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Sonntag, 3. November 2024

Anmerkungen zu den drei großen Katastrophen der Moderne - hat sie sich erledigt?

 

Anmerkungen zu den drei großen Katastrophen der Moderne


Der Soziologieprofessor Eßbach entfaltet in seiner Vorlesung über die Postmoderne diese drei Katastrophen, den Achipel Gulag, Auschwitz und den Abwurf der Atombombe über Japan als die radicale Infragestellung des Pojektes der Moderne.Die Postmoderne sei dabei eine Haltung, die die Moderne als als ob sie zuende oder besser wohl als zugrunde gegangen wäre,betrachtet, um sie so zu begreifen zu versuchen. Der Philosoph Habermas dagegen polemisiere gegen dies postmoderne Denken, um die Moderne als ein noch unvollendetes Projekt anzusehen, das auf seine Realisierung noch warte. Dann können diese drei Großkatastrophen nur an uns appellieren, daß so etwas nie wieder sich ereignen dürfe und daß gerade die Moderne selbst das Potential in sich trüge, eine Wiederholung socher Katastrophen zu verhindern. Einfacher gesagt: Die drei Katastrophen sind nicht als Elemente des Projektes der Moderne zu begreifen sondern eher als katastrophale Entgleisungen des Fortschrittszuges.

Abweichend von der Interpretation Eßbachs möchte ich hier eine andere skizzieren. Ich möchte vorschlagen, diese drei Katastrophen vom Begriff des Feindes her zu verstehen zu versuchen. Der Feind ist nämlich eine Kategorie, ohne die das Projekt der Moderne nicht zu begreifen ist. Carl Schmitts Verstehensbemühungen um das Wesen des Politischen verdanken wir den Verweis auf die Bedeutsamkeit des Feindverständnisses. Die drei Katastrophen stellen in diesem Lichte betrachtet nämlich drei Versionen der Vernichtung des Feindes dar.

Meine Ausgangsthese dazu lautet, daß die Moderne ein politisches Konzept war, daß also das Projekt des christlichen Abendlandes, das der Verchristlichung der Welt ersetzt wurde durch das der Humanisierung der Welt als der Aufgabe der Politik.Damit verändert sich notwendigerweise das Verständnis der Politik. Es soll darunter nicht mehr die Kunst des Regierens verstanden werden, sondern als der Wille zur Humanisierung der Welt. Dazu erstrebt dieser Wille, den Staat für diese Aufgabe zu instrumentalisieren und deswegen ist dieser Wille immer auch ein Wille zur Macht. Die erstrebte Macht soll dann aber keine despotische sein, sondern ein Geburtshelfer zur Errichtung der humanisierten Welt.

Dem politischen Diskurs, Politik im emphatischen Sinne und nicht im Sinne des Regierenkönnens liegt also die christliche Erlösungserzählung vom Fall und von der Errettung des Menschen zugrunde, die nun „säkularisiert“ wird, wenn unter der Säkularisierung nicht eine einfache Negation der christlichen Religion verstanden wird sonderen deren Aufhebung im heglschen Sinne, daß nun die von Gott erhoffte Erlösung zu einer, nein der menschlichen Aufgabe schlechthin mutiert.In der religiösen Erzählung erfüllt nun der Feind als der Satan benannt die Funktion, zu erklären, warum der Mensch erlösungsbedürftig ist und auch durch die endgültige Besiegung dieses Feindes auch erlösbar ist.Alles Elend und Leid wird auf eine Erstursache zurückgeführt, deren Besiegbarkeit die Allmacht Gottes garantiert. Wird diese Erlösungserzählung nun aufgehoben im Sinne Hegels muß sowohl das Subjekt, das die Erlösung bewirken kann und soll wie auch der Feind, der der Grund allen Elendes und der Erlösungsbedürftigkeit neu bestimmt werden. Daraus resultiert eine Pluralität von Emanzipationserzählungen mit ihren differenten Bestimmungen des Subjektes der Erlösung und des zu vernichtenden Feindes, denn die endgültige Besiegung des Feindes ist die denknotwendige Voraussetzung jeder Art von Erlösung.

Im Archipel Gulag bekämpfte der Stalinismus so den letzten Feind des Aufbaues des Sozialismus bzw Kommunismus. Die dabei applizierte Moral ist die des: Das Ziel heiligt die Mittel. Der Nationalsozialismus sah nun im Judentum den Feind schlechthin, den es zu vernichten galt. Die Genese seines Antisemitismus ist aber komplexer, denn ursprünglich ist er antikommunistisch ausgerichtet und dann sekundär antisemtisch, da er in den Juden die Hintergrundsmacht der kommunistischen Bewegung erblickte. Für A. Rosenberg ist so die bolschewistische Revolution die faktische Machtübernahme jüdischer Kreise über das russische Volk, das nun von diesen ausgebeutet wird.In der Schrift: „Wofür kämpfen wir“ 1944 trägt der Antisemtismus geradezu paranoide Züge: Die ganze Welt habe sich unter der Führung von Juden gegen Deutschland verschworen, um es zu vernichten.

Der Wille zur Endlösung des Feindes stammt so aus der religiösen Erlösungserzählung, die dann politisch aufgehoben wurde. Somit gehören der Archipel Gulag wie auch Auschwitz konstitutiv zum Projekt der Moderne, des Glaubens an die Notwendigkeit der Beseitigung des einen Feindes.

Zum Projekt der Moderne gehört konstitutiv der Herrschaftsaftrag des Menschen über die Natur. Wenn ursprünglich Gott den Menschen dazu berufen hatte, so verandelt die Moderne diese Berufung zu einer Bestimmung des Menschseins. Die Atombombe zeigt nun auf, daß die Technik als das Mittel der Naturbeherrschung sich transformierte in ein Mittel, daß die Natur völlig zerstören kann und dem Menschen ein Weiterleben auf der Erde verunmöglichen kann. Das Mittel zur Beherschung der Natur mutiert so zu einer Selbstvernichtungstechnologie. Aber noch in dieser Perversion der Technik ist sie ein Kind des ursprünglichen Beherrschungsauftrages, daß der Mensch die Natur zu beherrschen habe, daß das seine Bestimmung sei.Nur daß die Atombombe als die radicalste technische Möglichkeit der Vernichtung des Feindes, seit dem der Feind sie auch besitzt, zur Konsequenz die eigene Vernichtung hat und dadurch die Intention der Beherrschung der Natur durch die Technik selbt negiert. 

Mit dem Scheitern des letzten Großversuches der Welthumanisierung durch die kommunistische Revolution 1989f, endete das Projekt der Moderne. Lyotard bezeichnet das als das Unglaublichgewordensein aller großen Emanzi-pationserzählungen. Der Glaube an die eine Menschheitsgeschichte, die ein unaufhaltsames Fortschreiten der Humanisierung der Welt ist, hat sich aufgelöst. Deshalb gibt es auch kein Subjekt mehr, daß diesen Prozeß voranbringen und vollenden kann. Jede Geschichtsphilosophie aber auch jede Subjektsphilosophie verliert so ihre Geltungsansprüche. Gern wird so Rene Descartes: „Cogito, ergo sum“ als der Anfang aller Subjekt-Weltbeherrschungskonzeptionen verworfen. Der Mensch sei weder der Herr im eigen Hause noch weltbeherrschungsfähig, außer in destruktiver Weise und es gibt kein Subjekt, das die Welt humaniseren könne. Daß es eine Erkenntnis der Wahrheit gäbe, wobei dann darunter jede Theorie verstanden wird, die die Erlösbarkeit des Menschen begründe, wird dann als ein Herrschaftswissen, das nur wieder einer Unterdrückung der vielen im Namen der wahrhaft Erkennenden ist, reprobiert. Galt für das ganze Abendland und mit ihr für die Moderne, daß die Wahrheit, die zu erkennende und somit die erkannte den Menschen frei machen werde, so gilt nun, daß eine erkannte Wahrheit bzw der Besitz der Wahrheit nur zu einer Unfreiheit der vielen führe, die von den Priestern der Wahrheit unterdrückt würden. Hierbei vermengeln sich die Tradition der Priesterfeindschaft, das Narrativ vom Priesterbetrug mit dem Antiintellektualismus, der Abneigung gegen die Intellektuellen, daß der gesunde Menschenverstand lebensförderlicher ist als alles intellektualistische Denken.

Damit sind jetzt ein paar tragende Elemente der postmodernen Weltsicht skizziert, aber das Wesen der Postmoderne ist noch nicht auf den Begriff zu bringen, weil sei Wesen sein Gewesensein voraussetzt. (Hegel). Die Postmoderne ermöglicht so ein Begreifen des Projektes der Moderne, die als unvollendbare gescheitert ist, endgültig aber erst mit dem Zusammenbruch des Real existierenden Sozialismus, aber sie kann sich selbst noch nicht begreifen, weil sie noch lebendig ist.

Alexander Dugin bestimmt die Postmoderne als den Sieg des Liberalismus, der nun zur einzigen Ideologie der Welt avanciert sei, die aber doch neue Feinde hervorbringt. In Anlehung an der Historiker Ernst Nolte könnte man den Islamismus als die Widerstandsbewegung gegen den Globalismus charakterisieren, dem Versuch die liberalistische Ideolgie mit mit ihrer Marktwirtschaft als ihren realen Kern zu globalisieren. Aber es gilt, daß mit der Postmoderne die Politik im emphatischen Sinne aufgehört hat, sie ist wieder zur Regierungskunst sich zurückverwandelnd. Sie aber kennt auch den Feind, aber im Sinne der Regierungskunst. Es gälte nun, Teile des Volkes zum Feind zu erklären, um so eine Homogenität im Staatsvolke zu erwirken, die auf dem Ausschluß des verfehmten Feindes beruht. Dies politsche Konzept des Feindes ist die Antwort auf den Verlust der religiös-kulturellen oder ethnischen Homogeniät postmoderner Gesellschaften. „Spalte und herrsche“ diese alte römische Regierungsweisheit aktualisiert sich eben in der postmodernen Kampagne des Kampfes gegen Rechts.Machiavellis "Der Fürst" wird wieder aktuell.  Die Politik wird wieder zu einer Herrschaftstecchnik.

Freitag, 4. Oktober 2024

Ein beliebtes Vorurteil:Daß die Geschichte eine Serie von Ereignissen ist, die nichts mit Gott zu tuen haben

Ein beliebtes Vorurteil:Daß die Geschichte eine Serie von Ereignissen ist, die nichts mit Gott zu tuen haben



Das das Geschichtsverständnis der Bibel und isb des Alten Testamentes unwissenschaftlich sei, erkenne man doch schon daran, daß hier Gott als in der Geschichte Handelnder, in sie Eingreifender dargestellt wird, ja gar als der Herr der Geschichte geglaubt wird. Das könne wohl nach als eine Sinndeutung der Geschichte akzeptiert werden, aber die eigentliche sei ein rein weltimmanentes Geschehen, in der sich so nur Natürliches ereigne. Es können zwar religiös motivierte Handlungen ausgemacht werden, die dann aber im Geiste der Kritik als Maskierungen von ganz und gar natürlichen Interessen entlarvt werden können, aber Gott kommt als agierendes Subjekt nicht in ihr vor und darf es auch nicht mehr. Allerhöchstens noch im Privatleben mag Gott noch vorkommen, aus der großen Welt ist er aber ganz im Geiste der Aufklärung eskamotiert worden. Wenn aber das wissenschaftliche Denken eins ist mit dem vernünftigen Denken, oder doch ein gewichtiger Teil davon, warum widerstreitet es der Vernunft, Gott als seiend und als die Geschichte regierend und in ihr eingreifend zu denken? Die Reduktion der Subjekte der Geschichte auf in ihr handelnde Menschen ist genau genommen keine dem vernünftigen Denken notwendig zukommendes Element.

Am 3.10.2024 feierten wir den „Tag der deutschen Einheit“. Politisch ist dieser Feiertag bedenklich, denn nach dem verlorenen 2.Weltkrieg wurde Deutschland von den Siegern in drei Gebiete zerteilt, aus denen sich Ostdeutschland, Westdeutschland und Österreich herauskristallisierten und jetzt kann erst der Zusammenschluß der BRD mit der DDR gefeiert werden. Aber wie könnte denn eine theologische Betrachtung aussehen, wenn dabei Gott als der Herr und Gestalter der Geschichte und somit auch unseres Volkes präsumiert wird? Müßte da diese gefeierte Einheit als ein Geschenk Gottes gewürdigt werden? Emanuel Hirsch schrieb in den 20er Jahren des 20. Jahrhundertes mehr als lesensertes Buch: „Deutschlands Schicksal“. Könnte es nicht auch eine Aufgabe der heutigen Theologie sein, unser Schicksal theologisch begreifen zu versuchen? Keiner der Verfasser von Texten des Alten Testamentes wäre auch nur auf die Idee gekommen, daß solche Großereignisse der Geschichte unseres Volkes, vom 30 Jährigen Krieg bis zu den zwei Weltkriegen zu erzählen, ohne daß darin die Frage beantwortet würde: Und was tat Gott dabei? Wenn nun aber Gott nur das Jasagen zu allen und jedem Menschen wäre, dann könnte es keine Geschichte Gottes mit unserem eigenen Volke geben, sie bestünde ja nur aus dem Jawort Gottes. Nur kann man ernstlich Gott als den Herrn der Welt glauben, ohne daß dann auch zu bedenken wäre, ob und wie Gott auf den massenhaften Abfall vom wahren Glauben und von der Kirche tdurch die Reformation reagiert habe,als ob dieser so erfolgreicher Angriff auf die Kirche ihm selbst gleichgültig sein könnte. Müßte nicht ernsthaft auch mit dem Zorn Gottes gerechnet werden über uns, da die Reformatoren nun mal Deutsche waren, es eben eine deutsche Reformation gewesen ist. Das Gericht Gottes ist eben nicht so verjenseitigt worden, daß nicht hier auf Erden Gott nicht schon Gericht halten könnte, auch wenn das Endgericht am Ende der Geschichte sich erst ereignen werden wird.

Aber wenn mit dem Zorne Gottes ernsthaft zu rechnen ist, dann ist auch mit Gottes Gnade zu rechnen, daß wir in der Teilwiedervereinigung doch Gottes Gnadenhandeln an uns erleben durften. 

Corollarium

Daß ein Mensch als eine Frau oder ein Mann, als Glied eines Volkes und einer Rasse geboren wird, ist theologisch geurteilt keine Zufälligkeit sondern eine Bestimmung Gottes, der sich ein Mensch aber ob seiner Freiheit widersetzen kann: Er verneint damit aber eine seiner Bestimmungen. Durch seine Volkszugehörigkeit wird er aber auch in eine bestimmte Geschichte, die seines Volkes eingeschrieben, die so zu seiner Identität gehört.So ist der Wille, nicht mehr Mann oder Frau zu sein, nicht mehr ein Angeöriger eines bestimmten Volkes zu sein,ein Teil der Aufstandsgeschichte des Menschen wider Gott. 





Mittwoch, 26. Juni 2024

Eine (fast) ganz verdrängte Wahrheit unseres christlichen Glaubens- die Vorsehung oder hat Gott abgedankt?

 

Eine (fast) ganz verdrängte Wahrheit unseres christlichen Glaubens- die Vorsehung oder hat Gott abgedankt?

Die christliche Orthodoxie eines Vorsehungsglaubens, einer möglichen Intervention Gottes bis in die Materie hinein, gehört zu dem "skandalösen Realismus", ohne den man dem biblischen Gott "das Gottsein absprechen" würde (Joseph Ratzinger).“So wird Joseph Ratzinger in dem „Communio“Artikel: „Vom Blitz getroffen:Vorsehungsglaube und menschliche Kompensationsgeschäfte“ am 26.6.2024 zitiert.Wie verhält sich nun in dieser Aussage der Vorsehungsglaube zu der Vorstellung eines möglichen Intervenierens Gottes in der Welt?Ist dieser Vorsehungsglaube identisch mit dem Glauben,daß Gott in die Welt hineinintervenieren könne und das dann wohl auch tut oder bezeichnet das Intervenieren nur ein Teilmoment der Vorsehung Gottes.

Von der Wortbedeutung her meint ja das Vorsehen nur ein Vorauswissen alles zukünftig geschehen Werdenden, aber in der theologischen Tradition bedeutet die Vorsehung das göttliche Regieren: Gott führt die Regie im großen Welttheater. Schließt dann nicht aber dies Regieren Gottes ein Intervenieren aus, da in dem Welttheater sowieso nur das sich ereignet, wie Gott es vorausgeplant hat?Zur Vorstellung eines Intervenierens gesellt sich doch spontan die Vorstellung, daß etwas Danebengehendes durch eine Intervention korrigiert würde - aber wie kann etwas in dem von Gott selbst regierten Welttheater außer Plan geraten?

Daß zum Gottsein Gottes die Lehre von der Vorsehung und seiner Allmacht, sodaß er, wenn er will, in der Welt intervenieren kann, ist theologisch eine Selbst-verständlichkeit. Man könnte das so erklären:Zu der Nominaldefinition Gottes gehören diese 2 Aussagen,bezweifelt werden kann so nur, ob ein so definierter Gott auch real existiert.

Vielleicht könnte das Verhältnis der Vorsehung Gottes und seines Intervenierens in die Welt hinein so gedeutet werden, daß im Welttheater es von Gott her vorgesehen sei, daß er in bestimmten Szenen des Welttheaters interveniert, sozusagen selbst schauspielerisch auf der Bühne auftritt und sich nicht darauf limitiert,der Regisseur zu sein,die Regie zu führen. Inakzeptabel wäre jedoch die Reduktion des Regierens Gottes auf ein Ab-und Zuintervenieren, daß er sonst sich auf die Rolle eines Zuschaugottes beschränken würde.

Der Apostelfürst Paulus schreibt: „Ich glaube nämlich,Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt,wie Todgeweihte;denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen.“ (1.Kor 4,9) Gott hat demnach den Aposteln eine besondere Rolle zugeschrieben,wobei dann sie zu einem Schauspiel, einem Theaterstück geworden sind. Für wen? Für die Engel und die Menschen.Nicht eindeutig ist, welche Menschen damit gemeint sind. Sind die Apostel für die anderen Menschen in dem Theaterstück ein Schauspiel geworden oder, da ja zuerst von den Engeln die Rede ist,oder für die Menschen im Himmel, die da dann mit den Engeln zusammen das Schauspiel schauen? Ein Theater wird für...aufgeführt und zu welchem Zweck? Geschichtsphilosophisch gewendet: Ist die Menschheitsgeschichte als Ganzes etwas in sich Sinnvolles, das auf einen Zweck ausgerichtet ist? Das ist die Kernaufgabe der Geschichtsphilosophie und des theologischen Begreifens der Geschichte.

Einige Differenzierungen sind dabei zu vollziehen: In einem Kriminalfilm, man denke zur Veranschaulichung an die Serie: „Inspektor Barnaby“,da in ihr die Rolle des Kommissares so glänzend veranschaulicht wird, ist das immanente Ziel, daß der Kommissar den Mörder überführt, das Wie macht dann dabei den Reiz der Einzelfilme aus, aber was ist der Zweck, der externe für den Zuschauer? In einem Liebesfilm,etwa in der 1.Staffel von „Sturm der Liebe“bildet die Geschichte von „Laura“ und „Alexander“, wie die zwei füreinander Bestimmten zueinander finden, den Gehalt aus. Kann für das Welttheater ein vergleichbarer interner Zweck ausgemacht werden und dann davon unterschieden ein oder der externe Zweck?

Wir leben noch nicht im Schauen, sondern noch im Glauben, einem defizitären Erkenntnismodus, aber als Gott Vertrauende dürfen wir glauben, daß das Ganze einen Sinn hat einen immanenten und einen externen für die Zuschauer, die Engel. Für die Menschen wäre wohl zuvörderst der interne Sinn von Relevanz. Das Regieren Gottes wäre so nicht einfach seine Machtausübung sondern das Ausrichten aller Ereignisse in der Geschichte auf ein gemeinsames Ziel, den Sinn des Ganzen. Die gewichtigste theologische Frage wäre dann die, ob das Welttheater auch für Gott selbst eine Bedeutung hat, für ihn selbst relevant ist. Die Vormacht des anthropozentristischen Denkens blockiert nun völlig diese Frage, aber sie wäre unbedingt zu stellen. Hegel war der letzte Philosoph, der sich noch traute, auf diese Frage eine Antwort zu geben,die heutige Theologie stellt die Frage nicht einmal mehr!



















































Freitag, 12. Januar 2024

Ein Bischof kämpft gegen „reaktionäre Kreise“ in der Kirche, ganz erfüllt vom Reformsynodengeist

 

Ein Bischof kämpft gegen „reaktionäre Kreise“ in der Kirche, ganz erfüllt vom Reformsynodengeist


Bischof Franz-Josef Overbeck lamentiert über reaktionäre Kreise: „Diese reaktionären Kreise sprechen mir ab, dass ich noch den katholischen Glauben vertrete“. (Kath net am 12.Jänner 2024).Er würde diffamiert und übel mißhandelt, seit dem er sich für die Reformagenda des Synodalen Weges engagiere. Was bedeutet es denn nun aber, Katholiken, die dieses Reformprogramm kritisieren und vielleicht gänzlich ablehnen als „reaktionäre Kreise“zu qualifizieren? Gehören dann der Papst und die anderen vaticanischen Kritiker dieser Reformvorhaben auch zu den reaktionären Kreisen? Der Bischof klagt darüber, diffamiert zu werden und selber diffamiert er seine Kritiker.

Aber was bedeutet denn nun dieser stets pejorativ verwendete Begriff: reaktionär? Reaktion heißt ja erst mal nur: reagieren, also auf etwas bezogen zu handeln. Seinen eigentlichen Gehalt erfaßt man aber nur, wenn man ihn als ein Element einer Geschichtsphilosophie begreift, der, daß die ganze Menschheitsgeschichte eine Fortschrittsgeschichte ist. Progressiv heißt dann, mit der Geschichte vorwärts gehen, also dem objektiven Fortschreiten der Geschichte subjektiv nachfolgen. Conservativ heißt dann, den objektiven Fortschritt anhalten wollen, zum Stehenbleiben nötigen wollen, wohingegen reaktionär heißt, zurück in eine nostalgisch verklärte Vergangenheit zu wollen. Aber alles, was einmal wahr war in der Vergangenheit, ist heute unwahr geworden, überholt und veraltet durch den Menschheitsfortschritt.Ein Reaktionär will also aus dem Fortschrittszug aussteigen, um zurückzukehren in längst Vergangenes.

Wenn dies geschichtsphilosophische Konzept auf die Reformvorhaben des Synodalen Weges appliziert wird, heißt das: Diese Reformen sind progressiv, weil sie den Fortschritt der Menschheitsgeschichte mitmachen wollen, wohingegen die, die am katholischen Glauben festhalten wollen, sich dem Fortschritt verweigern. Denn auch der katholische Glaube muß immer wieder modernisiert werden,um auf der Höhe der Zeitentwickelung sich zu positionieren. Reaktionäre dagegen würden am liebsten zurück ins Mittelalter.

Papst Pius IX verurteilte diese Vorstellung so: „Der Römische Bischof kann und soll sich mit dem Fortschritt, mit dem Liberalismus und mit der modernen Kunst versöhnen und anfreunden.“ Syllabus 80, DH 2980. Das ist eine Kurzcharakterisierung der Fortschrittsphilosophie, der sich die Kirche zu eigen machen müßte. Papst Pius IX verurteilte die als mit dem Glauben der Kirche unvereinbar, denn der Glaube der Kirche ruht auf den offenbarten Wahrheiten Gottes, die nicht dem Fluß der Zeit, was gestern noch wahr war, ist es heute nicht mehr, unterworfen sind. Schon allein durch die Benutzung dieses geschichtsphilosophischen Terminus zeigt Bischof Overbeck, wie weit er sich schon, ganz progressiv vom katholischen Glauben entfernt und entfremdet hat. Eine Re-form der Kirche im ursprünglichen Verständnis als ein Zurückführen zur ursprünglichen normativen Form ist ja aus dieser geschichtsphilosophischen Perspektive ein reaktionäres Unternehmen.

Sonntag, 31. Dezember 2023

Wie Papst Franziskus nun mit offenem Visier gegen seinen Vorgänger kämpft

 

Wie Papst Franziskus nun mit offenem Visier gegen seinen Vorgänger kämpft



Zum Jahresende jubeliert kath de: „EIN JAHR NACH DEM TOD BENEDIKTS XVI-Wie Franziskus nach Benedikts Tod den Kurs der Kirche änderte“. Erfrischend offenherzig wird in diesem Artikel Papst Franziskus als ein Antibenediktpapst charakterisiert, der nun nach dem Tode seines Vorgängers nun offensiv den Kampf gegen das Erbe dieses Papstes aufnimmt. Enthusiasmiert wird sein Kampf gegen die „Alte Messe“ bejubelt, daß da immer noch so viele Reaktionäre an längst Überholtem festhalten wollen.

Auch wenn einige der Entscheidungen seines Vorgängers noch nachwirken, versucht der Pontifex sie nach und nach zu überwinden – sei es personell oder thematisch.“ Mit sich überschlagenden Begeisterung laudiert dann der Artikel: „Zu den reaktionären Stimmen gehörten nunmehr einige der US-Bischöfe, die zuletzt nach einer langen Zerreißprobe für Franziskus und seine Mitarbeiter abgestraft wurden: dem einflussreichen Papstkritiker Kardinal Raymond Burke wurden Kardinalsgehalt und vatikanische Dienstwohnung gestrichen, dem texanischen Bischof und "Star" der rechtskatholischen Medien, Joseph Strickland, entzog der Vatikan die Leitung seiner Diözese. Eine mangelnde Unterstützung der Weltsynode und der damit verbundenen Vision des Papstes als auch eine mangelhafte Umsetzung von "Traditionis custodes" wurden ihm vom Nuntius in den USA vorgeworfen. Auch in Frankreich griff der Pontifex durch, als er dem in die Kritik geratenen Bischof der südfranzösischen Diözese Fréjus-Toulon, Dominique Rey, einen Koadjutor zur Seite stellte, der in der traditionalistischen und von schlechtem Führungsstil geprägten Diözese für Ordnung sorgen sollte.“

Resümierend wird dann konstatiert:“ Aus diesen Personalentscheidungen wurde klar: Rückwärtsgewandtes Denken passt nicht mehr ins vatikanische Programm.“ Klarer und unmißverständlich wird damit die antikatholische Grundhaltung dieses Papstes erfaßt. Wenn die Kirche sich auf das besinnt, was als das Glaubensgut der Kirche bezeichnet wird, fundiert in der Offenbarung Gottes, dann sei das ein rückwärtsgewandtes Denken. Die Form,in der die Kirche seit dem Trienter Konzil die hl. Messe zelebrierte, will dieser Papst nun endgültig aus der Kirche abschaffen und mit ihr wohl auch die ganze oder fast die ganze Tradition der Kirche.

Ein Kirchenkampf fände jetzt zwischen dem progressivem Papst Franziskus und seinen reaktionären Feinden statt, für die Papst Benedikt XVI die Inkarnation der Rückwärtsgewandtheit ist. Was vor kurzem noch unvorstellbar war, wird jetzt möglich: Homosexuelle Paare können gesegnet werden, erste Schritte der Demokratisierung der Kirche werden gewagt! Der Ton dieser Laudatio ist ganz erfüllt von dem geschichtsoptimistischen Narrativ des Fortschrittsglaubens und dem Wissen, daß zwar rückwärtsgewandte reaktionäre Kräfte dem Menschheitsprogress sich entgegenstellen mögen, der Fortschritt aber siegen wird. Das, was Reaktinäre als die Tradition der Kirche als ewige Wahrheit behaupten, kann dann nur noch eine mehr oder wenig erquicklich ansehbare Antiquitätenansammlung sein, den der Sturm des Fortschrittes nichten wird.

Eines ist klar: Um dieses Fortschrittes willen muß die Einheit der Kirche zerstört werden, müssen die fortschrittsfeindlichen Elemente aus ihr entfernt werden. Ob nun der Papst alle Bishöfe, die sich der Segnung homosexueller Paare widersetzen, absetzen wird?

Aber man sollte hier sich nicht zu oberflächlich auf das letzte Amtsjahr des Papstes kaprizieren, überließt man so doch die Breite des Kampfes dieses Papstes gegen die Tradition der Kirche. Es sei nur an die Verurteilung der Todesstrafe wider das Zeugnis der hl.Schrift und der Lehre der Kirche erinnert, an die auf der Amazonassynode durch den Papst praktizierte Verehrung der Göttin Pachamama, an die vollständige Aufgabe der Mission durch ihre Substituierung durch die Diakonie und seine Dauerkritik an allem Conservativ-Katholischen.

Wer war Pessimist genug, um vorausahnen zu können, daß nach dem großen Kampf der Kirche gegen den Modernismus ein Papst den Petristuhl besteigen würde, der sich das Anliegen des Modernismus so ganz und gar zu eigen gemacht hat und nun die Kirche so destruiert, soweit es ihm als Papst möglich ist! 

Zusatz:

Die diesen Artikel fundierenden Begriffe: "rechts, conservativ, reaktionär, rückwärtsgewandt" sind Termin, die ihren Gehalt aus ihrer Verwurzelung in der Fortschrittsgeschichtsphilosophie gewinnen und nur von daher verstanden werden können. Die christliche Religion kennt einen solchen Geschichtsoptimismus nicht, ursprünglich denkt sie in Zweiweltenschemata: Oben und Unten auf der Raumachse und auf der Zeitachse: Der alte und der Neue Äon. Die Religion ist so ein sich Ausrichten auf die jenseitige Obenwelt oder auf den neuen Himmel und die neue Erde nach der Apokalypse, dem Untergang der alten Welt. Hier wird nicht evolutionär gedacht.  

Dienstag, 5. Dezember 2023

Weihnachten : Und Friede auf Erden - aber überall ist Krieg

Weihnachten : Und Friede auf Erden - aber überall ist Krieg- falsche Vorstellungen vom Frieden?


Auch nur der oberflächlichste Zeitgenosse kann nicht umhin, zu konstatieren, daß wir eher in einer Welt des Unfriedens als des Friedens leben, vom Mikrobereich der zwischenmenschlichen Beziehungen bis zum Makrobereich der jetzigen stattfindenden Kriegen. Ist so die Weihnachtsbotschaft des Friedens ein großer Irrtum? Heißt es doch im Weihnachtsevangelium: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede“. (Lk 1,14) In der Regel wird dann die Fortsetzung: „bei den Menschen seiner Gnade“ interpretiert als: unter allen Menschen, denn Gott sei doch allen gnädig oder als: unter allen Christgläubigen, nur daß weder unter allen Menschen noch unter den Christen jetzt Frieden ist. Man bedenke, daß alle innereuropäischen Kriege Kriege unter Christen waren und sind. Auch im jetzigen Ukrainekrieg kämpfen Christen wider Christen, auch wenn es zur Kriegsrhetorik gehört, dem Feinde das Christsein abzusprechen,aktuell isb den Würdenträgern der Russisch-Orthodoxen Kirche.


Eine Lösungsmöglichkeit bestünde nun in einer Futurisierung: „und es wird Frieden werden“. Eine optimistisch gestrickte Geschichtsphilosophie könnte das so ausdeuten, daß die Geschichte die Entwickelungsgeschichte des Menschen und der ganzen Menschheit zu einer immer größer werdenden Friedfertigkeit sei, daß zwar bedauerliche Rückfälle in die Barbarei sich ereigneten, als Musterbeispiel werden dann der deutsche Nationalsozialismus und der russische Stalinismus angeführt, aber im Prinzip marschierten wir dem universalen Frieden unaufhaltsam entgegen. Nur findet sich für solch einen Geschichtsentwickelungsoptimismus in den Geschichtsbüchern über die Zeit nach Jesu Christi Geburt keinerlei Belege und im Bereich des Alltäglichen auch nicht. Pointiert: Der Fortschritt limitiert sich darauf, daß die Menschen der Steinzeit mit Steinen sich die Schädel einschlugen und sich jetzt mit Maschinengewehren töten und daß auf der anderen Seite die Steinzeitmütter ihre Kinder so viel liebten wie die jetzigen die ihrigen.

Es könnte nun eine theologische Antwort gegeben werden, eine für wahr desillusioniernde: Man mache die Rechnung nicht ohne den Teufel. Solange der Satan nicht endgültig besiegt sein wird, kann die Erde kein Ort des Friedens sein. Das letzte Buch der Bibel bestätigt dies: Das Reich Gottes ist kein Pflänzlein auf Erden, das einmal ausgesäht im Laufe der Geschichte immer größer wird, bis schließlich die ganze Erde ein einziger Friedensgarten geworden sein wird und die Menschen dabei als immer besser werdende vorzustellen sind.

Der Philosoph Heraklit verweist uns nun auf eine andere Spur, wenn er lehrt:

Der Krieg ist der Vater aller Dinge und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien.“ Ein Interpretationsversuch: Unter dem Krieg sei hier verstanden: die Differenz, die etwa zwischen jedem Menschen zu jedem anderen: Ich bin nur Ich in der Differenz zu allen anderen, die Nichtich sind, der Mann ist nur ein Mann in seiner Differenz zu dem Nichtmann, der Frau, der Deutsche ist nur ein Deutscher in seiner Differenz zu allen Nichtdeutschen und der Weiße Mann ist nur der Weiße Mann in seiner Differenz zu allen Nichtdeutschen.

Nicht liegt es in der Natur dieser aufgezählten nicht vollständigen Differenzen, daß ihre Beziehungen untereinander harmonisch friedlich gelebt werden. Ein Egozentrismus erwirkt den Krieg jedes gegen jeden, ein Matchochismus und Feminismus erwirkt den Geschlechterkampf, ein Chauvinismus erzeugt den Haß zwischen den Völkern und der Rassismus den Haß zwischen den Rassen. Eine Aufgabe der Kultur ist es eben, mit diesen Differenzen so umzugehen, daß sie nicht die Quelle der Kriege all diesen diversen potentiellen Konflikte wird.

Aber in der Kultur wirkt eben nicht nur der friedensschaffende Heilige Geist sondern konträr dazu auch der Satan. Er ist sozusagen der Garant dafür, daß aus allen Differenzen immer wieder Kriege auf all diesen verschiedenen Ebenen werden, da gerade der Mensch in seiner Erbsündlichkeit dazu geneigt ist.

Die Anziehungskraft von Alleinheitsphilosophien, alles sei eins und alle Differenzen nur eine Täuschung verfehlter Wirklichkeitswahrnehmung,erklärt sich daraus: Würde die Einheit aller Gegensätze erkannt, entstünde eine Einheitsfriedenswelt. Aber eine so spekulativ ersonnene Einheit aller Differenzen könnte nur gewaltsam sich gegen die realen Differenzen durchsetzen und prolongierte so nur den Krieg, (Vgl dazu etwa zur Vorstellung eines Einheitsweltstaates: Emanuel Hirsch, Deutschlands Schicksal)

Wie ist dann die Weihnachtsbotschaft des Friedens zu verstehen? Sie ist nur verstehbar, wenn wir uns den für uns bedrohlichsten Konflikt vor Augen halten, den zwischen Gott und uns Menschen, daß Gott uns zürnt ob unseres Sünderseins. Um es im Bilde des Krieges zu formulieren: Wir befanden uns mit Gott im Kriegszustand, aber Gott selbst beendet diesen durch das Heilswerk seines Sohnes, sodaß nun die Menschen seiner Gnade mit Gott in Frieden leben, weil er mit uns Frieden schloß, wobei dieser Friede durch das kostbare Blut seines Sohnes erwirkt wurde, an dem wir in jeder Eucharistie Anteil bekommen.Dies Evangelium kann aber nur verstanden werden, wenn mit Heraklit auch die Differenz von Gott und Mensch betont wird und daß es so nicht nur eine Feindschaft des Menschen gegen Gott sondern auch den Zorn Gottes wider den Menschen geben kann. 

 

Samstag, 7. Oktober 2023

Kardinal „Müller: Desorientierung im kirchlichen Bereich durch Synodalen Weg“ Eine neue "Kirche" soll entstehen

Kardinal „Müller: Desorientierung im kirchlichen Bereich durch Synodalen Weg“



Auf Kath de war dann zu lesen (7.10.2023):Müller beschuldigte die Befürwortern von Reformen in der Kirche zudem, einen politischen Reformbegriff auf die Kirche übertragen zu wollen. "Das mutet so an, als ob die Kirche sozusagen hinter der Aufklärung, hinter der Religionskritik, hinter der modernen Welt zurückgeblieben wäre. Und jetzt müssten wir sozusagen das Ganze umformen nach unserem Gusto".

Hier scheint dem Kardinal einiges durcheinander geraten zu sein, so zutreffend auch die gemeinte Kritik des kirchlichen Reformismus ist.Der politische Reformbegriff, so wie er jetzt im politischen Diskurs verwendet wird, ist der der Ära des Bundeskanzlers Helmut Schmidt, der die politische Reform als die Reduzierung des Wünschbaren auf das Mach-und Finanzierbare praktizierte: statt an die unendliche Perfektibilitierbarkeit durch Reformen zu glauben, gälte es, die Politik als die Kunst des Machbaren zu praktizieren.

Im Hintergrund stand eine geschichtsphilosophische Kontroverse, die zwischen dem orthodoxen Marxismus, daß die Geschichte aus sich heraus eine objektive Tendenz zur Erlösung der Menschheit in sich trage, in der durch Revolutionen die qualitativen Veränderungen sich ereigneten und daß nun die sozialistische das Ende des menschlichen Elendes erbringen werde. Der Revisonismus (Bernstein)wollte diese marxistische Theorie der SPD aufgeben,die Theorie der politischen Praxis angleichen,indem für eine konsequente Reformpolitik plädiert wurde. Dieses Verständnis von Reform wollte sich von der marxistischen Geschichtsphilosophie absetzen und die durch eine evolutionäre ersetzen: Die Geschichte sei ein kontinuierliches Voranschreiten zum Immerbesseren, ohne daß je ein Endzustand, daß alles nun gut sei, erreichbar sei.Politisch wurde der Reformbegriff aber erst somit in der Zeit nach dem Kanzler Brandt, die durch eine Reformeuphorie gekennzeichnet war: Man glaubte an die Verbesserbarkeit von allem.

Davon zu unterscheiden sind alle geschichtsphilosophischen Konstruktionen, für die die Menschheitsgeschichte ein einziger Prozeß der Weiter- und Höherentwickelung ist. Die Geschichte sei ein Fortschreiten zur Vernünftigkeit und zur Freiheit. Der Begriff der Reform spielt dabei m.W keine besondere Rolle, man dachte da viel großflächiger als daß der Fortschrittsglaube sich verband mit der Vorstellung von irgendwelchen Kabinetten, die Reformen beschließen würden.

Reformen im innerkirchlichen Diskurs bedeuteten nun etwas ganz und gar anderes, daß nämlich Teile der Kirche sich von ihrem normativen Ursprung entfremdet haben und somit zu ihrer Ur-sprungsform zurückzubringen sind.

Kardinal Müller hat somit einen geschichtsphilosophisch eingefärbten Reformbegriff im Sinne, keinen politischen. Vermutlich ist dieser ursprüngliich in der protestantischen Polemik gegen die Katholische Kirche beheimatet, daß der Protestantismus die zeitgemäße Auffassung des Christentumes sei, wohingegen die Katholische Kirche im mittelalterlichen Denken verharre. Die habe eben die Aufklärung und die moderne Welt verschlafen. Der rückwärtsgewandte Reformator Luther mutiert so zum Modernisierer. Der Fortschritt lasse so nur den Protestantismus als die einzig zeitgemäße Kirche zu, alles andere sei mittelalterlicher Obskurantismus.

Diese antikatholische Polemik, basierend auf den optimistischen Geschichtsphilosophien der Aufklärung bildet so das Fundament der Reformvorhaben des Synodalen Irrweges.Die kirchliche Konzeption der Normativität des Ursprunges, der Treue zur offenbarten Wahrheit wird nun ersetzt durch den Glauben an einen Menschheitsfortschritt im Laufe der Geschichte, dem jedes Retour zum Ursprung, jede wahre Re -form etwas rein Reaktionäres sein muß, denn man wolle aus dem vorwärtsfahrenden Zug der Geschichte aussteigen,um in die Vergangenheit umzukehren.

Die Gegenwart gilt dabei als das jetzt an Vernünftigkeit Realisierte,das die Katholische Kirche nun nachzuholen habe.Das,was jetzt als wahr gilt, soll dann die Norm für die Kirche bilden und nicht mehr die völlig veralteten Offenbarungswahrheiten. Darum soll die Kirche sich auch nicht einfach willkürlich modernisieren sondern nur das, was als progressiv gilt,darf ihre Norm sein. Progressiv ist somit die Antithese zu allem Popularistischen, das als reaktionär zu verwerfen sei. Faktisch heißt das dann, daß die Kirche den modernen Protestantismus nachäffen soll, um der Moderne gemäß zu sein. Nur ärgerlich, daß die schon untergegangen ist: Wir leben in der Postmoderne!


 

Donnerstag, 7. September 2023

Papst Franziskus (v)erkennt das Problem der Kirche: „den Indietrismus“ Sein Kampf gegen die Tradition

Papst Franziskus (v)erkennt das Problem der Kirche: „den Indietrismus“


Kath net klärt uns auf (7.9.2023): "Unter den vielen Neologismen, die er erfunden hat, gibt es einen, den Papst Franziskus besonders gern mag: Indietrismus/ 'Rückwärtsgewandheit'". („Franziskus und der Indietrismus.Ein zerstörerisches Konzept“. Die Rückwärtsgewandtheit einiger in der Kirche gefährde die Zukunftsfähigkeit der Kirche. Auf diese einfache Formel läßt sich des Papstes immer wieder vorgetragene Kirchenkritik reduzieren. So formuliert der Papst diese Kritik aus:

Heute gibt es eine große Gefahr, und zwar, in eine andere Richtung zu gehen: die »Rückwärtsgewandtheit«. Zurück gehen. (…) Diese horizontale Dimension haben wir gesehen; sie hat einige Bewegungen, kirchliche Bewegungen veranlasst, in einer Zeit stehenzubleiben, in einem Rückwärts. Das sind die Rückwärtsgewandten… Die Rückwärtsgewandtheit dagegen führt dich dazu zu sagen, dass »es immer so gemacht wurde und es besser ist, so weiterzumachen«, und das lässt dich nicht wachsen. Über diesen Punkt solltet ihr Theologen ein wenig nachdenken, wie man da helfen kann“.


Deshalb bekämpft Papst Franziskus auch so leidenschaftlich die „Alte Messe“ und scheute sich so auch nicht, direkt mit Papst Benedikt XVI Bestimmungen in dieser Causa zu brechen. Die Weise, die hl Messe zu zelebrieren, wie sie spätestens seit dem Trienter Konzil die katholische Weise wurde, möchte er verboten sehen, weil sie eben etwas nicht mehr Zeitgemäßes ist. Papst Franziskus bricht damit aber auch mit dem Verständnis der Reform, wie es der Kirche zu eigen ist: etwas sich von seiner ursprünglichen Form entfernt Habendes zurückzuführen in seine Ursprungsform, Eine Reform ist so im katholischen Sinne stets etwas Rückwärtsgewandtes. Damit will der Papst nun brechen.


Eine kleine Ausschweifung in die Politik, in die Geschichte der Sozialdemokratie. Anfang des 20.Jahrhundertes erklärte Bernstein, daß die SPD ihren Revolutionsglauben verabschieden solle, um sich in eine reine Reformpartei zu transformieren, statt auf die Revolution zu setzen, durch die alles gut werden würde, Reformen anzustreben, einen Weg der Reformen als einem Prozeß der kontinuierlichen Optimierung der Gesellschaft: Der Weg ist alles, das Ziel nichts!Der Sozialismus sei so also kein zu erreichendes Endziel sondern der Weg der permanenten Verbesserung, der der Reformen. Dieser Standpunkt wurde dann als „revisionistisch“ verunglimpft, setzte sich aber in dieser Partei durch und blieb bis Willy Brand in Geltung. Dann erst verabschiedete sich die Partei von dieser Reformvorstellung und surrogierte sie durch die Maxime, eine Reform sei die Reduzierung des Wünschbaren auf das Machbare und Finanzierbare.


Papst Franziskus gehört so mit seinem Reformverständnis der Sozialdemokratie der Bernsteinischen Epoche an! Es ist der geschichtsphilosophische Glaube, daß die Menschheitsgeschichte ein unendlicher Fortschritt sei und daß darum das Gestern noch Wahre heute schon unwahr geworden ist. Das Konzept der Offenbarung ewiger Wahrheiten ist mit dieser Geschichtsphilosophie unvereinbar, denn für den Fortschrittsgläubigen gibt es nur einen Entwickelungsprozeß vom Unwissen zu einem immer Mehr an Klarheit. Alle Tradition muß so notwendigerweise als sich veraltet habend verworfen werden. So praktiziert es nun auch Papst Franziskus nicht nur in seinem Kampf wider die „Alte Messe“ sondern auch in seiner Verdammung der Rechtmäßigkeit der Todesstrafe gegen das eindeutige Zeugnis der hl. Schrift und der Lehre der Kirche! Das ist alles für ihn Vergangenes, an dem nur Indietristen ihr Herz hängen!


 

Montag, 17. Juli 2023

Ist die Welt eine Fabel? Irritierendes – zum Nachdenken Aufforderndes

Ist die Welt eine Fabel? Irritierendes – zum Nachdenken Aufforderndes „Die Welt wird zu einer Fabel,die Welt als solche ist nur Fabel:mit Fabel meint man etwas,was erzählt werden kann und nur in der Erzählung existiert;die Welt ist etwas,was man erzählt,ein erzähltes Ereignis und demzufolge eine Interpretation:Religion,Kunst,Wissenschaft,Geschichte sind ebenso viele verschiedene Weltdeutungen,ebenso viele Variationen der Fabel.“ So schreibt es einer der bedeutendsten Philosophen der Postmoderne: Lyotard, zitiert nach:Gerhard Raulet, Gehemmte Zukunft.Zur gegenwärtigen Krise der Emanzipation, 1986.S.77. Die Welt als Ganzes wird hier als eine Fabel qualifiziert. Nicht ist damit gemeint, daß Elemente der Welt nicht erkennbar wären. Gegenstände wie Stühle und Autos, auch komplexere wie unser Sonnensystem sind für uns erkennbar, nicht aber das Ganze, das hier: die Welt genannt wird. Wer einmal Tolkieens Triologie: „Der Herr der Ringe“ gelesen hat, kennt die Faszinationskraft einer erzählten Fabel. Solange man liest, lebt man in diesem Kosmos, der nur in diesem Roman existiert, in dem man aber ganz heimisch werden kann. Aber wird das Buch zugeschlagen, entschwindet dem vormaligen Leser diese Welt, er ist nun wieder in der Realität. Sollte die Welt auch nur eine so erzählte Fabel sein, bzw sollte es so viele Welten geben wie es Welterzählungen, Fabeln über die Welt gibt? Vielleicht könnte man diesem Gedanken durch eine Veranschaulichung näher kommen. Eine Schachpartie wird gespielt. Ein Beobachter könnte nun genau die Stellung der Figuren auf dem Spielbrett beschreiben und ihre Veränderungen durch die gespielten Züge. Es könnte nun auch jede Einzelfigur analysiert werden – aber ohne die Kenntnis des Schachregelsystemes kann die gespielte Partie nicht begriffen werden. Die Welt als Ganzes gliche der gespielten Schachpartie, aber die Kommentatoren kennen das Schachregelsystem nicht, sodaß jeder versucht, das dortige Geschehen auf dem Spielfeld zu kommentieren und so Fabeln über diese Partie erzählt. Ja, es kommt das Gerücht auf, daß das Ganze, die Welt an sich nichts Sinnvolles sei, sodaß erst der Interpret Sinn dem Ganzen zu verleihen habe. Das geschieht dann, in dem eine Geschichte der Welt erzählt wird, die die Welt so zu etwas Ganzem und in sich Sinnvollem macht. Der These eines objektiven Sinnes des Ganzen steht so die Antithese gegenüber, daß erst durch das Erzählen von Weltfabeln das Ganze zu etwas Sinnvollem wird, so als wäre das Ganze eine riesige Menge von Einzelwörtern, die dann vom Erzähler zu Sätzen und dann ganzen Erzählungen zusammenkomponiert werden. Es existierte aber keine Norm, die wahre dann von unwahren Erzählungen unterscheiden könnte, da es keine objektive Realität gäbe, die die Erzählung dann richtig wiedergeben könnte. Lyotard bezeichnet das als den Glaubwürdigkeitsverlust der großen Erzählungen, die die Moderne auszeichneten als das Charakteristische der Postmoderne. (Vgl: Lyotard, Das postmoderne Wissen) Raulet versteht so Lyotards Position als einen Angriff auf die große Erzählung von der Emanzipation, daß die Menschheitsgeschichte als Ganzes die Geschichte der Selbstbefreiung des Menschen sei. Zu Grunde liegt der Moderne mit ihren großen Erzählungen die Heilsgeschichtserzählung der christlichen Religion, die seiner Erschaffung von Gott, die seines Sündenfalles und die seiner Errettung und endgültigen Erlösung. Die Moderne brachte nun vielfältige säkularisierte Versionen dieser Heilsgeschichtserzählung hervor, Erzählungen von der Selbstbefreiung des Menschen. Aber die Postmoderne durchschaue diese als bloße Fabelerzählungen . Das Ganze, woher, worin und wozu das Ganze, diese metaphysischen Fragen könnten zwar noch gestellt, aber nur mit Fabeln beantwortet werden. Das wäre unsere jetzige Lage. Weder die Religion noch die Philosophie oder die Wissenschaft können dann anderes als Fabeln produzieren,die für sich Geltungs- und Wahrheitsansprüche erheben können. Es kann nur noch Menschen geben, die eine bestimmte Fabel für sich als wahr glauben. Ist das die Lage der christlichen Religion nach dem Tode der Metaphysik, (von Platon bis Hegel) die vor dem die christliche Religion vernünftig denkend fundieren konnte?

Sonntag, 15. Januar 2023

Leben wir in apokalyptischen Zeiten? Irritierendes

Leben wir in apokalyptischen Zeiten? Irritierendes Es muß doch irritieren, wenn diese Frage auch von einem marxistischen Philosophen miterörtert wird: „Die bösen Geister des himmlischen Bereichs.Der linke Kampf um das 21.Jahrhundert“, 2013. Zu unterscheiden sei das traditionell zirkuläre Zeit- verständnis, daß die Zeit „nach kosmischen Prinzipien geordnet und geregelt ist und die Ordnung der Natur und des Himmels widerspiegelt“(S.305) von dem „modernen linearen“ der Zeit, daß sie die Zeit des „allmählichen Fortschritts und der schrittweisen Entwicklung“ sei. (S.305) Diese beiden Charakterisierungen lassen schon das Interesse am Apokalyptischen erahnen, daß diese beiden Geschichtsvorstellungen es ausschließen, daß sich unter der Sonne etwas radical Neues, nicht aus der Gegenwart Erwartbares und Unableitbares ereignen könne. „Die apokalyptische Zeit ist die des Endes der Zeiten, die Zeit des Notstands, des Ausnahmefalls“. (S.30) Nun existierten jetzt vier Versionen der Deutung der Gegenwart als ein apokalyptisches Zeitalter: die christliche fundamentalistische, die New Age, die digital posthumanistische und die säkular-ökologische. All diesen ist gemein die Vorstellung von einem radicalen Bruch mit der vergehenden Vergangenheit. Genau das machen diese vier apokalyptischen Modelle für Zizek interessant. Kant diskutiert in seiner Schrift: „Der Streit der Fakultäten“ die Frage, ob es in der Geschichte einen wirklichen sittlichen Fortschritt gäbe und urteilt, daß die Französische Revolution ein Zeichen dieses sittlichen Fortschrittes gewesen sei: „Das bis dahin Unmögliche geschah, ein ganzes Volk beanspruchte furchtlos seine Freiheit und Gleichheit. Noch wichtiger als die -oft blutige – Realität der Vorgänge in den Straßen von Paris war für Kant der Enthusiasmus“.(S.309) Daß hier sich Unmögliches ereignete, also etwas aus der damaligen Gegenwart nicht Erklärbares und Unableitbares ermöglicht so, dies als eine Art eines apokalyptischen Ereignisses zu deuten. Zizek schreibt dann gar von der „ewigen Idee“ einer gerechten und freien Gesellschaft, die in solchem Enthusiasmus sich inkarniere. Die christliche und die esoterische Deutung des Apokalyptischen reprobiert er nun. Vor 4 Problemen stünden wir jetzt aber, die nicht in der kapitalistischen Ordnung lösbar seien und so die Apokalypse dieses Systemes möglich machten: die ökologische Katastrophe, die „Unangemessenheit der Idee des Privateigentums“, die Folgen der „technologisch-wissenschaftlichen Entwicklungen“,isb der „Bio-genetik“ und der neuen Formen der Apartheit. (S.300) Die posthumanistische Apokalypse setze so auf die Überwindung des Menschen durch die Biogenetik, daß Kunstmenschen, Cyborgs die Zukunft gehöre während die ökologische Apokalyptik den Tod der Menschheit voraussagt und somit eine Welt ohne Menschen. Da für Zizek die Geschichte ein offener Prozeß ist, kann nicht, wie noch im orthodoxen Marxismus die Zukunft prognostiziert werden, aber es gäbe Augenblicke, in denen das bis dahin Unmögliche doch sich ereignen könne, die Revolution des Enthusiasmus. Die bisherigen, von der Französischen über die russische bis zur Kulturrevolution in China enttäuschten dann zwar die enthusiastischen Erwartungen, aber es könne und müsse eben noch mal versucht werden. Wir lebten also in einer Zeit des möglichen Endes in Folge der Klimakrise oder des Endes des Menschen durch seine Ersetzung durch künstliche Menschen, aber es könnte auch die ewige Idee der gerechten und friedlichen Welt zu einem neuen Revolutionsenthusiasmus führen. Nur steht dem die Erfahrung entgegen, daß nach einem Augenblick exstatischer Freiheit die Revolutionen neue Ordnungen etablierten,von denen man nicht sagen kann, daß nun es besser geworden wäre. , , Bei so viel Zustimmung zum Apokalyptischen fällt eines auf: Für Zizek und nicht nur für ihn ist die eigentliche Apokalyptik die Vorstellung, daß alles wie bisher immer so weitergeht. Der Glaube an den Fortschritt ist verlorengegangen,ebenso an die ewige gute Ordnung der Natur, der zyklischen Zeitvorstellung – als wenn die Gegenwart zu einem ewig Erstarrtem sich verkristallisiert hätte, das keine Bewegung mehr zuläßt, daß die Postmoderne eine Welt ohne Ereignisse geworden wäre. Hieraus sucht dieser Philosoph einen Ausweg, das Hoffen auf einen neuen alle beflügelnden Enthusiasmus. Nebenbei: Im heutigen Christentum findet sich dazu eine Parallele im Phänomen der charismatischen Bewegungen. Ob wir ihn apokalyptischen Zeiten leben, oder ob wir noch zigtausende Jahre Leben auf der Erde, so wie wir es kennen, vor uns haben, das allein entscheidet Gott und so weiß er allein auch, wie es um unsere Zeit steht, aber unverkennbar lebt auch in der Gegenwart eine Sehnsucht nach einem apokalyptischen Ende, daß es so nicht mehr weitergehen soll. Aber die Kirche hat sich so sehr in die jetzige Welt hineingeheimatet, daß sie von einem solchen Ende nichts mehr wissen will. Ihr Engagement gilt so dem Erhalt der Welt und ihrer Verbesserung durch allerlei Reformen, damit sie bleiben kann, wie sie ist! Corollarium : apokalyptische Zeiten Zizek: "Vielleicht liegt die Lösung ja in einer eschatologischen Apokalyptik, die ohne die Phantasie des symbolischen Jüngsten Gerichts auskommt,vor dem alle vergangenen Rechnungen beglichen werden. Die Aufgabe besteht,um eine weitere Benjamin`sche Metapher zu bmühen, nur darin, den Zug der Geschichte ufzuhalten,der sonst ungebremst in den Abgrund führt." (S.325) Der "Abgrund" ist dann die eine "Apokalypse",vor der nur noch ein eschatologisch apokalyptisches Handeln retten könnte. Das soll dann die "Revolution" sein.

Samstag, 29. Oktober 2022

Zuviel Meinungsfreiheit schadet der Kriegspropaganda: Mehr Zensur muß her!

Zuviel Meinungsfreiheit schadet der Kriegspropaganda: Mehr Zensur muß her!



Kriegszeiten sind nicht nur Zeiten der Kriegspropaganda: nie wird so viel gelogen wie in diesen Zeiten, wie schon Fürst Bismarck uns in Lehrbuch der Politik diktierte sondern auch Zeiten, in denen die Zensur Hochkonjunktur hat. Alle demokratischen Parteien beschlossen so einstimmig eine Ausweitung des sog Volks-verhetzungsparagraphen. Die „Junge Freiheit“ schrieb dazu am 28.10.2022:

So heißt es dort neuerdings, daß auch das „öffentliche Billigen, Leugnen und gröbliche Verharmlosen“ von „Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen“ unter Strafe stehen, „wenn die Tat in einer Weise begangen wird, die geeignet ist, zu Haß oder Gewalt aufzustacheln und den öffentlichen Frieden zu stören“. Verstöße gegen den neuen Absatz sollen nun mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.“

Politisch völlig unbedarft könnte man meinen, daß damit etwa Rechtfertigungsversuche der Atombombenabwürfe auf Japan gemeint wären oder der millionenfache Töten von Kindern im Mutterleibe oder die Rechtfertigung der Angriffskriege gegen Jugoslawien und Afghanistan, aber das wäre naiv. So wie in den „Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen“ nur über deutsche Untaten geurteilt wurden, so soll jetzt eben allein Rußland auf die Anklagebank gestellt werden. Es ist eben das Privileg von uns Deutschen und nun auch der Russen, Kriegsverbrechen begehen zu können.

Wer definiert denn nun, was ein Kriegsverbrechen und was eine humanitäre Hilfsaktion wie etwa der Atombombenabwurf auf Japan ist? Die Antwort fällt klar aus: Die Sieger: Nur die Verlierer begingen Kriegsverbrechen. Im Ukrainekrieg erwartet nun der „Freie Westen“ einen klaren Militärsieg der von ihnen unterstützten Ukraine und somit nimmt man schon mal das Siegertribunal vorweg: Die Russen sind die Kriegsverbrecher. Wer diesem Urteil nicht zustimmt, der kann nun deshalb verurteilt werden. AfD Politiker sprechen so von einer „Lex Ukraine“.

Was bedeutet dabei nun den öffentlichen Frieden stören? In den Zeiten der Apotheose des Konsenses kann schon jedes Infragestellen eines solchen Konsenses als eine Störung empfunden werden, wenn etwa in Deutschland lebende Ukrainer es als unerträglich empfinden, daß pro russische Kundgebungen in Deutschland stattfinden oder wenn die Alleinschuld Rußlands an diesem Kriege in Zweifel gezogen wird.

Der Volksverhetzungsparagraph ist so ein Instrumentarium der moralischen Kriegsführung, der dafür sorgen soll, daß nur die Verlierer als Kriegsverbrecher verdammt werden dürfen und daß jede Relativierung und differenzierte Betrachtung als unerlaubt bestrafbar wird. Auch zielt diese Neuformulierung auf die Geschichtswissenschaft, daß nicht vorurteilsfrei dieser Ukrainekrieg erforscht werden darf, sondern die Sicht des „Freien Westens“ von der Alleinschuld Rußlands wie die der Alleinschuld Deutschlands am 2.Weltkrieg festgeschrieben wird. Niemand dürfe diese jeweilige Alleinschuld „leugnen“, denn die Sieger definieren allein, was wahr ist und was ein Kriegsverbrechen ist.












 

Samstag, 15. Oktober 2022

„Die Utopien einer Epoche verursachen die Gemetzel der folgenden“

Die Utopien einer Epoche verursachen die Gemetzel der folgenden“


So urteilt Nicolas Gomez Davila (Es genügt,dass die Schönheit unseren Überdruss streift...Aphorismen 2017, S.77) Die Geschichte gibt diesem Aphorismus recht, wenn an die großen Revolutionen gedacht wird, die doch nur dem Ziele dienen sollten, eine bessere Welt zu errichten, an die französische, die russische und die chinesische. Die Geschichte dieser Utopieverwirklichungsversuche ist eine blutige Geschichte des Terrors. Nicht erst die kommunistischen Revolutionen in Rußland und China, schon die Französische war ein großes Blutbad. Den politischen Conservatismus gibt es ja erst als eine Reaktion auf diese blutschäumende Französische, sodaß seit dem die Gleichung gilt: Bürgerlich sein heißt antirevolutionär zu sein.

Wenn dagegen der Philosoph Habermas und andere von der Moderne als einem noch unvollendeten Projekt sprechen und sich so gegen die Philosophie der Postmoderne wenden, weil diese das Projekt der Moderne als gescheitert und überholt ansieht,dann insistieren sie darauf, daß die Utopiegehalte der Weltverbesserungsrevolutionen bewahrt werden sollen, daß die noch auf eine Realisierung warten. (Vgl dazu recht gehaltvoll: Burghart Schmidt: Postmoderne – Strategien des Vergessens)


Leicht könnte nun theologisch der Vorwurf der Selbsterlösungsversuche in diesen Diskurs eingebracht werden, daß eben all solche Weltbeglückungsversuche zum Scheitern verurteilt sind, weil Gott allein uns Menschen erlösen könne. Die Einsicht in die Sündhaftigkeit des Menschen ließe uns Christen eben erkennen, daß jeder so geartete Optimismus illusionär wäre.


Nur eine christliche Vorstellung will sich in diesen anthropologischen Pessimismus nicht recht einschreiben lassen: der Glaube an den neuen Menschen, der sein altes Adamdasein hinter sich läßt,der sich so zur Heiligung berufen weiß. Pointiert formuliert: Verkündete Jesus Christus wirklich, daß der Mensch von seiner (gefallenen) Natur her böse und zum Guten unfähig darauf warten solle, daß Gott am Ende die ganze Welt erlösen wolle und da so den neuen Menschen erschaffen wird, aber der Christ jetzt nur eine Aufgabe hätte, die auf das Ende zu warten und bis dahin alles so zu belassen wie es nun mal ist. Denn jeder Versuch einer Verbesserung müsse ja notwendigerweise nur zu noch Schlimmeren führen.


Einen brachialen Antiutopismus vertritt so M.S Gmehling in ihrem Kurzessay: „Der bösen Macht auf der Spur“ (Theologisches Sep/Okt 2022, Sp.375-378). Der Transhumanismus ist eben einfach eine reine Manifestation des Bösen, weil hier der Mensch verbessert werden soll! Besonders abscheulich findet diese Autoren die Vorstellung der Cyborgisierung des Menschen, daß er zu „einem Mischwesen aus Mensch und Maschine“ (Sp 375) gemacht werden soll. Gesetz den Fall, es wäre möglich, einem Blinden ein künstliches Sehimplantat einzusetzen, sodaß er wieder sehen kann, dann wäre das für diese Autorin ein Triumph des Bösen, denn der Mensch dürfe sich so nicht selbst optimieren. (Boshaft überspitzt formuliert: besser blind als daß ein blinder Mann geheilt, sich dann pornographische Filme anschaut.) Jeder Optimierungsversch wäre ja doch nur ein weiterer Versuch, Frankensteins Monster nachzuäffen. Damit würde,nähme man diesen Essay ernst, im Prinzip fast jeder medizintechnische Fortschritt verteufelt: Wird denn nicht durch jedes künstliche Herz oder auch nur durch einen implantierten Herzschrittmacher ein Mensch cyborgisiert, weil nun ein technisches Artefakt ihm an Leben erhält? Schon im Mikrokosmos der Medizin müßte so jeder Fortschritt mit Argusaugen beäugelt werden,damit da ja nicht ein Versuch der Optimierung des Menschen stattfindet, weil eben jeder Verbesserungsversuch nur eine Verschlimmbesserung bewirken könne. Einen gesellschaftlich kulturellen Fortschritt im Makrokosmos könne und dürfe es so auch nicht geben, ja er dürfte nicht einmal erstrebt werden.

Also hätte man der Demokratiebewegung in der DDR zurufen müssen: Durch eine Revolution, auch eine friedliche werdet ihr eure Lage nur verschlechtern können, weil ihr sie zu verbessern versucht – lasset alles, wie es ist, sonst wird es euch nur noch schlechter ergehen! Daß heute mancher Ostdeutsche so denkt, spricht aber nicht gegen diese friedliche nationale Revolution, sondern nur dagegen, wie Ostdeutschland dann verwestlicht worden ist.


Vielleicht macht es sich eine conservativ ausgerichtete Theologie doch zu einfach, wenn sie hier Davila vorbehaltlos zustimmt. Die Hoffnung auf den neuen Menschen, der den „Alten Adam“ hinter sich läßt, ist nun mal eine genuin christliche Hoffnung, ohne die es das Projekt der Moderne gar nicht hätte geben können. 

 

Zusatz:

Auch das Scheitern von Revolutionen ist erst mal ein kontingentes Geschehen, auch wenn gute Gründe für die Wahrscheinlichkeit   des Scheiterns jeder Revolution sprechen. 

 

Mittwoch, 12. Oktober 2022

So sehen „Progressive“ die Kirche und die Welt oder der Kampf des BDKJ gegen die Kirche

So sehen „Progressive“ die Kirche und die Welt oder der Kampf des BDKJ gegen die Kirche


Der Bundespräses des BDKJ gab dem nicht offiziellem Zentralorgan des katholischen progressiven Modernismus ein Interview. (12.10.2022) Da wurde gesagt:


Der BDKJ setzt sich für progressive Werte in der Kirche ein. Geschlechtergerechtigkeit, Frauenweihe etc. sind Punkte, die sich gerade junge Menschen in der Kirche dringend wünschen.“


Der BDKJ spricht eben nicht nur für sich, sondern ist zugleich die Stimme der deutschen Jugend. Junge Menschen seien eben von Natur aus progressiv.Das ist natürlich eine sehr naive Vorstellung, als wäre a) die Menschheitsgeschichte von selbst eine kontinuierliche Weiter- und Fortentwickelung und b) wäre die Jugend so dann natürlich das Subjekt, das das Werk der jetzt Erwachsenen übernehmen und fortschrittlich weiterentwickeln wird. Wenn Papst Franziskus seine Restriktionen gegen die Alte Messe auch damit begründet, daß zu seinem Entsetzen gerade jüngere Priester eine Liebe zur Tridentinischen Messe entwickelten, dann muß es sich hier um eine Falschmeldung handeln, denn junge Priester haben von Natur aus progressiv zu sein.

Warum denn nun das Frauenpriestertum etwas Progressives sein soll, ist für die heutigen Modernisten nicht erklärungsbedürftig, weil für sie der Trend der Gleichmacherei und der Nivellierung einfach etwas rein Positives ist. Daß (post)moderne Gesellschaften sich durch ihren Grad an Ausdifferenzierung auszeichnen, daß so die Subsysteme der Gesellschaft eine ihnen eigene Binnenstruktur aufweisen, ist für diese Totalitätsanhänger inakzeptabel: Alle Subsysteme müssen uniform gestaltet werden, es dürfe eben keine eigengesetzliche Ordnung der Kirche geben.


Als Bundespräses stünde er ja so zwischen den Stühlen: „zwischen einer Jugend, die sich eine progressive, aufgeschlossene Gesellschaft wünscht, und einer Kirche, für die Sie ja als Kleriker für kirchliche, festgeschriebene Werte und Hierarchien einstehen.“ Daß die Kirche etwas Negatives ist in den Augen von Progressiven, verwundert nicht, aber die Plumpheit dieser Negativbeurteilung: Die Werte der Kirche seien schon deshalb negativ, weil sie festgeschrieben seien und das in einer hierarischen Ordnung. Darin verbirgt sich der simple Dualismus von Bewegung versus Organisation. Jede Organisation lebt aus ihren Strukturen und fixierten Grundsätzen, wohingegen jede Bewegung solch Fixiertes wieder auflösen will, um Neues zu erschaffen. Damit Neues entstehen könne, müsse so alles Gewordene wieder aufgelöst werden. Das ist ein radicaler Antitraditionalismus, dem die Vorstellung eines normativ verpflichtenden Ursprunges etwas Irrationales ist.


Die Welt schreitet eben „Vorwärts“, so hieß schließlich das inzwischen eingestellte Zentralorgan der SPD, aber der BDKJ glaubt immer noch an das „Vorwärts“ und möchte so die letzte Bastion der Fortschrittsfeinde, die Kirche schleifen. Das „System“ Kirche ist eben zu überwinden und wie? Ja, wenn die Kirche erst so gut demokratisch organisiert ist wie etwa ein Kaninchenzüchterverein, dann wäre schon viel gewonnen! 

Zusatz:

Einen inneren Widerspruch kennzeichnet aber diesen progressiven Modernismus: Ein Spezificum der Modernisierung ist die Auflösung der Gesellschaft als Ganzes in relativ selbstständige Subsysteme: das System der Politik, das der Ökonomie, das des Rechtes mit jeweils ihnen eigenen Weisen der Kommunikation. (vgl N.Luhmann). Daß es nun ein Ordnungsmodell für alle Subsysteme verbindlich geben soll, ist ein Rückfall in vormoderne Gesellschaftsvorstellungen, in denen die Gesamtgesellschaft als ein Körper begriffen wurde, der einheitlich regiert wird.

 


 

Mittwoch, 15. Juni 2022

Papst Franziskus als Modernist

Papst Franziskus als Modernist


Der Kath net Artikel: „Papst kritisiert Traditionalisten und lobt Europas Kirche“ am 15.6.2022 bestätigt mal wieder, daß der jetzige Papst eindeutig modernistisch denkt. Es gäbe in den USA Conservative, von ihm als Traditionalisten diffamiert, die die Beschlüsse des 2.Vaticanumes noch immer nicht akzeptiert hätten. Sie hingen immer noch am Trienter Konzil 1545-1563 und wollten nicht akzeptieren, daß das 2.Vaticanum die Kirche erneuerte und so Veraltetes so überwunden habe. Man könne aber die jetzt notwendige Erneuerung der Kirche nicht durch eine „geistige Erneuerung in stark veralteten Mustern“,erreichen.

Das Kirchengeschichtsverständnis des Papstes ist eben ein schlicht lineares: Das gestern noch Wahre wird durch die Wahrheit des heutigen Tages veraltert, und das jetzt Wahre wird morgen als veraltert überwunden werden. Diese Verzeitigung der dogmatischen Wahrheiten ist eben das den Modernismus Auszeichnende.

Papst Franziskus praktiziert dies ja selbst, indem er eben die eindeutige Bejahung der Todesstrafe durch die hl. Schrift und die Lehre der Kirche als nicht mehr zeitgemäß,als also antiquiiert reprobiert. Auch sieht er kein Problem darin, daß nun Christen im Stande der Sünde als Geschieden-Widerverheiratete die hl. Kommunion empfangen dürfen. Das Schlimmste, daß zu befürchten ist, daß Scalfari recht hat mit seiner Aussage, daß für den Papst Jesus Christus nur ein Mensch und nicht der Sohn Gottes sei. Denn nur so ist es ja auch erklärlich, daß er gar sich anmaßt, Jesu Christi Vaterunsergebet zu verändern, weil Jesus hier ein falsche Gottesvorstellung lehre. Gott führe niemanden in Versuchung und darum dürfe nicht mehr: „Und führe uns nicht in Versuchung“ gebetet werden. Wörtlicher übersetzt hieße es gar: Und trage uns nicht in eine Versuchung hinein.

Papst Franzikus setzt sich eben selbst souverän über verbindliche Lehren der Kirche hinweg, wenn sie ihm selbst als veraltet erscheinen. Genau das lobt er nun auch an den Kirchen Europas, die eben die kirchliche Tradition hinter sich lassend das Moderne und Neue in sich aufnähmen. Daß dabei das Trienter Konzil ihm ein besonderes Ärgernis bereitet, ist aber nur zu verständlich, gelang es doch gerade der Kirche hier in ihrer Auseinandersetzung mit den reformatorischen Häresien die eigene Lehre in größter Klarheit zu erfassen. Darum muß dieses Konzil ob der modernistischen Vorliebe für den Indifferentismus, ist doch irgendwie alles das Gleiche, eben etwas Inakzeptables sein, daß nur noch als völlig veraltet reprobiert werden kann. „Vorwärts“ (so hieß einst das Zentralorgan der SPD), das Alte, die katholische Tradition mit ihren Konzilien hinter sich lassend dem neuen Morgenrot entgegenstrebend, so sieht eben der Papst die wahre Kirche, die eben gefährdet wird durch jedes Festhalten an den verbindlichen Lehren und dem Glauben der Kirche.

 

Freitag, 8. April 2022

Alle reden von der Notwendigkeit von Kirchenreformen – was ist eine Reform überhaupt?

Alle reden von der Notwendigkeit von Kirchenreformen – was ist eine Reform überhaupt?



Der Begriff der Reform erfreut sich so großer Beliebtheit auch im Kirchen-diskurs, weil er so schillernd vieldeutig ist. So soll hier eine kleine Orientierungsskizze vorgelegt werden.



Unter der Reform kann verstanden werden, daß etwas aus der Form Geratenes in seine Ursprungsform zurückgeführt werden soll. Das Ursprüngliche ist dabei als Norm gesetzt und die Entfernung vom Ursprünglichen als eine Entfremdung,sodaß ein Zurück zum Ursprünglichen gefordert wird. Für den kirchlichen Reformdiskurs appliziert heißt das: zurück zu dem Urchristentum.



Unter der Reform kann aber auch verstanden werden, daß es eine der Menscheitsgeschichte immanente Entwickelung gibt vom Primitiven zum immer Höheren und Besseren und daß Reformen dann meint, daß man mit dem Fortschritt mitgeht. Dabei wird präsumiert, daß dieser Fortschritt nicht in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gleichzeitig sich ereignet, daß es also ungleichzeitige Entwickelungen gibt, sodaß in bestimmten Bereichen der allgemeine Fortschritt noch nicht stattgefunden hat. Hier muß dann reformiert werden, um den Anschluß an die Allgemeinentwickelung nicht zu verpassen. Die Katholische Kirche habe eben das Niveau der modernen Gesellschaft noch nicht erreicht, verharre in Manchem immer noch im Mittelalter, also muß sie zeitgemäß werden. Unter der Parole der Zeitgemäßheit wird dann verstanden, daß das allgemeine Entwickelungsniveau einer Gesellschaft von allen seinen Subsystemen zu erreichen ist.

Conservativ sein heißt dann, auf dem erreichten Niveau verharren zu wollen. Reaktionär sein heißt dann, ein überkommendes Niveau repristinieren zu wollen.

Revolutionär sein heißt dann, den allgemeinen Fortschritt extrem beschleunigen zu wollen durch Revollutionen.

Reformer zu sein heißt dann, im Gleichschritt mit der allgemeinen Fortschrittsbewegung mitzugehen.



Unter der Reform kann aber auch verstanden werden, daß Wünschbare und Erstebenswerte auf das Machbare und Finanzierbare zu reduzieren. (Dieser Wandel des Reformverständnisses ist markiert durch das Ende der Reformeuphorie unter dem Kanzler W. Brandt und der Wandel zur Realpolitik des Kanzlers H.Schmidt.) Wenn jetzt in einem Bistum 50 Pfarrgemeinden zu 10 Seelsorgezentren zusammengelegt werden, ist das eine Kirchenreform in diesem Sinne.



Unter der Reform kann aber auch eingedenk der Maxime: ecclesia semper reformanda verstanden werden, daß die Kirche sich dauernd dem Wandel der Bedürfnisse und Nachfragen ihrer potentiellen Kunden anzupassen habe. So wie der Glühwein im Winter und das Eis im Sommer verkauft wird, so solle die Kirche den religiösen Markt beobachten, um nachfragegerecht ihre Angebote präsentieren zu können. Wahr ist das, was ankommt, was eben vom Publikum konsumiert wird. Diese Marktorientierung sieht dann ihren größten Feind im theologischen Dogmatismus, der an absolute Wahrheiten glaubt und so eine pragmatische Service- und Kundenorientierung verunmöglicht. Hier gilt als oberste Maxime: Der Kunde ist König.



Im jetzigen innerkirchlichen Reformdiskurs überwiegen das geschichts-philosophische Fortschrittsmodell und das Marktmodell, denn praktisch führen beide zu sehr ähnlichen Reformvorhaben, wie sie jetzt sich im „Synodalen Irrweg“ artikulieren. Das ursprüngliche Verständnis des Begriffes der Reform als eine Rückkehr zum Ursprünglichen wird dabei als ein Rückfall in vorkonziliare Zeiten perhorresziert und das Konzept der Reduzierung auf das pragmatisch Machbare als wenig werbewirksam abgelehnt, auch wenn so manche Reform auch so begründbar wäre, etwa so: Wenn die Kirchenmitglieder und gar Mitarbeiter der Kirche nicht gemäß der Morallehre der Kirche ihr Leben gestalten wollen, dann muß eben das Gesollte an dem angepaßt werden, was diese zu leben bereit sind. Die Moral muß sich beschränken auf das von ihren Mitgliedern Akzeptierbare.



 

Mittwoch, 9. März 2022

Leben wir in der Endzeit? Steht der „Antichrist“ schon vor unserer Türe?

Leben wir in der Endzeit? Steht der „Antichrist“ schon vor unserer Türe?


Eine Frage muß hier als erste gestellt werden: Warum ist Jesus Christus, sitzend zur Rechten Gottes, seines allmächtigen Vaters nicht schon längst wiedergekommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Der Apostelfürst Paulus nimmt in seinem 1.Thessa-lonicherbrief eine brennende Sorge wohl nicht nur dieser Gemeinde auf: Wir erwarten baldigst die Wiederkunft Jesu Christi in Herrlichkeit, aber was ist nun mit den Gemeindemitgliedern, die vor Jesu Wiederkunft schon verstorben sind. Sind sie gar ob ihres Versterbens vom endgültigen Heile ausgeschlossen? (4,13-18) Paulus respondiert: „Wir,die Lebenden,die noch übrig sind, wenn der Herr kommt, werden den Verstorbenen nichts voraushaben.“ (V 15).

Paulus rechnet hier noch damit, daß er und die jetzt Lebenden den Tag der Wiederkehr Jesu Christi noch erleben werden, daß aber die schon Verstorbenen ihnen, den Lebenden gegenüber nicht dann irgendwie benachteiligt werden. Jetzt schreiben wir das Jahr 2022 und immer noch nicht ist der Herr wiedergekommen in seiner Herrlichkeit. Was hielt bis jetzt die eigentlich schon längst sich ereignen haben sollende Wiederkehr Jesu Christi ab?

Diese Questio erörtert Paulus nun selbst in seinem 2. Brief an die Thessalonicher (2,1-12).Carl Schmitt (Der Nomos der Erde) erfaßt kongenial den Kerngedanken des Apostelfürsten:

Ich glaube an den Katechon, er ist für mich die einzige Möglichkeit, als Christ Geschichte zu verstehen und sinnvoll zu finden.“ (zitiert nach: Lichtmesz, Kann nur ein Gott uns retten?, 2017, S.193.) Ergänzend fügt Schmitt hinzu: „Man muß für jede Epoche der letzten 1948 Jahre den Katechon nennen können. Der Platz war niemals unbesetzt, sonst wären wir nicht mehr vorhanden.“ (S.193) Paulus schreibt, daß es eine Kraft gibt, die den Antichrist zurückhält, aber dieser muß kommen, bevor dann Christus kommen wird, um dann die Lebenden und Toten zu richten. Der Tag des Herrn sei so noch nicht gekommen, weil dieser Aufhalter das Erscheinen des Antichrist verhindert und somit auch die Wiederkehr Christi. Dieser Katechon ist so der Grund dafür, daß zwischen Jesu ersten Kommen und seinem zweiten eine Geschichte sich ereignen konnte, die nun schon fast 2000 Jahre wärt.

Paulus schreibt dazu: „Ihr wißt auch,was ihn jetzt noch zurückhält, damit er zur festgesetzten Zeit offenbar wird“, (V 6), ihn den „Sohn des Verderbens“, den „Widersacher“. Der Begriff der festgesetzten Zeit ist nun mehrdeutig, könnte er doch einen fixierten Zeitpunkt benennen oder: Wenn die Bedingungen a, b,... erfüllt sind.

Für Tertullian war 150-220 circa der Römische Kaiser dieser Aufhalter (S.191), das Römische Imperium. Aber wer hielt und hält bis jetzt als Katechon den endzeitlichen Antichrist zurück?

Meine These dazu: Gott gab den ersten Menschen, Adam und Eva einen Auftrag: Vermehret Euch und machet Euch die Welt untertan und seiner Kirche den Auftrag zur Weltmission. Könnte da nicht geurteilt werden, daß der endzeitliche Antichrist erst kommen wird, wenn diese göttlichen Aufträge erfüllt sind, damit dann durch den Antichrist die Qualität der dann erfüllten Aufgaben geprüft wird- etwa vergleichbar einem Autofahrlehrer, der dann erst die Führerscheinpraxisprüfung ansetzt, wenn der Prüfling das Autofahren hinreichend gelernt haben wird.

Der endzeitliche Antichrist ist noch nicht erschienen, ja weder die Menschheit noch die Katholische Kirche haben schon ihre Aufgaben erfüllt. Deshalb könnte diese Nochnichterfüllung der Katechon sein, der den Antichrist noch aufhält schon seit fast 2000 Jahren.

Was wir realiter erleben ist, wenn es denn eine Endzeit ist, der Untergang der abendländischen Kultur (Oswald Spengler), dieser Untergang ist aber nicht einfach identisch mit dem Ende der Kirche und schon gar nicht der Anfang des eschatologischen Endgerichtes Gottes über diese seine Welt. Der Eintritt der Postmoderne signalisiert wirklich den Tod des großen Projektes der Aufklärung und der Moderne, aber das Absterben dieses Projektes ist nicht schon der Anfang des göttlichen Endgerichtes. Denn,um es mit Zarah Leander zu sagen: Davon geht die Welt nicht unter, denn sie wird ja noch gebraucht!- daß hier noch unsere Hausaufgaben zu machen sind.