Dienstag, 10. März 2026

Zwischen Weltbejahung und Weltverneinung – einer der faszinierendsten und tiefgründigsten Texte der hl.Schrift

 

Zwischen Weltbejahung und Weltverneinung – einer der faszinierendsten und tiefgründigsten Texte der hl.Schrift



Ein Kaplan scheiterte an diesem Text, dem sogenannten „Johannesevan-geliumsprolog, Joh, 1,1 – 18. Weitläufig entschuldigte er sich in seiner Predigt dafür, daß ein solch fast schon „philosophisch“ entarteter Text im Neuen Testament stünde, um dann seine Predigt doch noch halten zu können, indem er behauptete, dem Text liege ein Jesushymnus zugrunde,sodaß er dann über die Bedeutung des Singens sich ausließ und kein Wort mehr über diesen „entarteten“ Text verlor. Unglücklicherweise sollte er dann am Gedenktag des hl. Thomas wieder über diesen Text predigen, unterließ das dann aber mit der Entschuldigung, er hätte in den letzten Tagen so viel zu arbeiten, daß er keine Predigt dazu geschafft hätte.

Es kann nun hier nicht der ganze Prologtext erörtert werden, bildet er doch selbst schon die Quintessenz des ganzen Evangeliumes in einer Konzetratform, sondern nur eines seiner wesentlichen Momente und zwar die Aussage: „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen.“ (1,5). Jesus Christus ist das „Licht“ und die Welt ist die „Finsternis“, Wie ist diese Aussage zu begreifen?

Für das griechische Denken ist der Kosmos, die Welt das Schöngeordnete, also eine lichterfüllt Welt. Der Begriff der Kosmetk ist ja ein Derivat des Begriffes des Kosmos und meint, daß isb Frauen sich gemäß der Analogie des Makrokosmos zum Mikrokosmos, dem Einzelmenschen schön geordnet gestalten. In einem so aufgefaßten Kosmos ist ein Licht, das die Welt erleuchtet, völlig überflüssig, Jesus trüge Tauben nach Athen.

Für das alttestamentliche Schöpfungsverständnis gilt das ebenso: Gott erschuf die Welt so gut, daß sie gar transparent ist für den Urheber seiner Schöpfung. Alle Gottesbeweise fundieren sich in diesem Schöpfungserständnis, daß aus der geschaffenen Natur Gott in seinem Werk zu erkennen ist.

Der Johannesprolog konfirmiert nun doch auch dieses: Wenn alle Dinge durch den Logos erschaffen worden sind, dieser die Vernunft und das Licht ist, wie könnte dann das so Erschaffene ein Ort der Finsternis sein, der der Erhellung durch das Licht, den Sohn Gottes beürfte. Wie verfinsterte sich der Kosmos? Wenn die Welt der Raum der Finsternis ist und nur die Kirche, die Menschen, die das Licht aufnahmen, der Ort des Lichtes ist, dann muß ja notwendigerweise die Kirche ihr „Nein“ zur Welt sagen, denn sie ist ja nur eine Finsternis, die sich nicht erhellen lassen will.

Eingedenk der exegetischen Erkenntnisse Bultmanns, die man nicht unterschätzen sollte, da sie nun ob des christlich- jüdischen Dialoges in Mißkredit geraten sind: „Alles Neutestamenliche sei rein jüdisches, danach kam aber der Sündenfall der Verhelenisierung des Urchristentumes, bis die Kirche gar zu philosophieren anfing, könnte der Dualismus der finsteren Welt und des göttlichen Lichtes auf den Dualismus eines Schöpfergottes, eines Demiurgen zu dem Erlösergott zurückgeführt werden, daß der Erlöser unsere Seelen aus der Materie, in der sie gefallen und gefangengenommen sind, erlöst, sie heimführt in die Heimat des Lichtes.

Aber wenn diesem Johannestext dieser gnostische Dualismus zugrunde läge, wäre er durch durch die antignostische Aussage, daß alles durch den Logos erschaffen worden sei, widerlegt. Wie kann also die Welt die der Finsternis geworden sein, die der Erhellung durch das Licht bedarf?

Zwei Optionen sehe ich als denkbare an; Der Sündenfall wird hier radicaler gesehen als es im Alten Testament üblich ist: Durch den Sündenfall ist die ganze Welt die Welt der Finsternis geworden. Alles an sich Wahre, Gute und Schöne ist in ihr völlig unerkennbar geworden ob der Finsternis, die sie gänzlich ausfüllt. Die andere Möglichkeit ist die, daß die Welt, gerade indem sie sich dem Lichte verschloß, erst zur Welt der Finsternis geworden ist. Die,die Wahrheit nicht aufnehmen, erschaffen sich selbst erst diese Welt der Finsternis.

Ist die Welt noch die gut geordnete schöne, sodaß der Gläubige in dem Licht Jesu Christi sie so wahrnimmt, wie sie wirklich ist, nur dem Ungläubigen ist sie eine der Finsternis oder ist sie real finster, sodaß wir Christen möglichst zu ihr in Distanz gehen sollten, damit sich unser Licht nicht selbst verfinstert? Die Option der Weltbejahung ergibt sich aus dem Glauben, daß die Sünde wohl die Welt eingetrübt habe, sie aber doch noch als die gute Schöpfung vorhanden ist. Die Option der Weltverneinung dagegen ergibt sich aus dem Glauben, daß die Welt sich in die der Finsternis verwandelt habe, aus der der Christ sich herauszuziehen habe wie das jüdische Volk aus dem ägyptischen Sklavenhause.

Dem Johannesprolog ist die Welt beides, die gute Schöpfung und die der Finsternis verfallende Welt. Der Dualismus zwischen dem Licht und der Finsterniswelt, der Wahrheit und und der Unwahrheit der Welt, des Lebens und des schon Todseins der Welt ist konstitutiv für das Johannesevangelium, den Briefen des Johannes und der Johannesapokalypse. Das macht aber nun einerseits das Faszinierende und Tiefgründige dieser Texte aus, aber andererseits auch das Abstoßende: Man möchte es lieber harmonisch haben, „ganzheitlich“.

(Weitere Versuche zum Johannesprolog werden folgen.)

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