Sonntag, 23. August 2026

„allein vor Gott stehen“ - eine Kritik eines überspannten Antikatholizismus

 

allein vor Gott stehen“ - eine Kritik eines überspannten Antikatholizismus





Eine alte Dame (ich kannte sie sehr gut), deren Treue zur Institution von niemandem zu übertreffen war, wenige Jahre vor ihrem Tod, wie beiläufig: >Am Ende werde ich allein vor Gott stehen. Nur ihm muss ich dann Rechenschaft ablegen. Ganz persönlich. Kein Papst und keine Kirche kann mir dabei helfen.<" 1 Der in diesem Artikel gefeierte Philosoph Sören Kierkegaard hätte es nicht besser formulieren können.

Ein Verhängnis wäre es für die katholische Theologie und Kirche, brächten sie das Gespräch mit der Philosophie ab, um sich in einen abseitigen Biblizismus einzumauern,denn ohne die Wissenschaft oder die Weisheit des Denkens, die Philosophie kann die Theologie als das Denken über Gott nicht auskommen. Das in der Bibel Ausgesagte soll eben begriffen werden, sonst wäre der christliche Glaube kein menschlicher Glaube, von ihm vollzogener. Nur ist nicht jede Philosophie gleichermaßen geeignet für den katholischen Glauben.

Das gerade zitierte Bekenntnis ist ein durch und durch antikatholisches Bekenntnis, dem sogar Luther nicht hätte zustimmen können, denn so antikatholisch war nicht mal dieser Reformator.Denn nach seiner Lehre kommen uns Christen, wenn und wenn wir wirklich Jesum Christum glauben, seine Verdienste zugute, sodaß wir nur um seiner Gerechtigkeit und nicht um einer unserigen willen im Endgericht vor Gott Erbarmen finden können. Nackt, unbekleidet mit Jesu Christi Gerechtigkeit bestünde kein Mensch im Gericht Gottes.

Nach der katholischen Lehre kommt einem gläubigen Katholiken, steht er post mortem vor seinem göttlichen Richter, der Gnadenschatz der Kirche, die Verdienste Jesu und aller Heiligen zugute und alle für ihn gelesenen Messen und Gebete zugunsten des Verstorbenen. Nie steht er als Einzelner, nackt vor dem Richterstuhl Gottes sondern als Glied der Kirche bekleidet mit diesem Schutzmantel. Isb stehen wir als die Kinder unserer Himmelsmutter vor dem dreieinigen Gott und so nie ohne eine Hilfe. Keine Kirche könne uns helfen, das ist wirklich purster Antikatholiizismus.

Kierkegaard bekämpft eben laut diesem Communioartikel die Erkenntnis Cyprians, daß niemand Gott zum Vater haben könne, der die Kirche nicht als seine Mutter habe.

Prinzipieller gedacht: Wer denkt und das Gedachte artikuliert, gar verschriftlicht, kann dies nur tuen, indem er eine bestimmte Sprache dazu verwendet. Nicht verhält es sich dabei nun so, daß vorrangig wir in unserem inneren Denken unsprachlich denken könnten und daß wir dann nur unser eigentliches Denken in eine bestimmte Sprache formten, um mit anderen kommunizieren zu können, unser Denken also so vermitteln. Einen Gedanken können wir nur in einer bestimmten Sprache, ohne eine bestimmte Sprache denken, ohne sie, in meinem Falle die deutsche, könnte ich keinen einzigen Gedanken denken.

Das System der deutschen Sprache ermöglicht mir so erst, individuierte Gedanken zu denken. Schachspielen kann nur, wer das Regelsystem dieses Spieles kennt. Es determiniert nun nicht die Spielzüge eines Schachspielers sondern ermöglicht ihm erst, sinnvoll Züge kontingente, frei gewollte vollziehen zu können. Das Allgemeine ist so nicht etwas dem Individuieren, dem Einzelnen oppositionell Entgegengesetztes sondern erst der Ermöglichungsgrund eines individuellen Lebens.

So geht auch der Glaube der Kirche dem Glauben des Einzelnen voraus, ermöglicht einen persönlichen Glauben als individuierende Aneignung des Glaubens der Kirche. Selbst in unserem intimsten Denken denken wir, in meinem Falle in der deutschen Sprache und partizipieren so an diesem Allgemeinen, das meinem Privatdenken vorrausliegt.

Kierkegaards Philosophie kann nur in einer Zeit entstehen, in der der Mensch von sich selbst völlig entfremdet ist und in der diese Entfremdung als ein unaufhebbares Schicksal mißverstanden wird, daß jeder Einzelne nur als ein Einzelner existiert und nie zu einem Gemeinschaftsleben finden kann, da er in seiner Selbstisolation verharrt. Für dies Denken kann es weder die Ordnung der Ehe, der Familie, des Volkes noch die der Kirche geben, da sich hierin jeder,wenn er sich im Sinne Kierkegaards versteht, in sich selbst abschließt von allem Gemeinschaftlichen. Aber da er nun denkt, gar philosophisch kann er dieses nur, indem er an dem Anteil nimmt, einer bestimmten Sprache, die er dann im Denken ableugnet. 

Zusatz: 

"Das Christentum, schreibt Kierkegaard, ist >keine Lehre, sondern eine Existenzmitteilung<".Damit sagt dieser Philosoph , daß Jesus nicht gelehrt habe, und daß Jesus so schon im Neuen Testament völlig mißverstanden wurde, da hier von seiner Lehre geschrieben wird, als Genetivus subjectivus: Er lehrte und als Genetivus objectivus, daß über ihn gelehrt wurde. 



1 Communio 23.8.2026 :Der Einzelne: Sören Kierkegaards bleibende Herausforderung.

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