Mittwoch, 18. Februar 2026

Ist Gott erlebbar, erfahrbar? Die Sehnsucht nach einer Unmittelbarkeit - oder daß wir glauben können

 

Ist Gott erlebbar, erfahrbar? Die Sehnsucht nach einer Unmittelbarkeit - oder daß wir glauben können


Ein Umweg soll nun eingeschlagen werden,um sich dieses Problemes anzunähern. Sigmund Freud entwickelte dies Dreikomponentenmodell: „Es- Ich- Überich“, um bestimmte Probleme, die in das Aufgabengebiet der Psychologie gehören, erklären zu können. Die stärkste These wäre nun die,daß ohne dies Modell bestimmte Ereignisse überhaupt nicht erklärbar seien, schwächer wäre die,daß ohne dies Modell sie weniger gut erklärt werden können. Die schwächste wäre die, daß mit diesem Modell gleichgut mit anderen Modellen diese Ereignisse erklärt werden können.

Freud und auch nach ihm keiner hat je bewiesen,daß es innerpsychisch diese drei Komponenten gibt, aber ob ihrer Erklärungsleistung werden sie weiterhin verwendet.

Ähnelt unser Umgang mit Gott dem, daß etwas erlebt,erfahren wird,das wir dann mit dem Begriff Gott erklären? Das Erlebte und Erfahrene wäre so nicht selbst Gott, sondern eine Wirkung, die wir erklärend auf Gott zurückführen.

Das Pathos des: „So erlebte ich das, so erfuhr ich das“ lebte von der Vorstellung einer Unmittelbarkeit. Denken bedeutet dagegen eine Negation dieser Unmittelbarkeit und setzt sich dem Verdacht aus, daß das so Gedachte auch ein Ver-dachtes sein könnte, als falsches Denken sei. Das Unmittelbare sei so nur das Wahre, weil so es mir unverändert und unverfälscht ist. Aber ist etwas Erlebtes und Erfahrenes wirklich etwas Unmittelbares? Ist das nicht selbst schon ein Produkt meines Wiewahrnehmens und meines ersten Verarbeitens eines Rohmateriales, das mir so nie selbst zugänglich ist?

Schon in der simplen Erfahrung: „Da steht ein Baum“, wird das Sogesehene von mir als ein Fall des Baumseins begriffen, also unter dem Begriff des Baumes subsumiert.Warum soll dann erst die weitere „Bearbeitung“ verfälschend sein? Im Sinne des Philosophen Hegel gilt gar, daß erst im Denken Gott sich uns erschließt.

Wenn es eine Erfahrung und ein Erleben Gottes gäbe, daß uns unmittelbar sein Sein, daß er wirklich existiert, bewiese, könnten wir nicht an ihn glauben.Eine Ehefrau, die an der Treue ihres Ehemannes zweifelte,ob er sie auf der Kur betrüge und ihn deswegen durch ein Detektivbureau überwachen ließe, kann an seine Treue nicht glauben, wenn sie ihr durch die Detektive für die Zeit der Kur bewiesen werden würde. Zum Glauben gehören gute Gründe, an Gott zu glauben, aber könnten wir ihn beweisen, dann lebten wir schon im Sehen und nicht mehr im Glauben!

Es gibt Ereignisse und Erlebnisse, die wir auf Gott als den Bewirker zurückführen können, aber wenn sie so eindeutig wären, daß nur Gott als ihr Bewirker in Frage kommen könnte, dann würde das uns unseren Glauben an Gott verunmöglichen.

Daß es unser Glaube ist, dazu gehört mein subjektives Beteiligtsein, daß ich das erlebt und erfahren habe. Aber die Zurückführung des von mir Erlebten und Erlebten auf Gott, das ist ein Produkt meiner denkerischen Bearbeitung des Erlebten und Erfahrenen.

Viele erlebten Jesu Wunder und Wunderheilungen, aber die einen urteilten, daß er diese Taten in der Kraft des Teufels vollbrächte, um die Juden zu verführen, und die anderen urteilten, daß diese Wunder ihn als einen Menschen auszeichneten, mit dem zumindest Gott im Bunde stehe, wenn er nicht gar so als Gottes Sohn sich erwiese.Beides sind mögliche Deutungen des Erlebten: Als Moses sich vor dem Pharao als von Gott Gesandten durch Wunder legitimieren wollte, mußte er ja die bittere Erfahrung machen, daß die Magier des Pharaos diese Wunder auch bewirken konnten. ( Der babylonische Talmud erläutert dann dazu, daß Jesus in Ägypten sich zu einem Magier ausbilden ließ, der so dann diese Wunder bewirken konnte zur Verführung der Juden!)

Meiner Erinnerung nach – vor langer Zeit hörte ich das in einer Kirchengeschichtsvorlesung, aber konnte das jetzt nicht verifizieren- soll der Philosoph Celsus gar die Erscheinungen des auferstandenen Jesus so gedeutet haben: Daß er nach seinem Tode anderen erschienen sei, beweise nur, daß er ob seines sündigen Lebenswandels nicht in den Himmel aufsteigen konnte, sondern auf Erden weilen müsse.

Aber grade deswegen können wir an seine Auferstehung glauben!


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