„Identität und Widerstand – Rede aus dem deutschen Elend“
So betitelt der Philosoph Bernard Willms eine mehr als bedenkenswerte Betrachtung über unsere Lage im Jahre 2013, die aber an ihrer Aktualität nichts verloren hat.In dem Kapitel: „Die sieben Todsünden gegen die deutsche Identität – und die auf antwortenden sieben Imperative“ heißt es S.18: „Die freiwillige Schuldhaft oder der politische Selbsthaß“:, „Es stellt eine der schwersten Gefährdungen der deutschen Identiät dar, daß der Aufbau eines neuen politischen Selbstbewußtseins auf der kritiklosen Anerkennung der eigenen Schuld beruht.“
Hier herrscht nun ein begriffliche Confusion, so sehr das damit eigentlich Gemeinte zutreffend ist. Es kann keine „Todsünden gegen die deutsche Identität“ geben, denn rdiese Identität besagt nur, daß es das Subjekt des deutschen Volkes gibt, von dem dann vielerlei aussagbar ist, sowohl aktiv als auch passiv, daß es aber dabei aber immer um das eine gleiche Subjekt sich handelt. Wie das sich gleichbleibende Ich die denknotwendige Voraussetzung jedes autobiographischen Schreibens ist, so ist die Identität des deutschen Volkes die Voraussetzung der Erzählung der deutschen Geschichte.
Das „Selbstbewußtsein“ meint hier die Selbstwertschätzung unseres Volkes und gegen die richtet sich die Schuldhaftkultur mit ihrem „Selbsthaß“. Die Aussage über diesen „Selbsthaß“ setzt dabei voraus, daß es das eine Subjekt des deutschen Volkes gibt, von dem nun prädiziert wird, daß es sich ob seiner Schuldkultur selbst verneine.Nach dem ersten Weltkrieg mußte die deutsche Regierung im Diktatfrieden auch die alleinige Schuld am ersten Weltkrieg anerkennen, aber die Historiker widerlegten dann in sorgfältigen Analysen diese einseitige Schuldzuweisung als eine durch die Siegermächte erpreßte. Nach dem verlorenen zweiten Weltkrieg übernahmen wir kritiklos die Geschichtsschreibung der Sieger, daß allein wir an allem schuld gewesen seien.
Willms qualifiziert diese Geschichtsschreibung als eine „Weiterführung des Krieges mit anderen Mitteln“ (S.19),aber daß wir das den Siegern nicht zum Vorwurf machen können, ist doch ein befremdliches Urteil, setzt es doch einfach voraus, daß es bis jetzt kein Ende des Krieges gegeben habe und so die Siegermächte immer noch im Kriegsmodus gegen uns stünden. Von einer „Verewigung der Schuldgefühle“ schreibt dann der Autor: „So wird sogenannter Antifachismus als kollektiver Selbsthaß identitätsstörend.“ (S.18) Dieser antideutsche Antifaschismus setzt aber gerade die Identität unseres Volkes voraus, daß es eben ein zum Bösen geneigtes ist .Die Ex“biscöfin“ Käßmann brachte das in einer Bibelarbeit auf einen evangelischen Kirchentag auf den Punkt, daß wir Deutschen eben unsere braune Gesinnung an unsere Kinder weitervererbten.
Aber auch in diesem Punkte macht es sich Willms zu leicht. Das Phänomen des Nationalsozialismus kann und wird nämlich verschieden interpretiert. Nur, wenn von einer Willensidentität des deutschen Volkes mit der nationalsozialistischen Regierung ausgegangen wird, daß Hitler, um es zu personalisieren nichts anderes wollte und tat als was das deutsche Volk schon immer wollte, gilt, daß der Antifaschismus antideutsch ausgerichtet zu sein hat. Dann ergibt die Rede von der Hitlerdiktatur keinen Sinn, verstünde man darunter, daß das deutsche Volk von ihm unterdrückt worden sei sondern meint stattdessen, daß der Führer ganz im (Un)Geiste des uns eigenen Macht- und Beherrschungswillen die ganze Welt für Deutschland erobern und dann diktatorisch unterdrücken wollte.
Die marxistische Interpretation, maßgebend im Stalinismus begriff dagegen die nationalsozialistische Herrschaft als eine gegen das eigene deutsche Volk gerichtete , um den Kapitalismus vor einer sozialistischen Revolution zu retten, sozusagen als eine „Notbremse“, ein „Rote Karte“ würdiges Foul. Die amerikanisch- westliche Interpretation sieht den Grund des Nationalsozialismus in unserem deutschen Volkscharakter, die stalinistische in dem um seinen Fortbestand ringenden Kapitalismus.
Deshalb ist nur der Antifaschismus ein antideutscher, der im Sinne der amerikanischen Deutung den Nationalsozialismus interpretiert.So spricht Willms von der „Verewigung des Schuldgefühles“ (S.18) von einem „kollektiven Selbsthaß“. (S.18) Der Musiktitel: „Deutschland verrecke!“ der Band: „Feine Sahne, Fischfilet“ drückt diesen unter Linken verbreiteten Selbsthaß authentisch aus.Im Natiionalsozialismus haben wir Deutschen ja nur ausgelebt, was wir eigentlich immer wollten.
Wenn es noch eine wissenschaftliche Erforschung des Nationalsozialismus an den Universitäten gäbe, wäre es deren Aufgabe, hier über den Mythos der Alleinschuld von unserem Volke aufzuklären. Es ist eben auch für unser Volk fatal, wenn es sich seine eigene Geschichte von den Siegern vorschreiben läßt und dann noch jede Abweichung von dieser Geschichtssicht kriminalisiert.
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