Samstag, 11. April 2026

Unchristlich: Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum

 Hält man sich vor Augen, daß diese Äußerung von Friederich Nietzsche stammt, liegr es sehr nahe, dies als un- und gar als antichristlich zu verurteilen. Ohne daß es Gott gibt und ohne seine Religion, die von ihm gegründete, wäre das Leben ein Irrtum, aber doch nicht, wenn es keine Musik gäbe. Gott wird als die Einheit des Wahren,des Guten und des Schönen gedacht, die in der theoretischen, praktischen und ästhetischen Vernunft reflektiert wird. Die Ordnung des Schönen, der Kunst gehört so zu den drei mataphysischen Ordnungen Gottes. Dabei ist die Ordnung der Kunst eine selbstständige und somit nicht ableitbar aus den zwei anderen. Sie ist somit kein Medium der Vermittelung von Erkenntnissen der theoretischen oder praktischen Vernunft, Die Kunst ist eine eigensändige Sprache, es sei denn, sie wird degradiert zur puren Werbung. 

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum, ist dann eine wahre Aussage, wenn es die drei metaphysischen Ordnungen gibt,die zusammen die notwendig hinreichenden Conditionen für ein Leben sind, das kein Irrtum ist.

Das heißt aber auch,daß die "Sprache der Musik" nicht einfach übersetzbar ist in unsere Rede-und Schriftsprache. Man könnte sich sonst ja ein Musikwerk vorstellen wie einen geschriebenen Brief, der in einen Briefumschag hineingelegt vom Empfänger geöffnet und gelesen wird: Es existiert eine Aussage, die sprachlich formuliert ist und dann kommt die Musik dazu, daß der Text gesungen wird und von Musikinstrumenten begleitet als ein Transportmedium, damit der Hörer aus dem Musikstück die Botschaft heraushört wie der Briefempfänger den Brief aus dem Briefumschlag herausholt, Die Musik wäre so der Botschaft rein äußerlich wie der Briefumschlag dem Gehalt des Briefes.

Der Gehalt eines Musikstückes ist das Musikwerk selbst, bzw wird aus ihm herausge-hört.Die Form der Liedes, ein gesungener Text mit oder ohne eine Instrumentenegleitung verführt aber zu der Ansicht, daß der  Text gar unabhängig von seinem Gesungensein der Gehalt des Liedes wäre.

Die Musik gilt als eine Sprache, die universell verstanden wird aber wenn dann nachgefragt würde, wie denn nun ein bestimmtes Musikwerk verstanden worden sei, was seine Botschaft sei, fällt es sehr schwer, den wahrgenommenen Gehalt sprachlich zu artikulieren, denn er läßt sich nicht in unsere Sprech- und Schreibsprache übersetzen. 

Corollarium

Musik wird zu einem Hör- und Seherlebnis

Legt man das einfache Kommunikationsmodell von dem Sender, der Sendung und dem Empfänger zugrunde, dann ist nur das Musikstück das Kunstwerk, dem der Musikkünstler und der Musikhörer äußerlich sind. Das ändert sich, wenn der Künstler einfach naiv auf der Bühne auftritt, sondern seinen Auftritt reflektiert und er so zu einem Element des Kunstwerkes wird. Die einfachste Gestalt ist die der Show, die komplexere die der Musikinszenierung, daß das Stück wie ein Theaterspiel auf der Bühne aufgeführt wird. Die Inszenierung ist dann dem Musikwerk so wenig äußerlich wie eine Theaterstück-inszenierung dem Text des Theatersückes. Ein Musikvideo könnte so als eine kleinformatige Oper bezeichnet werden. Es entsteht so eine Kunstgestalt, in der alle Kunstgestalten integriert sind. (Vgl R-Wagner zur Oper)  Das Licht, bzw die Beleuchtung, ursprünglich nur ein Mittel, damit ein Musikwerk in einem Raum,nicht unter freiem Himmel aufgeführt werden kann, verwandelt sich in der inszenierten Musik selbst zu einem Teil des Kunstwerkes, es soll die Gestimmtheit des Musikwerkes ausdrücken: helle und dunkle Töne korrelieren hellem und dunklerem Licht.

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