Donnerstag, 2. April 2026

Wider ein paar populäre Mißverständnisse des Kreuzes Jesu

 

Wider ein paar populäre Mißverständnisse des Kreuzes Jesu 



Jesus war eben ein so guter Mensch, daß die Bösen ihn nicht ertrugen konnten und so ihn töteten. Diese einfache Deutung seines Kreuztodes kann dann sehr vielfältig ausgeschmückt werden, wobei isb um des christlich- jüdischen Dialoges willen Wert darauf gelegt wird, die jüdische Schuld zu minimalisieren, sodaß Pontius Pilatus zum Hauptschuldigen befördert werden muß, ganz im Kontrast zu den Aussagen der 4 Evangelien dazu. (Kennern der Serie: „Sturm der Liebe“ ist diese Konstellation wohl bekannt, daß die guten Herzens immer wieder das Vorzugsopfer der böswilligen Intriganten werden, gerade weil sie selbst nicht mit so viel Niedertracht ihrer Feinde rechnen.) Aber dies Interpretationschema verkennt völlig, daß es Gottes Wille war, daß sein Sohn sich als das Sühnopfer darbringe. Gottes Wille geschah, als Jesus Christus am Karfreitag gekreuzigt wurde.

Jesu Hinrichtung war eine Willkürentscheidung der Römischen Justiz, ein Fehlurteil, weil Pilatus einen Unschuldigen zum Tode verurteilt. Wenn ich zu all meinen Freunden sagte: „All Eure Schulden übernehme ich, ich trete vor Eure Gläubiger, um Eure Schulden zu begleichen“,dann bin ich dadurch zum Schuldner geworden,auch wenn ich selbst bei niemanden Schulden gemacht hätte. Pilatus verurteilte so wirklich in Jesus einen Verbrecher, und nicht nur einen, sondern den, der alle Verbrechen auf sich selbst genommen hat,weil er um unseres Heiles willen der Sünder schlechthin werden wollte.



Der Hohepriester Kaiaphas ist ein abschreckendes Beispiel all der klerikalistischen Untugenden, der nicht mal davor zurückschreckt, aus Neid einen Populären und beim Volke Beliebten töten zu lassen. Kaiaphas agiert hier nicht als eine Privatperson sondern als ein Amtsinhaber: Sein Beruf ist die Darbringung des Versöhnungsopfers für die Sünden des Volkes.Völlig abgesehen von seinen Privatmotiven handelt er als Priester hier amtlich, indem er dazu beiträgt, daß Jesus nicht nur für die Sünden des jüdischen Volkes sondern der der ganzen Menschheit geopfert wird.Nur durch das Mitwirken des Hohepriesters wird Jesu Kreuzestod ein kultisches Sühnopfer. Wäre Pilatus allein der Akteur,wäre seine Kreuzigung allein eine Tat im Raume des Rechtes und der Gerechtigkeit gewesen, durch den Hohepriester wird es aber eine Tat im Raume des Kultes, des Opferkultes. Wäre Jesus nur wie der hl. Stephanus gelyncht worden und hätte ihn dann Gott nach 3 Tagen auferweckt, hätte sein Tod keine Heilsbedeutung außer der, daß Gott seine Märtyrer durch die Gabe des ewigen Lebens belohnen will.

Jede historisch-kritische Rekonstruktion der Kreuzigung Jesu eruiert nur eine Anzahl von kontingenten Ereignissen, die sich menschlichen Entscheidungen verdanken. So wird notwendig das Eigentliche verkannt, daß gerade im Ereignis der Kreuzigung Gottes Wille selbst sich verwirklichte.

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