Samstag, 20. Juni 2026

Über KI und Technik: Ein Annäherungsversuch

 

Über KI und Technik: Ein Annäherungsversuch



Als erstes wäre doch zu fragen, warum und mit welchem Recht dies überhaupt ein Thema der Theologie ist und zweitens wäre doch selbstkritisch anzufragen, ob den Theologen hier nur dilettantisch sich zu dieser Causa äußern können, da sie nun mal von Berufswegen her Geisteswissenschaftler sind, denen nun mal die Technik oft ein einziges Mysterium ist. Auch vermittelt weder die Diakonen- noch die Priester- noch die Bischofsweihe Kenntnisse über die Technik. So drängt sich doch der Generalverdacht auf, daß hier das Prinzip: „Was ich nicht verstehe, kann ja nicht richtig sein, denn sonst verstünde ich es ja!“ inflationär angewandt wird.

Aus der theologischen Perspektive ist aber dies zu sagen: Die Technik gibt es, da Gott dem Menschen den Auftrag gegeben hat, die Welt zu gestalten, sie sich ihm unterzuordnen. Die Welt ist so für ihn nicht eine perfekt eingerichtete, in der er dann seinen Platz einzunehmen hat sondern Gott gleicht hier eher einer Mutter, die ihrem Kinde viele Legobausteine zur Verfügung stellt mit dem Arbeits- oder vielleicht auch Spielauftrag: „Mache was daraus!“

Diesen Auftrag erteilte uns Gott vor unserem Sündenfall und so auch, bevor wir dem Schicksal, sterben zu müssen, unterworfen wurden. „Seid fruchtbar, vermehret Euch!“, dies Gebot Gottes, das erste, das er uns gab, diente so nicht der Erhaltung des menschlichen Lebens angesichts seines Sterbenmüssens sondern war dem Auftrage der Weltgestaltung subordiniert: Wie hätten den Adam und Eva allein zu zweit diesen Auftrag erfüllen können!

Uns Menschen ist nicht nur eine äußere Natur als unsere Gestaltungsaufgabe von Gott gegeben sondern auch eine innere, unser Körper, den die Seele als ein Teil der Natur auch als ein zu gestaltendes Objekt gegeben ist: das Ideal der Selbstbeherrschung.

Die Technik ist nun die Hervorbringung des Menschen, ohne die er diesem Auftrag nicht gerecht werden könnte. Die christliche Religion wie auch jede andere monotheistische setzt die Differenz zwischen dem Schöpfergott und der Welt als seine Hervorbringung, die somit entgöttlicht und säkularisiert wird. Die Welt wird so zu unserer Gestaltungsaufgabe, wird zum Material unserer Kreativität.

Zwei gravierende Probleme sind nun unübersehbar: An einer Aufgabe kann ein Mensch scheitern: Der noch so geschickt erbaute Legobausteinturm kann umfallen und statt mit diesen Steinen zu spielen kann der Bub sein Schwesterlein die an den Kopf werfen und er freut sich, wenn das kleine Mädchen weint, die ewige Heulsuse. Wie im Microkosmos des Kinderzimmers so im Macrokosmos der Welt. Hier ist, solange nicht unser Heiland wiederkommt, zu richten die Lebenden und die Toten, nichts Neues zu erwarten. Die Weltgeschichte hat viel gemeinsam mit dem wunderbaren Theaterstück: „Dinner for one“, das uns jedes Jahr zu Sylvester so beglückt.Gegen alle hysterischen Aufgeregtheiten empfiehlt sich eine aufmerksame Lektüre des Prediger Salomons!

Wir leben nun nicht einfach in der Welt sondern in einer bestimmt gestalteten, in einer Weltgesellschaft ob der Tendenz zur Veruniversalisierung des westlichen Gesellschaftsmodelles. In der modernen Arbeitswelt wird die Ersetzung der menschlichen Arbeitskraft durch technische Instrumente zu einer vorherrschenden Tendenz. Zur Veranschaulichung: Als die Züge noch um zu fahren, mit Kohlen beheizt wurden, mußten auf jedem Zug die Heizer ihren Dienst vollbringen, jetzt sind sie arbeitslos geworden: Die Züge fahren elektrisch. Jedes mehr an Technik in der Arbeitswelt macht bestimmte bisher notwendig von Menschen verrichtete Arbeiten überflüssig.

Nun muß aber jeder Bürger, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, einer Erwerbstätigkeit nachgehen in unserer modernen Gesellschaft, es sei denn, daß er so vermögend ist, daß er nicht zu arbeiten braucht. Die Technik in der Arbeitswelt führt nun dazu, daß immer weniger an gesamtgesellschaftlich für den Erhalt der Gesellschaft zu erbringenden Arbeit notwendig ist, daß so das Reich der Freiheit jenseits der der notwendigen Arbeit größer wird. Aber das führt auch dazu, daß viele Bürger keine Erwerbstätigkeit für sich mehr finden über den freien Arbeitsmarkt, 3 Millionen allein in Deutschland: Kann etwa zukünftig die Arbeitswelt auf die menschliche Arbeitskraft weitestgehend verzichten, sie überflüssig machen? Das ist die Alptraumvorstellung, die den Diskurs über KI so brisant und verängstigend gestaltet.

Es müssen doch Bereiche, Refugien geben, in denen der Mensch in der Arbeitswelt unersetzbar ist,damit ihm ein Überleben in ihr gewährt wird!“ Vielleicht ist M. Foucaults Votum vom Verschwinden des Menschen unphilosophisch als sein Überflüssigwerden in der Arbeitswelt realistischer als es den Bürgern der Moderne lieb sein kann. Kann die Arbeitswelt sich des Menschen als einer Arbeitskraft entledigen, ihn wegrationalisieren?

Das ist eine Frage, die die Theologie nicht beantworten kann! Sie muß aber darauf insistieren, daß jeder Mensch seinen Anteil an dem Weltgestaltungsauftrag haben soll und so ein Recht auf einen Beruf hat. Der Beruf muß aber nicht notwendig eine Erwerbstätigkeit sein. So ist nun mal der Beruf der Mutter der wichtigste Beruf, denn würde der nicht ausgeübt, stürbe die Menschheit in Kürze aus!

Die Technik ist so nicht an sich ein Problem für den Menschen sondern ein gesellschaftspolitisches, daß der Bürger arbeiten muß, um seinen Lebensunterhalt sich zu verdienen und daß die Ressource Arbeit ob der Technik in der Arbeitswelt immer weniger gefragt ist. Selbst kreative Arbeiten, etwa die Hervorbringung von Kunstwerken könnten KI-Programme übernehmen,


P.S. Ich kann mir aber die Anmerkung nicht verkneifen, daß von KI s geschriebene Politikerreden für ihre Hörer doch wohl ein Gewinn wären ob der Politikerredenqualität.

Corollarium 1

Das Projekt der Cyborgisierung ist nicht ein hybrischer Versuch daimonisch Besessener sondern nur die letzte Konsequenz des Naturgestaltungsauftrages Gottes.

Corollarium 2

Der theologische Diskurs über die  Technik und KI muß dem "subicite eam"  1.Mose, 1,18 = "subjektiviert die Welt"  gerecht werden. 

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