Umkehrpredigten – unzeit(geist)gemäß und an die Falschen adressiert?
Der Regierung muß man wegen ihrer überschäumenden Kreativität in der Findung immer neuer Steuereinnahmequellen seine Anerkennung zollen. Selbst der Naivste glaubt ja nicht, daß diese Steuer uns Konsumenten dazu motivieren solle, nun uns gesünder zu ernähren sondern die Regierung hofft so auf eine weitere ergiebige Einnahmequelle neben der reichlich fließenden Tabaksteuer. Wehe, die Staatsbürger kehrten wirklich um, rauchten weniger und äßen weniger Zuckerhaltiges!
Da Gott nur noch die uns alle bejahende Liebe ist, so zumindest in den meisten Predigten, ist eine Umkehrpredigt eine faktische Unmöglichkeit geworden. Sozialpsychologisch ist das sinnvoll, stabilisiert diese Predigtaussage die Bürger in ihrem Selbstwertgefühl angesichts einer Lebenswelt, die oft als überfordernd erlebt und erlitten wird: Ich werde bejaht und kann mich so auch selbst bejahen, wenn es mir nicht gelingt, allen an mich gestellten Anforderungen gerecht zu werden.
Aber gelegentlich wird doch noch eine Umkehr gepredigt.Aber eine undifferenzierte Umkehrpredigt birgt ein gravierendes Problem in sich: Christsein heißt, auf dem Wege zu sein, das Ziel des ewigen Lebens anvisierend. Sagen wir mal, um der Anschaulichkeit willen,daß er bei 0 startet und nun 1 erreicht hat. „Kehre um!“ und folgsam rückt er retour auf 0, um dann wieder auf 1 umzukehren, um wieder auf 0 zu landen. So beständig umkehrend wird er nie ein Ziel, schon gar nicht des ewigen Lebens erreichen. Startete er bei 0 und ginge zu minus 1, dann müßte ihm dringend eine Umkehr gepredigt werden, und wenn er dann 0 und 1 erreicht hat ein: „Weiter vorangehen!“ gepredigt werden und auf keinem Falle eine Umkehr in die entgegengesetzte Richtung.
Wer heute noch in eine hl. Messe geht, hat ja schon einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. Statt zu einer Umkehr wäre ein: „Weiter so!“ zu predigen.“Gelegentlich kommen Sie zum Gottesdienst, das ist besser, als wenn Sie nie kämen. Weitaus besser ist es, wenn Sie regelmäßig kommen!“ Um der Zahnhygene willen putzen wir 2 Mal täglich unsere Zähne, aber für unsere Seelenhygene sei es uns zu viel, jeden Sonntag zur Messe zu gehen? Man fange ruhig mit kleinen Schritten an, zuerst ein Mal pro Monat zur Messe zu gehen und erst wenn das einem zu einer guten Gewohnheit geworden ist, zwei mal und dann jeden Sonntag zu gehen. Jeder um Frömmigkeit sich Bemühender kennt die Versuchung des Aufschiebens auf Morgen: Nicht diese sondern die nächste Woche werde ich zur Messe gehen, nicht heute sondern Morgen den Rosenkranz beten...So geht man dann nie zur Messe und betet nie den Rosenkranz. Ein ordentliches religiöses Leben muß dieser Neigung in sich den Kampf ansagen: Es ist schon eine kleine Schlacht gewonnen, wenn ich ein Mal pro Monat regelmäßig zur hl.Messe gehe und in jeder Woche ein Mal den Rosenkranz bete.
Man kann sich auch viel mehr vornehmen, nur zeigt die Erfahrung, daß dann ganz schnell wie bei einem Strohfeuer von viel auf 0 zurückgefallen wird. Das christliche Leben ist aber kein Strohfeueraktivismus, sondern das beharrliche Voranschreiten, ein stetes Wachsen in den Glauben der Kirche hinein, der dann aber auch zu praktizieren ist.
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