Montag, 24. August 2026

Jesus begegnen – aber Nein zu seiner Lehre sagen!

 

Jesus begegnen – aber Nein zu seiner Lehre sagen!





>Das Christentum<, schreibt Kierkegaard, ist ">eine Lehre, sondern eine Existenzmitteilung<“. Zur Wirkungsgeschichte: „Zum ersten Teil der Wendung findet sich (bevor es zur Phrase gerann) auch bei wichtigen katholischen Theologen wie Hans Urs von Balthasar, Karl Rahner oder Joseph Ratzinger ein Echo: Kein abstraktes Regelwerk habe Jesus verkündet, sondern er selbst, als Ereignis, sei die Botschaft, bei welcher alles auf lebendige >Begegnung<ankomme“1



Fast die gesamte Theologiegeschichte der Kirche wird damit als ein einziger Irrtum abgetan. In liberalen Kreisen, nicht nur bei dem liberalen Theologen Adolf von Harnack bekommen wir mitgeteilt, daß der erste Irrtum der Kirche der gewesen wäre, aus dem lehrenden Jesus von Nazareth eine Lehre über ihn zu produzieren, denn er selbst gehöre gar nicht in die Lehre, sondern er habe nur etwas über...gelehrt und nichts über sich selbst. Aber im Ungeiste dieses Philosophen geht man weiter: Jesus habe auch nicht gelehrt, sondern er sei nur Menschen begegnet, und das sei das eigentliche Heilsereignis.

Antiintellektualistisch gestimmt wird dabei Lehre, als ein „abstraktes Regelwerk“ denunziert, der lebendigen Begegnung entgegengestellt. Das hat nun zur Folge, daß der Sohn Gottes auch nichts außer sich als uns Begegnenden offenbart, sodaß es gar keine auf seine Offenbarung fußende Lehre geben könne.

Die Intention dieser Liquidierung der Lehre Jesu Christi, als Genitivus subjektivus, was er lehrte und als Genitivus objektivus zu lesen, was über ihn gelehrt wird, ist klar: All das darin uns Modernen Anstößige und nicht mit den Dogmen der Moderne Kompatible soll aus der Kirche exkommuniziert werden. Jesu Weltbild sei eben doch so voraufklärerisch antik, daß es für uns Heutigen einfach irrelevant sein kann.

Was unterscheidet denn nun ein Begegnungsgeschehen mit Jesu von der Alltagsphrase: „Schön, Dich mal wieder gesehen zu haben“? In einem emphatischen Sinne verstanden könnte an die Begegnung zweier füreinander Bestimmter in dem Genre des Liebesfilmes gedacht werden: Sie erkennen sich als füreinander Bestimmte, ihre Begegnung ist ihr Schicksal.2 In einem humanistischen Sinne meint die Begegnung eher der Akt des sich wechselseitig Anerkennens. Das: „Du bist in Ordnung und ich bin in Ordnung“ spiegelt der mir Begegnende wieder: „Auch Du bist in Ordnung und auch ich!“ Das sei dann die Quelle allen humanen Miteinanderumgehens.

Daß Jesus ein Heilswerk für uns gewirkt habe, uns etwas offenbart hat, daß nur wahr ist, weil er es in der Autorität des Sohnes Gottes gelehrt habe, ist damit völlig ausgeschlossen.

Das einstige Heilsvermittelungsinstitut der Kirche wird so zu einem Orte des Sichbegegnens und der geselligen Kommunikation, in der es nicht auf den Gehalt des Kommunizierten ankommt sondern allein darauf: Hauptsache, wir haben miteinander, wo rüber auch immer,geredet.

Ideengeschichtlich ordnet sich diese Begegnungs-philosophie etwa Bubers und Levinas und der ihr folgenden Theologien ein in die rabiate Abkehr von der Philosophie des deutschen Idealismus, etwa der Wissenschaftslehre Fichtes und der Philosophie Hegels, in deren Nachfolge dann auch Karl Marx stand hin zum Subjektivismus, den Georg Lukacs in einer polemischen Überspitzung als die Zerstörung der Vernunft kritisierte, aber dabei doch eine objektive Tendenz dieser Zeit erkennt, daß der Vernunft immer weniger zugetraut wird, die Wahrheit zu erkennen.

Ein solcher Vernunftskeptizismus muß sich nun auch verheerend auf die Theologie auswirken, wird doch dem Denken an sich, und somit auch dem theologischen die Befähigung zum Erkennen abgesprochen. 

Der christlichen Religion liegt die große Erzählung von Gottes Schöpfung, dem Fall des Menschen und wie Gott ihn erlösen will durch das Erösungswerk Jesu Christi zugrunde. Damit diese Erzählung begriffen wird, muß sie in eine Lehre transformiert werden, die das Ganze begreift und so in die Lehre aufhebt und somit ihre Wahrheit zum Ausdruck bringt.



1 Communio 23.8.2026 :Der Einzelne: Sören Kierkegaards bleibende Herausforderung.

2Wunderbar in Szene gesetzt in der Erstbegegnung zwischen Laura und Alexander in der ersten Folge von: „Sturm und Liebe“.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen