Freitag, 30. Oktober 2015

Wer für alles offen ist, der kann nicht ganz dicht sein!

Grenzen begrenzen und schließen aus. Wäre eine grenzenlose Welt so nicht erstrebenswert? Stellen wir uns jetzt das Sportgerät Ball vor. Eine Gruppe möchte nun mit dem Ball spielen, und da man mehr als zwei ist, liegt eine Mannschaftsballsportart nahe.Will man Fußball spielen, ist das Gerät Ball gemäß den Regeln des Fußballspieles zu behandeln und somit ist es ausgeschlossen, solange Fußball gespielt wird, daß wer mitten im Spiel den Ball wie im Handballspiel wirft. Etwas Bestimmtes ist nur, indem es immer andere Möglichkeiten ausschließt. Nur weil das Fußballspiel alle mit dem Regelsystem des Fußballes inkompatiblen Behandlungsweisen des Balles ausschließt, ist es als Fußballspiel. So kann gefolgert werden, daß alles nur als etwas Bestimmtes existiert, weil es andere Möglichkeiten ausschließt. So ist alles nur durch seine Grenze. 
Eine Welt ohne Grenzen löste so alles in sich auf in amorphe Unbestimmtheiten. Identität verlangt nach Grenzen mit Öffnungen, durch die ein Kontakt zur Umwelt ermöglicht wird, aber ohne eine Grenzziehung löste sich das Subjekt auf und verlöre sich in seiner Umwelt. Das sind alles Banalitäten und doch wird gegen diese trivialen Einsichten verstoßen. In der Politik ist dies am offensichtlichsten,konkret in der Asylpolitik der Bundesregierung. Ihre Politik der offenen Grenzen für Jedermann, der sich bei uns ein besseres Leben verspricht als bei sich Daheim, findet nun hier eine Aufnahme. Nur, wo so viel Fremdes aufgenommen wird, da droht die Auflösung der Identität des Aufnehmenden. Im Bereich der Kirche erleben wir Ähnliches. Unter der Parole des Zeitgemäßen, daß man dem Menschen sich zuwenden muß, so wie er nun mal ist, wird faktisch eine Protestantisierung der Katholischen Kirche vollzogen, materialiter in dem Willen zur Übernahme der protestantischen Morallehre, die im individuellen Gewissen die letzte Instanz des Entscheidens sieht und formaliter in dem Willen, die Kirche zu dezentralisieren und untergeordneten Regionalsynoden und Ortsbischöfen mehr Spielraum für Entscheidungen in wesentlichen Fragen zuzubilligen. 
Daß Grenzen schützen und notwendig sind, um eine eigene Identität zu bewahren, das wird dann in der Begeisterung für die Globalisierung, der Auflösung aller innerweltlichen Grenzen leicht übersehen. Vielleicht könnte man die Struktur der Identität so erfassen: A setzt -A und ist als nicht-A mit sich als A identisch. Es wäre also eine nicht unmittelbare Identität, sondern eine durch eine Negation vermittelte. Wenn ich mich als Mann verstehen will, daß ich ein Mann bin, dann setzt dies das Frausein als menschliche Möglichkeit voraus und die Identität des Mannes ist es dann, daß er nicht eine Frau ist, sondern ein Mann. Oder anders gesagt: gäbe es nur männliche Menschen, könnte es keine männliche Identität geben, sondern nur eine menschliche. Der Mann ist nur als Mann mit sich identisch,insofern er das Frausein ausschließt und das so aus sich ausgrenzt. Aber es scheint so, daß gerade das Anliegen der Genderideologie es ist, diese geschlechtlichen Identitäten aufzulösen. R. Musil erfaßt dies ja so treffend: "Schließlich besteht ja das Ding nur durch seine Grenzen und damit durch einen gewissermaßen feindseligen Akt gegen seine Umgebung." (Der Mann ohne Eigenschaften, 7.Kapitel) Der Begriff des feindseligen Aktes ergründet uns nun aber auch ein Verständnis für den Wunsch zur Auflösung aller Grenzen, damit sich Alles in Allem zu einer Einheit auflöst. Aber damit eine Einheit sein kann, müßte selbst diese noch etwas ausschließen, um sich demgegenüber als eine Einheit zu konzipieren. In religiöser Sprache übersetzt heißt das dann, daß die Seele des Menschen, oder auch der Einzelmensch nach seinem Tode in Gott aufgeht wie ein Wassertropfen im Meer. Aber das ist keine christliche Erlösungsvorstellung, denn nach ihr bleibt uns auch im ewigen Leben Gott als Gegenüber uns erhalten und ich bleibe auch ich, dem dann Gott mein Gegenüber ist. Auch hier findet dann keine Auflösung und ein Sichvelieren in Gott statt.
Es ist vielleicht eines der Kennzeichen der Postmoderne, daß in ihr eine Tendenz zur Auflösung aller Grenzen  vorherrscht, die dann auch notwendigerweise alle Identitäten auflöst. Der letzte Mensch (Nietzsche), der Massenmensch ist eben auch der ohne eine Identität, weil er verlernt hat, sich von den anderen Menschen unterscheiden zu wollen: Ich bin nicht Du! 
Das Konzept der Globalisierung ist ja gerade das der Auflösung aller kulturellen Identitäten zugunsten einer amerikanisierten Einheitswelt. So heißt das für die Katholische Kirche, daß sie nur Katholisch bleibt, wenn sie sich bewußt im Gegensatz zu nichtkatholischen Christentumsverständnissen begreift und behauptet. Diese triviale Binsenwahrheit wird nun aber außer Kraft gesetzt, wenn im Konzept des Dialoges, sowohl des innerchristlihen wie des innerreligiösen, das Trennende als das Identitätsstiftende negiert wird, um immer nur das Gemeinsame zu betonen. Wenn alles eins ist, dann gibt es in dieser Einheit keine Identität mehr. 

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