Mittwoch, 17. Juni 2026

Ein Erklärungsversuch für die MIsere der heutigen Kirche und ihrer Theologie

 

Ein Erklärungsversuch der heutigen Kirche und ihrer Theologie


Erst in der heutigen Zeit,in der eine postmetaphysische Umformung des Christentums eingesetzt hat,will man eine rein menschliche Form von Christlichkeit hervorbringen, folglich möchte man die Gläubigen aus der vertikalen Spannungen entlassen,die vormals seine begründeten.“ Peter Sloterdijk1. Manfred Frank bestimmt die Differenz zwischen dem metaphysischen und dem nachmetaphysischen Denken prägnant so:“Denn wenn mit dem Tod Gottes das ganze Deutungs- und Sinnstiftungs- und Tröstungssystem des abendländischen Geistes zusammengebrochen sein soll,dann läßt sich ahnen, was der kleinste gemeinsamer Nenner all der seit 2500 Jahren den Menschen angebotenen Antworten auf ihre Sinn- Bedürfnisse gewesen ist: nämlich die Gewißheit einer übersinnlichen Welt.Und >Metaphysik<ist zunächst genau dies:die Gewißheit des Übersinnlichen. Deren Tod bedeutet für Nietzsche, daß die abendländische Philosophie als Platonismus und Christentum zu Ende ist“.2 Dieser Tod der Metaphysik kennzeichne das postmoderne Denken, das ein postmetaphysisches sei.

Die „vertikalen Spannungen“, von denen Sloterdijk schreibt resultieren aus der Differenz zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt in der Frage, wie denn der diesseitig lebende Mensch ein Bürger des Jenseits werden könne.Eine postmetaphysische Anthropologie kenne dann nur noch Menschen-verbesserungskonzeption für und innerhalb des Dieseitigen.

Sloterdijk sagt nun, daß die Umformung der Theologie in ein so bestimmtes Verständnis der Postmetaphysik schon stattfindet. Arnold Gehlen weist uns auf eine Spur, die uns diese postmetapysische Theologie aufzufinden hilft,denn sie ist schon da, auch wenn sie nicht unter dieser Flagge segelt:“Die Religion wurde,vor allem in den letzten Jahrzehnten, immer ausschließlicher bloß humanitär“,3 Sie wurde humanitaristisch.4

Diese Transformation in den Humanitarismus findet nun ihre Vollendung in dem Glauben an die Menschenwürde, die Menschenrechte und in dem Glauben an die eine Menschheitsfamilie, wobei dann Gott nur noch die Funktion zufällt, eine kontingente ergänzende Letztbegründung für diesen Humanitarismus zu liefern: Die Kirche verkündet so die Menschenwürde.

1Peter Sloterdijk, Menschenverbesserung, in: Nach Gott, 2017,S.226.

2Manfred Frank, Was ist Neostrukturalismus?, 1984, S.27.

3Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral, 1969, S.129.

4A.a,O. S.129.


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