Donnerstag, 26. Februar 2015

Zum Kampf um die Familiensynode, zwei Deutsche schlagen zu!

Kardinal Marx und Bischof Bode schlagen zu! Oder der Aufstand gegen Rom! 

Seit dem Ereignis Luther ist Deutschland das Land des Aufstandes gegen Rom. Thomas Mann zitiert in seinem großen Essay: „Betrachtungen eines Unpolitischen“ Dostojewskis Urteil über Deutschland 1877 zustimmend: „Nicht allein jene Formel des Protestantismus, die sich zu Luthers Zeiten entwickelte, sondern sein ewiger Protest, wie er einsetzte mit Arnim gegen die römische Welt, gegen alles, was Rom und römische Aufgabe war, und darauf gegen alles, was von Rom aufs neue Rom überging und auf all die Völker, die von Rom seine Idee, seine Formel und sein Element empfingen, der Protest gegen die Erben Roms und gegen alles, was dieses Erbe ausmacht.“1 Der DBK-Vorsitzende Kardinal Marx, fest in dieser antirömischen Protesttradition verwurzelt und beheimatet, verlangt nun, kaum nomiert zur römischen Familiensynode 2015 zu Rom, daß die Deutsche Bischofskonferenz das Recht zu Sonderwegen in und für Deutschland für sich beansprucht. Konkreto: wie mit der Causa der „Geschieden-Wiederverheirateten“ umzugehen sei, da bräuchte die DBK nicht erst auf Entscheidungen Roms zu warten-man könne und dürfe eigenständige Wege hier beschreiten.
Das Kirchenrecht bestimmt die Befugnisse von Bischofskonferenzen in den Can. 455-459. Die wichtigste Bestimmung lautet: Dekrete der Bischofskonferenz „erhalten erst dann Rechtskraft, wenn sie nach Überprüfung durch den Apostolischen Stuhl rechtmäßig promulgiert worden sind“. (Can 455 §2) Sie darf nur über Materien entscheiden, die das allgemeine Kirchenrecht dafür vorsieht, oder wenn der Apostolische Stuhl dies ausdrücklich angefordert hat. Die Zuständigkeit des einzelnen Diözesanbischofes bleibt in allen anderen Fällen uneingeschränkt bestehen. Die Intention des Kirchenrechtes ist eindeutig: die Kompetenz der Bischofskonferenz klein zu halten einerseits gegenüber dem Papst-nur wenn er zustimmt, gelten Dekrete einer Bischofskonferenz und sie darf nicht über jede Materie entscheiden und andererseits soll die Eigenverantwortlichkeit des Diozesanbischofes nicht durch solche Bischofskonferenzen untergraben werden. Aber bei Kardinal Marx mutiert die Bischofskonferenz zu der Regierung der Katholischen Bistümer Deutschlands, die die Eigenverantwortung der Bischöfe unterläuft und die die Autorität des Papstes tendenziell außer Kraft setzen soll. Man kann nicht umhin: das klingt nach einem Rohbau für eine Deutsch-Katholische-Kirche, „Los von Rom!“ .
Kirchenmachtpolitisch dürfte dies wohl eine Drohbotschaft an den amtierenden Papst sein: sorge Du dafür, daß auf der Familiensynode wir Reformer obsiegen, sonst gehen wir ohne Rom voran! Der Papst dürfe eben nicht weiter auf die Hinterwäldlerbischöfe aus Afrika und sonst woher hören, sondern er müsse freie Bahn schaffen für die Progressiven Männer des Fortschrittes! Diese an Rom adressierte Drohbotschaft enthüllt aber noch etwas. Liest man aufmerksam Kath-Info zu dieser Causa, dann drängt sich der Eindruck auf, daß die Sache eigentlich schon im Vorfeld im Sinne der Progressiven entschieden ist. Aber man scheint sich in der OHL (Oberste Heeresleitung) der Fortschrittskräfte seines Sieges doch nicht so sicher zu sein, und setzt jetzt auf Drohungen gen Rom.
Nur sollte man diese Drohbotschaft nicht nur als einen taktischen Winkelzug im Kampf um die Vorherrschaft über die Familiensynode zu Rom ansehen. Denn der Wille zu einer Dezentralisierung der Römisch-Katholischen Kirche ist selbst ein eigenständiges Reformziel der Progressiven. Die Stärke der Römisch-Katholischen- Kirche war und ist immer ihr Zentralismus gewesen-gerade der bewahrte sie und bewahrt sie immer noch davor, ähnlich wie die eher nationalkirchlich organisierten Protestanten und Anglikaner zum Opfer des Zeitgeistes in den jeweiligen Heimatländern zu werden. Im Hintergrund steht dabei die Rezeption des zutiefst antikatholischen Prinzipes der Subsidarität auf den Corpus der Kirche selbst. Konstruiert wurde dies Prinzip von einer reformierten Synode in Emden-das ist kein Ostfriesenwitz!-in antikatholischer und antilutherischer Intention, indem sich die Reormierten, um es modern auszudrücken, als erste basisdemokrstische Gemeinschaft von weitestgehend autonomen Gemeinden zu präsentieren, denen jede der Gemeinde übergeordnete Leitungsebene eine Bedrohung der individuellen Freiheit der Basisgmeinde ist. Die Katholische Kirche importierte diese Büchse der Pandora nur in ihrer Sozialllehre, um dem Anspruch des sich herausbildenden Nationalstaates, alles Lebensrelevante durch ihn zu gestalten, eine Grenze entgegenzuhalten, um Freiräume für ein Gestalten durch die Kirche so zu erwirken. Den Staat zu schwächen, um so Freiräume zu erlangen, heißt so diese defensiv Verteidigungsparole einem sich absolut zu setzen beginnenden Staat gegenüber. Dies impliziert so den Anspruch der Wahrheit, der in der Kirche offenbaren, daß das öffentliche Leben gemäß der Wahrheit zu regeln, aufzugeben und sich in Nischenfreiräume zurückzuziehen. Wird dies Prinzip der Schwächung des Staates, um Freiräume für die Kirche zu erwirken,nun auf die Kirche selbst appliziert, schwächt natürlich dies die Römisch-Katholische Kirche.Dies Prinzip auf die Kirche anzuwenden, ist so, wie Salzwasser in ein Süßwasseraquarium einfüllen.
Aber das ist der Wille des DBK-Vorsitzenden Marx, wie es Kath net am 26.2. 2015 in dem Bericht: „Wir sind keine Filiale Roms“ dokumentiert! Man könnte fast geneigt sein, zu meinen, daß Kardinal Marx der Regionalpapst Deutschlands werden möchte, dem der römische Papst nichts zu sagen hat und der über das Instrumentarium der Bischofskonferenz die anderen Bischöfe auf Linie bringen will! Der Wille zur Macht ist hier unübersehbar.
Aber diesem Regionalaufstand wider Rom soll nun auch ein theologischer Aufstand gegen die Lehre der Kirche zur Seite gestellt werden. Und diesen Part möchte nun Bischof Bode in diesem Delegiertendreierbund zur Familiensynode zu Rom übernehmen. Bischof Bode hat sich ja für diese Synode durch sein positives Votum zu dem Memorandum der Theologieprofessoren qualifiziert. (Vgl Kath net vom 16.2.2011) Zur auf der Synode zu behandelnden Causa steht in diesem Memorandum: Die kirchliche Hochschätzung der Ehe und der ehelosen Lebensform steht außer Frage. Aber sie gebietet nicht, Menschen auszuschließen, die Liebe, Treue und gegenseitige Sorge in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft oder als wiederverheiratete Geschiedene verantwortlich leben.“
Auszuschließen meint hier natürlich auch oder gar im Besonderen von dem Empfang der hl. Eucharistie! Treue und Liebe und gegenseitige Sorge qualifiziere so auch eine Homosexehe zu einer Lebensform, die den würdigen Empfang der Eucharistie erlaub; das gelte dann auch für „Geschieden-Wiederverheiratete“. Wie aber ein Geschiedener seine Treue zur ersten Ehe leben kann, wenn er gleichzeitig treu in der zweiten nur standesamtlich geschlossenen Ehe lebt, das wird wohl ewig ein Geheimnis dieser progressiven Protesttheologen bleiben müssen.
Aber Bischof Bode will grundsätzlicher die Kirche und die Theologie modernisieren.In Kath net heißt das dann so: „Für Bode sei es eine Grundfrage, ob nicht nur Schrift und Tradition Quellen der theologischen Erkenntnis seien, „sondern auch die Realität von Menschen und der Welt“. Er beruft sich dabei auf das Zitat aus „Gaudium et spes“: „Es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen (denen der Jünger, A.d.R.) seinen Widerhall findet“. Seine Schlussfolgerung: „Nicht nur die christliche Botschaft müsse Resonanz in den Menschen finden, sondern die Menschen müssen Resonanz bei uns finden.“ (Kath net 26.2. 2015, DBK-Voritzender Marx...)
Der Begriff der Quelle theologischer Erkenntnis wird hier in einem ganz bestimmten Sinne benutzt. Der Begriff sagt: was ist der Ort, der wahre Aussagen über Gott ermöglicht und normative der Moralellehre: was soll sein und was soll nicht sein! Die Realität des Menschen besagt stattdessen nur, was ist. Die wissenschaftliche Moraltheologie enthält selbstredend nur normative Aussagen als Element ihrer Wissenschaft Dagegen sind Aussagen über das, wie es ist, indikativische Aussagen ohne Relevanz, es sei denn als Hilfsaussagen zur Erhebung von normativen Aussagen. Zur Veranschaulichung: die normative Aussage, es ist nicht erlaubt, betrunken Auto zu fahren, wird durch die indikativische, es gibt Autofahrer, die betrunken Auto fahren, nicht tangiert. Es gibt nur diesen Zusammenhang: käme es nie vor, daß Autofahrer betrunken Auto führen, bräuchte es das Verbot nicht. Aber zu urteilen: für die Normen des Straßenverkehres wäre die Tatsache, daß Autofahrer betrunken Auto fahren, als Norm begründende Quelle zu berücksichtigen, ist absurd. Das hieße nämlich: weil betrunken Auto gefahren wird, dürfte das Betrunkenautofahren nicht mehr pauschaliter als unerlaubt angesehen werden, weil und nur weil es geschieht, daß Betrunkene Auto fahren! Hier verursacht Bischof Bode eine totale Konfusion im theologischen Denken, indem er Quellen von normativ wahren Aussagen der Moraltheologie vermischen will mit einer Quelle, die nur indikativische Aussagen über das, was Menschen tuen und nicht tuen zuläßt. Aber in jedem Proseminar der Moralthologie müßte man schon gelernt haben, daß der Schluß von einer indikativischen zu einer normativen Aussage (seit Hume) als naturalistischer Fehlschluß -rechtens-gilt-sozusagen ein klassischer Anfängerfehler!
Daß Menschen nicht nur lieben, sondern auch hassen, nicht nur die Wahrheit sagen sondern auch gern lügen, all diese unbestreitbaren Tatsachen, sagen nichts über die Normativität dieser Ereignisse, daß Menschen so handeln, aus und können es auch nicht. Bischof Bode will offensichtlich mit dieser Hinzufügung einer neuen Quelle zur Konstruktion normativer Sätze der Moraltheologie nur eines erreichen, nämlich, die Anpassung der Moral an die Wirklichkeit schon in das Procedere des Hervorbringens normativer Sätze einzupflanzen. Einfach gesagt: wenn schon so viele Ehen geschieden werden, dann darf das nicht mehr als Sünde bezeichnet werden, weil es eben so oft in der Wirklichkeit vorkommt. Das, was ist, ist, weil es ist, so auch in Ordnung, könnte der heimliche Grundsatz dieser neuen Lehre von den Quellen der Morallehre des Bischofs Bode bezeichnet werden. Das wäre nun der vollständige Ruin jeder Morallehre. Das Resonanzfinden, von dem Bischof Bode hier spricht, ist dabei eine wahre Mogelpackung. Es sagt nämlich nicht aus, als was indikativische Tatsachen Resonanz in der Morallehre finden sollen. Der Bischof meint damit, daß aus indikativischen Aussagen normative der Morallehre werden sollen und verzeichnet diesen Wechsel des Modus einer Aussage, daß aus einer indikativischen eine normative wird, zu einem Resonanzfinden! Das wäre so, als wenn die Tatsache, daß Menschen betrunken Auto fahren, Resonanz in der Straßenverkehrsordnung finden sollte in der Form, daß nun das Betrunkenautofahren nicht mehr unerlaubt sei dürfe, weil es tatsächlich so ist, daß nicht jede Trunkenfahrt zu einem Autounfall führt!
Um die prinzipielle Differenz zwischen dem, wie Menschen leben und dem, wie sie zu leben haben, auflösen zu können, um so der Morallehre mehr Lebensnähe zu verschaffen, will dieser Bischof einfach die Normsätze der Morallehre dadurch, daß er der Realität eine normative Qualität zuschreibt, tendenziell auflösen. Wenn die Menschen sich nicht nach der Moral richten (wollen), muß eben die Moral sich nach den Menschen richten! Angesichts dieses Duo infernale müssen wir wohl mit dem schlimmsten für den deutschen Beitrag zur Familiensynode rechnen!





1Mann, Thomaa, Betrachtungen eines Unpolitischen, Der Protest, 1988, S. 34.

Kommentare:

  1. Bravo!!! Oben einmal Kardinal Müller, woe es wohl Marx heißen sollte, und weitere Schreibfehler, bitte nochmal drüber gehen, DER Text ist zu schade dafür, lieber Kollege!!

    Ihr

    GL

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  2. Ist die Wurzel dieser Denkweise von Bode und vielen, vielen anderen das Verdunsten des Glaubens? Meint Herr Bode, dass man nur auf seine vorgeschlagene "menschliche" Weise den Menschen "heilen" kann? Weil er nicht (mehr) glaubt, dass Gott auf SEINE Weise auch (aus aus menschlicher Sicht) hoffnungslose Situationen heilen/zum Leben in Fülle führen kann (worunter eigentlich jede Ehe fällt - von welcher Ehe darf man aus menschlicher Sicht schon hoffen, dass sie lebenslang und froh hält?). Und/oder kann Herr Bode nicht mehr an den tiefen, aus menschl. Sicht oft unerkennbaren Wert des Leidens (z.B. an einer Trennung) glauben? Glaubt Herr Bode nicht, dass Gott den oft bemühten Graben zwischen Lehre (Anspruch/Glaube) und Leben (Realität) mit SEINER Gnade überwinden kann?
    Ist es also bei tieferer Betrachtungsweise keine Sorge um Kirchensteuerwegfall, die Bode u.ä. umtreibt, sondern echte Sorge um die Menschen, die sich, weil "vernünftig rahnerisiert", nicht mehr anders zu helfen weiss?

    Bisher habe ich zu diesen Fragen keine Antwort finden können.

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