Donnerstag, 24. Mai 2018

Ein Gutmensch in Aktion!

Was macht eigentlich einen Gutmenschen aus? Daß er gut ist, daß er sich gut benimmt, daß er das Gute liebt? Die Vokabel "Gutmensch" ist uns so vertraut geworden, aber wird gefragt, was damit denn gemeint wird, verschwindet alle Klarheit. Es ist ein diffuser Begriff- aber eine ist klar, daß er ausgrenzen soll, zwischen denen, die das sind, und denen, die das nicht sind. Was wäre denn dann der Antibegriff zum Gutmenschen? Der Schlechtmensch? Der das Böse liebt, das Böse will und vollbringt? Nein, den Schlechtmenschen gibt es so nicht- oder doch? 
Eureka, es gibt ihn, auch wenn er unter vielen Namen vielnamig sozusagen im öffentlichen Diskurs präsent ist. Im kirchlichen Diskurs ist das der "Traditionalist", der "Fundamentalist", der "Evangelikale" oder einfach der "Rechte" Christ- im politischen Diskurs der "Rechtspopulist", der "Rechte", der "Neonazi", aber auch der "Putinversteher" und der "Verteidiger des Abendlandes". Hier stehen sich Gut und Böse einfach gegenüber- und der Gutmensch ist einfach der, der auf der richtigen Seite steht. Gutsein heißt dann einfach, den Anderen, den Nichtguten zu verachten und zu bekämpfen. Es mag Zeiten gegeben haben, wo gefragt wurde, sag für wen oder was dein Herz schlägt, und ich kenne dich- heutzutage frägt man besser, um jemanden kennen zu lernen, wen verachtest du? 
Nun zeigte Daniela Cappelluti, die Kreisgeschäftsführerin der Grünen Frankfurt uns mustergültig, wie das Gutmenschsein praktisch gelebt wird. Der Anlaß ist banal: Statt, daß wie erwartet Bayern München den DFB-Pokal gewann, siegte Frankfurt und das wurde in Frankfurt dann groß gefeiert.Für einen Gutmenschen gibt es aber keine einfachen Feiern. "Mit wem feiere ich denn da zusammen in der öffentlichen Siegsfeier? Die Frage des "Mit wem? erhält seinen bedrängenden Charakter durch die Vorstellung der Kontamination: Ein Gutmensch könnte sich ja kontaminiern, feierte er mit Nicht-Gut-Menschen zusammen. Und schon entdeckte unsere Grüngutmenschen die Inkarnation des Bösen in Gestalt des AfD-Politikers Gauland. Die FAZ berichtet am 22.5.2018:       
"Eine Grünen-Politikerin wollte den Pokalsieg der Frankfurter Eintracht lieber ohne Alexander Gauland feiern – und forderte ihn dazu auf, die Altstadt zu verlassen. In den sozialen Medien wird sie dafür gefeiert." In einem Video sieht man dann diese Exorzisten: 
"Für ein zweites Video, kurz danach aufgenommen, ist die Grünen-Geschäftsführerin auf den Turm des Doms gestiegen. Mit Eintracht-Schal und Blick auf den Römer sagt sie: „Den hab’ ich erfolgreich aus der Altstadt vertrieben“ und „Dieser Arsch darf heute nicht dabei sein.“
Das ist nun pures Gutmenschtum ganz praktisch: Statt sich in dem Begriffswirrwarr der politischen Korrektheit zu verlieren, ist der Gauland nun ein Neonazi, ein Traditionalist oder Reaktionär oder was auch immer, greift die Grünenpolitiker einfach auf die bewährte Beschimpfung: Arsch/Arschloch zurück. Wer kein Gutmensch ist, das ist eben ein Arsch.Mit Ärschen kann ein Gutmensch natürlich nicht zusammen feiern, und darum müssen Ärsche vertrieben werden, damit die Gutmenschen unter sich sind. Die Intoleranz gegenüber jeden Andersdenkenden bildet so das Herzstück des Gutmenschen. Um sich nicht selbst zu verunreinigen verlangt ihm nach einer Gesellschaft, aus der alle Andersdenkenden vertrieben sind, den Ausschluß jedes nicht politisch Korrekten. 
Nicht nur aus dem politischen Diskurs soll er ausgeschlossen werden, sondern aus dem gesamten öffentlichen Leben, damit überall nur noch die Gutmenschen unter sich sind, selbst im Fußballstadion und bei Siegesfeiern von Sportvereinen. 
Die Grünenpolitikerin ist da eben vorbildlich! So wundert es auch Niemanden, daß Exstalinisten wie Kretschmann (einst im maoistischen Kommunistischen Bund Westdeutschlands) und Trittin (einst im maoistischen Kommunistischen Bund) so gern jetzt bei der grünen Gutmenschpartei sind! Stalin und Mao waren ja schließlich auch Gutmenschen!   

Zusatz:
Wie eine Furie hetzt die Lautsprecherstimme den älteren Herrn, der in Frankfurts restaurierter Altstadt einen Spaziergang unternimmt, beschimpft ihn als unerwünscht und fordert ihn auf, die Innenstadt zu verlassen. Keine Szene aus finsterer Vergangenheit, sondern aus dem besten Deutschland, das es je gegeben haben soll. Der ältere Herr: Alexander Gauland. Die Hetzerin: Grünen-Politikerin Daniela Cappelluti. Junge Freiheit am 24.5.2018

Mittwoch, 23. Mai 2018

Kommuion für Evangelische, wenn sie mit einem Katholiken verheiratet sind?

Für einen modern-liberalen Katholiken ist das überhaupt kein Problem, denn 
a) begegnet dem Kommunizierenden ja in Brot und Wein die Liebe Gottes zu uns allen Menschen, sodaß jeder auch ein Empfänger sein kann, ja sogar sein sollte, und
b) die Erfahrung dieser Begegnung ja nicht den Glauben an Gottes Liebe voraussetzt, sondern dieser Glaube soll sich  ja aus dieser Begegnungserfahrung erst generieren und
c) Gottes Liebe Niemanden ausschließt.
Tatsächlich wird aber anders-versteckter- argumentiert, weil nun erstmal das Ziel der Zulassung der evangelischen Ehepartner einer Ehe mit einem Katholiken auf der Deformagenda steht. Kardinal Marx und seine Getreuen preschten damit jetzt vor, kaprizierten sich dabei auf die Wunderwaffe zur Destruktion der Lehre der Kirche, der Einzelfalllösung, die alles so bestehen läßt, wie es die Kirche immer lehrte, um dann Einzelfälle von der allgemeingültigen Lehre zu emanzipieren und wurden erstmal gestoppt.Der Einzelfall sollte besagen, daß es im Prinzip ausreiche, wenn der evangelische Partner den katholischen Glauben zustimme, daß Jesus Christus in Brot und Wein gegenwärtig sei. Daß die katholische Lehre weit umfassender ist, wird dann aus Rücksicht auf den Evangelischen verdrängt.Daß die reformierte Lehre im Gegensatz zur lutherischen jede Gegenwart Jesu Christi in Brot und Wein ablehnt, wird dann auch übersehen, daß also so nur Lutheraner zulaßbar wären. 
Wozu das Ganze? Ziel ist offenkundig die Kommunion für jedermann. Jetzt soll es erst mit den Ehepartnern versucht werden, obgleich die Zulassung der Geschieden-Wiederverheirateten auch noch nicht voll durchgesetzt worden ist. Die Eucharistie als Ramschware auf dem Wühltisch zum Abverkauf- so könnte man die Lage beschreiben.
Eines wird dabei völlig verdrängt! Steht an einer Kinokasse das Schild: Dieser Film ist erst ab 18 Jahren zugelassen, geht jedermann davon aus, daß hier nicht unter 18 Jährige einfach willkürlich  vom Schauen dieses Filmes ausgeschlossen werden sollen sondern daß es sich um eine Schutzbestimmung handelt.Dieser Film könnte Jüngeren schaden! 
So ist es auch mit dem Empfang der hl.Kommunion! Sie schadet dem sie sakrilegisch Empfangenden! Wer sie nicht rechtgläubig empfängt, dem nützt sie nicht nur nicht, nein sie wird ihn Schaden zufügen. Merksatz: Je stärker die Wirkkraft einer Medizin zum Guten, zur Heilung ist, desto stärker ist ihre Destruktionskraft zum Unheil, wenn sie falsch eingenommen wird. 
Die Kirche schützt als Mutter Menschen vor dem so gefährlichen sakrilegischen Empfang, indem sie bestimmte nicht zuläßt, weil hier mit großer Wahrscheinlichkeit ein sakrilegischer Empfang zu erwarten ist. Das gilt nun mal für jeden lutherisch Glaubenden, daß er so glaubend den Leib und das Blut Christi nur sakrilegisch empfangen kann ob dieses Glaubens! Denn der gültige Empfang setzt den wahren Glauben beim Empfangenden voraus, im Gegensatz zum Empfang der Taufe.
Es ist bitter aber wahr: Die Vergleichgültigung der katholischen Lehre vom Altarsakrament ist die Voraussetzung dieser liberalen Tendenz zur Eucharistie für jedermann. Oder einfacher gesagt: Wenn das Gut des Empfanges der hl.Kommunion immer weniger nachgefragt wird, dann senkt man eben den "Preis" um dies Gut als Ramschware loszuwerden: umsonst für jeden!  

Dienstag, 22. Mai 2018

Bischof Tobin: Katholiken sollten nicht Selbstmord begehen wie Protestanten

"Wörtlich schrieb Bischof Thomas J. Tobin auf Twitter.„Einige sagen, daß die katholische Kirche mehr wie die Protestanten werden muß, um zu überleben (z.B. verheiratete Priester, Priesterinnen, Abtreibung, Homo-Ehe). Eine neue ABC-Umfrage zeigt, daß die Mitgliedschaft bei den Protestanten in den letzten 15 Jahren um 14% gesunken ist! Wir Katholiken sollten besser genau schauen, bevor wir springen.“  Kath info am 17. Mai 2018.
Amerika, das Land des Protestantismus seit dem Sieg im Bürgerkriege gegen die Südstaaten, das Land, in dem seitdem die Yankeekultur dominierte, erlebt jetzt den Niedergang dieses amerikanischen Protestantismus. Die Umfrage zeigt es an.
Aber das Befremdliche ist nun nicht dieser Niedergang, sondern das Phänomen, daß auch in Amerika die Parole der Reformer in der Katholischen Kirche lautet: Wir müssen protestantisch werden, damit der Katholizismus hier überleben kann! In einem sind sich  wohl die Reformer noch uneins, ob sie mit Luther das Priestertum abschaffen wollen oder um der Feministin willen Frauen zu Priesterin weihen wollen. Aber wenn es um die Bejahung der Homosexehe oder um das Recht geht, Kinder im Mutterleibe zu töten, da herrscht Eintracht unter den Deformern der Katholischen Kirche. Nur, warum kriselt dann der amerikanische Protestantismus, der sich so vorbildlich dem herrscheden Zeitgeist unterwirft?
Auch das EKD-Christentum, das sich seine Glaubensgehalte vom herrschenden Zeitgeist diktieren läßt, kriselt doch weit stärker als die Katholische Kirche- und trotzdem starren alle katholischen Reformaugen gebannt auf den Protestantismus: An seinem Wesen wird die Kirche genesen, wenn wir doch endlich uns protestantisieren würden! Können das unsere Reformer in den USA wie in Deutschland wirklich übersehen? Oder sehen sie das ganz genau und wollen den Untergang der Kirche?
Das klingt,ja muß auf Anhieb verrückt klingen- aber vielleicht ist doch etwas Wahres dran? Stellen wir uns mal auf den liberal-katholischen Standpunkt:
A) Jesus hat das Reich Gottes verkündet, es kam aber die Kirche, die er nicht gewollt hat.
B) Daraus entwuchs die hierarchische Katholische Kirche, die ganz antijesuanisch ist.
C) Die betrieb gar Mission und verkannte damit,daß Gott in jeder Religion hinreichend  offenbar ist,
     sodaß in jeder jeder das Heil erlangen kann. Es hätte also keine Mission geben dürfen. Die Kirche.
     so wie sie bis zum 2. Vaticanum war, war also ein einziger Irrtum.
D) Warum sollte dann diese Kirche noch am Leben bleiben, wenn sie nur ein Irrtum ist? Was Jesus
      wirklich gelehrt hat, war doch  ein praktizierter Humanismus- und dafür bedarf es keiner Kirche
      sondern nur einer weiteren NGO als Humanitätsvereinigung. Daraufhin ist eben die Kirche um-
      zumodeln!      

Montag, 21. Mai 2018

Marx: „Jeder ist berufen“

Kardial Marx predigte zu Pfingsten über? Sollte er da wirklich etwas über den Hl. Geist aussagen? Kath net übertitelte seinen Bericht am 20.5. mit: "Marx:"Jeder ist berufen".Ach, und da dachten Pauluskundige doch noch, daß der Hl. Geist als ein Geist zu Verschiedenem beruft, den einen zum Propheten, den anderen zum Lehrer etc. Aber das ist dem liberalen Kardinal wohl zu hierarchisch gedacht. Nein, das demokratische Denken verlangt eben, daß jeder zu dem Gleichen berufen ist. Marx: 
"Eine Ausrichtung auf wenige sei „nicht die Konzeption des Volkes Gottes, wie sie angelegt ist“, sagte der Erzbischof. Priester, Bischöfe und die Amtskirche hätten die Aufgabe, den Menschen zu helfen, die eigene Berufung zu erkennen und die gemeinsame Sendung für die ganze Kirche anzunehmen."
Nur, seit wann ist den ein Volk eine Addition von vielen Einzelnen, die so- was bilden? Einen Verein. Ein Volk dagegen ist ein organisch Ganzes, das eben nicht aus autonomen Einzeletwassen besteht, sondern aus verschiedenen so zu Verschiedenem berufenen Gliedern, wobei das Glied nicht vor dem Ganzen sein kann. Oder sagt etwa das Herz, ich möchte nicht mehr allein schlagen,könnten sich Adern zu mir gesellen und eine Lunge als Begleiterin gefiele mir, bis so sich ein ganzer Körper zusammen gebildet hätte? Im Urchristentum gab es auch keine demokratische Vollversammlung, in der alle stimmberechtigt dann beschlossen, daß es gut wäre, wenn einige das Amt des Apostels ausübten und andere etwa weissagen sollten, wobei im Prinzip jeder für jedes Amt gleich gut qualifiziert gewesen wäre. 
Aber wozu beruft den nun der Hl. Geist? Auch hier redet der Kardinal Klartext! Als Christen sind wir berufen dazu, Nein zu sagen zu den falschen Werten:
"Falsche Werte wie Hass, Abgrenzung oder Urteile über andere sollten die Christen zurückweisen, so der Erzbischof." Sag Nein zu Haß und Abgrenzung- das sind doch die Lieblings-vokabeln jedes politisch korrekten Gutmenschen! Das es Identisches nur gibt, indem es sich abgrenzt
von Anderem, vergißt der Gutmensch Marx hier eben einfach. R. Musil erfaßt das so: "Schließlich besteht ja das Ding nur durch seine Grenzen und damit durch einen gewissermaßen feindseligen Akt gegen seine Umgebung." Der Mann ohne Eigenschaften,Kapitel 7:In einem Zustand von Schwäche zieht sich Ulrich eine neue Geliebte zu. 
Oder vergißt er dies absichtlich, weil ihm an der Auflösung alles Identischen gelegen ist? Aber was soll ein Christ von der Forderung halten, daß man sich fernhalten soll von Urteilen über andere? Aber hier ist schnell Klarheit gewonnen, wenn wir uns des berühmt-berüchtigten Ausspruches Papst Franziskus erinnern zur Causa des kirchlichen Umganges mit Homosexuellen: "Wer bin ich, daß ich urteile!" Kardinal Marx meint damit also: Toleriert Alles und darum toleriert nicht die Intoleranten. Pragmatischer formuliert: Keine Toleranz gegen Rechts und Liebe zu allem politisch Korrektem.
Jetzt ist der Politbischof ganz in seinem Element:  "Bezug nehmend auf das sogenannte Sprachenwunder von Pfingsten sagte Kardinal Marx, der Geist Gottes trage den Gläubigen auf, offen zu sein für alle Völker, Sprachen und Kulturen." Offen sein für alle...." das ist nun das Credo der Multikultiidologie, das hier dieser Kardinal enthusiastisch proklamiert.
Summa Summarum: Für diesen Bischof ist der Hl. Geist einfach identisch mit dem Geist der politischen Korrektheit, die Stimme des Gutmenschen ist die des Geistes Gottes, die jetzt so unüberhörbar zu uns allen spricht durch alle Medien und Gutmenschen. Und wir Christen folgen diesem Rufe des Weltgeistes, denn er ist für uns der Geist Gottes. 

Sonntag, 20. Mai 2018

Irritationen: Sind wir nur Leib?

"Von den Verächtern des Leibes" sagt Nietzsche (Also sprach Zarathustra):"Leib bin ich und Seele-so redet das Kind. Und warum sollte man nicht wie die Kinder reden? Aber der Erwachte,der Wissende sagt:Leib bin ich ganz und gar, und Nichts ausserdem;und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe. Der Leib ist eine grosse Vernunft, eine Vielheit mit Einem Sinne,ein Krieg und ein Frieden, eine Herde und ein Hirt."
Und als Präzisierung: "dein Leib und seine grosse Vernunft:die sagt nicht Ich, aber thut Ich."
Das ist Revolution: Der Leib als das Vernünftige, die Seele als Appendix des Leibes,die kleine Vernunft im Kontrast zur großen des Leibes. In den "ökonomisch-philosophischen Manuskripten" distinguiert Karl Marx zwischen dem Gattungsbewußtsein und dem Individualbewußtsein des Menschen mit der These, daß die Entfremdung des Menschen die von seinem Gattungsbewußtsein sei, daß er als Individuum sich als selbstzwecklich ansieht und den Anderen nur als Mittel zum Zweck der Realisierung seiner Individualinteressen.Dies drückt P. Sloterdijk so aus: "Die Dogmatik einer primären Einsamkeit des Menschen wird gerade in der Moderne und nicht zuletzt dort, wo diese tief und radikal sein will, so triumphal wie kaum je zuvor zum Vortrag gebracht." Sloterdijk, Mir näher als ich selbst, in: derselbe, Nach Gott, 2017, S.130.
Dualismen bestimmen das Denken in diesen 3 Zitaten:
Leib versus Seele  oder Gattungsbewußtsein versus Individalbewußtsein oder Sloterijk: Das In-Sein der Seele versus ihre Einsamkeit. Könnte man diese Dualismen rekonstruieren als Reflexionen über den Egozentrismus, der sich jeweils einem Übergeordnetem entzieht, weil das Ego nur noch für sich sein will als Mittelpunktdasein? Wo das Ich (man denke jetzt auch an Fichtes Ichphilosophie) oder das Individuelle oder das einsame Subjekt sich zum Anfang und Ende von Allem versteht, da wird alles Andere diesem Ego unterworfen= subjektiviert.Das, was der "Seelenvernunft" dann das Unvernünftige, das Irrationale ist, das wäre dann die wahre Vernunft, die des Leibes, die des Gattungswesens des Menschen und die der Seele, die- so Augustin, auf ihn bezieht sich Sloterdijk explizit- die in Gott ist und deren Depravation ihr Fallen aus Gott zu seinem illusionären Selbststand ist. 
Das von Nietzsche kritisierte Ich wäre dann das sich verabsolutierende, das sich aus der Geschichte der Menschwerdung zum Übermenschen emanzipierende Ich, dem der Körper als Transindividuelles gegenübergestellt wird, wie das Gattungswesen eben auch das Transindividuelle meint bei Karl Marx im Kontrast zum bürgerlichen Egozentrismus. Wenn das In-Sein (nach dem hl. Augustin) in Gott das die Seele Bestimmende ist, dann ist ihre Vereinsamung ihre Emanzipation aus diesem In-Sein zugunsten eines Insichseins der Seele, die sich alles Andere als für sich an- und unterzuordnen versucht. 
Dann könnte Nietzsche mit der Leiblichkeit gerade das nicht meinen, was der moralische Diskurs, wenn er vom Seele-Leib-Dualismus ausgeht, unter dem Leiblichen versteht, die Begierden und das Begehren des "Fleisches".  Das Leibliche wäre dann der Gattungswille des Menschen, der sich das individuelle Ich subordiniert.  
Der Mensch als Gattugswesen, das hieße, daß er als Individuum immer schon in der Gattung lebt und nur in diesem "In" etwas Einzelnes ist. Der Wille der Gattung ist nun nicht einfach ein conserativer, der des Erhaltens der Gattung,sondern der zur "Menschenverbesserung" (vgl: Sloterdijk, Menschenverbesserung in: Nach Gott und: ders: Regeln für den Menschenpark) .
Kann das wirklich mit dem Begehren des Fleisches identifiziert werden? Teilweise schon! Denn der Sexualtrieb, der am Orte des Individuumes als Streben nach Lustgewinnung wahrgenommen wird, ist auf das Gattungswesen Mensch bezogen der Wille zur Bewahrung der Gattung Mensch durch die Fortpflanzung. So ist es die List der Vernunft des Körpers, daß das Überlebensnotwendige, der Akt der Fortpflanzung so mit einem Lustgewinn verbunden ist, daß die Menschen ihn hedonistisch vollziehen und so das Vernünftige tuen! Und doch ist die Leiblichkeit so verstanden etwas ganz anderes als das Begehren und die Begierden des Fleisches. Nietzsche verstünden wir völlig falsch, meinten wir, er plädiere hier für carpe diem, für Wein, Weib und Gesang. 
Es müßte so zweierlei Kritik der Seele unterschieden werden: a) eine materialistische, die sagt, daß es die Seele gar nicht gäbe und b) eine ethische, die die Individualseele als das Subjekt eines Egozentrismus deutet, eines vom Menschsein entfremdeten Seinsweise, in der das Individuum sich emanzipiert hat aus seinem In-der -Gattung-Sein. Nietzsche scheint diese beiden Kritiken zu vermengeln und so seine Kritik zu verunkaren. Denn der Leib ist bei ihm ja eine bestimmte Existenzauffassung des Menschen, eine, in der der Mensch sich als Teil der Gattung versteht und aus diesem Bewußtsein heraus, der großen Vernunft lebt, wohingegen die Seele die Existenzweise meint, in der der Einzelmensch sich als das Zentrum setzt,dem alles andere zu subordinieren ist.
Die theologische Antwort: daß durch die Einwohnung des Hl. Geistes die Individualseele wieder in ihre angemessene Position verrückt wird, daß der Einzelmensch eine Individuation der Idee des Menschseins ist, aus der sich zuvörderst das Gattungswesen des Menschen generiert.        

Samstag, 19. Mai 2018

Irritierendes- Früher war das doch alles irgendwie anders


"Der Kern der Lehre des heiligen Athansasius kann wie folgt formuliert werden: Christus, das Göttliche Wort (Logos) „wurde Mensch damit wir vergöttlicht werden; er offenbarte sich im Leibe, damit wir zur Erkenntnis des unsichbaren Vaters gelangen„
 (www.kathnews.de/christus-wurde-mensch-damit-wir-vergoettlicht-werden)

P.Sloterdijk schreibt: "Erst in der heutigen Zeit,in der eine postmetapysische Umformung des Christentums eingesetzt hat, will man eine rein menschliche Form von Christlichkeit hervorbringen, folglich möchte man die Gläubigen aus der vertikalen Spannungen entlassen, die vormals seine Würde begründeten."Sloterdijk, Menschenverbesserung, in: derselbe: Nach Gott, 2017, S.228.Was meint hier der Begriff der vertikalen Spannung, der das Spezifische eines metaphysisch verstandenen Christentumes  ausmache. Sloterdijk exemplifiziert dies an der Anthropologie von Pico della Mrandola anhand dessen "Rede über die Würde des Menschen". (221f) Gott habe den Menschen als einzigen ohne bestimmte Eigenschaften erschaffen. Das mache seine Sonderstellung aus. "Aus diesem Mangel macht nun Gott einen Vorzug, indem er zu Adam sagt: Du wirst unter allen Geschöpfen dasjenige sein,das sich selbst erschafft. Dir gebe ich die Würde als dein eigener Erfinder." (S.221)."Du wirst  die Ursache dafür sein, wenn du dich zum Göttlichen erhebst, doch wenn du dich zur Stufe des Tierischen herunter-bildest, bist du ebenfalls hierfür die Ursache." (S.222).
Unsere spontane Reaktion dürfte einhellig ablehnend ausfallen: 1. Gott schuf den Menschen als Menschen und das sollen wir auch sein und bleiben wollen, 2. ist es hybrisch, daß hier der Mensch sich als Hervorbringer seiner selbst hochstilisiert und 3. klingt das doch wie eine Vorwegnahme des Nietzsches Votums: "Der Mensch ist ein Seil,geknüpft zwischen Thier und Übermensch-ein Seil über den Abgrund. Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem Wege, ein gefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern und Stehenbleiben." (aus der Vorrede aus: Also sprach Zarathustra, 4)
Die vertikale Spannung meint so, daß der Mensch auf einer Höhenachse eingezeichnet sich nach oben hoch entwickeln kann, oder daß er herabstürzen kann in ein Untermenschsein. In diesem Sinne ist der Mensch nichts Fixiertes, sondern er ist sich von Gott als Aufgabe gegeben, etwas aus sich zu machen. Moralisch ausgedrückt: Er kann zum Heiligen werden, er kann aber auch sich zum Tier entmenschlichen, daß er nur noch wie ein Tier leben will, dem sein Bauch sein Gott ist, um es biblisch auszudrücken. Die katholische Theologie betont nun selbstverständlich, daß ohne Gottes Gnade als Wirkkraft  der Mensch sich nicht zum Höheren fortentwickeln kann. Sloterdijks bedenkenswerte These lautet nun aber, daß das zeitgenössische Christentum (damit ist selbstredend das nachkonziliare gemeint) von diesem Höher-Hinaus nicht mehr wissen will. Der Mensch ist, wie er ist und so soll er auch bleiben, denn Gott sagt zu ihm so Ja!, wie er ist. Die göttliche Gnade verändert den Menschen nicht mehr (so der Tendenz nach schon Luther), sondern bejaht ihn nur und das genau ist die Wirkkraft der Gnade Gottes- eben keine Wirkkraft zu sein. Sie affirmiert nur noch den Menschen, so wie er ist. Er wird zu einem Fixierten ohne eine Möglichkeit zum Aufstieg noch steht er in der Gefahr des Abfalles, des Sturzes. Sein Leben ist so ungefährlich geworden. 
Nur, ist das wirklich christlich? Wenn Gott Abraham etwas verheißt, dann nicht, daß er so bleibt, wie er ist, und daß er so von Gott bejaht wird, sondern er verheißt Abraham, aus ihm ein so großes Volk zu machen, das es nicht mehr zählbar ist. Gottes Gnade läßt den Menschen nicht so sein, wie er ist, sondern macht ihn groß. Für das völkische Denken des Alten Bundes heißt das, daß verheißen wird, daß das erwählte Volk ein großes Volk werden wird und  für den neuen Bund mit seiner Zentrierung auf das jenseitige Leben, daß der Mensch anteilig wird am ewigen göttlichen Leben. Immer ist dabei mitgesetzt die Möglichkeit der Verfehlung, daß das jüdische Volk aufhören kann, Gottes Volk zu sein, daß der Mensch statt ins ewige Leben ewig verdammt wird. Das ist die Vertikalspannung in der christlichen Religion, die so auch Pico della Mirandola treffend zum Ausdruck bringt, gerade indem er den Menschen als von Gott zur Freiheit Bestimmten denkt. Die christliche Religion ruft den Menschen zur Freiheit auf, zwischen der Möglichkeit, Diener des Teufels oder Diener Gottes zu werden, oder anders gesagt, sich als Mensch zu überwinden durch seine Heiligung oder sich zu entmenschlichen, indem er sich vertiert. Nur eines scheint ihm unmöglich, einfach nur Mensch bleiben zu wollen. 
Verharren wir im Bilde Nitzsches: Einem Seiltänzer gleicht der Mensch, zwischen dem Hintersich, dem Untermenschlichen und dem Vorsich, dem Übermenschlichen, dessen Leben Bewegung ist, entweder nach "unten" oder nach "oben". 
Aber nachdem all die großen Projekte der "Menschenverbesserung" sich in der Moderne eher als Katastrophen denn als heilsame Aufwärtsbewegungen erwiesen hatten, gilt nun im Postmodernen wie in der nachmetaphysischen Theologie, daß der Mensch ist, wie er ist und so auch bleiben soll, denn Gott selbst sagt jetzt zu Abraham: Bleibe in deinem Lande, bleibe, was und wie du bist, aus der wird nichts außer dem, was du nun mal bist. 
Vergöttlichung des menschlichen Lebens, Anteilhabe am Göttlichen, Überwindung des rein Menschlichen? Nein danke! Selbst auf die Verheißung des jenseitigen ewigen  Lebens kann der postmoderne Christ verzichten, überdrüssig schon des endlichen Lebens.               

 




Freitag, 18. Mai 2018

Der Volksaltar-eine kleine Polemik

Der Volksaltar ist in den Katholischen Kirchen inzwischen zu so einer Selbstverständlichkeit geworden, daß das Problematische dieser nachkonziliaren Erfindung kaum noch empfunden wird. Zudem ist die Protestantisierung so weit fortgeschritten, daß das genuin katholische Verständnis der Eucharistie auch weitestgehend untergegangen ist.
Auch wenn der Altabt Jeremias OSB auf Katholisch de (18.5.2018) in seinem Tageskommentar gegen diese Feststellung protestiert:"In den vatikanischen Behörden kann man viele Leute antreffen, die sich in der Welt gut auskennen. Es gibt auch ein paar andere: Ein Monsignore sagte mir vor kurzem treuherzig, die deutsche Kirche sei leider schon ganz dem Protestantismus verfallen."so kann auch dieser Protest diese Tatsache nicht aus der Welt schaffen- erfreulich nur, daß es im Vatican auch Klarsichtige gibt.
Was hat das aber mit der Protstantisierung der Kirche zu tuen, könnte nun angefragt werden. Fragen wir einfach, was sich ändert durch die Installation des Volksaltares.  Das priesterliche Handeln in der hl. Messe hat zwei grundverschiedene Richtungen: Der Priester bringt Gott das Opfer dar, er betet zu Gott, er kommuniziert also, abstrakter formuliert, zu Gott hin.Der Priester kommuniziert aber auch zum Volke hin, wenn er predigt oder wenn er segnet und wenn er die hl. Kommunion austeilt. Diesen zwei Ausrichtungen entsprach die räumliche Gestaltung der Kirche. Der Hochaltar mit dem in ihm eingesetzten Tabernakel präsentiert den Ort der Gegenwart Gottes in der Kirche- das Tabernakel ist ja das Begegnungszelt des Alten Bundes. Wenn also der Priester zu Gott hin kommuniziert, wenn er das Meßopfer darbringt, zu Gott betet, dann wendet er sich zum Hochaltar hin, um so sichtbar zu machen, daß jetzt zu Gott hin kommuniziert wird. Wendet er sich aber zum Volke hin, dann kommuniziert er zum Volke.Diese zweifache Ausrichtung kann dann noch durch einen Wechsel in der Sprache verdeutlicht werden. Das Lateinische als heilige Sprache (sie ist es geworden, weil sie im Profanen als "tote" Sprache nicht mehr benutzt und nur noch für sakrale Zwecke benutzt wird) wird zur Kommunikation zu Gott hin verwendet, die profane Landessprache für die Kommunikaion hin zum Volke.
Was bleibt aber davon übrig, seit der Volksaltar installiert wurde? Jetzt gibt es nur noch eine Kommunikationsausrichtung: Der Priester kommuniziert immer zum Volke hin, auch wenn er zu Gott betet und ihm das Meßopfer darbringt. Die Ausrichtung auf Gott hin wird dann noch dogmatisch behauptet, der praktische Vollzug dementiert das aber. Das führt zur Protestantisierung des Meßverständnisses. Denn für Luther und alle ihm Folgenden ist die "Abendmahlsfeier" kein kirchliches Opfer, die Abschaffung des Meßopfers war ja das Hauptanliegen dieses "Reformers", und so gibt es im Protestantismus keine Priester mehr. Jetzt agiert im evangelischen Gottesdienst ein Pfarrer, der kein Priester ist. Jetzt wird nur noch eine Mahlfeier im Gottesdienst durchgeführt, die als einzigen Adressaten die Gemeinde hat.Dem entspricht auch die Stellung des Pfarrers im Gottesdienst. Er handelt immer nur der Gemeinde zugewandt, weil auch nur sie der Adressat seines Wirkens ist. Selbst die Gebete werden so gesprochen, daß sie bei der Gemeinde ankommen. (Faktisch sind sie dann auch mehr Aufrufe zum Handeln an die Hörergemeinde als daß sie ein Beten zu Gott wären.)
Faktisch hat nun die Einführung des Volksaltares  dazu geführt, daß dogmatisch noch am Meßopfer und an der Ausrichtung auf Gott hin festgehalten wird, aber der Handlungsraum in der Kirche ist jetzt protestantisch gestaltet ist als eine Veranstaltung zur alleinigen Auferbauung der Gemeinde. 
Und die Folgen? Wer die Wortmeldungen zur Frage, darf ein evangelischer Christ, verheiratet mit einem Katholiken die Kommunion empfangen?,verfolgt, stellt mit Befremden fest, daß dabei der Katholische Glaube auf den Glauben an die Realpräsenz in den konsekrierten Elementen reduziert , aber der Opfercharakter der Eucharistie einfach vergessen wird.
So gesehen ging die praktische Verneinung des kirchlichen Meßopfers, man sollte noch an die Darbringung des Meßopfers glauben, auch wenn faktisch die Eucharistie nur noch wie ein heiliges Mahl gefeiert wird, der dogmatischen voraus. In heutigen Zeiten- wo hört man da noch etwas vom Meßopfer? Das Zentrum des Katholischen Gottesdienstes ist so verdunkelt worden und das ist die faktische Selbstprotestantisierung der Katholischen Kirche.