Sonntag, 22. März 2026

Deregulierung- die Wunderwaffe gegen alle Mißstände in der Welt auch in der Kirche und der Politik?

 

Deregulierung- die Wunderwaffe gegen alle Mißstände in der Welt auch in der Kirche und der Politik?



Keine Kampfparole kommt ohne ihr Feindbild aus, in diesem Falle erfreut sich der Terminus der Bureaukratie größter Beliebtheit: Die Wirtschaft und überhaupt wir alle als Bürger leiden an einem Zuviel an bureaukratischen Vorschriften: Das Leben würde durch sie geradezu stranguliert. So müsse ein rabiater Vorschriftenabbau initiiert werden. Bertold Brechts kluge Bemerkung, daß schlechte Zeitungen kein Argument für deren Abschaffung sondern für dessen Verbesserung seien, finden in (neo)liberalen Zeiten wenig Gehör, daß also nicht die Vorschriften das Übel an sich seien sondern deren Qualität.

Einst lebten wir Menschen unsere Sexualität oder für romantisch Eingestelltere die Liebe unreglementiert natürlich, bis daß sie zum Opfer einer Moralbureaukratie wurde, die in ihrer Reglementierungslust alles und jedes verbot, was den Menschen eine Freude bereitete. Die Euphorie für die Ethnologie verdankte sich der Sehnsucht nach noch natürlich lebenden Völkern, die unreglementiert noch glücklich leben konnten in ihrer freien „Liebe“.

Im Bereich der Politik triumphiert nun auch das Projekt der Deregulierung: Die USA und Israel legen das Völkerrecht als verstaubt ad acta,indem sie nun einfach das natürliche Faustrecht repristinieren: Dem Mächtigen ist alles erlaubt,nur Schwache müssen sich an die von den Mächtigen ihnen diktierten Vorschriften halten. Das Völkerrecht erlaubt den Krieg als ein Mittel der Politik gemäß der auch von der Kirche bejahten Lehre vom „gerechten Kriege“. Der jetzige Angriffskrieg gegen den Iran ist eindeutig nicht durch das Völkerrecht legitimierbar und auch seine Befürworter bestreiten das nicht, wie etwa Kath net: Aber im Kampf gegen das Böse sei eben alles erlaubt! Wir erleben so das Ende der Epoche der regulierten Weltpolitik. Allerdings müssen die Nichtmächtigen weiter an Gesetz und Ordnung sich halten, nur die Großen nicht.

Das verleitet nun zu dem Bedenken, ob etwa eine Deregulierung der Wirtschaft: Mehr freier Markt, weniger staatliche Vorschriften auch nur den Mächtigen zu Lasten der Schwächeren dienen wird.Den auch in den zwei anderen Bereichen, dem der Sexualität und dem der Politik führt eine Deregulierung doch nur zum (natürlichen)Recht des Stärkeren.Wer die Macht hat, den Anderen zum Sex zu zwingen, darf das, so lautet das Credo des Radicalaufklärers de Sade und wer die Macht hat,Kriege zu führen in der Hoffnung, sie auch zu gewinnen, darf sie auch führen.

Im Raume der Theologie und Kirche sollte es so auch jedem freigestellt werden,zu glauben, was er wolle, solange nur die Kirchensteuer bezahlt wird.Eine solche Deregulierung der Theologie ist so nun doch das Kernanliegen der liberalen Theologie und der Kirchenreformer. Am besten wäre doch die gänzliche Abschaffung der Morallehre, sodaß der Christ nur die staatlichen Gesetze zu befolgen hätte, die als demokratisch gesetzte die einzig legitimen seien.

Daß das Recht des Stärkeren, der menschliche Naturzustand, den es faktisch aber nie gab, da wir unser Leben immer kulturell gestaltet haben, der Idee des Gemeinwohles dysfunktional gegenübersteht, ist offenkundig, da die Recht das des Egoismus ist.

Daß Regeln und Vorschriften dem Ziele einer vernünftigen Regulierung dienen sollen, auch wenn dann nicht alle Gesetze dem gerecht werden, darf nicht vergessen werden im Taumel der Begeisterung für das Ideal der Deregulierung.Unreguliert zu leben, ist eben unvernünftig. Gott selbst hat ja aus Liebe zu uns Menschen die Gebote und Satzungen gegeben, damit wir gut leben können, nicht um uns zu bevormunden. Und dieser Gott regiert uns auch durch die staatlichen wie durch die kirchlichen Gesetze und Vorschriften, was aber leider nicht ausschließt, daß schlechte Gesetze gegeben werden können, die dann aber es gilt, sie zu verbessern, statt von einer Gesetzeslosigkeit zu träumen.







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