Donnerstag, 23. Oktober 2025

Mythen zum Thema: Die Katholische Kirche und ihr (nicht)gekämpfter Kirchenkampf gegen den Hitlerfaschismus

 

Mythen zum Thema: Die Katholische Kirche und ihr (nicht)gekämpfter Kirchenkampf gegen den Hitlerfaschismus


Die Katholiken und das Dritte Reich“, ein von Hummel und Kißner herausgegebener Essaysammlungsbrief zu dieser Causa, verleitete mich nun dazu, ein kleines mythenkritisches Vorwort zu einer fruchtbringenden Lektüre solcher wissenschaftlich sich gebenden Literartur zu verfassen.

Der Urmythos: 1963 wurde das Theaterstück; Der Stellvertreteruraufgeführt, dessen Wirkkraft für die Frage: „Wie verhielt sich die Kirche im Dritten Reich gar nicht überschätzt werden kann.1 Mit dem Stellverteter wird ironisch auf den Papsttitel: Stellvertreter Christi auf Erden angespielt und die Intention des Theaterstückes ist nun nicht einfach nur die Diffamierung dieses Papstes als „Hitlers Pope“2, sondern es soll die ganze Kirche als ein williger Helfer des Nationalsozialimus enttarnt werden.

Im Zentrum steht ein fiktives Gespräch, in dem Papst Pius XII das ganze antisemitische Vernichtungsprogramm Hitlers offenbart wird: „Das habe dieser Diktator vor mit den Juden“ und obschon somit die ganze Kirche das ganze Programm kannte, sie geschwiegen hätte und nichts zur Rettung der Juden unternommen hätte. Dem obligatorischen Einwand, Katholiken hätten sich diesem Programm widersetzt und auch der Papst habe nicht wirklich geschwiegen, wird dann stets entgegengesetzt, daß diese wohl erfolgten Reaktionen in keinster Weise dem Vernichtungsprogramm angemessen ausgefallen seien.

Nur, dieses oder ein ähnliches Gespräch, in dem dem Papst das ganze Vernichtungsprogramm durch einen zuverlässigen Informanten offenbart worden sei, hat nie stattgefunden! Bis heute ist nicht geklärt, ab wann der Papst, die Kurie zuverlässige Informationen über dies Ver-nichtungsprogramm besaß! Michael Feldkamp behauptet in seinem Buch: „Pius XII“: Das päpstliche Staatsekretariat war seit dem Frühjahr 1942 – früher als mehrfach behauptet – über die Organisation des Judenermordung informiert und hatte die Nachrichten auch als glaubwürdig eingetuft.“3 Zumindest stimmt diese Behauptung mit dem Forschungsergebnis Hans Mommsens überein, daß das Vernichtungsprogramm zwischen 1941 bis 42 beschlossen worden sei in einem Prozeß sich radicalisiernder „Lösungsprogramm“ für das „Judenproblem“. Aber Herr Feldkamp kann für diese These keinen Beleg anführen, außer der Behauptung: „im März 1943 kamen aus Preßburg Nachrichten, daß deportierte Juden durch Vergasung getötet wurden und dann zur Seifenfarikation gelangten.“4 Kein Historiker behauptet heute noch, daß Juden zu Seife verarbeitet worden seien, sodaß somit die Zuverlässigkeit dieser Preßburger Nachricht als ganzer nicht als zuverlässig gelten kann.

Offenkundig soll unbedingt an der These festgehalten habe, daß die Kirche schon recht früh das nationalsozialistische Vernichungsprogramm gekannt habe, um darauf aufbauend die Reaktionen der Kirche darauf als völlig unangemessen aburteilen zu können! Nur lebt diese These primär aus der Suggestivkraft des Theaterstückes von Hochhuth und wird bis jetzt nicht durch Quellen verifiziert.

Der Leser möge sich bitte dies Szenario vorstellen: In einem Bierlokal treffe ich einen Bekannten, wir plaudern über Gott und die Welt und trinken dazu ein paar Gläser Bier. Dann verabschiede ich mich, der Bekannte bleibt. Am nächsten Morgen erfahre ich nun, daß er, volltrunken am Auto einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe: Er und andere kamen zu Tode. Wenn nun jemand mich anklagen würde: „Wie konntest Du es nur zulassen, daß Dein Freund betrunken mit seinem Auto nach Hause fahren wollte?, müßte ich mich dann schuldig im Sinne der Anklage sprechen. Wenn vom Ausgang, dem des tödlichen Verkehrsunfalles her der ganze Abend vom ersten bis zum letzten ausgetrunkenen Bier rekonstruiert wird, wird das erste Bier das erste, das dann mit den anderen zusammen zu diesem Unfall führte. Für mich war das erste Bier nur eines von ein paaren und ich hatte nicht einmal bemerkt, daß der Bekannte angetrunken gewesen war noch wußte ich, daß dieser die Absicht hegte, mit seinem PKW nach Hause zu fahren. Erst vom dem Wissen von dem Ausgang her erschließt sich mir jedes von dem Bekannten ausgetrunkenes Bier als ein Schritt auf den dann erfogten Ausgang hin. Aber von diesem Ausgang, dem tödlichen erfuhr ich erst am nächten Tag.

Eine mythologische Geschichtsschreibung betrachtet nun jede Handlung der nationalsozialistischen Regierung wider die Juden als eine Vorbereitung auf die Vernichung der Juden in den Konzentrationslagern und behaptet, daß jeder Zeitgenosse und somit auch die Kirche jede Einzelmaßnahme so hätte wahrnehmen können und müssen.Das wäre so, als wenn ich spätestens nach dem zweiten Bier erkannt haben müßte, daß ich nun meinem Bekannten seinen Autoschlüssel zu entwenden habe, um seinen tödlichen Unfall zu verunmöglichen! Die Öffentlichkeit und auch die Kirche nahm aber nur die Einzelmaßnahmen war, ohne aber darin eine Telelogie auf dies Ende zu erkennen – und das konnte sie auch gar nicht, da das Vernichungsprogramm wohl erst 1941 oder 42 beschlossen worden ist und selbst dann nur wenigen bekannt gewesen sein.

Seit dem 2.Vaticanum hat die Kirche die Menschenrechte anerkannt, aber nicht schon davor. Nun verwendet aber die Kritik des Verhaltens der Kirche im und zum Dritten Reich zwei hitorisch unhaltsame Prämissen, daß a) die Kirche schon immer die Menschenrechte anerkannt hätte, sodaß sie jede Politik, die mit der Menschenrechtsideologie inkompatibel ist, verurteilen müsse und daß sie b) die Demokratie als der auf die Menschenrechtsideologie basierenden Staatsform gegen die nationalsozialistische Diktatur hätte verteidigen müssen.

Verkannt wird dabei völlig, daß die bolschewistische Revolution mit ihrem militanten Atheismus als die Bedrohung gegen die Kirche von ihr so wahrgenommen wurde, sodaß dann der spanische Faschismus als Retter vor einem spanischen Bolschewismus gewürdigt wurde und auch das mit dem Faschisten ausgehandelte Konkordat als ein Erfolg der Kirche angesehen wurde. Daß dann der Krieg gegen die Sowjetunion als der Verteidigungskrieg gegen den nach der Welteroberung strebenden kommuistischen Atheismus wahrgenommen wurde, verstärkte dann eher noch die Sympathien für Hitler. Erst seit der deutschen Wiedervereinigung und dem dann anhebenden Kampf gegen Rechts verschob sich diese Sichtweise völlig: Jetzt gelten die „Nazis“ die „Rechten“ als die einzig wahren Feinde der Kirche und nun erst wird gesagt: Die Kirche hätte schon 1933 das wissen müssen, daß sie jetzt erst weiß, daß sie nur einen Feind hat: alles was „rechts“ ist. Nun fällt es der Geschichtsschreibung leicht, nachzuweisen, daß die Kirche ab 1933 nicht so agiert hatte, wie sie es getan haben müßte,denn da hätte sie schon wissen müssen, daß es nur einen wahren Menschheitsfeind gäbe, alles, was „rechts“ ist.


Nun könnte aber eingewandt werden, daß das alles doch nur sophistische Spitzfindigkeiten seien, denn eine Kirche, die an einen menschenfreundlichen Gott glaube, müßte doch jeder Art von Diskriminierung von Juden widersprechen, einfach, weil auch sie von Gott erschaffene und geliebte Menschen seien. Das klänge überzeugend, wenn nicht jetzt schon wieder Juden, nur weil sie Juden sind, diskriminiert werden. So wird jetzt eifrig debattiert, ob israelische Künstler beim nächten europäischen Singwettbewerb auftreten dürfen, wenn sie jüdische Staatsbürger mitverantwortlich für die Regierungspolitik seien. Wissenschaftler fordern den Ausschluß jüdischer Wissenschaftler, an Sportveranstaltungen sollen sie auch ausgeschlossen werden – ich halte es nicht für ganz ausgeschlossen, daß wenn Albert Einstein heute noch lebte und er sich nicht 100 prozentig gegen Netanjahu stellen würde,er an einem Physikerkongreß noch teilnehmen dürfte - und eine Boykottinitiative ruft auch in Deutschland dazu auf: „Kauft keine jüdischen Waren!“ Und auf Demonstrationen wird gebrüllt: „Tod den Zionisten!“ Nur sind das alles linke bzw propalästinensish islamistische Kritiker des jüdischen Staates, aber was sagt die Kirche jetzt zu diesem Antisemitismus? Ganz fixiert auf das Feindbild:“Rechts“ wird dieser Antisemitismus kaum wahrgenommen!



1So in: Thomas Brechrenmacher. Die Kirche und die Juden“, in: Hummel,Kißner: Die Katholiken und das Dritte Reich, 2.Auflage. 2010, S.125.

2A.a.O. S.125.

3Michael Feldkamp, Pius XII und Deutschland, 2000, S.142.

4Feldkamp, A.a.oO. S.143. Peinlich wird es dann aber, wenn er in der Fußnote 427 dazu schreibt: Undatiertes Schreiben, ADSS,Bd 9,177f.Anm6.

Mittwoch, 22. Oktober 2025

 

Wenn das Abendmahl zur Kaffee-und Kuchentafel wird „aber bitte mit Sahne“!

Eine Neutestamentarierin sorgt sich um die Praxis der Eucharistie: Hildegard Scherer: «Persönliche Begegnung lässt sich in heutigen Eucharistiefeiern schwer abbilden».“1 So erläutert diese Exegetin ihre Kritik:“Das Neue Testament zeigt, dass «persönliche Begegnung ein Ernstfall von Nächstenliebe» ist, sagt Hildegard Scherer, Professorin für Neues Testament. So war es Paulus wichtig, dass in der Gestalt der Mahlfeier Gemeinschaft, nicht aber Ausgrenzung und Herabwürdigung erlebt wird.“ Man beachte bitte, daß es hier um die persönlichen Begegnungen zwischen den Kommunikanten während der Eucharistie geht. So habe ich ursprünglich eine Eucharistiefeier im Urchristentum ereignet, führt dieser Artikel dann aus:

Im Neuen Testament sind Zusammenkunft der Gemeinde und «Brotbrechen» von der sozialen Konzeption des Mahles aus gedacht. Es findet in Häusern statt oder in anderen Räumen, die sich für eine Gruppe eignen. Die Teilnehmenden begegnen sich persönlich, tauschen sich aus.“ Drücken wir es mal ohne ein Soziologenvokabular aus: Man kam zusammen, um zu tratschen: „Hast Du schon gehört?- „Nein wirklich?“Aber da soll sich doch noch mehr ereignet haben: Ritus, Lobpreis und Gebet gehören damals auch andernorts selbstverständlich zum Mahl, doch hier setzen die Christusgläubigen ihre inhaltlichen Akzente.“ Also, ein Tischgebet und ein fröhliches Liedlein, in das sicher die anwesenden Kinderstimmen gern und lautstark miteinstimmten! Dabei sind nicht spezifische zum Anlaß der Eucharistie ausgewählte Riten, Lobgesänge und Gebete gemeint, sondern halt solche, die man gern zur Mittags- oder Abendtafel verwendete.

Aber etwas Christliches wurde dem doch noch hinzugefügt: Man erinnerte sich dabei an Jesus. Hier schöpft diese Exegetin aus dem vulgärisierten reformierten Abendmahlsverständnis, daß diese Feier eine reine Gedächtnisfeier sei, in der Jesus Christus dann nur noch als Erinnerter gegenwärtig ist. (Die reformierte Abendmahslehre ist diesbezüglich komplexer, sie kennt eine Realpräsens Christi aber eigentlich nur nach seiner göttlichen Natur, aber in der Gemeindefrömmigkeit ist diese Vulgärversion gegenwärtig. Beim Austeilen von Brot und Wein wird so nicht gesagt: „Leib Christi“ und „Blut Christi“, da da wirklich nur Brot und Wein ausgeteilt wird.)Dann wird aber noch hinzugefügt, daß dies Abendmahl dann wohl auch als eine Erinnerung an das Opfer Jesu verstanden wurde!

Aber, dann ganz erfüllt vom Geiste Luthers und seiner Mitkämpfer erklärt sie: „Doch zeigten sich Opfer in einer anderen Sozialgestalt.Und wie?Scherer: Sie fanden mit kultischem Personal an Altären statt. Doch solche Terminologie verwenden neutestamentliche Texte nicht in Bezug auf das Gemeindemahl.“ Da hat halt in ihrer Begeisterung für die reformatorische Theologie sie die Aussage des Hebräerbriefes2 über die Weise der Eucharistiefeier vergessen: „Wir haben einen Altar, von dem die nicht essen dürfen, die dem Zelt dienen.“ Damit sind die Juden von der Eucharistie ausgeschlossen, aber wesentlicher: Hier wird nicht von einem Mittags- oder Abendessenstisch geschrieben sondern von einem „Altar“. Zu Zeiten Jesu wird weder ein Juden- noch ein Heidenchrist einen gewöhnlichen Eßtisch als einen „Altar“ bezeichnet habet, ist ein Altar doch etwas Heiliges,auf dem einem Gott ein Opfer von Priestern dargebracht wird.

Kath de, ganz enthusiasmiert von diesem Destruktionsveruch der Eucharistie titelte darauf am 20.10.2025:“Theologin: Der Eucharistiefeier fehlt die persönliche NäheI“ Damit ist selbstredend nicht die fehlende Nähe zu Jesus Christus gemeint, sondern daß die Teilnehmer während dieses Abendessens nicht miteinander und untereinander kommunizieren! ( Die Vorstellung, schweigend miteinander zu essen und zu trinken ist halt für jede (Haus-)Frau eine unzumutbare für Frauen und muß so Männergehirnen entsprungen sein, darf im Geiste einer feministischen Theologie ergänzt werden!)

Aber unsere Exegetin ist optimistisch gestimmt, gibt uns Kath de doch Anteil an ihrer Zukunftshoffnung: „Den Verlust persönlicher Begegnung sieht die Theologin als Folge des kirchlichen Wachstums samt ihrer Strukturen. Doch gerade wenn Gemeinden schrumpfen, könne dies eine Chance sein, so Scherer. "Angesichts der schrumpfenden Besucherzahlen lässt sich fragen, ob vielleicht in den kleinen Ursprüngen auch ein Potenzial steckt, das heute wieder erfahrbar gemacht werden kann." Wenn erst die Volkskirche mit ihren Strukturen am Ende ist, und Frauen und Männer sich dann in trauter Runde zu einem kleinen Imbiß versammeln, mit- und untereinander tratschen und dann darf zum Kaffe auch: „ aber bitte mit Sahne“ angestimmt werden und ein zeitgeistgenössisches Tischgebet das Geschehen dekoriert und m/w/d Menschen dann sich noch an diesen Jesus erinnern, dann ist die Kirche auf einem guten Weg- auf einem Holzweg!


Kath de berichtete am 16.7. 2021 über diese umtriebige Exegetin: „Bibeltexte aber auch stark von patriarchaler Zeit geprägt-Theologin Scherer: Frauen kommen in Lesungstexten zu wenig vor.“ Ob dann wohl ihr Abendmahlsvertändnis ein antipatriachalitisch feministisches ist: Lasset uns bei Kaffe und Kuchen tratschen?

1Kath ch 19.10.2025: Hildegard Scherer: «Persönliche Begegnung lässt sich in heutigen Eucharistiefeiern schwer abbilden».

2Aber zur Lehre der Kirche, daß Jesus Kreuzestod ein, nein das Sühnopfer war, verhält sich diese Exegetin deutkich distanziert, wenn sie aussagt:Im Hebräerbrief wird der Tod Jesu als einmaliges Versöhnungsopfer gedeutet.“ Hier ist wohl ein: „bedauerlicherweise“ mitzulesen: bedauerlicherweise wurde der Kreuztod Jesu da so verdeutet.


Dienstag, 21. Oktober 2025

Wenn eine Aussage des Neuen Testamentes theologisch nicht akzeptabel ist!

 

Wenn eine Aussage des Neuen Testamentes theologisch nicht akzeptabel ist!



Man könnte sich die Lage der Theologie und Kirche ja so zurechtlegen: Bis zum 2.Vaticanum galt die hl.Schrift und die Tradition und das Lehramt als die drei normativen Quellen der Orthodoxie und Orthopraxie der Katholischen Kirche, dann begann aber der Sündenfall, als die Kirchentore weit geöffnet wurde für den hineinbrausenden Zeitgeist, der nun nicht nur alles in der Kirche durcheinanderwirbelt, sondern selbst zu der obersten Norm innerhalb der Kirche avanciert ist.Vor dem ordnete sich die Theologie der hl.Schrift und der Tradition unter.

Diese Vorstellung soll nun einmal überprüft werden. Im 1.Petrusbrief, der der Tradition nach von dem 1.Papst verfaßt wurde, steht geschrieben: „Denn auch Toten ist das Evangelium dazu verkündigt worden,daß sie wie Menschen gerichtet werden im Fleische, aber wie Gott das Leben haben im Geiste.“ (4,6). Den Menschen im Fleische werden hier die Toten gegenübergestellt. Das bestimmt den Unterschied zwischen den auf der Erde lebenden Menschen und den Verstorbenen in der Unterwelt.Es wird die Universalität des Gerichtes Gottes hier gelehrt, daß die Verstorbenen nicht dem Gericht Gottes entgehen, da sie schon verstorben sind. (Im Hintergrund könnte eine Naherwartung des kommenden Endgerichtes stehen, daß dies Gericht nur die dann Lebenden beträfe.) Den Toten wird nun in der Unterwelt, im Hades das Evangelium gepredigt. Das impliziert, daß die Toten in der Unterwelt hörfähig sind und gar in der Lage, das gehörte Evangelium im Glauben anzunehmen oder auch nicht.Das ist eine Vorstellung, die mit den Aussagen des Alten Testamentes wie mit der griechischen Vorstellung vom Hades kompatibel ist. Daß der Tod die schlichte Nichtung des Lebens sei,lehrte zwar der Philosoph Epikur, aber erst in der heutigen Zeit findet er damit viele Anhänger.

Aber wann und wie ist denn nun den Toten in der Unterwelt das Evangelium gepredigt worden? Darüber belehrt uns ebenso der 1.Petrusbrief: Jesus ist auch zu den Geistern gegangen,die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt.Diese waren einst ungehorsam, als Gott in den Tagen Noachs geduldig wartete,während die Arche gebaut wurde;in ihr wurden nur wenige,nämlich acht Menschen,durch die Taufe gerettet.“ (3,19f) Wird dieser Aussagenkomplex anthropologisch durchdacht, setzt das eine dualistische Antroplogie voraus, daß der Leib des Menschen in seinem Grabe liegt und seine Seele in der Unterwelt weiterexistiert.Da Jesus Christus wirklich und nicht nur zum Scheine am Kreuze gestorben ist, ist auch er als Seele in die Unterwelt versetzt worden.Hier predigte er den Seelen das Evangelium, damit auch sie gerettet werden, wenn sie die Predigt gläubig annehmen.Er predigt gar den einst Ungehorsamen, die deswegen als Geister in der Unterwelt gefangen waren, damit es selbst für diese noch eine Rettunsmöglichkeit gibt. Damit erteilt der erste Petrusbrief eine tiefgründige Antwort auf die Anfrage,ob denn dieser Jesus wirklich der Erlöser aller Menschen sei oder nur der zu seiner Zeit und der danach Lebenden oder ob vielleicht das Gericht Gottes nur den jetzt Lebenden und denen droht, die noch bevor Jesus Christus wiederkommen wird, gälte. Nein,Jesus Christus wird wiederkommen in seiner Herrlichkeit,um alle Menschen zu richten, die bis dahin Verstorbenen wie auch die dann Lebenden.

Dieser Aussagenkomplex gehört nicht zu den einfachsten der Bibel, aber ihr Gehalt läßt sich rekonstruieren, wenn man eine dualistische Anthropologie voraussetzt und ein angemessenes Verständnis vom Totsein, als einem Weiterexistieren der unsterblichen Seele in der Unterwelt, wobei das Totsein dann das endgültige Getrenntsein der Seele von Gott bedeutet. Aber Jesus wendet sich nun in seinem Totsein diesen von Gott Abgetrennten zu, damit sie aus ihrem Getrenntsein von Gott erlöst werden.

Was lehrt nun aber der jetzt gültige Katechismus zu dieser Causa? Er lehrt:“Die Seelen der Gerechten,die in Abrahms Schoß den Heiland erwarteten,hat Christus bei seinem Abstieg in die Hölle befreit“ Catech R,1,6,3).Jesus ist nicht in die Unterwelt hinabgestiegen, um die Verdammten daraus zu befreien, und auch nicht,um die Hölle,den Ort der Verdammten ,aufzuheben, sondern um die Gerechten zu befreien,die vor ihm gelebt hatten.“ (Katechismus Nr.633.) Die Seelen,denen Jesus das Evangelium in der Unterwelt gepredigt hatte,können nun aber unmöglich Gerechte gewesen sein,denn die Gerechten, es waren 8 Menschen, wurden in der Arche gerettet,die vielen anderen aber als Ungehorsame qualifiziert, sie waren also Ungerechte! Die Gerechten in Abrahms Schoß können nun auch unmöglich die gefangenen Seelen in der Unterwelt sein. Mose wie auch der Prophet Elia konnten Jesus auf dem Berge der Verklärung erscheinen, weil sie nicht in einem Unterweltsgefängnis eingesperrt waren und auch der schon verstorbene Prophet Samuel konnte dem König Saul erscheinen,und ihm sein Schicksal offenbaren, da auch er kein Gefangener in der Unterwelt war!

Nur die Sünder, die Ungerechten waren in diesem Unterweltsgefängnis und diesen predigte Jesus das Evangelium!

Nr 635 widerspricht nun aber dem in 634 Ausgesagtem: „Christus ist somit in die Tiefe des Todes hinabgestiegen;damit >die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören...und alle, die sie hören,....leben.<“ Dies erweckt doch den Eindruck,daß Jesus nicht hinabgestiegen ist,um die Gerechten in der Unterwelt zu befreien,sondern gerade die Sünder. Aber das verwirft nun die Nr 633.

In Ludwig Otts: „Grundriss der Dogmatik“ steht im Dritten Kapitel § 12:“Die Höllenfahrt Christi“. „Nach dem Tode stieg Christus mit der vom Leib getrennten Seele in die Unterwelt hinab.“ 1 Dort heißt es dann: „Der Zweck der Höllenfahrt war nach allgemeiner Lehre der Theologen,die Gerechten in der Vorhölle zu befreien durch Zuwendung der Früchte der Erlösung.d.h.durch Mitteilung der beseligenden Gottanschauung.“ 2 Erstens vermittelt die Verkündigung nicht selbst diese Gottesschau und Jesus predigt nun gerade nicht Gerechten sondern Ungehorsamen!

Wenn Ott mit seiner Behauptung recht hat, dann irrte in diesem Punkte die allgemeine Lehre der Theologen,und im jetzigen Katechismus wird in Nr.633 dieser allgemeinen Theologenlehre zugestimmt, um dann in Nr. 634 und 635 dem zu widersprechen! Der Katechismus will somit dem 1.Petrusbrief und der Lehre der Theologen zugleich recht geben und das geht nicht ineins!

Ähnlich große Probleme bereitet der Theologie die klare Aussage des 1.Korintherbriefes Pauli:“Wie kämen sonst einige dazu,sich für die Toten taufen zu lassen.“ (15,29). Für den Apostelfürsten Paulus ist es eine erlaubte und gültige Praxis,sich zugunsten von schon Verstorbenen taufen zu lassen.Der jetzige Katechismus erwähnt diese so bedeutsame Stelle für die Lehre vom Taufsakrament einfach nicht,weil sie nicht zur jetzigen Tauflehre paßt!



1Ott, Grundriss der Dogmatik,11.Auflage 2005, S.281.

2A.a.O. S.283.

Montag, 20. Oktober 2025

Eine vergessene Intention der Religionskritik – oder zum Projekt der Moderne

 

Eine vergessene Intention der Religionskritik – oder zum Projekt der Moderne



Ludwig Feuerbach, der erste wirkmächtige Religionskritiker kapriziert sich in seiner Religionskritik gerade auf die Einheit des Glaubens an Gott und an ein Jenseits, denn es gälte, nicht nur den Gottesglauben zu überwinden sondern insbesondere den Glaube an eine Jenseitswelt. Er schreibt dazu: „Ebenso wie mit dem Atheismus ist es mit der von ihm unzertrennlichen Aufhebung des Jenseits.Wenn diese Aufhebung nichts weiter als eine leere,inhalt- und erfolglose Verneinung wäre,so wäre es besser,oder doch gleichgültig, ob man (!) es stehen oder fallen ließe.Allein die Verneinung des Jenseits hat die Bejahung des Diesseits zur Folge;die Aufhebung eines besseren Lebens im Himmel schließt die Forderung in sich:es soll, es muß besser werden auf der Erde;sie verwandelt die bessere Zukunft aus dem Gegenstande eines müßigen,tatlosen Glaubens in einen Gegenstand der Pflicht,der menschlichen Selbsttätigkeit...“1

Es kommt nun darauf an, den Begriff der Aufhebung angemessen zu verstehen.Er wird hier schon so verwendet wie ihn später Hegel in seiner Philosophie konzipiert. Feuerbach will somit nicht einfach den Glauben an einen Gott und an eine jenseitige bessere Welt negieren, sondern diesen Glauben neu konstruieren. Der Glaube an Gott wird transformiert in den an die Menschheit, daß sie das vollbringen werden kann,was der Gottglaube von seinem Gott erwartet. Der Glaube an eine jenseitige Welt wird dann trnsformiert in den Glauben an eine weltimmanente Zukunft, daß die Welt besser werden wird. Die religiöse Praxis, von diesem Philosophen als eine müßige und tatenlose diffamiert, wird dann transformiert in die Aufgabe des Menschen, selbstständig diese bessere Zukunftswelt hervorzubringen. Die Gotteslehre wird so in eine Anthroplogie umgewandelt, in den Glauben an den das Gute vermögende Menschen, die Eschatologie in humanistische Zukunftsperspektiven der Optimierbarkeit der Welt und aus der Glaubenspraxis der Auftrag zur Humanisierung der Welt. Dabei sollen die wesentlichen Gehalte der christlichen Religion conserviert werden, dem Glauben an das Gute, das sich letztendlich durchsetzen wird, nur daß nun das Subjekt der Hervorbringung dieses Guten nicht mehr ein Gott sondern der Mensch ist als Selbsttätiger. Das ganze Pathos dieser Religionskritik liegt in der Euphorie des Glaubens an den Menschen, die Menschheit, die in der Lage ist, selbstständig eine neue bessere Zukunftswelt zu errichten.

Sombart rekonstruiert damit das Glaubensfundament der modernen Welt, das „ökonomische Zeitalter“, dessen Inbegriff für ihn „Der Turmbau von Babel“ ist.2 Marx berühmte Religionskritik, die Religion sei das Opium des Volkes, bekommt so bei Sombart eine besondere Bedeutung: Der Glaube an Gott und seine Verheißung der besseren Jenseitswelt solle die Menschen davon abhalten, selbst revolutionär die Welt zu verbessern. Die Wahrheit der Religion ist so, daß in ihr die Welt als ein Jammertal wahrgenommen wird, aber indem sie die Hoffnung des Volkes auf eine jenseitige bessere Welt ausrichtet,verschließe sie die Hoffung, daß der Mensch selbsttätig diese zu errichten habe. Der bürgerliche Humanismus Feuerbachs und der revolutionäre Marx gehören so beide zum Projekt der Moderne, daß der Mensch die Aufgabe als seine annimmt, die die christliche Religion Gott zuordnet. Wenn die Religion als ein tatenloser Müßiggang abqualifiziert wird, dann ist damit nur gemeint, daß der Glaube den Menschen davon abhielte, selbst das Erdenjammertal in einen blühenden Paradiesgarten umzuwandeln.

Aber wir leben nicht mehr in der Moderne, denn dieser Traum von der Selbsterlösung des Menschen in einer von ihm selbst hervorgbrachten Zukunftswelt ist ausgeträumt. Sein letzter radicalster Realisierungsversuch scheiterte wahlweise in dem Stalinismus oder in der Implosion des Real existierenden Sozialismus 1989f. Aber auch der bürgerliche Humanismus hat aufgehört, von einem guten Ende zu träumen. Die desillusuonierte Postmoderne ist nun aber auch keine Rückkehr zur christlichen Religion als der großen Erlösungserzählung, nachdem nun ihre säkularisierten Varianten gescheitert sind, sondern sie ist charakterisiert durch den Verlust alles utopischen Hoffens und Denkens, auch wenn ein Philosoph, Jürgen Habermas noch über die Unvollendetheit des Projektes der Moderne lamentiert.Man könnte so auch sagen, daß, wenn die Moderne die Aufhebung der Religion sein wollte, dann ist die Postmoderne die schlichte Negation der Religion.


1Zitiert nach: Werner Sombart, Deutscher Sozialismus, 1934, S.102.


2Sombart, S.8- 13.

Samstag, 18. Oktober 2025

Jeder Mensch strebt nach dem Glück, nur worin sich das Glück befindet, darüber existieren sehr verschiedene Auffasungen.

 

Jeder Mensch strebt nach dem Glück, nur worin sich das Glück befindet, darüber existieren sehr verschiedene Auffasungen.



Diese Meinung, als Eudaimonismus bezeichnet könnte ob ihrer Verbreitung als einen Konsens unter uns Menschen angesehen werden. In dem Zeitalter der Massenproduktion von Waren und dem Massenkonsum synthetisiert sich diese Vorstellung mit der, daß im Prinzip das Glücklichsein in dem Konsum bestimmter Waren bestünde, wobei die Konsumentenfreiheit darin existiere, das meinem persönlichen Geschmacke Entsprechende kaufen zu können. Diese Idee des Erdenglückes evoziert aber den Einwand, daß einige, oder zu viele von diesem möglichen Glück ausgeschlossen seien, da sie zu arm seien, um so frei konsumieren zu können. Das Ideal der Gerechtigkeit verlange so, daß jeder Erdenbürger frei konsumieren könne.

Nietzsche widerstreitet nun völlig dem Eudaimonismus. In seiner „Götzen-Dämmerung“ Nr.12 heißt es: „Der Mensch strebt nicht nach Glück,nur der Engländer tut dies.“ Hat hier dieser deutsche Philosoph England als das Land des Kapitalismus vor Augen, wie auch Karl Marx, wie es Oswald Spngler in seiner Marxkritik ausdrücklich rekonstruiert.1 Werner Sombart zitiert nun in seinen Erwägungen darüber, was uns Deutsche als Deutsche ausmache Nietzsche so: „Was liegt am Glücke;trachte ich denn nach Glück?Ich trachte nach dem Werke.“ 2 Das Erschaffen des Werkes wird hier als ein selbstzweckliches Wirken verstanden und somit nicht als eine Hervorbringung von einer Ware, die verkauft werden soll, um einen Gewinn zu erzielen. Dazu paßt dann auch Richard Wagners Votum, was das Deutsche ausmache: „Deutsch sein heißt,eine Sache um ihrer selbst willen tun.“3 Schopenhauer sagt ganz in diesem Geiste: „Nehmen wir die Betrachtung des Menschengeschlechts hinzu...Auch hier stellt sich das Leben keineswegs dar als ein Geschenk zum Genießen, sondern als eine Aufgabe, ein Pensum zum Abarbeiten.“ Goethe äußert sich nun zu dieser Causa so: „Versuche deine Pflicht zu tun,und du weißt gleich,was an dir ist.Was aber ist deine Pflicht? Die Forderung des Tages.“

Und als Krönung dieser antieudomistischen Lebensauffassung zitiert Sombart M.Friederich: „Es ist nicht nötig,daß ich lebe;wohl aber,daß ich meine Pflicht tue für das Vaterland kämpfe,um es zu retten,wenn es noch zu retten ist.“

Könnte es sein, daß uns Deutschen nach dem verlorenen Krieg durch die Reeducation, durch dies Umerziehungsprogramm diese deutsche Lebensauffassung aberzogen worden ist, damit wir nun westlich und das hieße im Sinne Nietzsches engländisch werden sollten? Denn dieser engländische Geist ist der des ökonomischen Zeitalters, dem Sombart die Idee eines deutschen Sozialismus entgegenstellt. Darüber sollte nachgedacht werden.

1Oswald Spengler, Preußentum und Sozialismus.

2Werner Sombart, Deutscher Sozialismus, 1934, S.143.

3Sombart, a.a.O. S.143, wie auch alle jetzt noch folgenden Zitate.

„Gefahrenzone >Puppen und Piraten<“ oder „Vorwärts“ im Geschlechterkampf in den Kitas und Kindergärten

 

Gefahrenzone >Puppen und Piraten<“ oder „Vorwärts“1 im Geschlechterkampf



In dem „ Kommentar um >5 vor 12>" vom 16. 10. 2025 berichtet die „Tagespost“ über einen weiteren Exzeß der LGBTQ - Ideologie, der Täter: die Caritas München.In dem Kommentar heißt es dann: Anderswo verhungern Kinder auf Müllhalden, in Deutschland will die Caritas Kinder vor „geschlechtsstereotypischen“ Spielsachen schützen. Das steht nicht mehr im Verhältnis.“ Nur verfehlt diese Kritik das Gewicht des Geschlechterkampfes. Der „Weiße Mann“ avancierte nach dem Ende des Marxismus mit seiner Klassenkampfrhetorik zu dem Feind schlechthin. Dabei vermengelt sich eine rassistische Komponente, die weiße Rasse sei der Grund aller Übel mit der feministischen, daß das männliche Geschlecht der Quell aller Übel sei.Der Kampf gegen die „Weißen“ und isb gegen den Deutschen, als der schlimmsten Abart dieser Rasse wird praktisch als die Propagierung der Politik der „offenen Grenzen“ geführt, daß die „Weißen“ in Deutschland zur Minderheit werden sollen. So sehr nun auch dieser Kampf in den Medien im Vordergrund steht,so darf doch der gegen das männliche Geschlecht und die Geschlechterdifferenz nicht als eine Bagatelle beurteilt werden.

Grundlegend für diesen Antigeschlechterkampf ist die Behauptung, daß Männer und Frauen nicht von ihrer Natur her männlich oder weiblich sind, sondern dazu erst erzogen werden. Seinen Höhepunkt findet dieser Antigeschlechterkampf in der Vorstellung, daß jeder Mensch das Recht haben müsse, sein Geschlecht so zu wechseln wie seine Kleider, ja, daß er nicht nur das Recht hätte, zwischen der Option : „Weiblich“ (w) und der „Männlich“ (m) zu wählen, sondern auch für weder „männlich“ noch „weiblich“ optieren könne oder gar für sich selbst ein ganz anderes und noch nie angetroffene Geschlecht zu entwerfen! Erstrebte der Klassenkampf als sein Endziel die klassenlose Gesellschaft so ist das Endziel des Anti-geschlechterkampfes eine Gesellschaft geschlechtsloser Menschen, die sich ganz nach Belieben mal mit diesem,mal mit jenem Geschlecht kostümieren. Das Bestimmtsein eines jeden Menschen durch sein Geschlecht wird dabei als eine Art von Fremdbestimmung denunziert, die dem Ideal der freien Selbstbestimmung widerspräche. Ein Mensch habe nur das zu sein, wozu er sich frei bestimme und er dürfe dann auch nicht als dann fixiert betrachtet werden, da ihm das Recht zustünde,jederzeit sich neu anders zu bestimmen.

Nun stellt sich aber dieser Freiheit ein natürliches Beharrungsverhalten entgegen,daß die Menschen das sein wollen, was sie sind als ein wesentliches Moment ihrer Selbstbejahung: Die Mädchen wollen eben Mädchen und die Jungen eben Jungens sein. Hier muß nun die LGBTQ – Pädagogik ansetzen, um dies conservative Beharrungsverhalten zu bekämpfen! In den Kitas und Kindergärten sollen eben die Mädchen nicht mehr mit ihren Puppen spielen, führt das doch – oh Graus!- zu einer Bejahung ihres Frauseins, statt das als eine Beeinträchigung ihrer Freiheit abzulehnen.Grundlegend ist dabei diese Erkenntnis der Feministin de Beauvoir, der Kampfgefährtin Sartres: Das Urgestein des Feminismus, Simone de Beauvoir bringt diese Erkenntnis auf den Punkt: „Keine Frau sollte berechtigt sein, zu Hause zu bleiben und ihre Kinder zu erziehen. Die Gesellschaft sollte anders sein. Frauen sollten diese Wahl nicht haben, gerade weil, wenn es eine solche Wahl gibt, zu viele Frauen diese Wahl treffen werden.“2

Damit Frauen später nicht doch sich falsch entscheiden, habe eben eine feministische Pädagogik schon in der Kita anzufangen, die Jungen wie auch die Mädchen gegen ihr Geschlecht zu erziehen! Dabei synthetisiert sich dieses feministische Ansinnen mit dem rassistischen, daß Weiße Frauen möglichst keine Kinder bekommen sollten,um so der Herrschaft der „Weißen Rasse“ ein Ende zu bereiten.Den Mädchen muß man eben die Puppe aus der Hand reißen, den Jungens ihr Spielzeugauto, um sie so zu entgeschlechtlichen. Mädchen dürfen eben nicht mit einem Röckchen im Kindergarn erscheinen, Jungens dagegen sind mit Lob zu überhäufen, tragen sie einen Rock.Der Kampf gegen die "Tradwives“, einer Frauenbewegung,in der das als „traditionell“ diffamierte Frauenbild, der Frau, die ihr Glück in der Liebe und der eigenen Familie findet,bejaht wird, gehört so als ein extremer Exzeß zu diesem Antigeschlechterkampf: Solche Frauen seien eben „rechts“.In den Kindertagesstätten und Kindergärten ist so einer Fehlentwickelung pädagogisch entgegenzuwirken durch eine LGBTQ- Umerziehungspädagogik!(In Westdeutschland war die amerikanische Umerziehung sehr erfolgreich!)

Wäre die „Caritas“ eine katholische Organisation, hätte eine LGBTQ- Pädagogik in ihr kein Heimrecht, aber selbst die Bischöfe Deutschlands huldigen ja inzwischen den Antigeschlechterkampf dieser Ideologie! So jubelte Kath de am 15.10.2025: „Sie zählt erneut zu den Top 10 der LGBTQ-freundlichsten Kirchen Europas – die katholische Kirche in Deutschland. Das sagt zumindest der neue "Rainbow Index of Churches in Europe".“ Kath de: „Ranking: Katholische Kirche in Deutschland weiter sehr queerfreundlich.“Dazu gehört nun mal konstitutiv der Antigeschlechterkampf.Aber auch im Kampf gegen die Herrschaft des „Weißen Mannes“ engagiert sich die deutsche Kirche ja vorbildlich durch die Apologetik der Politik der „offenen Grenzen“.

1Der „Vorwärts“ war einst das Zentralorgan der SPD und rief eine Zeit lang zum Klassenkampf auf,, den Feministin nun durch den Geschlechterkampf ersetzen wollen..

2Zitiert nach dem „Tagespostartikel: „Männer sind anders“ vom 8.3.2025.

Freitag, 17. Oktober 2025

Eine Fehlübersetzung des Benedictus (Lk1, 68-79),die bedeutsamer ist als es scheint

 

Eine Fehlübersetzung des Benedictus (Lk1, 68-79),die bedeutsamer ist als es scheint


Die deutsche Übersetzung lautet nun: „Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heiles beschenken“. (Lk 1,77). Der griechische Urtext heißt hier aber „die Erkenntnis des Heiles! Die Vulgata übersetzt mit „scientia“ und somit nicht mit „Erfahrung“. Ist das jetzt nur ein Flüchtigkeitsfehler, daß aus der „Erkenntnis“ die „Erfahrung“ wurde?

Einen Aufschluß bietet der Lexikonartikel :“Erfahrung“ in: Neues Handbuch theologischer Grundbegriffe“1: „der Begriff bezeichnet das Faktum,etwas zu empfinden,einen Eindruck zu empfangen – es darf sich jedoch nicht um ein nur flüchtiges Phänomen handeln,das,sofort ausgelöscht, keine Spuren hinterläßt, sondern es muß etwas sein,das in welcher Form auch immer , eine bleibende Erweiterung des Bewußseins bildet.“2 Beachtenswert sind dabei die Verben: „empfinden“,“empfangen“, Spuren hinterlassen und das Bewußtsein erweitern. Die Rezipität überwiegt,daß die Erfahrung in den sie Machenden einwirkt.

Deutlicher wird dieser Primat der Rezipität in der weiteren Ausführung des Begriffes der Erfahrung. Ihr Charakteristisches sei „ihre Unmittelbarkeit und infolgedessen ihre für sich selbst sprechende Art. Erfahrung sagt ein Erkennen aus, das nicht in erster Linie dem diskursiven Denken entspringt.sondern zuvörderst dem unmittelbarem Wahrnehmen eines Eindrucks oder eines Er-Lebnisses.“3 Die Zentralaussage besteht in der antithetischen Gegenüberstellung von einem „unmittelbarem Wahrnehmen“ und einem Erkennen aus dem diskursiven Denken“.Bildet man auf diese Antithetik die von der Erfahrung zu der Erkenntnis ab,ergibt sich, daß die Erfahrung dies unmittelbare Wahrnehmen, die Erkenntnis das Produkt eines diskursiven Denkens meint.

Das Unmittelbare soll dann als das echte, so wie es ist, assoziiert werden, wohin das Denken unter dem Verdacht gestellt wird, daß es als die Aufhebung der Unmittelbarkeit das Eigentliche des Erlebten verfehlt.Das diskursive Denken bringt in seinen Exzessen ganze Theoriegebäude hervor, dogmatische Lehrsysteme und in diesen verschwände dann das Eigentliche,die unmittelbar wahrgenommene Wahrheit. Diese Antithetik könnte dann so angewandt werden: Ursprünglich sei in der Begegnung mit Jesus die faszinierende Ausstrahlung seiner Persönlichkeit,die zu mir sagt:“Du bist angenommen, wie Du bist“ und dann hätte eine Reflexion angehoben, in der aus Jesus von Nazareth im Johannesevangelium ein präexistenter Logos wurde, und Theologen erdachten sich dann gar die Trinitätstheologie, in der die unmittelbar erfaßte Wahrheit zugrunde gegangen ist.Die Erfahrung als mein unmittelbares Wahrnehmen ist die Wahrheit, im Denken wird dann diese Unmittelbarkeit durch das Reflektieren zerdacht und in blutleeren grauen Theorien genichtet, wenn es nicht gelingt, aus diesen Theorien das Ursprüngliche herauszudestilieren.

Jesus, so wie er unmittelbar erfahren, erlebt wurde, das ist der wahre Jesus, wohingegen der dogmatische nur noch eine blutleere graue Theorie über ihn liefert. Die theologie- und somit auch kirchenkritische Intention ist dabei unverkennbar.

Nur was ist von diesem Pathos des unmittelbarem Wahrnehmens zu halten?Ist es dem Sehen zu eigen, das Gesehene so wahrzunehmen, wie es wirklich ist und daß dann Verzerrungen des ursprünglichen Wahrnehmens dem reflektierenden Denken anzulasten sind? Adorno qualifiziert dagegen die Erfahrung „bereits“ als ein Reflexionsprodukt“.4 und zerschlägt damit die ganze Konstruktion des Pathos eines unmittelbaren Wahrnehmens! Bei jeder Wahrnehmung ist doch zu distinguieren,das, was gesehen wird, von dem wie es der Mensch dann´vermittels seiner sinnlichen Aufnahme sieht.Wenn ich etwas sehe, dann sehe ich das Bild von dem von mir Gesehenen und dieses Bild produziere ich. Jedem Brillenträger ist das ad hoc einsichtig: Er sehe sich einen beliebigen Gegenstand an,setze dann die Brille ab und vergleiche das Objekt,wie er es mit der Brille gesehen hat mit dem wie er es ohne die Brille sieht.Das Objekt als an sich seiend bleibt sich identisch, aber meine Sicht von ihm variiert.Aber das Objekt an sich ist mir nie unmittelbar gegeben, sondern es wird nur durch mein Sichbeziehen darauf zu einem Objekt. Das Begreifen von etwas, daß ich etwas als ein Buch identifiziere, bedeutet, daß ich etwas Singuläres unter den Begriff des Buches subsumiere und so als ein Exemplar der Idee des Buches bestimme.Hier entsteht die Erkenntnis des Gegenstandes als den eines Buches.

Es liegt sozusagen ein Rohstoff vor, aber durch meine sinnliche „Wahrnehmung“ wird es bearbeitet,und wird dann zu einer Erfahrung gemacht, die selbst schon ein erster Schritt zur Erkenntnis dessen ist,was als ein Rohstoff dem Erkenntnisproduktion vorausliegt. Man stelle sich ein Holzstück vor, aus dem ein katholischer Künstler eine Marienfigur schnitzt: Von der Möglichkeit her war die Marienfigur schon in dem Holz präsent und der Künstler realisierte dann die in diesem Holze schon präsente Möglichkeit.Dieser künstlerische Hervorbringungsakt hat mehr gemein mit dem eine Erfahrung machen als die Vorstellung, daß es ein unmittelbares Wahrnehmen gäben könnte.

Aber damit ist ein theologisch relevantes Begreifen dessen, was eine Erkenntnis von etwas ist,noch nicht erreicht. Ludig Ott erfaßt das Erkennen als das Erkennen der Dingwahrheit von etwas,womit er unterscheidet von wahren Aussagen über einen Sachverhalt:“Es ist wahr, daß Maria eine immerwährende Jungfrau ist“ und der Frage: „Ist etwas so, wie es sein soll?“ , der ontologischen Wahrheit. Diese definiert er so: „Die ontologische Wahrheit oder >Dingwahrheit< besteht in der Übereinstimmung eines Dinges mit seiner Idee“,5.der Idee, wie sie Gott in sich selbst hervorgebracht hat. Die Erkenntnis dieser Übereinstimmung kann selbstredend nie etwas unmittelbar Erkennbares sein, aber jedes theologisch relevante Erkennen bezieht sich auf die ontologische Wahrheit.Die historische Wissenschaft kann das Kreuz Jesu als einen Justizirrtum des Pilatus rekonstruieren, aber die ontologische Wahrheit dieses Ereignisses, daß Gott Jesu Christi Kreuzestod als das Sühnopfer wollte ist unmöglich einfach unmittelbar erkennbar.

Ott erfaßt dabei als die Voraussetzung dieses Verständnisses von Erkenntnis in seiner Anlehnung an den hl.Kirchenlehrer Thomas von Aquin die Wahrheit der Theologie so: die Theologie“ ist „eine wahre Wissenschaft,weil sie von sicher feststehenden Grundwahrheiten (principia),den Offen-barungslehren,ausgeht,in einem streng wissenschaftlichen Beweisverfahren neue Erkenntnisse, theologische Folgesätze (conckusiones)daraus ableitet und das Ganze zu einem geschlossenen System vereinigt.“6 Daraus ergibt sich zwingend, daß etwas nur erkannt wird, wenn es in seiner Stellung im ganzen System begriffen wird,und daß so jede unmittelbare Erkenntnis von etwas, abstrahiert aus der Totalität,das erst in einem System begriffen werden kann,eine Verkennung des Zuerkennenden sein muß!

Aber der antiintellektualistische Zeitgeist, dem das Denken nur eine Variante des (Erbsen)Zählens ist, der vulgäre Empirismus bringt eben keine Erkenntnisse hervor und auch nicht etwas, was rechtens als eine „Erfahrung“ qualifizierbar ist, denn jede Erfahrung ist bereits ein Reflexionsprodukt und deswegen nichts Unmittelbares. Im Denken ist so Gott für uns „erfahrbar“,nicht in einer Unmittelbarkeit eines persönlichen Erlebens!

Angesichts der Religionskritik durch Feuerbach,Marx und Nietzsches soll durch den Begriff der " Erfahrung" als eines unmittelbaren  Wahrnehmens, gern verbunden mit dem des Erlebens die Religion gegen diese Kritik immunisiert werden,denn ob dieser Unmittelbarkeit und Nichtrelektiertheit sei das so Wahrgenommene und Erlebte wahr.




1„Erfahrung“ in: „Neues Handbuch theologischer Grundbegriffe Bd , 1984,S.230-241,Hrsg: Peter Eicher.

2A.a.O. S.231.

3A.a.O.S.232.

4Adorno, Einführung in die Dialektik, stw 2128,S.139.

5Luwig Ott, Grundriss der Dogmatik,11.Auflage,2005,S.67.

6A.a.O.S.24.