Donnerstag, 8. September 2016

Mit Adorno contra Mutter Teresa

Es wäre doch sehr befremdlich, wenn die offizielle Netzseite der Katholischen Bischofskonferenz nicht auch ein Steinchen wider die just heilig gesprochene Mutter Teresa würfe. Und so sind wir nicht enttäuscht, dies da lesen zu dürfen:  "Das Mitleid bestätigt die Regel der Unmenschlichkeit durch die Ausnahme, die es praktiziert", heißt es bei Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in der "Dialektik der Aufklärung". In verabsolutierter Form treibt dieser Gedanke dem Einzelnen und der Gesellschaft die Seele aus. Recht verstanden ist er eine Warnung vor Gefühlsduselei und einer sozial-caritativen Oberflächenbehandlung. "
So  kritisiert J.Fuchs auf Kath de die Heiligsprechung der Mutter Teresa am 7.9.2016 unter "Standpunkte". Man subsumiere praktizierte Nächstenliebe unter den Begriff des Mitleides und schon rückt die Praxis des Engel des Armen in ein Zwielicht. Caritative Oberflächenbehandlung sei das, schon nicht einmal eine solidarische Praxis und schon gar kein an die Wurzel des Problemes ansetzendes Wirken! Die Heilige war eben eine gefühlsduselige Frau! 
Die Kirche hätte da doch besser Adorno und Horkheimer heilig sprechen sollen!  

Corollarium 1
Dabei ist das Mitleid eine der höchsten Tugenden, denn wer solidarisch handelt, agiert immer in Rücksicht auf seine eigene Interessenlage. Der Begriff stammt ja aus der Arbeiterbewegung und bedeutet, daß man gemeinsam für seine Interessen kämpft, statt sich spalten zu lassen, sodaß Priviligiertere sich von den Diskrimierten absetzen um nur noch für sich zu streiten zum Schaden aller. Das Mitleid setzt dagegen eine Praxis aus sich heraus, die nicht mehr nach dem Eigennutz des eigenen Tuen frägt, nach dem Motto: Ich helfe jetzt, damit mir morgen auch geholfen werden wird, sondern eine, die um des Anderen willen tätig wird.

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