Samstag, 23. April 2016

Erhellendes zur Frage der Totenauferstehung

Wer glaubt noch an Auferstehung der Toten? Probleme mit Ostern- oder ein singuläres Ereignis und seine Bedeutung

Nur noch 10 Prozent der Katholiken der Niederlande glauben an ein Jenseits, meldete Kath net am 23. März 2016. Gehen uns hier die Niederlande einfach nur voran, müssen wir auch in Deutschland damit rechnen, bald solche Tiefstwerte zu erreichen? Szenenwechsel: Ein evangelischer Pfarrer rät seinem Vikar, auf Beerdigungen das Gerede von der Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben sein zu lassen. Solche mythologisch voraufklärerischen Vorstellungen dürfen sie heutigen Christen nicht mehr zumuten! Selbst zu Ostern habe er nie von der Auferstehung Jesu gepredigt
1. Korinth- die ersten Kritiker der Osterbotschaft
Christus ist wahrhaft auferstanden, wahrhaft auferstanden ist er!“, so lautet alljährlich das Osterevangelium. Kommt diese Osterbotschaft nicht mehr an? Stimmt irgendetwas nicht mehr mit ihr? Was hat nun präziser gefragt das Jenseits mit der Auferstehung Jesu Christi zu tun? Er ist ja nach drei Tagen erschienen, aber auf Erden erschien er seinen Jüngern, besser seinen Schülern. Wenn vom Jenseits gesprochen wird, dann assoziert die christliche Religion damit das Wo Gottes aber auch im Begriff des jenseitigen Lebens ein ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Erst mit seiner Himmelfahrt ging ja Jesus in das ewige Leben im Jenseits ein. Paulus schreibt im Römerbrief: „Wir wissen, daß Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.“ (Röm 6,9). Offenkundig steckt in diesem „und“ ein gravierendes theologisches Problem. Ergibt sich notwendig aus der Aussage, daß Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr sterben wird? Jesus erweckte Lazarus von den Toten. Drastisch berichtet das Johannesevangelium gar davon, daß der Verstorbene schon zu riechen anfing, um deutlich zu machen, daß Lazarus wirklich tot war. Er, der von den Toten durch Jesus Auferweckte, unterlag weiterhin der Macht des Todes, denn er mußte nach seiner Auferweckung wieder sterben. Wie nun, wenn Menschen geurteilt hätten: Wenn Jesus von den Toten auferweckt wurde und seinen Schülern erschien, dann nur, um dann später wieder sterben zu müssen, wie auch es das Schicksal des auferweckten Lazarus war?
Das wurde tatsächlich im Urchristentum so ähnlich vertreten! Wir halten uns jetzt die große Kontroverse des Apostelfürsten Paulus in Korinth gemäß dem 15.Kapitel des 1. Korintherbriefes und des 5. Kapitels des 2. Korintherbriefes vor Augen. Was vertraten die Gegner der Verkündigung Paulus? Auch sie glaubten an ein ewiges Leben, denn sonst wäre ihre Taufpraxis, sich zu Gunsten von Verstorbenen taufen zu lassen sinnwidrig. (1.Kor.15,29) Ja, diese Taufpraxis zeigt aufs deutlichste, wie wichtig ihnen der Glaube an das ewige jenseitige Leben war, sodaß sie sich für ungetauft Verstorbene taufen ließen, damit die Verstorbenen so Anteil bekommen am ewigen jenseitigen Leben. Aber sie glaubten nicht an eine Auferstehung der Toten! Dieser scheinbare Widerspruch ist leicht auflösbar. Ihre These lautete schlicht und einfach: Wenn es eine Auferstehung der Toten gäbe, daß sie also leiblich auferstehen würden, dann müßten sie ob ihrer Leiblichkeit wieder sterben. Denn alles, was körperlich leiblich ist, ist dem Schicksal des Sterbenmüssens unterworfen. Wenn also Jesus leiblich von den Toten wahrhaft auferstanden wäre, dann würde er genauso wie der von Jesus auferweckte Lazarus wieder sterben müssen. Der Tod behielt seine Macht über das auferweckte Leben. Das wahrhaft ewige Leben kann so nur das der unsterblichen Seele sein, die , wenn der Körper stirbt, ins Jenseits hinübergeht, aber in der Gewißheit der Unsterblichkeit der Seele ist für sie jetzt schon der Tod überwunden. Aber ein Moment verkompliziert nun diese platonische Konzeption! Wozu bedurften dann die Verstorbenen, daß Lebende sich für sie taufen ließen, wenn sie sozusagen schon ob der Natur ihrer Seele unsterblich waren? Wahrscheinlich bedarf nach ihrer Seelenlehre die Seele der christlichen Taufe, damit sie eingehen kann in das ewige Leben. Vom dem zum Sterben verurteilten Leib befreit zu werden, ist so für sie die notwendige Voraussetzung dafür, daß es ein ewiges von der Macht des Todes befreites Leben eben kann.
Der Apostelfürst Paulus zieht daraus eine Konsequenz: Seit dieser Kontroverse mit den Kritikern seiner Osterverkündigung fügt er dem: „Christus ist wahrhaft auferstanden“ das „und“ hinzu: „Und er ist nicht mehr der Macht des Todes unterworfen!“ (Röm 6,9) Das „und“ ist kein analytisches,eine im Begriff des Auferstandenseins schon enthaltende Wahrheit zum Ausdruck bringendes, sondern zeigt eine zusätzliche Wahrheit an. Denn Jesus von Nazareth, von den Toten auferweckt, hätte ja auch wie der von ihm selbst erweckte Lazarus weiterhin dem Todesschicksal unterworfen sein können! Gott hätte ihn ja auch wie den Lazarus nur auferweckt haben können, um ihn dann später wieder sterben zu lassen! Ja, den Ostererscheinungen ist selbst nicht anzusehen, daß dieser Jesus da den Tod für sich ein für alle mal besiegt hat! Man könnte also an die Auferweckung Jesu glauben , ohne an eine Möglichkeit des ewigen Lebens zu glauben. Und die wohl von der Gnosis inspirieren Kritiker des Paulus glauben an das ewige Leben für sich und lehnen deshalb die Vorstellung von einer Totenauferstehung ab!

Paulus bringen diese Kritiker in nicht unerhebliche Verlegenheit, aber er verfügt über eine gediegene naturphilosophische Bildung, mit der er sich klug mit dem Hauptargument der Kritik seiner Verkündigung auseinandersetzt. Nicht insistiert er darauf: Mir ist er erschienen, das erlebte ich, und so bin ich mir gewiß, daß Christus lebt. Nein, denn dies einfache unreflektierte Zeugnis sagt nämlich nichts über die Wahrheit aus, ob denn dieser Jesus denn wirklich die Macht des Todes überwunden hat, oder ob er doch nur auferweckt wurde, um wieder zu sterben. Auch weicht er nicht in die Defensive aus: Das glaube ich zwar so, aber wenn ihr das nicht so glauben wollt, ist das auch in Ordnung. Hauptsache: Die praktizierte Nächstenliebe ist doch das wichtigste, und solche Lehrdifferenzen über so eine so spekulative Materie, überlassen wir gern müßiggängerischen Sophisten und Dogmatikern! Nicht verkündet er also so authentisch seinen persönlichen Erfahrungsglauben, sondern er argumentiert philosophisch mit ihnen!

Als erstes führt Paulus ein Mehr an Zeugen an, denen Jesus Christus nach dem Karfreitag erschienen ist, gar 500, von denen einige noch leben, sodaß sie ein Skeptiker noch befragen kann, was sie gesehen haben. Aber das, was diese bezeugen können, widerlegt eben nicht den Einwand der korinthischen Kritiker. Denn das bloße Erscheinen Jesu nach Ostern beweist ja nicht, daß er nicht doch wiederum sterben muß wie der auferweckte Lazarus. Deshalb setzt Paulus jetzt philosophisch an, denn das Argument seiner Kritiker ist ja auch ein philosophisches: daß es zum Wesen allen Körperlichen gehöre, endlich zu sein und so unterzugehen. Gäbe es also eine leibliche Auferstehung der Toten, müßten diese wiederum sterben. Paulus setzt dem entgegen : Körper ist nicht Körper. Die Körper unterscheiden sich nach dem Grad ihrer Herrlichkeit.(1.Kor 15, 38-41). Wo die Kritiker ein Einerlei sehen, da nimmt Paulus die innere Differenziertheit war, um so die These zu formulieren, daß es nicht nur sterbliche sondern auch unsterbliche Körper gäbe! „So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich.“ (V 47).
Aber es bleiben Probleme: Warum erstand Lazarus auferweckt in einem verweslichen Leib und warum erstehen die Toten mit einem unverweslichen Leib am Ende der Zeiten? Und wie konnten die Osterzeugen erkennen, daß Jesus Christus mit einem jetzt unverweslichen Leib auferstanden ist?

2. Die Hoffnung der Pharisäer

Jetzt hilft uns Paulus Verteidigungsrede vor dem Hohen Rat weiter. Dort sagt er: „Ich bin Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern: wegen der Hoffnung und wegen der Auferstehung der Toten stehe ich vor Gericht.“ (Apg 23,6) Diese Aussage muß auf den ersten Blick verwirren: Ist Paulus denn nicht Christ und so eben kein Pharisäer? Aber diese Verwirrung löst sich schnell auf. Im Hohen Rat waren zwei Parteien vertreten, die der Pharisäer und die der Sadduzäer. Die Sadduzäer glaubten nicht an die Auferstehung der Toten, die Pharisäer dagegen bejahten diese Hoffnung auf die Auferstehung der Toten. Paulus sagt also damit: In der Causa der Totenauferstehung vertrete ich die Lehre der Pharisäer und nicht die der Sadduzäer und in diesem Sinne bin ich ein Parteigänger der Pharisäer. In der Sache hat der Apostel Paulus damit recht. Als Kind von pharisäisch glaubenden Eltern war ihm die Hoffnung, der Glaube an die Totenauferstehung in die Wiege gelegt worden. Er glaubte an sie als Pharisäer bevor ihm Christus zu Damaskus erschien. Nicht weil ihm Christus vor Damaskus erschien, glaubte er an die Totenauferstehung, denn sie war ihm schon als Pharisäer gut vertraut.

3. Die Himmelfahrt des Propheten Elija

Während sie [Elijas und sein Prophetenschüler]miteinander gingen und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor.“ (2.Könige 2, 11)Das ist Elijas Entrückung in den Himmel. Dieser Prophet wurde leiblich in den Himmel aufgenommen, er ging ein in das ewige Leben im Jenseits ohne vorher zu sterben. Wenn ein Mensch, ohne zu sterben von Gott in den Himmel aufgenommen wurde, warum lehrte man dann nicht: Jetzt gibt es eine Hoffnung für jeden Juden, oder gar jeden Menschen, wie dieser Prophet, ohne sterben zu müssen, in das jenseitige ewige Leben eingehen zu können? Die Antwort fällt leicht: Diese Entrückung beweist als geschehene nur, daß es Gott dem Allmächtigen möglich ist,Menschen, ohne daß sie sterben, leiblich in den Himmel aufzunehmen. Und das Geschehene beweist, daß Gott dies im Falle des Propheten Elija wie auch im Falle des Henoch auch wollte. Aber die wirklich geschehene Entrückung begründet nun keine Hoffnung für alle Juden, oder gar für alle Menschen, nun ebenfalls in den Himmel entrückt zu werden! Ein banaler Vergleich mag dies veranschaulichen: Wenn einer 6 Richtige im Lotto schafft und eine Million Euro gewinnt, beweist dies nur die Möglichkeit, daß 6 Richtige möglich sind, aber nicht, daß nun jeder Lottospieler eine Million Euro gewinnen wird. Ein singuläres Ereignis beweist immer nur, daß es ein mögliches Ereignis ist und daß es, weil es möglich ist, sich wieder ereignen kann, aber nicht, daß es sich auch wieder ereignen wird. Das heißt bezogen auf die Auferweckung Jesu Christi von den Toten, daß dies Ereignis nur die Möglichkeit erweist, daß Gott tote Menschen zum Leben wieder erwecken kann, aber nicht begründet dies Geschehen die Hoffnung, daß Gott alle Toten zum Leben neu erwecken werden wird, wie eben auch die Entrückung Elijas nicht die Hoffnung fundiert, daß Gott alle Menschen in den Himmel entrücken wird.

4. Was beweist dann Ostern?

Was beweist Ostern dann überhaupt? Nicht begründet Jesu Christi Auferstehung die Hoffnung auf eine allgemeine Auferstehungshoffnung. Und Jesu Auferweckung beweist nicht einmal, daß er nun auferweckt, nicht doch noch wieder sterben muß! Erst Christi Himmelfahrt zeigt, daß er wirklich von der Macht des Todes befreit ist und nicht wie der auferweckte Lazarus nur wieder zum Leben erweckt wurde, um dann doch wieder sterben zu müssen. Ja, im Sinne des Christentumskritikers Celsus könnte noch polemischer geurteilt werden: Wenn ein Mensch stirbt, dann steigt seine Seele empor zu Gott, aber wenn es eine von Begierden erfüllte Seele,unerlöst also ist, schafft sie diesen Aufstieg nicht und kann dann als unerlöste Seele anderen Menschen erscheinen. (Nebenbei, eine uns Heutigen aus dem Horrorgenre wohl vertraute Vorstellung) Wenn also Jesu, gestorben, wirklich den Seinen wieder erschienen ist, umso schlimmer. Origenis, einer der größten Theologen der Alten Kirche übernahm dann ja die schwierige Aufgabe, dies Schwergewicht der Kritik der christlichen Religion zu widerlegen- wahrlich keine leichte Aufgabe.

Es drängt sich uns nun der Verdacht auf, daß die Verdunstung der christlichen Hoffnung auf die Totenauferstehung und ein ewiges Leben im Jenseits auch in der Osterverkündigung selbst einen Grund hat, daß Ostern eine Hoffnung begründen soll, die Ostern beim besten Willen eben auch nicht begründen kann! Mit dem Osterereignis die Hoffnung auf eine allgemeine Totenauferstehung zum ewigen Leben zu begründen, das ist so als wenn der Schwanz mit dem Hund zu wedeln versucht!

These: Nicht fundiert das Ostereignis die Hoffnung auf die Totenauferstehung als eine Auferweckung zum ewigen Leben, sondern der Glaube an die Totenauferstehung ist die Voraussetzung dafür, daß Jesus österliches Erscheinen als ein Auferwecktwordensein zum ewigen Leben begriffen wurde.Dort, wo diese Vorstellung einer allgemeinen Totenauferstehung nicht vertraut war, wie bei den gnostisch inspirierten Korinthern, dort konnte dann auch die urchristliche Verkündigung, Jesu sei wahrhaft auferstanden, schwerlich auf fruchtbaren Boden fallen. Weil es, wie 2. Makkabäer 12, 32-45 bezeugt, die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten zu einem neuen Leben gab, das nicht mehr eines vom Sterbenmüssen bestimmtes ist, konnte das Erscheinen Jesu nach dem Tode von dieser Vorstellung her begriffen werden: Das, was am Ende der Zeit sich ereignen wird, daß die Toten auferstehen werden zu einem vom Tode befreiten Leben, das hat sich nun als Vorwegnahme an dem Einzelmenschen Jesus ereignet. Er ist der Erste von denen, die am Ende dann alle auferstehen werden. Und diese Vorwegnahme des allgemeinen Geschickes der Endzeit im Osterereignis zeigt, daß nun die Endzeit schon angefangen hat genau in dem Ereignis des Ersten, der von den Toten auferstanden ist. Das Osterereignis begründete so erst die Naherwartung des Urchristentumes, daß die allgemeine Totenauferstehung und somit das Reich Gottes nahe ist, weil schon der Erste der Toten auferweckt worden ist als der Anfang der allgemeinen Totenauferstehung. Was dem Erscheinen Jesus Christus nicht ansehbar war, daß er nicht wieder wird sterben müssen wie der auferweckte Lazarus, das begriff Paulus nur, weil er seine Ostererscheinung, daß ihm der Herr vor Damaskus erschien, von der pharisäischen Vorstellung von der Hoffnung auf die Totentauferweckung her begriff! Denn etwas erleben und erfahren, bedeutet noch nicht, daß es schon begriffen ist, aber erst die begriffene Erfahrung wird zur Erkenntnis. Die christliche Religion beruht nun aber gerade auf Erkenntnis, insbesondere auf durch Gottes Offenbarung selbst vermittelte Erkenntnisse.
Wenn also der Glaube an die allgemeine Totenauferstehung die Voraussetzung dafür ist, das besondere Osterereignis, daß Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, zu begreifen, dann führt der im Protestantismus entwickelte Christozentrismus der dialektischen Theologie (Karl Barth vor allem) dazu, nun umgekehrt, die Hoffnung auf die allgemeine Totenauferstehung mit dem singulären Osterereignis zu begründen und so diese Hoffnung aufzulösen, denn das singuläre Osterereignis kann diese Hoffnung auf die Totenauferstehung nicht fundieren! Zudem verunmöglicht die Vorliebe der dialektischen Theologie für die Ganztodtheorie jede Möglichkeit, den Begriff der Totenauferstehung zu denken, er wird zu einer Unmöglichkeit und verschwindet so aus dem religiösen Bewußtsein.
6. Totenauferweckung und Totenauferstehung

Nun ist bisher der Begriff der Totentauferweckung und der der Totenauferstehung fast synonym gebraucht worden, ohne daß der genauere Gehalt dieser beiden Vorstellungen bestimmt wurde. Man könnte meinen, daß der Begriff der Totentauferweckung die Rückkehr ins irische Leben meint, dagegen die Totenauferstehung ein Auferstehen zum ewigen leben. Aber der paulinische Sprachgebrauch gerade im 15.Kapitel des 1.Korintherbriefes widerspricht dem, denn Paulus schreibt da: „am dritten Tag auferweckt worden“. So liegt die Differenz in diesen beiden Vorstellungen in dem passivischen Charakter der Totentauferweckung zu dem aktivischen Charakter der Totenauferstehung: Tote stehen auf vom Tode, meint ein aktives Tun der Toten. Damit stehen wir nun sicher vor dem größten Problem dieser Vorstellung, wenn wir uns nicht sofort in die Ausrede flüchten wollen, daß das nicht so gemeint sei sondern daß auch die Totenauferstehung ein rein passives Geschehen an den Toten meint, daß sie eben von Gott auferweckt werden und sich dabei Gott gegenüber rein passiv verhielten!
Für diese Frage gibt uns Paulus nun selbst im 1. Korintherbrief eine Antwortmöglichkeit, wenn er schreibt: „nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir“. (15, 10) Daß die Neubelebung der Toten ein Akt der göttlichen Gnade ist, das betont die Vorstellung der Auferweckung der Toten, daß das Ich, die Natur des Menschen in diesem Gnadenhandeln Gottes sich nicht rein passiv verhält sondern aktiv mitwirkt, das unterstreicht die Vorstellung von der Totenauferstehung. Die Totentauferweckung und die Totenauferstehung müssen so als die zwei Seiten des einen Ereignisses begriffen werden, wie es Paulus mit dem :die Gnade Gottes mit mir ausdrückt. (Die die reformatorische Theologie gründende Urtat Luthers war nun die, daß „mit mir“ durch ein „durch mich“ zu ersetzen und so erst das: „Allein aus Gnade“ zu konstruieren, das ein Mitwirken der Natur des Menschen am Heil ausschließt, weil nun das Ich nur noch etwas ist, durch das die Gnade wirkt und mit dem die Gnade nicht mitwirkt!) Für dieses Problem, wie die passivische und die aktivische Aussage zugleich wahr sein können, sehe ich so nur eine Lösungsmöglichkeit: Das Vermögen, aktiv also im Sinne der Vorstellung eines Auferstehens von den Toten mitzuwirken , kann nur im Rahmen einer philosophischen Seelenlehre entfaltet werden, daß eben der Tod nicht die Nichtung und Auflösung der Seele meint (wie es Ebert Jünger in seinem Buch: Tod vertritt), sondern daß das Ich den Tod als ein Fremdbestimmtsein selbst erleidet als seinen Tod und daß dies Ich auch der Grund dafür ist, daß dies Ich oder die Seele dann mit der Gnade Gottes zusammen aktivisch vom Tode auferstehen kann. Zutiefst antikatholisch ist dagegen die Vorstellung, daß die Gnade Gottes ohne die Natur des Menschen, ohne sein Mitwirken zu seinem Heile wirkt.
Es sei an Epikurs Einsicht erinnert, daß wenn der Tod die schlichte Negation des Iches wäre, es meinen Tod nicht geben kann, denn wenn ich bin, ist der Tod nicht, und wenn der Tod ist, bin nicht ich, sodaß es meinen Tod gar nicht geben kann. Wer seinen Tod fürchtet, fürchtet etwas, was es nicht geben kann. Daß es meinen Tod geben kann, setzt so denknotwendig mein Ich voraus, daß durch den Tod nicht einfach genichtet wird, sondern sich erhält, (das ist der Grundgedanke der unsterblichen Seele), sodaß dies Ich dann den Tod als den meinigen sich zuschreiben kann. Genau das drückt die Bibel mit der Vorstellung der Sheul oder die Griechen mit der Vorstellung vom Hades aus. Beide kennen nicht die vulgärmaterilistische Vorstellung vom Ganztod des Menschen, sondern kennen den Tod als den meinigen, den ich erleidenden.

7.König Saul bei einer Totenbeschwörerin

Die Geschichte vom König Saul bei der Totenbeschwörerin von Enz-Dor stellt jeden Bibelleser vor höchste Anforderung, will er dem Anspruch: „Verstehst du auch, was du liest?“ (Aug 8,30) gerecht werden . König Saul fragte den Herrn und „der Herr gab ihm keine Antwort, weder durch Träume , noch durch die Orakel, noch durch die Propheten.“ (1. Samuel, 28, 6).Der König wandte sich da ob des Schweigens Gottes an die letzte Totenbeschwörerin im Lande, obwohl er wußte, daß Gottes Gebot dies verbietet. Er geht zu ihr und sie beschwört dann erfolgreich den toten Propheten Samuel, der dann dem König Auskunft über sein Schicksal gibt. Selbst wenn wir mit modernen Exegeten diese Geschichte als eine frei fabulierte annehmen, als Vorläufer etwa von E.T. A. Hoffmanns Nacht- und Phantasiestücke, müssen wir uns eine Rechenschaft darüber abgeben, wie denn das da Erzählte zu begreifen ist. Fragen wir! Wie konnte diese Totenbeschwörerin den toten Propheten beschwören? Wie konnte dann der so Beschworene dem König die Zukunft voraussagen? War dies ein einmaliges Ereignis, daß also nur in diesem Falle die Totenbeschwörung gelang? Meint das göttliche Verbot, zu Totenbeschwörern zu gehen, daß Gott damit uns vor Betrügern oder Selbsttäuschungen bewahren will, weil eine Totenbeschwörung Menschen unmöglich ist? Aber wie konnte dann hier die Totenbeschwörung gelingen? Oder meint das Verbot, daß der Mensch eben Gott befragen soll und nicht die reale Möglichkeit nutzen soll, Totenbeschwörer in Dienst zu nehmen? So schwer diese Fragen nun auch zu beantworten sind, eines ist überdeutlich: Nicht ist das Reich des Todes ein vom Leben so prinzipiell entferntes, daß es keine Verbindung mehr zwischen dem Raum des Lebens und dem des Todes gibt. Zumindest in diesem Falle konnte eine Frau einen Toten beschwören, sodaß er erschien und als einstiger Prophet konnte er dann auch dem König Saul seine Zukunft,sein Schicksal voraussagen!
Und: Die hl. Schrift ist kein Märchenbuch- daß dies Ereignis in der Bibel steht, verlangt vom Leser, sie als wahrhaftig so geschehen zu lesen! Die Geschichte von Jesu Christi Verklärung (Mk 9, 2-10) setzt diese Vorstellung ebenso voraus! Denn wie konnte Mose und Elia dort erscheinen, wenn es zwischen dem Reich des Todes und dem des Lebens keine Durchlässigkeit gäbe? Die Vorstellung von einer Auferstehung von den Toten setzt eben die Vorstellung von einer prinzipiellen Durchlässigkeit dieser beiden Bereiche zueinander voraus. Es wird nicht einfach auf die Allmacht Gottes rekurriert: daß dem Allmächtigen alles möglich ist, sondern in der von Gott geschaffenen Welt gibt es selbst eine ihr eingeschriebene Ordnung der Beziehung von Tod und Leben, die eine Auferstehung der Toten zu einem möglichen Ereignis macht. Von zentraler Bedeutung ist dabei, daß das Todsein nicht als schlichte Negation des Lebens gedacht wird, sondern daß die Sheulvorstellung, griechisch die Hadesvorstellung, den Toten so denkt, daß er noch ein Subjekt bleibt, das sein Todsein sich als seinen Zustand zuschreiben kann, sodaß es wirklich meinen Tod auch gibt, gegen Epikur!

8. Wo ist das Jenseits?

Noch ein weiteres Problem ist nun anzusprechen: Die Vorstellung eines ewigen Lebens ist in der christlichen Religion verbunden mit der Vorstellung eines jenseitigen Lebens. Wenn aber das Jenseits nicht mehr vorstellbar ist, ja, wenn man sich gewiß ist, daß es das Jenseits gar nicht geben kann, dann wird damit auch die religiöse Vorstellung von einem jenseitigen ewigen Leben sinnlos. Jesus Christus fuhr gen Himmel, Maria wurde leiblich in den Himmel aufgenommen, werden dann zu sinnlosen Aussagen, weil es den Himmel, das Jenseits eben nicht gibt! Geradezu naiv aber deshalb auch so erfolgreich ist das Argument, daß nun dank der modernen Weltraumerforschung eines gewiß sei: In den unendlichen Räumen des Weltraumes ist nirgends ein Platz für den Himmel oder die Hölle. Es gibt kein Jenseits des Universums und innerhalb von ihm keinen Raum für solche Räume. Selbstverständlich muß die Theologie auf dieses Argument reagieren und die Vorstellung von Himmel und Hölle kompatibel mit den Erkenntnissen der Weltraumerforschung gestalten. Theologische Aussagen, wenn sie denn wahr sind, können naturwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht widersprechen. Die Mathematik kann uns in dieser Causa aber leicht zu einer Lösung verhelfen. Man denke sich zwei unendlich große Flächen, die parallel zueinander in einem Raum installiert sind. Obwohl beide unendlich groß sind, haben sie doch keine Schnittmenge. Wenn nun ein Bewohner auf einer der zwei Flächen erklärte, es könne keine zweite Fläche geben, denn wenn es sie gäbe, wäre sie teilidentisch mit der unendlich großen, so irrt er, weil er nicht wahrnimmt, daß die erste und die gesuchte zweite ebenso unendlich große Fläche in einem dreidimensionalen Raum existieren, und das ohne daß sie gemeinsame Punkt hätten. Das übertragen auf die Denkbarkeit von der Existenz von Himmel und Hölle angesichts eines unendlich großen Raumes besagt: Himmel und Hölle und unser uns bekannter Weltraum sind selbst nur drei unendlich große Räume, parallel zueinander in einem Hyperraum. Der Hyperraum wäre dann ein mehr als dreidimensionaler Raum, in dem dreidimensionale Räume parallel zueinander sein können, ohne gemeinsame Punkte. Wichtig ist dabei, die Vorstellung einer Räumlichkeit von Himmel und Hölle nicht aufzugeben, denn wenn es eine leibliche Auferstehung der Toten gibt, und wir nicht nur als Seele im Himmel oder in der Hölle sein werden, dann verlangt die Vorstellung der Leiblichkeit eine Räumlichkeit von Himmel und Hölle! Wollte man die negieren, wäre die Leiblichkeit des ewigen Lebens nicht mehr denkbar. Denn der Leib ist ein Körper und zum Körperlichen gehört wesenshaft seine Dreidimensionaltät, denn wäre er zwidimensional, wäre er eine Fläche, eindimensional ein Strich und nulldiemsional ein Punkt und so eben kein Körper. Die Alternative dazu ist die des Glaubens der gnostischen Kritiker des Paulus, daß der Mensch nur leiblos als Seele ewig leben wird im Jenseits.

9. Jesu Lehrgespräch über die Auferstehung der Toten

Was lehrte nun denn Jesus Christus selbst über die Auferstehung von den Toten? Dazu ist sein Streitgespräch mit den Sadduzäern wohl die ergiebigste Quelle.Wir konzentrieren uns nun auf Jesu Beweisführung von der Auferstehung der Toten. (Mk 12, 18-27). 1.Satz:Gott ist der Gott Abrahams,Isaaks und Jakobs. 2.Satz: Gott ist kein Gott der Toten. Konklusion: Wenn Gott ein Gott der Lebenden ist, dann müssen Abraham, Isaak und Jakob leben, denn sonst wäre Gott ein Gott der Toten. Was sagt das aber für die Vorstellung von der Auferstehung der Toten aus? Jetzt wird es kompliziert. Denn der 2.Satz lautet ja nicht: Gott ist ein Gott der jetzt Toten aber am Ende der Zeit wieder auferstehen Werdenden! Will man nun nicht sich in die Ausrede flüchten, daß hier eben der Lehrer der Wahrheit etwas salopp daher geredet hat, verlangt dies jetzt eine komplizierte Operation am Text. Diese beiden Sätze lehren uns nämlich neu, den Begriff des Todes zu begreifen. Es muß nun denkbar sein, daß von einem Subjekt, Abraham ausgesagt werden kann, daß es tot und daß es nicht tot, sondern lebendig ist. Dies ist aber nur möglich, wenn der Begriff des Tods hier Verschiedenes bedeutet.Wenn von Gott ausgesagt wird, daß er der Gott des lebendigen Abraham ist, dann besagt das, daß Abraham als Seele bei Gott lebendig ist, wenn von Abraham gesagt wird, daß er von den Toten auferstehen wird, dann besagt dies, daß die Seele Abrahams den toten Körper neu belebt. Er steht auf von den Toten. Das Todsein ist das des Körpers. Das Aktivische ist hier zu betonen. Daß die Toten auferstehen werden, davon spricht hier Jesus Christus. Hier muß nun die andere Seite der Totenauferstehung mitbedacht werden: Dem Auferstehen geht die göttliche Aktivität des Auferweckens voraus, aber der Mensch verhält sich in diesem Akt nicht rein passivisch. Die Seele ist ja, direkt von Gott geschaffen, das aktive Prinzip, das den aus der Fortpflanzung entstehenden Körper formt zum menschlichen Leib. Genau in diesem Sinne ist dann die Seele auch bei der Totenauferstehung ein aktives Prinzip, wenn es von Gott dazu berufen wird.

10. Die Auferstehung von den Toten

Nun heißt es aber im 1.Plusbrief, 1,3: „Diese Hoffnung gründet sich darauf, daß Jesus Christus vom Tod erstanden ist.“ Es kann damit also nicht gemeint sein, daß Jesu Auferstehen vom Tod die Hoffnung auf die Auferstehung aller begründet. Denn die Hoffnung auf die Auferstehung gab und gibt es unabhängig vom Osterereignis (so etwa auch in der jüdischen Religion) und dies singuläre Ereignis kann auch nicht die Hoffnung auf eine allgemeine Totenauferstehung begründen. Es muß hier eine in der heutigen kirchlichen Vierkündigungspraxis weitestgehend verdrängte Aussage des christlichen Glaubens eingetragen werden: Daß alle Menschen auferweckt werden zum jüngsten Gericht, und daß die einen das ewige Leben und die anderen die ewige Verdammnis zugesprochen bekommen werden durch den Richter Jesus Christus. Der Kreuzes- und Sühnetod Jesu ist nun der Grund dafür, daß wir auf die Auferstehung der Toten zum ewigen Leben hoffen können und nicht mit der Verurteilung zur Hölle rechnen müssen. Wo nämlich von der Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten gesprochen wird, wird immer implizit ergänzt zum ewigen Leben und somit ausgeblendet, daß es auch ein Auferstehen zum ewigen Tod gibt!

Die Auferstehung von den Toten, die christliche Hoffnung darauf ist fürwahr eine hochkomplexe Vorstellung, die es zu begreifen gilt, damit sie auch wieder glaubwürdig verkündet werden kann. Die Abbreviatur: Weil Jesus vom Tode auferstanden ist, werden auch wir es, ist aber für jeden Hörer, der über das so Ausgesagte nachdenkt, eine Absurdität und nicht glaubwürdig. Das ist so, als sagte ich: Weil gestern ein Lottospieler eine Million Euro gewann, werden wir alle im Lotto eine Million gewinnen! Damit diese frohe Botschaft wieder glaubwürdig verkündet werden kann, bedarf es einer anthropologischen Besinnung über die Möglichkeit einer Auferstehung der Toten, m.E. einer Seelenlehre und der Begründung, warum Gott, weil er gerecht und gnädig ist, der Garant für die Hoffnung auf die Auferweckung der Toten ist. Ohne dem wird es aber keine glaubwürdige Verkündigung der Hoffnung auf ein jenseitiges ewiges Leben geben können. Denn eine Aussage wird ja nicht schon dadurch glaubwürdig, daß der Verkünder sein subjektives Überzeugtsein und seine Begeisterung von seinem Glauben authentisch zum Ausdruck bringt.


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