannt, die entweder anthropologische Konstanten bezeichnen, oder Wesensmerkmale jeder Gesellschaft, denn ohne eine Ausdifferenzierung existierte gar keine Gesellschaft sondern es gäbe nur ein Nebeneinander von autonom lebenden Menschen.

Nun könnte gemeint werden, daß der Begriff der Säkularisation gehaltvoller sei als die Summe der Vorstellung von der Individualisierung, der Selbstbestimmung und der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung. Dann muß dieser Begriff aber tiefgründiger expliziert werden.

Meine These dazu lautet, daß die Säkularisation nicht einfach die Negation der Religion bedeutet, sondern deren Aufhebung, daß das, was die Religion von dem einen Gott erwartete und erhoffte nun als die Aufgabe des Menschen umformuliert wird. Die Hoffnungsgehalte der Religion werden zu politischen,pädagogischen und kulturellen Aufgaben des Menschen. Wie Hegels Philosophie die christliche Philosophie aufhebt, indem erst in ihr ihre Wahrheit erkannt wird, so will die Moderne die Religion vollenden in dem Projekt der Humanisierung der Welt. Die Postmoderne als die Epoche nach diesem Aufhebungsversuch reflektiert das Scheitern des Projektes der Aufhebung der Religion in eine humanistische Praxis und negiert dabei auch die Hoffnungsgehalte der Religion.Darum paßt auch die Religion nicht zu ihr.Die christliche Religion wird so zu einer unzeitgemäßen, aber damit wird sie auch wieder zu dem, was sie von ihrem Anfang an auch war:die Kirche, die zwar in der Welt ist, aber nicht aus ihr ist und somit immer etwas Weltfremdes ist als ihr ontologische Qualität.



Donnerstag, 5. Januar 2023

Bestimmt die Welt, was in der Kirche noch zu sagen ist? Anmerkungen zum Verhältnis von der Kirche zu außerkirchlichen Weltanschauungen.

Bestimmt die Welt, was in der Kirche noch zu sagen ist? Anmerkungen zum Verhältnis von der Kirche zu außerkirchlichen Weltanschauungen. Der hl. Thomas äußert sich zum Thema: Wie soll sich die Theologie und die Kirche zur Astrologie verhalten für heutige Leser sehr verblüffend. Er benennt ein theologisches Kriterium, das den Umgang mit dieser unter Weltmenschen recht verbreiteten Astrologie normieren soll.(Es muß wohl davon ausgegangen werden, daß auch im Lande der Aufklärung, trotz Kant heute mehr ihre Horoskope lesen als die Bibel aufschlagen oder zu den Basistexten der Aufklärung greifen!) Nach der Lehre der Kirche ist der Mensch im Regelfall verantwortlich für sein Tuen und Lassen, sodaß er für sein Sündigen bestrafbar und für seine guten Werke lobbar ist. Wenn in der Astrologie diese Verantwortlichkeit des Menschen negiert wird, dann und nur dann sei sie inkompatibel mit dem christlichen Glauben, wenn also ein Mörder sagen könnte, daß er diese Untat begehen mußte, weil die Sterne ihn so dazu determiniert hätten. Also, aus der Theologie heraus wird eine Norm herauskristallisiert, von der aus eine legitime Rezeption der Astrologie möglich ist. Nicht urteilt damit der Theologe über die Wahrheit der Astrologie, denn eine Überprüfung des Wahrheitsgehaltes der Astrologie gehört nicht zur Kompetenz der Theologie. Zur Veranschaulichung: Wenn sozialwissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis kommen, daß Kinder aus der Unterschicht viel seltener die Matura schaffen als Oberschichtskinder, dann kann diese Erkenntnis theologisch nur anerkannt werden, wenn sie nicht deterministisch interpretiert wird: Weil ich ein Unterschichtskind bin, konnte ich mich nicht maturieren. Hier wäre das theologische Kriterium zu applizieren, daß auch für die Astrologie anzuwenden ist. Ob nun aber die sozialwissenschaftliche These wahr ist, daß Unterschichtskinder selten die Matura schaffen, das zu überprüfen, ist die Aufgabe der Sozialwissenschaft und nicht die der Theologie. So kann die Astrologie wissenschaftlich als Aberglaube beurteilt werden, aber sie ist nach dem Urteile des hl. Thomas nicht sich abergläubisch zum christlichen Glauben verhaltend. Die Kirche hat ja bekanntlich am Fest der 3 Heiligen Könige ein kleines Problem: Die 3 Könige waren „Sterndeuter“ und das heißt nichts anderes als daß sie Astrologen waren: Sie haben nämlich die Bedeutung des Sternes erfaßt und das gehört nicht zur Astronomie.Ohne ihre astrologischen Kenntnisse hätten so diese 3 den Weg zur Krippe nicht gefunden. So kann die Theologie die Astrologie nicht in Gänze verdammen als abergläubisch, als nicht mit dem christlichen Glauben Vereinbarbares. Die Theologie erarbeitet sich also Kriterien, von denen aus sie bestimmt, was wie an den Weltanschauungen außerhalb der Kirche sie rezipieren kann und was nicht. Man kann nicht umhin festzustellen,daß sich dies Verhältnis umgekehrt hat: Nicht mehr werden aus der Theologie Normen eruiert, die dann die Rezipierbarkeit von außerkirchlichen Weltannschauungen normieren, sondern diese außerkirchlichen Weltanschauungen dienen jetzt der Normierung der Theologie! Die feministische Ideologie bestimmt jetzt, was die Theologie über die Frau zu sagen hat, die Genderideologie, ob noch gesagt werden darf, daß Gott den Menschen als Mann und Frau erschuf, die Ökoideologie ob noch vom göttlichen Auftrag zur Beherrschung der Natur gesprochen werden darf und die Medizinwissenschaft, ob noch von wundersamen Heilungen geredet werden darf. Die außerkirchlichen Weltanschauungen und Wissenschaften normieren so die binnenkirchliche Theologie. So darf eben auch in der Kirchengeschichtsschreibung Gott nicht als Subjekt eines Handelns in der Geschichte auftreten, da in der profanen Geschichtsschreibung nur Menschen als Handlungssubjekte vorgesehen sind und Gott a priori ausgeschlossen ist. Es kann so nur religiös motivierte Handlungen in der Geschichtsschreibung geben, wobei die kritische Geschichtsschreibung dann diese religiösen Motive dekonstruiert, als Täuschung oder Selbsttäuschung entlarvt. Nicht mehr normiert die Theologie, wie Außerkirchliches rezipiert werden kann sondern das Außerkirchliche soll nun das Innenleben der Kirche normieren, was in ihr noch gesagt werden dürfe! Wie anders verfuhr noch der hl.Thomas in dieser Frage! ZUsatz: In der Kirche darf so aber auch unbedenklich von den 3 Astrologen gesprochen werden, die ob ihrer Astrologiekenntnissen den Weg zum Heiland in der Krippe fanden, wären sie modern aufgeklärt gewesen, sie wären doch trotz des Sternes Daheim geblieben!