Widerstreitet Jesu Verkündigung der Menschenwürde?
Vorab ein Lekürevorschlag:“Elfter Tag,Betrachtungen über die große Zahl der Verdammten“, in: Michael Sintzel, Maria, meine Zuflucht und mein Trost“, 1919, S.687- 689.
So lehrt es uns Jesus Christus selbst: „Bemühet Euch, durch die enge Pforte einzugehen; viele werden es versuchen einzugehen, und es nicht vermögen.“ (Lk, 13,24) Wie konnte nur diese Aussage, vor etwa 100 Jahren zitiert, noch zustimmend zitiert werden, widerspricht sie doch offenkundig der Menschenwürde, daß Gott, da er unser aller Schöpfer ist, uns alle auch liebt und so es unmöglich ist, daß dieser Gott den Vielen den Eintritt in das Reich Gottes verwehrt, als existierte eine in das Himmelreich führende„enge Pforte“, sodaß viele dies Ziel nicht erreichen können.
Die Entschiedenheit, mit der diese Aussage über die „ebge Pforte“ verworfen wird, demonstriert unübersehbar, wie selbstverständlich die chritliche Religion in einen religiösen Humanitarismus transformiert worden ist, für denn es eben selbstverständlich ist, daß Gott als uns alle Liebender auch uns alle in das ewige Leben führen wird, sofern wir es nicht vorziehen, nicht in einer ewigen Gemeinschaft mit ihm leben zu wollen.
Daß Gott jedes Geschöpf, weil er es selbst ersschaffen hat, auch liebt, und so keinem das Gut des ewigen Lebens vorenthalten will, sei doch ein selbstverständlicher Gedanke. Nur, Gott hat auch den Engel erschaffen, der dann gegen ihn revoltierte und als Teufel dann wider ihn kämpft, bis Gott ihn endgültig besiegen werden wird, an dem Tage Jesu Christi Wiederkunft in Herrlichkeit. Von diesem gefallenen Engel und den Seinen sagt die hl. Schrift nie, daß Gott auch ihnen vergeben wird, nein, dem Satan und den Seinen droht die ewige Verdammnis. Einer rein anthropozenristischen Theologie bekümmert nun das Schicksal des Teufels und der Seinigen nicht, aber bedächte man es, könnte nicht mehr einfach gelehrt werden: Weil Gott jedes seiner Geschöpfe liebe, könne er keinem das Gut des ewigen Lebens vorenthalten.
Die Sünde wird in dem christlichen Heilsdrama so ernst genommen, daß unser Sündigen uns vom ewigen Heil ausschließen könnte. Die Kaprizierung auf die Menschenwürde im Verbund mit der Menschenrechtsideologie soll dieses Ernstnehmen der Sünde ausschließen: Wir alle sind und bleiben stets Gottes geliebte Kinder. Vor Gott befinden wir uns so gesehen stets im Status der Unmündigkeit: Weder traut Gott uns noch gute Werke zu, durch die wir uns den Himmel verdienen könnten noch daß wir um unserer Sünden willen von Gott bestraft werden könnten. Gott rechnet uns weder unser gutes Tuen noch unser böses an, sondern er liebt uns wie eine Mutter ihr unmündiges Kleinkind. Dieser Unmündigkeitstatus soll uns also auszeichnen und uns vergewissern, daß alle Rede von einem Zorn Gottes, einem Gericht nach unseren Werken oder allein danach, ob wir ihm glaubten oder nicht glaubten, nur widerchistliche Horrorphantastereien seien.
Damit wird aber Jesu Christi ganze Lehre vom Himmelslohn, von der Möglichkeit unseres Bestraftwerdens durch Gott ob unserer Sünden als ein einziger Irrtum abgetan. Auch war Jesu Heilswerk, sein Sühnopfertod am Kreuze ein völlig überflüssiges Unternehmen, da Jesus ja uns nur aufgeklärt hätte, daß Gott jeden von uns liebe, sodaß uns allen der Eintritt in das eeige Leben gewiß sei. Denn Gott hörte nie auf, uns zu lieben, da er als die Liebe gar nicht anders könne als uns zu lieben.
Gottes Geliebtwerden gehört so zu uns Menschen so selbstverständlich, wie auch die Menschenwürde etwas Unerlierbares sei.Nicht sei es ein Akt der Gnade, wenn Gott uns Menschen bejahe sondern Gott könne ja gar nicht anders, als uns als seine Geschöpfe zu lieben, das ist die Vernaturalisierung der gnädigen Liebe Gottes.
Theologisch kann Jesu Lehre, daß es den Vielen nicht möglich sein wird, durch die „enge Pforte“ in Gottes Reich einzugehen, so interpretiert werden: Uns Menschen sei das fast unmöglich, aber Gott kann uns gnädig durch diese „ enge Pforte“ hindurchführen, nur ist das keine Selbstverständlichkeit sondern allein ein Gnadengeschenk Gottes.Jesus antwortet ja auf die entsetzte Frage seiner Schüler, wer könne denn dann noch gerettet werden:"Was bei den Menschen unmöglich ist,das ist bei Gott möglich." (Lk 17,27) Sintzel offeriert aber eine völlig andere Deutung, die nicht a priori verworfen werden kann.
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