Sonntag, 9. November 2025

Über die fröhliche Markttheologie – was sie alles uns verspricht und was sie uns nimmt

 

Über die fröhliche Markttheologie1 was sie alles uns verspricht und was sie uns nimmt



In dem Buch: „Zur Tytrannei der Werte“ wird unter dem Begriff der Theologie eine Lehre vom Heil für den Menschen verstanden und der Begriff des Marktes soll das Medium bezeichnen, das uns das Heil verspricht, wenn wir denn nur gemäß den Marktgesetzen uns selbst verstehen und dem gemäß auch agieren. Dabei tritt der Mensch als Subjekt, wie es in der postmodernen Philosophie fast üblich geworden ist, in zweifacher Stellung auf, als das von einer Ordnung Unterworfene, als Subjectum und als das Subjekt auf, als das alles selbst Bestimmende. Diesem so zweifach verstandenem Subjekt gelten nun die Verheißungen der Markttheologie, wobei hier diese Art von Theologie auch als die Alternative zur christlichen Theologie sich versteht, indem sie selbst diese zu einer Ware des Marktes, die ihre Käufer sucht, herabstuft.

So wird diese der Marktwirtschaftsideologie immanente Paradies-vorstellungen dann näher bestimmt: „Dessen Paradiese verlocken und verführen,weil sie ein Begehren nicht vollständig befrieden und sättigen.Ein Hunger nach Weiterem muss immer bleiben.Vollkommenheit als vollkommen gestillter Hunger würde den Markt und die Wirtschaft vollkommen durcheinanderbringen.“2 Die Verheißung, durch den Konsum von vielen Waren einmal satuiert zu sein, verschiebt sich immer wieder zu der Hoffnung, daß noch eines fehle, das es noch zu konsumieren gälte, um endlich zufrieden zu sein. Hier tritt der Konsument nicht in der Position des königlichen Kunden auf, sondern als ein durch diese Verheißung zu immer weiterem Konsumieren Getriebener. Konsum ist Pflichtheißt es deshalb.3 Resümierend wird dann festgestellt: „Der Aufstieg vom Menschen zum Endverbraucher war das Programm fröhlicher Markttheologen.Sie erhoben den Markt zum Erlöser,Retter und Befreier, zu einer Glaubensmacht,die keinen verlässt,der sich seiner Gnadenmittel beflissen als Marktgerechter versichert.“4

Diese religiöse Sprache disiertverwendet hier Straub absichtlich, um den religiösen Charakter dieser Marktideologie zu erfassen, daß nun der freie Markt verheißt, was einst der Gläubige von Gott sich erhoffte. Der heutige politische Duskurs, das müßte jetzt ergänzt werden, bejaht diese Markttheologie und sieht so seine Aufgabe darin, a) die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, daß massenhaft die zu konsumierenden Güter von der Wirtschaft auch produziert werden können und daß b)die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen daß alle, eher so viel wie möglich auch als Käufer der Waren fungieren können. Um es im Geiste des Eudaimonismus zu formulieren: Der Raum möglichen Glückes ist der durch den Markt ermöglichte Konsum des Endverbrauchers und der Staat soll es ermöglichen, daß der Markt so funktioniert.

Die Menschen müßten dafür angeglichen und gleichförmig gemacht werden: Der Markt könne nämlich nur so funktionieren, „wenn die Mannigfaltigkeit der Begehrlichkeiten standadisiert wird,Massenware und Luxusprodukte zu ein und der gleichen Wertordnung gehören.“5 Die Massenproduktion verlangt den Massengeschmack, der selbst wiederum durch den Markt erzeugt wird. Der Mensch fungiere so nur noch als Arbeitstier und als Kunde auf dem Markt.“6 Er ist nur noch als ein dem Markt Unterworfener, als subjectum.Hierbei ist also die ideologische Fiktion vom Kunden als dem Keinenönig des freien Erwählens und seiner faktischen Indienstnahme durch die Ordnung des Marktes strikt zu unterscheiden.

Bedenkenswert ist dabei der Versuch, die Marktwirtschaft nicht einfach nur als eine Ordnungsmöglichkeit der Ökonomie zu begreifen, sondern in seiner quasi religiösen Dimension zu erfassen, daß diese Ordnung dem Menschen das Glück auf Erden als ein mögliches vor Augen stellt als die Option des unbegrenzten Konsumes.

Das dieser Wirtschaftsordnung immanente Problem ist nicht auf den ersten Blick offenkundig, daß nämlich einerseits diese Ordnung eine fast unbegrenzte Kaufkraft der Konsumenten verlangt und daß andererseits zur Gewinnmaximierung die Produktionskosten zu senken sind und das heißt, daß die Löhne klein gehalten werden sollen, was aber die Kufkraft der Konsumenten beeinträchtgt: Als Arbeiter soll er wenig verdienen und als Konsument über eine große Kaufkraft verfügen, damit die massenhaft produzierten Güter auch verkauft werden können.

Erstaunlicherweise wird dann in diesem Buch die Kritik Karl Marx an dieser Marktwirtschaftsordnung zugefügt, wie sich diese Ordnung auf das Miteinander der Menschen auswirkt,erstaunlich, da der Verlg, in dem dieses Buch erschienen ist, eher conservativ- rechts orientiert ist. Über die Grundwerte der bürgerlichen Gesellschaft: Freiheit,Gleichheit, Eigentumspottet Marx: „Freiheit! Denn Käufer und Verkäufer einer Ware,z.B.der Arbeitslraft,sind nur durch ihren freien Willen bestimmt.Sie kontrahieren als freie,rechtliche ebenbürtige Personen.Der Kontrakt ist das Endresultat,worin sich ihre Willen einen gemeinsamen Rechtsausdruck geben.Gleichheit! Denn sie beziehen sich nur als Warenbesitzer aufeinander und tauschen Äquivilant für Äquialent.Eigentum!Denn jeder verfügt nur über das Seine! Bentham! Denn jedem von beiden ist es nur um sich zu tun.Die einzige Macht,die sie zusammen und in ein Verhältnis bringt,ist ihres Eigennutzes.(,,,)ihrer Privatinteressen.“ So weit Marx Kritik, die die Ordnung des Marktes als bloßen Raum der wechselseitigen Realisierungen von Privtinteressen ansieht, in der jeder nur ein Mittel zur Realisierung der Privatinteressen des Anderen sein kann. Dem Menschen als Zoon politicum wird somit sein gesellschaftliches Leben nur noch ein Mittel zur Steigerung des Genusses seines Privatlebens, das ihm das Reich des Konsumierens ist. Aber der so verprivatisierte Mensch verfehlt sein Leben als Mensch, lebt entfremdet von sich, urteilte Karl Marx als, um es mit dem marxistischen Philosophen Althusser zu formulieren der noch humanistisch denkende Marx, bevor er ein Marxist wurde.

Man tut sich keinen Gefallen, alles, was Karl Marx schrieb, zu verdammen, nur weil es von ihm stammte. Das gilt ebenso für den ihm gleichbürtigem Philosophen Nietzsche! Es ist ein Stärke der kaholischen Theologie, stets im Gespräch gewesen zu sein und zu sein mit der Philosophie.

Wenn alles zur Ware wird, wird auch der Mensch zu einer Ware, die, wenn sie keinen Gebrauchswert mehr hat, nichts mehr wert ist. 









1Eberhard Straub, Zur Tyrannei der Werte, 2019, S.92.

2A.a,O. S.92.

3A.a.O.S.92.

4A.a,O. S.92.

5A.a.O. S.91.

6A.a.O. S.91.

Freitag, 7. November 2025

„Polygamie mit Segen der Kirche : Pfarrerin traut VIER Männer zu EINEM Ehepaar“ - die „Kirche“ hat Zukunft

 

Polygamie mit Segen der Kirche1

:

Pfarrerin traut VIER Männer zu EINEM Ehepaar“
- die „Kirche“ hat Zukunft

Während in der Katholischen Kirche selbst die entschiedendsten Vorkämpfer des Verprotestantisierungskonzeptes der Kirche so der rechte Glaube fehlt, ob so denn nun wirklich das sinkende Kirchenschiff noch zu retten ist, schreitet eine Avantgardepfarrerin der evangelischen „Kirche“ mutig zur Tat, um für ihre Kirche, aber auch weit darüber hinaus echte Zukunftsperspktiven aufzuweisen: Wenn 4 Mäner sich wechselseitig lieben und heiraten wollen, dann bekommen sie, wenn sie e es wünschen Gottes Ehesegen dazu! Auch wenn unser doch so sexualfeindliches bürgerliches Gesetzbuch die Polygamie nicht erlaubt, ist das doch kein Hindernisgrund, eine polygame Ehe zu schließen! Daß gar das wichtigste Meinungsblatt Deutschlands die „Bild“-Zeitung von diesem wahrhaft kirchenrevolutionären Ereignis berichtet, zeigt überdeutlich, wie es die Kirche schaffen kann, aus den Negativmeldungen herauszukommen, eine positive Presse zu bekommen: Satt Kirchenaustrittszahlen und Mibräuchsfällen triumphiert hier: „Allein die Liebe zählt!“

Kath net berichtet über diesen Kirchenevent auch am 7.11.2025: Die Berliner Pfarrerin Lena Müller hat auf Instagram darüber informiert, dass sie vier Männer miteinander verheiratet habe. Sie nannte dies eine „Polyhochzeit“. Wörtlich schrieb sie: „Am Freitagabend durfte ich mit Christopher und Gloria meine erste Polyhochzeit feiern. Vier junge Männer haben zueinander ja gesagt, mit uns die Liebe gefeiert und sich unter G*ttes bunten Segen gestellt. ‚Love never ceases‘ – ‚Die Liebe hört nie auf‘ aus dem 1. Korintherbrief haben sie als Bibelvers für sich gewählt. Dass sie fest daran glauben, wurde schon im Vorgespräch deutlich, als sie von der Warmherzigkeit, Großzügigkeit und Offenheit in ihrem Polykül sprachen. Was für eine Ehre, dass diese Vier sich so vertrauensvoll in unsere alten Gemäuer gewagt haben und um Segen baten. Ich bin so dankbar für diesen Beruf. Und bevor jemand fragt, was Jesus dazu gesagt hat: ‚Gleich viermal mehr Liebe - ich lieb's!‘, sagte er und schmiss eine Hand voll Glitzer über uns alle.“ 2

Offiziell distanzieren sich jetzt noch „Kirchen“obere von dieser avantgardistischen Aktion dieser Edelfministin, aber die progressiven Kräfte in und außerhalb der EKD werden dies voreilige „Nein“ zur Polygamie sicher in Bälde aufweichen. Der Internetartikel: „LSBTTIQ-Gruppen stark in der Kirche vernetzt“ vom 6.11. 2025 weiß Nähreres über die Hintergünde dieses evangelischen Kirchenhöhepunktes: Polyhochzeit für die Kirche kein Problem-Wie zahlreiche Medien berichteten, hat die Berliner Evangelische „Pfarrerin“ Lena Müller vier Männer miteinander vermählt. Es scheint, als ob es der LSBTTIQ-Lobby noch nicht weit genug geht. Daß zwei Männer oder zwei Frauen in Kirchen heiraten können, reicht ihnen noch nicht. Alle Möglichkeiten, ob zwei, drei, vier oder mehr Personen und egal in welcher geschlechtlichen Identität sollen heiraten dürfen. Müller meint, daß queere Lebensweisen zu lange diskriminiert worden seien und sie fand es sehr bewegend, daß sich die vier Männer, darunter ein buddhistisch geprägter, von ihr vermählen ließen.

Wer ist Lena Müller? Ihre eigene Aussage, die als Überschrift über ihrem Porträt steht, ist sehr bezeichnend; dort sagt sie: „Es sei ‚mega satanisch‘, daß ich als Frau Pfarrerin bin.“ Die Aufgabe der Kirchen sei, laut Müller:Die Kirchen sollten dafür eintreten, daß die Beziehungen und Handlungen, die Menschen leben, ihren Mitmenschen und Mitgeschöpfen keinen Schaden zufügen. Das sehe ich als unsere Aufgabe. Aber wenn Menschen auf Augenhöhe ihre Entscheidungen treffen, selbstbestimmt und einvernehmlich, dann betrachte ich es nicht als meine Aufgabe als Pfarrerin, Menschen zu sagen, was sie in ihrem Schlafzimmer zu treiben haben.“3

Nun mögen sich bitte kein Katholik über diesen Exzeß von LGBTQ-Aktiisten echauffrieren, die Nachahmungswilligen in der Katholischen Kirche stehen doch schon Gewehr bei Fuß bereit, nun auch die Polygamie auch und gerade zwischen Gleichgeschlechtlichen den Weg zu bahnen, denn alles, was im Bett Spaß macht, muß doch die Kirche nicht nur erlauben sondern auch noch (ab)segnen!

Apropo selbstbestimmtes Leben: Da Adam und Eva, den Ratschlag der Schlange aufnehmend selbstbestimmt konsensual beschlossen, von dem Baum zu essen, war und kann das keine Sünde gewesen sein, denn alles, was Menschen gemeinsam frei berimmen zu unternehmen, wenn dabei keiner den anderen irgendwie schädigt, ist eine erlaubte Handlung, was auch Gott zu respektieren habe, denn der dürfe uns Menschen keine Vorschriften machen. Er habe uns nämlich das Recht zu gewähren, alles tuen zu wollen, was wir wollen, wenn nur alle daran Beteiligten und Betroffenen dem freiwillig zustimmen. Ein Gebot Gottes ist so a priori freiheitsfeindlich. Das Strafgesetzbuch, das etwa die Polygamie verbietet, hat zudem für einen jeden Menschen keine Bedeutung, da ja jeder nur seinem eigenen Gewissen verpflichtet sei und somit darf auch eine evanglische Pfarrerin Polygamisten den Ehesegen spenden.

1„Bild“ am 7.11.2025

2 Kath net, 7.11. 2025: Evangelische Pfarrerin segnet VIER Männer in sogenannter „Polyhochzeit“


3Arbeitsgemeinschaft AG-Weltamschauungsfragen: „LSBTTIQ-Gruppen stark in der Kirche vernetzt“ vom 6.11. 2025.

Donnerstag, 6. November 2025

Ein Rettungsplan für die Kirche: Dialog, Synodaliät und Beratungs- und Entscheidungsgremien

 

Ein Rettungsplan für die Kirche: Dialog, Synodaliät und Beratungs- und Entscheidungsgremien



Das Hauptproblem scheint, nimmt man diese Therapievorschläge ernst und denkt nicht gleich, hierbei handele es sich nur um mehr oder weniger gut ausgefeilte Strategien eines innerkirchlichen Machtkampfes: „Wer bestimmt wie über was in der Kirche?“eine defizitäre Kommunikationskultur zu sein. Um eine Kommunikationskultur geht es dabei da die Kommunikation reguliert: „Wer mit wem wie über was?, also institutionalisiert werden soll.

Es soll nun eine grobe Übersichtsskizze versucht werden. Mit: „ Über den Dialog“ wird angefangen.Auszuschließen sind hierbei von vornherein fiktive künstlerisch gestaltete,man denke an die sokratischen Dialoge und die sich spontan ergebenden Unterhaltungen,in denen man halt miteinander plaudert.Es ist an den christlich - jüdischen Dialog zu denken, den interreligiösen oder jetzt aktueller an den mit LGBTQ-Vertretern. Diesen Dialogen gemein ist, daß sie von einer Höflichkeitskultur geprägt sind. Die ursprüngliche Bedeutung der Höflichkeit war selbstredend die,sich so zu benehmen wissen, daß man am Hofe auftreten konnte.Jetzt stellt die Höflichkeitskultur einen Ausgleich dar zwischen der Pflicht zur Wahrheit, daß man zumindest nicht lügen dürfe und dem Gebot der Nächstenliebe. So sagt man eben nicht zu dem Gastgeber, daß die Qualität des ausgeschenkten Weines miserabel ist, daß der Wein nicht trinkbar sei. Da der Dialog durch diese Art der Höflichkeit bestimmt ist, ist diese Kommunikationsform nicht förderlich für ein Miteinanderreden, das auf eine Wahrheitsfindung ausgerichtet ist.

Nun gibt es Dialoge, die durch eine Asymmetrie bestimmt ist. Das bekannteste asymmetrische Kommunikationsverhältnis wird treffend durch diesen Witz veranschaulicht: Paragraph 1 Der Chef hat immer recht. Paragraph 2: Hat der Chef nicht recht, tritt automatisch der 1.Paragraph in Geltung.Eine besondere Gestalt einer asymmetrischen Kommunikation ist die,in der die eine Partei die Position des Angeklagten,die andere die des Anklagenden einnimmt. Das ist die Struktur des christlich- jüdischen Dialoges, in der die christliche Seite stets auf die Anklagebank gesetzt sich sieht, irgendwie für den Holocaust mitverantwortlich zu sein und aus dieser Position heraus nur noch reden kann.Das gilt ebenso für den Dialog mit Vertretern der Homosexlobby und denen der LGBTQ : Die Kirche habe diese diskriminiert und muß sich im Dialog dieser Anklage stellen. Da in diesen Dialog die Position des Richters unbesetzt ist, müssen alle sich untereinander miteinander arrangieren, wobei der Angeklagte stets in der schwächeren Position sich vorfindet. Einer Wahrheitsfindung ist ein so strukturierter Dialog nicht günstig, ja sie vereitelt eigentlich eine Wahrheitsfiindung.

Wenn man nun aber eine Wahrheitsfindungsorientierung von vornherein ausschließt, sondern als das Ziel des Dialogisierens nur ein Besser- miteinader- Auskommen anvisiert, dann ist das ein gutes Ziel für eine bürgerliche Kultur, aber widerspricht dem Wesen der Kirche, die auf die Wahrheit auferbaut ist.

Das Schlagwort der jetzigen innerkirchlichen Reformdebatte ist der Begriff der Synodalität. Der wird dabei so unbestimmt verwendet, daß man ohne Probleme mehrere Dissertationen über die jetzige Verwendung verfassen könnte, ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, was denn normativ unter diesem Begriff zu verstehen ist!Man kann sich aber nicht des Eindruckes erwehren, daß diese Vokabel primär gebraucht wird, um eigene Machtinteressen durchzusetzen, daß Gruppen behaupten,bisher gar nicht bzw zu wenig an den Kirchenentscheidungen beteiligt gewesen zu sein und daß sie deswegen eine Machtbeteiligung verlangen.Implizit wird dabei präsumiert, daß die Kirche ein leerer Raum gewesen sei, der nun im Laufe der Kirchengeschichte möbiliert worden sei durch die vielfältigsten Beschlüsse der Kirche,aber die jetzigen Bewohner die Kirche renovieren möchten und deswegen sei nun vorrangig darüber zu entscheiden, wer nun wie die Entscheidungen über die durchzuführende Renovierung zu treffen habe. Als der Gegenpol der Synodalisierung ist dabei die hierarchische Struktur der Kirche gesetzt, die irgendwie aufgeweicht oder gar gänzlich aufgelöst werden soll.

Völlig ungeklärt ist dabei die Frage der Sachkompetenz der Beratungs- und Entscheidugsgremien. Unreflektiert wird dabei der Parlamentarismus des liberal- demokratischen Rechtsstaates zugrunde gelegt, daß sich die Kirche die Struktur des heutigen Staates mehr oder weniger zu eigen machen sollte, als gäbe es eine Struktur, die für jede Institution gleichermaßen gut wäre. Gewählte Synodale haben als kompetent zu gelten, weil sie demokratisch in ein Entscheidungsgremium hineingewählt worden sind. Für gewählte Parlamentarier gilt, daß die Sachkompetenz der Parlamentsfraktion, der sie angehören und die der Partei, der sie angehören,die Eigenkompetenz ersetzt: Sie stimmen gemäß der Fraktions- und der Parteidisziplin ab. Abweichendes Verhalten wird dann sanktioniert, da es als unerwünscht und dysfunktional gilt. Ein Synodaler dürfte angesichts des heutigen Zustandes der Kirche in der Regel über fast keine Kompetenz in theologischen Fragen besitzen und müßte die dann durch seine liberalere oder conserativere Gesinnung kompensieren.

Solange sich in den kirchlichen Gremien noch keine Parteienbildung ereignet hat,erscheinen Lager von mehr oder weniger Gleichgesinnten, die ihr Profil gewinnen in ihrer gemeinsamen Ablehnung von bestimmten Positionen´: Zu uns gehört nicht, wer etwa die praktizierte Homosexualität als eine Sünde beurteilt und der für den Zölibat ist.

Irritierend ist nun,mit welcher Vehemenz neue Beratungs- und Entscheidugsgremien eingefordert werden angesichts der wenigen zu treffenden Entscheidungen in der Kirche.Für die meisten kirchlichen Handlungen gilt ja die Devise: „So wie letztes Jahr oder wie immer!“ Die jetzt strittigen Fragen, die der Abschaffung des Zölibates, die der Einführung des Frauenpriestertumes und die der Erlaubnis des Sexes für alle ,können und dürfen in Deutschland gar nicht gefällt werden, sondern wenn, dann nur in Rom.Es stellt sich dabei aber die Frage: „Warum soll die Katholische Kirche denn nun in mühsamster Kleinarbeit verprotestantisiert werden, steht doch in Deutschland die evangelische „Kirche“ und würde gern all diese „katholischen“ Reformer in sich aufnehmen.

Warum nun aber durch eine Angleichung der Strukturen der Kirche an die der EKD die Kirchenkrise abgemildert werden kann,ist aber für jeden Mitdenkenden völlig uneinsichtig und verstärkt so den Verdacht, daß es hier nur um die Interessen von Gremienchristen geht, daß sie durch ihre Gremien und Räte zu Macht in der Kirche kommen wollen. Der reine Formalismus dieser Reformdebatte zeigt aber auch überdeutlich das Desinteresse an den Gehalten der christlichen Religion. Die Gehalte degradiert diese Reformdiskussion eben zum bloßen Spielmaterial für Entscheidungsgremien.









Mittwoch, 5. November 2025

Über den jüdischen Staat, den Linke beseitigen möchten und wie er sich selbst versteht und mißversteht- oder wie viel an Säkularismus verträgt er?

 

Über den jüdischen Staat, den Linke beseitigen möchten und wie er sich selbst versteht und mißversteht- oder wie viel an Säkularismus verträgt er?



Wenn deutsche Linke jüdische Selbstbestimmung ablehnen.In einer Resolution delegitimiert die Linksjugend Israel als koloniales, rassistisches Projekt. Dabei ist der Staat der Juden nicht zuletzt eine Konsequenz aus den Verbrechen der Deutschen im Nationalsozialismus»Nie wieder zu einem Völkermord schweigen« beschlossen. Darin wird fälschlicherweise nicht nur von der »Vernichtung des palästinensischen Volkes« durch Israel gesprochen, sondern auch vom »kolonialen und rassistischen Charakter des israelischen Staatsprojekts« – »von seinen Anfängen bis heute«.1

Die Linksjugend ist die Jugendorganisation der Partei:“Die Linke“. Hier wird in rein polemischer Weise der Terminus des Völkermordes vernutzt. Würde redlich das Problem der jetzigen Kriegsführung Israels gegen die islamistische Hamas dargelegt, müßte wie zwischen einem Mordversuch und einem Mord zwischen einem Völkermord und einem Versuch eines Völkermordes unterschieden werden und dann ergäbe sich eindeutig, daß höchstens von einem Versuch eines Völlkermordes zu schreiben wäre.Der Apostelfürst Paulus weiß von 7 Völkern zu berichten, die Gott selbst in dem Lande Kanaan vernichtet hat (Apg 13,19): „Sieben Völker hat er (Gott ist gemeint!)im Lande Kanaan vernichtet und ihr Land ihnen zum Besitz gegeben.“ Diese Aussage des Apostels Paulus,in der er an die großen Taten Gottes für sein jüdisches Volk erinnert offenbart uns, was es mit dem kolonialen und rassistischen Projekt der Staatsgründung Israels auf sich hat: Gott gab dies Land seinem Volke und Gott selbst vernichtete dabei die Völker, denen dies Land nach dem menschlichen Recht gehörte.

Weiter heißt es dann in diesem Kommentar der „Jüdischen Allgemeinen“:“Die »Befreiung Palästinas« müsse »als Teil einer breiteren demokratischen und sozialistischen Revolution betrachtet werden, die den Imperialismus und Kapitalismus aus der Region herauswirft«, heißt es in dem hetzerischen Linksjugend-Beschluss weiter. Gemeint ist Israel.“ Das ist recht unverklausuliert eine Aufforderung, den jüdischen Staat auszulöschen. (Hätte das die Parteijugend der AfD so gefordert, würde nur noch über die Notwendigkeit debattiert, sie sofort zu verbieten, aber mit dem linken Antisemitismus gehen die Medien nachsichtig um!)

Der Kommentar dazu lautet dann: „Der Beschluss richtet sich damit gegen die Existenz des jüdischen und demokratischen Staates. Er ist ein eindeutiges Beispiel für antizionistischen Antisemitismus, den es innerhalb der politischen Linken schon seit Jahrzehnten gibt und der sich seit dem 7. Oktober 2023 stark radikalisiert hat.“ Einen linken Antisemitismus gibt es schon seit Karl Marx Schriften zur Frage der Judenemanzipation,in denen der Geist des Kapitalismus mit dem jüdischen Geist identifiziert wird, neu sind dagegen die  Sympathien für den Islamismus, die ihren Anfang in der Zustimmung zur islamischen Revolution Persiens, die als eine antikolonalistische antiamerikanische bejubelt wurde.Wenn der jüdische Staat nicht demokratisch wäre, würde das auch nicht einen Aufruf zu seiner Vertilgung rechtfertigen.

Der Kommentar behauptet nun: „Die Gründung des Judenstaats, (sei) nicht zuletzt eine Konsequenz aus den Verbrechen der Deutschen“.Damit wird die Gründung des Staates Israel nur negativ formuliert. Daß dann gar von „den Verbrechen der Deutschen“ geschrieben wird, aktualisiert die Kollektivschuldthese, daß unser Volk als Ganzes den Holocaust verschuldet habe.Damit wird aber das Ansinnen des Zionismus völlig verkannt. Theologisch gesehen fundiert sich nämlich der Zionismus in dem Faktum,daß Gott selbst seinem Volke dies Land zu seinem Besitz gegeben hat, daß es hier und sonst nirgendwo seine wahre Heimat hat. Die Bundeszentrale politische bildung dokumentiert erfreulich untenzitös in dem Lexikonartikel vom Kurz&Kanpp: den Zionismus:


Zion war, so steht es im Alten Testament, der Name eines Hügels, der im Südosten von Jerusalem lag. Später wurde der Name "Zion" gleichbedeutend mit Jerusalem gebraucht. Als im 19. Jahrhundert viele Juden in Osteuropa von anderen Menschen, die dort wohnten, bedroht wurden, also Opfer von antisemitischen Angriffen wurden, entstand als Antwort darauf der Zionismus. Hauptbegründer war Theodor Herzl (1860-1904).Das oberste Ziel der zionistischen Bewegung war die Rückführung der in aller Welt lebenden Juden in das Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan. Dies war für die Zionisten das ursprüngliche Heimatland der Juden, hier wollten sie sich niederlassen und einen eigenen Staat gründen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts begannen viele jüdische Einwanderer mit dem Bau jüdischer Siedlungen in dieser Region.“

Das war aber nicht nur nach der Meinung der Zionisten die Heimat des jüdischen Volkes, sondern das „meinte“ so auch Gott selbst und der hat nun sein Volk in diese Heimat zurückgeführt!

Da über das Ansinnen des Zionismus so konfuse Vorstellungen existieren, zitiere ich nun ausführlich aus dazu maßgebenden Quellen:Der Kern der zionistischen Idee begegnet in der Erklärung der Gründung des Staates Israel(14. Mai 1948), in der es unter anderem heißt:

In Erez Israel entstand das jüdische Volk.Hier prägte sich sein geistiges, religiöses und politisches Wesen. Hier lebte es frei und unabhängig. Hier schuf es eine nationale und universelle Kultur, und schenkte der Welt das Ewige Buch der Bücher. Durch Gewalt vertrieben, blieb das jüdische Volk auch in der Verbannung seiner Heimat in Treue verbunden. Nie wich seine Hoffnung, nie verstummte sein Gebet um Heimkehr und Freiheit.“Die Idee des Zionismus beruht auf einer langen Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und seinem Land, einer Verbindung, die vor nahezu 4.000 Jahren be-gann, als Abraham in Kanaan siedelte, das später als das Land Israel bekannt werden sollte.“2

Hier wird uns eindrücklich der positive Grund der Gründung des Staates Israel vor Augen geführt, daß er genau da gegründet worden ist, wo er jetzt existiert, auf dem Heimatboden des jüdischen Volkes. Ginge es nur darum, der Diskriminierung zu entgehen, dann erklärte das auch wenn das Selbstbestimmungsrecht als ein weiteres Argument hinzugefügt wird,nicht, warum der jüdische Staat auf dem Boden gegründet worden ist, wo er gegründet worden ist.

Weiter wird dann dort ausgeführt: „Im Mittelpunkt des zionistischen Denkens steht das Konzept des Landes Israel als historische Geburtsstätte des jüdischen Volkes und der Glaube, daß jüdisches Leben an anderen Orten ein Leben im Exil ist. Moses Hess brachte diesen Gedanken 1844 in seinem Buch Rom und Jerusalem mit folgenden Worten zum Ausdruck:

Die jüdische Gesetzgebung hatte zwei Hauptepochen: die Zeit nach der Befreiung aus der ägyptischen, und jene nach der Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft. Eine dritte steht ihr noch bevor, nach der Erlösung aus dem dritten Exil.“

Das Recht, in seiner ureigenen Heimat leben zu wollen und zu dürfen, bildet das Herzstück des Zionismus.Aber in dieser Weltanschauung zeichnet sich auch eine Grenze ein, die diese Ideologie als eine säkularistische qualifiziert: Daß Gott seinem Volke dies Land zum Eigentum gegeben hat, daß Gott es war, der sie aus der Heimat vertrieb, der sie aber dann auch zurückführe aus dem babylonischen Exil, das wird hier ausgeklammert, wie auch, daß die Hoffnung auf eine neue Heimkehr aus dem Exil sich auf Gottes Treue zu dem Volke Israel gründet.Es darf bezweifelt werden, ob der Staat Israel sich angemessen verstehen kann, wenn er seinen ersten Grund, warum er ist,nicht religiös begreift. Deswegen müßte es als gut angesehen werden, wenn explizit sich als religiös verstehende Parteien die Regierungspolitik mitgestalten, statt das als einen religiösen Extremismus zu diffamieren.Dazu paßt es nun aber auch, daß der Feind Israels, der diesen Staat vernichten will, auch ein sich religiös verstehender Feind ist, als islamistisch.





1 Jüdische Allgemeine 4.11.2025: Wenn deutsche Linke jüdische Selbstbe-stimmung ablehnen

Dienstag, 4. November 2025

„Da ruht er“ . Menschen gehen zu den Gräbern ihrer Verstorbenen- eine Kritik

Da ruht er“ . Menschen gehen zu den Gräbern ihrer Verstorbenen- eine Kritik


Wer einen Friedhof aufsucht, nicht nur in der Zeit von Allerheiligen und Allerseelen, wird angetan sein davon, wie liebevoll aber oft die Gräber gepflegt werden und auch künstlerisch kreativ gestaltet sind. Daran dürfte es doch nun wirklich nichts zu kritisieren geben.auch wenn notorische Quenkler an allem etwas zu bemäkeln haben.“Hier ruht XY“, und es ist wohl hinzuzugefügt mitzulesen: „hoffentlich in Frieden!“ Nur, ist das denn nun auch wahr? Das Sterben bedeutet die Trennung von der Seele und dem Leib, der Tod ist die vollzogene Trennung. Der von der Seele zum Leib geformte Körper wird begraben, sofern eine Erdbestattung vorgenommen wird. Das evoziert nun die Frage: „Wie lange denn ist der entseelte Leib noch der Leib des Verstorbenen? Wenn der Leichnam sich gänzlich in bloßen Staub verwandelt hat, ist das dann noch der Verstornene XY?

Aus verständlichen Gründen werden heutzutage die Form der Urnenbestattung bevorzugt. Wem das unverständlich ist, der frägt mal bei einem Beerdigungsinstitut nach, wie kostspielig eine Erdbestattung ist. Nun ruht der Verstorbene in einer Urne als verbrannter Leichnam, als bloße Asche. Ist diese Asche noch der Verstorbene XY?

Wo ist nun die Seele des Verstorbenen? Drei mögliche Antworten gibt es auf diese Frage: im Himmel, im Fegefeuer oder in der Hölle, sodaß eines gewiß ist, daß sie nicht mitbeerdigt im Sarg oder der Urne ist. Ist somit das Grab nur der Ort, an welchem wir uns des Verstorbenen erinneren? Diese Auffasung wird wohl unserer Beerdigungskultur nicht gerecht. Man scheint eher zu meinen, daß die Verstorbenen in ihren Gräbern ruhten, woraus ja auch die Benimmregel für ein Verweilen auf einem Friedhof entspringt, nicht die Totenruhe zu stören. Nicht ist damit gemeint, andere Friedhofsbesucher bei ihrem Gedenken an den Verstorbenen zu stören, das wäre eine zu verrationalisierte Auffassung des Gebotes: „Större die Totenruhe nicht!“Es wird damit wirklich gemeint, daß die in den Gräbern Ruhenden wie in ihrem Bette Schlafende durch Lärm gestört werden.

Ein Verstorbener scheint so an zwei verschiedenen Orten zugleich zu sein. Diesen Widerspruch bezeugt uns schon das Alte Testament, daß man einerseits sagt: In seinem Grabe liegt der Verstorbene und zugleich, daß er nun in die Unterwelt abgestiegen ist: Der Ort des Grabes und die Unterwelt, der Hades sind nun eindeutig nicht identische Orte.Ergo: Der Leib des Verstorbenen liegt im Grabe, die Seele ist in der Unterwelt, im Reiche der Toten. Wird der Leib als konstitutiv zum Sein des Versorbenen XY gedacht, ist er tatsächlich an zwei Orten, als Leiche im Grabe und als Seele im Himmel, im Fegefeuer oder in der Hölle.

Aber doch melden sich Bedenken an: Der Leib vergeht und löst sich in Staub auf, wenn er nicht gleich zu Asche verbrannt wird, wohingegen die Seele weiterexistiert.Nur weil sie nach dem Sterben noch ist, gibt es den Tod als mein Todsein, denn wäre der Tod die Nichtung meines Iches, könnte es für mich den Tod als den meinigen ja gar nicht geben, wie Epikur es treffend erfaßt hatte: Wenn Ich bin, ist der Tod nicht, und wenn der Tod ist, bin nicht Ich! Der Mensch ist also eine Seele, die einen Körper hat,in ihn inkarniert ist, den Körper den die Seele sich zu ihrem Leibe formt. So bin Ich als Verstorbener wo Ich als Seele bin!

Ruht“ denn nun die Seele, nachdem sie von ihrem Leibe getrennt worden ist? Wäre das wahr, könnte keiner der Heiligen, auf deren Fürbitte wir vertrauen, nicht mal die Mutter Gottes für uns fürbitten, da sie ja alle ruhten, das ist: schliefen. Wie sollte gar die Mutter Gottes ihr Amt, das der Himmelskönigin ausüben, schliefe sie! Ein weiteres Argument spricht dagegen: Wenn unsere Seele zu Gott heimgekehrt ist, dann soll sie Daheim nichts besseres zu tuen haben, als sich schlafen zu legen? Man denke sich einen frisch verliebten Mann, der seine Freundin ein paar Monate nicht sehen konnte und die ihn nun endlich heimgkehrt zu sich eingeladen hat: Legte der sich, kaum angekommen zum Schlafen hin, weil er so gerne ruhen mag?So wenig der Verliebte sich da schlafen legen würde, so wenig wollte unsere Seele ruhen, wäre sie endlich Daheim bei Gott.

Die Seelen im Fegefeuer wie in der Hölle schlafen auf keinen Fall, denn sie erleiden da ja, in unterschiedlicher Weise ihre Strafen für ihre Sünden: Wie könnten sie das, wenn sie ruhten?

Ruhen könnte höchstens der tote Leib und von dem ist genaugenommen ein Ruhen nicht recht aussagbar, denn er ist tot. Es ist eben ewas sehr Verschiedenes, ob jemand vom Schlafen aufsteht oder ob ein Toter zu einem neuen Leben erweckt wird! Dabei stehen wir noch vor einem prizipielleren Problem: Kann den der sterbliche Leib ein Leib des ewigen Lebens werden oder muß er nicht erst verwandelt werden in einen zu einem ewigen Leben passenden? Wird aus dem Staub, der nun in einer Urne liegt, ein ewig leben könnender Leib durch Gott erschaffen, in den dann meine Seele sich wieder inkarniert? Die Verwandelung des Urnenstaubes in einen nicht mehr sterben müssenden Leib scheint so fast ein so großes Wunder zu sein wie das der Verwandelung des Brotes in den Leib Christi. Kann hier noch von einer leiblichen Identität gesprochen werden oder ist nicht doch die Seele allein das meine Identität Wahrende?

Der Friedhof und seine Gräber, daß das der Ort ist, wo unsere Toten „ruhen“ ist so gesehen eine sehr fragwürdige Vorstellung! Sie paßt nicht recht zur christlichen Religion. Eine andere Frage ist nun aber die, ob die Verstorbenen als Seele noch wahrnehmen können, ob wir zu ihren Gräbern gehen und was wir da wie tuen.Wenn die Heiligen für uns fürbitten können, also auch unsere Gebete an sie wahrrnehmen können, denn täten sie das nicht, wie könnten sie dann Fürbitte leisten können, dann dürfen wir wohl darauf vertrauen, daß zumindest die Seelen im Fegefeuer wie auch im Himmel uns hier auf Erden lebend wahrnehmen können, denn alle im Himmel wie auch im Fegefeuer können für uns beten. Wir wenden uns ja mit unserer Fürbitte an die Heiligen, weil wir gewiß sind, daß diese im Himmel für uns beten können, was die Verdammten gewiß nicht mehr können.

Wenn wir also zu den Gräbern Verstorbener gehen und sie pflegen, dann ruhen ihre Augen auf uns, sie sehen nämlich, was wir für sie da tuen! Sie ruhen eben nicht! 

Zusatz:

Urspünglich hat die Verheißung der Ruhe für Israel die Bedeutung,daß gegen Israel kein Krieg geführt wurde noch daß es Kriege führte, daß also die Abwesenheit vom Kriege die Ermöglichung eines positiven Lebens ist, aber nicht schon selbst etwas Positives ist.In den Zeiten der Dekadenz bekommt die Verheißung der Ruhe erst den Klang von etwas selbst Gutem, dem Sichausruhen vom Leben,denn alles Leben wird als Unruhe negativ empfunden.



 

Montag, 3. November 2025

„das Eintauchen in den Ozean der unendlichen Liebe“ - ist das nicht die wunderschöne Verheißung des ewigen Lebens?

 

das Eintauchen in den Ozean der unendlichen Liebe“ - ist das nicht die wunderschöne Verheißung des ewigen Lebens?


Wie Papst Benedikt XVI. geschrieben hat, möchte der Ausdruck ‚ewiges Leben‘ dieser unauslöschlichen Erwartung einen Namen geben: es geht dabei nicht um eine endlose Abfolge, sondern um das Eintauchen in den Ozean der unendlichen Liebe, in dem es keine Zeit, kein Vorher und kein Nachher mehr gibt. Eine Fülle von Leben und Freude. Das ist es, was wir von unserem Leben mit Christus erhoffen und erwarten (vgl. Spe salvi, 12)1

Das klingt wahrlich schön, aber stellt jeden Mitdenkenden vor ärgste Probleme. Wenn ein Wassertropfen in einen See fällt, dann löst er sich in dem Wasser auf, sodaß es keine Beziehung zwischen ihm und dem Seewasser mehr gibt, weil er in das Wasser sich auflöst. Überträgt man das auf den Menschen nach seinem Tode, für sein ewiges Leben, hieße das, da es keine Beziehung Gottes, dem Ozen zu dem in ihm Eingetauchten geben, daß er auch nicht ein von Gott Geliebter und auch kein in Liebender mehr sein kann. Denn jede Beziehung setzt eine Differenz zwischen dem Sichbeziehnden zu dem Bezogenden voraus und wenn dann die Liebe auch als die Aufhebung dieser Beziehung gedacht werden würde, darf das nicht als pure Negation der Differenz gedacht werden, denn gerade im Lieben bleibt das geliebte Du dem liebenden Ich erhalten und wird nicht in das Ich verschlungen.

In dieser ozeanischen Liebe soll es nun aber auch keine Zeit mehr geben, „die Zeit stand still“, womit ein besonders intensiv erlebter Augenblick bezeichnet wird, aber ist das dann noch eine lebendige Liebe? Ist eine solche Zeitlosigkeit wirklich distinkt noch von einem Todsein zu unterscheiden? Jedes Sichwahrnehmen und einen anderen Wahrnehmen sind Handlungen, die nur in der Zeit sich ereignen können, ohne sie stände alles still, so wie wenn man bei einem Videoanschauen auf die Stopptaste drückt, weil man sich etwa eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank holen möchte. Zurückgekommen drückt man die Starttaste und man hat nichts versäumt, weil im Stillstand sich nichts ereignen konnte.

Nun kommt noch ein Poblem dazu: Wir Christen glauben an eine leibliche Aufnahme in den Himmel, die Mutter Gottes ist so schon in den Himmel aufgenommen worden. Aber in ihrer Leiblichkeit kann sie und kann auch kein Mensch in Gott, der reiner Geist ist, aufgehen. Das könnte er nur als reine Seele. Wird in irgendeiner Weise der Mensch in der Auferstehung der Toten wieder restituiert als eine Seele-Leib-Einheit, kann er nicht in Gott eingehen oder aufgehen. Der Ort, in der eine wechselseitige Proexistenz Gottes mit dem Menschen und des Menschen mit Gott möglich ist, wird traditionell als der Himmel als etwa von Gott Geschaffenem und Verschiedenem gedacht. Maria ist in den Himmel aufgenommen worden und nicht in Gott eingegangen!

Außerdem: Wir vertrauen auf Maria als unserer Fürbitterin. Wie könnte sie für uns nur eine Fürbitte tätigen, wenn sie a) in Gott eingegangen wäre, sodaß Gott ihr nicht mehr ein Gegenüber ist, den sie dann bitten kann, das gibt Gott den Status eines Akkusativobjektes und wie kann sie b) in völliger Zeitloigkeit noch eine Fürbitte tätigen? Existierte gar keine Differenz zwischen der Muttergottes und Gott, weil sie ganz in ihm ist, dann kann sich wirklich keine Fürbitte mehr ereignen.

Die Kritiker des Apostelfürsten Pauli in den zwei Korintherbriefen lehnten die Vorstellung der Auferstehung der Toten ab, da es für den Menschen, solange er als eine Seele in einem Leib lebt, kein ewiges Leben geben könne- nur als Seele könne er das. Diesen gnostisch inspirrierten Christen widersprach Paulus energisch und mit ihm die ganze Kirche. Nur, müssen wir denn nun doch diesen christlichen Gnostikern recht geben, wenn nun wir so vergeitigt in Gott eingehen, daß wir faktisch uns als Leiblose denken?

Aber das Hauptproblem lautet: Ist ein ewiges Leben in völliger Zeitlosigkeit noch von einem Todsein als pure Nichtung des Lebens distinkt unterscheidbar! Ist die „ewige Ruhe“ in Gott wirklich etwas anderes als das Sterben, das sich vom Schlafen nur dadurch unterscheidet, daß kein Morgenwecker uns rausruft aus unserem Schlaf: „Aufstehen, Du mußt jetzt“ ? 

Corollarium

Wenn es keine Zeit gibt, dann evoziert dies nicht nur den Verdacht, daß es dann füt den ewig lebenden Menschen nach seinem Tode keine Beziehung von ihm zu Gott geben kann,sondern auch keine Gottes zu ihm. In dem mehr als bedenkenswerten Kapitel: "Die Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes seines Theodizeebuches schreibt Armin Kreiner:  "Falls eine zeitlose Person überhaupt denkbar sein sollte, so wäre diese Person jedenfalls nicht in der Lage dazu,eine Beziehung zu zeitlich existierenden Dingen und Personen herzustellen." (Arnim Kreiner, Gott im Leid, erweiterte Neuausgabe 2005, S.169)Ein so gedachter Gott wäre aber auch nicht beziehungsfähig zu den ewig in/bei ihm ewig lebenden Menschen. Als Beleg wird dazu in der Fußnote 25 auf Seite 169 der Theologe Pailin zitiert: "Es gibt keine Möglichkeit,auf kohärente Weise zu denken, daß Gott Absichten verfolgt,reagiert oder kreativ handelt,denn diese Begriffe setzen eine Unterscheidung zwischen Potentialität und Aktualität voraus und der Wandel von einem zums anderen ist wesentlich zeitlicher Natur; er definiert geradezu das Wesen zeitlicher Ordnung."

Ich hege den Verdacht, daß in der traditonellen Gotteslehre hier beachtliche Confusionen herrschen, da nicht distinkt unterschieden wird zwischen der Frage der Identität des Subjektes, daß Gott sich gleichbleibend zu denken ist und der Frage der Veränderbarkeit der ihm zugeschriebenen Prädikate.In jeder autobigraphischen Rede wird a) das Subjekt als sich identisch Seiendes präsumiert und zugleich wird b)von ihm verschiedene Prädikate ausgesagt: Jetzt tue ich dies, davor das und dann werde ich jenes tuen. Wenn von Gott gar kein Prädikat mehr aussagbar sein kann, denn wenn er etwas Bestimmtes wollte und tat, ist damit ausgeschlossen, daß Gott das Gegenteil nicht wollte und nicht tat: Das widerspricht aber der These Gottes, er sei als actus purus zu denken, daß es in ihm keine nicht realisierten Möglichkeiten geben könne. Eine Beziehung Gottes zu anderem als sich und darunter müßte auch die zu seinem Sohn fallen, denn als sein Sohn ist er von ihm als sein Vater verschieden, ist so auch in reiner Zeitlosigkeit nicht denkbar. Man könnte vielleicht die sehr gewagte These aufstellen, daß Gott, indem er seinen Sohn als von ihm auch verschiedenen setzte, sich selbst als Vater hervorbrachte, und daß durch die Setzung dieser Differenz in dem einen Gott eine Zeitlichkeit in Gott selbst gesetzt wurde, daß die Relation Gottes als Vater zu seinem Sohn und die des Sohnes zum Vater erst ermöglicht. Wenn so Gott als in sich selbst beziehungsfähig gedcht würde, dann könnte er auch zu als beziehungsfähig zu seinen Geschöpfen gedacht werden können, wenn sonst die Beziehungsfähigkeit nur behauptet, aber nicht kohärent gedacht werden. 

Die Unveränderlichleit Gottes wäre so auf das Subjekt Gott zu beziehen, von dem aber sich verändernde Prädikate ausgesgt werden können. Ein Beispiel: Gott erwählte Saul zum König und ob dessen Sünden verwarf er ihn dann.  Der eine Gott erwählte und verwarf und ist dabei doch sich gleichbleibend als Subjekt gedacht.






1Zitiert nach: Niemand wird zugrunde gehen’. Das Gedächtnis der Verstorbenen und die Hoffnung der Auferstehung ,Kath net 2.11.2025. Auf das Problem der hier angesagten Allversöhnung möchte ich jetzt nicht eingehen, auch wenn klar sein muß, daß es die nicht geben kann, da zumindest der Teufel und seine Engel, obzwar auch sie Geschöpfe Gottes sind, von der Versöhnung ausgeschlossen sind und auch die, die sich in seinen Dienst gestellt haben und derer sind viele.

Sonntag, 2. November 2025

Verwirrendes: „Freiheit“ und „Befreiung“- das benennt doch etwas rein Positives und Erstrebenswertes oder:Alles halb so wild? plus 2 Ergänzungen

 

Verwirrendes: „Freiheit“ und „Befreiung“- das benennt doch etwas rein Positives und Erstrebenswertes oder:Alles halb so wild?


So spontan wohl jeder dies Beides als etwas Positives bewerten und als etwas Erstrebenswertes erachtet, so diffus wird jedes Gespräch, wird nachgefragt, was denn darunter nun verstanden wird.Selbst die elementarste Unterscheidung, die zwischen der Willensfreiheit und die der Handlungsfreiheit ist nicht jedem bei Diskussionen über diese Thematik geläufig.Unter der Willensfreiheit wird die These verstanden, daß, wenn ich A will auch -A wollen könnte, daß ich also nicht determiniert bin,A zu wollen.Sagt jemand, er könne nicht aufhören,Alkohol trinken zu wollen,dann gilt er als süchtig und somit zumindest partikular als unfrei.Die Handlungsfreiheit besagt, daß das was ich will, auch realisieren kann. So besitzt ein Alkoholiker nicht die Willensfreiheit, mit dem Alkoholtrinken aufhören zu können, er kann aber die Handlungsfreiheit besitzen, seinen Willen, zu trinken,zu realisieren.Die Handlungsfreiheit setzt somit nicht die Willensfreiheit voraus und die Willensfreiheit ist nicht beeinträchtigt, wenn das freiwillig Gewollte nicht realisierbar ist.

Von daher ergibt es sich, daß der politische Diskurs sich auf die Frage der Handlungsfreiheit konzentriert: Können die Bürger das was sie wollen realisieren,sollen sie das Gewollte realisieren können oder gibt es Fälle,in denen eine Realisierung des Gewollten zu unterbinden ist und wo ist die Realisierbarkeit zu fördern. Der philosophische und theologische Diskurs konzentriert sich dagegen auf die Willensfreiheit als der Zentralfrage der Anthropologie, wohingegen die Rechtswissenschaft die Willensfreiheit präsumiert,um bei der Prüfung von Einzelfällen in Gerichtsprozessen zu prüfen,ob der Angeklagte für seine Handlung voll verantwortlich ist, das heißt,daß er sie freiwillig begann,oder nicht.Im Allgemeinen setzen wir aber voraus, daß unsere Mitmenschen für ihr Tuen und Unterlassen verantwortlich sind, auch wenn zugestanden wird, daß man nicht in jedem Falle für alle Folgen des frei verantwortlich Getanen verantwortlich ist.

Jetzt könnte man meinen,daß die Frage nach der Willens- und Handlungs-freiheit so unspektakulär sei,daß es eigentlich unverständlich sei,daß darüber so viel debattiert wird.Wird aber in die Erörterung der Handlungsfreiheit der nun viel komplexerer und vieldeutigerer Begriff der Gerechtigkeit eingeführt,erhält der Begriff der Handlungsfreiheit seine politische Brisanz:Ist es gerecht, daß die, die über eine große Kaufkraft verfügen,viel mehr ihrer Wünsche realisieren können als die, die über wenig an Kaufkraft verfügen?Es scheint nun natürlich zu sein,wenn unter der Kraft etwas rein Natürliches verstanden wird, daß es ein Kräftigerer mehr kann als ein Schwächerer,ob es nun um die Körperkraft geht oder etwas kultivierter um unterschiedliche Geschicklichkeiten, etwas tuen zu können.Wenn aber nun die verschiedenen Kaufkräfte verglichen werden, daß einige reich,andere arm sind, erscheint dies nicht mehr einfach natürlich so zu sein und damit auch als problematisch angesehen werden.

Niemand wird der Aussage,daß es einem Bürger nicht erlaubt werden kann, alles, was er will, ob nun freiwillig oder determiniert, auch realisieren zu können.Niemand darf eben einen anderen umbringen, auch wenn er das möchte. Strittig kann nur sein, was alles Bürgern nicht erlaubt werden darf.Diese Frage gehört so wesentlich zum politischen Diskurs,aber auch zu jedem moralischen.Es gilt aber: Dürfte jeder alles realisieren, was er sich will, die Welt würde sich in eine Hölle verwandeln!

Die Vorstellung,jeder Mensch wolle freiwillig nur das Gute,sodaß ein Fehlver- halten auf eine Unfreiwilligkeit des Gewollten,etwa eine psychische Störung zurückzuführen sei,lebt aus einem nicht begründbaren Glauben an das Gutsein jedes Menschen.

So dürfte Niemand der Parole der Befreiung als etwas grundsätzlich Positiven zustimmen, denn dann dürfte ja jeder Bürger Verbrechen begehen,nur weil er sie wollte.Als positiv kann so nur eine Befreiung beurteilt werden, wenn damit eine nichtakzeptable Behinderung der Freiheit intendiert ist. So könnte man kritisch anfragen, ob die bestehenden Antirauchergesetze die Freiheit der Gastronomiebesitzer wie die seiner Kunden unzumutbar beeinträchtigten.

Die oft gemachte Unterscheidung von der Befreiung von etwas von der Freiheit zu, verändert die bis jetzt skizzierte Problemlage nicht wesentlich:So empfindet jeder die Befreiung von Sorgen als etwas Positives, wollte aber jemand die Befreiung von allen Pflichten fordern,müßte das strikt abgelehnt werden. Und so wirft auch die Freiheit wozu zwingend die Frage auf:zu etwas Erlaubbarem oder zu etwas Nichterlaubbarem und evoziert wie immer die Frage,wer wie entscheidet, was zu erlauben ist oder was nicht?

Ein besonderes Problem sei hier noch erwähnt: Wenn ich etwas will, freiwillig, aber zur Realisierung dessen notwendig etwas als ein Mittel dazu brauche, beeinträchtigt dies meine Freiheit? Oder beeinträchtigt das nur meine Freiheit, wenn das Mittel ich nicht notwendig dazu bräuchte, sondern nur kontingent bedingt. Wer sich waschen will,muß notwendig dazu Wasser gebrauchen,daß ich das aus dem Wasserhahn entnommene Wasser aber bezahlen muß,ist keine natürliche Notwendigkeit.Sind so nur natürlich notwendig zu verwendende Mittel keine Beeinträchtigung meiner Freiheit,alles andere gesellschaftliche Konventionen,die zu recht oder evtl zu unrecht meine Freiheit beschränken?

Nun erfolgt eine etwas kontraintuitive These:Der Mord ist auf jeden Fall eine unerlaubte Handlung und wird streng bestraft. Wenn man nun frägt,ob die Androhung einer schweren Strafe die Willensfreiheit,jemanden ermorden zu wollen und die Handlungsfreiheit,es dann auch zu realisieren, beseitige,so muß das verneint werden.Er kann freiwillig morden wollen und es realisieren,nur muß er dann das Risiko eingehen,bestraft zu werden. Wer diese Konsequenz nicht will,der will dann auch den Mord nicht mehr freiwillig..

Warum konnte dann im Urteil Luthers die Frage nach der Willensfreiheit zu der wichtigsten Frage der Theologie werden,ja seiner Meinung nach immer die wichtigste sein? Luthers radicale These dazu lautete,daß wenn der Mensch erkennen könnte, was das Gute sei und es dann noch kraft seines Wlllens auch wollen kann, dann bedürfe er keiner Gnade Gottes mehr,um vor Gott durch sein eigenes Wollen und Tuen gerecht vor Gott zu sein.Nicht erst seit Luther, schon der hl.Augustin erörterte diese Frage auf das Intensivste.Mit dieser Debatte ließe sich leicht eine ganze Bibliothek anfüllen,wenn auch nur die wichtigsten Beiträge dazu aufgenommen würden.Jetzt ist aber dieser Diskurs,man könnte meinen ob seiner vollständigen Ausdiskutiertheit ad acta gelegt und stattdessen heißt es nun,daß Gott jeden Menschen liebe, weil er ein Geschöpf Gottes sei, sodaß die Frage:Wie werde ich vor Gott und welche Rolle spielt dabei der freie Wille?,nicht mehr en vogue ist.

1.Corollarium

Daß es die Willensfreiheit und eine Handlungsfreiheit gibt,könnte bestritten werden durch die These,daß alles sich so wie es sich ereignet, notwendig ereignet, die Welt ein sich geschlossenes System sei, in dem alles durch das System determiniert sei. Wenn die Welt nur das wäre, was durch indikativische Aussagesätze erfaßt wird, stimmte das, aber die konjunktivischen Aussagesätze erschaffen die Welt der Freiheit, daß ales auch anders sein könnte, denn auch die Welt der indikativischen Aussagesätze ist eine durch diese Sätze ershaffene Welt. 

2.Cotollarium

Kontraintuitiv ist die These, daß die Meinungsfreiheit nicht beseitigt ist, wenn die Äußerung unerwünschter Meinungen sanktioniert wird, aber es bleibt die Freiheit, seine Meinung äußern zu können oder auch nicht,nur daß dann mit Sanktionen zu rechnen ist, wenn Nichtgenehmes geäußert wird. Im Arbeitsleben gibt es eben oft Vorgesetze und jeder Subalterne weiß, daß es oft nicht folgenlos bleibt, widerspricht man einem Vorgesetzten.Aber daß es Dissidenten, von dem offiziell als Akzeptabel Abweichende gibt, beweist, daß diese Freiheit nicht beseitigbar ist, denn selbst die aus Opportunitätsgründen dann Nichtwidersprechenden machen ja von ihrer Freiheit gebrauch, nicht zu sagen, was sie wirklich meinen. Eingedenk Hermann Hesses Erwägungen zum "Steppenwolf" sind die, die  sich trauen,nicht im Einklang mit dem zu denken und zu reden, was gerade angesagt ist,immer eine winzige Minderheit, ohne die aber es im öffentlichen Diskurs nur ein Erstarren im immer wieder Wiederholten gäbe.