Sonntag, 8. März 2015

Bischof Stefan Oster kritisiert Kath net

In der Passauer Neuen Presse (1.3.2015) liest sich das so:
Der Passauer Bischof Stefan Oster (49) hat sich kritisch über das österreichische Internetmagazin kath.net geäußert. Er sei zwar "einverstanden und dankbar", dass das Portal "versucht, den katholischen Glauben in seiner Schönheit und Wahrheit darzustellen", schreibt der Bischof auf seiner Facebook-Seite. "Wirklich schwer tue ich mich aber mit der aus meiner Sicht zunehmend tendenziösen Berichterstattung". Dadurch werde die Polarisierung von Bischöfen, Priestern, Theologen "in klar identifizierbare Lager vorangetrieben". [...]Oster hielt der kath.net-Redaktion vor, zu wenig gegen diese Tendenz zu unternehmen, die durch die Diskussion in den Foren des Internetmagazins noch vertieft werde. Sie tue "zu wenig, um wirklich auch differenzierte Positionen hören und verstehen zu wollen". 
In Kath info erschien dazu ein scharf gewürzter Kommentar mit so manchem kräftigen Seitenhieb auf das österreichische Konkurrenzunternehmen. Lassen wir das aber hier auf sich beruhen, so treffend dort auch die innere Motivation dieser Distanzierung von Kath net  dargelegt wird  Die Berichterstattung und die Kommentierung "polarisiere", und das dürfe nicht sein!, lautet der Zentralvorwurf der bischöflichen Kritik. Auch wenn diese " bischöfliche Kritik" motiviert ist  durch den Wunsch sich vom conservativen Rand der Katholischen Kirche zu distanzieren, (Merke: conservative Dissidenten überleben nicht lange in der Deutschen Bischofskonferenz), so könnte sie doch sachgemäß sein. Denn die Aussage, Macel Proust sei der Verfasser des Werkes: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, ist und bleibt wahr, auch wenn sie nur getätigt würde, um mit diesem Bildungswissen anzugeben! Was sind denn die Präsumptionen, die gemacht werden, wenn geurteilt wird, daß nicht polarisiert werden dürfe in und durch die Berichterstattung über Ereignisse? Zuvörderst wohl diese: daß es eine Sachkontroverse um etwas gebe, etwa die Frage der Zulassung von "Geschieden-Wiederverheirateten" , daß dabei alle nach einer guten Lösung für das Problem suchen und daß es so in der Kontroverse keine Polarisierungen gebe. Erst die Berichterstattung von Kath net und ihre Kommentierungen durch die aktive Leserschaft  verwandle Sachkontroversen in  -sagen wir es mal etwas grob-Kampfhandlungen, in denen sich Progressive und Conservative gegenüberstehen und gegeneinander kämpfen!  Wo also ein harmonisches Miteinander bei aller sachlichen Differenz bestünde, "polarisiere" Kath net und schüfe so das Zerrbild eines Lagerkampfes.
Die Sachanfrage lautet also: gibt es in der Wirklichkeit der Kirche einen Lagerkampf zwischen Reformern und Conservativen (natürlich könnte man diesen beiden Lagern auch andere Namen geben, aber zur Vereinfachung der Darstellung verbleibe ich jetzt bei dieser Etikettierung, mit den Zusätzen, daß gelegentlich Personen mal in dem einen und dann in dem anderen Lager stehen können, je nachdem, welche Materie gerade behandelt wird und daß es Personen dazwischen gibt, die Sowohl-als Auch- Position vertretend.)
Hier wird wohl selbst der Harmoniebedürftigste nicht die Wirklichkeit dieses Lagerkampfes bestreiten können. Er kann nur dafür optieren, daß nicht noch Öl in das brennende Feuer dieses Lagerkampfes gegossen werden darf, sondern stattdessen solle die Berichterstattung Konflikt dämpfend wirken!  Wenn die Presse, von TAZ bis FAZ  wie mit einer Stimme den Ukraine Konflikt aufheißt durch die antirussische Propaganda, dann sollte sich die katholischen Medien daran nicht orientieren, sondern deeskalierend wirken. Nur, gehört es nicht zu der Aufgabe auch der Katholischen Medien, innerkirchliche Konflikte und die da sich bekämpfenden Parteiungen bei Namen zu nennen?  Die Einheit der Kirche war nie konfliktlos! Nur war und ist es immer die Aufgabe der Kirche gewesen, die Qualität der Gegensätze in Konflikten zu bewerten. Einfach gesagt: es gibt Kontroversen, die innerhalb der Kirche sind, weil alle Konfliktparteien Positionen vertreten, die so katholisch sind, daß sie legitime Positionen in der Kirche sind und es gibt Konflikte, in der Kirche zwar, in denen aber Positionen vertreten werden, die nicht mehr integrierbar sind in den Raum der Kirche. Ein Beispiel zur Veranbschaulichung: der (anti-)katholische Pastoraltheologe L. Karrer schreibt in seinem Machwerk: "Die Stunde der Laien" (1999, S. 331): "Wenn z.B. die Deutsche Bischofskonferenz sich hinsichtlich der Schwangerschaftskonfliktberatung zurückzieht, dann kann es Pflicht der Laien-Verbände sein, nicht nur klar Protest einzulegen, sondern alternativ zu handeln." Karrer meint damit den durch den hl. Vater den Deutschen Bischöfen aufgenötigten Ausstieg aus der staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberarung, da in ihr, um es mit Bischofs Dybas Worten zu sagen "Lizenzen zum Töten" von unschuldigen noch nicht geborenen Kindern auszuteilen waren. Zum Widerstand gegen diesen Ausstieg auszurufen in der Intention, daß die Kirche sich an der Tötung unschuldiger Kinder beteiligt-durch das Ausstellen von Erlaubnisscheinen zum Töten!- ist selbstverständlich keine in der Katholischen Kirche legitim vertretbare Position. Hier gilt, daß eine Polemik als Unterscheidung von in der Kirche vertretbar und in der Kirche nicht mehr vertretbar zu den Aufgaben auch der katholischen Medien gehört. Hier wäre ein Verzicht auf eine Polarisierung im Sinne dieses Unterscheidens von in und außerhalb der Kirche eine Pflichtverletzung der katholischen Medien.
Aber wie steht es nun um den innerkirchlichen Dauerkonflikt zwischen dem Reformerlager und den Conservativen?Eines ist unbestreitbar: es gibt diesen Konflikt und er wird täglich in der Kirche ausgefochten. Hier brauchen Medien kein Öl ins Feuer zu gießen-der Konflikt schwelt und brennt gelegentlich lichterloh auch ohne eine Ölzugabe durch Medien. Daß aber das Reformlager mit viel Erfolg nichtkirchliche Medien zu ihrem Parteigänger macht, das kann auch nicht überlesen werden. Fast alle nicht-katholisch geprägten Medien sind Kombanttanten des Reformlagers und gewähren kraftvolle "Attelerieunsterstützung"! Kein conservativer Bischof in Deutschen Landen, der nicht unter Beihilfe von massivem Feuer der weltlichen Medien abgeschossen wurde, könnte man es  militärisch deutlich formulieren.   Und auch die kirchlichen Medien sind fest in liberaler Hand. Und da hält der Passauer Bischof  es für notwendig, eine der wenigen conservativen Stimmen in der Einöde liberalen Einerleis zu maßregeln, sie mögen doch gefälligst nicht polarisierend kirchliche Konflikte kommentieren!   Angesichts der Waffenungleichheit der innerkirchlichen Konfliktparteien klingt das nun wirklich befremdlich.
Nun könnte man urteilen, daß eine polarisierende Kommentierung dieses  innerkirchlichen Konfliktes deshalb unrecht sei, weil die Polarisierung durch Kath net dazu führe, daß das liberale Reformlager als außerhalb der Kirche stehend dargestellt würde. Anders ausgedrückt: Polarisierung hieße: aus einem innerkirchlichen Konflikt einen machen zu wollen, in der eine kirchliche Position streitet wider eine, die nicht in den Raum der Kirche gehöre, die also inkompatibel mit der Lehre der Kirche sei. Aber was kompatibel und was inkompatibel mit der Lehre der Kirche sei, ist ja gerade der Streitpunkt zwischen diesen beiden Lagern. Es ist ja gerade der conservative Einwand gegen das Reformlager,daß es mit der Wahrheit der Kirche Unvereinbares vertritt! Selbstverständlich wurde und wird in allen innerkirchlichen Kontroversen von Gewicht immer darum gestritten, was vereinbar und was nicht mehr vereinbar mit der Lehre der Kirche ist. Und schon bevor die Kirche endgültig entschied, urteilten Konfliktparteien,daß dies oder jenes nicht vereinbar sei mit der Lehre der Kirche und deshalb reprobiert werden müsse. Bevor Pelagius Gnadenlehre verurteilt wurde, wurde sie vom hl. Augustin und den Seinen als nicht kompatibel mit der Lehre der Kirche verurteilt und das gilt so wohl von allen endgültigen Lehrentscheidungen der Kirche. So kann und darf auch ein Bischof nicht urteilen, daß in der Kommentierung von Sachkontroversen niemand das Recht habe, etwas als unvereinbar mit der Lehre der Kirche zu beurteilen, solange die Kirche nicht definitiv die Vereinbarkeit festgestellt hat! Es könnte ja sein, daß Conservative recht haben mit ihrem Urteil, daß im Reformlager Positionen vertreten werden, die wirklich nicht mehr mit der Lehre der Kirche vereinbar sind. Das zu sagen, wäre dann eine notwendige Polarisierung.
Es wäre ein arglistige Täuschung, unterschlügen Katholische Medien die bittere Wahrheit, daß seit dem es die Kirche gibt, in ihr Positionen vertreten wurden, die die Kirche als unvereinbar mit der Wahrheit verurteilt und  daß dies auch so bleiben wird bis zum Ende aller Zeiten!  Der Kampf um die Wahrheit war in erster Linie immer ein innerkirchlicher Widerstreit, den die Kirche immer wieder nur dadurch löste, daß sie Unvereinbares aus der Kirche ausschloß-Positionen, die aber davor als Positionen in der Kirche, als kirchlich legitime vertreten wurden!
Aber dem Betrachter dieser Konflikte drängt sich nun doch ein ganz anderes Bild der Kirche auf, das einer postmodernen Kirche. Sagen wir es grobschlächtig: einer Kirche, die sich am liebsten wie ein gut florierendes Buchgeschäft auf dem freien Markt positionieren möchte: für jeden Lesewunsch eine Abteilung, sodaß jeder potentielle Konsument das bekommen kann, was er wünscht und daß jeder Konsument es akzeptiert, daß das Buchgeschäft für jeden Lesewunsch zuständig sei: die Klassiker für die Conservativen,  für die Liberalen das Moderne und für die ganz Progressiven eben die (Soft)Pornoromane.  Und die Einheit der Kirche-ohne Polarisierung-wäre dann der Verzicht auf jede Unterscheidung von wahr und unwahr zugunsten von: Wie es euch gefällt! Jeder kann hier bekommen, was er will, toleriert er nur, daß der Andere genau das Gegenteil von dem, was mir zusagt,  haben will! Nur, so liberal sind die liberalen Reformer nicht! Denn, alles was conservativ und traditionell ist, möchten  sie ja am liebsten aus der Kirche ausscheiden! Polarisiert nicht, heißt dann an die Conservativen adressiert: kämpft nicht, damit ihr dann aus der Kirche kampflos herausgedrängt werden könnt. Ob sich mit dieser Parole der Passauer Bischof beim Reformkardinal Marx  Meriten verdient hat und wenn auch nur die, nicht mehr auf der Wunschliste der zu streichenden Bischöfe ganz oben zu stehen?  












   

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