Dienstag, 6. September 2016

Der linke Krieg gegen die Familie

"Wie der bolschewistische Führer Jewgeni Preobraschenski (später ein Verbündeter Trotzkis) sagte: „Unsere Aufgabe besteht nicht darin, nach Gerechtigkeit in der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern zu streben. Unsere Aufgabe ist es, Männer und Frauen von der kleinlichen Hausarbeit zu befreien“ (zitiert in Goldman, Women, the State and Revolution). Somit ist es eine der Aufgaben der sozialistischen Revolution, die Institution der Familie durch gemeinschaftliche Kinderbetreuung, Kantinen und Wäschereien sowie bezahlten Mutterschaftsurlaub und kostenlose Gesundheitsversorgung vollständig zu ersetzen und besondere Aufmerksamkeit auf die vollständige Integration der Frauen in das gesellschaftliche und politische Leben zu legen." 
So liest sich das Grundanliegen der russischen Kommunisten in der Anfangsphase der Umgestaltung Rußlands nach dem Sieg der Bolschewisten. (International Communist League: Russische Revolution und Emanzipation der Frau, 2006). Staatliche Organisationen haben die Familie vollständig zu ersetzen! Das verstaatlichte Kind ist dabei das Ziel der Frauenemanzipation, das Ziel der Frauenemanzipation dagegen ist, daß die Frau wie auch der Mann unbeschränkt der Wirtschaft zur freien Verfügung zu stehen hat. Die Ordnung der Familie ist sogesehen ein Hindernis für die totale Mobilmachung für die Wirtschaft. Der Mensch hat eben nur noch für die Ökonomie dazusein. 
Aber die Ordnung der Familie ist eben noch mehr als nur ein Hindernis für diese Totalmobilmachung "Sie sorgt auch für das Eintrichtern von religiöser Rückständigkeit, einem ideologischen Hemmschuh für die Entwicklung sozialen Bewusstseins." Der Kampf gegen die Ordnung der Familie ist eben insbesondere der Kampf gegen den Ort gelebter Religiösität, durch den eben der Glaube vermittelt wird. Für den totalitären Staat der Bolschewisten darf es eben nur die Kommunistische Partei als Erzieherin geben und darum muß die Familie abgeschafft werden! Man traute sich eben nicht zu, so in die Familien einzuwirken, daß in ihnen selbst die kommunistische Ideologie weitervermittelt wird, nein, in intakten Familien sah man Brutstätten religiösem und damit antikommunistischen Lebens.
Nun konstatiert Leo Trotzki in seinem Buch: "Die verratene Revolution", daß diese guten Ansätze nicht realisiert werden konnten, weil der Staat es nicht schaffte, die Familie zu ersetzen, also zu verstaatlichen. Stattdessen förderte Stalin, der Verräter der Revolution die Ordnung der Familie wieder, erschwerte Ehescheidungen und verbot die durch Lenin erlaubten Abtreibungen 1936. Diese Profamilienpolitik gilt seit dem Linken als einer der unverzeihlichen Fehler Stalins, gipfelnd in der Stiftung von Mutterschaftsorden für Mütter mit 10 und mehr Kindern! 
Dies könnte man als historische Episode beiseite tuen, offenbarte sie uns nicht doch Wesentliches über das Verhältnis der Linken zur Frau und zur Ökonomie! Seit Karl Marx Diktum, daß der Mensch sich selbst durch die gesellschaftliche Arbeit hervorbringe, gilt das Arbeitsleben als die Sphäre des menschlichen Lebens. Darum sollen auch alle Menschen in ihr integriert werden. Die Arbeit in der Familie dagegen galt nicht als eine die Selbstverwirklichung des Menschen ermöglichende Tätigkeit. Darum sollte die Frau aus der Hausarbeit und dem Familenleben befreit werden, damit sie dann genauso werktätig sein könne wie der Mann. Simpler gesagt: Der Mensch hat seinen Daseinszweck ausschließlich im Arbeitsleben; er soll nur noch der Ökonomie dienen. 
Nun hat 1989 die kapitalistische Marktwirtschaftsordnung über die sozialistische Planwirtschaftsordnung gesiegt- aber eines ist gelieben, nämlich der Glaube, daß der Mensch zuallererst für die Wirtschaft da ist. Der postmoderne Kapitalismus erkennt so wie der bolschewistische Kommunismus Lenins in der Ordnung der Familie ein Hindernis für die Subordination des Menschen unter die Bedürfnisse der Wirtschaft! Der Mensch soll nur noch frei verfügbar für die Wirtschaft sein. Familienbande behindern ihn daran- darum soll die Ordnung der Familie aufgelöst werden, sie verstaatlicht werden! 
Daß die Ordnung der Familie den Genderistenideologen auch als ein Bollwerk gegen den Willen zur Auslöschung der Geschlechteridentität erscheint, ist offenkundig. Darum soll die zeitgemäße Sexualerziehung ganz in die Hände des Staates fallen, damit durch ihn die Kinder dann entsprechend indoktriniert werden können.
Wenn die Linke heutzutage den Kampf gegen den Kapitalismus faktisch abgesetzt hat nach der Implosion des realen Sozialismus, kapriziert sie sich jetzt darauf, um der Modernisierung des Kapitalismus willen, die Ordnung der Familie abzuschaffen, weil sie eben eine Ordnung ist, die der totalen Mobilmachung für die Wirtschaft entgegensteht. Das wußten die Bolschewisten einst und jetzt die gewendeten Linken in ihrer neuen Kapitalismusbewunderung!  
Beachtenswert ist auch diese Kontinuität: Wie die Bolschewisten plädiert auch die heutige Linke für das Menschenrecht auf Tötung der eignen ungeborenen Kinder- aber nicht immer wird dabei klar, daß dies Menschenrecht primär deshalb eingefordert wird, damit die Frau nicht durch Schwangerschaft und Kindererziehung vom Arbeiten in der Wirtschaft abgehalten wird, denn dazu ist sie allein bestimmt! 
Es ist keine Zukunftsromanutopie, sondern eine wahrhaft linke Hoffnung, daß einst die Mutterschaft ganz abschaffbar sein wird durch künstliche Erzeugung der Kinder in vitro, ihr Aufwachsen in künstlichen Brutkästen und dann ihr Aufwachsen in Kita und Kindergärten bis zur Internatsschule, damit Frauen keine Mütter sein dürfen und es keine Familien mehr gibt- sondern nur noch dem Staate gehörende Menschen, der sie in den allein seligmachenden Dienst der Wirtschaft stellt. Das ist die Neue Weltordnung als globalisierte Marktordnung, in der alle Ordnungen aufglöst werden, damit der Mensch nur noch als Funktion der Wirtschaft existiert.           

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