„Die Stunde der Laien“, eine simple Verschwörungstheorie und das „eherne Gesetz der Oligarchie“
Das Buch: „Die Stunde der Laien“, ein 1999 publizierter Sammelband zur Thematik der Stellung der Laien in der hierarisch strukturierten Kirche, vom „Pastoral-theologen“ ( die Marketingabteilung der Kirche) Karrer besticht durch seine simple den Buchartikeln zugrunde liegenden Verschwörungstheorie, daß der Klerus sich die Herrschaft in und über die Kirche angeeignet hätte und daß so die Laien entmündigt worden seien: Jetzt gälte es, daß die Laien unter der Führung der Pastoraltheologie sich die ihnen zustehende Macht zurückeroberten. (Ob dies eine Nachahmung der marxistisch- leninistischen Revolutionstheorie, wie die Arbeiterklasse unter der Führung der Kommunistischen Partei die klassenlose Gesellschaft erkämpfen würde als einer Repristination der herrschaftsfreien Ursprungsgesellschaft, darstellt, soll hier nicht erörtert werden.)
Der KI- über Google angefragt zum „Gesetz der Oligarchie“ gibt eine so treffende Darlegung, daß ich sie hier ausführlich zitieren möchte: „Das eherne Gesetz der Oligarchie ist ein politikwissenschaftliches Modell, das besagt, dass sich jede komplexe Organisation – wie etwa eine politische Partei – mit der Zeit unweigerlich in eine von wenigen Führungspersonen (eine Oligarchie) beherrschte Struktur verwandelt. Es wurde 1911 von dem Soziologen Robert Michels geprägt.
Die wichtigsten Mechanismen dieses Gesetzes umfassen:
Notwendigkeit der Organisation: Um politische Ziele in einer modernen Massengesellschaft umzusetzen, ist eine straffe Organisation (Bürokratie, Arbeitsteilung) zwingend erforderlich.
Fachwissen der Eliten: Durch die ständige Beschäftigung mit Parteiaufgaben eignen sich hauptamtliche Funktionäre und Führungskräfte spezielles Fachwissen an, das der ungeschulten Parteibasis fehlt.
Entfremdung von der Basis: Die politische Führung entfernt sich zunehmend von den ursprünglichen Idealen und den Interessen der einfachen Mitglieder. Ihr Hauptziel wird oft der eigene Machterhalt und die Stabilität des Apparats.
Passivität der Masse: Die Mehrheit der Parteimitglieder ist meist nicht stark genug engagiert oder verfügt nicht über die nötigen Mittel, um die Macht der Führung effektiv zu kontrollieren.“
Da die Verschwörungstheorie ausgiebig einer sozialwissenschaftlichen und herrschaftskritischen Terminologie bedient, könnte es doch erlaubt sein, diese soziologische Theorie Michels anzuführen mit der Verdachtsthese, daß aus einer soziologischen Perspektive gesehen die Hierarchisierung der Kirche ein Sonderfall des ehernen Gesetzes der Oligarchiesierung ist.
Die Gesellschaft differenziert sich in diverse Subsysteme aus, die sich selbst wieder in sich ausdifferenzieren. Das Medizinsystem differenziert sich etwa in Spitäler und Arztpraxen aus, in Allgemeinärzte und Fachärzte, in unterschiedlich ausgebildetes Fachpersonal usw. Wer nun als nicht zu diesem Subsystem Dazugehörende, also Laie dies System sinnvoll nutzen möchte, bedarf einer Laienkompetenz, daß er etwa bei einem Zahnweh nicht zu einem Allgemeinmediziner geht sondern zu einem Zahnarzt. Alles Weitere überläßt er dann dem Zahnarzt.
In einer modernen Gesellschaft ist nun die Differenz zwischen dem Gesamtwissen der Gesellschaft und dem Wissen des Einzelnen unüberbrückbar groß: Niemand kann sich das vorhandene Gesamtwissen auch nur annähernd aneignen. Das heißt: Jeder nimmt fast überall die Rolle eines Laien den jeweiligen Subsystemen gegenüber ein. Das gilt nun auch in den Subsystemen: Ein auf das Mietrecht spezialisierter Rechtsanwalt wird sich kaum im Scheidungsrecht auskennen.
Aber all das soll nun für die Kirche nicht gelten, hier wären alle Experten und Laien gäbe es nur als entmündigte und bevormundete Christen. Lenin schreibt in seinem bekannten Werk: „Staat und Revolution“, daß in der kommunistischen Gesellschaft das Regieren so einfach werden wird, daß jeder regieren könne. Die Komplexität der Subsysteme verbietet eine solche Utopie.
Die Theologie ist nun als die Reflexion des Glaubens selbst ein komplexes Subsystem innerhalb des Systemes der Kirche, demgegenüber die Gläubigen Laien sind. Sie können so nur über eine Laienkompetenz verfügen. Auch durch den Empfang des Tauf- und des Firmsakramentes wird ein Christ nicht ein Glaubensexperte. Wie im Subsystem des Rechtes nicht jeder Laie ein Juraexperte sein kann und nicht sein muß, um dies System für sich nutzen zu können,so gilt das auch für das System der Kirche.Institutionen dienen auch der Entlastung des Einzelnen. (Gehlen)
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