Montag, 2. März 2026

Ein befremdlicher Gedanke zur „Real existierenden Kirche“ in unserer Zeit

 

Ein befremdlicher Gedanke zur „Real existierenden Kirche“ in unserer Zeit



Hier ist Rhodos, hier tanze!“, so proklamiert es der Philosoph Hegel in seiner Vorrede zur „Rechtsphilosophie“. Ein Antiutopismus war dabei sein Anliegen, daß man utopische Idealstaatsordnungen sich nicht erdenken solle, um damit die wirklichen zu diskreditieren, sondern es gälte, das Vernünftige in den realen Staatsordnungen zu recognizieren. Der Terminus des „ Real existierenden Sozialismus“ teilte diese antiutopistische Intention: Das Reale sei schon das Vernünftige und solle und dürfe nicht durch Phantasieutopien delegimentiert werden. Hegels bekanntes Votum aus der Vorrede: „Was vernünftig ist, das ist wirklich, und was wirklich ist, das ist vernünftig“ könnte da auch mißverstanden werden, denn nach ihm gilt: „Was nicht vernünftig ist, ist auch nicht, sondern scheint nur zu sein.

Daß die Katholische Kirche nicht so ist, wie sie sein sollte, das ist wohl der einzige Konsensus innerhalb der Diskurse über die Kirche, eine Uneinigkeit besteht nur darin, was an ihr nicht in Ordnung sei und was so wie zu verändern sei. Der erfolgsversprechendste Weg zu einer so gearteten Kritik ist das Vermögen unserer Einbildungskraft, wunderbarste Idealbilder der Kirche zu produzieren, um dann festzustellen, daß die reale Kirche dieser Phantasie nicht gerecht wird und so zu reformieren oder gar zu überwinden sei.

Aber ist es denn a priori auszuschließen, daß die Katholische Kirche, so wie sie real existiert, schon die wahre Kirche ist und nicht nur ein Programm, daß noch zu realisieren sei? Gottes Heiliger Geist hat die Kirche doch nicht verlassen, sodaß wir ihn nun zu bitten hättem: „Komme wieder in sie hinein und renoviere sie!“ Das Haupt der Kirche, Jesus Christus hat sich doch nicht schlafen gelegt, und ließ seine Kirche so kopflos durch die Zeiten irren, um nun, da er im Kirchenboot schläft,von uns auferweckt werden zu müssen: „Stille für uns den Sturm, wir drohen unterzugehen!“

Es muß ja zwischen der ersten Ankunft Jesu Christi, in der er sich erniedrigte bis ans Kreuz und seiner zweiten Ankunft in Herrlichkeit unterschhieden werden und somit auch zwischen der kämpfenden Kirche auf Erden und der triumphierenden im Himmel. Die Erdenkirche soll und kann nicht schon die triuphierende sein, das wird sie erst in der Zeit der Wiederkunft Jesu Christi werden. Einem (hehelschen) Antiutopismus ruht so ein Moment der Wahrheit inne: Die Katholische Kirche ist schon die wahre, aber sie ist das als auf Erden kämpfende. Der Feind ist dabei aber nicht nur außerhalb der Mauern der Kirche zu verorten, sondern gerade in ihr. Wo die Wahrheit ist, da wird sie deswegen auch bekämpft.

Im Prolog des Johannesevangeliumes heißt es ja bekanntlich: „Et Verbum caro factum est et habitavit in nobis et videmus gratiae et veritatis.“ (1,14)Daß der Sohn Gottes „caro“ „Fleisch“ wurde und daß seine Herrlichkeit und Wahrheit gesehen worden ist, ist einer der größten Paradoxien der christlichen Religion: daß Gott Mensch wurde und trotzdem in dem einen Menschen Gott erkannt wurde. In der Kirche prolongiert sich diese Paradoxie: In der ganz und gar menschlichen Kirche, in der es so sehr menschelt ist die Kirche Gottes, ist das göttliche Leben selbst lebendig. Aber das ist nicht unmittelbar in ihr, unmittelbar ist nur ihre Flleischlichkeit, in der der göttliche Logos lebt.

Viele Juden waren von Jesus aus Nazarteth enttäuscht, da er nicht das Königreich Israel restituierte und schon gar nicht das Reich Gottes auf Erden erschuf und wollten so nicht an ihn als den Messias Israels glauben. Auch die Kirche Jesu Christi muß enttäuschen, weil sie nicht all das erfüllt, was wir Menschen uns ersehnen, denn die Erfüllung wird der Herr der Kirche etst nach seiner zweiten Wiederkunft erfüllen. Aber der Herr der Kirche regiert schon jetzt in seiner Kirche, die so und nur so die wahre ist.

Hier ist Rhodus, hier tanze!“ gilt so gerade für die Katholische Kirche, da wir in all ihrer Fleischlichkeit doch in ihr die Wahrheit Gottes erkennen als Gläubige. Ein Utopismus, der Idealbilder einer geschwisterlichen, synodalen rätedemokratisch strukturieren Kirche sich erphantasiert, verkennt völlig, daß die wahre Kirche schon seit Pfingsten existiert und nie aufgehört hat, zu existieren, denn sie ist die wahre Kirche. Im Sinne Hegels könnte geurteilt werden, daß nur wirklich ist, was seiner Idee entspricht, also wahr ist. Aber diese Erkenntnis ist eine des Glaubens, wo die Weltmenschen nur rein Menschlich- Allzumenschliches erlicken wollen und können.

Zusatz:



Wenn nun gefragt wird, warum denn so viel Negatives in der einen wahren Kirche sich ereignet, dann könnte Kant in seiner Schrift:“ „Idee zu einereiner allgemeinen Geschichte“ in seiner These des Ermöglichungsgrundes für die Entwickelung der Menschheit in seinem 4.Satz dieser Schrift einen gediegenen Hinweis liefern:

Das Mittel, dessen sich die Natur bedient,die Entwickelung aller Anlagen zu Stande zu bringen, ist der Antagonism derselben in der Gesellschaft,so fern dieser doch am Ende die Ursache einer gesetzmäßigen Ordnung derselben wird. Ich verstehe hier unter dem Antagonism die ungesellige Geselligkeit der Menschen,d.i den Hang derselben in Gesellschaft zu treten,der doch mit einem durchgängigen Widerstande, welcher diese Gesellschaft beständig zu trennen droht,verbunden ist.“ 1

Ohne jene an sich zwar eben nicht liebenswürdigen Eigenschaften der Ungeselligkeit, woraus der Widerstand entspringt,den jeder bei seinem selbstsüchtigen Anmaßungen notwendig antreffen muß,würden in einem arkadischen Schäferleben bei vollkommener Eintracht, Genügsamkeit und Wechselliebe alle Talente auf ewig in ihren Keimen verborgen bleiben;die Menschen, gutartig wie die Schafe,die sie weiden,würden ihrem Dasein kaum einen größeren Wert verschaffen,als dieses ihr Haustier; sie würden das Leere der Schöpfung in Ansehung ihres Zwecks, als vernünftie Natur nicht ausfüllen.“ 

Einfacher formuliert: Das Negative ist um der Entwickelung des Positiven willen.

1Es sei an die Bedeutung des Widerspruches und der Antagonismen für die Entwickelung in der Philosophie Hegels und Marx erinnert, dann aber auch für die Naturphilosophie Maos.

 

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