Sonntag, 18. Oktober 2015

Ist jeder Krieg eine Sünde? Zum Syrienkrieg

Der syrische Erzbischof Hidno kritisierte energisch die Befürwortung der russischen Militärintervention in Syrien durch das Moskauer Patriachat. Kat net, leider oft negativ auffallend durch seiner antirussische Tendenz, als wolle man da den Kalten Krieg wieder herbeischreiben, berichtete darüber am 18.10. 2015. Der syrische Kirchenmann verstieg sich gar zu der These, daß jeder Krieg eine Sünde sei! Da wäre es nun doch die Aufgabe von Kath net gewesen, die Leser daran zu erinnern, daß diese Meinung unvereinbar ist mit dem Glauben der Kirche, die eben zwischen gerechten und ungerechten kriegen zu unterscheiden lehrt und so sehr wohl Kriege kennt, die keine Sünde sind. Nun behauptet der Erzbischof gar, daß der Moskauer Patriach  gar von einem "heiligen Krieg"  gesprochen habe. (Mir ist es nicht möglich, die Richtigkeit dieser Behauptung zu überprüfen, auch wenn mir das recht unwahrscheinlich vorkommt- aber ich will nun mal so tuen, als hätte der russische Patriach tatsächlich von einem "heiligen Krieg" gesprochen. 
Zuerst muß vorbemerkt werden, daß es zur Lehre und Tradition der Russisch-Orthodoxen Kirche gehört, ein harmonisches Verhältnis zum Russischen Staat zu erstreben. Dies gelingt der Kirche in Rußlands zusehens wieder, gerade weil ihr in Putin ein dialogbereiter Staatsmann gegenübersteht der auch seinerseits - gemäß der russischen Staatstradition- in der Orthodoxen Kirche den Partner für sich sah zum gemeinsamen Regieren. Daß die Zaren dann "Minister" der Russischen Kirche gewesen sind, wie Rousseau in "Staat und Gesellschaft" in dem Kapitel :"Über die staatsbürgeliche Religion" urteilte, dürfte dabei eine genauso arge Übertreibung sein wie das andere Extrem, daß die Russische Kirche nur der Befehlsempfänger des Staates gewesen sei. Es ist schon befremdlich, wie wenig diese Kritiker einmütig sich kein partnerschaftliches Verhältnis von Kirche und Stat imaginieren können, sondern dies sich immer nur vorstellen wollen als das eines Über-und Unterordnungsverhältnisses! Es muß dann angemerkt werden, daß die Katholische Kirche niemals dem Staate prinzipiell das Recht, Kriege zu führen abgesprochen hat- wie könnte sie auch, verstieße das doch eindeutig der in der hl. Schrift selbst enthaltenden Staatslehre, isb. des Apostelfürsten Paulus in Röm 13 und dem ganzen Zeugnis des Alten Testamentes. Wenn man das Töten im Kriege trotzdem als Sünde bezeichnen wollte, dann kann das nur so gemeint sein, daß damit der tragische Charakter des Krieges zum Ausdruck gebracht wird: daß das im gerechten Kriege erlaubte und notwendige Töten doch ein Tuen ist, das doch unmoralisch ist und trotzdem dann getan werden muß.  
Es gibt nun gute politische Gründe für das militärische Eingreifen Rußlands zugunsten des syrischen Staates- angefangen von dem völkerrechtlichen sehr einsichtigem, daß es in Syrien eine militante Opposition gegen die Regierung gibt, die versucht, durch Anzettelung und Führung eines Bürgerkrieges die Regierung zu stürzen, um  selbst die Regierung zu übernehmen. Warum dürfte ein ouveräner Staat einem anderen nicht militärisch zur Hilfe kommen, wenn dieser sich einer militärisch operierenden Opposition gegenüberstehen sieht, die massivst vom Auslande unterstützt wird!  
Daß in den westlichen Medien diese Opposition dann auch propagandistisch unterstützt wird, daß sie die Menschenrechte mißachte, ist dann eine Absurdität ohne seines gleichen, wenn man sich frägt, wie denn wohl der Islamische Staat und die sonstigen islamischen Freiheitskämpfer in Syrien es mit den Menschenrechten halten! Es bedarf keiner prophetischen Begabung, um für den Fall des Endsieges des Islamischen Staates den Tod aller Christen in Syrien vorauszusagen. Und so ist tatsächlich Putins Militärintervention für die Christen in Syrien das beste, was ihnen da jetzt passieren kann. Eine Zukunft haben die Christen in Syrien nämlich nur, wenn die jetzige Regierung wieder die Kontrolle über das ganze Land zurückgewinnt und dann für Ruhe und Ordnung sorgt! Und dieses Ziel ist in dem Bürgerkrieg, der jetzt in Syrien herrscht, nicht ohne militärische Gewaltanwendung zu erreichen!          
Merksatz: es gibt Zeiten, in denen der Staat diktatorisch regieren muß,um die untereinander in Todfeindschaft sich gegenüberstehenden Bevölkerungsteile daran zu hindern, sich gegenseitig umzubringen. Das wußte schon Thomas Hobbes ! 
Und ein Krieg und eine autoritäre  Regierung sind dann, um den totalen Bürgerkrieg zu beenden, Übel, aber kleine angesichts des dort jetzt herrschenden Elends!
Ob es nun klug und theologisch legitim ist, diese russische Militärintervention einen heiligen Krieg zu nennen, darüber kann man geteilter Meinung sein.  Versteht man unter "heilig", daß etwas ausgesondert wird aus der profanen Welt, um es ausschließlich in den Dienst Gottes zu stellen, wie eben der Kelch der Eucharistie nur als Gefäß für das Trinken des Blutes Christi hergenommen wird und nicht zum profanen Weintrinken, dann verbietet sich dieser Ausdruck. Verstünde man darunter aber, daß die Kirche damit zum Ausdruck bringen will, daß diese Militärintervention mit Gottes Willem und uns gegebenen Ordnungen sich im Einklang befindet, dann wäre der Begriff akzeptabel.

Corollarium 1
Politisch korrekter als korrekt Denkende neigen dazu, zu urteilen, daß jeder Krieg eine Sünde und etwas Unmoralisches sei. Frägt man sie aber dann, was sie vom Krieg gegen Hitlerdeutschland halten,dann ist ihnen der das beste, was uns Deutschen und der Welt passieren konnte und eigentlich war es- moralisch geurteilt- schon ein heiliger Krieg der Allianz aller Gutmenschen gegen das Böse schlechthin!        

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