Sind wir Christen Bürger zweier Heimaten, mit einem Doppelpaß ausgestattet?
Was dächte man über eine Frau, die gleichzeitig mit zwei Männern verehelicht wäre, oder einem Diener zweier Herren? Sind nicht zwei einer zu viel, sodaß sie nur den einen lieben würde, den Anderen aber nicht oder gar keinen liebte? Gälte das nicht auch so für den Diener zweier Herren?
Mariae Himmelfahrt bezeugt uns, daß sie in ihrer Heimat, dem Himmel aufgenommen worden ist und daß sie nun da auch mit ihrer hl. Familie wiedervereint ist, ihrem Sohn und ihrem Mann. Aber sie hatte auch eine irdische Heimat , daß sie eine Jüdin war, dem Volke Israels angehörte, dem Geschlecht der Frauen zugehörig war. Sie war auch in ihr Volkstum und in ihr Geschlecht eingeheimatet. Diese Doppeltheit einer Beheimatung, unsere irdische wie auch die unserer himmlische ist nun eine Bestimmung jedes Menschen, auch derer, die ihre himmlische nicht kennen oder kennen wollen.
Nur, ist das nicht ein Zuviel an Heimat? Entsteht daraus nicht die Gefahr,
entweder um der irdischen die himmlische zu vernachlässigen oder
um der irdischen die himmlische oder
daß beide Heimaten vernachlässigt werden, da wir uns in beiden nicht ganz beheimatet wissen?
Beiden Heimaten nun gerecht zu werden, so vernünftig das auch klingen mag, evoziert doch wahrscheinlich den Verdacht einer lauen Liebe zu beiden, daß uns dann Jesus zuriefen müßte: „Wenn Du doch heiß oder kalt wärest, statt daß Du lau beiden Heimaten Dich verbunden fühlst.“
Wir Christen sind uns als Christen dieser doppelten Beheimatung bewußt, aber es gibt gerade für uns dann auch keine entspannte friedliche Lösung für diese zweifache Berufung, daß wir sowohl der himmlischen wie auch der irdischen verpflichtet sind. Positiv gewendet markiert das unsere innere Lebendigkeit.
Aktuell scheint die Parole der Entheimatung die Tagesparole der Kirche zu sein: Nietzsches Mahnung zur Treue der Erde gegenüber wird so viel Gehör geschenkt, daß unsere jenseitige Bestimmung zu einer Marginalie degradiert wird. Auf der anderen Seite wird die irdische Beheimatung, die immer eine in ein bestimmtes Volkstum ist und somit auch unweigerlich eine politische mit sich führt, aus rein politischen Gründen reprobiert: Volk, Heimat und alle Vorstellungen, die dazu gehören, verstoßen gegen die Dogmen der Politischen Korrektheit, denen sich die Kirche gänzlich unterworfen hat als der öffentlichen Religion unserer postchristlichen Gesellschaft. Dabei ruft uns Gott selbst in diese seine Schöpfungsordnung selbst hinein als unsere eigenste Bestimmung: „Sei, als was Dich Gott erschaffen hat- als Frau oder Mann, als Deutscher oder Russe oder Perser .“
Nun kann aber jedes Bestimmtwordensein, gerade auch das von Gott her und somit Schicksalhafte als ein unsere Freiheit unzulässig Limitierendes empfunden werden. Um der Freiheit willen soll unsere ganze Existenz sich auflösen in freie Selbstbestimmungsakte: „Ich will nur sein, wozu ich mich selbst bestimme!“ Die Genderideologie, daß jeder sein Geschlecht austauschen könne und dürfe wie seine Kleidung und seinen Kleidungsstil markiert dabei nur das Extrem dieses puren Selbstbestimmungswillens. Daß jeder Mensch seine Volkszugehörigkeit abwerfen könne wie ein Paar ausgetretender Schuhe, um sich neue zu erwerben, dieser Irrglaube determiniert die Politik der „Offenen Grenzen“, wie sie die Bundeskanzlerin Merkel vorexerzierte und die nun zu der Normvorstellung der Kirche avanciert ist. Jeder Mensch soll keine Heimat mehr haben, damit er als Heimatloser wie ein Nomade überall auf dem Planeten Erde seine Zelte aufschlagen könne, ohne je wirklich wo beheimatet zu sein.
Zusatz
Es ist nicht so, als wenn allein die Interaktion des Gläubigen in und mit der Welt bzw der Theologie mit ihren wechselnden Kontexten das Leben ausmachten, als gäbe es nicht eine innerliche Lebendigkeit etwa in der Theologie, theologieinterne Fragen zu lösen. Aber unsere christliche Existenz kann nun nie eine ruhige sein, denn sie ist einer Doppelbestimmung unterworfen und keine darf um der anderen willen abgelehnt oder auch nur vernachlässigt werden. Dies ist nun aber gerade auch die uns eigene innere Lebendigkeit.
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