Freitag, 29. August 2025

Wie ein Chefankläger des Ostens zu einer unerwünschten Person wurde – oder wie das Seelisch- Geistige zu verschwinden begann, auch die Religion!

 

Wie ein Chefankläger des Ostens zu einer unerwünschten Person wurde – oder wie das Seelisch- Geistige zu verschwinden begann, auch die Religion!



Als der russische Schriftsteller seinen „Archipel Gulag“ publizierte, avancierte er nicht nur in der antikommunistischen Presse zu dem Chefankläger der Sowjetunion, ja er galt nun als der Widerleger des orthodoxen Marxismus, (so Professor Eßbach in seiner Vorlesung über die Postmoderne) der die freie westliche Welt damit verteidigte als die einzig gute und vernünftige Gesellschaftsordnung. Der Vernunft stand so die irrationalistischen Ideolgien des Nationalsozialismus und des Kommunismus gegenüber und jeder Christ wußte so nun auch, auf welcher Seite er zu stehen habe und wo sein Feind stünde.

Aber dann schrieb dieser russische Schriftsteller solches: „Die massengesellscchaftlichen Systeme des Kommunismus und Kapitalismus sind identisch,verankert in den Dogmen der Aufklärung eines ideologischen Liberalismus, in der seelischen Entwurzelung der Völker. Ethnoizd beginnt mit dem Mischmasch der Nationalkulturen.“1

Daß dieser russische Schriftsteller sich damit völlig ins Abseits gestellt hat, ist offenkundig, aber vielleicht könnte man ja Papst Franziskus Parole: „Raus zu den Rändern, raus aus der Komfortzone“ ja auch ganz eigenwillig so deuten, daß man Autoren liest, die man nicht mehr zitieren darf, will man nicht aus dem öffentlichen Diskursen ausgeschlossen werden.

Der Kapitalismus und der Kommunismus sind also beide gleichermaßen in der Aufklärung fundiert. Die vernünftige Ordnung des Kapitalimus und die irrationalistische des Kommunismus basierten beide in der Aufklärung. Was wird denn nun der Aufklärung entgegengesetzt? Der Vorwurf der „seelischen Entwurzelung der Völker“ setzt als etwas Positives die Vorstellung voraus, daß die Völker sich durch eine ihnen eigene Seele auszeichneten und daß das bewahrt werden solle. Der „Mischmsch der Nationalkulturen“ löse diese Volksseelen auf und aus den Völkern werden Massen von Menschen, die Massengesellschaften bildeten.

Das dem Kapitalismus wie dem Kommunismus Gemeinsame ist somit ihr Antinationalismus: Sie wollen Beide eine globale Ordnung, eine für die ganze Welt sein, ín der dann alle Nationalkulturen sich aufzulösen hätten. Noch eine andere Antithetik spielt hier eine Rolle, die von der Aufklärung und der Seele. Die Seele steht hier, um es mit einem wunderschönen romantischen Begriff zu benennen für das Gemüt, das eigentümlich Individuelle, die Aufklärung dagegen für das Verstandesdenken2, das seinen authentischten Ausdruck in der Rechenkunst findet. Daß heißt etwa:Statt metaphysisch über die Qualität eines Kunstwerkes nachzudenken, wird gezählt, wie viel Gewinn man damit erzielen kann. Das Wahre und Gute transforiert sich dabei zur Frage des Nützlichen und die Nützlichkeit von etwas ist berechen- und zählbar.

Der „ideologische Liberalimus“ soll dabei einerseits den Willen der Auflösung aller nationalen Identitäten bezeichnen im Namen des Einzelbürgers als eines Individuumes und soll anderersseits die Nationalkulturen auflösen durch die Propagierung des gemeinsamen Menschseins aller Menschen, die eine nationale Identität nicht zuließe. Und der Liberalismus steht für den Primat der Ökonomie. Liberale wie auch die orthodoxen Kommunisten erstreben als den Endzustand eine staatslose Weltgesellschaft an, die allein durch die vernünftig gestaltete Ökonomie lebe.3

Für diesen russischen Autoren ist der Mensch in seine ihm eigene Volkskultur eingebunden und die ist etwas Seelisches, Geistiges, das als solches weder in den Kapitalismus noch in dem Kommunismus hineinpaßt. Für diese Beiden ist stattdessen die Technik, der technische Fortschritt das Eigentliche für den Menschen, das Geistige verkommt im Kapitalismus zu einer Ware und im Kommunismus soll alles Geistige nur noch der kommunistischen Propaganda dienen, die das Heil des Menschen in der immer besser werdenden Naturbeherrschung und der vernünftigen Gestaltung dieser Beherrschung ansieht.Für die Religion als etwas Geistigem für das Seelenleben eines Volkes haben so beide Systeme letztendlich nichts übrig, sind beide doch materialistisch denkend und das heißt immer, der Ökonomie den Primat zuzusprechen!







2Mit der Differenz von Verstand und Vernunft versuchte nicht nur Hegel, die Einseitgkeit des aufklärerischen Denkens und die romantische Kritik daran in das phillosophische Denken zu integrieren, sodaß diese Philosophie nicht einfach als aufklärerische bezeichnet werden kann, sondern sie ist ideallistisch!

3Hierzu muß an Lenins Schrift: „Der Staat und die Revolution“ erinnert werden, in der die Diktatur des Proletariates nur für eine Übergangszeit als notwendig gelehrt wird, daß aber das Ziel die staatslose Menschheitssgesellschaft verkündigt wird. Auch dem Liberalen ist der Staat nur ein notwendiges Übel, das immer die Freiheit des Unternehmers gefährdet.

Donnerstag, 28. August 2025

Eine indiskutable Kritik des freien Westens – ist sein Fundament doch das Christentum,oder?

 

Eine indiskutable Kritik des freien Westens – ist sein Fundament doch das Christentum,oder?



Tatsächlich zitiert Helmut Schröcke in seinem Buch: „Der Jahrhundertkrieg,1939 -1945 Chruschtschow und enthält sich dazu jedes Kommentares, wie er es ausdrücklich betont. „Nicht der Mensch zählt,sondern der Dollar...Kapitalbedarf und Profit stehen dort im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit,nicht Menschen.Die herrschenden Schichten schildern den sogenannten American Way of Live als Modell für die „Freie Welt“. Aber was für eine Freiheit ist das? Es ist die Freiheit auszubeuten...´die Freiheit zu verhungern,die Freiheit,arbeitslos zu werden...das bedeutet Freiheit für den Monopolkapitalismus,die arbeitenden Menschen zu unterdrücken, die Leute mit dem Zwei-Parteien- System an der Nase herumzuführen und ihren Partnern in den militärischen Blöcken den eigenen Willen aufzuzwingen.Eine solche Gesellschaft bereitet den Nährboden für Kriege.“1

In diesem Buch hat dieses Zitat die Funktion,die schlichte naive Vorstellung, im 2.Weltkriege hätten einfach die „Guten“ unter der Führung der USA gegen die „Bösen“,uns kriegslüsternden Deutschen gekämpft, zu desavouieren. Der russische Politiker wird dann eigens zitiert,um anzuzeigen, daß auch der West-Ost-Konflikt nicht einfach einer zwischen dem guten Westen und dem bösen Osten ist. Genüßlich wird dann noch dieser Ausspruch Chruschtschow zitiert: „Sie werden uns infolge ihrer sittlichen Verkommenheit wie eine reife Pflaume in den Schoß fallen.“2 Auch wenn das dann so nicht eintrat, es kommt hier allein auf die Qualifizierung des Westens als sittlich verkommen an.Dazu paßt es denn auch, wenn in diesem Buch der amerikanische Oberbefehlshaber Eisenhower so zitiert wird: „Wenn ich an irgendeinen unter der Folter langsam sterbenden Deutschen denke, sei es Mann,Frau oder Kind,macht mich das froh.“3

Es wäre ein großer Gewinn für die Geschichtswissenschaft,überwände sie diese hypermoralistische Verschreibung der Geschichte, wozu sie sich aber auch von der Bevormundung von der Politik befreien müßte, daß der politische Diskurs ihr vorschreibt, wie sie die Geschichte zu schreiben habe.Nur Gott ist das vollkommen Gute und der Teufel allein das vollkommen Böse. Uns Menschen ist es nun so mal nicht gegeben, so gut wie Gott oder so böse wie der Teufel zu sein, oder um es farbästhetisch zu formulieren: Wenn Gott weiß und der Teufel schwarz ist, dann sind wir Menschen stets Grauwesen,mal hell- mal dunkelgrau, aber immer grau.(Die Muttergottes ist davon aber auszunehmen!)

Der „Freie Westen“ ist eben nicht nur die schöne Welt der Freiheit, sondern auch die, die hier der russische Politiker so polemisch skizziert.Der amerikanische Untergundschriftsteller Charles Bukowski schildert eben auch eine Wahrheit Amerikas,die andere Hollywood. Große Sympathie genießt so das Narrativ, daß diktatorisch - totalitäre Staaten gerne Kriege führten, demokratische aber nicht, denn da die Mehrheit eines jeden Volkes den Frieden mehr liebt als den Krieg,und die Mehrheiten die Politik in den demokratischen Staaten bestimmten,führten die kaum Kriege. Aber seit 1945 sind die allermeisten Kriege vom „Freien Westen“ geführt worden!

Man braucht nun auch kein Hypermoralist zu sein, um festzustellen, daß die Dekadenz des „Freien Westens“ auch sich in ihrer Permissivität manifestiert.Der Primat der Ökonomie ist nun so offensichtlich, daß, denkt man an das Ursprungsprojekt der Moderne zurück,die Welt ganz neu auf dem alleinigen Fundament der Vernunft aufzuerbauen, dies Unternehmen als gescheitert angesehen werden muß. Wo die Vernunft herrschen sollte, wird nur noch das Geld und der Profit gezählt.

Es gibt so keinen zwingenden Grund, das die Kirche sich mit der freien westlichen Welt zu identifizieren hätte.Denn der Westen ist eben nicht eine Prolongierung des christlichen Abendlandes,die zu einem neuen Bund der Kirche mit dem Staat einlüde, den zumindest die deutschen Bischöfe erstreben.



1Helmut Schröcke Der Jahrhundertkrieg,2005,S.84f. Gegen das Geschichtsnarrativ,wir Deutschen trügen die Aleinschuld an den zwei Weltkriegen, bietet dieses Buch Beachtliches zur Kritik dieses Narratives.

2A.a.O. S.85

3A.a.O. S.293.

Mittwoch, 27. August 2025

Eine unerhörte Wahrheit: der Ordo salutis der Frau – oder was nicht im Neuen Testament stehen dürfte

 

Eine unerhörte Wahrheit: der Ordo salutis der Frau – oder was nicht im Neuen Testament stehen dürfte



Der Apostelfürst Paulus hat es wirklich getan, er schrieb in seinem erstn Timotheusbrief: Die Frau „wird aber dadurch gerettet werden,daß sie Kinder zur Welt bringt,wenn sie in Glaube,Liebe und Heiligkeit ein besonnenes Leben führt.“ (2,15). Das Futur:wird gerettet werden verweist auf das Endgericht Gottes.Die Reihenfolge, daß zuerst das Kinderkriegen und danach das Leben in „Glaube,Liebe und Heiligkeit“ genannt wird, gibt zu denken.Sachlich evoziert diese Aussage die Anfrage, ob denn nicht ein frommes Leben als die Bedingung für das Gerettetwerden ausreicht.

Eines ist aber äußerst wahrscheinlich, daß, hätte ein Synodaler des Synodalen Weges diesen Vers aus dem ersten Timotheusbrief zitiert,dieser von den Anderen niedergebrüllt worden wäre.Aber das Allerskandöleste dieser frauenfeindlichen Äußerung versteckt in dem „aber“,das auf den 12.Vers verweist,lautet: „Daß eine Frau lehrt,erlaube ich nicht“. Statt daß sie in der Kirche lehrt, soll sie Kinder zur Welt bringen, und nun erhellt sich auch dem Leser der Sinn der Reihenfolge des 14.Verses: Statt daß eine Christin in der Kirche lehrt und so ihr Glaubensleben praktiziert, soll sie als Mutter ihr Glaubensleben praktizieren, und das heißt dann hier als die Antithese zum Lehren in der Kirche die religiöse Erziehung ihrer Kinder auf sich zu nehmen.

Es muß aber eingeräumt werden, daß die von Paulus hier angeführte Begründung in den Versen 12b bis 14 theologisch nicht so recht überzeugen mag: Daß die Frau nicht lehren und auch nicht über den Ehemann herrschen soll wird so begründet: „Denn zuerst wurde Adam erschaffen,danach Eva.“ (V13) Aber ein Mann konnte der Ersterschaffene erst werden durch seine Oppositionsstellung zu der Frau Eva. Am Anfang war also ein Mensch, der durch die Setzung der Frau erst zu einem Manne wurde1. In eine philosophische Sprache übersetzt heißt das, damit das Erzählte begriffen wird, daß erst die Idee des Menschen Gott setzte und dann die Differenz des Mann – und des Frauseins, daß der Urmensch in dieser Dualität sein sollte. Jeder Mensch ist somit entweder eine individuierte Realisation der Idee des Mann – oder des Frauseins. Im 14 Vers heißt es dann gar: „Und nicht Adam wurde verführt,sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot.“ Hier hat nun die feministische Theologie ein leichtes Spiel, da sie jetzt nur aus der Bibel zu zitieren braucht, daß dann Adam sich ebenso verführen ließ.



Soll und kann also nun die Theologie leichten Herzens diese Aussage des Apostelfürsten als bedauerliche Kuriosität ad acta legen? Aber vielleicht wird so zu schnell etwas Bedeutsames aus der hl. Schrift entfernt. Das erste Gebot Gottes lautet bekanntlich,oder müßte ich eher sagen unbekanntlich: Und Gott segnete sie, und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch“ und ann wird das zweite Gebot Gottes gleich hinzugefügt: „und erfüllet die Erde,und machet sie euch unterthan“.Die Vulgata liest hier: „subjicite eam“ = subjektiviert sie! (1.Mose,1,28)

Die erste Aufgabe des Menschen ist also die der Vermehrung. Vor dem Sündenfall, als es also noch nicht das Schicksal des Menschen war, sterben zu müssen, sollte der Mensch sich vermehren, damit er sich die von Gott geschaffene Welt „unterthan“ machen sollte. Das gleicht einer Mutter, die ihrem Kinde Legosteine gibt, damit es dann daraus alle Mögliche erbauen kann. Die von Gott geschaffene Welt ist somit keine einfach fertige sondern ist dem Menschen als seine Aufgabe, sie zu gestalten,übergeben worden.Durch den Sündenfall hat sich nun aber die Bedeutung der Fortpflanzung erweitert: Da es nun sein Schicksal geworden ist,sterben zu müssen, muß er sich fortpflanzen, da er sonst ausstirbt.(Lebten alle so enthaltsam wie Jesus Christus, stürbe die Menschheit in Kürze aus.)

Damit avanciert der Beruf der Mutter zu dem wichtigsten aller Berufe. Bekämen die Frauen keine Kinder mehr,stürbe die ganze Menschheit in Bälde aus. Deswegen ermahnt der Timotheusbrief die Frauen, diesen Beruf nicht zu vernachlässigen.2 Wenn sie nun meinten, sie wollten lieber in der Kirche lehren, statt Kinder zu gebären und sie zu erziehen,dann sagt dieser Brief: „Seid Lehrerin Eurer Kinder!“ Aus religionspädagogischer Perspektive ist zu sagen, daß Kindern, die keinerlei religiöse Erziehung zu Hause erfahren haben und auch keine gelebte Religion, schwerlich noch im schulischen Religionsunterricht einen Zugang zur Religion vermittelbar ist. Für die Vermittelung der christlichen Religion ist so der Dienst der Mutter fast unersetzbar.Gerade Frauen, die in der Kirche lehren möchten, sollen deswegen ihren Lehrerberuf an ihren eigenen Kindern ausüben.

Jetzt steht die Menschheit aber vor einem noch gravierendem Problem: Nicht nur in der westlichen Welt sterben jährlich mehr Menschen als geboren werden,sodaß der Experten der Bevölkerungsentwickelung prognostizieren, daß nicht erst in fernerer Zukunft die Menschheit zu schrumpfen beginnen wird.Für das Sozialleben zeitigt dieser Geburtenmangel schon jetzt bedrohliche Folgen: Die Krise unseres Sozialstaates, die jetzt täglich in den Medien beschworen wird, gründet sich zuallererst in den zu wenigen Geburten:Immer weniger Berufstätige müssen immer mehr Nichtarbeitende, Rentner und Pensionäre finanzieren. Und es fehlt dann auch das nötige Pflegepersonal. Auf Dauer kann dies Problem nicht durch den Import von Menschen aus der 3.Welt gelöst werden, da auch dort in Bälde mit einem Geburtenrückgang zu rechnen sein wird.

Vielleicht erschließt uns jetzt erst in Gänze die Bedeutung des ersten Gebotes, das Gott uns gab, angesichts dieser weltweit sich anbahnenden demographischen Fehlentwickelung und somit auch des Ordo salutis der Frau.

1Es heißt ja in 1.Mose 1,27: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“, (das ist selbst als Abbild Gottes das Urbild des Menschen) „als Mann und Weib erschuf er sie.“ Das Urbild des Menschseins differenzierte Gott so aus als das Mann – und das Frausein,,das ist sozusagen die Substanz der Männlichkeit und der Fraulickeit, die Idee davon ante rem, die sich dann in den vielen Männern und Frauen individuiert realisiert.

2Es könnte auch sein, daß einige Fauen ob ihrer Naherwartung der Wiederkunft Christi,meinten, keine Kinder mehr bekommen zu wollen und stattdessen lieber Christi Wiederkunft lehren wollten.

Dienstag, 26. August 2025

„Die biblische Religion ist diesseitsorientiert,auf das konkrete Leben des Menschen bezogen““.

 

Die biblische Religion ist diesseitsorientiert,auf das konkrete Leben des Menschen bezogen““1.



Hier kann jeder Bibelkundiger nur noch stauen und auch der Nachsatz macht diese Behauptung nicht wahrer: „und dies bleibt selbst dann noch selbstverständlich so, als Jenseitsvorstellungen entwickelt wurden.“2

Das konkrete Leben des Menschen“: Dann muß man aber das schlichte Faktum, daß es im Alten Testament in erster Linie um das von Gott für sich erwählte Volk Israel geht, und daß so die Differenz und die Konfliktgeschichte dieses Volkes mit den anderen Völkern das bestimmende Thema dieses Buches ist, überlesen. Zudem sollte auch nicht überlesen werden, daß im Neuen Testament der neue Bund Gottes mit der Kirche im Mittelpunkt steht. Daß dann auch der Mensch als Einzelner thematisert wird, ist ebenso unüberlesbar, aber in welcher Hinsicht, ist dann konkretisierend zu fragen. Die Alltagssorgen im Familien- und Berufsleben, dies konkrete Leben findet in der Bibel kaum statt, außer dem Problem der kinderlosen Frau. Von den zur Zeit Jesu höchst aktuellen politischen Fragen, kann sich das jüdische Volk aus der Beherrschung durch Rom befreien, finden sich kaum Niederschläge im Neuen Testament außer dem propagierten Gewaltverzicht gerichtet gegen die zeitgenössischen revolutionären Befreiungstheologen, isb den Zeloten.

Stattdessen dominiert die Frage: Wie kann ein Mensch in das Reich Gottes eingehen. Jesu Christi erste große programmatische Rede, die Bergpredigt, hat nur dies eine Thema, in der er sich auch sehr energisch von der pharisäischen Lehre absetzt, wenn er urteilt: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer,werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 5,20)

Die Bibel sei „diesseitsorientiert“ kann man nur vertreten, wenn entweder die ganze Verkündigung Jesu vom Kommen des Reich Gottes als eine Marginalie herabgestuft wird oder, wie es nicht nur die „Zeugen Jehovas“ praktizieren rabiat verdiesseitigen. Für den einzelnen Menschen rückt dabei die Frage, was wird mit mir sein, nachdem ich gestorben bin, in den Vordergrund, wohingegen das angekündigte zukünftige Reich Gottes am Ende der Zeiten mehr die Zukunftsperspektive der Kirche als Ganzer und der Menschheit als Ganzer betont. Zwei Betrachtungsebenen sind dabei zu beachten: Auf der Raumachse gilt der Dualismus von dem Dieseits und dem Jenseits, auf der Zeitachse der Dualismus des alten und des neuen Äöns. Sowohl der neue Äon wie auch die Verheißung des postmortalen ewigen Lebens sind bezogen auf unser jetziges Erdenleben Jenseitsvorstellungen, Vorstellungen von einem Jenseits des jetzigen Lebens.

Die Bibel entwickele Jenseitsvorstellungen: Diese Aussage verkennt völlig den Offenbarungscharakter der Gehalte der Jenseitsvorstellungen, indem sie so den bloßen Status von rein menschlich produzierten Ideen vom Jenseitigen zugeschrieben bekommen. Alles in der hl. Schrift dazu Gesagte ist also nur das Ergebnis menschlicher Imaginationskraft und man sie so für wahr halten aber auch für unwahr oder für wahrscheinlich oder unwahrscheinlich. So lautet auch der wichtigste Satz dieses Buches über das Reich Gottes und alle Jenseitsaussagen: „Ob es eine Auferstehung geben wird,weiß niemand zu sagen,Es gibt und kann in dieser Frage keine Gewissheit geben.“3 Eigentlich wäre es erstrebenswert, daß „Ich bzw Wir glauben“ zu ersetzen durch den Optativ: „O möge es doch so sein, daß...“

Aber nun soll sich auf den Terminus der Diessitigkeit kapriziert werden, den dieser Nietzscheleser so enthusiastisch feiert eingedenk der populären Parole der Treue zur Erde, In der Metaphysik gilt es, die drei Grundordnungen des Wahren, Guten und Schönen, der theoretischen, der praktischen und der ästhetischen Vernunft zu explizieren und erstmal auch zu unterscheiden. Das Wahre, das Gute und das Schöne sind nun ja selbst Ideen, deren Erscheinungen bzw Realisierungen wohl im Diesseitigen erkannt werden können, aber doch immer nur als ein Recognizieren dieser jenseitigen Ideen in dem, was als wahr, gut und schön erscheint. Das heißt, daß wir es hier mit dem jedem philosphischen Denken konstitutiven Dualismus von der Welt der Ideen und der Welt ihrer Erscheinungen zu tuen. Dieser dem metaphysischen Denken eigener Dualismus schließt so aber eine Fokussierung auf das bloß Diesseitige aus, denn das Wesentliche in der Welt, der diesseitigen ist das Erscheinen des Jenseitigen in ihr in diesen drei metaphysischen Ordnungen.

Wer nur die diesseitge Welt kennt, sie so verdiesseitigt konstruiert, erschafft eine wertlose Welt, denn Werte kann es in ihr nur durch diese drei metaphysischen Ordnungen geben, die ihren Grund in der jenseitigen Welt der Ideen Gottes haben, wobei diese Ideen von Gott als ihrem Hervorbringer noch zu distinguieren sind.

1Magnus Striet,Alte Formeln – lebendiger Glaube, S.109.

2Striet, a,a,O, S.109.

3Striet, a,a.O. S.134.

Montag, 25. August 2025

Der Kampf gegen die Kirche – Vorwärts mit der Entkernung der christlichen Religion

Der Kampf gegen die Kirche – Vorwärts mit der Entkernung der christlichen Religion



Cyprian verdanken wir die Erkenntnis: Niemand könne Gott zu seinem Vater haben, der die Kirche nicht zu seiner Mutter habe, Deswegen gehört der Kampf wider die Kirche zu den Hauptpunkten des Modernismus in all seinen Variationen. Dem Modernisten Alfred Loisy (1857-1940) verdankt die Welt die Antithese dazu: „Jesus kündigte das Reich an, und die Kirche ist gekommen.“ Dieses Votum avancierte zum Heiligtum des Modernismus, weil damit ausgesagt wird, daß die Kirche, so wie sie entstand und dann geworden ist, eine rein menschliche Hervorbringung sei, die so auch beliebig verändert, verreformiert werden könne. „Nichts ist ihr für die Ewigkeit“, könnte in Anlehnung an einen Liedtext von den „Böhsen Onkelz formulieren.

In Magnus Striet Kampfschrift: „Alte Formeln – lebendiger Glaube“ ließt sich das so: „Jesus hat keine Kirche gestiftet“1,hierin ganz dem Modernisten Loisy folgend. Und wird dann noch ergänzt: „und inwieweit und in welcher Form er zu seinem Gedächntnis aufgerufen hat,muss als historische Frage offenbleiben.2Die antikatholische Intention dieser Aussage erschließt sich durch diese Äußerung: Nach Ostern bekämen für das anfängliche Christentum Versammlungs- und Gedächtnismähler3eine große Bedeutung.Es sei fragwürdig, ob Jesus wirklich selbst am Gründonnerstag das Sakrament der Eucharistie eingesetzt habe und wenn, dann hat er da nur „Gedächnismähler“ initiert. Konfessionskundlich gehört die Vorstellung, daß die Abendmahlsfeier nur eine Erinnerungsfeier an Jesus sei, in die reformierte Kirche und ist eine eindeutig antikatholische Lehre. Hier wird nicht nur der Opfercharakter der Messe verneint sondern auch die Realpräsenz Jesu Christi in dem gewandelten Brot und Wein der Eucharistie. Daß in den Gemeinden solche „Gedächtnismähler“ gefeiert wurden, ist so vermutlich eine kreative Hervorbringung der urchristlichen Gemeinden, die dann später zu einer hl. Opferkulthandlung pervertiert wurde. So liquidiert ein Modernist das Zentrum des christlichen Glaubens, wie es gerade auch das 2.Vaticnum noch mals bestätigte.

Wie entstanden dann nur die Gemeinden und dann die Kirche? „Weil der Glaube, zu dem Jesus ermutigt hatte, auch nachfolgenden Generationen offenstehen soll,bedarf es der Ausbildung von Organisationsformen und Praktiken,die ebenfalls dazu ermutigen.“4 Man beachte hier, daß die Formulierung des des Glaubens, „zu dem Jesus ermutigt hatte“, nur als Genitivus subjectivus gemeint ist: der Glaube, den Jesus selbst gelehrt habe und nicht den Glauben an sich selbst! Wenn Jesus nicht mal zweifelsfrei zur Erinnerung an ihn selbst aufgerufen hat, dann kann er schwerlich zu einem Glauben an sich selbst aufgerufen haben.

Aber wesentlicher ist die Intention dieser antikirchlichen Konstruktion, daß die Kirche, so wie sie dann entstanden ist, ein rein menschliches Produkt ist, deren Ordnung und Praktiken deshalb auch beliebig veränderbar sind, wenn so nur eben anders der Glaube weiterhin vermittelbar werden kann.

Aber der Kampf gegen die Kirche wird dann noch durch ein Pluralismutheorem verschärft. Die Kirche, die das große Glaubensbekenntnis bekennt, hat es nie gegeben und gibt es auch gar nicht: „Es hat diese eine Kirche auch nie gegeben,sondern von Anfang an war sie ausdifferenziert in unterschiedliche Gemeinden,die theologisch und in ihrem Alltagsleben durchaus zu Akzentsetzungen neigten:“ 5 Das darauf Folgende erklärt die Absicht dieser Enteinheitlichung der Kirche: „Kirche gibt es nur in inkulturierter Weise.Und da ich Kulturen unterschiedlich ausgestalten,sich in historischen Prozessen verändern, so kann es überhaupt nicht überraschen, dass auch die Kirchen sich eine neue Gestalt geben.“ Jetzt ist endlich aus der einen in sich ausdifferenzierten Kirche eine Vielzahl von Kirchen geworden.

Als praktische Konsequenz unterstützt dieser Theologe vehement die Deformagenda des Synodalen Weges, aber er verlangt noch etwas Prinzipielleres: Die Kirche muss sich ein bestimmtes, im historischen Prozess errungendes Menschenrechtsethos und damit eine bestimmte Vorstellung von der Würde des Menschen aneignen“.6 Dahinter verbirgt sich die Forderung nach einem Paradigmenwechsel der Kirche, daß sie das Evangelium ersetzen soll durch dies neue Menschenrechtsethos, dem dann die Theologie als kontingente Begründung dieses Ethos zu dienen habe. Die Vulgärversion davon lautet dann einfach: Gott als Schöpfer aller Menschen liebe den Menschen und deswegen käme ihm seine Menschenwürde zu, und es gälte nun dafür Sorge zu tragen, daß universal die Menschen gemäß ihrer Würde leben könnten7. Dafür habe Jesus in seinem Engagement für die Diskriminerten und Benachteiligten schon ein schönes Vorbild geliefert.

Tatsächlich kann und darf so die Kirche nicht beliebig verändert werden, wie dieser Theologe es dann auch deklariert, denn das Menschenrechtsethos, das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben muß das Fundament der neuen Kirchenordnung bilden.

Die Fassade des Glaubensbekenntnis läßt dieser Modernist wie einer Entkernungsmodernisierung stehen, um im Innenraum der Kirche alles Katholische zu exkommunizieren. Die so entrümpelte Kirche hat dann mit der Kirche des Glaubensbekenntnisses nur noch ihren Namen gemein!



1Striet, S.121.

2Striet S.121.

3Striet S.121.

4Striet, S.121.

5Striet, S.122.

6Striet, S,122f,

7Dies Menschenrechtsethos ist aber nicht ganz ungefährlich, führtt doch die westliche Welt all ihre Kriege im Namem der Menschenrechte, nicht nur den dann verlorenen Krieg gegen Afghanistan, auch den gegen Jugoslawien und Libyen. England führte gar die ersten Menschenrechtskriege gegen den Schurkenstaat China, die sog, Opiumkriege, da die chinesische Regierung unzumutbar den freien Handel mit den Rauschgiften unterbinden wollte.Das erste Menschenrecht ist nämlich das, überall in der Welt ingehindert gewinnbringende Geschäfte machen zu können.Zum engländischen Menschenrechtsgeist vgl: Oswald Spengler: Preußentum und Sozialismus.

 

Sonntag, 24. August 2025

Weitere Kernelemente des Entkernunngsprogrammes der christlichen Religion:ein kreuzfreies Christentum

 

Weitere Kernelemente des Entkernunngsprogrammes der christlichen Religion:ein kreuzfreies Christentum


Der Theologe Striet legt nun in seinem Elaborat: „Alte Formeln – lebendiger Glaube“ einen Versuch vor, die christliche Religion gänzlich zu entkernen, wobei aber die Außenfassade stehen bleiben soll, wohl nicht nur aus nostalgischen Motiven, sondern um so unter dieser Maskerade ein ganz anderes „Evangelium“ seiner Leserschaft und der Kirche anzuempfehlen, eines, das eben weit besser bei dem modernen Menschen ankommen würde als das traditionelle.Nun war ja den Juden und den Heiden das Kreuz Christi von Anfang an ein Ärgernis und eine Torheit, um wie viel mehr da dem modernen Menschen. Also muß der Kampf gegen dies Ärgernis aufgenommen werden. Magnus Striet kämpft!

Als erstes argumentiert er mit der Differenz zwischen dem, was er als historisch sich ereignet Habenden konstruiert und der theologischen Interpretation des Geschehenen, wobei die theologische Interpretation als etwas Sekundäres unter dem Generalverdacht steht, das Wirkliche subjektivistisch zu verdeuten1.

So wird dann der historische Kern der „Hinrichtung“ Jesu konstruiert:

Wer in dem römischen Besatzungsgebiet als Aufständischer vor Gericht gestellt wurde,dem drohte nicht nur die Hinrichtung, sondern sie war ihm gewiss.Am Kreuz hingerichtet wird Jesus als politischer Messiasanwärter wie viele andere Aufständische auch.“2

War er denn ein Aufständischer? „Er hat sich vehement für die Rechte von Benachteiligten eingesetzt, und wer dies tut,betritt das Feld des Politischen.“3Aber das eigentlich Anstößige an ihm war: „Er hat zu dem Gott ermutigt,der sich an die Seite der Armen und Benachteiligten stellt,der ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens errichten wird.“4

Damit soll nun jeder möglichen theologischen Deutung des Kreuztodes Jesu Christi der historische Boden entzogen werden.Er ist als ein Revolutzer mit sozialpolitischer Ausrichtung hingerichtet worden. Aber von dieser historischen Rekonstruktion her wird sofort die kirchliche Lehre vom Kreuztod Christi attackiert:“Die gültige Umsetzung dieses Reiches überläßt er dann ganz der Aktivität Gottes.“ „Daraus begründet sich sein Verzicht auf Gewalt.Wenn er nun sein eigenes Tun mit dem Handeln Gottes identifizierte,er zutiefst davon überzeugt war,dass Gott sein Reich mit den Mitteln der friedfertigen Liebe errichten will,dann kann schon deshalb Gott seinen Tod nicht gewollt haben.Gott musste ihn hinnehmen, wenn er sich selbst treu bleiben wollte.“5 Einfacher gesagt: Wie Jesus so ist auch Gott ein Pazifist und deswegen konnten Beide sich nicht der Hinrichtung Jesu widersetzen!

Daß Gott ein Pazifist sei,ist nun erstens eine völlig absurde Behauptung,die durch die hl.Schrift eindeutig widerlegt wird: In der Sintflut ertränkte Gott die ganze Menschheit bis auf 8 Menschen, er tötete die Erstgeburt der Ägypter, Gott hat sieben Völker im Lande Kanaan vernichtet,Apg 13,19 und in der Johannesoffenbarung 9,18 wird verkündet, daß Gott durch seine Engel ein Drittel der Menschheit töten wird. Einen pazifistischen Gott gibt es nur in den Phantasiewelten liberaler Theologie.Zweitens: Selbst wenn Gott ein pazifistischer wäre,hätte er seinen Sohn auch ohne eine Gewaltanwendung vor dem Kreuzestod bewahren können.

Warum wollten den nun Menschen Jesus töten? Betrieben hätten den Tod Jesu „die vermutlich sadduzäisch orientierten hohen Priester des Tempels.Selbst noch im Heiligtum verübte Jesus seine unverblümte Tempelkritik“.6 Diese Ausdeutung ist nun völlig abwegig, ging es Jesus doch bei seiner Tempelreinigung um die Heiligkeit des Tempels, die er durch die profanen Tätigkeiten der dort tätigen Händler entweiht sah.Die Rausgeschmissenen taten nichts Unmoralisches, aber sie taten Dinge, die der Heiligkeit des Tempels widerspricht.Im Hintergrund steht dabei das kulturprotestantische Narrativ des 19.Jahrhundertes7, daß Jesus eine reine Sittlichkeitsreligion gelehrt hätte in Tat und Wort als die Überwindung der primitiven Religion des Alten Testamentes, in der Gott einen Opferkult mit Priestern wollte. „Jesus fiel Menschen zum Opfer - nicht Gott.“8 Zur Ausschmückung hätte Striet nun noch die in aufklärerischen Zeiten sehr beliebte vulgäre Priesterbetrugstheorie auftischen können, daß die Priester ihren Gott, der zürnt und Opfer verlangt, selbst erphantasiert hätten, um so von den Opfergaben gut zu leben,aber darauf wird hier wohl verzichtet, da dies Narrativ den christlich – jüdischen Dialog stören würde ob der mit diesem Narrativ mitgesetzten Herabsetzung des Alten Testamentes mit dem Jerusalemer Tempelkult.

Aber dieser Theologe möchte nun doch noch eine theologische Alternativdeutung des Kreuztodes Jesu offerieren, um damit endgültig die Glaubensaussage, daß er um unserer Sünden willen am Kreuze als das Sühnopfer sich dargebracht habe, außer Kraft zu setzen: „Vor seiner Menschwerdung konnte Gott nicht wissen,was es bedeutet,einen Schmerz ertragen zu müssen. Ebenso wenig wie er wissen konnte,was es bedeutet,als Mensch geboren zu werden,aufzuwachsen,sich zu freuen,Lust zu empfinden, enttäuscht zu werden oder einsam zu sein.“9 Gott litt also an gravierenden Mängeln und um denen abzuhelfen, nahm er in Jesus das menschliche Leben auf sich,um so diese Defizite zu beseitigen. Vielleicht könnte noch hinzugefügt werden, daß so ein ums Menschliche bereicherte Gott menschlicher zu eins sich verhalten wird, da er nun erst gelernt habe, was es hieße, als ein Mensch zu leben!




1So ist für ihn die Jungfrauengeburt kein reales Ereignis, sondern eine „Metapher für die Wirkmächtigkeit Gottes in der Geschichte“.S.82)und auch das leere Grab ist kaum ein historisches Faktum.(S.101). Magnus Striet,Alte Formeln, lebendiger Glaube,2024.

2Magnus Striet, a.a.O. S.94.

3A.a.O.S.94.Zu bemängeln ist aber,daß hier Jesu vorbildliches Engagement für den Umweltschutz vergessen wird.

4A.a.O. S.94. Diese Deutung Gottes dürfte wohl der Befreiungstheologie sich verdanken.Abwegig ist es aber, Kollaborateure der römischen Besatzungsmacht, die für Rom die Steuern eintreibenden Zöllner als „Benachtiligte“ zu qualifizieren.Sie wurden als Profiteure verachtet.

5A.a.O.S94f.

6Striet, a.a:O. S.93.

7Dazu paßt die Aussage, daß Jesus den Tempelkult substituieren wollte durch einen „Kult“, „der die verhärteten sozialen Verhältnisse und die grassierende Ungerechtigkeit beendet.“ S.95.

8Striet a.a.O,S.95.

9Striet a.a.O. S.96.

Samstag, 23. August 2025

Irrwege in der Frömmigkeit? Oder kann ein natürliches Verhalten eine Sünde sein? Eine Spurensuche des jetzigen Niederganges der christlichen Religion

 

Irrwege in der Frömmigkeit? Eine Spurensuche des jetzigen Niederganges der christlichen Religion



Man könnte sich die Geschichte dieses Niederganges einfach zu recht legen. Das 1. Vaticanum bildete den Höhepunkt der Entwickelung der Kirche und der christlichen Religion, die Kirche kämpfte noch erfolgreich gegen ihren Feind im Inneren, dem Modernismus,dem Willen, die Kirche mit dem modernen Zeitgeist zu vermählen und dann ereignete sich der Absturz, der bis jetzt anhält, wobei das 2.Vaticanum, zumindest die Weise seiner Interpretation und Rezeption dieses Niedergang forcierten.Es hätte also eine (fast)heile Welt des Katholizismus gegeben, die dann ganz plötzlich ins Wanken geriet und der jetzt fast ihre Auflösung droht.

Nur, wenn alles in der sogenannten Vorkonziliaren Kirche in Ordnung gewesen wäre, warum konnte dann dies große Kirchengebäude so plötzlich zerrüttet werden? Auf der Spurensuche nach Rissen im Kirchengebäude stieß ich nun auf eine Marginalie, die doch ein gravierendes Problem der vorkonziliaren Anthropologie aufscheinen läßt, ein Symptom eines verdeckten Problemes, daß der Mensch verkannt wird, weil er nicht so wahrgenommen wird, wie er wirklich ist.

Es wird auch der Hoffärtige mit einem Sarge verglichen.Wie der Sarg nur geziert wird,wenn man einen Toten in denselben hineinlegt,so schmücken auch Männer ,besonders aber Weiber ihren Leib nur mit eitler Kleiderpracht, wenn ihre Seele im Leibe durch die Hoffart erstorben ist.“1

Man könnte meinen, daß damit ausgesagt werden solle, daß im Idealfalle eine Christin wie ein graues Mäuschen herumlaufen sollte,um zu demonstrieren, daß sie wahrhaft fromm sei, daß für sie nur die inneren Werte, die der Tugenden zählten und sie so aller Aufputzlust entsage. Das gehöre zur christlichen Askese, die allem Äußerlichen kritisch gegenüberstünde, da es allein auf die innere Herzensgesinnung ankäme.

Das Geschlechternarrativ, die als Grunderzählung das Verhältnis der Geschlechter zueinander normiert: Eine schöne junge Frau steht auf einem Balkon, ein Jüngling kommt dahergeritten und ruft aus:“Du schönste aller Frauen,Dich wünsche ich zu heiraten!“ Sie antwortet:“Wenn Du ein Held bist...“. Der Jüngling reitet in einen tiefen dunklen Wald, stellt sich dem Kampfe mit dem dortigen Drachen, schlägt ihm den Kopf ab und mit dem reitet er zu dem Burgfräulein. „Du bist ein Held!“ So heiraten sie.

Die Zeiten ändern sich,aber in all dem Wandel gibt es doch Konstanten: die Frau, die schön sein möchte und dabei manchmal beachtliche Kreativität entwickelt und der Mann, der ein Held in den Augen der Frauen sein möchte.Seit es auf Erden Frauen und Männer gibt, versucht die Frau, den Mann für sich durch ihre Schönheit zu gewinnen und der Mann die Frau durch seine Tapferkeit, seinen Mut zu imponieren.

Schöne Frauen kann es nur geben, weil es auch nichtschöne gibt und Männer können nur Helden sein, weil es Nichthelden gibt.Denn es gilt: Wären alle erwachsene Menschen gleich groß, gäbe es weder große noch kleine Menschen, denn groß bzw klein sein heißt, sich vom Durchschnitt positiv oder negativ zu unterscheiden.

Was machen denn nun, eingedenk des Geschlechternarratives die nichtschönen Frauen? (Ich kapriziere mich jetzt auf die Frau, da ihr insbesondere der Vorwurf gemacht wird,zu viel Wert auf ihr Schönsein und Sichschönmachen zu legen.)Nichts ist für eine Frau diskriminierender als der Anblick einer Frau, die ihr sagt:“Ich bin schön, Du nicht! Du kannst Dich anstrengen, so viel Du willst, nie kannst Du so schön sein wie ich!“ Der Neid auf die von Fortuna,um es mal etwas heidnisch auszudrücken2, Bevorzugten ist eine nicht überschätzbare Kraft im menschlichen Miteinander.“Wenn ich nicht schön sein kann, dann darfst Du das auch nicht sein! Schönsein ist etwas Unmoralisches, Untugendhaftes!“

Es gibt Moralvorstellungen, bei denen es offensichtlich ist, daß sie Ausgeburten des ach so menschlichen Neides sind.Es käme doch auf die inneren Werte an,ist so zwar eine wahre Aussage, aber sie wird zu einer Unwahrheit, speist sie sich aus dem Neid den von Fortuna Bevorzugten gegenüber. Wenn sich so eine christliche Moralvorstellung vom Neid der nichtschönen Frauen instrumentalisieren läßt, wird sie so selbst unwahr.Jede Morallehre muß eben auch darüber Rechenschaft ablegen, ob sie vom Neid diktiert wird, von ihr sich gestalten läßt. Das Ressentiment gegen alles Schöne, Starke und Vornehme gehört nach Nietzsche zur Substanz der christlichen Religion und auch wenn das eine maßlose Übertreibung ist,enthält sie doch ein Körnlein Wahrheit.

Was trägt dieser Befund nun zu einer Diagnose des Niederganges der christlichen Religion bei? Vielleicht nur den Verdacht, daß vor lauter moralischen Vorstellungen darüber, wie der Mensch sein sollte, der Mensch, wie er wirklich ist, vergessen wurde,daß es der Natur der Frau entspricht,schön sein zu wollen, und daß der Neid auf die schönen Frauen eine sehr verbreitete Reaktion darauf ist, daß aber dieser Neid unchristlich ist, auch wenn er unter der Maskerade des, es käme allein auf die inneren Werte an,auftritt. 

Zusatz:

Daß die Geringschätzung der Freude am Schönen, weil es doch nur auf das "Innere" ankäme, auf den Bereich der Liturgie angewandt furchtbare Folgen zeitigt, beweist die Liturgiereform! 



1Michael Sintzel,Maria,meine Zuflucht und mein Trost, 1919, S.194.

2Die Vorstellung der Glücksgöttin Fortuna könnte in die Theologie integriert werden, wenn darunter Gott verstanden wird, der in seiner absoluten Freiheit gibt, wem er geben will und nicht gibt, wem er nicht geben will,der erwählt,wen erwählen will und erwählt den nicht, den er nicht erwählen will.

Freitag, 22. August 2025

Was ist uns Bürgern und als Christen nicht erlaubt, wenn wir als verfassungstreu gelten wollen! Ein Bericht des Verfassungsschutzes klärt uns auf!

 

Was ist uns Bürgern und als Christen nicht erlaubt, wenn wir als verfassungstreu gelten wollen! Ein Bericht des Verfassungsschutzes klärt uns auf!



Die anstehende Oberbürgermeisterwahl in Ludwigshafen gab nun dem für die Frage der Zulaßbarkeit von Kandidaten zuständigen Verfassungsschutz die Möglichkeit, durch ein Dossier über den zu überprüfenden Kandidaten klar zu stellen, warum der aussichtsreiche Kandidat der AfD für dieses Amt nicht kandidieren dürfe. Es wird nun keinen Leser verwundern, daß das Entscheidungsgremium, das dieses Dossier in Auftrag gegeben hatte, ihm folgte und die Kandidatur des AfDlers verbot. Oberflächlich betrachtet ist dieser Fall ein klarer Fall: Die demokratischen Blockparteien befürchtetenten,daß dieser Kandidat die Oberbürgermeisterwahl gewinnen könnte. Um diesen möglichen Wahlsieg zu verhindern, erinnerte man sich der Bestimmung, daß zu einer Oberbürgermeisterwahl nur Personen als Kandidaten zulaßbar sind, die einwandfrei verfassungstreu seien. Deswegen wird beim Verfassungsschutz nachgefragt, ob Erkenntnisse wider diese Person vorliegen, die einen Ausschluß von der Kandidatur rechtfertigen können. Der Verfassungsschutz lieferte dann die gewünschte Begutachtung, auf dessen Grundlage hin die Kandidatur dieses aussichtsreichen Kandidaten untersagt wurde. Das gemeine Volk soll so davor bewahrt werden, sein Stimmrecht zu mißbrauchen.Denn zur wehrhaften Demokratie gehört die Pflicht der Bürger, nur bei den Blockparteien ihr Kreuz zu machen.

Die „Neue Züricher Zeitung“ altmodisch liberal gesonnen, kritisierte nun dieses da praktizierte Demokratieverständnis als eine typisch deutsche Versuchung, „ins Autoritäre abzugleiten.“1Was wird nun dem AfD-Kandidaten vorgeworfen? Die NZZ hat recheriert: Laut NZZ liest sich die Begründung wie eine Erfindung der Satirezeitschrift «Titanic» zu ihren besten Zeiten. Laut der Zeitung werde Paul vorgeworfen, dass er im Werk «Der Herr der Ringe» von J. R. R. Tolkien eine «konservative Geisteshaltung» erkenne, die von besonderem Wert für den zeitgenössischen Konservatismus sei. Zum Beleg für seine angebliche Verfassungsfeindlichkeit wird erwähnt, dass Paul die Nibelungensage für bedeutsam im Hinblick auf den «nationalen Stolz» halte und dass er die Landesregierung dafür kritisierte habe, Rheinland-Pfalz als Drehort für eine Verfilmung der Sage nicht stärker in Szene gesetzt zu haben.“2

Nur, der Verfassungsschutz ist kein Satiremagazin sondern nimmt sich und seine Dossiers bierernst, gilt es doch die Feinde der Demokratie zu bekämpfen eingedenk der revolutionären Einsicht Robespierres, daß es keine Freiheit für die Feinde der Freiheit geben dürfe. Und wer ein Feind der Demokratie ist, daß bestimmen in diesem Falle die demokratischen Blockparteien in ihrer Coopertation mit dem Verfassungsschutz.Schon die kleinsten Verstöße gegen die Politische Korrektheit erfaßt er als eine Manifestation einer verfassungsfeindlichen Gesinnung. Eine „konservative Geisteshaltung“ ist eben schon sehr verdächtig, wird doch der politische Conservatismus dem „rechten Lager“ zugerechnet und das ist eben nicht mehr grundgesetzkompatibel. Aber noch gravierender ist die Verwendung des Beriffes des nationalen Stolzes. Jedem Deutschen, zumindest jedem im ethnischen Sinne Deutschen muß doch klar sein, daß wir ob der Verbrechen des Naziregimes niemals mehr stolz auf unser Volk sein dürfen, sondern beständig an unsere Brust sich schlagend zu bekennen haben :“An Allem sind wir, wir allein schuld!“ (Da dieser Schuld vererbt wird3, sind deutsche Staatsbürger mit einem Migrationshintergrund aber von dieser Kollektivschuld frei zu sprechen.)

Es geht so also nicht einfach darum, daß die avisierten Parteien so eine ihnen unliebsamen Konkurenzkandidaten von der Wahl ausgeschlossen haben, wenn es nach der SPD und den Grünen geht, sollen die Kandidaten der AfD ja von allen Wahlen ausgeschlossen werden,sondern anläßlich dieser Oberbürgermeisterwahl klar zu stellen, welche Ansichten ein Deutscher nicht vertreten darf, wenn er im Rufe der Verfassungstreue stehen will. (Es darf hinzugefügt werden, daß so Geartete natürlich auch von allen kirchlichen Gremienwahlen auszuschließen sind, wie es die Antirechtsmanifeste der Kirche fordern.)

Aber was hat dies Ausschlußverfahren der wehrhaften Demokratie mit einem Abgleiten ins Autoritäre zu tuen? Man kann ja wirklich nicht wegdiskutieren, daß die demokratischen Blockparteien für eine permissive Gesellschaft sich einsetzen, die mit den conservativen Parolen, wie „Gesetz und Ordnung“, „es müsse doch anständig zu gehen“, „für Sitte und Anstand“ sehr wenig übrig hat. Man kämpft zwar mit sehr rigoristischen Mittel gegen alles nichtlinksliberal und nichtlinks Ausgerichtete, aber deswegen ist man doch nicht autoritär gesonnen.Man ist eher revolutionär gestimmt, wenn man die Feinde der Freiheit, die Feinde der Permissivität bekämpft.

Was ist nun eine wehrhafte Demokratie? Dies Konzept speist sich aus dem Vorurteil, daß wir Deutschen isb in Krisenzeiten dazu geneigt seien, uns von den demokratischen Parteien abzuwenden und unser Vertrauen auf rechts- oder linksradicale Parteien zu setzen, die autoritäre Lösungen für die Probleme verheißen, die die demokratischen nicht in den Griff bekommen. Deshalb sei der Einfluß der deutschen Bürger auf die Politik so klein wie möglich zu halten, daß eben alles Relevante nur in Parlamenten entschieden wird, in denen allein die demokratischen Blockparteien bestimmen, wo es lang geht.Mögliche unliebsame Konkurenten sollen und müssen dann aus den Parlamenten ausgeschlossen werden, damit die die Arbeit der Parlamente nicht beeinträchtigen können. Ja, das bloße Vorhandensein solcher Oppositionsparteien stelle schon eine Gefährdung der Demokratie dar, denn unter der Demokratie wird die (abwechselnde) Herrschaft der demokratischen Parteien verstanden, daß wir entweder von einem CDU-Kanzler oder einem SPD-Kanzler regiert werden.Diese Wechselmöglickeit garantiert nun ein Höchstmaß an politischer  Kontinuität.

Zusatz:

Die "Junge Freiheit" berichtet am 22.8.2025: „Wie auch immer“: Dieser CDU-Abgeordnete will die AfD sofort verbieten." Wenn zu viele ihr Wahlrecht mißbrauchen, muß ihnen das Wahlrecht eben beschnitten werden.

 



1Kath net am 22.8.2025: Die deutsche Versuchung, selbst ins Autoritäre abzugleiten!

2A.a.O.de

3Es sei hier an den bahnbrechenden Beitrag der „Exbischöfin“ Frau Käßmann erinnert, daß wir Deutschen unsere braune Gesinnung an unsere Kinder weitervererbten.

Donnerstag, 21. August 2025

Ein Entkernungsversuch der christlichen Religion: Nur noch die Fassaden sollen stehen bleiben

Ein Entkernungsversuch der christlichen Religion: Nur noch die Fassaden sollen stehen bleiben



Eine erste Annäherung

Mit „Alte Formeln- lebendiger Glaube“ legt nun der Theologe Magnus Striet seinen großen Entkernungsversuch vor. Es reicht eben nicht, die Deformagenda des Synodalen Weges unzusetzen: Die Substanz der christlichen Religion müsse modernisiert werden, Dabei orientiert sich dieser Theologe an dem Altbausanierungskonzept der Entkernung, daß man die Fassaden des Altbaues stehen läßt als eine optisch recht gelungene Außenansicht, um das Innere des Gebäudes völlig zu modernisieren und so den zeitgenössischen Wohnungssuchende Ansprechendes offerieren zu können.

Als Fassade wählt Herr Striet das „große Glaubensbekenntnis“, präziser betitetel als das „Nicäno-Konstantionopolitan“, um dann alle Aussagen dieses Bekenntnisses so umzudeuten, daß sie einem modernen Menschen zmutbar werden. Der Adressat ist so der moderne Leser ins Auge gefaßt, der als solcher die Menschenrechte und die Würde des Menschen als das Fundament der Kultur ansieht, der angesichts des Leides der Welt und der gewaltigen Fortschritte der Naturwissenschaften noch schwerlich an einen als eine Person vorgestellten Gott glauben kann. Eine lirchenkritische Attitüde gehört dann auch selbstverständlich zu dem modernen Menschen, wie ihn in diesem Buche er vorgestellt wird. Daß das Ende der Moderne nicht zur Kenntnis genommen wird, daß wir also in der Postmoderne leben, verleiht diesem Buch einen eigentümlich antiquierten Klang. Die unsere Zeit kennzeichnende Verrohrung, daß für einen Karamasow1 schon das Leiden eines einzigen unschuldigen Kindes und nicht erst der millionenfache Tod in Auschwitz die Frage evoziert: Wie kann es so viel Leid geben, wenn doch ein guter und allmächtiger Gott die Welt regiere, verführt auch dazu, die vor dem Holocaust gegebenen Antworten auf das Theodizeeproblem nicht ernsthaft zu diskutieren, sondern stattdessen einfach vor dieser Frage zu kapitulieren2.

Der Philosoph Lyotard brachte den Begriff der „großen Erzählungen“ in den philosophischen Diskurs ein mit der These, daß sie ihre Glaubwürdigkeit verloren hätten. Es läßt sich nun leicht die Urerzählung dieser „großen Erzählungen“ als die Heilsgeschichte der christlichen Religion erfassen, dessen säkularieserte Versionen nun ihre Glaubwürdigkeit verloren hätten. Dies mache das die Postmoderne Eigentümliche aus. Die „große Erzählung“ ist nun die von Gottes Schöpfung der Welt, von dem Menschen im Urstand, die Geschichte seines Sündenfalles und wie Gott dann die Menschen wieder erlöst in der Heilsgeschichte durch das Sühnopfer Jeus Christ und das Wirken der Kirche, bis daß dann Gott endgültig nach dem Endgericht das Reich Gottes erreichten werden wird. In dieser Struktur von Fall und Erlösung wird jedes Einzelelement des christlichen Glaubens, des Glaubens der Kirche eingezeichnet und bekommt so eingeschrieben seinen Gehalt.

Eine Entkernung der christichen Religion kann sich somit, wenn sie ihrem eigenen Anspruch gerecht werden will, nicht mit der Demontage einzelner Glaubenswahrheiten begnügen, so etwa mit der Verneinung der immer währenden Jungfräulichkeit Mariens, sie sei doch nur eine „junge Frau“ gewesen3, sondern muß diese Erzählung als Ganzes destruieren.

So wird nun dies Destruktionsprogramm durchgeführt: Es hätte nie diesen Urstand gegeben und somit auch keinen Sndenfall. Deswegen sei Gott auch nicht Mensch geworden, um uns zu erlösen. Gott ist Mensch geworden, weil er Menschen dazu ermutigen wollte, „dieses Leben zu leben – zu genießen, und dann darauf zu vertrauen, daß er, der Schöpfer, es bei sich aufheben und es mit ihm vollenden, verwewigen“ wird.4 Es ginge also um einen Lebensoptimierungsversuch mit einer Hoffnung auf ein verewiegtes gute Leben. Daß es aber diesen Gott wirklich gäbe, sei mehr als fraglich geworden und so müsse Gott so expliziert werden, daß er für den modernen Menschen akzeptabel wird. Gott müsse sich vor uns Menschen eben rechtfertigen, sich uns kommod machen, damit wir ihn weiterhin oder wieder als bejahbar annehmen könnten. Simpler formuliert: Was der Automarke FIAT gelang, ihren alten FIAT 500 so zu modernisieren und dabei den Flair des ursprünglichen Modelles zu bewahren, daß so jetzt viele ihn kaufen, dazu möchte dieser Theologe einen Beitrag liefern. Ob es diesen nach den Wünschen des modernen Menschen neumodelierten Gott auch wirklich gibt, da räumt dieses Buch ein, kann nicht gesagt werden, aber auch nicht, daß es den Gott so nicht gibt.

Wer nun aber eine tiefschürfende Begründung der Unmöglichkeit des Urstandes, des Paradieses und des Menschen in ihm erwartet, wird maßlos enttäuscht. Die dargelegte Kritik fällt sehr vulgär aus und besticht nur durch ihre Simplizität. Ob des simplen Niveaus der Kritik, soll die Dürftigkeit dieser Kritik auch vereinfachend dargelegt werden. In medias res: Gut katholisch denken wir uns einen Künstler, der den Entschluß gefaßt hat, eine Marienfigur herzustellen. Er bringt als erstes die Idee der Marienfigur hervor und dann setzt er Schritt für Schritt diese Idee in die Realität um, bis daß die Idee in der Marienfigur realisiert ist. Die Idee der Marienfigur ist ante rem existierend im Denken des Künstlers, dann realisiert sie sich in dem Kunstwerk,, die Idee ist in rem und kann dann als realiserte post rem aus ihr heraus recogniziert werden. Das, was die heutige Naturwissenschaft, die Biologie als die Evolution bezeichnet, ist nun nichts anderes als der Prozeß der Realisierung der Idee, in meinem Anschauungsbeispiel: der Marienfigur. Daß die Realisierung einer Idee dem Sein der Idee vor seiner Realisierung widersprechen soll, ist somit mehr als unsinnig!

Im Sinne der Analogia -entis- Lehre muß nun noch auf die Differenz zwischen der künstlerischen Hervorbringung durch einen Menschen und durch Gott verwiesen werden. Die Realisierung der künstlerischen Idee ist bei jedem menschlichen Hervrbingungsakt immer auch heteronom bestimmt: Das gewählte Material zur Hervorbringung der Idee limitiert etwa auch die Möglichkeiten der Realisuerbarkeit,wohingegen Gott seine Weise des Realisierens seiner Ideen völlig frei bestimmt, da er selbst auch alle Umstände der Realiserung selbst frei bestimmt hat.

Der Urstand ist somit nichts anderes als die ganze Schöpfung in seiner rein ideelen Gestalt. Dieser Urstand kann somit nun nicht ein Element in der Geschichte der Menschheit sein, da die ja nur der Prozeß der Realisierung der Urprungsideen ist. Die Idee des Marienbildes erscheint ja auch erst am Ende des Herstellungsprozesses der Marienfigur.

Jedes Bedenken der Menschheitsgeschichte muß sich die Frage des Anfanges der Mensschheitsgeschichte stellen, will sie nicht im Oberflächlichen verharren. Der Anfang der Menschheitsgeschichte darf nun nicht das voraussetzen, daß diese Geschichte ist, um zu erklären, warum sie ist und warum sie so ist, wie sie ist. Wird dieser Anfang erzählt und nicht begrifflich spekulativ entfaltet muß er in der Gestalt eines Mythos erzählt werden, als eben ein Ereignis, daß kein Element in der Menschheitsgeschichte sein kann, sondern ein Ereignis, daß ja erst ergründet, warum es eine Geschichte überhaupt gibt. Die biblische Geschichte vom Sündenfall ist so eine mythische, weil sie transzendental philosphisch formuliert erst die Ermöglichungsbedingungen des Seinskönnen der Menscheitsgeschichte expliziert. Wie nach Kant das intelligible Ich kein Produkt der Entwickelung eines Menschen sein kann sondern der Ermöglichungsgrund dafür, daß ein Mensch all sein Tuen und Erleiden als seine ihm eigene Geschichte begreifen kann, so bildet der Mythos vom Fall den Ermöglichungsgrund dafür, daß es überhaupt eine Menschheitsgeschichte geben konnte.

Da der Mensch Gott als ein zur freien Selbstbestimmung bestimmtes Wesen erschuf, erschuf er ihn so, daß er seine Existenz selbst bestimmte, Der Mythos vom Sündenfall erzählt so, wie der Mensch in der Polarität von Mann und Frau sich selbst bestimmte und zwar so, kontingent, daß er als ungehorsamer wider Gott existieren wollte. Als das, wozu so sich der Mensch bestimmt hat, erscheint er dann in der Naturgeschichte in seinen endlich vielen Exemplifikationen des einen Menschseins, der Idee des Menschen, dem es zum Wesen gehört, seine Existenz selbst zu wählen. In einer Urwahl konstituierte der Mensch sich so zu dem adamitischen Menschen, den Gott dann wieder erlösen will. So ist der postlapsarische Mensch stets ein Abbild seines Urbildes, des gefallenen Adams.

Aber statt die Sachgemäßheit der mythologischen Erzählung vom Urstand und dem Fall des Menschen zu verstehen, mißversteht auch dieses Buch diese Erzählung als eine, die ein Teilelement der Menschheitsgeschichte sein soll und erkennt dann, daß diese Erzählung nicht ein Element der Menschheitsgeschichte ist! Das kann und darf sie aber auch nicht sein, denn dann könnte sie nicht die „Geschichte“ der Konstitution der Geschichte sein.

Die Kritik, daß es keinen Urstand und keinen Sündenfall und demzufolge auch kein Erlösungswerk Jesu Christi, sein Sühnopfer geben könnte, zeichnet sich so durch eine erschreckende Dürftigkeit aus! Schon ein schlichtes Beobachtung der Hervorbringung jedes Werkes, daß die Idee seiner Realisierung vorangeht und daß die Idee als eine realisierte erst am Schluß in Erscheinung tritt, hätte diese Kritik als haltlos erwiesen. 

Zusatz:

Was sollte man von der Behauptung halten, die Zahl "Eindrittel" gäbe es nicht, da sie unter den unendlich vielen Dezimalzahlen zwischen 0 und 1 nicht vorkäme, da aber vorkommen müsse, da sie größer als 0 und kleiner als 1 sein soll! Existieren, zu sein heißt immer Element einer bestimmten Menge zu sein! 

Soweit der erste Annäherungsversuch zu diesem Buch- Fortsetzungen werden folgen!

(Mein Rechtschreibprogramm will nicht mehr, daher wohl mehr Fehler als sonst!) 



2Vgl dazu sehr gediegen: Arnim Kreiner, Gott im Leid.Zur Stichhaltigkeit der Theodozeeargumente, erweiterte Neuausgabe, 2005. Mein Versuch: Uwe Lay, Die Übel und der gute Gott. Theodizee, 2011.

3M.Striet, Alte Formeln – lebendiger Glaube, das Kaputel: „Von der jungen Frau zur Jungfrau“.

4A.a,O. S.27.