Dienstag, 31. März 2026

Das „wahre Konzil“ und das „Konzil der Medien“- oder: „Das Konzil und der Kampf um die Deutungshoheit“1.

 

Das „wahre Konzil“ und das „Konzil der Medien“- oder: „Das Konzil und der Kampf um die Deutungshoheit“1.

Papst Benedikt XVI hätte es auf den Punkt gebracht: „Es gab das Konzil der Väter, das wahre Konzil, aber es gab auch das Konzil der Medien.Es war fast ein Konzil für sich,und die Welt hat das Konzil durch diese, durch die Medien wahrgenommen...Und während das Konzil der Väter sich innerhalb des Glaubens vollzog...entfaltete sich das Konzil der Journalisten natürlich nicht im Glauben, sondern in den Kategorien der heutigen Medien, also außerhalb des Glaubens,mit einer anderen Hermeneutik. Es war eine politische Hermeneutik: Für die Medien war das Konzil ein politischer Kampf,ein Machtkampf zwischen verschiedenen Strömungen in der Kirche. Selbstverständlich haben die Medien für jene Seite Partei ergriffen, die ihnen zu ihrer Welt am besten zu passen schien.“2

Diese antithetische Gegenüberstellung von dem wahren Konzil und dem der Medien erscheint plausibel, aber hält sie einer kritischen Nachfrage auch stand? Wenn dem so wäre, wie konnten dann die Medien aus dem Konzil, wie es wirklich gewesen war, etwas so völlig anderes machen und warum gelang es dann nicht, eine angemessene Darstellung des Konziles gegen die Medien durchzusetzen? Daß die Medien eine politische Kommentierung des Konziles bevorzügten, da für sie ein Konzil nur ein Ort kirchenpolitischer Machtkämpfe sein könne,impliziert ja nicht, daß sie über die Ergebnisse dieser vermeintlichen Machtkämpfe falsch berichten müßten. Ganz ungeklärt bleibt dabei dann noch die Frage, wieso denn die Medien so kirchenfeindlich eingestellt berichteten, besser das wahre Konzil verfälschten.

Außerdem müßte angefragt werden, ob nicht schon innerhalb des 2.Vaticanums die Konfliktparteien ihre Kontroversen (kirchen)politisch wahrnahmen, daß da die Progressiven wider die conservativeren Bewahrer kämpften?

Die Priesterbruderschaft St.Petrus führt nun eine Dauerkontroverse mit der St.Piuspriesterbruderschaft über die Deutung des 2. Vaticanums, wobei sie lehren,daß das Konzil uneingeschränkt zu bejahen sei und daß alles dem Konzil negativ Angelastete nur Hervorbringungen hervorgerufen durch (absichtliche)Fehldeutungen dieses Konziles seien. Nur, warum konnten dann die Texte des Konziles so wider ihre eigentliche Intention mißinterpretiert werden und wie kam es dazu, daß diese Fehldeutungen die die universitäre Theologie dominierenden werden konnten?

Das klingt,mit Verlaub gesagt, durch alles nach einer zu simpel gestrickten Verschwörungstheorie. Pathetisch heißt es dann gar in diesem Informationsblattartikel: „Auch wenn dieses Konzil vornehmlich eine pastorale Ausrichtung hatte, enthält es doch wichtige Fortschritte der katholischen Lehre.“3 ,ohne uns zu informieren, worin denn diese gewichtigen Fortschritte bestünden. Das evoziert zudem die Kritik, ob es denn überhaupt in der Theologie Fortschritte geben könnte,wenn es doch in der Theologie primär darum geht,offenbarte Wahrheiten zu explizieren, so wie eine Hebamme das Kind zwar zur Welt bringen verhilft, es aber doch nicht selbst erschaffen hat.Über den hier verwendeten Fortschrittsbegriff wäre ein klärendes Wort nötig,mehr als nötig gewesen.

Weiter heißt es dann in diesem Text: „Wenn man das Zweite Vatikanische Konzil endlich ernst nehmen würde, eröffnete sich eine neue missionarische Sicht auf die Kirche,´die den Menschen nichts Anderes bringen will als Chrisus.“4 Nun ist es eine Tatsache, daß die Kirche ihre missionarische Tätigkeit vollständig eingestellt und stattdessen nur noch diakonisch tätig ist, isb substituiert sie in den einstigen Ländern ihrer Missionstätigkeit die Mission durch ihre Entwickelungshilfe im Kontext des interreligiösen Dialoges, daß alle Religionen sich für eine Humanisierung der Welt engagieren.

Zu fragen ist nun, ob diese Einstellung eine Frucht des 2.Vaticanumes ist. Als Kandidat kommt diesbezüglich die „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen >Nostra aetate<“ in Frage. Der Befund. In jeder Religion kann ein Mensch das Heil erlangen, insofern er das in ihr an Wahrem praktiziert und wenn Gottes Gnade das Fehlende dann ergänzt. Selbst ein Atheist kann so, folgt er nur seinem Gewissen, das Heil erlangen.Das ist nun selbst eine sehr problematische Auslegung des Petrus Abaelardus zugeschriebenen Votums: „Dem,der tut,was in ihm ist, versagt Gott nicht die Gnade“= Facienti quod in se est,Deus non denegat gratiam“ .

Ein der Theologie innewohnende Widerspruch artikuliert sich hier, daß einerseits an dem universalistischen Heilswillen Gottes festzuhalten ist, sodaß jeder Mensch eine Möglichkeit gegeben sein müsse, das Heil zu erlangen und daß andererseits das Heilsmittel, Jesus Christus und die Kirche nur partikular für Menschen erreichbar war und ist. Können Menschen, sagen wir mal unsere germanischen Vorfahren: Hatten die eine Möglichkeit, das Heil zu erlangen, bevor sie christianisiert wurden? Wenn es dazu eine Möglichkeit gibt etwa im Sinne des Petrus Abaelardus, dann gab es die und gibt es sie noch jetzt. Oder sollte Gott nach Christi Geburt alle bisherigen Wege zum Heil als ungültig erklärt haben, da es nun nur noch den christlichen geben soll? Wird nicht eine solche Ungültigkeitserklärung durch Gott angenommen,dann sind auch nach Christus alle Religionen Wege zum Heil und selbst ein Atheist ist nicht notwendig vom Heile ausgeschlossen.

Das ist dann, wenig überraschend das Ende der Mission. Der der christlichen Religion innewohnende Widerspruch zwischen der Aussage, daß nur die wahre Religion der Weg zum Heile der Menschen ist und das Insistieren auf den universalistischen Heilswillen Gottes bedrängt das theologische Denken, eine Lösung zu finden.Mit dem 2. Vaticanum hat nun die Lösungsstrategie, die um des Heilsuniversalismus willen die christliche Religion und die Katholische Kirche als den einzigen Weg zum Heile relativiert, die Oberhand gewonnen. Wenn aber so jede Religion ein Weg zum Heil ist und selbst der Atheismus nicht vom Heile ausschließt, dann ist damit der Mission ihr Fundament entzogen.

Das ist nun wahrlich nicht ein Ergebnis eines Konziles der Medien sondern das Ergebnis einer Lektüre der Texte des 2. Vaticanumes,die „Nostrae aeate“ zu dem Haupttext aufwertet, die so alles über die Mission als der Aufgabe der Kirche entwahrheitet. Wenn dann noch die Erklärungen zur Religionsfreiheit und Gewissensfreiheit von „Nostrae aetae“ gelesen werden, erzwingt das eine völlige Relativierung des Wahrseins der christlichen Religion und ihrer Kirche.





1Informationsblatt der Priesterbruderschaft St.Petrus, 4/2026, S.14-16.

2a.a.O. S.14.

3a.a.O. S.15.

4A.a. O. S.16.

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