Wie ein Chefankläger des Ostens zu einer unerwünschten Person wurde – oder wie das Seelisch- Geistige zu verschwinden begann, auch die Religion!
Als der russische Schriftsteller seinen „Archipel Gulag“ publizierte, avancierte er nicht nur in der antikommunistischen Presse zu dem Chefankläger der Sowjetunion, ja er galt nun als der Widerleger des orthodoxen Marxismus, (so Professor Eßbach in seiner Vorlesung über die Postmoderne) der die freie westliche Welt damit verteidigte als die einzig gute und vernünftige Gesellschaftsordnung. Der Vernunft stand so die irrationalistischen Ideolgien des Nationalsozialismus und des Kommunismus gegenüber und jeder Christ wußte so nun auch, auf welcher Seite er zu stehen habe und wo sein Feind stünde.
Aber dann schrieb dieser russische Schriftsteller solches: „Die massengesellscchaftlichen Systeme des Kommunismus und Kapitalismus sind identisch,verankert in den Dogmen der Aufklärung eines ideologischen Liberalismus, in der seelischen Entwurzelung der Völker. Ethnoizd beginnt mit dem Mischmasch der Nationalkulturen.“1
Daß dieser russische Schriftsteller sich damit völlig ins Abseits gestellt hat, ist offenkundig, aber vielleicht könnte man ja Papst Franziskus Parole: „Raus zu den Rändern, raus aus der Komfortzone“ ja auch ganz eigenwillig so deuten, daß man Autoren liest, die man nicht mehr zitieren darf, will man nicht aus dem öffentlichen Diskursen ausgeschlossen werden.
Der Kapitalismus und der Kommunismus sind also beide gleichermaßen in der Aufklärung fundiert. Die vernünftige Ordnung des Kapitalimus und die irrationalistische des Kommunismus basierten beide in der Aufklärung. Was wird denn nun der Aufklärung entgegengesetzt? Der Vorwurf der „seelischen Entwurzelung der Völker“ setzt als etwas Positives die Vorstellung voraus, daß die Völker sich durch eine ihnen eigene Seele auszeichneten und daß das bewahrt werden solle. Der „Mischmsch der Nationalkulturen“ löse diese Volksseelen auf und aus den Völkern werden Massen von Menschen, die Massengesellschaften bildeten.
Das dem Kapitalismus wie dem Kommunismus Gemeinsame ist somit ihr Antinationalismus: Sie wollen Beide eine globale Ordnung, eine für die ganze Welt sein, ín der dann alle Nationalkulturen sich aufzulösen hätten. Noch eine andere Antithetik spielt hier eine Rolle, die von der Aufklärung und der Seele. Die Seele steht hier, um es mit einem wunderschönen romantischen Begriff zu benennen für das Gemüt, das eigentümlich Individuelle, die Aufklärung dagegen für das Verstandesdenken2, das seinen authentischten Ausdruck in der Rechenkunst findet. Daß heißt etwa:Statt metaphysisch über die Qualität eines Kunstwerkes nachzudenken, wird gezählt, wie viel Gewinn man damit erzielen kann. Das Wahre und Gute transforiert sich dabei zur Frage des Nützlichen und die Nützlichkeit von etwas ist berechen- und zählbar.
Der „ideologische Liberalimus“ soll dabei einerseits den Willen der Auflösung aller nationalen Identitäten bezeichnen im Namen des Einzelbürgers als eines Individuumes und soll anderersseits die Nationalkulturen auflösen durch die Propagierung des gemeinsamen Menschseins aller Menschen, die eine nationale Identität nicht zuließe. Und der Liberalismus steht für den Primat der Ökonomie. Liberale wie auch die orthodoxen Kommunisten erstreben als den Endzustand eine staatslose Weltgesellschaft an, die allein durch die vernünftig gestaltete Ökonomie lebe.3
Für diesen russischen Autoren ist der Mensch in seine ihm eigene Volkskultur eingebunden und die ist etwas Seelisches, Geistiges, das als solches weder in den Kapitalismus noch in dem Kommunismus hineinpaßt. Für diese Beiden ist stattdessen die Technik, der technische Fortschritt das Eigentliche für den Menschen, das Geistige verkommt im Kapitalismus zu einer Ware und im Kommunismus soll alles Geistige nur noch der kommunistischen Propaganda dienen, die das Heil des Menschen in der immer besser werdenden Naturbeherrschung und der vernünftigen Gestaltung dieser Beherrschung ansieht.Für die Religion als etwas Geistigem für das Seelenleben eines Volkes haben so beide Systeme letztendlich nichts übrig, sind beide doch materialistisch denkend und das heißt immer, der Ökonomie den Primat zuzusprechen!
1Zitiert nach: Helmut Schröcke,Der Jahrhundertkrieg 1939-1945, 2005, S.84.
2Mit der Differenz von Verstand und Vernunft versuchte nicht nur Hegel, die Einseitgkeit des aufklärerischen Denkens und die romantische Kritik daran in das phillosophische Denken zu integrieren, sodaß diese Philosophie nicht einfach als aufklärerische bezeichnet werden kann, sondern sie ist ideallistisch!
3Hierzu muß an Lenins Schrift: „Der Staat und die Revolution“ erinnert werden, in der die Diktatur des Proletariates nur für eine Übergangszeit als notwendig gelehrt wird, daß aber das Ziel die staatslose Menschheitssgesellschaft verkündigt wird. Auch dem Liberalen ist der Staat nur ein notwendiges Übel, das immer die Freiheit des Unternehmers gefährdet.