Mittwoch, 13. Januar 2016

Lehrfreiheit in der Kirche- oder über das "Weihnachtsmärchen"

 Menschen werden "veräppelt", wenn die Kirche verkündet, daß Maria eine Jungfrau und der Hl. Geist für die Schwangerschaft Mariae verantwortlich  gewesen sei. Das verkündet eine evangelische Pfarrerin zu Bremen, Frau Klaus. Das Evangelium von der Geburt Jesu Christi sei ein "Glaubensmärchen." (So berichtet Kath net am 12.Jänner 2016 über diese Causa) Die Pressesprecherin der bremischen Kirche erklärte zu dieser Märchentheorie: daß in ihrer Kirche "Glaubens- , Gewissens- und Lehrfreiheit" bestünde, sodaß die Pastorin dies so verkünden darf. Im Weserkurier vom 23.12. sagte sie als Begründung dafür, daß es sich Weihnachten um ein Glaubensmärchen handelt : "Wir haben die Aufklärung hinter uns und wissen, was an dieser Geschichte wahr ist und was nicht."
Eine Selbstverständlichkeit ist für diese evangelische Theologin, daß nur das, was im Sinne der Aufklärung als wahr gelten kann auch in der hl. Schrift als wahr gelten kann. Ein wörtliches Verständnis und die Bejahung des Textsinnes kommt so für sie nicht in Betracht. Wörtlich nehmen nur noch die Katholische und die Orthodoxen Kirchen die Bibel, das sei ihr aber unmöglich, weil sie die Menschen nicht veräppeln will. Könnte man also auf den ersten Blick diese Theologin als Befürworterin eines unlimitierten Pluralismus verstehen, so macht sie dann doch deutlich, daß ihre Auslegung des Weihnachtsevangeliums als Märchen als die einzig heuer legitime zu gelten hat. Denn wer sie wörtlich versteht und so auch verkündet, veräppelt damit seine Hörer. Die "Glaubens- und Lehrfreiheit" beschränkt sich somit darauf, die vorgegebene Lehrtradition und auch insbesondere das Apostlische Glaubensbekenntnis als unverbindlich zu beurteilen und gar abzulehnen. Die einzige Autorität im Protestantismus, die hl. Schrift wird nun auch ihrer Autorität beraubt, indem sie der Kritik der Aufklärung unterworfen wird und nur noch die Aussagen der Bibel ein Anrecht auf Wahrheit erheben dürfen, die gemäß der Aufklärung ausfallen.
Intoleranter geht es kaum! Allen nichtliberalen Christen wird somit der Vorwurf gemacht, daß sie, indem sie das Apostolische Glaubensbekenntnis bejahen, sich und ihre Mitmenschen veräppeln, weil sie etwas  Vernunftwidriges selbst glauben und das noch ihren Mitmenschen zumuten.  Das ist die prakizierte Intoleranz des (theologischen) Liberalismus.
Aber es muß doch noch die Frage erlaubt sein, warum denn die Lehre von der Jungfrauengeburt der Aufklärung oder der Vernunft gar widerspricht!  Wenn Theisten und Atheisten darüber streiten, ob die Aussage, Gott ist, ist im Sinne von: existieren, wahr ist, so sind sie sich doch einig in der Aussage, daß von Gott auszusagen ist, daß er als allmächtig zu denken ist. Ein Wesen als Gott vorzustellen und ihm die Allmacht abzusprechen, ist so sinnwidrig, wie etwas Kugel zu nennen und ihm abzusprechen, rund zu sein. Allmacht bedeutet, daß es nichts gibt, von dem gilt, daß es Gott will, aber nicht realisieren kann. Da Gott Freiheit zugeschrieben wird, (sonst wäre er nicht als Gott gedacht) muß zudem gesagt werden, daß er auch als Allmacht kann, was er nicht will. Gott wollte die Welt so schaffen, wie er sie schaffen wollte, aber er hätte sie auch anders schaffen können und so kann er mehr, als er wollte. Auch sein positives Wollen limitiert nicht seine Allmacht. 
Wenn es also einen Gott gibt, dann ist er notwendig als allmächtig zu denken und als Allmächtiger kann er selbstverständlich das Wunder einer Jungfrauengeburt wirken. Genau begründet die hl. Schrift die Jungfrauengeburt: "Denn für Gott ist nichts unmöglich". Lk 1,37. Zurecht frägt ja Maria, wie das möglich sein soll, daß sie als Jungfrau, als Jungfrau bleibende ein Kind zur Welt bringen kann. Der Engel Gabriel selbst gibt ihr daraufhin diese Antwort. Nicht sagt er zu ihr: Glaube das so!, sondern der Engel beweist ihr, wie das möglich ist. 
Soll nun die Aussage, daß Gott als allmächtig zu denken ist, der Aufklärung widersprechen? Daß Gott so zu denken ist, ist ja selbst eine Bestimmung des Denkens und widerspricht gerade deshalb nicht der Aufklärung. Wenn es einen Gott gibt, dann ist von ihm zu denken, daß ihm das Wunder einer Jungfrauengeburt nicht unmöglich ist. Eine Jungfrauengeburt wäre nur dann unmöglich, wenn es keinen Gott gäbe. 
Merke: Solange Gott nicht als Märchen angesehen wird, ist es denkbar, daß das Wunder einer Jungfrauengeburt sich ereignen kann. Das Argument der evanglischen Theologin lautet ja, daß es dem aufklärerischen Denken widerspräche, die Möglichkeit einer Jungrauengeburt zu denken. Nicht urteilt sie, daß das zwar möglich wäre, aber daß das Mögliche sich im Falle der Maria nicht ereignet habe. Sie will ja in der Autorität der Aufklärung die Unmöglichkeit der Jungfrauengeburt beweisen. Aber das vernünftige Denken kommt genau zum entgegengesetzten Ergebnis: daß, weil Gott als allmächtig zu denken ist, das Geschehen einer Jungfrauengeburt denkbar und somit auch möglich ist.  
Sollte diese Theologin unter Lehrfreiheit verstehen, daß man auch sich der Pflicht zu einem vernünftigen Denken entziehen kann, um einfach das liebgewonnene Vorurteil, daß die Aufklärung das Geschehen von Wundern ausschließe, ohne nachzudenken zu pflegen?                          


Keine Kommentare:

Kommentar posten