Sonntag, 15. Februar 2015

Ausgrenzen und Eingliedern, oder ein heimliches päpstliches Votum zur Frage der Zulassung zum Sakrament der Eucharistie?

Der Papst predigte:

„Es sind zwei Arten von Logik des Denkens und des Glaubens: die Angst, die Geretteten zu verlieren, und der Wunsch, die Verlorenen zu retten. Auch heute geschieht es manchmal, dass wir uns am Kreuzungspunkt dieser beiden Arten der Logik befinden: der Logik der Gesetzeslehrer, das heißt die Gefahr zu bannen durch Entfernen der angesteckten Person, und der Logik Gottes, der mit seiner Barmherzigkeit den Menschen umarmt und aufnimmt, ihn wiedereingliedert und so das Böse in Gutes, die Verurteilung in Rettung und die Ausgrenzung in Verkündigung verwandelt..“

Anlaß dieser gewagten These war das heutige Sonntagsevangelium: Jesus heilt einen Aussätzigen. Eigentlich ist diese Causa so einfach, daß man als Prediger das Problem hat: worüber predige ich angesichts dieses so klaren und in sich evidenten Textes.
Da gibt es die gute Ordnung des Mose (und wir dürfen und müssen hier mithören, daß er Gesetzgeber im Auftrage Gottes ist, sodaß sein Gesetz Gottes Gesetz ist): wenn ein Mensch an einer seine Mitmenschen gefährdenden Krankheit leide, ist er zum Schutz der Mitmenschen zu isolieren. Ob eine solche Krankheit vorliegt, das festzustellen wird dem Berufsstand der Priester zugeordnet-damit nicht jedermann willkürlich seinen Nächsten als "unrein" diffamieren (oder moderner gesagt: mobben) kann. Der moralische Grundsatz, daß das Wohl des Einzelnen dem der Allgemeinheit unterzuordnen ist-aber es ist noch mehr: diese Ordnung bewahrt den Erkrankten davor, selbst schuldig zu werden, indem er durch zwischenmenschliche Kontakte Mitmenschen infiziert. Eine weitere Schutzbestimmung: es reicht nicht, wenn sich ein Erkrankter wieder gesund fühlt, um sich in die Sozialgemeinschaft zu reintegrieren-nein, es muß von einem Priester festgestellt werden, daß er wieder rein ist. 
Protestiert in irgendeiner Weise Jesus gegen diese kluge Gesetzgebung Mose im Auftrage Gottes? Mitnichten. Er heilt den Kranken und sagt dann zu ihm: gehe zu einem Priester, aufdaß er deine Heilung feststellt, sodaß er dich dann durch sein Urteil: wieder rein! in die Sozialgemeinschaft reintegriert. Deutlicher und klarer kann der Heiland die Ordnung Mose nicht anerkennen! Nicht Jesus reintegriert den Kranken sondern daß überläßt er hier den Amtsträgern, den Priestern-denn er weiß, daß auch sie von Gott in ihr Amt eingesetzt worden sind. 
Was macht nun der Hl. Vater Franziskus daraus: er setzt die Ordnung des Mose gegen die Ordnung Jesu-als wäre der Sohn Gottes in die Welt gekommen, um die Werke Mose, seine gute Ordnung zu zerstören! Aus Mose Ordnung wird eine Angstordnung-sie werde bestimmt von der Sorge der Gesunden, ihre Gesundheit zu verlieren! Damit wird diese Ordnung moralisch diffamiert. Die Gefahr, die von eine ansteckenden Krankheit ausgeht, die zu Jesu Zeiten zu recht als unheilbar galt, wird völlig außer Acht gelassen. Stattdessen wird das Leiden der "Ausgegrenzten" in den Vordergrund der Predigt gestellt. Moraltheologisch heißt dies, daß der mosaischen Gemeinschaftdsordnung es zum Vorwurf gemacht wird, daß sie um des Allgemeinwohles willen Rechte einzelner begrenzt. Aber jedes soziale Gemeinwesen ist auf dies Prinzip angewiesen. Wer in einem Mietshaus mit vielen Mitbewohnern lebt, darf und kann für sich nicht beanspruchen, zu jeder beliebigen Zeit beliebig laut zu musizieren, auch wenn er Berufsmusiker ist, um des Wohlergehens der Mitbewohner willen, die ihren nächtlichen Schlaf haben wollen-zu Recht! In allen Bereichen muß jedes Gemeinschaftswesen um des Gemeinwohles willen Rechte Einzelner einschränken können. Das wird bei uns in Deutschland auch so praktiziert bei gefährlich ansteckenden Krankheiten, etwa bei Tuberkulose oder bei Ebola. Und so muß es auch praktiziert werden-oder will jemand ersthaft Freiheit für Triebtäter verlangen, damit sie nicht gesellschaftlich ausgegrenzt werden?
Besonders problematisch, daß nun Mose und Jesu antithetisch gegenübergestellt werden! Nur in einem Punkte korrigierte Jesus Mose-in der Causa der Erlaubtheit von Ehescheidungen, sonst bejahte dieser Lehrer der Gerechtigkeit Mose als Lehrer! 
Zudem wird Jesu Heilpraxis völlig verkannt: er sagt ja nicht der Öffentlichkeit: Ihr dürft euch nicht mehr an die Ordnung Mose halten-ihr müßt jetzt die an ansteckenden Kranken Leidenden unter euch aufnehmen und sie so reintegrieren. Er lehrt nicht, daß es ein Unrecht oder ein Akt wider die Liebe wäre, das Gemeinwohl Gefährdende auszugrenzen zum Schutze aller-nichts davon: Jesus heilt ihn und nur so ermöglicht er die Reintegration des Ausgeschlossenen-und er nimmt nicht selbst die Wiedereingliederung des Ausgeschlossenen vor-das überläßt er dem, der dazu zuständig ist, dem Priester. Der soll gemäß der Ordnung des Mose die Heilung diagnostizieren und dann ihn wieder rechtens in die Sozialgemeinschaft aufnehmen!   
Noch ärger ist es, der Ordnung des Mose die Ordnung Gottes gegenüberzustellen! Mose ist gerade der Vertreter der Ordnung Gottes! Worin soll den nun die göttliche Ordnung der Barmherzigkeit bestehen,die der Ordnung des Mose widerstreiten soll? Auch hier wird der Evangeliumstext mißverstanden, um es vorsichtig auszudrücken. Jesu therapeutisches Handeln besteht in dem den Kranken Berühren. Sicher, manchem Spiritualisten und Wort Gottes Theologen ist Jesu Heilpraxis oft ein Ärgernis-statt, daß er bloß durch das gesprochene Wort -durch das Wort allein-heilt, wenn und nur wenn es in Glauben angenommen wird- ist er auch körperlich praktisch handelnd: Er berührt und durch dies Berühren heilt er; er läßt die blutflüssige Frau sein Gewand berühren und durch dieses Berühren wird sie heil. Nebenbei: all dies sind Präfigurationen der kirchlichen Praxis der Sakramente und Sakramentalien!-gegen eine das Wort-Allein-Theologie. Jesus heilt dadurch, daß er ihn berührt. Damit bewegt und agiert Jesus ganz in der Vorstellungsswelt des Gesetzeslhrers Mose: Berühren ist keine belanglose Tätigkeit, sondern es gilt: Reines kann durch die Berührung mit dem Unreinen kontaminiert werden. Die Ordnung des Reinen verlangt den Ausschluß des Unreinen. Darum, und nur darum purifizierte Jesus den heiligen Tempel, den Tempel seines Vaters von dem, was an profanen Tätigkeiten diese Heiligkeit zu kontaminieren drohte. Und jetzt demonstriert Jesus seine überlegene Heiligkeit an: statt daß die Unreinheit des Kranken sich auf ihn überträgt, und er infiziert wird, purifiziert seine Reinheit die Unreinheit des Kranken-und auch und gerade diese Reinigung geschieht durch den Berührungsakt! Der Berührungsakt ist nun nicht selbst schon die Wiederaufnahme in die Sozialgemeinschaft-sondern nur die Heilung als die notwendige Voraussetzung der Heilung. Und die Wiederaufnahme vollzieht der dazu von Gott, Jesu Vater bestimmte Priester!   
Was soll nun alles plötzlich etwas Negatives sein? Das Gesetz Mose, das Gesetz Gottes? Das sei ferne
Es soll nun gar das "Verurteilen" etwas Böses sein! Wenn der Arzt eine unheilbare Krankheit diagnostiziert, die lebensgefährlich und sehr ansteckend ist und er Quarantäne fordert, dann tut er Böses?  Das sei ferne! 
Hier wird das Denken des Papstes konfus-anders kann das nicht mehr beurteilt werden. Verurteilen und Ausgrenzen gehört zu den Grundvollzügen der Kirche: sie verurteilt Lehren, die nicht mit der Wahrheit kompatibel sind, sie grenzt Häresien aus-das tat sie, seit sie lebt und nun soll das der göttlichen "Barmherzigkeit"   widersprechen?
Nun ahnt uns ganz Schlimmes: ist die Vokabel der "Barmherzigkeit"nicht  die Kampfparole aller Modernisten im aktuellen Krieg gegen die Lehre der Kirche von der Ehe?  Gestz, Ordnung, Verurteilen, Ausgrenzen-all das darf es nicht mehr geben, denn die göttliche Barmherzigkeit sage Ja zu jedem Menschen, egal wie er ist und wie er lebt. Man beachte die Auslassung in dieser Auslegung des Evangeliumes: daß Jesus erst heilt und dann den Geheilten wieder aufnehmen läßt in die Sozialgemeinshaft wird hier umgeformt: die Heilung, das Berühren wäre schon die Reintegration-nicht muß der Sünder erst geheilt werden, um dann aufgenommen zu werden-nein er wird-als Sünder schon wiedér aufgenommen und die Wiederaufnahme des Sünders, der Sünder bleibt, ist seine Heilung!  Und eigentlich gibt es hier nur eine Sünde: die der Ausgrenzung des Erkrankten und Jesu beseitigt hier nur das dem Kranken angetane Unrecht.
Übertrüge man das 1zu 1 auf die Debatte der Zulassung zur hl. Kommunion, käme heraus: die einzige Sünde ist die, daß Menschen nicht zu ihr zugelassen werden durch pharisäische Dogmatiker und Jesu Barmherzigkeit fordere nun die Außerkraftsetzung des (Kirchen)Gesetzes (wie des Gesetzes Mose) zugunsten der Integration aller, die zur Kommunion wollen!  O was für Zeiten der Konfusion!

Nachtrag: diese theologische Konzeption beruht aber auch auf einer unkritischen Rezeption der liberalen Weltanschauung, in der jeder Einzelmensch sich selbst das höchste Gut ist und so jedem Einzelnen es als Unzumutbarkeit vorkommt. um des Allgemeinwohl willens selbst sich zurücknehmen zu wollen: selbst wenn ich mit einer tödlich ansteckenden Krankheit infiziert wäre ertrüge ich es nicht, wenn meine Freiheit zum Schutze der Anderen vor einer tödlichen Ansteckung limitiert würde. Aber eine Sozialgemeinschaft ist nur so lange überlebensfähig, wie sie Kraft besitzt, sich vor der Willkprfreiheit ihrer Einzelmitglieder zu schützen, indem sie Freiheitsrechte Einzelner einschränkt, wie im Falle einer Quarantäne. 

(Zur Predigt siehe Kath net vom 15.2. 2015, die Papstpredigt)     


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