Samstag, 25. April 2026

Ermöglicht das Alte Testament eine politische Theologie?

 Eine der bedeutsamsten Entscheidungen die Kirche war es, der These, der Gott Jesu Christi sei unvereinbar mit dem Schöpfergott des Alten Testamentes: Jesus erlöse uns vielmehr aus einer von einem Demiurgen erschaffenen Welt, in die die Seelen gefangen genommen worden wären um nun aus dieser Kerkerhaft unseres Leibes und der materiellen Welt erlöst zu werden.Das könnte nur eine weltverneinde Theologie und ein weltflüchtiges Christentum hervorbringen, das so unpolitisch sein muß.

Wenn nun aber der Schöpfergott und der Erlösergott identisch sind,dann kann die Haltung der christlichen Religion zur Welt keine rein negative sein. Auch die von der Sünde korrumpierte Welt bleibt die Schöpfung Gottes, in der er regiert. Der Weltgestaltungsauftrag: "Machet Euch die Welt untertan", das bedeutet: "Gestaltet sie!" erlaubt kein unpolitisches Christentum, denn die Frage, wie denn von uns die Welt gestaltet werden solle?, ist eine politische Frage, da sie nicht reduzierbar ist auf die der privaten Lebensführung. 

Hätten wir nur das Neue Testament in seiner Zentrierung auf die Frage nach dem ewigen Leben: "Was tuen, um es zu erlangen?" könnte so ein Reduktionismus naheliegen, zumal wenn die Nächstenliebe als unter uns Christen zu praktizierende verstanden wird. Zum Schöpfergott gehört dagegen konstitutiv die Bejahung der Sexualität, damit wir Menschen uns fortpflanzen, die Ordnung der Völker mit ihren Staaten und das Leben der Völker, ob sie gemäß Gottes Willen leben oder nicht. Die wichtigste politische Frage des Volkes Israel lautete so: Regiert der amtierende König gemäß Gottes Geboten, wovon die Wohlfahrt des Volkes abhing. 

Damit ist noch keine Aussage über die Ausrichtung der Politik gemacht, das soll hier unterlassen bleiben, es soll nur dafür plädiert werden, daß die Kirche Jesu Christi keine unpolitische sein kann. 

 

 

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