Mittwoch, 11. März 2026

Angesichts des Relevanzverlustes der Kirche und der christlichen Religion: Wozu dann noch die Theologie nützlich sein könnte

 

Angesichts des Relevanzverlustes der Kirche und der christlichen Religion: Wozu dann noch die Theologie nützlich sein könnte



Ein Schreckgespenst geht um in den theologischen Fakultäten: Fast keiner will mehr Theologie studieren und was die universitäre Theologie an wissenschaftlichen Erkenntnissen noch produziert, wird außerhalb der Theologie nicht mehr rezipiert,und selbst innertheologisch kaum noch wahrgenommen. Wie kann sich da die Theologie als eine Disziplin an den staatlichen Universitäten noch legitimieren, daß sie für irgendwas noch eine Relevanz besitzt?

Der „feinschwarz“-Arikel: „Politische Theologie am Tag der Krise“ vom 7.März 2026 will auf diese bedrängende Frage eine Antwort geben: Die Theologie könne sich nur noch als eine politische Theologie legitimieren! So lautet dann die Hauptthese dieses Artikels:„Der liberale Staat kann sich am Tag der Krise nicht selbst retten, ohne seine Liberalität zu verraten. Er ist auf Kultur und Religion als außerstaatliche Sphären der Freiheitsbildung angewiesen. Dass von Kultur und Religion allerdings eine Affirmation liberaler Freiheit ausgehen, ist alles andere als selbstverständlich. Entscheidend ist daher, ob Religion selbst auf Seiten der Freiheit oder der Herrschaft steht.“

Sarah Rosenhauer ist die Autorin dieses Artikels.Klar erkennt sie die Krise des „liberalen Staates“, der gleichgesetzt wird mit dem politischen System Deutschlands. Die Krise ist seine Kritik durch rechtspopulistische, rechte und rechtsextremistische Kräfte, die in der letzten Zeit bei Landags- und Bundstagswahlen reüssierend und zwar so sehr, daß eine echte Gefahr für den „liberalen Staat“ Deutschlands existiere. Ganz alarmistisch wird so vor einem neuen „Faschismus“gewarnt: Alles müsse unternommen werden, um diese Gefahr zu bannen. Der „liberale Staat“ könne sich nun nicht selbst hinreichend vor dieser rechten Gefahr schützen, sondern bedürfe dazu einer antifaschistischen Kultur und insbesondere einer politischen Theologie, die den „liberalen Staat“ wider seine Feinde verteidige. Dabei könnte die Religion als eine falsche sich gegen die Freiheit, den „liberalen Staat“ stellen oder sich affirmativ zu ihm in Stellung bringen. Wenn die Theologie nun die Religion zu einer den „liberalen Staat“ affimierenden gestaltet, wird sie zur politischen Religion, die so ihrer Relevanz beweist. Sie soll so eine für den Staat relevante Leistung erbringen und dadurch sich als eine systemrelevante legitimieren.

Das Feindbild, das nun dieser Artikel in erschreckendsten Bildern ausmalt, zeichnet sich nicht durch seine Orginalität aus, verbleibt im Üblichen der politischen Korrektheit. Von Carl Schmitt hat man dabei gelernt, daß für den politischen Diskurs die Aufgabe der Bestimmung des Feindes die wesentliche ist.So wird dann die apologetische Aufgabe der Theologie so erfaßt: Die „Politische Theologie in Solidarität mit dem Liberalismus im Augenblick seines Sturzes“:“Angesichts der Krisen, Widersprüche und Paradoxien einer in Freiheit gegründeten Ordnung, kann die politische Funktion von Religion nicht darin liegen, eine bloße Apologie des Liberalismus zu formulieren. Ebensowenig aber darin, im Stil des Neo-Integralismus göttliche Wahrheiten und daraus abgeleitete göttliche Gesetze an die Stelle autonomer Sittlichkeit zu setzen und daraus das religiöse Fundament einer postliberalen „Sittendiktatur“ zu bilden.“ Eine Apologie des Liberalismus müsse also die teilweise berechtigte Kritik am Liberalismus in sich integrieren, denn nur so könne sie wirklich ihrer Verteidigungsaufgabe gerecht werden. Reprobiert müsse dabei die Vorstellung, es gäbe“göttliche Wahrheiten und daraus abgeleitete göttliche Gesetze“, denn das seien nun einmal mit der Konzeption des „liberalen Staates“ unvereinbare Ideen. Dazu wird nun die Hauptthese der neuen politischen Theologie formuliert: „Die politische Bedeutung von Religion besteht nicht darin, als Verkündungs- und Durchsetzungsinstanz göttlicher Wahrheit und göttlicher Gesetze zu fungieren: Wir müssen uns unsere Ordnung selbst geben und sie selbst verantworten; es gibt kein natürliches oder göttliches Gesetz, das uns diese Verantwortung abnimmt.“ Gott habe uns nämlich zur Freiheit bestimmt, daß wir Menschen selbst uns unsere Ordnung autonom zu setzen hätten.

Die postliberalen Staatsordnungsmodelle setzten das Gemeinwohl als das oberste Ziel und gefährdeten so die inhdividuelle Freiheit: „Der zentrale Zweck der Verfassungsordnung liegt (gemeint sind die antiliberalen Staatskonzeptionen) hier in der Förderung des Gemeinwohls und nicht – wie im liberalen Staat – im Schutz individueller Freiheit.“ Die wahre politische Theologie habe so den „liberalen Staat“ gegen so geartete Gemeinwohlkonzeptionenzu verteidigen. Das ist nun angesichts der sozialpolitischen Krise, in der eben nicht nur Ostdeutsche so hohe Anforderungen an den Sozialstaat stellen, ein einsichtiges Anliegen des politischen Liberalismus, vulgär ausgedrückt: „Das gemeine Volk hat den Gürtel enger zu schnallen, statt eine Vollversorgung vom Vater Staat zu verlangen.“

Die politische Theologie soll also rein affirmativ sich zum jetzt so wie er ist bestehenden Staat verhalten und alle Kritik zurückzuweisen, aber doch offen zu sein für einige Korrekturen an der liberalen Staatsordnung. Das Zentralvorhaben dabei habe der Verneinung von irgendwie aus Gottes Offenbarung abgeleiteten Ordnungen und Gesetze zu sein, denn Gott habe uns zur Autonomie bestimmt.Das sei eben eine falsche politische Theologie, etwa die des Neointegralismus und aller fundamentalistischen Versionen. Nur die liberale Theologie mit ihrem Ja zum „liberalen Staat“ sei eine wahr politische Theologie, die so systemrelevant sei, daß sie auch weiterhin staatlich zu protegieren sei.



Nun schaut dieser Artikel nicht über den Tellerrand der innerdeutschen Diskurse hinaus, sonst könnte in ihm auch der Krieg der Freiheit gegen den fundamentalistisch regierten Iran gefeiert werden. 

 

Zusatz:

In den 80er Jahren versuchte der "Kommunistische Bund" mit der These, ein neuer Faschismus stünde bei uns direkt vor der Haustüre, zu reüssieren, jetzt gehört das zum Standardrepertoire des Kampfes gegen Rechts. 





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