Freitag, 3. April 2015

Besiegte Jesus den Tod?

Ein paar irritierende Gedanken- oder kritische Anfragen an eine christozentrische Theologie


Henoch starb nicht, sondern Gott nahm ihn auf. Es ist die erste Himmelfahrt, von der die hl. Schrift berichtet.(Gen, 5, 21-24) Warum heißt es nicht: seit dem gibt es die Hoffnung, daß auch wir, wie Henoch den Tod nicht erleiden müssen, sondern entrückt werden? Bekannter ist die Entrückung des Propheten Elijas, der per feurigem Himmelswagen in den Himmel entrückt wird! (2.Könige, 2). Eine christozentrische Theologie müßte sagen, daß erst durch Jesu Christi Auferstehung der Tod überwunden wurde-aber Henoch und Elija erlebten ihre Himmelfahrt lang vor Jesu Kreuz und Auferstehung.Zudem können wir aus Paulus Kontroverse mit den gnostizierenden Korinthern (1. Kor.15) entnehmen, daß Jesu Auferstehung von den Toten sehr zweideutig war. Sie urteilten nämlich, daß, wenn Jesu wirklich leiblich auferstanden wäre, sein Leben nach der Auferstehung sich nicht von dem des vom Tode auferweckten Lazarus oder des durch den Propheten Elischa vom Tode auferweckten Kindes unterscheiden würde: er wäre nur vom Tode auferstanden, um dann wieder sterben zu müssen. Denn leibliche Existenz hieße, zum Sterben verurteilt sein. Sie glaubten so, statt an eine Auferstehung der Toten an die unsterbliche Seele, die sich nicht mehr mit einem Leibe verbindet, um nicht wieder der Sterblichkeit unterworfen zu sein! Erst Jesu Christi Himmelfahrt macht dann deutlich, daß Jesus nicht von Gott zu einem Weiterleben auferweckt worden ist, das dann sein Ende wieder im Sterben und Tod findet. Also, in diesem Punkte muß man mal den gnostizierenden Kritikern des Apostels Paulus recht geben: Ostern auf sich gestellt, beweist noch nicht, daß der Auferweckte nicht nur in ein Leben wieder zurückgerufen wurde, das mit seinem Tode endet! Wird aber so folgerichtig das ganze Gewicht auf die Himmelfahrt Jesu gelegt, was unterscheidet dann dies Ereignis von der Himmelfahrt Henochs oder Elijas? 

Wir Modernen meinen, daß das Reich des Lebens strikt von dem des Todes getrennt ist: wer einmal tot ist, der kommt nie wieder und wir Lebenden haben keine Kontaktmöglichkeit zu den Toten. Eine unüberwindliche Grenze trenne da Tot vom Leben. Nur, wenn dem so wäre: wie konnte dann die Totenbeschwörerin den schon verstorbenen Propheten Samuel "herbeizaubern", sodaß er dem König Saul Auskunft über sein Schicksal geben konnte? Ja, das Gebot Gottes, gehet nicht zu den Totenbeschwörern meinte nicht, daß da Betrüger wirkten, sondern daß Gott es nicht will, daß andere als er hinsichtlich der Zukunft befragt werden. Saul geht ja auch erst zur Totenbefragerin,nachdem und weil Gott ihm nicht mehr antwortet. Aber was besagt dies Befragungsereignis über das Totsein des Propheten Samuel aus, wenn ein Mensch ihn aus dem Reiche des Todes hervorrufen kann, sodaß der Berbeigerufene dann prophetische Auskunft geben kann? Eine Vorstellung ist wohl ausgeschlossen, daß das Totsein einfach die Nichtung meint und daß dann die Totenbeschwörerin ihn neu erschaffen hat! Nein, eher ist eine archaische Hadesvorstellung zu präsumieren, sodaß es vorstellbar ist, daß aus diesem Totenreich ein dortiger Geist hervorrufbar ist. Philosophisch ausgedrückt: das Totenreich ist der Raum der unsterblichen,und das meint erstmal nur nicht nichtbaren Seelen. Davon zu unterscheiden wäre dann der Himmel, in den Henoch und der Prophet Elija aufgenommen worden sind-leiblich! 
Wenden wir uns dem Neuen Testament zu. Diese Stelle ist fast schon zu bekannt, als daß man sie noch lesen könnte. Und darum soll sie nun aufmerksam betrachtet werden. Das Bekenntnis des Petrus steht im Mittelpunkt (Mk 8,27-30), rechtens. Heuer soll aber das Augenmerk auf einen gewichtigen Nebenaspekt gelegt werden. Auf Jesu Lehrerfrage,für wen man ihn denn hielte, referiert man ihm das Gerede über ihn. Einige hielten Jesus für Johannes, den Täufer, andere für Elija oder man hielt ihn für sonst einen der Propheten! Eines muß hier auffallen: all die, für die Jesus gehalten wird, sind Tote. Johannes, der Täufer ward schon hingerichtet, Elija lebte schon lange nicht mehr. Einer von den Propheten meint dann hier, einer von den bekannten Propheten des Alten Testamentes! Wie kann den Jesus von Nazareth ein Verstorbener sein? Es heißt ja nicht, daß er wie der Täufer oder wie der Prophet Elija sei! Wie immer das nun gedacht werden soll, eines ist klar: das Reich des Todes und das Reich des Lebens sind hier nicht als völlig Getrenntes vorgestellt-nein, mitten im Reich des Lebens hat man immer mit dem Auftauchen der schon Toten noch zu rechnen! Nur ein Kapitel weiter werden wir in dieser These bestätigt: Jesu Verklärung. "Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus". (Mk9,4). Auch Elija und Mose sind längst Tote, aber sie können Jesus erscheinen und mit ihm reden. Auch hier soll nochmals die Frage erhoben werden: was besagt das über das Totsein aus, wenn diese Beiden so Jesus erscheinen können.Es gibt keinen ersichtlichen Grund, diesen Erscheinungen eine andere Qualität zuzuschreiben als den österlichen Erscheinungen Jesu nach seinem Tode am Kreuze! 
Was tot ist, ist nicht für immer tot,könnten wir jetzt salopp formulieren. Aber in diesen erzählten Ereignissen steckt verborgen ein theologisch bedenkenswürdiger Vorstellungskomplex: wie muß das Totsein  gedacht werden, damit solche Erzählungen als wahr gelten können! 
Eines ist aber offenkundig: daß ein Toter nach seinem Tode wieder im Reiche der Lebenden erscheint, ist kein singuläres Ereignis, das das Leben Jesu auszeichnen würde, als wenn nur Jesus  nach seinem Tode erschienen wäre. Denn Mose und Elija sind ja erschienen und: zu Zeiten Jesu glaubten gerade Anhänger Jesu, daß er ein wiedergekommener schon Verstorbener sei.(Die Jesus für Johannes, den Täufer oder für Elija hielten,waren gewiß zumindest Sympathisanten Jesu-das drückt sich in der Hochschätzung aus, daß man ihn für den wiedergekommenen Elija hielt.) 
Meine These: die philosophische und katholische  Lehre von der unsterblichen Seele wird diesen Ereignissen am gerechtetsten! 
Nun erinnern wir uns die scharfsinnige Disputation Jesu mit den Sadduzäern (Mk 12, 18-27) über die Frage der Auferstehung der Toten. Die Sadduzäer bewiesen ja die Unmöglichkeit der Auferstehung von den Toten damit, daß sie einen Fall konstruieren, in der eine Frau siebenmal legitim verheiratet war und daß, wenn es die Auferstehung der Toten gäbe, dann eine unlösbare Aporie entstünde: mit wem wäre dann diese siebenfach Verheiratete verheiratet? Da diese Aporie  sich nicht ereignen könne und dürfe,gäbe es keine Auferstehung der Toten. Jesus beweist nun die Aufestehung der Toten so:
1. Satz: Gott ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs
2. Satz: Gott ist nicht ein Gott der Toten sondern der Lebenden.
Conclusio: Wenn Abraham, Isaak und Jakob tot wären, wäre Gott ein Gott der Toten- das ist er aber nicht-also sind Abraham, Isaak und Jakob nicht tot!
Genau genommen beweist dies nicht nur die Auferstehung von den Toten sondern erstmal, daß Abraham gar nicht tot ist-denn es heißt ja nicht, daß Gott ein Gott der Toten ist, die er zukünftig zum ewigen Leben erwecken werden wird, sondern einer des lebenden Abrahams. Das besagt dann für den sogenannten Zwischenzustand zwischen dem Gestorbensein und dem Auferwecktwerden, daß Abraham auch in diesem Zwischenzustand lebt und daß die Auferstehung der Toten dann meint, daß Abraham wieder leiblich leben wird, wohingegen er jetzt unleiblich, eben als unsterbliche Seele lebt!
Also, hier belehrt uns Jesus, daß wenn wir nur das Alte Testament verständig lesen würden, schon wüßten, daß das Gestorbensein nicht einfach die Nichtung des menschlichen Lebens ist! 
Erst der vulgäre Materialismus gebiert die Vorstellung des Ganztodes des Menschen, daß er einfach zu Staub wird (nebenbei eine Vorstellung, die ganz und gar unbiblisch sowohl die Zeugen Jehovas als auch moderne Protestanten vertreten, so etwa Karl Barth!) Philosophisch und biblisch ist das nicht! Es ist vulgärster Materialismus! 
Was ist nun damit gewonnen? Daß ein Toter Lebenden wiedererscheint, ist kein singuläres Ereignis des Lebens von Jesus Christus! Und gerade das macht es auch glaubwürdiger! Hier geschieht nicht etwas, was unmöglich ist, sondern daß im religiösen Vorstellungsraum gut vorstellbar ist a) hinsichtlich des allmächtigen Gottes und b) hinsichtlich der Anthropologie, die den Tot als Trennung von Seele und Leib versteht! 
Was macht dann die Bedeutung von Ostern und Himmelfahrt Jesu aus? Diese beiden Ereignisse, für sich genommen, bewiesen nur, daß Gott Jesus als seghr frommen von dem Tod bewahrt hat, indem er ihn wie Elija in den Himmel entrückte und daß es möglich ist, daß Tote wiedererscheinen, wie etwa der Prophet Samuel dem König Saul! 
Daß Jesus Christus für uns den Tod überwunden hat, das ist nicht an Ostern und nicht an Himmelfahrt für uns erkennbar-sondern allein am Kreuze, wo Jesus für uns das Kreuzaltaropfer dargebracht hat, sodaß wir nun den Zugang zum ewigen Leben im Himmel haben! 
Die Hoffnung auf eine Auferstehung von den Toten gehörte zum Glaubensgut der Pharisäer und die urchristliche Gemeinde hat dieses Glaubensgut so auch positiv rezipiert. Nicht begründete für sie die österlichen Erscheinungen dies Glaubensgut, sondern sie begriffen das österliche Erscheinen Jesu durch diesen Vorstellungskomplex! Denn Jesu österliches Erscheinen wurde ja begriffen als :"Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen". (1.Kor, 15, 20).Daß Jesu Erscheinen das des Ersten der allgemeinen Totenauferweckung ist, das ist das Begreifen dieses Ereignisses durch diese Vorstellung der allgemeinen Totenerweckung.Also nicht begründet Jesu Ostern die allgemeine Hoffnung, sondern die allgemeine bildet die Voraussetzung für das besondere Ereignis. Denn ein singuläres Ereignis, daß Henoch entrückt wurde in den Himmel, beweist nur, daß es möglich ist, daß Menschen in den Himmel entrückt werden können, ohne zu sterben, nicht aber, daß dies an allen Menschen so geschehen wird! 
Im hellenistischen Kulturkreis übernahm dann die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele die Voraussetzung zum Begreifen der besondern Verkündigung der Kirche, des ewigen Lebens und der allgemeinen Auferstehung der Toten.
Eine Konsequenz ergibt sich aber daraus. Die christozentrische Konzeption, daß Ostern die allgemeine Auferstehung der Toten uns verheiße, ist ein theologischer Irrtum! Sie beweist nur, daß eine Auferweckung möglich ist und beweist so nichts mehr als schon das AT wußte, daß Totenerweckungen möglich (2,Könige, 4,8-37) sind und daß es die Möglichkeit der Himmelfahrt gibt (2.Könige, 2, 1-18)! Man überfordert das Osterereignis, wenn  es so all das begründen soll, was unabhängig von ihm schon geglaubt wurde!. Für unsere Zeit heißt dies, das der Schwerpunkt auf die philosophische Darlegung der Unsterblichkeit der Seele zu legen ist als Voraussetzung für die kirchliche Verkündigung des ewigen Lebens!  

Corralarium 1: Das Reich des Todes ist nicht so radical getrennt vom Reich des Lebens, wie es der vulgäre Materialismus sich vorstellt. Man denke nur an die Armen Seelen, die Frommen erscheinen, mit der Bitte um Gebete für sie! Man denke an Hamlet, der seinem Sohn erschien, um ihn zu offenbaren, daß er ermordet wurde, aber man darf auch an Erzählungen denken,auch heuer, in denen von Verstorbenen erzählt wird, die Menschen erschienen sind.           
           

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